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Rund um die Woche

Dachdecker arbeiten

Lim das „Blaue Band des Ozeans

Sommerfrischen, Luftkurorte und Strandbäder die letzte Antwort auf das Sehnen der Menfchenbruft nicht geben können.

Einmal werden das auch jene einsehen, die heute glauben, ohne jede Religion ihr Da­sein formen zu können. Solch einen Glauben trifft man oft in einigermaßen gut gestellten Arbeiter­familien. Sie haben ihr Häuschen, ein Gärtlein davor, ein wenig Acker dahinter, Blumen am Fen­ster, alles in allem gute Kinder und für den Fall der Not dis öffentlichen Kaffen. Sie fühlen sich gesättigt und denken an nichts weiter. Aber wie lange wird das halten? Was, wenn eines Tages die öffentlichen Kassen leer werden? Was, wenn ein Kind vollkommen mißrät? Was, wenn sonst ein Gewitterslblag das Familienleben erschüttert? Was, wenn doch das schönste Haus vertauscht wer­den muß mit dem kühlen Grab, das unserer aller wartet. In all diesen Fällen weiß die Natur keine Antwort mehr, und eben darum ist das Leben so schwer und tragiscb, daß wir der ewigen Güter

nicht vergessen, für die wir bestimmt sind. Gewiß, das neue Heidentum breitet sich mächtig aus, aber auf die letzten großen Fragen weiß es so wenig eine Antwort wie das alte, und vergeblich macht es sich taub gegen den Schrei der unerlösten Men chheit, der nur ein göttlicher Erlöser helfen kann. Der Mann im Monde.

der Stille der Vorlesungen und Seminarien in die Oeffentlichkeit vordrängen. Ich glaube nun, daß alle verständigen Protestanten und Katholiken mit mir darin einig sind, daß sich solche Entgleisun­gen einfach nicht gehören. Auch gibt es manche Kirckenblätter, die noch immer nicht gelernt haben, den Charakter des Glaubens mit der Liebe des Christentums zu vereinigen. Wer den Nutzen aus solcher Zwietracht zieht, daß ist nicht entweder der Katholik noch der Protestant, sondern vielmehr der Freidenker. Alle jene Kreise sollten doch end­lich eingesehen haben, daß nur durch ein einträch­tiges Zusammenarbeiten der christlichen Bekennt-

Neue Ozeanflieger.

— Paris, 13. Juli. (Eig. Meldg.). Heute früh um 5.30 Uhr sind die französischen Flie­ger Co st es und Vellonte an Bord des mit einem 500 PS. Motor versehenen Flugzeuges „P o i n t d'i n t e r o g a t i o n" (zu deutsch: Frage­zeichen) in Le Bourget nach New York ge­startet. _

Auch die polnischen Flieger Jdszr- k o w s k i und K u b a l a, deren Transozeanflug im vorigen Jahr wahrscheinlich tragisch geendet hätte, wenn nicht ein deutscher Dampfer sie ausgenom­men hätte, wiederholen ihren Versuch. Sie ha­ben mit einem 600 PS. Motor-Flugzeug um 5.45 Uhr den Flughafen Le Bourget mit Ziel New Bork verlassen.

Atlantikflieger beim Papst.

wtb. Rom, 13. Juli. (Eig. Meldg.). Wie „Populo di Roma" mitteilt, werden die beiden Transozeanflieger des „Pathfinders" Williams und Y a n c e y am Sonntag vormittag beim P a p ft in Audienz empfangen und Montag vom König.

* „Times t6 money". — Der Bettler mit dem Motorrad. Ein Bettler aus Düsseldorf, der sich ein Motorrad hält, wurde in Iserlohn beim Betteln

festaenommen. Er war auf seinem Rad nach Iser­lohn gefahren, hatte es dort in einer Garage uw tergestellt und war dann seinem „Gewerbe nach- gegangen. ____________________

Frankfurter Nadio-Programm.

Sonntag, den 14. Juli 1929.

7—8: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8—9: .Morgen, feier 11.30—12: Elternstunde: „Das Geld, em Segen oder ein Fluch für unsere Kinder?" 12—13: Von Kassel: Unterhaltungskonzert. 13—13.20: Stunde der Landwirt- schaftskammer Wiesbaden. 14—15: ^scmg-

vereins „Sängerkranz", Dietzenbach b-' Offenbach. 15 bis 16: Stunde der Jugend: Ka,perlstunde: „Kasperl auf Reisen", ein Märchen. 16—17: Konzert des Rund­funkorchesters. 17—18.45: Vom Stadion Nürnberg: End- fmcl um die Deutsche Fußballmeisterschaft. 18.45 bis 19.45: Stunde des Landes. 10.45—20.15: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: 2015 bis 20.30: Sportnachrichten. 20.30—22.30: Konzert des Rundfunkorchesters. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik,

Montag, den 15. 3uli 1929.

6.30: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Unterhaltungsmusik. 15^5—15.35: Stunde der fugend. Für Kinder vom 10. Jahre ab. 15.55—16.05. Haus frauendienst. 16.15-18: V°« Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10-18.30: Lesestunde. 18 30 bis 18.40: Von Kassel: Zeht Minuten Ratschlage für den Gartenfreund. 18.40-19: „Fortschritte und Plane im Luftverkehr", Vortrag. 19-19.20: Vortag: 19.20 b 19 40- Die Wiener Genesis und ihre Wirkung auf die kunsthistorische Forschung: 2. Die kunstgeschichtliche tfor- schung von Winckelmann bis Burckardt". Vortrag. 19.40 bis 19.50: Englische Literaturproben. 19.50—20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15 bis ungefähr 22.

360 Frauen". Lustspiel in drei Auszügen von Hans und Johanna von Wentzel. Anschließend (ettaa 22:) Schallplattenkonzert. Klassische und andere Tanze.

Die beiden Rivalen: „Maurelania" (England) und „Bremen" (Deutschland).

Am 16. Juli wird Deutschlands neuester und größter Ozeapriefe, die „Bremen" ihre e^te Reife über den Atlantischen Ozean antreten. Auf dieser Fahrt will Deutschland das --^laue Band de» Ozeans für die schnellste Ueberquerung'des Ozeans zurückgewinnen, das augenblicklich der englische Riesendampfer „Mauretania" innehat.____________________________________________

M dem Konkordat. - Strandbäder und Weltanschauung. - Das neue Heidentum.

Die Konkordatsschlacht ist nun geschlagen. Da- I nisse das Christentum in Deutschland noch gerettet I

-v ist der Augenblick gekommen, wo sich ein Rück- I werden kann.

JJrf besonders lohnt. Hüben und drüben wird man I Wie schwer ist doch im deutschen Volke, sich I Lh ja darüber einig sein, daß aufregende kon- I heute in den geistigen Auseinandersetzungen den i

-essionelle Auseinandersetzungen der Volksgemein- I rechten Weg zu suchen. Vor kurzem brachte es die I

ichaft nicht dienlich sind. Da habe ich nun an oer- I Gelegenheit so mit sich, daß ich an einem Strand- I

ickiedenen Stellen eine Beobachtung gemacht, die I bad oorübergehen mußte. Die Art, wie sich die I

denken gibt. Es handelt sich da um Aeußerun- I Leute dort benahmen, war in jeder Hinsicht vor- I aen die im Unterricht an höheren Schulen gefal- I bildlich. Familienweise waren sie in den Sand- I len 'sind. Wer die liberale Lehrerzeitschrift in die- I gruben um ihre Strandkörbe versammelt. Die len Tagen verfolgt hat, der wird gerade dort be- I Aelteren gaben sich beschaulicher Ruhe hin, wah- londers scharfe Artikel gegen diesen Staatsvertrag I rend die Kleinen mit Bällen spielten oder im finden. Es ist deshalb kein Wunder, wenn jene I Sande wühlten. Auch die Kleidung war durchaus Kreise auch im praktischen Unterricht ähnliche I angemessen, wenn man sich erinnert, daß draußen Meinungen unumwunden aussprechen. Man geht I beim frischen Wehen der Seebrise für mancherlei darum nicht fehl in der Annahme, daß gerade I Stimmungen oder gar Versuchungen der dumpfen I In den mittleren und höheren Schulen die Rück- I Stube oder parfümgeschwängerter Salons einfach sicht aus den konfessionellen Frieden noch viel zu I keine Möglichkeit besteht. Es war eben alles den wünschen übrig läßt. Es ist dann weiterhin ganz I Verhältnissen eines anständigen Strandbades ent- selbstoerständlich, daß wir nie zu gesunder kon- I sprechend, und das Gesunde beleidigt niemals. Sah fessioneller Zusammenarbeit kommen, solange es I man nun über diese Menschen hin, so muhte man gn der notwendigen Erziehung dazu fehlt. Es I ihre Freude an Wasser, an Licht, an Luft und an soll hier nicht verallgemeinert werden, aber es I Natur überhaupt sckön und begreiflich finden. Es scheint doch noch so zu sein, wie es zu meiner Iu- I geht überhaupt ein Zug durch unser Geschlecht, das aendzeit war. Unter den Lehrern des protestan- I Sonne will, gesunde Helle Wohnungen, und un- sischien Gymnasiums, das ich besuchte, gab es den I verfälschte Natur. Wenn aber nun eine neue einen oder den anbern, bei dem ich schon als Schü- I Weltanschauung sich bildet, die hierin und hierin ler empfand, wie taktvoll er über religiöse Dinge I a llein des Lebens Glück und Höhe erblickt, sprach, wenn wir paar Katholiken dabei waren. I dann wird man doch stutzig. Daß ein Heim zweck- Auch im Geschichtsunterricht nahm er, wenn es I mäßig und luftig und gesund eingerichtet sei, das z. B. um die Reformation ging, die größte Rück- I ist gut. Daß man aber die Rücksicht darauf, ob es ficht auf uns. Er hat damit der Wahrheit nicht I nun auch wohnlich ist, gemütlich, dem Familien­geschadet, denn diese wurde immer so, wie er sie I sinn entsprechend, vollkommen beiseite setzt, das ist empfand, unumwunden ausgesprochen. Aber die I nicht gut. Tatsächlich stehen wir hier vor ganz ganze Art, in der er das tat, hatte alles für uns I verschiedenen Weltanschauungen. Und es ist nicht Katholiken Beleidigende abgestreift. Ein anderer I leicht, die Dinge immer richtig zu beurteilen. Man- junger Herr an dem gleichen Gymnasium aber I cher Christ, der gegen Strandbäder usw. vorgeht, würzte jede Geschichtsstunde mit allerlei gehässigen I denkt natürlich nicht daran, Luft und Sonne zu Witzen. So brachte er alte Rundschreiben der I bekämpfen. Aber er wird mißverstanden, weil er Päpste mit und übersetzte sie wörtlich ins Deutsche, I nicht unterscheidet. Es wird hier viel Takt not- wobei denn Wendungen heraus kamen wie: Heili- I wendig sein, wenn durch unzeitgemäße Proteste ger Petrus, neige deine heiligen Ohren . . . und I nicht mehr Schaden angerichtet als Nutzen gestiftet Ähnliche, was jedesmal eine Lachsalve absetzte. I werden soll. Jedenfalls wird sich das Christentum Wenn ich im Turnunterricht eine Kniebeuge nicht I nicht dadurch empfehlen, wenn es überall da, wo gut machte, so rief der Turnlehrer ganz gewiß: „Du I der im Wohnungselend verkommende Großstädter bist doch noch kein Papst, dem man die Pantoffeln | in die freie Natur flüchtet, gleich alle möglichen küssen muß". Wenn Konfirmationsunterricht war, I schlechten Absichten vermutet. Freilich werden wir dann kamen die Mitschüler zu mir und hänselten I nachdrücklicher als früher hsrvorheben müssen, daß ohne Unterlaß. So, Ihr Katholiken habt also Hei­lige gegen Zahnweh, gegen Leibweh und sogar ge­gen Hühneraugen. In solchen Zeiten gab es dann Streit ohne Ende. Dachten wir doch nicht daran, irgendetwas auf uns fitzen zu lassen. Ich weiß auch, an wie mancher Universität noch heute sich Professoren Dinge erlauben, die sofort den gesam­ten Volksteil wild machen mürben, falls sie aus

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Und das kleine, tanzende Irrlicht, dem wir nach­strebten, wurde jetzt ruhiger und hielt still, als unser Führer Halt machte und wartete, bis wir herankamen. Er war am Rande eines Rohrdickichtes stehen geblieben, spähte in die Runde, so als ob er sich der Richtung des Weges vergewissern wolle. Dann ohne ein Wort der Warnung, hob er die Hände an den Mund und stieß einen tiefen, zitternden Schrei aus, den ein Zufalls- Hörer für den Ruf eines Nachtvogels gehalten hätte. Er hatte uns eingeschärst, im Gehen nicht zu sprechen, und dieser plötzliche Einbruch in unser langes Schweigen riß an meinen ohnehin schon schwer mitgenommenen Nerven. Ich fühlte, wie Marie sich dichter an mich lehnte und wie ihre zitternde, kleine Hand vertrauens­voll die meine suchte.

So standen wir dort am Rande jenes großen, weihen Nebelmeeres . . . wartend ... vor uns die graue Sil­houette des alten Heinrich, der mit erhobenen Haupt lauschte, um jeden Antwortlaut in sein Ohr auszu­nehmen . . . Nochmals hob er die Hände an den Mund, und der dumpfe Schrei dröhnte noch einmal durch die lautlose Oede, wie der Schrei einer gepeinigten Seele. Leiser, zitternder Widerhall nahm den Laut auf und sandte ihn schluchzend weiter über das Moor.

Und bann, wie wenn der Nebel selbst sich verdichtete und körperliche Form angenommen hätte, stand eine zweite Silhouette vor uns, der Schatten eines hochge­wachsenen, breitschulterigen Mannes. Die Gestalt neigte leise das Haupt und flüsterte unserem Führer einige Worte zu; dann drehte er sich zu uns um und machte eine tiefe Verbeugung, die Marie sowohl als auch mir galt. Ohne ein Wort zu sagen, wandte sich der Neu­angekommene und schritt uns voran, hinein in das weiße Nebelmecr vor uns. Seine hohe Gestalt im Auge haltend, folgten wir im Gänsemarsch, Marie un­mittelbar hinter Heinrich, und ich meniae Schritte hinter ihr.

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. ..

Ich kann mich nicht enthalten, hier einige Worte ein- zuslcchten über diese wunderbaren Sümpfe der unterer. Bendee, unter deren Schilfgewoge die Wälder und Flu­ren einer längst vergangenen Zeit begraben liegen, stel­lenweise ragen noch dürre Baumwipfel aus dem Sumpfe, wohl die Reste von Wäldern, unter deren Wölbungen vor Zeiten die Druiden ihre geheiligten Riten hielten. Diese Wipfel, hart und schwarz und versteinert durch die Jahrhunderte, dienen als Landmarken. Im Sommer kommt es bisweilen vor, daß die Oberfläche des Sump­fes fest wird, sodaß die Bauern der Randdorfer ihr Vieh darauf weiden, eine gefährliche Sache übrigens, denn ein falscher Schritt, und das Tier bricht in den Morast ein, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Zur Zeit, da wir den Sumpf von La Tourbiere durchquerten, war er nicht viel mehr als ein Schlammsee mit Pfützen hier und dort, in denen sich die Mondstrahlen spiegelten und uns vor den Gefahren warnten.

Aber wir bedurften solcher Warnungen nicht, denn un­ser Führer ging sicheren Schritte voran, und nur ein­mal spürte ich, daß wir uns auf schwankendem Boden befanden. Es war, als ob wir über ein Rasenband schrit­ten, das im Zickzack durch den Sumpf führte, und ich konnte es wohl verstehen, daß der alte Heinrich mit dem Versteck für seinen jungen Herrn zufrieden war. Dennoch dauerte mich der junge Mann, der verwundet, und viel­leicht vom Fieber geschüttelt, keine andere Zufluchtsstätte hatte, als diese feuchte Nebeldecke.

Eine Viertelstunde schon schritten wir so an dem Rande zwischen Zest und Ewigkeit, als sich der alte Hein­rich nach uns umwandte. Unser Führer, der, wie ich vermutete, einer der Brüder aus Saint Ballet war, ging voraus, um zu sehen, ob alles bereit sei. Marie legte ihre Hand auf den Arm des alten Dieners. In ihre Stimme war ein Zittern, als sie fragte:

„Ist denn mein Bruder so gefährlich krank?"

„Nein, Mademoiselle, aber es ist besser, daß er auf unser Kommen vorbereitet wird. Ich höre, der Arzt ist gerade bei ihm."

„Der Arzt? Wo gab es einen Arzt, der sich in diese Wildnis hinauswagte, um einem Geächteten Beistand zu leisten?" fragte ich.

„Man findet immer Mittel und Wege", sagte er. „Der Herr Doktor Perrancourt ist . . ."

„Perrancourt . . . Raoul Perrancourt?" unterbrach ich.

Ein Ton der Ueberraschung klang aus der Stimme des alten Mannes.

„Sie kennen den Doktor Perrancourt?"

Ich lachte ein wenig bitter. Es wäre in der Tat merkwürdig gewesen, wenn einer, der so oft zwischen der Vendee und England hin- und hergereift war, von Raoul Perrancourt nichts gehört hätte. Im ganzen Bo- cage hatten die königlich Gesinnten keinen grimmigeren Feind als den Doktor aus der Rue Galilee in Nantes. Von Angesicht zu Angesicht hatte ich den Mann nie ge- sehen, aber feine Taten waren mir bekannt, und er hatte den unvergänglichen Haß aller verdient, denen die Sache, für die Robert Tabouret seine Wunden empfangen hatte, am Herzen lag. Ich wunderte mich, daß ein so wütender Anhänger der neuen Ordnung in die Sümpfe von La Tourbiere kam, um einem Manne der alten Ordnung seinen Beistand zu leihen. Und während ich noch in mei­nem Innern erwog, ob ich meinen Zweifeln Ausdruck verleihen solle, kam der Mann aus Saint Ballet zurück und flüsterte uns zu, ihm zu folgen.

Ich möchte, meine teuere Cölefte, daß du der Be­gegnung zwischen Schwester und Bruder im Geiste bei­wohnest.

Stelle dir eine aus Schilf und Erde gebildete Hütte vor, ein niedriges, rasenbedecktes Dach, mit Balken aus dem Holz jener geschwärzten, versteinerten Sumpfeichen, eine Hütte, ungefähr auf die Art jener englischen „lean- to"-Hütten gebraut, deren Rückwand aus nichts anderem besteht, als aus der nackten Erde des Hügels, dem sie sozusagen aufgepfropft ist. Die Türe dieser Hütte sah auf den oben Sumpf hinaus und darüber hin gegen das ferne Meer. Im Innern, auf einem Dreifuß, wie ihn bei uns zulande die Zigeuner verwenden, stand ein eiser­ner Topf über einem Torsfeuer, dessen Rauch in dicken Schwaden um die Dachbalken hing.

Als sich mein Auge an die Dunkelheit gewöhnt hatte, sah ich Marie auf den Knien neben einer rohen Bett­stelle, die Arme um den Hals eines jungen Mannes geschlungen, der auf einem Lager von groben Decken

Der alte Heinrich wandte fein Gesicht nach mir. Ma- i riens Hand ruhte noch inuw.r auf dem Slerptel seiner 1 , Joppe.

ruhte.

Er war ein wohlgebildeter Mann, dieser Bruder Ma­riens. kehr brünett, ohne Perücke, bas eigene Haar im

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Nacken mit einem Seibenbanb gebunden. Das Raben­schwarz bieses Haares ließ die Weiße des Gesichtes, in dem die Augen wie Kohlen glühten, noch mehr hervor- treten. Das Fieber hielt den jungen Mann in feinen tödlichen Krallen. Bis zum letzten Tag meines Lebens wird mir bas Bilb gegenwärtig fein. Und während ich so stand und wartete, hatten meine Augen Zeit, ins Innere der Hütte einzudringen, und ich sah Raoul Per- rancourt.

Vielleicht bin ich nicht imstande, ein gerechtes Bild von diesem Manne zu geben; selbst heute noch, nach so vielen Jahren, ist meine Feder — wie könnte es anders sein — in Galle getaucht, bei der Erinnerung an all das Böse, bas biefer Mensch mir und dem Mädchen, das ich liebte, in den wenigen Monaten unseres Aufenthaltes in Frankreich zugefügt hat. Aber es ist für den Zweck die- fer Erzählung notwendig, daß du eine deutliche Borstel- lung von der unheimlichen Persönlichkeit des Doktors aus der Rue Galilee, bekommst.

Sein Gesicht war breit, glatt rasiert und, — wie so viele Gesichter zu jener Zeit in Frankreich — leicht blat­ternarbig. Der kräftige Mund mit den fest geschlossenen Sippen und dem geteilten Kinn war eher edel zu nen­nen. Augen, so schwarz wie die Nacht, blickten verschla- gen unter den zusammengewachsenen Brauen hervor. Und jetzt, da ich es über mich gewonnen habe, den Mann zu beschreiben, will ich auch zugeben, daß Raoul Per­rancourt trotz seiner üblen Erscheinung nicht unschön war.

Es bedurfte nicht erst der Geschichten, die ich über diesen Mann gehört hatte, um mich mit Abneigung ge­gen ihn zu erfüllen. Ich hätte ihn unter allen Umstän­den gehaßt, und ich schmeichle mir, bah auch Raoul Per­rancourt mich gleichermaßen haßte. Es war beutlich zu sehen, baß er das Austauchen Maurice Mannerings auf der sorgfältig vorbereiteten Bühne seiner Unternehmun­gen übel vermerkte, obwohl ich erst später den Grund fernes Uebelwollens gegen mich erfahren sollte. Damals schrieb ich es auf Rechnung des Doppelspieles, bas er spielte. Marie hatte mir von ihrem Leben auf Schloß Combreau nur wenig erzählt, unb unter dem wenigen erinnerte ich mich nicht, den Namen Perrancourt oder den irgendeines anderen Freundes ihres Bruders gehört zu haben. Nicht, daß sie den Gegenstand absichtlich ver­mieden hätte — es war nur bas Gespräch nicht daraus gekommen.