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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 159

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild- und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Freitag, 12. Juli 1929.

Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (LO bezw. 48 Pf.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preife: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 Ml, auswärts 0,20 .'Ml. Reklamezeile: lokal0,60 ».4!, auswärts0,80 O. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

56.Zahra.

Der Europa-Traum Briands.

Räumung sf rage —

Pariser Blätter berichten, Briand hoffe, (Fnbe des Jahres eine Konferenz einberufen zu können, auf der die Grundlage für den Födera­lismus Europas gelegt werden soll. Es sei ein alter Traum Briands, Europa zuerst vielleicht wirtschaftlich und dann politisch zusam­men zu schließen.

Der Streit nm den Ort, wo die Reparations- Konferenz tagen soll, geht zwischen Paris und London weiter. Die englische Regierung befaßte sich in einer Kabinett-Sitzung mit der Angelegen­heit. Macdonald verlangt als Konferenzort weiter­hin London.

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Mit Bezug auf eine Aeußerung Snowdens im Unterhaus, wonach England nicht zur Annahme des Boung-Planes verpflichtet sei, wird von un­terrichteter Stelle auf den Passus im Sachverstän­digengutachten des Doung-Planes hingewiesen, wo­nach die Sachverständigen ihren Bericht als ein unteilbares Ganzes betrachten und darauf, daß die Annahme des Berichtes von den Sachver­ständigen der Länder nur unter dieser Voraus­setzung erfolgt ist. Es scheint, daß die Einwendun­gen Englands sich nicht nur auf den Ver­teilungsschlüssel der Zahlungen beziehen.

*

Der Gesundheitszustand des deutschen Reichs­kanzlers war vor seiner Reise nach Mergentheim ?o ungünstig, daß mit seiner Teilnahme an der po­litischen Reparationskonferenz damals nicht ge­rechnet werden konnte, besonders, da man an­nahm, daß die Konferenz schon Mitte Juli begin­nen werde. Jetzt darf als feststehend gelten, daß die Regierungskonferenz, gleichgültig ob sie in London oder in der Schweiz tagen sollte, a u f den 5. o d e r 6. A u g u st einberufen werden wird. Da sich das Befinden des Reichskanzlers inzwischen erheblich gebessert hat, dürfte laut „Voss. Zig." die ursprüngliche Disposition geändert wer­den. Reichskanzler Müller-Franken wird die Führung der deutschen Delegation übernehmen, da auch alle anderen Mächte durch die Regierungs­chefs vertreten sein werden.

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Die „D. A. Z." meldet aus Wiesbaden: Wie von zuverlässiger Seite verlautet, ist einer Anzahl bei der englischen Besatzung beschäftigter Ange­stellter zum 1. September gekündigt worden.

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Paris, 11. Juli. ((Fig. Meld.) Zur Rheinland- räumung äußert sich in seinem Organ „La Repu-

Reparatronskonferenz.

blique" der Vorsitzende der radikalen französischen Partei, Abgeordneter D a l a d i e r, wie folgt:

Das Rheinland soll geräumt werden, wenn Deutschland den Uoungplan angenommen hat. Nicht die Anwesenheit einiger französischer Regi­menter im Rheinland wird die Ausführung des Nougplans sichern, sondern die Macht des Kredits, ohne den Deutschland seine wirtschaft­liche Wiederaufrichtung nicht fortsetzen kann. Diese neue Rolle des Kredits als eines entscheidenden politischen Druckinstrumentes ist auf der Repara­tionskonferenz in Erscheinung getreten. Die Be­satzung, vor allem in ihrer gegenwärtigen Form, würde keine ernste Sicherheitsgarantie sein kön­nen. Sie ist in militärischer Hinsicht von mittel­mäßigem Wert. Zwischen Deutschland und Frank­reich wäre loyale Verständigung die unerläßliche Bedingung für die Organisierung der europäischen Solidarität. Die Besetzung hält eine Atmosphäre des Mißtrauens, des Argwohns und der schleichen­den Aufreizung aufrecht, die für Frankreichs na­tionales Interesse schädlich ist.

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Aus London wird gemeldet:

Im Unterhaus wurde die Antwortadresse auf die Thronrede ohne Abstimmung angenom­men.

Die SeesRbrüftung.

wtb. London, 11. Juli. ((Fig. Meld.) Der amerikanische Botschafter in Brüssel, Hugh G i b - s o n, der zugleich amerikanischer Hauptdelegierter bei der vorbereitenden Abrüstungskommission fst, traf am Dienstag in London ein und hatte den ganzen Tag über Privatbesprechungen mit dem General Dawes über die Frage der See-Abrüstung. Hugh Gibson beabsichtigt nicht, bei dieser Gelegen­heit englische Minister zu sprechen, und seine Ab­sicht war, spätestens heute früh wieder abzureisen. Man erwartet nicht, daß in der nächsten Zeit eine weitere Aeußerung von Washington erfolgen wird. Der nächste Schritt in dieser Frage müßte nach amerikanischer Auffassung in erster Linie von Großbritannien getan werden.

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London, 11. Juli. (Eig. Meld.) Der politische Korrespondent der Morning Post berichtet: Das Kabinett hat gestern noch keine Entscheidung über das Flottenbauprogramm für 1929 ge­troffen. Snowden dringt energisch auf eine erheb­liche Verminderung der Ausgaben. Sollten irgend­welche geplanten Neubauten gestrichen werden, dann dürften es die 6 U-Boote sein. Cs heißt auch, das Kabinett erwäge ernstlich eine große Verminderung der Ausgab en für den Marinestützpunkt auf Bermuda.

Universitätsrektor und Politik.

Dem „B. T." zufolge waren auf eine vom preußischen Kultusministerium ergangene Auffor­derung die Rektoren aller preußischen Universitäten in Berlin. Im Lause des Vormittags fand im Kultusministerium eine gemeinsame Aussprache über das Verbot der Universitätsversammlungen am Versailles-Tage statt. Auch die studentischen Ausschreitungen der letzten Zeit dürften erörtert worden sein. Den Kultusminister, der verhindert war, an dieser Unterhaltung teilzunehmen, vertrat Ministerialdirektor Dr. Richter. Am Nachmittag hatte dann der Kultusminister Dr. Becker die Rek­toren zum Tee zu sich eingeladen. Bei den mei­sten Teilnehmern zeigte sich, wie das genannte Blatt schreibt, Abneigung gegen eine Ver- schärfung der Meinungsverschieden- heiten und der Wunsch nach Verständigung.

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Dor einigen Tagen sprach ein Vertreter der freiheitlichen Studentenschaft zugleich im Namen des sozialistischen Hochschulausschusses bei dem Rek­tor der Berliner Universität Prof. His vor und bat um die Genehmigung, eine Versas» sungsfeier im Vorhof der Universität ver­anstalten zu dürfen. Ein Hochschullehrer wollte da­bei die Festrede halten. Prof. His erwiderte, er müsse gemeinsam mit dem Universitätsrat über­legen, ehe er einen Bescheid erteile. Die Ant­wort ist jetzt ergangen. Es heißt darin:

„Ich sehe mich zu meinem Bedauern nicht in der Lage, Ihrem Anträge stattzugeben, da es nicht den Gepflogenheiten der Universität ent­spricht, in ihren Räumen derartige von einer Gruppe veranstaltete Feiern zuzulassen. Bei der augenblicklichen Zuspitzung der Lage würde eine solche Feier nur eine Verschärfung der Gegensätze innerhalb der Studierenden zur Folge haben." ______________

* kapikänleuknank a. D. von Mücke, bisher Führer der Nationalsozialisten in Sachsen, ist aus der Hitler-Partei plötzlich und wahrscheinlich recht unfreiwillig ausgetreten, weil er sich bei sei­nen Genossen durch sein Bündnisangebot an die Kommunisten und Sozialdemokraten mißliebig ge­macht hat.

* Wahl der neuen Regierung von Mecklenburg- Schwerin. Im Landtag in Schwerin wurde die Wahl des Ministerpräsidenten und der beiden Staatsminister vorgenommen. Von dem deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. v. Oertzen wurden für den Posten des Ministerpräsidenten der Land­wirtschaftskammer-Präsident E s ch e n b u r g, der Spitzenkandidat der Einheitsliste nationaler Meck­lenburger, und für die beiden Ministerposten Mi­

nisterialrat Haack und Ministerialdirektor Dr. Schlesinger in Vorschlag gebracht. Jeder der drei Kandidaten erhielt in der Abstimmung 26 Stim­men. Für den früher. Ministerpräsidenten Schrö­der (Sozialdemokrat) waren jedesmal 22 Stimmen abgegeben worden. In allen drei Wahlgängen wa­ren drei Stimmen ungültig. Die Gewählten nah­men die Wahl an.

* Schlußsitzung des würtkembergischeu Land­tags. Aus Stuttgart wird gemeldet: Der Land­tag nahm in der Schlußabstimmung den Staats­haushaltsplan und das Staatshaushaltsgesetz ge­gen die Stimmen der Demokraten, Sozialdemo­kraten und Kommunisten an. In der zweiten und dritten Lesung hat sich der Fehlbetrag von 9,9 auf 10,68 Millionen Rm. erhöht. Der Landtag ging dann in die Sommerferien.

Spanten und Frankreich.

Em Schiedsvertrag.

Außenminister Briand und der spanische Bot­schafter Quinones de Leon haben einen Freund­schafts- und Schiedsgerichtsvertrag zwischen Frank­reich und Spanien unterzeichnet. In einer Prä­ambel wird auf die freundnachbarlichen Beziehun­gen der beiden Länder hingewiesen. Der Vertrag selbst bestimmt, daß sämtliche Streitigkeiten zwi­schen den beiden Nationen, die nicht auf dem ge­wöhnlichen diplomatischen Wege beigelegt werden können, friedlich geregelt werden sollen,und zwar durch Anwendung eines Schiedsgerichtsver­fahrens gemäß den in Locarno eingeführten Grund­sätzen und den vom Völkerbund empfohlenen Re­geln. _________________________

Rumänien.

Aus Bukarest meldet „Lupta", daß zehn neue Verhaftungen unter den Arbeitern der mili­tärischen Flugzeugwerkstätten vorgenommen wur­den, während der „Adeverul" von der Verhaftung eines Obersten wissen will. Das Kriegsgericht, bas bie Untersuchung beschleunigt fortsetzt, soll neue wichtige Schriftstücke unb belastenbes Material aus Kronstadt erhalten haben. Trotz ber beschleunigten Untersuchung glaubt man, baß ber Beginn bes Pro­zesses kaum vor dem Herbst möglich sei.

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Der Regentschaftsrat unterzeichnete die Bot­schaft, welche bie Verweisung der Regierungsvor­lage über bie Verwaltungsreform an bas Parla­ment gutheiht. Die Vorlage, welche bie Verwal­tung Rumäniens auf moderne Grundla - gen stellt, wurde mehrere Tage von Regentschafts­rat. dem Ministerpräsidenten Maniu und dem Mi­

nister des Innern Waida Woiewod eingehend ge­prüft. Die Regierung wird in Durchführung ihres Programmes demnächst den Entwurf über eine Um­bildung der Ministerien vorlegen, von denen drei fortfallen sollen. Gerüchte über eine Kabinettskrise in Rumänien sind unbegründet.

* Trotzki darf nicht nach England. Londoner Blättern zufolge hat das englische Kabinett formell beschlossen, dem Ersuchen Trotzkis um Zulassung in England nicht stattzugeben.

preutzischer Landtag.

Die westlichen Einaemeindungsvorlagen verabschiede!.

Der Preußische Landtag verabschiedete am Mittwoch zuerst das neue Polizeikostenge­setz, das den Lastenausgleich für die Orte mit staatlicher und mit kommunaler Polizei neu regelt. Bis zum Inkrafttreten der Vorlage wurde der ge­genwärtige Zustand verlängert.

Dann begann nochmals der Kampf um die große rheinisch-westfälische Neugliederung s- Vorlage. Abermals hatte sich auf den über­füllten Tribünen ein Auditorium von hauptsächlich kommunalpolitischen Interessenten aus Rheinland und Westfalen eingefunden. In der Einzelabstim­mung verblieb es im wesentlichen bei den Be­schlüssen der zweiten Lesung. In der Schlußab­stimmung wurde das Gesetz mit 210 Stimmen der Regierungsparteien gegen 169 Stimmen der üb­rigen Parteien angenommen.

Das Haus nahm noch mehrere Anträge des Be­amtenausschusses an, die eine bessere Regelung der Urlaubsfrage und der Arbeitszeit für die Be­amten erstreben.

Am Donnerstag, wo bie letzte Sitzung vor ben Ferien stattfinben wird, sollen hauptsächlich die Mißtrauensvoten wegen der Kundgebun­gen am 28. Juni zur namentlichen Ab­stimmung gestellt werden.

* Das Renken-Sperrgesetz verfasfungsändernd? Der sechste Zivilsenat des Reichsgerichts als Schiedsgericht für die Frage der Rente des land- gräflich hessischen Hauses hat das vom Reichstag beschlossene und von der Reichsregierung verkündete Sperrgesetz für verfasfungsändernd er­klärt, soweit es sich auf Schiedsverträge be­zieht, und ist infolgedessen in die Verhandlung über den Aufwertungsanspruch gegen den Preußischen

Staat eingetreten. Der Senat hat in dieser Ver­handlung einen Vergleichsvorschlag auf der Basis einer Aufwertung von 68 Prozent gemacht. Die Parteien sind aufgefordert worden, sich bis Ende Juli über Annahme oder Ablehnung des Schieds» spruchs zu erklären.

* Teilnahme eines amerikanischen Generals av den deutschen Truppenübungen. Der Komman­deur der Heereskriegsschulen der Vereinigten Staa­ten General Eonnor trifft am 11. Juli für viel Tage in Berlin ein. Er wird an den Uebun- gen auf ben Truppenübungsplätzen Döberitz und Jüterbog teilnehmen unb bie Artillerieschule Jü­terbog besuchen.

* Die Unruhen in Persien. Aus Teheran wirb gemeldet: Nach den letzten Meldungen sind alle Häuptlinge des Stammes der Ouashqai nach Schi­ras gekommen und haben sich ergeben. Daraus kehrten sie zu ihren Stämmen zurück. Da bei den Vakhtari einige Unruhe herrscht, sind Trup­pen nach Jspahan entsandt worden.

China.

lieber London wird von einer weiteren Ver­schärfung der chinesisch-russischen Span- nung berichtet. Die Behörden in Charbin sollen die Telegraphenverwaltung der chinesischen Ost­bahn mit Beschlag belegt haben.

Zwischenfall in Charbin.

wtb. Charbin, 11. Juli. (Eig. Meldg.) Dn Beschlagnahme des Telephon und Telegraphenbe­triebes der Ostchinesischen Eisenbahn durch die chinesischen und mandschurischen Behörden, ist mit der Begründung erfolgt, daß dieser Betrieb bol­schewistischer Propaganda nutzbar gemacht worden sei. Die chinesische Polizei hat die allge­meine Gewerkschaft dieser Eisenbahn sowie bie Sowjet-Gewerkschaft und zwei Sowjet-Handels- büros geschlossen. Sechzig Sowjetbeamte und An- gestellte der Eisenbahn und der Gewerkschaft wur­den verhaftet und nach Rußland ausgewiesen.

* Die Gekreidepolikik ber Sowjelbehörden. Aus Moskau wird gemeldet: Eine vom Wirtschaftsrat für Großrußland erlassene Verordnung verfügt, daß in allen staatlichen und genossenschaftlichen Müh­len die Vermahlungsgebühren in Natura zu ent­richten find. Man hofft auf diese Weise zur Bil­dung eines Getreidereservefonds, dessen Schaffung geplant wurde, große Mengen Getreide zu erfas­sen.

Beginn her Verhanhlvng mit hen evangelischen Kirchen Echo des Konkordats-Abschlusses. — Die Notifizierung. — Dee deutsch- nationale Kacholiken-Ausschuß beicht zusammen. — Rücktritt des Vor­sitzenden Freiherrn von Lanbsberg-Gteinsurth. — Auch Oberbürgermeister Dr. Wallraf unb Dr. Lejeune find ausgetreten. — Lind Martin Spahn?

Die Diskussion über Kirchenverträge wird jetzt von den Rechtsparteien, die gegen den Konkorbats» abschluß mit ber katholischen Kirche Front ge­macht hatten, in anberer Richtung geführt wer­den müssen. Denn jetzt geht es darum, gleichwertige Verträge mit den 8 in Preußen beheimateten evangelischen Kirchen zu schließen. Das Zentrum wird den Abschluß dieser Verträge u n - t e r st ü tz e n und in jeder Beziehung fördern. Es denkt nicht daran, gleiches mit gleichem zu vergel­ten und die Schwierigkeiten zu machen, die von der anderen Seite dem Abschluß des Konkordats ge­macht worden sind und das Vertragswerk ver­eitelt hätten, wenn die Macht dazu vorhanden gewesen wäre.

Zwischen dem preußischen Kultusministerium und der Vertretung der 8 evangelischen Kirchen ha­ben, der „B. Z." zufolge, bereits Vorbesprechun­gen über die Aufnahme offizieller Verhandlungen zwischen dem preußischen Staat und den evangeli­schen Kirchen stattgefunden. Wenn auch ein ge­naues Datum nicht festgelegt worden ist, so ist doch vereinbart, bie Verhandlungen über die Ab­machungen mit ben evangelischen Kirchen im Laufe ber nächsten Wochen aufzunehmen.

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Zur Annahme bes Konkorbats im preußischen Lanbtag liegen einige öffentliche Kunbgebungen vor, deren charakteristisches Merkmal ist, daß sie unter dem protestantischen Gesichtspunkt gestellt sind. Der Vorstand des Evangelischen Bundes erläßt einen Aufruf, der das Konkordat als eine empörende Verletzung der konfessionellen Parität bezeichnet unb biejenigen Parteien, bie — natürlich abgesehen vom Zentrum — für das Kon­kordat gestimmt haben, ein Strafgericht der prote­stantischen Wählerschaft ankündigt. Gleichzeitig wird als Ziel die Gestaltung einer „deutsch-prote­stantischen Politik" hingestellt.

Der „Reichs bäte", der besonders von der evangelischen Geistlichkeit viel gelesen wird, nimmt sich die einzelnen Parteien, die für bas Konkordat gestimmt haben, vor und geht mit ihnen scharf ins Gericht, weil sie an der evangelischen Sache Ver­rat geübt hätten. Nicht einmal mit der Deutsch- nationalen Partei ist er ganz zufrieden, weil auch diese dem Konkordat zugestimmt und nur die Gleichzeitigkeit ber evangelischen Kirchen­verträge verlangt hat.

Bemerkenswert schlecht ist das Leistungs­zeugnis, das die „Deutsche Allgemeine Zeitung", ein rechtsstehendes Blatt, ben Rechtsparteien bezüg­lich der Konkordatsverhandlungen ausstellt. Es heißt darin:

An dieser Stelle ist immer betont worden, daß der Abschluß eines Konkordats ün v « r nt e i b I i <f> er­

scheine; hätten die erwähnten Parteien, (die dem Pro­testantismus nahestehenden Parteien), wie es später die evangelische Kirche getan hat, von Anfang an ebenfalls diese Erwägung zum Ausgangspunkt genommen und von Anfang an alle Kraft darauf konzentriert, für die evangelische Kirche einen gleichwertigen und gleichzeiti­gen Vertrag zu erreichen, so hätte dieses Ziel vermut­lich doch erreicht werden können. So aber ist das Re­sultat folgendes: di eevangelische Kirche steht trotz ihrer Zweidrittel-Mehrheit ohne Vertrag da; das Zentrum hat vor seinen Wählern einen demonstrativen Erfolg; die Deutsche Volkspartei, die die Konkordatsberatungen zum Sprungbrett ihres Eintritts in die Preußenkoali­tion machen konnte, sieht ihre Hoffnungen — wahrschein­lich auf lange Zeit hinaus — entschwinden. Die Deutsch­nationale Volkspartei hat ihre Katholiken verärgert (siehe den Fall Goldau) und auf der anderen Seite ihre evan­gelischen Wähler enttäuscht.

Der Fall (Boldau.

Freiherr von Lanbsberg-Steinfurth hat an ben Vorsitzenden ber Deutschnationalen Volkspartei G e- heimratHugenbergein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:

„Mit ber Behandlung ber Konkorbatsfragr durch bie deutschnationale Fraktion im Preußische« Landtag weicht bie Partei zum ersten Male in eine: hochwichtigen Frage von ber bisher erfolgreich innegehaltenen Linie ab, welche durch bie seiner­zeit erfolgte unb wiederholt gegebene Zusage fest­gelegt wurde, daß bie Katholiken ihre berechtig­ten kulturellen und kirchenpolitischen Interessen in der Deutschnationalen Dolkspartei ebenso gut oder besser würden vertreten können als in an­deren Parteien.

Ich sehe mich daher genötigt, hiermit den Vor- sitz bes Reichskatholikenausschusses niederzulegen unb aus ihm auszutreten. Meine Zuge­hörigkeit zur Partei bleibt von biesem Schritt un­berührt. Von ben Mitgliebern bes Katholikenaus­schusses haben mir bisher folgende ihren Austritt aus dem Ausschuß erklärt: Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Lejeune, Ex. Wallraf, Prof. Ziesche, Prof. Seidel, Dr. Ziesche, Freiherr von Schönberg, Prof. Max Buchner und Dr. Glasebock."

Von Hugenberg ist darauf Herrn von Lands­berg ein Schreiben zugegangen, in dem es heißt:

„Im Gefolge der unparitätischen unb einseitig parteimäßigen Behandlung der Konkordatsfrage durch die preußische Regierung (es handelt sich be­kanntlich um einen Vertrag zwischen ber preußischen Regierung unb katholischen Kirche), ergab sich für bie Sanbtagsfraftion unb insbesondere auch für deren katholische Mitglieder aus ihrer eigene« Ueberzeugung heraus und gemäß dem seinerzeiti­gen gemeinsamen und von der Parteivertretung gutgeheißenen Beschlüsse der beiden konfessionellen