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Donnerstag, 11. Zutt 1929

Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecki. Franks, a. M. 4051.'

Keine Manöver der britischen Rheinlandtruppen mehr,

* Der erste Parlamentsfieg der neuen englischen Negierung. Aus London wird gemeldet: Bei der ersten Abstimmung im neuen Parlament wur­den für die Regierung 340 und gegen die Re­gierung 220 Gemmen abgegeben?

Viel Beachtung findet in der Presse der hier auch bereits gestern gemeldete Zwischenfall

die kirchenpolitische Haltung der deutschnationalen katholischen Abgeordneten. Die ganze Angelegen­heit wird für die katholischen Mitglieder der deutschnationalen Fraktion um so peinlicher, wenn sich das Gerücht bestätigt, daß gerade sie die ei­gentlichen Veranlasser des Ausschlußoerfahrens ge­gen den Abgeordneten Goldau gewesen sind.

Gerechterweise muß man allerdings wohl hrn- zufügen, daß die Stellung der katholischen Abgeord­neten der deutschnationalen Fraktion wohl nicht in Einklang steht mit den Auffassungen aller Mitglie­der der deutschnationalen Katholikenausschüsse. Es ist ja bekannt, daß der Krefelder Ausschuß die deutschnationale Fraktion im letzten Augenblick um eine andere Haltung gegenüber ihren katholischen Fraktionsgenossen ersuchte. Auch verlautet zuver­lässig, daß der Vorsitzende des Reichsausschusses

Wie man dem Völkerfrieden dient!

Eine Manisestation für den Toleranz-Wanken.

Die Einzelheiten bei der klbstimmung über das Konkordat.—Der Zall Goldau.

bundpräsident Franz Hepp, Friedrich Döbrich, Frhr. d. Gebsattel, Arbeitersekretär, Landtagsabgeord­neter Rüffer, Justizrat Claß, Reichstagsabgeord­nete Frau Anne-Grete Lehmann, Dr. Friedrich Thyssen, Freiherr von L ü n i n g k sowie noch ein zu bestimmender Vertreter der „nationalen" Studen­tenschaft.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Wett

Ttf 1 RA im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Fll.» der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

In den letzten Tagen ist davon die Rede ge­wesen ,daß das englische Truppenkommando im be- letzten Gebiet von London aus den direkten Befehl whalten habe, keine Manöver mehr abzuhalten iezw. die im Gange befindlichen Manöver unver- iüglich abzubrechen, was auch tatsächlich erfolgte. Zu der Manöoerfrage überhaupt ist es interessant xu hören, daß der Staatssekretär für das -nglische Kriegswesen auf eine Anfrage im llnterhause erklärte, daß bei der britischen Rhein- irmee in diesem Jahre keinerlei Manöver »der Hebungen innerhalb des Brigadeverbandes »urchgeführt werden. Die Regierung wünsche nicht, der Zivilbevölkerung absichtlich Unbequem» iichkeiten und Belästigungen zu verursachen.

Diese Einstellung der englischen Regierung ist lehr erfreulich, und man kann nur wünschen, daß ime ähnliche Erklärung in der französischen Kam­mer folgt. Aber bis dahin wird noch viel Waffer den Rhein hinunterfließen. Das kommt daher, weil die französischen Nationalisten noch im­mer eine so große Machtstellung in der französischen Politik haben. Wo Nationalisten am Ruder sind, !ann Völkerfriede nicht gedeihen und die Natio­nalisten, die es bekanntlich in allen Völkern gibt, kiefern sich gegenseitig den Zündstoff zu Reibun- ren, die im schlimmsten Fall zu völkermordenden Kriegen führen, die auf Jahrzehnte wirtschaftlichen Wohlstand, Volksmoral und kulturellen und religiö­sen Hochstandder Staaten zerstören .

Die 5aar-5rage.

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter.

Nachdem die ftanzösische Presse erkennen mußte, daß sie bezüglich der Frage der Räumung der besetzten Gebiete wahrscheinlich nachzugeben ge>- jtoungen ist, unternimmt die französische Presse letzt mit einem Male einen Vorstoß gegen die Behandlung der Saar-Frage im Zu­sammenhang mit der endgültigen Lösung des Re- larationsproblems.

Wenn lediglich der Versailler Vertrag zu Grunde gelegt wird bei der Beurteilung der Frage, ob Deutschland jetzt schon auch Verhandlungen in der Saar-Frage verlangen kann oder ob der durch das Zwangsdiktat festgesetzte Rückgabetermin für das Saargebiet bestehen bleibt, so ist unter allen Um­ständen zu betonen, daß der Versailler Vertrag kein Rechtsvertrag ist. Es ist außerdem darauf hinzuweisen, daß in Paris auf der Sachverständi­genkonferenz erklärt wurde, daß durch den neuen Zahlungsplan eine endgültige Lösung der Repa­rationsverpflichtungen Deutschlands den verbün­deten Mächten gegenüber geschaffen ist. Außerdem ist der deutsche Standpunkt durch den Außenmini­ster Dr. Stresemann im Reichstag und besonders durch das Sauerwein-Jnterview klar herausgestellt worden ,daß unter endgültiger Lösung der 'Repa­rationsverpflichtungen auch die Gesamtligui- dierung des Krieges und der Kriegsfolgen zu verstehen ist, also auch neben der sofortigen Räu­mung der besetzten Gebiete die Rückgabe des Saar­landes verlangt werden muß.

Jetzt setzt die französische Propaganda ein. Wir müssen uns dabei daran erinnern, daß Frankreich im Jahre 1919 zuerst die Annektion des Saar­gebietes gefordert hat, aber damit vor allem auf den amerikanischen Widerstand stieß. Es erfolgre dann die Festsetzung im Versailler Vertrag, wo­nach das Saargebiet im Jahre 1935 wieder an Deutschland zurückfallen soll, wenn die Saar­bevölkerung in der dann erfolgenden Abstimmung die Rückkehr zum Mutterlande verlangt. Die gan­zen Jahre hindurch seit dem Versailler Zwangs-- diktat hat Frankreich es niemals an den schlimm­sten Schikanen und Drangsalierungen der Saar­bevölkerung fehlen lassen, um sie mit Gewalt zu Franzosen zu machen. Alle Mittel schlugen fehl. Je stärker der ftanzösische Druck wurde, desto geschlossener stand die Saarbevölkerung gegen ihre Unterdrücker auf und bekannte sich bei allen Ge­legenheiten ftank und offen zum Deutschtum. Den­ken wir doch noch an die angeblichen 150 000 Saan-Franzosen, von denen einst der „Tiger" Clemenceau bei Versailles zu sprechen beliebte!.

Heute kann Frankreich solche Operationen und solche Mätzchen nicht mehr machen. Daher vev- iegt man sich auf das „Handelsgeschäft". Man will die Saar-Frage auf der politischen Konferenz ausschalten, weil sie angeblich nicht zum Poung- Plan gehöre, um Spezialverhandlungen zu ver­suchen mit dem Zweck, neue finanzielle Vorteile für die Zustimmung Fomikreichs zur Saargebiet- Riickgabe herauszuschachern.

Wir können uns denken, daß Frankreich das Saargebiet gern behalten möchte, weil es gerade bezüglich der Saargraben eine unerhörte räube­rische Ausbeutung betteibt. Es will aus den Saar­gruben bis zu dem Tage, wo die Saarbevölkerung verlangt, wieder dem deutschen Mutterlande ein« verleibt zu werden, herauspressen, was nur heraus­zupressen ist. Und leider hat das Deutsche Reich wiederum nach dem Versailler Zwangsdiktat die Verpflichtung, im gegebenen Augenblick die Saar­gruben in Gold zurückzukaufen. Das scheint Frank­reich aber nicht zu genügen. Es will sich auch die Rückgabe des Saargebietes noch besonders be- zahlen lassen, obwohl eigentlich die Erfahrungen, die Frankreich im Saargehiet machen mußte, für die französische Politik nur als fortgesetzte Miß­erfolge bezeichnet werden können.

Gerade in handelpolitischer Beziehung müssen vir den allergrößten Wert darauf legen, so schnell toie möglich das Saargebiet vom ftanzöfischen

In den Arbeitsausschuß wurden einstimmig gewählt: I Die demokratische Fraktion hat ebenfalls geschlos- r;5r, gsssrÄ Lx 2 »---rd--.-

W für da.

n,r: v. «interfel», Steif Silier, R-i«Ä»nd- Konterte! ,-stimmt. K-m-r Hot «-f-htt.

- - । Von der sogenannten Deutschen Fraktion, die

eine Mischung von Völkischen, Aufwertungspartei- lern usw. ist, haben 8 Abgeordnete mit Ja und 8 mit Nein gestimmt. Unter den Neinsagern, befindet sich auf Graf P ö s a d o w s k i, der be­kanntlich trotz seines hohen Greisenalters, das ihm jeden Einfluß nimmt, von einzelnen Rentner- gruvpen ins Parlament gewählt worden ist.

Die Kommunisten haben geschlossen gegen das Konkordat gestimmt, 6 fehlten.

sührung weitertreiben."

„Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren stellt den Kampf gegen den auf dem erpreßten Kriegs­schuldbekenntnis aufgebauten Pariser Tribut­plan in die vorder st e Linie seiner Aufgaben. Er wird mit allen gesetzlichen Mitteln, insbesondere mit L,lc <lun vull u,ct niUiuun

hL" Är bes5 Volksbegehrens dagegen kämpfen daß beschlossenen Anwesenheitszwanges nicht mit ab- die Ratschlage der Pariser Sachverständigen zum Gesetz I samten Unter ihnen' f “ ' L für das deutsche Volk erhoben werden. Er ruft alle I 1 , ’^nen L_,----- ---,

Deutschen zum Widerstand gegen den Pariser Tributplan der bekannte Zehn-Gebote-Hoffmann, der allerdings auf." I offiziell von der Abstimmung befreit worden war.

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Einfluß frei zu machen. Eine zeitlang war es In der Schluß-Debatte über das Konkordat, def- Frankreich gelungen, als wir durch den Ruhr- f.en Annahme mit 243 gegen 171 Stimmen, also

Einbruch in unserer wirtschaftlichen Entwicklung um mit der überraschend großen Mehrheit von 72

Jahrzehnte zurückgeworfen wurden, als die In- Stimmen, wir schon meldeten, gab der Führer

flation uns schwerste Wunden schlug, den Saar- der Zentrumsfraktion Dr. Heß

mar ft in etwa zu erobern, obwohl sich die Saar- I bevölkerung stets gegen den Kauf französischer I , . . .... 3

äbaren auflehnte. Seit 1925 jedoch haben wir I ab' m i>er es 9ieB:

langsam wieder mit unserer Einfuhr nach dem Was mich und meine Freunde und die ganze deut- Saargebiet beginnen können und die deutsche Ware &.1 an den Abschluß

beherrschte und beherrscht jetzt noch den Saarmarkt Mertz den wir Katholiken dem Der-

,,auL politischen Konferenz m I tragswerk als solchem beilegen. Die Bedeut- Derbmdung nut dem Reparationsproblem die I samkeit dieses Aktes erschöpft sich für uns preußische Saar-Frage angeschnitten wird, dann muß unsere Katholiken aber keineswegs mit dem Inhalt dieses Regierung mit aller Sorgfalt die künftige Rechts- I Staatsverttages. Es spielen dabei noch ganz andere grunblage vorbereiten. Wir brauchen eine klare I Erwägungen für uns eine sehr wichtige Rolle.

Umschreibung unserer Zielsetzung, weil unsere Re- Die politisch organisierten preußischen Katholiken ha- gierung kein Machtstreben leitet, sondern nur der den sich seit langer Zeit darnach gesehnt vom Staate Wille an Stelle der Gewalt da s Recht zu setzen, ”1 einen besonderen Beweis seines Willens zur rel.- die Gesamtliquidation der Kriegsfolgen zu erzielen.

or..= «.1 ___I diesen Beweis versagt; der neue liefert ihn uns IN die-

Aus diesem Grande werden unsere Vertreter auf fem $tontorbat Das Konkordat ist für uns, politisch ge- der politischen Konferenz es nicht zulassen können, I sehen, aber auch nicht weniger. Nicht mehr! Denn daß wegen französischen Quertreibereien eine not- daß mit ihm keine Weltansckiauungsgegensätze über- wendige Einigungsmöglichkeit auch über die Saar- I druckt werden konnten, darüber sind wir uns von vorn- Frage außer Acht gelassen wird. I herein klar gewesen. Am Zustandekommen dieses Ver-

Jmmer wieder müssen wir darauf Hinweisen, I tragswerkes haben P arteten und Menschen mit» daß wir uns zwar ntit der Regelung der Repci- gearbeitet, deren Auffassung Über Religion im intimen abfinden werden, aber nur dann, wenn I allgemeinen und über Kirchenturn tm besonderen der es sich aus den Verhandlungen ergibt, daß Deutsch- unsrigen d .am etrat e nt gegen (au ft Daran lanb die notwendige volle Souveränität für 6ieb DamenundHerrenvonLwksL

tZukunft erhalt. Niemalserkennen wir das I Weg weitergehen, genau wie wir den unsrigen. An ein Frledensmktat als eme Rechtsgrund läge an, I Zusammenkommen ist nicht zu denken; es kann sich nur weil es einen Vertragsbruch darstellt, der schon I darum handeln, wie wir uns ein Zusammenleben er» deswegen rechtsungültig ist, da die Frie- I möglichen.

densbedingungen nach ihrer eigenen Konstruktion I Die erste Voraussetzung für ein erträgliches Zusam- nur unter der Voraussetzung der Alleinsichuld I menteben in einem Staate ist der allseitige Wille zur Deutschlands gelten, was aber heute schon nahezu religiösen Toleranz, zu gegenseitiger rücksichtsvol- von allen Staaten und vor allem auch von der ler Duldung auf ,enem Gebiete, auf dem GeWchtswifftnschast als unrichtige Behauptung Te[igiö'fe ToleranzVwe" iFbiÄT^IüteJ bie ®in gewertet Wird. I Staatswesen überhaupt treiben kann. Er ist aber auch

—. ~ I die beste Garantie für die Stabilität eines Staates.

Dte nrttm am r/oung-pran Gerade wir preußischen Katholiken haben für diesen

wird von den Oppositionsparteien immer heftiger

Diese Kreise die natürlich innerlich darauf Stunde nicht mehr auf Dw^nZer'eingehen, an rechnen, daß die anderen, dre verantwor» I 5fe ;n den letzten Tagen gelegentlich ohne unsere Schuld tungsbewußten Parteien für die Ersetzung I erinnert werden müssen. Uns ist es in diesem Au- dez schweren Daves-Planes durch den Poung-Plan I genblick weit mehr ein Herzensbedürfnis, unserer tiefen sorgen, könnten vielleicht doch eine Ueber» I Freude darüber Ausdruck zu geben, daß jetzt durch das r a f d) u n g erleben. Sie verdienten einen Denk- I Konkordat mit einer großen Geste bargetan wird, daß zettel, namentlich jene Gruppen, die nationalisti- I endlich einmal mit jenen Zeiten und Gepflogenheiten ge» lebe Instinkte kitzeln, um ihre selbstsüchtigen An- brachen sein soll, wo die Katholiken in Preußen schlüge gegen Sozialversicherung und ähnliches zu m inderen Rechteswar-n Ich begluckwuchche na- Dermirflichen I mens oer hinter uns stehenden Masse Der preutzischen

I Katholiken den neuen Staat zu dieser ebenso vornehmen . ''Der neugegrundete „Relchsausschuß für das mie ((uflcn finIhmg. grf) beglückwünsche ihn insbeson- deutsche Volksbegehren , dem eine Anzahl „natio- | ^ere hazu, daß er den Toleranzgedanken, so zu sagen, naler" Verbände angehört, trat unter dem Vorsitz an den Anfang feiner Geschichte gestellt hat. Wir neh» des Vundesfühvers des Stahlhelms Mineralwasser- I men das als ein gutes Omen für feine weitere glückliche fabrifant Seldte im Plenarsaal des Herrenhauses I Entwicklung.

zu einer ersten offiziellen Tagung zusammen, an I Die entscheidende Abstimmung war nicht diese» der von den etwa 420 Mitgliedern des Ausflusses I nige über Paragraph 1, sondern über d i e g e - etwa 300 teilnahmen. Bundesführer Seldte er- I samte Vorlage. Bei dieser 2fbft:mmung klärte in feiner Eröffnnnasrede, daß der leitende I stimmten gegen das Konkordat die Kommunti

Goldau. Die Deutschnationalen beschlossen Frak­tionszwang und zwingen ihre katholischen Mitglie­der, gegen das Konkordat zu stimmen. Wenn man eine mildere Auslegung zulassen will, kann man aus dem deutschnationalen Beschluß auf Fraktionszwang noch die Möglichkeit der Stimm­enthaltung für die katholischen Mitglieder herleiten. Keinesfalls durften sie aber für das Konkordat stim­men. Das hat von den deutschnationalen katholi­schen Wgeordneten nur der Abgeordnete Gol­dau praktisch nicht mitgemacht. Die Erklä­rung, die er für sich von der Tribüne des Land­tags abgab, hatte folgenden Wortlaut:

Als Katholik stehe ich auf dem Standpunkt, den un­sere Bischöfe in ihrer gemeinsamen Kundgebung vom 10. August 1927 festgelegt haben, indem sie erklärt ha­ben, daß das katholische Volk ein Anrecht darauf habe, daß die Neuregelung des Verhältnisses mit dem Aposto­lischen Stuhle erfolge, und daß es ein Eingriff in dir Rechte des katholischen Volkes sein würde, wenn mai diese Vereinbarungen unmöglich machen wollte.

Nach jeder Richtung unterstütze ich die berechtigte.» Forderungen unserer evangelischen Glaubensbrüder auf Abschluß entsprechender Verträge auch mit den evange> lifchen Kirchen. (Diese Auffassung wird bekanntlich ii weitesten Kreisen des preußischen Landtags, namentlich bei der Zentrumspartei geteilt. Die Schriftl.) Nach den seiner Zeit gegebenen Erklärungen der Parteileitung ist den deutschen Kacholiken das selbstverständliche Recht zugesichert, ihre berechtigten Interessen unge­hindert zu vertreten.

Da gegen dieses Konkordat betreffs seines Inhalts vom nationalen Standpunkt eine Ablehnung nicht ge­rechtfertigt ist, was die Zustimmung der deutschnationa­len Fraktion zu Paragraph 1 beweist, so halte ich es als Katholik um so mehr für meine Gewissens- Pflicht, dem Konkordat in allen Punkten zuzu stimmen.

Darauf erklärte, wie schon mitgeteilt, der deutsch­nationale Abgeordnete S t e i n h o f f von derselben Stelle aus den A u s s ch l u ß des Abgeordneten Goldau aus der deutschnationalen Landtagsfrak­tion. Das veranlaßte nun wieder Herrn Goldau zu einer Gegenerklärung, die wegen ihrer prinzipiellen Wichtigkeit gleichfalls im Wortlaut mitgeteilt fei:

Der Herr Abgeordnete Stadtrat Steinhoff hat mir vorgeworfen, ich hätte vorgehabt, hinter dem Rücken der Fraktion hier im Hause eine Erklärrmg cbzunrbrn. Ich r*#a» fest baß b'ro 1 - — > - ' h.r P;n,, Fraktionskollegen, einem Kollegen, der dem Vorstand erklärt hat, daß er, wenn er nicht krank wäre, ebenfalls mit Ja stimmen würde, angefragt, ob er damit einver­standen wäre, daß ich auch in seinem Namen eine ent­sprechende Erklärung darüber abgebe. Damit ist nicht gesagt, daß diese hinter dem Rücken der Fraktion beab sichtigt war, denn gerade ich habe doch die Fraktion über das, was ich vorhatte, niemals im unklaren gelas­sen. (Hört, hört! im Zentrum.)

Er hat mir weiter vorgeworfen, ich hätte durch eine Erklärung Fraktionskollegen beleidigt. Ich stelle es dem Hause anheim, darüber zu urteilen, ob auch nur die Spur der Absicht einer Beleidigung in dieser Erklä­rung enthalten ist. Ich habe der Fraktion fol­gende Erklärung abgegeben:

WW „ Durch den am 5. Juli beschlossenen Fraktionszwang

Gedanke für die Berufung des Reichsausschuffes I ften, die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspar- I bat die Fraktion die seinerzeit vom Parteivorsitzend. ge- dem bisher über 400 führende Persönlichkeiten der I tei, die Nationalsozialisten und Teile der Deutschen I Ebenen Zuficherungen daß die Katholiken in nationalen Bewegung, der nationalen Wirtschafts- Fraktion, für das Konkordat stimmten Zentrum, ‘

kreise und des deutschen Kulturlebens beigetreten I Sozialdemokraten, Demokraten und Wirtschaftspar- I ^raftionsimana^ft öurfen, ignoriert. Die,er

seien die Forderung des überparteilichen Zusam- tei sowie einzelne Gruppen aus anderen Fraktio- I krasseste Imparität gegen die Katholiken, menschlusses der nationalen Front für die Aufqa- I nen. I Für meine Person lehne ich jeden Gesinnungszwana

den gewesen sei, we che den Beteiligten durch das Zunächst ist festzustellen, daß von den 9 katho- in dieser Richtung aufs allerentschiedenste ab. Bei der Kampfmittel des Plebiszits, nämlich Volksbegeh- I lifchen Abgeordneten der deutschnationalen Frak- I Schlußabstimmung über das Konkordat werde ich dahei

ren, Volksentscheid, Präsidentenwahl, gestellt seien. I tion 6 das Konkordat abaelehnt haben, I mit Ja stimmen. Der Fraktion bleibt es bann über

Der Kern der Ausfühningen war der Verzicht I nämlich die Abgeordneten Dr. Bachem, Dr. Do- lassen — jetzt kommt der fragliche Teil —, unter Bruck auf den seinerzeit vom Stahlhelm geplanten Volks- I lezych, Frau Hilger-Panten, Dr Kaufhold, I des von der Partei gegebenen Versprechens einen Mann

entscheid über die Verfassung. Schwecht und Straube. Einer (Goldau) hat mit Ja -wszuschließen, der sich nicht zu einer ihn als Kathol-k

Als zweiter Redner sprach der in der Jnfla- I gestimmt. Die Abgeordneten Hecken und Luckasso- I entehrenden Handlung zwingen laßt.

tionszeit zum Zeitungsmagnat gewordene deutsch- witz fehlten. Der Abgeordnete Hecken ist derjenige CvangAischra und vor^allem°auch wcht qTqln ök ÄatbX nationale Führer Geheimrat Hugenberg Er hielt deutschnationale Abgeordnete, der nach der Mit- liken, die ja doch immer erklären, fteiwilliq mit Nein

eme ungemein radikale Rede gegen den young» I teilung seines Fraktionskollegen Goldau für das I stimmen zu wollen. Es kann sich doch nur jemand

Plan und verdammte wieder die Tatsachen, daß I Konkordat gestimmt haben würde. Die ganze I beleidigtfühlen,derimInner st en etwas

kühle Ueberzeugung in Deutschland immer noch I deutschnationale Fraktion hat geschloffen gegen das I von einer Gesinnungslumperei fühlt,

verbreiteter sind als phantastische Helden-Pose. Als I Konkordat gestimmt. I Eigentlich bedarf diese Erklärung nicht viele

Ersatz für das Stahlhelm-Volksbegehren empfahl er I Die Fraktion der Deutschen Volkspartei hat das I Worte der Erläuterung. Geht doch aus ihr ganz einen Volksentscheid über den Poung-Plan. Der j Konkordat geschlossen ab gelehnt, darunter auch ! einwandfrei hervor, welche, sagen wir einmal Arbeitsausschuß faßte folgende zwei Entschlie- I die beiden Katholiken Lohenhausen- I milde, bescheidene Rolle die deutschnationalen Ka- ßungen: . . I Aachen und Dr. Heimann-Köln. Gefehlt haben I tholiken in ihrer Partei spielen und wie wenig

„Der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren z M^ordnete. Einfluß sie in der Tat besitzen. Sie zeigt aber aud>

19r«fnnbe unh^m^h ^w^Durcb' I Die Zentrumsfraktion bat geschloffen für das j noch etwas anderes, nämlich ein solches Maß k o n- Volksbegehren al-..seine Aufgabe und wird seine Durch» | Rontorbat gestimmt mit Ausnahme der vier er- feffioneIIer Voreingenommenheit, krankten Abgeordneten Kölges, Dr. Faßbender, I daß aus dieser Enge dem Abgeordneten Goldau Frau Bachem-Königswinter und Frau Stoffels. I die Flucht in die Oeffentlichkeit als der einzige

Die sozialdemokratische Fraktion hat geschlossen I Ausweg erschien. Es ist in der Tat ein starker für das Konkordat gestimmt mit Ausnahme von I Gewissenszwang, den die deutschnationalk 1 ^OAbaeordneten, die trotz des von der Fraktion I Fraktion auf ihre katholischen Mitglie- ‘ 7. < I der ausgeübt hat, und es spricht nicht für die

befindet sich auch I übrigen deutschnationalen katholischen Abgeordne­ten, daß sie dieser Zwang nicht in Konflikt brachte mit dem eigenen Gewissen. Deutschnationale Nach­barschaft bleibt offenbar nicht ohne Einfluß auf

stimmten.