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Nr. 154.

* Samstag, den 6. Juli 1929.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Fulda, den 5. Juli 1929.

Großes Pelt- and Fahrturnlcr in Alsfeld

Montag, den 8. Juli, großer Prämienmarkt

Galopprennen, Trabrennen, Jagdspringen, Schaufahren.

Se­

in

Ein geschenktes Eotterielos

Humoreske von Erich Degenkolb.

am Sonntag, den 7. Juli, nachmittags 2 Uhr.

einem Vers zusammen

Freund! zieh einen Abzugsgraben Durch Dein wäfl'riges Gedicht, Wiesen wollen Wasser haben, Verse nicht!

Kreise sollen dem Deutschen Industrie- und Han­delstag bekannt gegeben werden mit dem Anheim- stellen, das Problem im Hinblick auf seine Schmie-, rigkeit und Weltläufigkeit nochmals unter Hin­zuziehung der in Frage kommenden Wirtschasts- kreise gründlich durchzuberaten.

ferne Ma st en wurden soweit die Fundamente stand hielten, auf Mannshöhe umgebogen bis zur Erde. Noch bis über Ansbach hinaus konnte die Milcht des Sturmes und der Hagelschaden beob­achtet werden.

personennachrichken.

In Dresden verstarb im 82. Lebensjahr der Geheime Rat Dr. phil. und med. Wilhelm Cl l en­de r g e r, früher langjähriger Professor an der Tierärztlichen Hochschule zu Dresden. In der wissenschaftlichen Welt genoß er großen Ruf und sein Name war auf dem Gebiet der Tierheilkunde weltbekannt. Ellenberger war Kurhesse und stammte aus Beiseförth im Kreise Melsungen. Sei­nen ersten wissenschaftlicher. Unterricht genoß er auf der R e a l s ch u l e i n F u l d a. In Fulda hat er auch als Neffe des damaligen Kreistierarztes Eberhardt feine praktischen tierärztlichen Kennt­nisse erworben.

Bestandenes Examen.

Der cand. iur. Ludwig Scheller von Ober­ufhausen (Krs. Hünfeld), ein Abiturient des Fuldaer Gymnasiums, bestand dieser Tage in Frankfurt a. M. das Examen als Referendar.

Samtätsrat Dr. Scherf t-

Gestern erlag den Nachwirkungen eines schweren Schlaganfalls, den er vor einigen Tagen erlitten hatte, der bekannte Förderer des Kurbades Orb und Kommunallandtagsabgeordnete Sanitätsrat Dr. Scherf. In Orb, seinem engeren Wirkungs­kreis, aber auch im Fuldaer Land wird der Heim­gang des edlen Mannes betrauert werden. Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Badearzt fand der Heimgegangene nämlich auch noch Zeit, sich den öffentlichen Angelegenheiten zu widmen. Vom Standpunkt des Zentrums aus, dem er stets vor­bildlich die Treue hielt, hat er im öffentlichen Leben an wichtigen Stellen gewirkt. Lange Zeit war er in den Parteiorganisationen des Zentrums, na­mentlich auch im Landesausschuß der Kurhessischen Zentrumspartei ein geschätzter Mitarbeiter. Auch dem letzten wichtigen Reichsparteitag in Köln im Dezember 1928 hat er noch beigewohnt. Das Zen­trum in seinem Heimatkreis Gelnhausen entsandte ihn auch als Abgeordneten in den Kommunalland­tag, wo er als sachverständiger Referent über die Landeskrankenhäuser sich allgemeine Beachtung verschaffen konnte. Er war ein gewissenhafter, gütiger Mensch, auf den seine politischen Freunde stolz waren. Sein Andenken bleibt in Ehren be­währt. R. i. p.

Die Gemeindewahlen.

Die im vergangenen Herbst verschobenen preu­ßischen Gemeinde'wablen werden voraussichtlich am 10. oder 17. November dieses Jah­res in ganz Preußen stattfinden. Ein ent­sprechendes Gesetz wird dem Landtag zugehen, so­bald die Vorlage über die Umgemeindungen im Westen verabschiedet ist.

Religionsgemeinschaften und verfassungskag.

Auf Anregung des Reichsinnenministers hat der Präsident des Deutschen evangelischen Kir­chenausschusses den Landeskirchen empfohlen, den Verfassungstag nach ihren kirchlichen Verhältnis­sen zu begehen, sei es durch Veranstaltungen be­sonderer Festgottesdienste, sei es dadurch, daß ge­legentlich des sonntäglichen Gottesdienstes in den Ansprachen und im Gebete des Versafsungstages gedacht werde. Der Fürstbischof von Bres­lau und der Bischof von Paderborn haben, wie in den Vorjahren, so auch diesmal der Pfarrgeist­lichkeit empfohlen, am Verfassnngstage ein feier­liches Amt zur Erstehung des inneren und äußeren Friedens zu veranstalten. Auch kann in der Pre­digt des Verfassungstages gedacht werden unter warmherzigem Hinweis auf die jedem obliegenden Pflichten gegen Volk und Vaterland. Die israeli­tischen Religionsgemeinschaften haben bei den ihnen angeslblossenen Kultusgemeinden auf die Veranstal­tung besonderer religiöser Verfassungsfeiern hin­gewirkt.

Wer kennt eine Geheim Brennerei?

Um dem überhandnehmenden Betrieb von Ge­heimbrennereien sowie dem Schmuggel von

Von Ludwig Börne wird.erzählt, daß er einmal bei seinem Verleger Hoffmann u Campe in Hamburg ange­sichts der aufgestapelten Büchervorräte besorgt meinte. „Wenn hier einmal Feuer ausbräche!" Als er aber die Titel der Bücher gelesen hatte, berichtigte er sich: „Feuer kann ihnen nichts tun, es ist zu viel Wasser darin!"

Lessing, der Klassiker der Rezensenten, soll in fei­ner Jugend ein Musterbeispiel witziger Kritik gegeben haben. Sein Vater machte ihm einmal wegen Efels-

witzige Kritik.

Von Hansotto Löggow

Gustav Freytag brauchte einmal das Wort, daß alles, was ein Herrscher ausspricht, leicht aufgebauscht und als etwas Besonderes angesehen werde. Aber nicht nur für Herrscher auf den Thronen gilt dieses Wort, sondern für alle, die sich irgend eine Hervoragende Stellung im öffent­lichen Leben errungen haben, und besonders für dis gei­stigen Herrscher, für Dichter, Schriftsteller und Kompo­nisten. Auch bei den nachfolgenden Proben witziger Kritik kann nicht in allen Fällen Gewähr für unbe- dingte Authentizität übernommen werden; sie sind es aber wohl trotzdem wert, vor der Vergessenheit bewahrt zu bleiben.

Ein Landmann und Dichter bat einst Heine, ein längeres Gedicht zu besprechen. Heine faßte sein Urteil

von der Handelskammer.

Die Frage des Rhsin - Mamifchen Wirtschafts­gebietes im Rahmen der dsutschen Derwaltungs-- refovm.

Am 3. d. M. fand unter dem Vorsitz des Prä­sidenten Hauck eine Sitzung des Verbandes der Hessen-Nassauischen Jndustrie- und Handelskammern in Frankfurt am Main statt, in welcher der Steuerreserent des Deutschen Industrie- und Handelstages, Dr. Frentzel-Berlin, einen Ueberblick über die Not­wendigkeit einer Steuerreform nach Annahme des Ao ungplanes gab. Die Versammlung stellte cm Hinblick hierauf eine Reche von Forderungen auf, insbesondere auf die Be­seitigung der Aufbringungslast und auf Ermäßi­gung der Realsteuern. Im Anschluß daran er­örterte die Industrie- und Handelskammer Wies­baden Reformvorschläge zur Hauszins st euer - gesetzgebung. In den Kreis der Betrachtung wurden hierbei Eedankengänge des Ministers Hirt- siefer, des Präsidenten des Deuffchen Städtetages Dr. Mulert, des Herrn Richardi und des Land­tagsabgeordneten Hoff gezogen. All diese Vor­schläge erscheinen aber nicht durchführbar, zumal sie von der sogenannten Jnflationsgewinnbesteue- rung ausgehen. Umso notwendiger ist der Kampf gegen die der Wirtschaft durch die Hauszinssteuer aufgelegte Ueberlastung, um endlich zu einer die berechtigten Interessen der Steuerpflichttgen wah­renden Regelung zu kommen. Eine besondere Kom­mission soll ständig die hiermit im Zusammenhang stehenden Fragen behandeln, um zu gegebener Zeit Refvrmvorschläge machen zu können. Weiter­hin wurde von der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.—Hanau der Plan einer Denk­schrift betr. die Verwaltungsreform im Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebiet in Verbindung mit den Hessischen Kammern vor­gelegt und beschlossen, die Arbeit sofort in Angriff zu nehmen. Nach Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.—Hanau soll vom 21.—23. Oktober in Frankfurt am Main eine Zu­sammenkunft deutscher und österreichischer Wirt- schaftsvertreter stattfinden. Dabei ist auch ein Be­such von Wiesbaden in Aussicht genommen. Zum Schluß wurden die Verhandlungen über die Frage der Sicherheitsübereignung und des Eigentums- Vorbehalts erörtert. Die Ansichten der beteiligten

kommt. Das ist bann zwar kein direkter Gewinn, aber man sieht die paar Mark als solchen an. Wie denn, wenn man durchgefallen wäre? Na? Also, die ge­schenkten Lose! Reinhardt Gleisberg hatte zwar nichts zu verschenken, aber er tat es dennoch. Er übermachte feinem „lieben Freunde" Osmar Schilling ein Zehntel- los der fünften Klaffe. Rein aus Jovialität, aus Freundschaft! Welcher Art diese Freundschaft war, kann man sich leicht denken, wenn man weiß, daß Gleisberg und Schilling geschäftliche Rivalen waren. Sie hatten beide Aussicht, Äbteilungsvorstand zu werden. Und dar­um hielten sie eine besondere Freundschaft miteinander, damit keiner merkte, daß einer den anderen ausstechon wollte. Aber gerade darum wußten sie es auch: Sie waren sich nicht grün. Einer gönnte dem anderen den in Aussicht stehenden Posten nicht. Solcherlei Dinge kann man oft beobachten. Um so mehr fiel es Schilling auf, so mir nichts dir nichts von Gleisberg beschenkt zu werden. War es zunächst auch nur ein Stück Papier, immerhin konnte doch Fortuna lächeln, denn — ein ge­schenktes Los? Wer weiß! Schilling schmunzelte und zeigte sich außerordentlich dankbar.

„Wie wär's denn, wenn wir einmal eine gute Flasche Wein zusammen trinken würden?" Das sagte Schilling, und man war erstaunt ob solcher Rede, denn — Schilling war geizig und Egoist bis in seine schwarze Seele hinein.

„Na," erwiderte Gleisberg, „ich bin nicht abgeneigt aber — wenn es etwa des Loses wegen fein sollte . .

„Nee, nee — immerhin — Sie spielen doch das Los schon zehn Jahre, wenn ich recht weiß?"

„Das schon, aber — ich gewinne ja einmal nichts mit dem Ding".

„Und ausgerechnet die fünfte, die letzte* Klasse, wo doch die Gewinnchancen besonders hoch .. •*

(Ein schweres Gewitter.

Folgenschwerer Blitzschlag. — Das Felsenkirchlein auf der Milseburg ausgebrannt. — Schwere Un- wekterschäden in Süddeukschland. — Ein schöner Sommerabend in Fulda.

Gewitterschwüle herrschte gestern den ganzen Tag über. Gegen 7 Uhr abends zogen sich dann auch unheimlich dunkle und schwere Gewitterwol­ken, ein wahres Wolkengebirge, dessen Spitzen im Lichte der untergehenden Sonne eine widerlich- gelbe Färbung annahmen, am Horizont zusam­men. Vom aufkommenden heftigen Wind getrie­ben, schob sich diese finstere Wand allmählich d e r Rhön zu. Fulda blieb vom Ausbruch des Ge­witters verschont. Nur Donnerschläge aus den ver­schiedensten Richtungen kündeten vom Aufruhr der Elemente. Ein kurzer Regenschauer brachte den Pflanzen Erquickung. Die Menschen empfanden die dem Gewitter folgende Abkühlung sehr angenehm. Ein schöner Sommerabend beendete den gewitter­schwülen Tag. Im Osten überwölbte ein prachtvol­ler, doppelter Regenbogen die Stadt.

Wesentlich stärker hat das Gewitter in der Rhön gehaust. Von 8 Uhr ab bemerkte man von Fulda aus einen starken Feuerschein auf der Spitze der Milseburg. Man vermutete sofort, der Blitz hat in die Kapelle oder in die Schutzhütte ein­geschlagen. Und man hatte recht!

Heute morgen wurde uns aus K l e i n s a s s e n gemeldet:

Gestern abend nach acht Uhr schlug der Blitz in den Turm der Milseburgkapelle und setzte sofort das Dach in Flammen. Der Strahl fuhr dann über den Kapellenplatz, riß die schweren Felssteine der Treppe zum Schutzhaus auseinander, durchfuhr das Schutzhaus und ließ dort überall Spuren der Zerstörung zurück, ohne zu zünden. Vier junge Leute, die sich darin aufhielten, blieben glücklicher Weise unverletzt. Leute von Danzwiesen und Klein­sassen eilten zu Hilfe, auch die vorbildlich eifrige Studentenfeuerwehr des Landeserziehungsheim Bieberstein war rasch zur Stelle. An der trauten alten Kapelle war freilich nichts zu retten. Da der Altar keinen Tabernakel hat, und die Paramente in Kleinsaffen aufbewahrt werden, so fiel nur die schlichte Innenausstattung mit den Statuen und Stationen und dem kleinen Holzaltar dem Feuer zum Opfer. In den allgemeinen Jammer um das so plötzlich zerstörte Heiligtum mischte sich gleich der Wille und das Gelöbnis, die Milse­burgkapelle so rasch als möglich und in neuer Schönheit erstehen zu lassen. Schon sind die ersten Opfer und Stiftungen dafür gemacht Wermithelfen will, sende seineGabe an das dankbare Pfarramt Kleinsas- s e n (Postscheckkonto Kath. Kirchengemeinde Kleinsassen Fulda-Land, Nr. 82498).

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Ganz s ch w e re Schäden richteten die gestri­gen Gewitter in Sllddeutschland an, worüber an anderer Stelle berichtet wird. Von einem Fuldaer Fahrgast des München-Hamburger D- Zuges wird uns erzählt, daß in der Gegend zwi. scheu Augsburg und Donauwörth das Unwetter furchtbar tobte. Eingeschlagene Fenster, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume konnte man beobachten. Die Hagelkör­ner lagen in Mengen auf den Feldern. Die Ge­treidefelder sind wie gewalzt. Von den Kartoffeln- und Rübenpslanzen sah man nur noch die Rippen emporstehen. Der Sturm war so heftig, daß die Te l e g r a p h e n m a ste n auf eine längere Strecke umgeworfen wurden. Starke e i •

Man ist allgemein geneigt, zu glauben, ein . fchenktes Los bringe dem Beschenkten Glück, während es in der Hand des Spielers, und mag es jahrzehnte­lang nur einen Besitzer gehabt haben, nichts einbringe, es fei denn, daß es ab und zu mit dem Einsatz heraus-

ohren in einem Buche Vorwürfe. Der junge Lessing er- widerte: „Vater, das Buch hat ein Recht auf Esels- ohren!"

Mommsen wurde einmal von einem Vater ge­fragt, ob ein von Napoleon III. geschriebenes Buch über Julius Cäsar als Geschenk für feinen Sohn geeig­net fei. „Wie alt ist Ihr Sohn?" — „Vierzehn Jahre!" „Dann ja! Ein Jahr später wäre er dem Buche ent­wachsen gewesen!"

Der amerikanische Kritiker L. H. Mencken meinte zu einem jungen Autoren, der ihn um Prüfung eines Buches gebeten hatte: „Ihr Buch ist in einer Beziehung sehr wertvoll!" — „In welcher Beziehung?" — „Ich konnte neulich nicht einfchlasen. Da nahm ich mir Ihr Buch vor und las ein Kapitel — schon war ich ringe» schlafen!" —

Der Musiker Hans v. Bülow prüfte einst ein» junge Dame. „Sie sollten an der Nähmaschine arbeiten, meine Dame; regelmäßiger als Sie tritt niemand das Pedal!"

Auf gleicher Linie liegt ein Urteil Franz Liszts. Eine Dame bat ihn, ihre Tochter zu einer Klavierprobe vorstellen zu dürfen. Liszt hörte den Vortrag ruhig mit an, dann sagte er: „Madame, verheiraten Sie Ihre Tochter!"

®rünfelb sagte zu einem talentlosen, wenn auch sehr fleißigen Schüler: „Stunden haben bei Ihnen gar keinen Zweck; Sie müßten Monate nehmen, und dazu fehlt mir leider jetzt die Zeit!"

Zum Schluß eine Aeußerung Richard Wagners. Ein Student schrieb ihm, Wagner hab- in seinem Lohen- grin diesen sagen lassen: „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen"; es müsse aber heißen: „ . . . oder Wissens Sorge tragen!" Gleichzeitig bettelte er Wagner um einen Klavierauszug des Lohengrin an. Wagner nahm die Sache humoristisch, sandte dem Stu­denten den erbetenen Klavierauszug und schrieb als Widmung hinein:

„Nie sollst du mich befragen, Noch Wissens Sorge tragen, Ob oder oder noch . . .

Ein Efe! bleibft Du doch!"

„Ach, lassen Sie nur, Schilling! Ich möchte eben nicht wieder eine Enttäuschung erleben . . ." Dabei schmunzelte auch Gleisberg, und in seine Augen trat der Glanz einer heimlichen Schadenfreude. Aber das bemerkte niemand —

Gleisberg und Schilling feierten den verabredeten Abend bei Speise und Trank. Und es hatte den An­schein, als ob sich das bisher gespannte Verhältnis der beiden Männer zueinander in eine echte Freund­schaft wandeln wollte.

Inzwischen lief die Ziehung der letzten Klasse . . . Und es ereignete sich nichts von Belang. Der letzte Ziehungstag. Viele Herzen schlugen lebhafter. Auch Schilling war leicht erregt. Gegen Abend, kurz vor Geschäftsschluß, kam der Kontorbote aus der Stadt zu­rück. Er flüsterte Herrn Schilling ein paar Worte ins Ohr. „Was?" entgegnete dieser, „die Nummer hat gewonnen?" „Ja", gab der Bote zurück, und er sah bereits im Geiste ein ansehnliches Trinkgeld in seiner Hand, „ja — ich glaube: Zweihunderttausend!"

Natürlich sprach Schilling bei der Geschäftsleitung um eine Stunde Urlaub vor. Sein Weg führte zum Kollekteur.

„Ja — gewiß! Diese Nummer fiel in die Zwei­hunderttaufend! Bitte sehr, Herr — bitte schön . . ." Der Kollektionsangestellte nahm das Los entgegen.

Schilling mußte ganz tief und lange Atem holen, damit niemand gewahr werde, daß [eine Weste groteske Auf- und Niederhüpferln tat. Gleich würde er ja eine Unsumme Geldes vor sich sehen und sagen können: Danke sehr! Und bann würde er noch sagen können, und das vor allem zu denen, die ihm bisher gram waren und die ihm wahrscheinlich auch für die Zu­kunft keine Sympathie schenken würden, er würde sagen können: „Meine Herren! Sehen Sie, ein wenig Glück und . . ."

„Bitte sehr, Herr . . .! Einen Augenblick bitte: Sie haben hier ein Los der vorhergehenden Lotterie zu sich gesteckt. Leider. Bringen Sie uns, bitte, das gültige Papier dieser Lotterie, dann ... es ist ja nur eine Formsache, aber wir dürfen ohne das gültige Los . . ."

Schilling verfärbte sich. Der Schlag feines Herzens stockte für Sekunden, dann aber vibrierte es ganz schnell und anhaltend in seiner Brust voller Gnttäuldning.

Faltboote sollen auf Fahrradkarten befördert werden

Die Tarifkommission der deutschen Eisenbahn- Verwaltung behandelte kürzlich in einer Schmig ° Frage der Beförderung von Sportgeräten ach Fahrradkarten. Demzufolge sollen künftighin auch Faltboote, im Winter Schneeschuhe und R o d e l s ch l i t t e n zu den gleichen Bedingungen wie Fahrräder befördert werden. Eine Fahrradkarte soll dann für die Beförderung eines Faltbootes bezw. eines Rodelschlittens gelten. Außerdem soll der Geltungsbereich der Fahrradkarte von*150 Klm. auf 250 Klm erweitert werden. Der Preis für Entfernungen von 151 bis 250 Klm. ist auf 1 20 Rm. festgesetzt worden. Dieser Beschluß er hält erst bindende Kraft, wenn die zuständigen Aufsichtsbehörden ebenfalls zustimmen. Diese Zu stimmung ist jedoch zu erwarten, da die Anregung dieser Maßnahme von der Eisenbahnverwaltung ausging, die bereits leit zwei Jahren m verschie­denen DirektionsbezirkenDersuche durchgefuhrt hat.

Wie soll man Gurken essen?

Viele Menschen wagen sich nur ungern an Gurkensalat, da sie angeblich Magenbeschwerden davon bekommen. So wird die schöne, Gurke in Mißkredit gebracht, ohne im geringsten eine Schuld zu haben. Wer von Gurkensalat Magenbeschwerden bekommt, kann sicher sein, daß er entweder über­haupt magenkrank ist oder daß, der Salat ganz falsch zubereitet war. Das einzig brauchbare cm. der Gurke ist der Saft, alles übrige ist zwecklos, unverdauliche Zellulose, die allerdings den Magen belästigen kann. Es ist deshalb das Unvernunft ti aste was man tun kann, wenn man bie ®ur» len in Scheiben schneidet, den Saft weWießt und mit Pfeffer, Essig, Oel oder mit Milch oder Rahm eine Würze darüber gibt. Das einzig richtige ist, die Gurke erst kurz vor dem Gebrauch zu schneiden, mit etwas Salz abzuschmecken, wenig pfeffern und den Saft mild mit Zitronensaft anzusauern. Oel ist schwer verdaulich und kann ganz weg bleiben. Landleute essen die Gurken am liebsten gleich frilch geschält und in Salz getaucht zu ihrem Brote. Das ist noch richtiger als umständliche. Zuberer- tuna. Auch saure Gurken sollte man täglich und immer reichlich essen. Die Säure der Gurke rst Milchsäure und hygienisch von außerordentlichem Vorteil, namentlich für solche, die zu Gicht und Zuckerkrankheit neigen.

Zusammenstoß zwischen Kraftwagen und Motor- rad. „ , .

Ecke Ohm-Brauhausstraße stieß gestern abend ein Motorradfahrer mit einem Personenkraftwagen zusammen. Hierbei zog sich der Motorradfahrer erhebliche Verletzungen zu. Der Besitzer des Kraft­wagens, ein hiesiger Arzt, hatte, wie wir Horen, den Verletzten sofort verbunden und ins Kranken- Haus gebracht. Die Schuldfrage ist noch nicht klärt.

Unter die Rader geraten.

Heute morgen wollte ein auswärtiger Ra d - fahr er in der Nähe des Städtischen Friedhofes ein Fuhrwerk überholen, als gleichzeitig aus der entgegengesetzten Richtung ein Auto kam. Ter Radfahrer versuchte sich an dem Fuhrwerk festzu­haften, kam aber zu Fall und mit einem Bem unter die Räder. Der Autobesitzer nahm sich des Ver­unglückten an. Eine Schuld scheint niemand zu treffen.

Aus dem Gerichkssaal.

Der 32jährige K. E. von hier hatte abends einem Reichsbahnarbeiter einen derartigen Stoß gegeben, daß der Mann zu Boden fiel und einen Schädel- und Nasenbeinbruch davontrug. Das Urteil lautete auf 50 Mark Geldstrafe. — Die schon mehrfach vor- bestraften 25- bezw. 33jährigen I. M. und A. S-. beide hier wohnhaft, hatten nachts an zwei verschre- denen Stellen je einen Obergefreiten gemeinschaft­lich durch Gewalt veranlaßt, die Seitengewehre abzugeben. Während es einem Obergefreit, gelang,

Branntwein wirksam entgegenzutreten, hat sich die Reichsmonopolverwaltung für Branntwein in Berlin bereit erklärt, für das Aufdecken von Ver­gehen gegen das Branntweinmonopol hohe V e • lohnungen zu gewähren. Diese Belohnun­gen werden sowohl an jedermann, der bei Auf­deckung von Verstößen der erwähnten Art behilf- lich ist, als auch an Beamte gezahlt, die nach § 19 des Branntweinmonopolgesetzes dienstlich zum Schutze des Monopols verpflichtet sind.

Die Sommerserien

beginnen heute. Lange haben sich alle, die die Schulbänke drücken, schon auf die Ferientage ge­freut, die diesmal, da keine Zeugnisse mit nach Hause genommen zu werden brauchen, durch nichts getrübt werden. Für viele brechen frohe, der Er­holung gewidmete Wochen an. Sie werden mit den Eltern eine Ferienreise machen. Andere zie­hen mit gleichgesinnten Freunden auf großer Wan­derfahrt in die unbekannten Gegenden, um Land und Leute kennen zu lernen. Aber auch diejeni­gen, die nicht so viel Geld zusammen bringen, daß sie dem Drang in die Ferne folgen können, sind nicht traurig. Wanderungen in den heimischen Bergen, Spiele in Wald und Flur bieten Abwechs­lung genug, sodaß die Ferienwochen int Flug da- hingehen. Gute Vorsätze, die vorhandenen Lücken des Wissens auszufüllen, sind auch in Menge ge­faxt. Ob sie gehalten werden, ist eine andere Frage.

Der fernmündlich

mit der S ch r i f 11 e i t u n g ber Fuldaer Zeitung, die für den Textteil (nicht Anzeigenteil) der Fuld. Zeitung zuständig ist, sprechen will, lasse sich vom Postamt mit Nr. 1152 verbinden. Benutzung anderer Nummern führt zu Verzögerungen.

Die Ladentür klappte . . . Schilling rang nach Lust. Er hätte weinen mögen vor Zorn, vor allem darüber, daß er dieses geschenkte Los vorher nicht näher ange- sehen hatte, wo er doch sonst so peinlich . . . Und das wurmte ihm noch ganz besonders: Morgen früh würde er hören, was er den anderen hatte jagen wollen . . . Es war zum Verzweifeln!

Das geschenkte Los träumte in einem Rinnstein von der Vergänglichkeit und Tücke alles Irdischen.