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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar. 154

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152 Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Samstag. 6. Juli 1929.

I Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.) ohne ZusteNg. Anieiqen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0,15 JU, auswärts 0,20 XM. Reklamezeile: lokal 0,60 .O, auswärts 0,80 M.. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

56.Jahrg.

Was soll die Reparationsbank werden?

Auffassungen der amerikanischen Hochfinanz.

= Washington, 5. Juli. (Eig. Meld.) Der Pa­riser Reparationsexperte Lammond veröffentlicht in der Monatsschrift „International Handelshouse" einen längeren Aufsatz, in dem er ausführt, daß die im Doungplan vorgesehene Reparationsbank kei­neswegs lediglich dem Reparationstransfer dienen soll, sondern als Finanzinstitut gedacht sei, das die Kapitalisierung des Weltmarktes und des Welthandels sichern soll. Dem Artikel wird in politischen Kreisen größte Bedeutung beigemessen, da man annimmt, daß er die Auffassung der amerikanischen Hochfinanz vertrete, die die Beteiligung Amerikas an der internationalen Bank als im Interesse der Vereinigt. Staaten lie­gend ansieht. Andererseits wieder erregt er in jenen Senatskreisen, die einem Eintritt Amerikas in den Völkerbund und einer Teilnahme am Welt­gerichtshof ablehnend gegenüber stehen, größte Be­denken. Weiter führt Lammond aus, im Laufe ihrer natürlichen Entwicklung könne die Bank ein Institut werden, das nicht nur zum Verkehr bei den Reparationszahlungen dient, sondern dem inter­nationalen Handel und der Großfinanz günstige Organisationsmöglichkeiten bietet. Durch häufige Konferenzen der Leiter und Vertreter der einzelnen Zentralbanken würde eine Möglichkeit der Zu­sammenarbeit geschaffen, was für die Stabilität des Weltkredits und die Struktur der Nachkriegszeit durchaus begrüßenswert fei. Ferner fei zu erbosten, daß die Bank der Erschließung neuer Märkte die­nen und überhaupt eine intensivere Entwicklung des Welthandels fördern würde. Lammond be­tont dann noch nachdrücklich, daß die Tätigkeit der Bank ohne politische Nebengedanken auf rein geschäftlichem Prinzip aufbauen soll.

„World", die den Lammond-Artikel ausführ- !ich wiedergibt, sagt daß der demokratische Sena­

tor Utah King bereits im Jahre 1921 einen ähn­lichen Bankplan der Stabilisierung der Devisen mit Präsident Harding erörtert habe.

Die Krtegs=Sd)ulöett.

Frankreichs Kampf gegen die Zahlungen an Amerika.

Der Finanzausschuß der französischen Kammer hat nach längerer Debatte den von dem Bericht­erstatter Pietri oorgelegten Entwurf eines Sonder­gesetzes über die Vorbehalte bei der Ratifi­zierung der Schuldenabkommen mit 23 gegen 16 Stimmen verworfen und mit 17 gegen 16 Stim­men bei sechs Enthaltungen den Antrag des radi­kalen Abgeordneten Palmade angenommen, wo­nach der Präsident der Republik ermächtigt wer­den soll, daß Atellon-Berenger-Abkommen zu ratifizieren vorbehaltlich des gegenwärtigen Standes der internationalen Regelungen und un­ter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß von Frank­reich auf jeden Fall nur die Leistung derjenigen Summen zur Erfüllung des Washingtoner Ab­kommens erwartet werden kann, die es selbst auf­grund der genannten Regelungen den gezahlten Beträgen entnimmt.

Die Morgenpresse bestätigt, daß die Abstim­mung in der Kammer eine heikle Lage ge­schaffen hat.

Die Londoner Konferenz.

— Paris, 5. Juli. (Eig. Meld.) Außenminister B r i a n d hat gestern mit dem belgischen Bot­schafter über die Frage der Regierungskonferenz verhandelt.

Das Unrecht von (9$.

Wie Llfaß'Lokhringen das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten wurde.

Man schreibt uns:

Ans Anlaß des 10. Jahrestages von Versailles -ringt die Zeitschrift der Alt-Elsoß-Lothringer im Reich, „Heimatstimmen", eine Zusammenstellung historischen Materials aus den entscheidenden Mo­naten 1918/19. Es wird gezeigt, wie zu deutscher Zeit die Eigenarten der elsaß-lothringischen Be­völkerung wsitgehendst berücksichtigt, ihre Sonder­rechte gesetzlich geschützt wurden, daß Deutschland schließlich den Weg für eine unbeeinflußte Volks­entscheidung in Elsaß-Lothringen freigemacht hatte, daß aber Frankreich die auch von Lloyd George und Wilson für nötig gehaltene Volksabstimmung hintertrieb. '

Der Wille der Elsaß-Lothringer, wie er in einem Flugblatt aus der Zeit vor dem Einzug der Franzosen zum Ausdruck kam, wurde nicht beach­tet. In dem Flugblatt hieß es u. a., das Wohl des Landes verlange es, daß Elsaß-Lothringen eine freie, neutrale Republik wie die Schweiz werde, weder Deutschland noch Frankreich unter­tan. Nur wenn Elsaß-Lothringen weder deutsch noch französisch sei, könne es dauernd Frieden in der Welt geben. Vergeblich warnte auch der Füh­rer der deutschen Friedensdelegation, Graf Brock- dorff-Rantzau, die Mächte vor den Folgen einer Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der El­saß - Lothringischen Bevölkerung. Die vorgeschla­gene Volksabstimmung sah drei Cntscheidungsmög- lichkeiten vor. Entweder Vereinigung mit Frank­reich oder Vereinigung mit dem Deutschen Reiche als Freistaat oder volle Unabhängigkeit, insbeson­dere Freiheit des wirtschaftlichen Anschlusses einen der Nachbarn.

Im Zeitalter des Völkerbundes und des Selbst­bestimmungsrechtes glaubten die Elsaß-Lothringer eine freie Entscheidung hinsichtlich ihrer staatlichen Zugehörigkeit unbedingt erwarten zu dürfen. Frankreich verzichtete indessen auf die vermutliche Chance, die ihm um jene Zeit geboten war, und der damalige Präsident der Republik, Raimond Poincare, setzte sich über die Forderung des Selbst­bestimmungsrechts mit den berühmten Worten, die ihm die Straßenbegeisterung bei feinem Einzug in Straßburg im Dezember 1918 eingegeben hatte: „Le plebiscit est fait", „Die Volksabstimmung ist vollzogen", ein für allemal hinweg. Am 16. Juni 1919 wurde die Volksabstimmung in einer Note Clemenceaus verweigert. Auch die schwache Mög- lickkeit, dem Willen des elfaß-lothringifchen Vol­kes bei den ersten Wahlen zum französischen Par­lament im Herbst 1919 Ausdruck zu geben, wurde zunichte gemacht. Die freie Entscheidung der Be­völkerung wurde durch einen unmoralischen und gewalttätigen Terror vollständig gehemmt. Oef- fentliche oder private Versammlungen, in denen irgend eine andere Regierungsform für Elsaß- Lothringen in Erwägung gezogen wurde, als die­jenige, die durch die Waffenstillstandsbedingungen oder den Friedensvertrag festgesetzte, also die be­dingungslose Angliederung an Frankreich, waren verboten. Hinzu kam, daß ungesetzliche Feme­gerichte ein willkürliches Schreckensregiment gegen diejenigen ausübten, die den nationalistischen Plä­nen Frankreichs Widerstand entgegensetzten.

Da Elsaß-Lothringen einfach als ein Stück französischer Erde behandelt wird, so wird franzö­sischerseits eine eigene elsaß-lothringische oder auch nur elsässiscke Volkspersönlichkeit nicht anerkannt. Daß man den deutschen Bundesstaat Elsaß-Lo­thringen einfach wieder werde herabdrücken zu drei willenloieu. Devartements. stand den klarblickenden

Gruppen in Elsaß-Lothringen deutlich vor Augen. Insbesondere erkannten die gläubigen katholischen Kreise die Gefahren für die Kirche, die die Ver­leugnung eines Eigenrechtes für ihr Land bedeuten mußte. Die erst in späteren Jahren in ihrer vollen Bedeutung richtig gewertete warnende Stimme eines verdienten elsässischen Priesters, des Pfarrers Sigwalt, mit seinem-rechtzeitig erschienenen Ap­pell im Straßburger katholischen „Elsässer" ist da­für ein ebensolches Zeugnis, wie ein anderer poli­tischer Versuch des Landtagspräsidenten Dr. Rick- lin im „Nationalrat", zu dem sich die vom Volke gewählte zweite Kammer konstituiert hatte. Es sollte vor aller Welt als selbstverständliche Voraus­setzung der Angliederung des Landes an Frank­reich die Anerkennung seiner Sonderrechte verkün­det werden: „Elsaß-Lothringen kehrt in den Schoß Frankreichs zurück in der sicheren Erwartung, daß ihm seine Sprache, seine religiösen Institutionen, seine Selbstverwaltung und seine wirtschaftlichen Interessen gewährleistet bleiben." Die Mehrheit des Nationalrates glaubte, daß es angesichts der früheren Versprechungen französischer Wortführer unnötig sei. in dieser Weise geradezu Zweifel in ehrenwörtliche Zusagen der französischen Nation auszudrücken. Die Quittung für das unbegründete Vertrauen war die Auflösung des Nationalrates — Elsaß-Lothringen hatte kein Organ mehr, sei­nen Willen auszusprechen.

Unter Mißachtung der besonderen Lebensbe­dingungen in Elsaß-Lothringen wurde dann spä­ter der ganze staatliche 2lpparat des Reichslandes zerschlagen. Seit 1925 beherrscht eine ..General- direktion" unter Leituna des Franzosen Walot mit dem Sitz in Paris das Land. In kaum 6 Jahren bat Frankreich das G-bilde E'^nß-Lothringen ver­fassungsmäßig vernichtet. Die spätere politische Entwicklung bat aber gezeigt, daß damit die leben­dige volkhafte Einheit der Elsaß-Lothringer kei­neswegs auch zertrümmert war. Vielmehr be­gann zur gleichen Zeit der politische und kulturelle Selbstbehauptungswille erst recht Gestalt zu ge­winnen. Der Keim zu neuen Konflikten ist ge­legt worden. Das war das Unrecht von 1919, ein Unrecht an Elsaß-Lothringen, aber auch am ge­samten Europa, das auf Frankreich lasten wird, bis es den Willen zur Gerechtigkeit gefunden ha­ben wird. ————

Mehr würde!

Die Nähe des Reichsverfassungstages, dann ober auch der allzu vorzeitige Fall des Gesetzes zur Verlängerung des Schutzes der Republik ha­ben in den beiden Heerlagern für und gegen die Verfassung reichlich viel Nervosität geweckt. Auf beiden Seiten fehlt es nicht an Worten der Dro­hung, die leider viel ernster anfgenommen werden als durch die wirkliche Lage der politischen Kräfte­verteilung gerechtfertigt ist. Man hat dabei das Gefühl, daß es der Rechtspresse vor allem darauf ankommt, diese Nervosität möglichst lange lebendig zu halten, wobei allerdings nicht recht ersichtlich ist, welche Wirkungen im eigenen Lager sie sich davon verspricht. Die Sätze, welche der preußische Innenminister Grzesinski als Antwort auf einen Zwischenruf im Reichstag in einer Frankfurter Versammlung gesprochen hat und die die Drohung „an die Laterne!" an jeden völkischen Zwischen- rufer zurückgaben, haben wir inzwischen so oft in der Rechtspresse lesen können, daß wir sie fast aus­wendig hersagen können. Damit nur gar nichts ungeschehen bleibe, hat die deutschnationale Land­tagsfraktion auch noch einen Mißtrauensantrag ge­gen den preußischen Innenminister eingebracht, ohne Zweifel in der Absicht, jetzt nachdem das Ge­sell rum Schutze der Republik aefallen ist. kn

Landtage eine Gelegenheit zu finden, Parolen für eine neue Hetze gegen die Staatsform Ins Land hineinzuschmettern. Daß dabei die übrigen Rechtsfraktionen des Landtages Sekundantendienfte leisten, muß leider als ein neues Zeichen dafür gewertet werden, daß man in Deutschland die Auf­gaben der Opposition immer noch als eine Pflicht zur Unsachlichkeit auffaßt. Es ließen sich Dutzende von Stellen aus Reden völkischer Abgeordneter und Stahlhelmführer zusammenstellen, die ebenso bewußte wie großsprecherische Drohungen sind und als solche auch verstanden werden sollten. Die Priorität liegt also durchaus auf nationalistischer Seite und sie entspricht auch durchaus ihrem seeli­schen Gesamtzustand.

Aber ist es notwendig, diese Vorgänge so bitter ernst zu nehmen? Ist es notwendig, darauf mit Drohungen gleicher Art zu antworten? Vor al­lem kommen solche Drohungen zu spät. Wenn man schon energisch sein wollte, dann hätte man es in den Anfangswochen und Monaten der Begründung der neuen Staatsform tun müssen. Heute sind wir in der Demokratie doch bereits so weit hinein­gelebt, daß der Satz: „Demokratie verpflichtet!" bereits ein Gesetz der, Noblesse für die politische Führung geworden ist. Man kann in der Erre­gung, die 'zur Zeit in der völkischen und deutsch­nationalen Presse wegen der Worte Grzesinski in Frankfurt künstlich angefacht und weitergezüchtet wird, die Boshaftigkeit des Diebes suchen, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf den Unschul­digen ablenken möchte, aber das ändert nichts an der Verpflichtung aller Demokraten in ihren Aus­drücken ein Beispiel zu sein. Geschieht das nicht, so bleibt die übliche Schlußfolgerung, daß die herr­schenden Kreise nervös seien, daß sie sich unsicher fühlen und einen Mißbrauch mit dem demokrati­schen Gedanken trieben nur zu leicht haften. Wir wollen kein Diktaturgerede von demokratischen Füh­rern hören, wir wollen es vor allem deshalb nicht, weil es höchst überflüssig ist. Die Entschlos­senheit der demokratischen Regierungen in unserer Republik, die Ordnung aufrechtzuerhalten, wird durch ruhige aber energische Maßnahmen viel sicherer dokumentiert, als durch laute Drohungen, die keinen völkischen Hetzer zum Schweigen bringen.

Es liegt uns durchaus fern, einem politischen Phlegmatismus das Wort zu reden, die politische Seelenverfassung des deutschen Volkes läßt an Lauheit längst nichts zu wünschen übrig. Aber wir möchten das Temperament der verantwort­lichen Schützer unserer Staatsform lieber in einer anderen Form angewandt sehen, nämlich in einem Studium und in einer Lösung der Frage, wie die großen Menschengrupven, die heute im­mer noch dem republikanischen Staatsgedanken ohne Verständnis oder gar feindselig gegenüber« stehen, zu einem positiveren Verhältnis erzogen werden können. Das geht gewiß nicht ohne einen merklichen pädagogischen Druck, aber auch nicht

ohne eine Vertiefung und Veredlung der polltt- schen Autorität selbst. Man kann die Ueberbleibsel eines entarteten Preußentums nicht mit Allüren beseitigen, die selbst noch von solcher unzeitgemä­ßen preußischen Mentalität angesteckt sind. Man kann mit dem Beelzebub nicht den Teufel austter- ben. Die Frage einer festen Begründung der politischen Autorität in unserer Demokratie ist das Problem, das des Schweißes unserer Edelsten wert ist. Sie hängt davon ab, daß diese Autorität eine gewisse Stetigkeit besitzt, daß sie aber auch in einer gewissen elastischen Abwechslung einmal von den Kreisen mit repräsentiert werden kann, und zwar in einer Art parteipolitischen Wetteifers, die sich noch immer zähe und verbittert als die Enterbten des Umsturzes ansehen. Das Bewußtsein muß ihnen genommen werden, dazu verurteilt zu sein, von der Demokratie immer nur beherrscht zu wer­den. Unsere Nationalisten und Antirepublikaner müssen durch einen reformierten Mechanismus der demokratischen Willensbildung in einer organischen Weise in die republikanische Führungsordnung eingegliedert werden können Ohne eine Lösung des Autoritäts- und Führerproblems und ohne gleichzeitige Eingliederung der Nutznießer des al­ten Systems in die Demokratie bleiben einfach Ee- gendrohungen gegen deren Angriffe politisch unge­ordnet und autoritätszerstörend. Nur wer sich ernsthafte Gedanken darüber macht, wie das Mehr­heitsproblem in unserer Demokratie richtig gelöst werden muß, ist berechtigt, nötigenfalls von einer vorübergehenden Diktatur der Republikaner um der Demokratie willen zu sprechen.

Die keichsreform.

Zusammentritt von Unterausschüssen der Länder konferenz.

— Berlin, 5. Juli. (Eig. Meldg.). Die Unter­ausschüsse des Verfassungsäusschusses der Länder­konferenz find heute unter dem Vorsitz des Reichs- ministers des Innern zusammengetreten. Im Mit­telpunkt der Beratungen stehen die Fragenkreisi „Organisation der Länder und Einfluß der Ländei auf das Reich" und „Abgrenzung der Zuständig­keiten zwischen Reich und Ländern".

Die abgeänderte lex Brüning.

Der R e i ch s ra t hat beschlossen, gegen die sün, jährige Dauer der Novelle zur lex Brüning Ein­spruch zu erheben. Dieses Gesetz bestimmt, daß der Ueberschuß der Lohnsteuer über 1300 Mil­lionen Reichsmark im Jahre für soziale Zwecke verwendet werden soll. Der Einspruch des Reichs­rats richtete sich allerdings nur gegen die vom Reichstag beschlossene fünfjährige Dauer die­ses Gesetzes; für zwei Jahre hat sich auch der Reichsrat mit dem Gesetz einverstanden erklärt, so daß es zunächst einmal in Kraft treten kann.

Schwere Unwetter filier JeuMni«.

Natastrophale Verheerungen in Franken und Oberpfalz. — Hagelschlag und wirbel- sturm. — Der größte Teil der Ernte vernichtet. — Zahlreiche vlitzopser. — verheerend« Unwetter in 5chlesien. — Orkanschäden in Oesterreich und Böhmen.

In Bayern und Sch lesien sowie in Böhmen und Oesterreich gingen am Don­nerstagnachmittag außerorden tlich hef­tige Unwetter nieder, die an Gebäuden und Feldern schweren Schaden anrichteten.

Besonders schlimm hauste das Unwetter in Franken und der Ob er Pfalz. Zwischen Oberölsbach und Altdorf fielen die Hagel­schlossen so dicht, daß die unterwegs befindlichen Landleute, vielfach verletzt wurden. Etwa 40 Per­sonen suchten ärztliche Hilfe auf. Ter Gebäude­schaden ist sehr groß. Die Felder und Gärten bieten einen trostlosen Anblick» Kräftige Bäume wurden vom Wirbelwind in der Mitte umgedreht und ihre Kronen bis zu 30 Meter weit sortge,- schleudert. Auch mürben viele Bäume entwurzelt. Fast niemand ist gegen Hagelschlag versichert. In der Gemarkung Rohrn st adt wurde ein Ehe­paar, das ein Rindergespann an einer Kette festhielt, vom Blitz erschlagen. Mele Vögel, Wild sowie Hunderte von Gänsen wurden von den Eisstücken erschlagen. In W i n n r i ch t wurde ein Bauer durch Blitz, ein anderer durch Ha­gel erschlagen. In Deinschwang wurde eine Frau vom Blitz erschlagen, desgleichen eine Kuh sowie eine ganze Herde Schafe getötet. Viele Vögel, Gänse und Hühner wurden durch die nieder­gehenden Eisstücke erschlagen. In den Ortschaften wurden Häuser vielfach abgedeckt. Das Wasser ist durch die Decken in die Zimmer einj- gedrungen. In manchen Häusern wurden sämt­liche Fensterscheiben zerttümmert. Die Leute flüch­teten sich in die Ecken, um sich vor den Glasl- scherben zu schützen. In dem Pfarrhaus von Gnadenberg wurden allein 45 Fenster ein­geschlagen. In Deinschwang und anderen Orten flüchteten die Leute in die Keller.

Der Schaden ist unübersehbar, da die ganze Ernte weit und breit vernichtet ist. Die Hagelschlossen lagen auf den Straßen etwa 30 Zentimeter hoch.

Auch das Gebiet um Dinkelsbühl hat durch das Unwetter schwer gelitten. Die Gegend von Hesselberg bis zum Wörnitztal und na­mentlich in Jllburgstetten glich nach dem Unwetter einer Winterlandschaft. Dinkelsbühl selbst wurde nur von den Ausläufern des Unwetters gestresst. In der Umgegend wurde an den Feldern schwerer Schaden angerichtet. Die Ernte ist bis zu 100 Prozent vernichtet. Besonders schwer wurde die -cm der württembergischen Grenze lie­

gende Ortschaft Stödtlen heimgesucht, wo alles vernichtet wurde. Die ganze Katastrophe spielte sich in fünf Minuten ab.

In der Gemarkung Elaubendorf (Bezirk Nabburg) vernichtete der Hagel die Hälfte der Ernte. Das nach dem vorjährigen Brandunglück wieder aufgebaute Dörfchen Luhe hatte stark unter dem Hagelschlag zu leiden. Viele Dächer wurden zerstört.

Schwere Hagelschäden werden noch aus Wil - den au und Vohenstrauß gemeldet. Besonders in Vohenstrauß hauste das Unwetter furchtbar. Auf der Westseite des Dorfes blieb kein Fenster unversehrt. Eine Unmenge Dachziegel ist auf die Straße geschleudert worden.

Bei einem Nabburg passierenden Schnell­zug waren säst sämtliche Fenster zer­trümmert.

lieber die Gegend von Schwabach gingen im Laufe des Donnerstagnachmittag fünf schwere Gewitter nieder. Die Hagelschauer dauerten jeweils ungefähr zehn Minuten. In der Stadt ist der Schaden weniger groß. Dagegen haben die umliegenden Gemeinden ungeheuer gelitten. 70 Prozent der Ernte sollen vernichtet fein. Allein in Schwabach haben die betroffenen Ortschaften 100 000 Dachziegel angefordert. Dix Hopfen -und Tabakfelder sind fast voll­ständig zerschlagen. Für die Bettoffenen ist der Schaden katastrophal.

In Fössenheim bei Dettingen fuhr ein kalter Blitzschlag in ein Bauernhaus und tötete einen neunjährigen Knaben. Die im Zimmer sitzende Mutter wurde ebenfalls vom Blitz getroffen und schwer verletzt.

Me llnwetteroerheerungen in Schlesien.

Nach einer Meldung aus Neusatz (Oder) der nichtete ein furchtbares Unwetter am Donnerstag­abend in der dortigen Gegend die gesamte Ernte,. Die Katastrophe begann mit einem ungeheur en Wirbelsturm, der Bäume knickte und ent* wurzelte und schweren Schaden an den elektti- schen Lichtleitungen anrichtete. Es folgte ein Ha- gekschlag, bei dem 10 Minuten lang Hagel­stücke in Größe von einer Walnuß bis zu einem Hühnerei die Gegend verwüsteten. Die Gärten und Felder sind vollständig zerschlagen. Die Ernte der Landwirte in dem Dorfe ist ver­nichtet. Hier steht auf einem breiten Streifen kein einiger Halm mehr. 2n der Stadt Neusal-