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Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda.

JVs 154.

Samstag, den «. Juli 1929.

Der komagalake in voller Tätigkeik.

langfristigen Wettervoraussage für die Landwirt- Handlungen über das °er ^aaisveret.i- . — .-J - —----------—-----------------

Erstes Saniertest des Eulda ßhön SW Gaues

vom

Der 1140 Meter hohe vulkanische Berg Komagatake auf der Manischen Insel Jesso brach in der Nacht zum 17. Juni plötzlich aus und richtete ungeheure Zerstörungen an. Heber 8000 Men­schen sind durch diesen Ausbruch obdachlos geworden. _____

kohleforfchungsinstitute. Wer eine Ahnung von >em Problem der künftigen Kohlenwirtschaft in »er Welt hat, weiß, daß unter Umstünden Hunderte »on Millionen von den Ergebnissen abhängig sind.

Das Gleiche gilt von dem Düsseldorfer Eisen- brschungsinstitut, von dem Institut für Metallfor- chung in Dahlem, dem Faserstoffinstitut, dem Le- rerforschungsinstitut, dem Silikatforschungsinsti- iut. In Göttingen betreibt Deutschland das zur­zeit sicher angesehenste Strömungsforschungs- nstitut der Welt. Cs ist sicher, daß die zukünftige Vroßluftschiffahrt, insbesondere der Transozean- ilug, von den Ergebnissen der Arbeiten dieses In- tituts in erster Linie mit abhängt. Wer Eckeners bericht über den Amerikaflug des Zeppelins ge­lesen hat, weiß, daß der entscheidende Grund, warum dieses Luftschiff den Transozeandienst noch ficht sicher versehen kann, auf dem Widerspruch einer Gestalt zu den Ergebnissen der aerodynami- chen Forschungen beruht. Es ist meine persönliche ileberzeugung, daß in nicht ferner Zeit der trans- izeanische Flugdienst sich mit voller Regelmäßig­keit abspielen wird. Aber es ist auch meine Heber- Zeugung, daß daran in erster Linie diejenige Na­tion beteiligt sein wird, die das Gebiet wissenschaft­lich und technisch am besten beherrscht.

Das Institut für Wasserkraft und Wasserbau, das Sonnblick-Observatorium mit dem Ziel der langfristigen Wettervoraussage für die Landwirt-

* Das Schicksal der Skaaksvereinfachungsvorlage in Bayern. Aus München wir gemeldet: Die Koalitionsparteien traten zu Inständigen Ver­handlungen über das Schicksal der Staatsverem-

Ver Ehrenschutz des Politikers.

Wesentlich verschiedene Auffassungen in Deutsch­land und in England.

Der Londoner Korrespondent der „Frankfurter

Schriftleiter: Dr. p!)il. Johannes Kramer, verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. Parzeller.

Wie wird das Wetter?

Da sich der Luftdruckanstieg über Südwest- und Mit­teleuropa auch weiter fortsetzt, kann erwartet werden, daß die von England südostwärts sich erstreckende 3he - druckrinne sich nordwärts verlagert, so daß unsere Wit­terung in weit schwächerem Maße als seither durch die Tiefdruckströmungen beeinflußt wird.

Vorhersage bis Samstag abend: Im wesentli­chen noch Fortdauer des bestehenden Witterungscharak­ters. __

wirtschaft und Wissenschaft.

Bon Hnio.-Professor Dr. F. D es s a u e r, M. d. R. I Direktor des Instituts für medizinische Physik I

an der Hnioersität Frankfurt-Main.

Die deutsche Wirtschaft sieht sich nach tzilfe um. I die Landwirtschaft ruft nach Zollschutz, die Jndu- I ltrie nach Exporthilfe, Handwerk und Gewerbe I Ilach Pflege — alle nach Erleichterung der steuer- I sichen und sozialen Belastung. Selten nur mischt I TO unter diese Stimmen ein Hinweis auf eine I stelle, von der in großem Umfang Hilfe kommen kann. Utnfo wichtiger war es, daß int Deutschen Reichstag in den letzten Tagen bei der Etatbera- lung eingehend davon gesprochen wurde, die Dieb !eicht ergiebigste Hilfsquelle der deutschen Wirt- chaft bestehe in der deutschen Forschung.

Eine Million in Forschungen angelegt, kann ‘ine wirtschaftliche Auswirkung von hundert und rberhundert Millionen haben. Solche Fälle sind In der Vergangenheit mehrfach eingetreten. Er- I jinbungen wie die Gewinnung des Stickstoffs aus »er Luft oder erfolgreiche Methoden der tierischen, fflcmzlicken und menschlichen Seuchenbekämpfung bedeuten eine Verbesserung der nationalen Wirt- chaft um Milliarden.

Die Amerikaner wissen das, und dieser Ge- iante lebt dort im Bewußtsein des ganzen Vol­kes; allenthalben ist die Sympathie solchen For- chungen zugewandt. Es wird darin nicht gespart; Ausgaben für Forschungen der Naturwissenschaft md Technik, die fick dann wirtschaftlich auswirken können, finden allgemeines Verständnis. Wir iber bleiben zurück und kommen ins Schlepptau konkurrierender Länder, weil die Zusammenhänge zwischen Forschung und Wirtschaft im Bewußt- ein der Oesfentlichkeit und der Regierung nicht ebendig genug zu fein scheinen. Wir haben neben mfern Universitäten unsere Technischen und Land- oirtschaftlichen Hochschulen, die Notgemeinschaft ler Deutschen Wissenschaft und die Kaiser Wilhelm- Institute.

Ich will an einigen Beispielen anbeuten, welche virtschaftlichen Auswirkungen die Forschungen Ha­ien, die an solchen Stellen gepflegt werden. Die Kaiser Wilhelm-Gesellschaft hat das große chemische Institut, das sich' u. a. mit Zelluloseforschungen md solchen über Ausschließung des Strohes als Nahrungsmittel beschäftigt, während das gleichfalls tröffe Physikalisch-chemische Institut die Stickstoff­lewinnung aus der Luft — neben anderem — »earbeitet. In Mülheim und Breslau sind die

schäft, haben unmittelbare wirtschaftliche Auswtr- kunq, wenn ihre Forschungen zum Ziele führen. Das gleiche gilt vom Biologischen Institut, wo die Fragen der Vererbung bei Pflanzen und Tieren, der Züchtung, der Immunität und der Seuchenbe­kämpfung erfolgreich durchforscht werden. Ein eigenes Tabakinstitut in Dahlem pflegt die Ouali-

begnüqen — b a jedoch Herr Soundso in seiner Ei­genschaft als verantwortliche Persönlichkeit des ojfent­ließen Lebens gehandelt hat und ba es seme Absicht war, einen politischen Gegner in aller Oeffentuch e herabzusetzen, mit anderen Worten: da Herr Sound o aeaen die heiligste Grundregel ,edes politischen Spiels verstoßen hat, verurteile ich ihn zu fünftausend Pfund Schadensersatz an den Beleidigten und zu fünfzig Tagten Gefängnis; denn unser politisches Leben wäre unerträg­lich, wenn andere diese verwerfliche Methoden nachahm­ten. Kein anständiger Mensch wurde sich ins House °s Commons wählen lassen, wenn ich ihm diesen Schutz nicht gäbe." _____________

* Reue deutsch-polnische Handelsverlragsver- handlungen. Nach der Rückkehr des Gesandten Rauscher nach Warschau ist. wie die „Germama schreibt, damit zu rechnen, daß bte deutsch-polni­schen Handelsvertragsverhandlungen wieder star­ker in Fluß kommen werden. Rauscher hat bte Gelegenheit seines Berliner Aufenthaltes wahrg^ ■ nommen, um fick über die neue Lage, bie durch die schutzzollpolitischen Maßnahmen auf dem Ge- biete der Landwirtschaft entstanden ist, eingehend zu unterrichten. Bereits in diesen Tagen wird mit den polnischen Hnterhändlern auf neuer Grundlage Fühlung genommen werden.

fachungsvorlage zusammen. Heber das Ergebnis der Besprechungen wird folgende Mitteilung aus- gegeben: In der Besprechung der Koalitionspar- ok9ar dz-hene. sjatd"n chr ttntt und vird binbemig teien kam eine Einigung bahin, baß bie Staats­regierung bie geplante Vorlage über die Staats»

eigenes Tabakinstitut in Dahlem pflegt die Ouali- Vereinfachung noch m dieser Sefston etnbringen tätserhöhung der Produkte durch die Behandlung soll, nicht zustande. Die Staatsregierung wird der Sorten. Die Institute für Arbeitspsychologie I deshalb von der Einbringung der Vorlage abge- sind gleichfalls von großer wirtschaftlicher Aus- 1 sehen. — Nur hoffnungslose Schwärmer können Wirkung. Die Hydro-Biologische Anstalt in Plön glauben, daß jemals Staatsvereinfachungen, die im durchforscht bie rationelle Bewirtschaftung ber Interesse unserer Finanzlage so sehr erwünscht roa- Seen zwecks Steigerung bes Fischereiertrages. I ren, anbers als bureb Ermächtigungsgesetz

Noch größer ist die wirtschaftliche Bedeutung I gemacht werden können, des Entomologischen Instituts in Dahlem und des Züchtungsinstituts in Müncheberg, wo die Be­kämpfung ber Jnsektenschäblinge, bie Züchtung verbesserter (betreibe-, Kartoffel-, Obst- unb Ge­müsearten ftubiert wirb.

Das finb Beispiele aus der Arbeit der Kaiser- Wilhelm-Gefellschast, die eigene Institute betreibt. Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft dient dem gleichen Ziel mit anderen, aber minde­stens ebenso zweckmäßigen Methoden. Wo immer ein Forscher, der sich ausweisen kann, in Deutsch­land im Begriff ist, auf seinem Gebiet etwas We­sentliches zu finden, kann er sich an die Notgemein­schaft wenden. Diese unterstützt Hunderte von Ar-

heimischen Erze ab. Wir wohnen in einem me­tallarmen Lande, insofern, als unsere Erze er­tragsarm sind. Gelingt es, rationelle Methoden zur Verhüttung unserer schwachen Erze zu finden, so bedeutet das für die nationale Wirtschaft eine überaus große Erleichterung. Das Gleiche gilt, wenn es uns gelingt, unsere Walzerzeugnisse zu verbessern und einige entscheidende Probleme der Eießereikunde zu lösen, Schürfungsmethoden zur Auffindung der Lagerstätten von Kohle, Erzen, Deien zu finden. Der Hochdruckdampf, die Der- , —-------------—---------------------- _ „ ,, . . . « _

Liste Aufnahme vom Ausbruch des Vulkans llomagaiake in Japan einem nur von sehr wenigen geahnten Umfang | abhängt. Ganz besonders eingehend ist die Pflege, I welche bie Notgemeinschaft solchen medizinischen I und hygienischen Forschungen angedeihen läßt, die I sich wirtschaftlich auswirken. Von etwa zwanzig I großen Aufgaben dieser Art nenne ich die Unter- I suchungen über Tyvhus, Krebs, Syphilis, Tuber- I kulose, Kropf und Gewerbekrankheiten. Diese Ar- I beiten zielen darauf ab, methodisch jene Krankhei- I ten auszurotten. Von den Ergebnissen der ernäh- I rungsphysiologischen Pflanzenstudien hangen wirt- 1 sckaftlich buchstäblich Milliarden ab.

' Die Elektrotechnik, insbesondere die Hochspan- I nungselektrotechnik, die Strahlenforschung und I viele andere Gebiete stellen eben solche Anforde- I rungen an die Notgemeinschaft. —

Mussolini äußerte in einer groß angelegten I programmatischen Rede u. a. folgendes: „Die fa= I schistische Regierung bestätigt ihren Willen, das I Problem der Wissenschaft und wissenschaftlichen I Forschung in die vorderste Reihe der nationalen I Probleme zu stellen." — I

Drei Zahlen kennzeichnen die Tragik des Zu- 1 ftanbes in Deutschland. Für die Folgen des Krte- I ges zahlt jebe deutsche Familie im Jahr durch- I schnittlich 400 bis 500 Mark an äderen und in- 1 neren Lasten. Für den Genuß des Augenblicks I zahlt sie durchschnittlich im Jahr über 500 Mark. I

I Aber für die Wirtschaftszukunft, soweit sie auf der I Forschung beruht und durch Reich und Länder ge- I pflegt wird, zahlt jede deutsche Familie im Jahr I nur etwa 14 Mark. |

Zeitung" schreibt seinem Blatt:

In einem Gerichtsprozeß in Deutschland, den wohl jeder kennt — ich glaube es handelte sich um Schweine — erging ein Urteil von 500 Mark Geldstrafe gegen einen Verleumder. In der Urteilsbegründung hieß es, das Gericht habe lediglich deshalb von einer Gefängnis­strafe abgesehen, weil die Beleidigung in der Erregung des politischen Kampfes gefallen fei. — In beiten durch gelehrte Kommissionen. I diesem Augenblick interessieren mich weder der Ange-

Einige Beispiel! Die Metallforschung zielt un- I klagte noch der Beleidigte noch die Schweine — nur t" «uf bie Verwertung unserer |

schauung, daß es verlohnt, ein paar Zeilen darüber zu schreiben — und zu lesen. Ich könnte mir denken, daß der Richter hierzulande gesagt hätte: „Da wir nun ein­mal alle sehr sterblich sind, sollten mir nicht alles, was geredet wird, gar zu tragisch nehmen, und da Herr Soundso in der anständigen Art, die wir von jedem Gentleman erwarten, sich für seinen Irrtum im selben Augenblick entschuldigt hat, wo er erkannte, daß seine Behauptung unberechtigt war, habe ich Sympathie mit ihm und würde mich gerne mit einer geringen Buße

Volksfest

Massenchöre (1200 Sänger)

Kritiksingen

Ziele und Ideale. Ueber unser Wirken in Frankreich . haben wir natürlich mit ihm noch nicht viel gesprochen, |

Hände Maurice Mannerings legen.

Aber du sollst selbst urteilen, wenn du nach Chelsea zurückkehrst. Mr. Mannering erwies uns neulich die Ehre, bei uns zu Abend zu speisen, und wird seinen Besuch, wie ich hoffe, noch oft wiederholen. Er ist uns allen teuer geworden, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß er sich uns bald ganz anschlieht. Er ist ein Mann nach unserem Herzen und voll Sympathie für unsere

halb als Engländer auszutreten, bewirkte, daß meine Dienste sehr gesucht wurden, und Abenteuer die reiche Menge waren mein Teil. Aber ich habe hier nicht über Dinge und Ereignisse zu berichteten, an denen Marie keinen Teil hat. Ich könnte über meine Reise nach Paris schreiben, die ich zu Beginn bes Jahres dreiund­neunzig ausführte, und wie der Marquis und ich bet einem tollen Versuch, Marie Antoniette aus dem Temple zu befreien, knapp mit dem Leben davon kamen. Ich könnte von dem Waffenschmuggel an der bretonischen Küste erzählen und von der Sendung, die mich nach St. Florent führte, wo ich im Auftrage Robert Ta- bourets eine Unterredung mit Castelneau hatte. Ueber das alles werde ich vielleicht noch schreiben, aber die Zeit dazu ist noch nicht gekommen.

Das Ereignis, das mir in Hanover House Zutritt verschaffte, trug sich, wie gesagt, Anfang Dezember zu; und Ende Januar wurde ich in den Bund, der dort sein Hauptquartier hatte, ausgenommen. Diese ganze Zeit hörte und sah ich von Marie Tabouret nichts.

Lady Leverson war, wie es Men, durch Krankheit verhindert, im Februar aus Cornwall nach London zu kommen, und es wurde verlautet, daß auch ihr Gast warten wolle, bis die Lady reissefähig sei. Oft wunderte ich mich, daß Marie, die doch von meinem Verkehr in Hanover House unterrichtet sein mußte, nicht Mittel und Wege fand, sich mit mir in Verbindung zu setzen — dann sagte ich mir, daß ein solcher Versuch überaus ge­fährlich sein mußte. Zu damaliger Zeit waren Briest nicht das, was sie heute sind, und je länger ein Bries brauchte, fein Ziel zu erreichen, desto größer die Gefahr, daß er verloren ging und in unrechte Hände fiel. Ich selbst nahm mir Mariens Vorgehen zur Richtschnur und zögerte lange, bevor ich etwas dem Papier anvertraute. Auch mochte ich meinem flaschengrünen Freund Samuel nicht recht trauen, denn es schien mir einige Male, als ob er mich heimlich mustere und als ob ihm meine Auf­nahme in den geheiligten Kreis von Hanover House mißfalle.

Nun komme ich wieder auf die Szene zurück, deren Schauplatz der Speisesaal in dem Hause zu Chelsea bar- stcllt. Es war, wenn ich mich recht erinnere, am fünften April, ein büfterer, grauer Tag, mit Regen und Wind, ber schneidend vom Fluß her blies.

(Fortsetzung folgt)

größtem I mehr wert war — ich war bort ein willkommener Gast, derselben I Jetzt hatte ich nur noch auf bas Erscheinen ber Prin­

zessin zu warten.

Siebtes Kapitel.

Eine stumme Werbung.

Stell dir vor: eine lange, niedrige Halle mit hoher Eichentäfelung und darüber weißgetünchte Wände, an denen einige düstere Gemälde der holländischen Schule hängen. Ein langer Speisetisch steht mitten auf dem gehöhnten Estrich und auf dem Tisch zwei vielarmige Leuchter, die den Raum mit einer milden Helligkeit er- füllen. In dem großen, offenen Kamin lodern mächtige Holzscheite, deren rote Glut sich mit dem gelben Kerzen­schein vermischt und helle Glanzlichter auf bie Kupfer- unb Zinngeschirre bes eichenen Büfetts unb auf bie Golbrcchmen ber Silber setzt. Stell dir auch einen jungen Mann vor, bankbarer als Worte ausdrücken können für bas gebämpfte Licht, auf dem ßeoparbenfell vor dem Kamin stehend und sich vor einem jungen Mädchen verbeugend. Im Hintergrund eine schlanke, aristokratische Same, welche bie Szene mit ausge­sprochenem Wohlgefallen beobachtet.

Stell dir bas alles vor, meine gute Cöleste, unb du hast ein treffendes Bild bes Speisesaales in dem ver­wunschenen Schloß, wo gerade der überlistete Drache dem Helden bie Prinzessin vorführt.

Ich hatte lange warten müssen, bis biefer Augen­blick herangekommen war. Etwas onberes war es, in dem Kreise von Hanover House Zutritt zu erlangen, unb etwas anberes, irgend etwas über Marie Tabouret zu erfahren. Niemand hatte überhaupt eine Ahnung, baß ich um bie Existenz bes Fräuleins wußte. Ich ver­suchte immer roieber auf manchen Umwegen bas Ge­spräch auf den Gegenstand zu bringen, der mir so sehr am Herzen lag, aber stets ohne Erfolg. Es blieb mir nichts übrig, als mich in Geduld zu fassen und in der Zwischenzeit alles zu tun, was im Hinblick auf einen möglichen Gegenangriff meine Stellung befestigen konnte.

Von jenen Tagen zu erzählen, gehört wohl kaum zu meiner Geschichte, obwohl es Ereignisse genug gab. Meine Aufnahme in den Bund bedeutete den Beginn einer Periode harter Arbeit bei Tag und Nacht. Meine , einzigartige Fähigkeit, nach Bedarf bald als Franzose,

doch liegt es auf der Hand, daß er uns von < Nutzen fein könnte. Er spricht französisch mit derselben Vollkommenheit wie englisch, ba, wie ich höre, ferne Mutter eine Sanbsmännin von uns war. Sem Vater hat sich als Offizier im Dienste ber Ostinbifchen Handels­gesellschaft ausgezeichnet, und sein Großvater war em Mannering of Meadow Croft, ohne Zweifel ein Ver­wandter der Mannerings of Roxford Grange, die, wie du weißt, Vettern des Lord of Perth sind.

Ich würde dir raten, meine liebe Marie, noch bis nach Weihnachten in Cornwall zu bleiben. Lady fieoen fon pflegt, soviel mir bekannt ist, Anfang Februar nach London zu kommen, und es wird für dich angenehmer jein mit ihr zu reifen, als mit der Post.

Deine dich innigft liebende Tante Yvonne.

Du wirst, Cöleste, mit deiner Einbildungskraft leicht imstande sein, auszumalen, wie Marie auf Lady Lever­sens einsamem Schloß in Porthmeer saß und diesen Bries las. Du wirst dir ihrer Augen vorstellen können, wie sie von dem geständigen Schelm las, in dessen Hände Mademoiselle Yvonne vertrauensvoll ihr Leben gelegt hätte.

Mit anderen Worten, du wirst hinter bie Kulissen einer kleinen Komödie blicken können, während ich . . . Nun, freilich, ich wußte von allen diesen Dingen nichts. Ich wußte nur, daß mir ein günstiger Stern zu Hilfe aetommen war und daß ich in Hanover House festen Fuß gefaßt hatte. Auch daß ich mit günstigen Augen angesehen wurde, wußte ich, doch bedurfte es bes Briefes — den mir Marie erst lange nachher zeigte, — um mir zu sagen, welch tiefen Eindruck ich auf bie alte aristokratische Dame gemacht hatte.

Ich kann es mir nach iesem Brief wohl ersparen, bir bie Ereignisse in ber buntelen Gasse in Calais zu schilbern, unb ben sehr operettenhaften Scheinkampf, den ich mit ben beiben knieweichen Desperabos, bie ich zu ber Komöbie gehungert, zu bestehen hatte. Dieser Vorfall führte mich nach Schloß Combreau zu Mariens. Bruber, in dessen günstigem Empfang ich den Finger bes Schicksals sah. „

Ich hatte — mit Hilfe eines glücklich-". Zu, aus, wenn bu so sagen willst — ben Drachen, ber bas Tor meines verwunschenen Schlosses hütete, überlistet. Ich hatte Zutritt yt Kgnover House erlgngt und =s

Der Abenteurer.

Von D. W h i t e l a w.

Aus bem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deutiLen Rechte bei Grete von Urbanibtt), Wic.i.

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Nach allem, was ich höre, war es ein feiger Heber- fall burch zwei Individuen im Dunkeln einer jener düsteren Gäßchen, die zum Hafendamm von Calais führen. Wer bie Angreifer waren, konnte de Parvais nicht erkennen. Er wehrte sich tapfer, wäre aber unter­legen, wenn nicht Gott im Augenblick ber höchsten Ge­fahr einen Retter gesandt hätte. De Parvais glaubt, daß er ohnmächtig wurde, denn er erinnert sich nur, wie er in einem Bette in einer kleinen Herberge in der Rue de la Chapelle erwachte, wohin ihn fein tapferer Retter aebracht hatte. .

Der Marquis bßfonb sich, tüte du bir denken kannst. In einem argen Zwiespalt. Eine Kopfwunde unb ein Knöchelbruch warfen ihn in ein Fieber, bas ihm bte Fortsetzung seiner Reise unmöglich machte. Und auf Schloß Combreau wartete dein Bruder voller Sorge auf die Briese und Papiere, die der Marquis ihm bringen sollte. Wieder kam ihm ber Samariter zu Hilfe, um) obwohl be Parvais Bedenken trug, entschloß er sich doch, das wohlversiegelte Paket mit den Papieren bem Fremben anzuvertrauen, ber es auch richtig in die Hänbe deines Bruders auf Schloß Combreau abheferte.

Seither habe ich selbst Gelegenheit gehabt, diesen Retter in der Not selbst kennen zu lernen, und ich habe noch nie solche Biederkeit aus den Augen eines Mannes leuchten sehen. Ich würde beruhigt mein Leben tn bte