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Dienstag, den 2. Juli 1929

Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).

Nr. 150

DV

Marktetrasse 15

Telephon 578

Die Vapstfeier in der Bonifaiiusftadi.

Prälat Dr. Gröber spricht über die Bedeutung des Papsttums

Vizepräsident führt. Der der Entwicklung, die das höhere Schulwesen der Provinz seit der Jahrhun­dertwende genommen hatte und infolge der damit zusammenhängenden Vergrößerung der Behörde mußten von 1908 ab weitere Diensträume im süd­lichen Torgebäude hinzugenommen werden. Auch diese UnteÄringung erwies sich mit der Zeit als unzulänglich. Die Uebersiedlung in das nunmch- rige Dienstgebäude macht diesem Zustand ein Ende, bei dem besonders die Trennung der Behörde durch die Verteilung auf zwei Häuser unangenehm emp­funden wurde.

Dom heimatlichen Dezirksverband.

Die Landesverwaltung (Landeshauptmann in Hessen) teilt uns mit: Die ordentliche S i tz u n g des Landesausschusses beginnt am Mitt­woch, den 3. Juli 1929, vormittags 9 Uhr im

gezahlt werden. 2. Die Anträge auf Billigkeits. maßnahmen nach dem obigen Runderlaß find jpa. testens bis zum 15. Juli d. I. einzureichen. 3. Bei Rechtsmitteln, die lediglich aus Vorsicht einge­legt worden sind, ist von der Erhebung von Rechts­mittelkosten abzusehen, sofern diese Rechtsmittel lns zum 15. Juli 1929 zurückgenommen werden.

Der EleKiro-Zusammenschlutz.

3m herbst soll die Entscheidung fallen.

Der Elektrozweckverband Mitteldeutschland trat am K7 d. M. im Saale des Kasseler Ständehauses zu einer Ausschußversammlung zusammen, verabschiedete den Geschäftsbericht, die Bilanz, Gewinn- und Verlustrech- nung für das abgelaufene Geschäftsjahr, ergänzte den Vorstand durch Wahl des Oberbürgermeisters Dr. Stad- ler-Kaflel und Landrats Klapp-Corbach und verlängerte einstimmig die Mandatsdauer des V-rbandsvorstehers, seines Stellvertreters und der Vorstandsmitglieder satzungsgemäß auf weitere sechs Jahre. Die Versamm­lung trat nach einem ausführlichen Dortrage des Ver­bandsvorstehers in eine Erörterung der vorlie- genden Zufammenschlutzpläne ein, beschloß einstimmig deren weitere Bearbeitung und nahm davon Kenntnis, daß eine auf Grund der Beratun­gen von Vorstand und Unterausschüssen aufgebaute Denkschrift in Vorbereitung sei, in der die verschiedenen Möglichkeiten eines geeigneten Zusammenschlusses be­handelt werden. Nach Ablauf der sommerlichen Urlaubs­zeit soll die Frage alsbald wieder ausgenommen wer­den, um bis zum Eintritt des Herbstes eine Entscheidung über die zu treffenden Maßnahmen herbeizuführen.

von der Wohnungswirtschaft.

I» der „Preußischen Zesetzessamm. lung" vom 14. Juni ist nun die bereits fett lan­gem angekündigte vierte Verordnung über die Lockerung der Zwangswirtschaft erschienen.

Um von vornherein falsche Ansichten über die Verordnung oder irrtümliche Auslegungen dersel­ben zu vermeiden, sei darauf hingewiesem daß durch die Verordnung in keiner Weise das Reichs- Mietengesetz oder das Mietschutzgesetz berührt wird. Eine Slenderung der Bestimmungen über die ge­setzliche Mistfestsetzung für Wohnräume tritt mcht ein. Ebensowenig in den Bestimmungen des Mie­terschutzgesetzes über die Räumung.

Die Lockerungsverordnung gehört allem tn das Gebiet des Wohnungsmangelgesetzes, das die Richtlinien enthält, für Wohnungsämter bezüglich der öffentlichen Bewirtschaftung von Wohnräumen.

In der vierten Verordnung wird bestimmt, daß die bisherigen Vorschriften des Wohnungsmangel- gefetzes keine Anwendung mehr finden auf Woh­nungen mit einer Iahresmiete von 2400 Mk. und mehr in Berlin, 1900 Mark und mehr in den übrigen Orten der Sonderklasse, 1400 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse A, 1000 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse B (zu der Fulda gehört), 600 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse C, 400 Mark und mehr in den Orten der Ortsklasse D. .

Es hat hier also der Vermieter das Recht der freien Verfügung über Wohnungen obengenann­ter Art, wenn diese frei werden unter Aufrechter­haltung der Bestimmungen der 2 und 8 des Wohnungsmangelgesetzes über Abbruch von (Bebau- den und Gebäudeteilen, Umwandlung von Woh­nungen in Geschäftsräume und den Wohnungs­tausch.

Was einleitend über die Verordnung schon ge- sagt wurde, das gilt auch für deren Schlußbestirn- mung, wonack Gemeinden mit weniger als 8000 Einwohnern als „ohne Wohnungsman­gel" anzusehen sind, für dis also die Vorschriften des Wohnungsmangelgesetzes fortfallen. Aber die Bestimmungen des Reichsmietengesetzes und des Mieterschutzgesetzes bleiben auch ferner in Kraft

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Die Bedeutung des Papsttums geht weiter aus der Aufgabe hervor, die es kraft seiner Autori­tät innerhalb der Kirche hat. Dem Papst ist das Lehramt, das Hirt en amt und das Prie­st e r a m t übertragen. Er ist die letzte Instanz in­nerhalb der Kirche.

Auch die fast 2000zährige Geschichte des Papsttums ist ein Beweis für die Bedeutung des Papsttums. Bald war diese Geschichte voller Ruhe und Frieden, bald voller Kampf und Verfolgung. Wohl hat es auch schlechte Päpste gegeben, aber die Dinge der Vergangenheit müssen mit dem Maßstab ihrer Zeit beurteilt werden. Diese Schattenseiten zeigen nur neben dem göttlichen Charakter den menschlichen Charakter des Papsttums.

Der Vater der Christenheit war durch die Jahr­hunderte hindurch stets ein Hort der Wahrheit. Christus ist auf die Welt gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen. „Ich bin der. Weg, die Wahrheit und das Leben", daß die christliche Wahrheit erhalten blieb, danken wir dem unfehl­baren Lehramt der Kirche.

Das Papsttum ist ein Hort der Einheit. Ohne die päpstliche Autorität würde alles ausein- anderfallen. Es war aber stets der Gegenstand des Gebetes des göttlichen Meisters, daß alle eins seien. In der katholischen Kirche gibt es ein Glaube, eine einheitliche Sittenlehre, eine einheitliche Liturgie. Die Einheit der Kirche ist freilich kein starres System; sie pofet sich stets den Erfordernissen der Zeit und der völ­kischen Eigenart der verschiedenen Nationen an.

Das Papsttum ist der Hort der Heiligkeit. Stets sind die Päpste mahnend und warnend vor die Menschen getreten. Das Papsttum war auch stets ein Hort der G e r e ch t i g k e i t. Es sei nur in neuester Zeit auf die Bemühungen Benedikt XV. um die Herbeiführung eines gerechten Friedens er­innert. Auch in den modernen Kampf zwischen Kapital und Arbeit war die Enzyklika re- rum novarum Leo XIII. ein mutiges Cin- stehen für die Rechte der wirtschaftlich Schwächeren. Die Werktätigen sollten deshalb ihre Freunde auch nicht dort suchen, wo man Christus verleugnet.

Daß das Papsttum stets ein Hort der Kultur war, dafür braucht man keine Beweise mehr auszu­zählen. Was ist eigentlich Kultur? Sie ist nicht die Pflege des Leibes, nicht der Glaube, man müffe es sich im Leben so angenehm als möglich machen, nicht Technik und Zivilisation allein. Kultur ist etwas viel Höheres. Kultur ist die Pflege des Geistigen, des Göttlichen im Menschen. Gibt es da einen Kulturfaktor, der größer ist als das Papst­tum? „Der wahrhaft kultivierte Ddenfch muß ein gläubiger Mensch fein."

Im Schluß kam der Redner dann kurz auf die Stellung des Papsttums in der Gegenwart und die Arbeit des jetzigen Papstes Pius XI. zu sprechen, der den Gedanken der Katholischen Aktion in die Massen geworfen hat, der der Welt wieder den königlichen Christus gezeigt hat und um des Friedens willen den Sateranoertrag mit der ita­lienischen Regierung geschlossen hat.'

Der Festredner schloß mit einem Hoch auf den H l. Vater, das von der Versammlung, die fick von den Sitzen erhoben hatte, freudig aufge­griffen wurde. Machtvoll erbrauste die von dem Domchor in italienischer Sprache gesungene ita­lienische Pav st Hymne durch den Saal.

Der Hochw. HerrBischof wandte sich dann in einer kurzen Ansprache an die versam­melten Festteilnehmer, in der er zunächst allen, die zu dieser erhebenden Feier beigetragen hatten, feinen aufrichtigen Dank aussprach,' und den Wunsch anfügte, daß der Vorsatz unerschütterlich sei, die Bestrebungen des Hl. Vaters mit allen Kräften zu unterstützen. Das Programm des jetzigen Pap­stes ist in dem Satz: Pax Christi in regno Chri sti, der Friede Christi in der prakt. Anerkennung der Herrschaftsrechte C h r i sti zusammengefaßt. Pius XI. ha t das Königsfest Christi eingeführt, damit die Gläubigen immer wieder an die heiligen Rechte des Heilandes in dieser Welt erinnert werden. Nur wenn diese Rechte anerkannt werden, könne F r i e- d en im priv a t e n, s o zi a le n, g ese ll s chaft- lichen und politischen Leben herrschen.

Nachdem das Domorchester noch das mit gro­ßem Beifall aufgenommene Andante aus der 2. Symphonie von Haydn gespielt hatte, fang die Winfridia zum Abschluß den Eingang zur deutschen Messe von Schubert und das prächtige „Lobe meine Seele den Herrn" von Thiel. In seinem Schluß­wort machte Domdechant Prof. Dr. Leimbach noch bekannt, daß ein Telegramm des Oberbürgermei­sters eingetroffen fei, der bedauert, an der Kund­gebung nicht teilnehmen zu können. Die Antwort auf die vom Hochw. Herrn Bischof an den Hl. Vater in Rom gerichtete Glückwunschadresse ist noch nicht eingelaufen. Sie wird an dieser Stelle veröffent­licht werden.

Die Männergesellschaft M. 3t.

unternahm am gestrigen Sonntag den am „Peter und Paul" üblichen Sommerausflug. Unter Lei­tung des Vorsitzenden, Herrn Bankdirektor Singer, ging es in diesem Jahre unter großer Beteiligung der Mitglieder und ihrer Familien mit dem Zuge nach Ried, von wo der Weg durch reizvolle Wald- landschaft über Döllbach nach Büchenberg führte. Dort erlebte man an gastlicher Stätte genußreiche Stunden, zu denen sich auch der Psarrherr aus dem nahen Uttrichshausen und der Lehrer des Ausflugs­ortes als willkommene Gäste eingesunden hatten. Auch der Heimweg, der die Mehrzahl der Teilneh­mer wieder an die Rhönbahn, nach Welkers, zu­rückführte, verlief stimmungsvoll und der ganze Ausflug, den die Witterung begünstigte, wird allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Er erfüllte sicherlich den Zweck dieser M. N.» Deranftaltung, über gesellschaftliche Schranken hin­weg gleichgesinnte Familien zu einem herzlichen Verkehr im Sinne katholischer Volksgemeinschaft zufammenzuführen. Wer weiß, wie angenehm, an­regend und förderlich es ist, einmal außerhalb der gewohnten beruflich und nach sonstigen Kennzeichen engumschriebenen Zirkel in größerer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten in heiterem Kreise beisammen zu sein, wird den Sommerausflug des M. N. auch in Zukunft nicht leicht versäumen.

Die Srisenunkerstühung in der Arbeitslosenver­sicherung.

Wie bereits angekündigt, hat der Reichsarbeits- minifter nunmehr durch Erlaß vom 29. Juni 1929 die Krifenunterrstützung neu geregelt. In An­lehnung an die Regelung, die vor dem Februar- Erlaß galt, zählt der neue Erlaß wieder die Be­rufe einzeln auf, deren Angehörige grundsätzlich oder durch Verfügung der Landesar eit'sämter Kri- fenunterftütjung erhalten können. Im Großen und Ganzen ist bezüglich der zugelassenen Berufe keine Aenderung eingetreten. Die Unterstützungshöchst- daver beträgt aber wie vor der Winterregelung wieder 39 Wochen, für Arbeitslose über 40 Jahre

. Mathilde Kreß in Johannesberg ite 25 Jahre im Haushalte der Lehrerin Joharmesbcrg, tätig. Als Anerkennung für die ige, treue Dienstleistung wurde ihr botn als Ehrengabe ein Sparbuch

über 25 RM. gewidmet.

Som heimatlichen Provmzialschulkollegium.

Heute siedelt das in Kassel ansässige Pvovinzial- schulkollegium für Hessen-Nassau in sein neues Dienstgebäude Obere Königsttatze 45 (F. Sammel- nurnmer 6503) über. Diese 1867 begründete Auf­sichtsbehörde für die höheren Schulen der Pwvinz hatte zunächst als Abteilung des Obervräsidiums und erst 1874 in dem nördlichen Torgebäude, jetzt Wilhelmshöher Platz 1, eigene Diensträume erhal­ten. Ihr Präsident ist auch heute noch der Ober­präsident. Ihm trat 1901 als ständiger Vertreter ein Oberregierungsrat und Direktor des Provinzial- schulkollegiums zur Seite, der heute die Bezeichnung

Das diesjährige Fest Peter und Paul be­kam durch die ißap ft feiern, die anläßlich des goldenen Pr iesterjubiläu ms Pius XI. überall von den Gläubigen der Diözese Fulda veranstaltet wurden, feine besondere Note. Es eig­net sich auch wohl fein Tag besser als das Fest der beiden Apostelfürsten dazu, um wieder einmal in machtvollen Kundgebungen der verehrenden Liebe zum Vater der Christenheit in Rom Ausdruck zu geben.

Besonders festlich und glanzvoll gestalteten sich die kirchlichen und weltlichen Feiern in Fulda.- In dem Bischöflichen Hochamt am Morgen im ren Dome erklang eine vierstimmige Messe von

Griesbacher mit Orgel- und Musikbeglei­tung. Die Motette von Michael Haller „Tu es Petrus" packte die Gläubigen durch ihre Wucht und ihre sieghafte Melodie. Die weiten Hallen des Domes waren überfüllt, da viele hunderte herbeigeströmt waren, um durch die Vermittlung des Hochw. Herrn Bischofs den Päpstlichen Segen zu erhalten. Die kommunalen Körperschaften waren bei der Feier vertreten.

Am Nachmittag hatte das Katholikenkomitee die Fuldaer Katholiken zu einer weltlichenFeier in den Stadtsaal geladen. So viele waren gekom­men, daß nicht alle einen Platz finden konnten und viele der Feier stehend beiwohnen mußten. Der über­füllte Saal konnte als ein beachtenswerter Hinweis angesehen werden, daß auch in Fulda in der Zu­kunft solche von der gesamten katholischen Be­völkerung veranstaltete Kundgebungen unter Got­tes freiem Himmel, unbehindert durch begrenzende Wände, ftattfinben müssen. Nur so kann die Teil­nehmerzahl so groß werden, wie es der Zahl der Wldaer katholischen Einwohnerschaft entspricht, während auch im überfüllten Stadtsaal doch nur ein kleiner Bruchteil aller treuen Bekenner des katho­lischen Glaubens in der Stadt Fulda Platz finden kann. Ein großer festlicher Aufmarsch mit an­schließender Kundgebung wird auch bei einer sol­chen Gelegenheit der weiten Oeffentlichkeit die Freude zeigen, die man früher bei einem Papstju­biläum in Fulda durch eine festliche Beleuchtung der Gebäude und Häuser zum Ausdruck brachte und an die sich bei der diesmaligen Veranstaltung die älteren Generationen mit Wehmut zurückerinnert haben.

Das Domorchester unter Leitung von Regens Dr. Weber leitete die Feier durch die gut vorge­tragene Ouvertüre zu „Titus" von Mozart ein. Ludwig Nüdling hatte wieder einen passenden Prolog gedichtet, der von Oskar Kramer wir­kungsvoll zu Gehör gebracht wurde. An Stelle des verhinderten Vorsitzenden des Fuldaer Katboliken- komitees, Amtsgerichtsrat R h i e l, hieß Bombe» dient Prälat Prof Dr. S e i m b a * di" Gäft-v da­runter die Vertreter der Stadt und des Kreises Fulda, herzlich willkommen. Unter den Erschienenen bemerkte man auch die fürstliche Familie Psenburg-Birstein. Der beson­dere Gruß galt dem Festredner Domkavitular Prä­lat Dr. Gröber- Freiburg, der als Präsident des Diözesankomitees des Bonifafiusverins in der Erz­diözese Freiburg der Fuldaer Diaspora schon viele Wohltaten erwiesen hat. Diese festliche Veranstal­tung soll eine würdige Kundgebung zu Ehren des Hl. Vaters werden, der den deutschen Katholiken schon so oft Beweise seiner väterlichen Liebe und Zuneigung gegeben bat.

Nachdem die „Winfridia" b:e Handnsche „Hymne an Gott" gesungen hatte, hielt Prälat Dr. Gröber die Festrede, die die

Bedeutung des Papsttums in der Vergangenheit und Gegenwart

zum Gegenstand hafte.

Der Redner zeigte in feinen einftünbigen, mar­kanten Ausführungen, wie sich die Bedeutung des Papsttums aus feinem Ursprung, feiner Auf­gabe, feiner Geschichte und Wirksamkeit in der Gegenwart erkennen lasse.

Der Ursprung des Papsttums lasse sich nicht le­diglich natürlich erklären, wie man es oft versucht habe. Der Glanz des alten Rom fei auch auf das Pistum Rom gefallen. Daran mag etwas Rich­tiges sein, aber man solle auch zugeben, daß Rom schon am Sterben war, als das Papsttum auf­kam. Der eigentliche Ursprung des Papsttums ist übernatürlicher Natur. Der Papst ist das sichtbare Oberhaupt de rKirche, die nichts anderes ist als der in den Jahrhunderten und Jahrtausenden fortlebende Christus. Christus hat ein Reich ge­gründet, das zwar nicht von dieser Welt, aber i n dieser Weilt sein sollte. Und dieses Reich brauchte eine Autorität, d. i. der Papst, der Nachfolger des Apostel Petrus, den Christus wiederholt ausge­zeichnet hat. Schon das erste Christentum hat den Bischof von Rom stets als das Oberhaupt der Kirche anerkannt, da er der Nachfolger auf dem Stuhle Petri war.

Fulda, den 1. Juli 1929.

Vie Lebenshaltungskosten.

Die Reichsindexzisier für die Lebenshaltungs­kosten (Erncchrung, Wohnung, Heizung, Beleuch­tung, Bekleidung und „sonstige Bedarf") ist nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juni mit 153,4 gegenüber 153,4 im Vormonat nahezu unverändert gebl'fben.

Die Indexziffern für die einzelnen Grup­pen betragen: (1913/14 gleich 100): Für Ernäh­rung 154,0, für Wohnung 126,0, für Heizung und Beleuchtung 148,9, für Bekleidung 172,4, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 191,8.

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Sitzungszimmer des Landesausschusses tm Stände- haus. Sie wird sich im wesentlichen mit den Er­gebnissen des Jahresabschlusses 1928 für die ein- Seinen Anstalten und Verwaltungszweige, sowie mit Erörterung der durch die Verabschiedung des Hauptvoranschlages für 1929 bedingten Verwal­tungsmaßnahmen befassen.

Dom Finanzamt Fulda

wird uns geschrieben: Der Reichsfinanzminister hat in Abänderung der in feinem Runderlaß betreffend Billigkeitsmatznahmen auf dem Gebiet der Der- mögenssteuer und Einheitsbewertung 1928 borge- schriebenen Fristen folgendes besftmmt: 1. Don der Erhebung von Verzugszinsen für am 15. Februar und 15. Mai 1929 fällig gewordene Vermögen- fteuerbetiäge wird dann abgesehen, wenn diese Bettäge spätestens dis zum 30. Juni 1929 ein-

Personennachrichten.

Gerichts-Referendar Dr. Heinrich Schulte, aus Fulda, Abiturient des hiesigen Gymnasiums, hat in Berlin das Assessor-Examen mit dem Prädikat „Gut" bestanden.

Pfarrer Haseneier t-

Im 55. Lebensjahr starb am 28. Juni der Pfarrer an der Rosenkranzkirche zu Kassel, Oscar Haseneier. Er war ein Sohn der Stadt Fulda, dessen Gymnasium er Ostern 1894 absolviert hatte, um bann Theologie zu studieren. Am 19. März 1898 wurde er zum Priester geweiht. Zunächst toitite er an der Lateinschule in Geisa, von wo er im Jahre 1901 als Rektor der damals ins Leben gerufenen Bischöflichen Lateinschule zu Bad Orb bestellt wurde. 1910 wurde er im Hinblick auf die großen Erfolge in seiner bisherigen pädagogischen Wirksamkeit vom Hochwürdigsten Herrn Bischof mit der Gründung einer neuen Lateinschule, und Kvar in Groß-Auheim bei Hanau, beauftragt Seine Schüler schworen auf ihn, er war ihnen ein treuer Vater und blieb ihnen ein Freund und Berater für das spätere Leben. 1917 folgte Rektor Haseneier seinem Herzenswunsch, sich ganz der Seelsorge zu widmen und übernahm die Pfarrei Oberndorf im Kreis Gelnhausen. Von dort wurde er 1924 als Pfarrer in die katholische Gemeinde in Kassel-Wehlheiden versetzt. Leider war seine Gesundheft stark erschüttert, so daß er seine hoch­gesteckten Ziele in der Seelsorge der Großstadt der Diaspora leider nicht verwirklichen konnte. Ein schwerer Raubüberfall int Frühjahr 1923 zur Rächt- zeit im Oberndorfer Pfarchaus hatte seiner an sich zarten Gesundheit schwer geschadet. Die im Jahre 1926 entsetzende Erkrankung zwang ihn zu einer Operation. Eine völlige Genesung trat nicht ein. Nur vorübergehend konnte er seine Seelsorgtätig, leit wieder aufnehmen. Sein jetzt int Marien- kranken! aus zu Kassel erfolgter Tod war eine Erlösung von langem, überaus schmerzlichem Lei­den, das er mft wahrhaft heroischer Geduld ertrug. Nie kam ein Wort der Klage über seine Lippen. Sein größter Schmerz war, daß er nicht mehr in der Seelsorge arbeiten konnte. Pfarrer Haseneier war wissenschaftlich außerordentlich angeregt. Er besaß nicht bloß eine ungewöhnlich umfangreiche Bibliothek, sondern arbeitete auch mit großem Fleiß die Neuerscheinungen durch. So besaß er ein gründ- RcM und ausgeprägtes theologisches Wissen und ein umfangreiche Allgemeinbildung. Das kam vor all : seiner Tätigkeit auf der Kanzel zugute. Er predigte gern und leicht, immer originelle Es machte chm nichts aus, drei- und viermal an einem Sonntag die Kanzel in der Kirche ober das Redner- pult im Deremssaal zu besteigen. Stets fesselte er seine Zuhörer und bot ihnen reiche Anregung. Er hinterläßt ein gesegnetes Andenken. sch.

Einen Nachruf !

auf den in Fulda verstorbenen Monsignore R h i e l erläßt Weihbischof Hammels-Köln als Vorsitzender des kath. Erziehungsvereins für die Rheinprovinz. Cs heißt darin: Ter Verstorbene war auf dem Gebiete der Gefährdeien-Fürsorge weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt und geschätzt. Er war Mitbegründer dos Katholischen Erziehungsvereins für die Rheinprovinz und wurde dessen erster Vorsitzender. Als er im Jahre 1924 in den Ruhestand trat, wurde er zum Ehrenvor­sitzenden des Vereins ernannt. Auch fern vom Rheinland, von Fulda aus, verfolgte er die Ent­wicklung unseres Vereins und unsere Arbeft mit regstem Intereffe. Ein seltener Freund der ge­fährdeten und verlasienen Jugend ist mit ihm ge­storben. Seine Freunde und Mitarbeiter vernah­men trauemb die Todesnachricht. In der Ge­schichte unseres Vereins steht fein Name an erster Welle. Sein Leben und Arbeiten wird uns Vor­bild bleiben und fein Rarne stets ehrfurchtsvoll genannt werden.

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