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Dienstag, ven 2. Juli 1929.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

Dar Sgrarhilssprogramm.

Die erste Teilaktion. — Prattische Zeatrumsarbeit. " Aus dem Derhandlungsoerlauf. — Abwehr un­berechtigter Angriffe.

Don unserem landwirtschaftlichen parlamentari­schen Mitarbeiter:

Der Reichstag hat vor Eintritt in die Sommer­ferien einen Teil des Agrarhilfsprogramms durch- gesührt und darüber Beschluß gefaßt. Als Unter­lage für das Agrarhilfsprogramm diente die Not­aktion der landwirtschaftlichen Spitzenverbände, die in keiner Weise irgend einen politischen Anstrich hatten.

Zum ersten Male sollte der Versuch gemacht werden, nicht mit vorübergehenden Hilfsmaßnah­men die Notlage der Landwirtschaft zu erleichtern, sondern durch eine weitgreifende Reform der ge­samten Wirtschaftspolitik. Das war stets das Ziel des Zentrums gewesen, dem es die Landwirtschaft in allererster Linie verdankt, wenn jetzt grundsätz­lich eine Umkehr von der einseitigen Wirtschafts­politik zur allgemeinen eingeleitet wurde.

Noch keine Regierung — auch nicht, wenn die Deutschnationalen in ihr vertreten waren, hat die­sen Versuch der praktischen Umstellung der Wirt- schaftspvlitik gemacht, obwohl das Zentrum immer darauf hindrängte. Man hat sich nur mit Hilfs­maßnahmen begnügt, wie bei dem Notprogramm des früheren deutschnativnalen Ernährungsministers Schiele. Diese Hilfsmaßnahmen brachten aber nur schwache Erleichterungen vorübergehender Art. Sie gingen jedoch nicht an den Kern des Uebels heran.

Und das ist die mangelhafte Rentabilität der Landwirtschaft, die in dem krassen Mißverhältnis zwischen den Betriebsausgaben und -Einnahmen steht. Es sind genau Berechnungen darüber ange­stellt, die von keiner Seite bestritten werden konn­ten. Danach hat die Landwirtschaft einen jähr­lichen baren Vermögensverlust von rund 114 Milliar­den. Es ist ferner festgestellt, daß in der Nach!- kriegszeit in den Jahren 1924 bis 1928 eine Neu­verschuldung in der Landwirtschaft von 8V» bis 9 Milliarden zu verzeichnen ist. Wenn auch darun­ter rund IV2 Milliarden für tatsächliche Investierun­gen der Landwirtschaft entfallen, bleibt immer noch eine Neuverschuldung von 714 Milliarden be­stehen.

Es ist klar, daß man diese Riesenverschuldung nicht beseitigen kann, indem man der Landwirt­schaft durch Subvention in Form von Darlehen usw. hilft. Denn sie treffen nicht den Kern des Uebels, der eben in dem Mißverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben steht. Daher war für das Zentrum der Weg, den es zu begehen hatte, in der Agrarhilfe klar aufgezeigt: die Wirtschafts­politik muß umgestellt werden.

Keine leichte Arbeit, das erkannten auch die Vertreter der Deutschnationalen und Christlichnatio­nalen Bauernpartei an, obwohl sie heute schon wieder an dem Hilfsprogramm der Regierung und an der Arbeit der Regierungsparteien Kritik zu üben versuchen. Bei dieser Umstellung der Wirt­schaftspolitik waren naturgemäß auch die Verhält­nisse der anderen Berufsstände zu berücksichtigen, ferner die parlamentarische und politische Situation, schließlich auch die Schwierigkeiten, die aus handels- volitischem Gebiete liegen.

Es ist aber das Verdienst des Zentrums, daß es die augenblickliche Linksregierung dazu brachte, mutig und energisch di« Einleitung zur Umstellung zu unternehmen. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, daß in der Regierung vier sozialistische Minister sitzen, und daß der Ernährungsminister selbst der denUikratischen Partei angehört. Umso anerkennenswerter ist es, daß diese Regierung im Interesse der Landwirtschaft bestrebt ist, von den Bindungen in den Handelsverträgen loszukommen, um eine gesunde Agrarpolitik betreiben zu können. Und der Bindungen sind viele. Sie restlos zu be­seitigen, ist die schwierige Ausgabe der deutschen Handelspolitik. Denn wir erinnern an die not­wendig gewordene Kündigung des Handelsvertrags mit Schweden, an die wahrscheinlich erfolgend: Kündigung der Handelsverträge mit Finnland und Dänemark, an die Sonderverhandlungen mit Frank­reich.

Mit allem Nachdruck müssen wir erklären, daß die entscheidende Ausgabe bei der Durchsetzung der Einleitung der Aktion dem Zentrum und den Zen- trnmsminfftern in der Regierung Vorbehalten war. Sie haben sich dafür eingesetzt, daß die Sozialdemo­kraten die Anträge auf Zvllerhöhungen toleriert haben, woran die Deutschnationalen nicht den ge­ringsten Anteil haben. Und nur, weil die Reichs­tagsfraktion des Zentrums, in der ja alle Berufe und Stände vertreten' sind, einmütig und geschlos­sen an das Hilfswerk für die Landwirtschaft heran­ging, war es auch möglich, das zu erreichen, was

der Reichstag beschließen konnte. Es zeigt sich wie­der einmal deutlich, daß die Interessen eines einzelnen Berufsstandes, ganz gleich wie er heißt, nur dann wirksam vertreten werden können und geschützt sind, wie die Berufe sich politisch nicht in einer Standespartei zusammenfinden, sondern sich großen Parteien anschließen.

Nachdem die erste Etappe zum Agrarhilsspro- gramm beendet ist, sind wir verpflichtet, nicht allein im Interesse der Landwirtschaft, sondern aller Be- russst'ände, aufzuzeigen, was geplant war und was erreicht ist. In erster Linie ist zu wiederholen, daß auf die Initiative des Zentrums hin eine grundsätzliche Umstellung der Wirtschaftspolitik er­folgte. Es ist vorläufig nur eine Einleitung, die Aktionen werden aber im Herbst auf das Betrei­ben des Zentrums hin fortgesetzt, da wichtige Ge­biete wegen handelspolitischer Bindungen noch nicht in die Hilfsaktion einbezogen werden konnten. Ohne Gefährdung der Exportindustrie war die Regierung nicht in der Lage, nut einem Male alle Handels- verträge schließlich zu kündigen, oder doch durch neue Verhandlungen zu verändern.

Immerhin sind aber schon wichtige Beschlüsse gefaßt, die für die Landwirtschaft ganz bedeutende Erleichterungen bringen. Wir nennen die Er­höhung des Kartoffelzolls, der für die Zeit vom 15. Februar bis 31. August auf 4 Mk. autonom und für den Rest des Jahres auf 2 Mk. autonom festgesetzt wurde. Die Ausdehnung der Frist für den Frühkartoffelzoll bis zum Herbst ist eine wei­tere Schutzmaßnahme vor allem der westlichen Landwirtschaft gegenüber der holländischen Kon­kurrenz.

Der Butterzoll, der eine nachdrückliche Förde­rung der heimischen Milchproduktion bringen soll, ist auf 50 Mark festgesetzt, und zwar mit Wirkung vom 10. Juli 1929. Hier liegen noch die Bindun­gen durch den Finnischen Handelsvertrag vor, wes­halb sofort Verhandlungen mft Finnland ausge­

nommen wurden, um von dieser Bindung loszu­kommen. Wir nehmen an, daß die Verhandlungen erfolgreich sind, sonst müßte der Handelsvertrag gekündigt werden. Ab 1. Januar 1934 soll der Mindestzoll nicht unter 40 Mk. und ab 1. Januar 1936 nicht unter 30 Mark betragen.

Ferner ist in Verbindung damit eine Entschlie- ßung verabschiedet worden, welche die Reichsrvgie- rung ersucht, die Zollsätze für Molkereiprodukte und zwar für Käse, eingeweckte Milch, Käse und Milch in luftdichtverschlossenen Behältnissen und für Kasein entsprechend dem neuen Butterzollsatz zu regeln und dem Reichstag eine entsprechende Ge­setzesvorlage zu machen.

Beim Zucker ist die Regelung wohl noch nicht genügend, aber auch da werden im Herbst die Be­ratungen fortgesetzt. Die Tellerleichterungen, die jetzt schon geschaffen sind, werden aber doch der bäuerlichen Landwirtschaft sehr von Nutzen sein.

Beim Getreide und Mehl sind sofortige Ver­handlungen mit Frankreich erfolgreich abgeschlossen worden, um von den handelsvertraglichen Bindun­gen bezüglich der Mehlzölle loszukommen. Das ist wieder ein positives Ergebnis der Regierungsar- beit für die Landwirtschaft.

Beim Getreide liegt es so, daß die Preisent­wicklung auf dem Getreidemarkt augenblicklich ge­radezu katastrophal ist. Hier sind wir aber wie­derum durch den Schwedenvertrag stark gebunden, der bekanntlich eine sechsmonatige Kündigungs­frist vorsieht. Immerhin ist durch die Aufhebung der Zwischenzölle und Aufhebung der Autonom­zölle schon viel erreicht. Denn die neuen Sätze treten gegenüber den nichtmeistbegünstigen Län­dern sofort nach der Kündigung des Gesetzes in Kraft. Nicht wirksam bleiben sie vorläufig gegen­über den Staaten, mit denen wir eben noch in Handelsvertragsbeziehungen stehen. Aber man rech­net damit, daß die Verhandlungen vor allem mit Schweden ein neues Abkommen möglich machen

Der Sternhimmel im Juli.

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Dtr die 24 Stundenzahlen van Mitten- nacht bi» Mitternacht eine» Tage» ent* hakende Kreit und die dich punktierte Linie, der sogenannte Horizont, »ind fett* stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei­ger der Himmelsuhr — m 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt, Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht* baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo* natsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sieb den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be* obachtung»stunde zeigt; dadurch werden die zu'dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin* eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo* natsmitte ist der gerade Pfeil V3 Stund* früher, für je 5 Tage nach der Monate* mitte ,/3 Stunde spater zu stellen. Man ।vergleiche die nächste Monatskarte, Der ‘Mond nimmt die gezeichneten Stellun* 'gd9l ein, wenn er die angedeutete Licht* gestalt zeigt.

Sonnenausgang von 3.45 bi? 4.20 Uhr. Sonenuntergang van 20.25 bis 19.50 Uhr.

Lichtge st alten des Mondes: 1. Vier tel am 13. um 17 Uhr, Vollmond am 21. um 20 Uhr, 3. Viertel am 29. um 14 Uhr.

Der Juli bringt uns zwar nicht immer, aber doch in der Regel die heißesten Tage des Jahres. Er ist auch der Mmat der Schulferien Und für einen beträchtlichen Teil unseres Volkes auch der der Reifen und Wanderungen. Da predigt also alles laut und vernehmlich: es ist Sommer! Dies zeigt uns auch ein Blick auf den Sternhimmel. Im Westen sind die letzten Wintersternbilder längst verschwunden, auch das Frühlingssternbild des- Löwen ist kaum noch sichtbar, und andererseits sind im Nordosten noch kein« neuen Wintersternbilder heraufgezogen, kurz der ganze Himmel ist sommer­lich. Von den beiden hellen Sommersternen Arc- tur und Wega geht die Herrschaft immer mehr an die Wega über. Auch das links von ihr stehende Sternbild des Schwanes steht dicht beim Scheitel­punkt. Außer dem an seinem linken Ende stehen­den hellsten Sterne Deneb — zu Deutsch: Schwanz, weil sich die Alten dort die Schwanzfedern des Schwanes dachten — fällt uns der just am ande­ren Ende des Sternbildes stehende Albireo auf. Dieses arabische Wort bedeutet „Schönheit" und

zeigt, daß sich auch dieser Stern immer besonderer Beliebtheit erfreut hat, obwohl er nur dritter Größe ist. Er ist übrigens auch ein Doppelstern; sein Be­gleitstern wäre für das bloße Auge noch eben sichtbar, wenn der Abstand der beiden Sterne nicht zu gering wäre.

Die Sichtbarkeit der Wandelsterne ist in diesem Monat nur mäßig günstig. Dom Mars, der frei« lich schon seit Monaten nur ein schwaches Stern­lein war, heißt es nun Abschied nehmen. Da sich seine Geschwindigkeit nur wenig von der der Sonne unterscheidet, wird er lange in ihrer Nähe und demgemäß für viele Monate unsichtbar bleiben. Da­gegen geht der ungleich prächtigere Jupiter gegen Ende des Monats um Mitternacht auf und wird in der Folgezeit immer schöner sichtbar. Wes­sen Auge bei einem späten Nachtspaziergang auf den Nordosthorizont fällt, der wird über den mäch­tigen Glanz dieses größten aller Wandelsterne er­staunt sein. Noch heller freilich erstrahlt die Ve­nus, die zu Beginn des Monats etwas weniger als zwei Stunden, nachher etwas mehr als Mor­genstern sichtbar ist. Am Abendhimmel ist nur der äußerste der Wandelsterne, der S a t u r n zu sehen und zwar zunächst noch die ganze Nacht; gegen Schluß des Manats geht er schon um 1 Uhr unter.

Kü st ermann.

werden, sodaß auch hier dann die neuen Sätze in Kraft treten.

Als wirksame Maßnahme kann sich der be­schlossene Vermahlungszwang erweisen. Doch darf man sie nicht überschätzen. Das Zentrum hat hier vor allem erreicht, daß di« Regierung das aller­größte Interesse der Entwicklung 'des Eetreide- marktes zuwendet, ferner daß die Getreidehan- delsgesellschaft rechtzeitig die Möglichkeit erhält zu entsprechenden Investierungen mit entsprechenden Mitteln. Ganz besonders wichtig ist es aber, daß das Zentrum mit seinem Enffchtuß durchkam, daß die Richtlinien für den Vermahlungszwang vom Reichsernährungsministerium nur in Verbindung mit dem Reichstag selbst herausgegeben werden dürfen.

Bei Vieh und Fleisch sind sich sofort aus- wirkende Beschlüsse nicht gefaßt worden. Hier lagen Werst weitgehende Anträge der Deutsch- nationalen und der Christlichnationalen Bauern­partei vor. Nun ist in der deutschnationalen Presse behauptet worden, was sicher auch einzelne Fach­blätter übernehmen werden, daß ine Abgeordneten Fehr und Schiele im Handelspolitischen Ausschuß ihre Anträge aufrechterhalten hatten. Das fft nicht wahr. Die beiden Abgeordneten sahen ein, daß die Regierung jetzt nicht alle Handelsverträge kündigen kann und verzichteten freiwillig auf Weiterbehand­lung ihrer Anträge bis zum Herbst. Damit haben sie die gleiche Haltung eingenommen wie die an­deren bürgerlichen Parteien und haben auch deren Anträge miteingebracht. Dasselbe gilt auch von den Anträgen der genannten Abgeordneten bezüg­lich des Butter- und Kartoffelzolls. Auch hier haben diese ihren ursprünglichen Antrag gar nicht eingebracht und durchberaten lassen, sondern sich dem gemeinsamen Antrag aller bürgerlichen Par­teien angeschlossen. Wir müssen das mit aller Deutlichkeit feststellen, damit von vornherein alle Versuche, parteipolttische Geschäfte aus den Agrar­debatten zu machen, unterbunden werden können.

Noch ein Wort zu dem § 12 des Reich svieh- seuchengesetzes. Daß dieser nicht sofort wieder in Kraft gesetzt wurde, liegt in den handelspolitischen Bindungen begründet. Di« Regierung hofft, sie bis zum Herbst beseitigen zu können. Dann wird auch wegen des § 12 eine neue Lösung gesunden. Jetzt werden aber schon die Seegrenzschlachtviehhöse einheitlich überwacht und kontrollier, was für die Landwirtschaft sehr vorteilhaft ist.

Soweit ist die Teilaktion zu Ende geführt. Noch manche berechtigte Wünsche der Landwirte sind offen geblieben. Sie zu erfüllen, wird weiterhin Aufgabe des Zentrums sein, unter steter Berück­sichtigung auch der Interessen der anderen Berufs­gruppen. Das Zentrum wird auch weiterhin mft den landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen zu­sammenarbeiten. Sollten aber Versuche gemacht werden, das Agrarprogramm der Reichsregierung parteipolitisch auszuschlachten, dann wird das Zen­trum seinen eigenen Weg gehen, weil es davon überzeugt fft, daß nur Klarheit und Wahrheit den landwirtschaftlichen Interessen dienen. Die Land­wirtschaft möge immer bedenken, daß es leicht fft, wenn Oppositionsparteien einen Berg von Anträ-

Frankreichs Lustspieldichter t

Georges Lourkeline,

der große französische Satiriker, ist 69jährig in Pa« ris gestorben. Seine Theaterstücke, in denen er das Leben der französischen Kleinbürger verspottet, vor allen seine Komödie Bourbouroche, sind in der ganzen Welt berühmt. Dem Dichter, der Mitglied der Akademie Goncourt war, mußten in den letz­ten Jahren beide Beine amputiert werden. An den Folgen der letzten Operation ist er nunmehr ver­storben.

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