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Fuldaer Zeitung (6ml iches Nreisblatt).

Nr. 149.

Ei-

4V2%

in provisionsfreier Rechnung

1229

Fuldaer Bankenvereinigung.

in provisionspflichtiger Rechnung 5%

Jahreszinsen vergüten.

siulva, den 28. Juni 1929

Bn Papst Pius XL

Zum goto en en priefieriubiläum.

Das ist Dein heilig Jahr! Von höchster Wart« Schaust Du zurück durch segensvolle Zelt Zu jenem Tag, da Du beim Erstlingsopfer Den Heiland riefst vom Thron der Ewigkeit.

Man rühmt die Sehnsucht Deiner jungen Jahr«

Ins Bergesland der Alpenwelt zu gehn Und dort nach einsam stillen Wanderwegen Der Sonne nah auf höchstem Grat zu stehn.

War einst kein Gipfel Dir zu hoch gewesen. So lag Dir auch kein Wahrheitsquell zu tief. Die Tiefe war es, die Dein Eifer luchte, Die höchste Höhe war es, die Dich rief.

Dich lockte nicht der Erde falsche Größe, Dich reizte nie der Ehrsucht eitler Schein.

Dir schien das Tiefste stets und schien das Höchste, Ein Priester nur in Christi Reich zu sein.

Drum warst Du auch bereit, den Pfad zu gehen, Den kreuzbeladen einst der Meister schritt.

Auch Du griffst nur nach seiner Dornenkrone, Doch er gab auch Dir die Tiara mit.

Du wolltest einzig dem in Demut dienen, Dem einst ein Kreuz an Thronesstelle stand, Bis er auf deinen Heroldsruf nun endlich Sein Königsfest vor allem Volke fand.

Du sandtest aus dem Fenster seiner Arche Die Friedenstaube in das Land hinaus.

Und ste trug Dir zur Freude aller Frommen Den Oelzweig heim in Petri heilig Haus.

So können wir nur jubelnd mit Dir danken, Daß nun für Rom der Zwietracht Zett zerrann.

So können wir nur flehend mit Dir beten, Daß Gott vollende, was mit Dir begann.

Drum ist Dein heilig Jahr im Dienst des Höchsten Ein heilig Jahr für alles Volk zugleich.

Sei uns gegrüßt im goldnen Jubelkranze, Du Friedenspapst in Christi Königreich!

Ludwig Nüdling.

Wir geben hiermit bekannt, daß die Entwicklung der Geldmarktverhältnisse es möglich gemacht hat, vom 1. Juli an den

Soll-Zinssatz auf 872%,

also wieder l°/o über Reichsbankdiskont, zu ermäßigCH- Dementsprechend werden wir vom gleichen Tage an für Guthaben

daß, während Wir in diesem ganzen Zeitraum mit väter- licher Freigebigkeit die Gnadenqucllen der Kirche reich­licher erschließen, alle Gläubigen sich Mühe geben wer­den, für ihre Seele diese heilsamen Mittel so zu gebrau­chen, daß die privaten und öffentlichen Sitten sich bes­sern, der Glaube neue Kraft gewinnt und sich immer mehr das Feuer der christlichen Frömmigkeit entzündet.

Es steht zu erwarten, daß die Gläubigen dem Wunsche des Hl. Vaters entsprechen und in großer Zahl — der Hl. Vater erwartet alle — sich der Gnaden des Jubiläumsablasses, der mehrmals ge- zuwendbar ist, versichern. Eine Anleitung mit Gebeten zur Gewinnung dieses Jubiläumsablasses ist soeben in der Fuldaer Actiendruckerei erschienen.

Zur morgigen Papstfeier in der Stadt Fulda singt der Tom- und Alumnenchor bei dem Bischöf­lichen Hochamte um 9.30 Uhr im Dome die vier­stimmige Messe „Stella maris" von P. Gries­bach er mit Orgel- und Orchesterbegleitung. Zum Offertorium erschallt die wuchtige Motette von Michael Haller „Tu es Petrus" mit Musikbe­gleitung. — In der Festversammlung tm Stadt­saale trägt der Dom- und Alumnenchor die Papsthymne von Abbate Rosati in i t et 11 en ischer Sprache vor. Die Hymne wird sicher das be­sondere Interesse der Festversammlung finden.

Papst-Jubiläums Gedenkmünzen.

Zum 50 jährigen Priesterjubiläum Papst Pius XI. sind Gedenkmünzen in Feinsilber und Dukatengold herausgegeben worden. Die Münzen, die durch ihre besonders gute Ausführung auf» fallen, sind nach dem Entwurf von Bildhauer K. Roth in der Staatl. Bayer. Münze geprägt worden. Sie sind in dem Sch aufenster des Bankhauses L. Pfeiffer, Friedrichstraße, ausgestellt. —

Goldene Hochzeit.

Am 30. Juni feiern Johann Traugott Dan« neberger und Frau Anna, geb. Köck das Fest ihrer goldenen Hochzeit.

Die II. Lehrerprüfung

bestand vor der Prüfungskommission der Regie­rung Münster Lehrer Clemens Weißmüller, Sohn des Bürgermeisters Weißmüller von U n - terbimbach mit dem Prädikat: „Gut". Lehrer Weißmüller hat eine Lehrerstelle in Ahle (West­falen) inne.

Bestandene Meisterprüfung.

Die Meisterprüfung im Schneiderhand­werk bestand Joseph Gerhardt-Bronnzell vor der Prüfungskommission der Genossenschaft in Wien.

Die Theater-Gemeinde Fulda

teilt uns mit: Montag, den 1. und Dienstag, den 2. Juli, von 8—12 Uhr und von 1—6 Uhr liegt m der Rehrkorn'schen Buchhandlung die

Einzeichnungsliste für den SpteMan 1929-30 aus. Wir bitten unsere setthertgen Mit- glieder und alle anderen Interessenten um Em- zeichnung, da bei genügendem Zuspruch evtl, an 2 Abenden gespielt werden soll.

Die dreifache Bruderschaft des Frauenberger feiert am 7. Juli ihr alljähriges Titu larfest. In altherkömmlicher Weife wird diese Feier von vielen Hunderten von Mitgliedern von Stadt und Land besucht werden. Es sei noch darauf hmge- wiesen, daß Neuaufnahmen in die dreifache Bru­derschaft an diesem Tage stattfinden. Anmeldun­gen können bis zum 7. Juli an der Klosterpforte erfolgen. ”•

Der Streit um die Bodenreform

hat auch in unserer Zeitung seinen Niederschlag gefunden, ohne daß freilich Klarheit über die Ziele der Bodenreformer hätte gewonnen werden kön­nen. Wir begrüßen es deshalb, daß der rührige W i n d h o r ft b u n d F u l d a, der sich augenblick­lich mit Wirtfchafts- insbesondere Siedlungsfragen beschäftigt, den Geschäftsführer des Bundes Deut- scher Bodenreformer, Dr. Wagenbach-Ber» lin zu einem Vortrag über: ./Die Bodeu­re f o rm und ihre Bedeutung für die Gegenwart", aufgefordert hat. Wie schon an- gekündigt wurde, findet der Vortrag am kommen­den M o n t a g, d e n 1. I u l i, abends 8.15 Uhr. imgroßenSaalderHarmonie statt. Der Eintritt ist frei; ein kleiner Beitrag zur Deckung der Unkosten ist jedoch erwünscht. Wie der Wircku- horstbund uns noch mitteilt, soll sich an das Re­ferat eine freie Aussprache anschließen. Die Organisationen der Hausbesitzer und Mie• t e r sind schriftlich eingeladen. Aber ebenso wert- voll dürfte der Abend für alle sein, die sonstwie mit dem Wohnungselend und feinen Folgen In Be­rührung kommen: Geistliche, Lehrer, Aerzte, Kom­munalbeamte usw.

Dom hiesigen Konservatortum.

Wie uns mitgeteilt wird, ist der staatl. ge­prüfte Musiklehrer Otto Fürst auS Frankfurt a. M. als Violinlehrer für das hiesige Konsiev- vatorium verpflichtet worden. Herr Fürst ist seit einigen Jahren als Lehrer für das Diolinfach am Dr. Hoch'schen Konservatorium tätig. (Siehe Inserat.)

Aufgehobene Straßensperre.

Die Sperre der Bezirksstraße Brückenau- Kiss in gen wird ab Samstag den 29. Juni । 1929 .aufgehoben.

1 Billige Fahrt nach München.

Bei genüg ender Beteiligung fährt am Frei- tag, den 19. Juli 1929, ein Sonderzug nach Mün­chen. Ab Fulda ungefähr 11 Uhr abends, Ankunft in München gegen 7 Uhr früh. Rückfahrt am 23. Juli gegen 9 Uhr abends. Der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt beträgt 21.00 RM. Als letzter

l3nm Papstjubiläum.

Der diesjährige Peter- und Paulstag gewinnt durch das Papstjubtläum eine besondere Bedeu­tung. Allerwärts in der Diözese Fulda finden morgen feierliche Gottesdienste statt, um nach den Worten des Hl. Vaters zunächst „Gott dem Herrn Dank zu sagen und von ihm gedeihliche Hilfe zu erflehen, sowohl für Uns selbst als mich für die Uns anvertraute Kirche, die von so vielen Leiden und Gefahren bedrängt wird." Dann aber auch versammeln sich die Kinder des Hl. Vaters, um zu seinen Füßen aufs neue ein Treugelöbnis abzu­legen: Et unam sanctam catholicam et aposto- stcam Ecclesiam. ,, ,

Die glücklichen Kinder der katholischen Kirche »erden sich in diesen Tagen auch dankbar der be- ionderen Gnadenerweise erinnern, die der Hl. Vater aus Anlaß seines goldenen Priesterjubiläums be­willigt hat. In der Ankündigung eines außerge­wöhnlichen allgemeinen Jubiläums für das ganze Jahr 1929 sagt der Hl. Vater:

Das gleiche Gesetz der Liebe drängt auch Uns, Unsere Güter nach Möglichkeit mit unseren Kindern zu teilen. Wir wollen alle an Unserer Freude teilnehmen lassen, in­dem Wir die himmlischen Gnadenschätze, deren Verwal­tung Uns anvertraut ist, eröffnen und jo Unsere per­sönliche Vaterfreude erhöhen durch den Jubel und den Nutzen, den die Kinder daraus schöpfen.

Aus diesen Gründen haben Wir den Entschluß gefaßt, ein neues außerordentliches Heiliges Jahr in Form eines allgemeinen Jubiläums für den ganzen christlichen Erd­kreis anzukündigen. Und Wir hegen das feste Vertrauen,

Samstag, den 29. Juni lOZO»

Taa der Fahrkartenbestel'.ung und Bezahlung iß bei8 3. Juli festgesetzt. Auskunft erteilt Holzheimer (Heller L Comp.) Fulda, Markt- straße.

Kraftpost Gersfeld-Fladungen.

Kraftpostlinie Gersfeld-Fladungen nimmt am 1. Iuli ihren Verkehr auf. Unsere Bezieher Ha­ben die Strecke in unserem Taschenfahrplan auf Seite 33 abgedruckt. Es ist aber zu beachten, daß diese Kraftpost nur bis 31. August gefahren wird. Wir bitten demgemäß den Fahrplan mit dem Ver­merk: „Dom 1. Juli bis 31. August zu versehen. Kraftpost Schlitz-Burghaun.

Samstag, den 29. Juni, wird die letzt» Abendfahrt ab Burghaun 19.45 ausnahmsweise nur bis Langenschwarz durchgefuhrt. Die erste Fahrt am Montag beginnt in Langenschwarz. Ilbfahrt fahrplanmäßig 5.30 Uhr.

Die Ortskrankenkasse Fulda.

Interessante Zahlen aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 1928.

Vor uns liegt der umfangreiche und gefällig aufgemachte Geschäftsbericht der A t lg em ei ne n Ortskrankenkasse der Stadt Fulda für das Jahr 1928. Manches dürfte daraus unsere Leser interesileren. , v _ ..

Die Inanspruchnahme derKasse wai im Berichtsjahr außerordentlich rege und ist ge­genüber dem Vorjahr wieder wesentlich ge­stiegen. Es war deshalb nicht möglich, aus den Beitragseinnahmen von 5 v. H. des Grund- lohns einen U e b e r s ch u ß zue r z i e l e n. Wenn sich der Rechnungsabschluß in Beitrags- Einnahmen und Ausgaben trotz der bedeutenden Mehrleistungen, die im Rechnungsjahr eine

Mehraufwendung von 141 000 Mark erforderten, ausgleicht, so steht heute fest, daß die jetzigen Mehrleistungen nur aufreibt zu erhalten sind durch eine Beitragserho h un g Viel schlimmer als in Fulda sind die Verhältnisse ben allermeisten Krankenkassen Deutschlands. Durch Eingreifen der Aufsichtsbehörden ist bei einer gan­zen Anzahl kleineren, mittleren und einer der größ­ten Kaffen die zwangsweise Sanierung durch Bei­tragserhöhung und Leistungsherabsetzung eingelei­tet worden. _ „ ,,

Die durch die lang andauernde Kalte- periode von Januar bis März hervorgerufene Grippeepidemie hat der Kaste eine

Mehrausgabe von 70 000 Mark verursacht. In welchem Maße Ansprüche an di« Kaste steigend erhoben werden, ergibt sich daraus, daß das Krankengeld einschließlichTa. scheu - und Hausgeld von 192000 Mark inl Jahr 1927 aus 222000 Mark gleich 32 Pro. zent der Einnahmen im Jahr 1928 gestiegen ist, trotz der nur geringen Vermehrung der Mitglieder gegenüber dem Jahr 1927. Dieselben Steigerun­gen der Ausgaben sind bei allen übrigen Ausgabe­posten zu verzeichnen.

Eine weitere Steigerung der Ausgaben tritt vom 1. Januar 1929 dadurch ein, daß von diesem Zeitpunkt ab die Bezahlung der ärztlichen Leistun- gen nach den vollen Mindestsätzen der preußischen Gebührenordnung zu erfolgen hat. Der seither gewährte Abschlag von 10 Prozent ist vom 31. De­zember 1928 erloschen. Ebenso verursacht die vom Reichsrat beschlossene Deutsche Arzneitaxe 1929 mti Wirkung vom 1. Januar 1929 ab mit ihren höhe­ren Kostensätzen einen jährlichen Mehraufwand.

Die Reineinnahme an Beiträgen be­trug 673 764,86 Mark, gleich 64,24 Mark für das Mitglied und Jahr.

Die Ausgabe beträgt 672329,05 Mark, mithin ein Mehr an Beitragseinnahmen vno 1435,81 Mark. Don einer ordnungsmäßigen A b - führung der Rücklage mußte abgesehen werden.

Rach den Rechnungsabfchlusten wurden für Krankenbehandlung und Geburtshilfe 100 370 Mk.

Sopniag, den 30. Juni, nachmlliaqs 2 30 Uhr

« . I Sonntag, den 3O.JUni, naenminag»

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Genaanla-FuMa

Germania TI- M.

Der arme David Gautier, der, während ich

n. Bez Klasse

sprach, blieb

Anschließend:

HersfeldILM.

anderen angewiesen. Sie kennen bas Sprichwort: „Wenn Diebe streiten . . ."

„Was sollen wir dann aber tun?"

„W i r?. mein lieber Gautier? Für mich ist die Sache einfach. In einer kleinen Weile verlasse ich dieses Haus als der einfache Mister so und so, der ich früher war. Meinen wirklichen Namen werde ich nicht einmal Ihnen sagen, denke ich. Und den Gedanken an den feit- gen Vervier werde ich so weit als möglich von mir tun. Armand hat seine Aufgabe erfüllt. Der Akt ist zu Ende, der Vorhang ist gefallen über eine recht dramatische, auf­geregte Episode meines Lebens, die ich aber um nichts in der Welt misten möchte. Das Geld, das ich habe, will ich vorläufig behalten. Ich brauche es, und Armand, wenn er feinen Willen kund tun könnte, würde damit einverstanden fein, daß ich es behalte, dessen bin tch gewiß . . .*

„Schuft . .

„Nicht der geringste Grund zum Aerger, David. Sie sind nicht sehr höflich gegen einen Mann, auf ben Sie drei Tage mit Schmerzen gewartet haben. Außerdem ist das kein Benehmen gegen einen Freund, von dem man im Begriffe ist Abschied zu nehmen . . ., wir wer- den uns nie wieder im Leben sehen, ich hoffe wenig­stens, daß wir uns nie wieder sehen werden."

Ich nahm meinen Hut vom Tische, wohin ich ihn geworfen hatte, als ich das Zimmer betrat, und hielt David Gautier meine Hand hin.

„An Ihrer Stelle, Gautier, würde ich, so lange es noch Zeit ist, die Papiere alle durchgehen und ein klei­nes Autodafe veranstalten. Die Gerichte haben die un­angenehme Gewohnheit, unvermutet vorzusprechen und Siegel anzulegen. Habe ich recht? Alle fehlenden Pa­piere, können Sie sagen, habe ich an mich genommen. Die Sache ist sehr einfach.".

„Und so soll ich alles allein ausbaden?"

„Es ist am besten so, glauben Sie mir das, David. Wenn ich Ihnen irgendwie nützen könnte, jnürbe ich hier bleiben. Aber ich wäre Ihnen nur im Wege. Wenn Sie freie Bahn haben, können Sie sich jeweils den Er­fordernisten des Augenblicks anpasten, ohne die Not­wendigkeit, vorher mit mir Rücksprache zu nehmen. Ich wäre für Sie nur eine unnütze Belastung."

Mit diesen Worten drehte ich mich um und schritt nach der Türe. Dock David tarn mir zuvor. 2ck lebe

ihn, nach all den Jahren, noch leibhaftig vor mir, wie er den Arm ausstreckte, um mich am Weggehen zu verhin- dem. Und wäre es nicht um der Angst willen gerne- fett, die auf seinem Gesicht geschrieben stand, so hätte ich ihn ausgelacht. Statt dessen versetzte ich chm einen Schlag, der ihn zu Boden streckte.

Don Natur aus bin ich nicht der Mensch, der gerne zu gewalttätigen Mitteln greift, obwohl ich in dem eini­germaßen stürmischen Verlauf meines Lebens mitunter zu solchen Methoden gedrängt wurde. Bei David Gau­tier hatte ich es mit einem Verzweifelten zu tun, mit einem Menschen, in dem die Angst alle Vernunft ertötet hatte. Ein solcher Mann war gefährlich und nicht im­stande, feine Handlungen wohl zu überlegen. Hätte ich gezögert, so hätte ich die ganze Rue du Dome auf dem Halse gehabt — und ich hatte für Marie Tabouret zu sorgen, nicht nur für mich allein. Aber ich zögerte nicht.

Ich kniete nieder und überzeugte mich, daß der No­tar nicht ernstlich verletzt war, und so leib es mir tat, bem armen Burschen noch wettere 3<-iben zu verursachen, ich muhte ihm Füße und Hände mit seinen eigenen Akten­schnüren fesseln. So ließ ich ihn liegen. Er war für eine gute Reihe von Stunden unschädlich gemacht, und ich brauchte Marie nicht aus ihrer Ruhe zu stören, ganz abgesehen davon, daß auch ich der Ruhe sehr bedurfte, bevor wir den Weg zur Küste fortsetzen konnten. Ich warf noch einen raschen, prüfenden Blick ringsum durch das schäbige Zimmer und überzeugte mich, daß nichts zurückblieb, was Maurice Mannering mit ben Geschäf­ten bes Notars Davib Gautier in Zusammenhang brin­gen konnte; bann blies ich die Kerze aus. Sicherlich hat bas Schicksal nie zuvor einem Men­schen bie Rückzugsstraße von einem allzu gefährlich wer­benden Abenteuer so eben gemacht wie mir. So wie Ar­mand Vervier und Edmund Millar hatte auch David Gautier seine Rolle ausgespielt, und ich konnte unge­hindert meine eigene Rettung ins Werk setzen.

Derjenige, ben man suchte, war ein Mensch mit roten Haaren und Sommerflecken, einer namens Edmund Mil­lar. Selbst wenn man im ganzen Bezirk auf diesen Mann fahndete, würde man gegen Maurice Mannering, der erst heute mit feiner Schwester aus Paris angekommen und im Weiße» Roß abgestiegen war. leinen Verdacht beaeu.

I. Bez.

Klasse

Tlopsen. Der Mann tat mir fast leid.

„Für Sie, mein Freund, stehen die Dinge jedoch ganz anders: ein Notar ist eine Amtsperson, und man wird an Sie möglicherweise unangenehme Fragen richten. Vielleicht erinnern Sie sich des Kaufes, ben Sie vor einer Woche für mich durchgeführt haben — jene kleine Liegen­schaft in der Rue Brissac —; ich zweifle nicht daran, daß von Ihrer Seite der Verkauf in aller Form Rechtens erfolgt ist. Die Hypotheken waren Eigentum Gaspard Verviers, und da Sie mich für Gaspards Vetter hielten, so handelten Sie nur in Auftrag. Ader es wird vielleicht Leute geben, die sagen werden, daß es Ihre Pflicht war, genaue Erkundigungen einzuziehen. Ein Notar darf keinen Fehler begehen, wie ein gewöhnlicher Mensch."

„Die Dokumente sind alle in Ordnung ... es kann kein . . .*

Ich hob meine Hand.

„Einen Augenblick, David. Die Dokumente mögen in Ordnung sein, aber ich glaube nicht, daß bei solchen Ge­schäften, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, der Notar ein Drittel bes Verkaufspreises für sich zu behalten pflegt. Sie haben mich ba arg betrogen, Davib, aber ich habe Sie gewähren lasten, weil es mir so am besten schien. Auch bie Zeugen waren, wenn ich mich recht erinnere, zwei übelbeleumunbete Zechkumpane aus bem Purpur- nen Weinstock. Diese Zeugen waren betrunken und wer­den ohne Zweifel schwören, daß sie nie im Leben ein Do­kument oder eine Uebertragsurtunbe gesehen haben."

Ich erhob mich von meinem Stuhle und legte meine Hände auf bie schmalen Schultern des Notars.

„Denken Sie nicht, daß ich Ihnen Vorwürfe machen will. Dsvid. Wir lind bei diesem Spiele einer auf ben

nervös im Zimmer auf und ab gegangen roar, stehen. Auf feiner Stirn stand der Schweiß in dicken

„Sie sehen, mein lieber Gautier, bah von uns zweien Sie berjenige sind, ber schlimmer dran ist. Keine Seele weiß, wer ich bin. Ich bin nicht Armand Vervier und auch nicht Edmund- Millar. Ich kann jeder beliebige abenteuernde Hinz, Heinz ober Kunz fein. Weder 53er« vier — Gott laß ihn ruhen — noch Millar interessieren mich jetzt noch im Geringsten. Wenn ich dieses Zimmer verlasse, bin ich wieder der . . ., der ich war, bevor das alles geschah. Verstehen Sie mich?"

Der Abenteurer.

Don D. W h i t e I a w.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle d-utlchen Reckte bei Trete von Urbamttb. Wien.

191 ---------

David Gautier streckte die Hand nach der Flasche aus

„Und fünftens," fiel er mir ins Wort, „ein Herr bus der Bow Street in Begleitung von drei Polizisten *ius Louviers, die in Lanchon warten."

»Auf mich?"

Der Notar verzog seinen Mund zu einem wider- Ichen Grinsen.

„Auf wen sonst? Ich selbst habe ebenfalls seit drei tagen auf Sie gewartet. Ich dachte, daß ich Ihnen viel­eicht einen Dienst erweisen konnte."

„Einen Dienst erweisen? Einem Betrüger . . . Ottern Mörder?"

„Ich hiell es für meine Pflicht."

Ich lachte höhnisch.

„Pflicht? Ich war bisher immer der Meinung, daß wer ein Verbrechen verbergen hilft, sich gleichfalls eines Verbrechens schuldig macht. Gestehen Sie doch nur, baß Sie mich für einen besseren Zahler Ihrer Dienste hielten, als ben, Rotrock aus ber Bow Street. Ich fühl« mich in ber Tat jetzt, ba ich Ihres Beistanbes gewiß bin, meiner Sache ganz sicher. Drei Polizisten aus Lou­viers unb einer aus ber Bow Street in Lanchon auf mich roartenb! Ich weite, die Herren haben ben alten Jakob dazu gebracht, ihnen bie Keller zu zeigen. Ich fürchte mehr für meinen Burgunder als für meine Frei­heit. Wenn zwei Hirne wie das Ihre und das meine nicht imstande sind, drei Dorfkonftabler zu überlisten und einen Bow Street-Läufer, ber, ich mochte wetten, kein halbes Dutzenb französischer Wärter anftänbig her­ausbringen kann, bann sind wir eine zwecklose Be- laftung dieser schönen Erde, und je eher wir verschwin­den, desto besser."

Ich hielt inne, aus zweierlei Gründen. Erstens war ich durstig, und zweitens wollte ich dem Notar Zett zu einer Antwort geben. Er blieb jedoch stumm, unb ich fuhr, nach einem tiefen Zug in meiner Rebe. fort.