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ifang bereits kurz ve- Von der Fülle der

auswirken. t v t _ . , , . _

Diefe Aussichten sind fa letzten Endes auch für einen Teil der Sozialdemokratie maßgebend ge- wesen, sich für die große Koalition einzusetzen. Siei kennen die Möglichkeiten des Erfolges sehr gut. Natürlich wären die Auswirkungen nicht allein auf kulturpolitischem Gebiet, sondern auch auf allen anderen zu verzeichnen. Es ist sehr lehrreich 'ir verfolgen, wie die Sozialdemokraten sich bis jetzt bemüht haben, ausgerechnet den früheren Kultus- Minister Fleißner als Kandidaten für den Minister, vräsidentenposten aufzustellen. Fleißner ist aus der berüchtigten Zeit von 1923 noch sehr gut in Erinne­rung. Unter seiner Ministerherrlichkeit wurde der bekannte „Kulturfortschritt" betrieben, wurden dir Verordnungen gegen die konfessionelle Schule, gegen die religiöse Betätigung an kirchlichen Feier- tagen erlassen usw. Fleißner ist der „vielseitige Mann, her sich in der „Glanzzeit" des Marxismus für geeignet hielt, an einem Tage drei grundver­schiedene Ressortministerien zu übernehmen, trotz­dem ihm eigene Parteigenossen den Vorwurf mach- ten daß er beispielsweise von schulischen und kulturellen Dingen keine blasse Ahnung habe. Daß Fleißner trotzdem damals schalten und walten konnte, ist wohl vor allem dem Umstand zuzu­schreiben, daß er der Verbindungsmann zwischen den damals zur Sozialdemokratie zurückaekehrten Unabhängigen und der eigentlichen SPD. war. Die Unabhänaiqen deckten ihn. Fleißner hat sich bis heute in seinen radikalen Anschauungen kaum aeändert, und gerade darum ist seine jetzige Auf- steUung sehr aufschlußreich für die Beurteilung des Gesamtcharakters und des Gesamtstrebens der sach-

rien gehen können. *

Im Handelspolitischen Ausschuß des Reichstages wurde über die Hilfs m a ß * nahmen zugunsten des deutschen Ge­treidebaues beraten. Es lagen dazu mehrere Anträge vor. Angenommen wurde nach längerer Debatte ein Antrag der Regierungsparteien, der in gewißem Umfange einen Vermahlungs« zwang für die deutschen M ü b l e n einsiih- ren will. Dieser Antrag, der von den Abgeordneten Dessauer (Ztr.), Dr. Zapf (Dt. Vpt.), Tantzen (Dem.) und Frau Wurm (Soz.) unterzeichnet wor­den ist, will jede im deutschen Zollgebiet liegende Mühle, dieausländischenWeizenoer. malt, verpflichten, vom 1. August 1929 bis 31. Juli 1930 eine bestimmte Menge Jnlandsweizen zu vermahlen, die mindestens 30 Prozent der gesam-

vieklrbeitslosenversicherungsreform

Zusammentritt der Sachverständigen-Sommisston

Die Sachverständigen-Kommission zur Begutach­tung der Arbeitslosenversicherung tritt am 2. Juli im Reichsarbeitsministermm zu ihrer ersten Sitzung unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsmimsters zu­sammen. Sie besteht aus Vertretern des Reichs­tages, des Reichsrates, der kommunalen Spitzen- vcrbönde, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und aus Vertretern der freien Sozialpolitik. Die Kom­mission soll sich nach dem Vorschläge der Regierung mit der Frage befassen, welche Ma ßn ahmen zur endgültigen Reform der Arbeits­losenversicherung notwendig sind, um Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung finanziell leistungsfähig zu erhal­ten, ohne daß dadurch ihre sozialen und wirtschaft­lichen Aufgaben gefährdet werden.

Neuregelung der krisenunkerstühung.

Der Reichsarbeitsminister beabsichtigt, den Personenkreis und die DauerderKri- fenunterstützungneu zu regeln, weil die bisherige Regelung mit dem 29. Juni 1929 ablauft. Da jedoch die gesetzlich vorgeschriebene Anhörung des Verwaltungsrates der Reichsanstalt für Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Neuregelung erst in dieser Woche erfolgen kann soll zunächst die Geltungsdauer des bisherigen Er­lasses noch um eine Woche bis zum 6. Juli 1929 ver­längert worden. Die neuen Bestimmungen werden am *7. Juli 1929 in Kraft treten.

*

Der dem Reichsarbeitsministerium angeglie­derte Reichsausschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge bat sich entsprechend einem Vorschläge des Reichs­bundes der Kriegsbeschädigten gegen den Plan der Kriegsrentenanrechnung auf die Arbeitslosenunter­stützung gewandt. In einer einstimmig angenom­menen En tschl i e ß u n g wurde betont, es würde dem in der Arbeitslosenversicherung anerkannten Grundsatz der Leistung und Gegenleistung wider- syrechen,' wenn bei gleicher Beitragsleistung die Kriegsbeschädigten schlechter gestellt würden als die übrigen Arbeitnehmer. Es sei nicht richtig, daß die Kriegsbeschädigten die Arbeitslosenversicherung be­sonders belasteten, vielmehr herrsche bei ihnen we­niger Erwerbslosigkeit als bei den gesunden Ar­beitnehmern. Reichsregierung und Reichstag wer­den dringend ersucht, es bei der bisherigen Rege­lung zu belassen.

Die Verwirklichung des Rettungsprogramms beginnt.

Die ersten Zollerhöhungen im Reichstag beschlossen. — Der Mahlzwang im handelspolitischen kiusschutz angenommen. — Der Handelsvertrag mit Schweden gekündigt.

gewesen ist. . s 1

Wenn wir urteilen, dann niemals vom Stand- I punkte des Parteipolitikers aus oder geleitet von I persönlichen Motiven. Das war ja der Hauptfehler — und leider wird er es immer noch sein, — daß wir in Schicksalsstunden stets eine verderbliche Par- teizersplitterung und kräftezerstörende weltanschau­liche Zersetzung in unserem Volke wahrzunehmen I ^Ze'hn Jahre Versailles! Soll uns dieses Geden- I ken an den schicksalsschwersten Tag, des 28. Ium 1919, nicht endlich zurv ollen Selbstbesinnung sich- I ren können! Denn wiederum haben wir ähnliche Entscheidungen zu treffen, wenn mir an die Pari­ser Abmachungen denken, eine Folge eben jenes Versailler Vertrages. Seien wir doch ehrlich. Ver­trauen wir doch endlich der eigenen Kraft und der starken Willensbetätigung. Die zehn Jahre feit Versailles haben es bewiesen, was deutsche Lebens­kraft, was deutscher Lebenswille zu schaffen ver­mag Wir sind weitergekommen seit jenem Tage, an dern wir das Zwangsdiktat annehmen mußten, haben Lichtblicke aus dunkelster Finsternis aufge­zeigt bekommen, haben nach der Rettung der Reichseinheit so viel neue Lebensguter geschaffen, daß unsere kommende Generation cs wohl zu wür­digen weiß, was wir litten und welche Opfer mir brachten. . . , .

2fus dem Gewaltfrieden wurde durch unser un­ablässiges Bemühen, wenn auch nur stückweise vor­erst ein Rechtsfriede. Wir konnten den Frieden im Innern schaffen, konnten den zielsicheren Aus- und Aufbau unseres Staates bewerkstelligen, wenn­gleich die letzten zehn Jahre noch viele Not auf al­len Gebieten gebracht haben, wenn auch das deutsche Bolk noch schwerste Leidswege gehen ^Wir haben es geschafft und werden es auch wei- t-r schaffen. Versailles bleibt eine für uns Deutsche traurige und demütige Zeitepoche. Einst wird die Wettgeschichte auch das Welturteil über jenes Zwangsdiktat fällen. Aber Versailles brachte uns in überragendem Maße wieder ein starkes Na- tionalbewußtsein, einen Selbftbehauptungswitten, wie ihn bis heute noch keine Geschichte eines Vol­kes auf weisen konnte. Wir werden Nicht nachlas­sen in unserem Bemühen, auch die letzten Zwangs- fesseln jenes Vertrages zu lösen, um das von uns allen heißersehnte neue glückliche und freie Deutsch­land zu schaffen, das Deutschland, das Zett fei­nes Bestehens immer eine hohe Sendung im Bunde der Völker zu erfüllen hatte und zu erfüllen ha- ben^wird^t^s Renten an diesem Tage all den Deutschen, die gewaltsam vom Mutterlande losge- rissen sind durch den Verlailler Vertrag und die noch immer die Ketten der Besatzung mit sich s^lep- v-n müssen Mr sie wollen wir unsere ganze Kraft Än'b«mUfie «nft dl- Stonb- 6 er Wl-d-r-er- einigung mit dem deutschen Mutterlande erle en, damit die letzteren recht bald vom Joche der Be­satzung befreit werden.

Das ist unser Herzenswunsch. Em gleicher gilt dem deutschen Volke selbst zur vollen Emigkett, zum brüderlichen Verstehen, zu schicksalszwtnaenber /Gestaltungskraft.

4 40 im Bild" und „Buchenblaiier". iKolaltonsorua uno Jlr. 140 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift.

•: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :

Dann schritt der Reichstag zilr dritten Beratung des Gefamtetats für 1929. In der Abstimmung wurden die Etats des Reichspräsidenten, des Reichstags, der ReichskanM, des Auswärtigen Amts, des Reichswirtschaftsministeriums,, des vor­läufigen Reichswirtschaftsrats, des Reichsinnen­ministeriums und des Reichsarbeitsministeriums in Dritter Beratung angenommen. Angenommen wur­den auch Entschließungen auf Vorlegung eines Wohnheim st ättengefetzes, eines Reichs- cmgehörigkeitsgefetzes und einer Vorlage zuv Be­seitigung der Enklaven.

Am Donnerstag 10 Uhr soll die dritte Beratung des Etats fortgesetzt werden. Auf der Tagesord­nung stehen auch die Schlußabstimmungen zum Republikschutzgesetz und zum Rentenstreit-Sperrge­setz, die Novellen zur Ie;r Brüning, zum Zucker- und Biersteuergesetz, die Vorlage über den Dermah- lungszwang und verschiedene kleinere Vorlagen. — Am Freitag wird der Reichstag in die Fe-

Der Reichstag beschäftigte s«h in seiner Sitzung am Mittwoch, über deren Anfang bereits kurz be­richtet wurde, mit Zollfragen. Von der Fülle der Anträge, die Zollerhöhungen für land­wirtschaftliche Produkte wünschen, ka­men diejenigen daran, die sich auf ifleisch, Kartoffeln, Zucker, Butter und Molkereiprodukte beziehen, nmhrend die Getreidezolle erst später erörtert werden sollen. Bei der nament­lichen Abstimmung wurde die Aushebung der Cinfuhrerleichterungen für Gefrier- fleisch mit 245 gegen 162 Stimmen bei 4 (Ent­haltungen abgelehnt. Es bleibt also hinsicht­lich des zollfreien Gefrierfleischkontigents beim al­ten. Im übrigen wurden die im handelspolitischen Ausschuß beschlossenen Zollerhöhungen mit Den Stimmen aller bürgerlichen Parteien gegen Sozialdemokraten und Kommunisten a n g e n o m -

Zehn Jahre Versailles. ।

Nicht wie bei Menschenschicksalen rechnen wir I in der Weltgeschichte nach Jahren, sondern nach I Jahrzehnten und Jahrhunderten. Bestimmte po- I Mische und historische Begebenheiten erfordern eine I große Zeitspanne, um eine sichere und objektive I Beurteilung zu finden. 1

Seit den furchtbaren Tagen von Versailles ist I ein Jahrzehnt vergangen. Da fühlen wir uns ver- I pflichtet, im politischen Tagesringen einige Augen- I blicke uns zu sammeln und zurückzublicken auf die I Geschehnisse, die damals so katastrophal über das I deutsche Volk und Vaterland hereinbrachen. 1

Der Krieg, für uns in der Mehrheit des Volkes I ein Erlebnis, war zu Ende gegangen. Der Friede 1 wurde geschlossen. Wir wollen heute nicht rechten I und streiten darüber, wie alles zu jener Schick- I salsstunde sich auftürmte, was uns so tief im inner« I ften Herzen packte. .

Blutenden Herzens haben wir miterlebt, wie hoffnungsloser Pessimismus große Teile des Vol­kes erfassen wollte, als das grausame Friedens- Diktat unserer Feinde bekannt geworden war. Wir lernten so recht die damalige Unversöhnlichkeit un­serer Gegner kennen. Schwere Wunden wurden I uns in Versailles geschlagen durch den Friedens­vertrag, der Deutschland endgültig nieder zu schmettern schien.

Nicht galt es jetzt für die damaligen Volksver- freier nach Gefühlen zu urteilen imd die Politik zu gestalten, sondern ihr Blick mußte sich in die Zukunft richten, mußte weitschauend sein unb ge­tragen von größter Liebe zum Volke und zum Da- terlande. Nur so allein war überhaupt die An­nahme des Versailler Vertrages zu verstehen.

Unsere Feinde jubelten schon. Sir glaubten^ das Deutsche Reich würde diese Katastrophe nicht über­stehen. Sie haben sich getäuscht. Weil wir Ver­sailles annahmen, weil wir den Friedensvertrag mit gerade herorischem Opfermute unterschrieben, haben wir das Reich gerettet. Es wurde eine neue Lebensgrundlage für den Staat geschaffen, was wir erst heute verstehen, da wir schon wieder, wenn auch langsam, aber stetig, einer neuen, bes­seren Zukunft entgegengehen.

Was wäre wohl aus unserem Vaterlande ge­worden, wenn nicht damals jene politischen Führer, Die man oft aenug deswegen angriff, den heroi­schen Mut aufgebracht hätten, zwangsmoßig für Die Annahme des Friedensvertrages zu stimmen. Nur vaterländisches Pflichtgefühl und Liebe zum eigenen Volke konnten die Beweggründe gewesen sein Das sehen wir auch heute ein, wo es sich von Jahr zu Jahr mehr zeigt, wie folgerichtig lene Einstellung unabänderlichen Tatlachen gegenüber

Klärung in wachsen?

So schnell und überraschend vor einem Viertel» jahr der alle sächM)e Landtag mitten aus Öen wichtigsten Arbeiten herausgerissen wurde, so lang, sam und tatenlos hat der neue seinen Anfang ge- kommen. Das einzige, was sogleich tm, Anfang zu Stande kam, war die Wahl eines Maldemo» kratischen Landtagspräsidenten. Dann setzten dis ergebnislosen Ministerpräsidentenwahlen em, die erft am Dienstag mit der Wahl des Volksparteilers u< bisherigen Kultusministers Dr. B u n g e r enbeten. Etwas ^Gittes hatten allerdings bie e Wahlganges Die Klärung zwischen rechts unb links mürbe baber immer größer Der wichtigste Faktor zw, chen bett eichlußreicön Parteien, bie N ° t i o n a ls o zi a- listen mit ihren fünf Adgeorbneien haben habet Geleaenbeit gehabt, beutlicher ihre zukünftige Hal- Mng zu umschreiben. Nach ihren Erklärung steht fest, baß sie unter fernen Umstanden eine Linksregierung bulben, ja nicht einmal eine Be­teiligung ber Sozialdemokraten an einer bürger­lichen Regierung. Damit lehnen sie also auch die sog. große Koalition, an ber sich etwa bie Sozial-, bemofraten, Demokraten unb Deutsche Aolkspar- tei beteiligten, ab. Sie erblicken in einer solchen Zusammensetzung ber Regierungsparteien eme Brüskierung bes Volkswillens, ütieil bie Wrgera lieben ben Wahlkampf unter ber Parole wieder Sowjetsachsen" geführt haben unb das Volk in seiner Mehrheit sich in diesem Sinne entschieden hat, so erwarten die Nationalsozia.rsten jetzt, daß eine bürgerlicheRegier ung gebildet werde.

Die bürgerlichen Parteien hatten also allen Grund, so schnell wie möglich einen geordneten Fortgang der Regierungsgeschäfte zu ermöglichen. Selbst wenn sie annehmen, daß die National Soziali­sten es garnicht so ehrlich meinen und fpater bet den Einzelberatungen des Landtages wieder ihre bekannten Methoden in Anwendung bringen, so wäre bas doch kein Grund die Regierungsbildung endlos hinauszuziehen. Und zwar dechalb nicht, weil es überhaupt keine andere annehmbare Lo- iuna gibt. Diese anderen Lösungen konnten 1« nur entweder in einer reinen Linksreglerung ober in ber großen Koalition bestehen. Die erstere i t rein zahlenmäßig nicht möglich, weil die gesamte Linke von 96 Abgeordneten nur 47 stellt. Davon sind noch die zwei Altsozialisten abzurechnen, die unter keinen Umständen eine Regierung mtt bert Kommunisten mitmachen. Die große.Koalition ba- gegen aus ben genannten bret Parteien wate rein MÄw ii- « Mg-ordre,-. Die Sozialbemokratie hat in dieser Frage von An­fang an eine zweideutige Haltung eingenommen. ©ie erklärte sich auf der einen Seite nicht für abge* neiat, eine solche Koalition mitzumachen (und manche glaubten schon eine Wandlung der SPD. wahrzunehmen), auf der anderen Seite aber stellte sie in einem Minbestprogramm derartige Forde­rungen auf, daß sie unmöglich von den bürger­lichen Parteien angenommen roerben konnten.

®s ist über biese große Koalition viel hm und her geschrieben worben, unb von fast allen bur- gerlichen Parteien würbe sie als Ideal hingestellt. Man möchte die Sozialdemokratie auch gern ein­mal in die Verantwortung hineindrängen, um sie ähnlich wie im Reich das Mögliche vom Unmogli- chen unterscheiden zu lehren. Solcke Grunde bä­hen ihre Vorzüge, und doch können tue Vergleiche zwischen dem Reich und Sachsen geradezu ver­hängnisvoll fein. Bei einer großen Koalition tn Sachsen hätte nämlich die Sozialdemokratie mit ihren 35 Abgeordneten nicht nur ber Zahl nach bas weitaus größte Uebergewicht. sondern sie wußte auch infolge ihres radikalen Charakters, ber gar • nicht mit ber Reichsfozialbemokratie zu vergleichen ist stets ihre Forderungen in höchstem Maße durch- zusetzen. Das würde sich am Gefährlichsten auf dem Gebiet auswirken, das die Sozialdemokraten als ihr Spezialgebiet betrachten: auf dem der Kul­turpolitik. Und gerade hier kehlen die gro­ßen W elt ans cha ung spart eien, die im Reich in der großen Koalition ihr Gegengewicht ganz energisch geltend machen können. In einer sächsischen großen Koalition könnten die Tendenzen des Materialismus gestützt von den radikalen säch­sischen Demokraten sich in außergewöhnlichem Maße

ten von ihr vermahlenen Weizenmenge betragt. Vom 1. August bis 30. November 1929 sollen minbeftens 40 Prozent Inkanbswet- zen vermahlen werben. Für Mühlen, welche eine Leistungsfähigkeit von mehr als 20 000 Kilo Weizen innerhalb 24 Stunden ausweisen, kann ber Reichsernährungsminister ben Prozent­satz erhöhen. Der Reichsernährungsminister soll ferner bie Ermächtigung erhalten, an Stelle dieser Bestimmungen anzuorbnen, daß bie Mühlen nur Mehl Herstellen bürfen, bas minbeftens zu 30 Pro­zent aus Jnlanbsweizen besteht. Ferner soll er ermächtigt fein, biese Bestimmungen abzuandern, wenn bie Höhe bes (Betreibe- ober Brotpreises es erforbert. Für Zuwiderhandlungen ist Geldstrafe ^lbg^lehnt wurde dagegen ein deutschnationaler

Antrag, der der Reichsregierung das Recht geben wollte, im Wirtschaftsjahr 1929/30 Richtpreis für Weizen und Roggen festzusetzen, Die bei 260 Mark für die Tonne Weizen und bei 230 Mark für bie Tonne Roggen liegen sollten. Gegen diesen Antrag wanbte sich u. a. ber Abg. Schlack (Ztr.), ber barin einen Versuch erblickte, ein (Betreibe, monopol auf Umwegen herbeizuführen. Der Ausschuß beschloß ferner mit 15 gegen 11 Stim­men ber Sozialbemokrctten unb Kommunisten, bte ZollsätzefürGetreibemitAusnahme für Gerste aufzuheben.

Vom Zentrum würbe eine Entschließung be­antragt, baß bie Mehr er trägnlsse an Zol­len , bie sich aus ben Zwischenzöllen ergeben, zu Zwecken ber Förberung von Bauöorba- ben unb ber Gewährung von Bauzuschussen an minberbemittelte »nb kinb er- reicheFamilienzu verwenben. Bei ber Ab­stimmung würbe biese Entschließung ab gelehnt. Für sie ftimmten nur bie SIbgeorbneten des Zen­trums. Das Zentrum wird die Entschließung im Plenum des Reichstages wieder einbringen.

Kündigung des Zchroeden-Vertrags.

Im Auftrag seiner Regierung kündigte der Vertreter Deutschlands in Stockholm den deutsch-schwedischen Handelsvertrag, wodurch die­ser vom 15. Februar 1930 ab außer Kraftge.- seßt wird. Der Schritt wurde von der deutlichen Regierung mit dem Wunsche begründet, in An­betracht der schweren Sage der drut­schen Landwirtscha ft freie Hand hmsicht- lich bestimmter durch den Vertrag festgesetzter Zoll­sätze für landwirtschaftliche Produkte zu bekom­men. Gleichzeitig mit der Kündigung gab bte deutsche Regierung der Hoffnung Ausdruck, daß Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag baldmöglichst eingeleitet werden körnten und daß ein vertraasloser Zustand zwischen den beiden Reichen auf diese Weise vermieden werden könne.

Aus den Parlamenten.

Reichslag.

Der Reichstag beriet in seiner Sitzung am Don­nerstag zunächst in zweiter Lesung die Novelle zur Lex-Brüning. Danach soll ber lieber- schuß ber Lohnsteuer nicht mehr zur Senkung biejer Steuer oerroanbt, sonbern bis zu 75 Mill. Mark ber Knappschaftsversicherung überwiesen werben, währenb ber Rest ber Invalidenver­sicherung zufließt. In biefem Jahre roerben 4a Millionen an die Jnvalibenversicherung gehen Da­mit oerbunben ist ber Antrag ber Bayerischen Bolkspartei auf Aenberung bes Brau-Kontingents in ber Biersteiler. Diesen Antrag hat ber Steuer­ausschuß ab gelehnt, während er einem Antrag auf Steuerfreiheit bes Futterzuckers zugestimmt bat. Die Beratung wirb zurückgestellt, weil bte Abo. Graf Westarp (Dn.) unb Höllein (Som.) baruber Beschwerbe führen, baß ihnen bie Drucksachen zu spät zugegangen sinb. Als sich ähnliche Schwiertg- keiten bei ber bann folqenben 3. Beratung bes Etats ergeben, beantragt Abg. Leicht (Bay. Dolkspff Unterbrechung ber Sitzung um 2 Stunben. Nach k,rrzer Geschäftsorbnungsdebatte wirb bie Sitzung auf 12 Ufjrnertagt.

Nach Wiedereröffnung ber Sitzung beantragt Der Abg. Graf Westarp (btn.), bie Dritte Beratung Des Etats zurückzustellen. Die Deutschnationalen könnten über ben Etat erst abftimmen, wenn bie Zollvorlagen erlebigt sind. Nach längerer Ge- schäftsorbnung wirb ber Antrag Westarp abgelehm unb bie 3. Beratung bes Etats fortgesetzt.

Preußischer Canbfag.

Der Preußische Landtag hatte am Mittwoch wieder eine erhebliche Anzahl sogenannter kleinerer Vorlagen zu erledigen. Dabei wurde u. a. ein um­fangreiches Programm bes Hauptausschusses an­genommen, bas Mittel für bie Beseitigung bzw. Verhinderung von Hochwasserschäben in Ober­schlesien, für bie Wieberaufrichtung lanbwirtschaft- licher Betriebe, ben Ausbau von Hafenanlagen usw. verlangt. Weiter nahm ber ßanbtag nach ! ausgebehnter Debatte Anträge bes Hauptausfchuft feg Über bie Notlage ber Ostprovinzen unb über bie Aufstellung eines Grenzlandprogramms an. — Gegen Schluß ber Sitzung ging em Blitz tn die Ableiter bes ßanbtagsgebäubes, ber jedoch feinen größeren Schaden anrichtete, sondern nur einige Sicherungen der elektrischen Ltchüettung durch- 1 brannte.

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