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<£t)ct)etnt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

56.Jat)rg.

'Ttr AAR im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag «FH. liU der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

Mittwoch, 26. Ium 1929

Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.

Das WW Mgewectie jum Mung-Plan

Sitzung des Reichskabinetts

ehört zur Liqui-

trauen zur Sicherheit der deutschen Währung erhalten bleiben, dessen wir unter dem neuen Reparationsplan in noch höherem Maße als unter dem alten bedürfen wer» den.

3. Eine Verantwortung für eine politische Entschei­dung auf der Grundlage des vorliegenden Sachverstand'» genberichts kann gegenüber den Geschlechtern, welche durch die darin vorgesehenen Jahresleistungen belastet werden sollen, unter keinen Umständen übernommen werden, wenn dabei nicht der feste Wille obwaltet, im Innern Deutschlands den Geboten einer gesunden Finanzpolitik uneingeschrankte Geltung zu verschaffen namentlich gegenüber wirtschaftlichen Tendenzen in der öffentlichen Ausgaben» gebarung, deren verhängnisvolle Wirkungen alle Glie­der des Volksganzen in gleicher Weife berühren. Em einheitliches Zusammenwirken aller Parteien und Wirt» schaftsstände zu diesem Ziele ist im jetzigen Zeitpunkt, der allen Deutschen ohne Unterschied von Stand und Stellung ihre wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft er­neut zum Bewußtsein bringt, eine unbedingte Notwen­digkeit. Die Angehörigen des Bankgewerbes stehen des- halb auf dem Standpunkt, daß gesetzliche Maßnahmen oder mindestens innerpolitische Bindungen, welche die Erreichung dieses Ziels sichern, mit denfemger gesetzlichen Bestimmungen, welche demnächst der New regelung unserer ausländischen Zahlungsverpflichtungen dienen sollen, ein untrennbares Ganzes bilden muffen.

Das Reichskabinett ist Montag nachmittag 4 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, in deren Mittelpunkt die Beratung der Maßnahmen zur Be­hebung der Not der Landwirtschaft steht. Wie wir erfahren, behandelt das Kabinett in die­sem Zusammenhang die Frage der Aufhebung des Getreidezwischenzolles, dis ja auch trotz des Schwe­denvertrages möglich ist, Im übrigen soll sich das Reichskabinett auch mit der Kündigungsformel des deutsch-schwedischen Handelsvertrages befassen, die in Anbetracht der Kürze der Zeit unumgänglich ge- worden ist. Im Verlauf der weiteren Erörterun­gen wird das Kabinett im Zusammenhang mit den Standardisiernngsplänen des Rsichsernährungs- ministers auch den Futter- und Eierzoll behandeln. Die übrigen Zollfragen sind im gegenwärtigen Augenblick, entgegen verschiedenen Nachrichten,

tert die Abstimmungen. Die Etats des Aus­wärtigen Amtes, der besetzten Gebiete und der Kriegslasten wurden in zweiter Lesung i) er ab« schiedest.

Vorstand, Ausschuß und Währungsausschuß des Zentralverbandes des deutschenBank- und Bankiergewerbes traten am Montag in B e r l i n zur Entgegennahme und Besprechung eines Berichts des Herrn Dr. Karl Melchior über die Vorschläge des Pariser Sachverständigen' Ausschusses zur vollständigen und endgültigen Re­gelung des Reparationsproblems zusammen. Hier­über teilt der Verband mit:

Bei der Beratung, die sich auf alle wesentlichen Punkte der neuen Regelung bezog, wurde der Tatsache Rechnung getragen, daß der Sachverständigenausschuß seine Auf­gabe nicht nur als eine wirtschaftliche, sondern in gewissem Sinne auch als eine politische ange­sehen hat. Ungeachtet der Zurückhaltung, welche sich un­ter diesen Umständen die wirtschaftliche Berufsvertretung des Bankgewerbes bei einer Stellungnahme zu den Er­gebnissen des Sachverständigenberichts auferlegen muß. hielt man es doch für geboten, folgendes zu betonen:

1. Die deutschen Sachverständigen haben bie lieber» nähme einer unbedingten Verantwortung für Ver­pflichtungen abgelehnt, die möglicherweise außer­halb der Grenzen der deutschen Leistungs­fähigkeit liegen. Für die Entschlossenheit dieser Weigerung, welcher auch der Sachverständigenausschuß Ehre widerfahren ließ, gebührt ihnen um deswillen Dank, weil Deutschlands künftige Leistungsfähigkeit un­berechenbar ist und nach wie vor in entscheidendem Maße von der Erzielbarkeit von Ausfuhrüberschüssen, damit aber von dem wirtschaftlichen Verhalten des Auslandes, insbesondere der Gläubigerländer, abhängig sein wird. Eine Finanzierung von Reparationszahlungen durch Ausländsanleihen — abgesehen von den ersten lieber« gangsjahren — kann ebensowenig im Sinne des Doung- Planes wie in dem des Dawesgutachtens liegen. Es sollte deshalb in den Befugnissen, die dieser Sachoerstän- ständigenbericht Deutschland in Ansehung des g e s chützten Teils der Jahresleistungen einräumt, von vornherein nicht ein Notbehelf erblickt werden, dessen Ausübung mit der Signalisierung einer bedenk­lichen Wirtschaftslage gleichbedeutend wäre, sondern ein Recht, welches Deutschland namentlich dann in Anspruch zu nehmen haben wird, wenn sich Voraussetzungen und Erwar­tungen als unzutreffend erweisen sollten, von denen der Sachverständigenausschuß, sei es bei bei*

Die politische Konferenz.

— Berlin. 25. Juni. (Eig. Meld.) Die „B. Z/ am Mittag meldet auf Grund einer Londoner In- formatton, daß die englische Regierung in Berlin und Paris habe mitteilen lassen, sie lege entschei­dendes Gewicht darauf, die große politische Kon­ferenz über die Liquidierung des Krieges auf der Grundlage des Pariser Sachverständigen-Planes nach London einzuberufen. Das Blatt nimmt an, daß die Konferenz im Juli zusammentreten kann.

wehr oppositioneller Angriffe gesagt hat, sondern wie er in nächster Zeit handeln wird. Sollte wirklich schon in wenigen Wochen die große Konferenz der Ministerpräsidenten, Außen­minister und Finanzminister zusammentreten, so wird bis dahin der deutschen Diplomatie noch eine sehr schwierige und umfangreiche Vorbereitungs­arbeit zufallen. Ohne diese Vorbereitung würde die Konferenz für Deutschland ähnliche Ueberra- schungen bringen können wie die letzte September­tagung des Völkerbundes und ähnliche Enttäu­schungen wie die Verhandlung der Minderheiten­frage im März. Es muß in aller Form feftgeslellt werden, daß wir erwarten, daß die Räumungs­verhandlungen einen integrieren­den Bestandteil dieser Konferenz bilden, und daß die Deutsche Regierung für die Liauidierung der S a a r f r a ge die Vorschläge der Gegenseite erwartet.

Die „Voss. Zig." schließt ihre Betrachtungen am Dienstagmorgen mit folgenden Worten: Dir außenpolitische Debatte im Reichstag hat wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Strese- mann, körperlich ein geschwächter Mann, hat die Macht des Geistes und die Macht der Idee sieg, reich erprobt. Er hat vor der deutschen Nation die Sache der Erneuerung schlagfertig, erfolgreich von innerer Ueberzeugung getragen, durchgefochten, und, wenn er auch nicht durch den Rundfunk zu den Ohren der Millionen hat dringen können, so wird doch das Echo an die Herzen rühren, man darf hoffen, nicht nur innerhalb der schwarzrot­goldenen Grenzpfähle, sondern weit darüber hinaus. Das Europa von gestern, dessen letztes Wort der Vertrag von Versailles war, ist tot. Das neue Europa beginnt zu leben.

Die „Berliner Morgenpost" sagt:

Stresemanns Rede war vom Anfang bis zun Ende eine wirkungsvolle Entzauberung des deutsch­nationalen Phrasenschatzes und eine Abrechnung mit chem Katastrophenpolitiker Hugenberg, wie sie vom Regierungstisch noch nie vernommen worden ist. J .

Hugenbergs Leibblatt, der Berliner Lokalan­zeiger, Füchte sich für die scharfe Abfuhr, die fick der deutschnationale Sprecher von Stresemann ge­fallen lassen mußte, durch folgende Bemerkung zu revanchieren: Herrn Stresemanns „großer Tag/ ist vorbei. Er hat nicht eine Richtssagenheit weni­ger geäußert als erwartet: er hat nicht ein ernstes Argument mehr für den Young-Plan beigebracht, als bisher vorlagen, nämlich gar keine. Er Hw nichts widerlegt unb hat damit alles bestätig/, was von nationalen, von wirtschaftlichen, von poli­tischen, von sachlichen und von sittlichen Gesichts­punkten dagegen vorgebracht wurde, daß wir uns anschicken, freiwillig drückendere Bedingungen zr

Nach her autzeapolitischen ReichStagshebatte.

Das Echo der Ltresemann-Rede. — Die Stellungnahme des Zentrums zum Houngplan. — Entschiedene Ablehnung der Zeststellungskommission. Eine zweite Rede des Außenministers. — Die Saarfrage.

Die Rede, welche der Außenminister Dr. Stresemann am Montag im Reichstage ge­halten hat, sollte eine Rede über die au 6 enp o» liti fche Lage und insbesondere über „Paris" sein. Man erwartete gewisse Mitteilungen oder wenigstens Andeutungen über das, was Strese­mann in Madrid und Paris mit den Führern der französischen Außenpolitik verhandelt hatte. Aber Stresemann sagte zu diesem Punkte nichts anderes, als daß er dazu nichts sagen könne und machte höchstens eine Andeutung über die Grenze des deut­schen Entgegenkommens in der Sicherheitsfrage, die er mit den im Locarnovertrag gemachten Ver­einbarungen festlegte. Diejenigen, die gerne poli­tische Rätsel raten, haben jetzt Gelegenheit, Kom­binationen zu veranstalten, indem sie das, was an Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollbestimmungen im Locarnovertrag vorgesehen ist, auf eine Linie bringen mit der von Briand noch gewünschten „Feststellungs- und Versöhnungskommission", die mögliche Rolle des Völkerbundrates dabei ventilie­ren und das Jahr 1935 als zeitlichen Grenzpunkt im Auge behalten. Vielleicht gibt es in diesem Rahmen mit den hier genannten Komponenten ver­schiedene Variationen. Unser Außenminister läßt alle Möglichkeiten offen, sie gegeneinander einzu­tauschen und nach Belieben auszuwählen. Die Hoffnung, Authentisches über dis außenpolitische Situation zu erfahren, ist also nicht erfüllt worden. Stresemann selbst sagte, daß er nicht dazu in der Lage sei, vor Beginn der großen Konferenz nähere Mitetilungen zu machen, wenigstens nicht vor dem Reichstagsplenum, da sonst das Ende der Konfe­renz schön da sei. Wir müssen ihm schon das Recht zu einer solchen Bemerkung zubilligen und uns in Geduld fassen. Je weniger unser Außen- v Minister über das aktuelle außenpolitische Thema | selbst sprach, um so mehr beleuchtete er die i n n e n- »politische, d. h. die parteipolitiiche Seite des M ganzer Problems. Er hat Dabei manches mutige und erfrischende Wort gefunden. Den Anlaß hatte ibm der von dem deutschnationalen Parteiführer Hugenberg vorgeschickte Graf W e st a r p gegeben, der völlig voraüsfetzungslos und unbeirrt von allen deutschnationalen Sünden und Sündenbekennt­nissen >n der Vergangenheit einmal wieder den Poung Plan von dem „echt nationalen" Stand­punkte aus betrachtete und ablehnte. Hugenberg selbst, der diese Opposition gewollt hatte, war nicht anwesend, um so mehr hatte er seinen Schildknap­pen O u a a tz instruiert, demagogische Zwischen­rufe zu machen. Man war wahrscheinlich nicht darauf vorbereitet, Stresemann parteipolitisch so kampfeslvstig zu sehen. Vielleicht hat ihn die Skrupellosigkeit der Deutschnationalen gereizt, die frei von aller Logik und Konsequenz und offenbar auch wider besseres Wissen heute den Dawesplan in einer Weise gegen den Young-Plan auszuspielen suchen, daß man in der Tat sehr starke Nerven haben muß, wenn man über solche volksbetrüge­rische Demagogie mit verächtlichem Achselzucken nur hinwegsehen will. Der Krers Hugenberg hat in Zeitungsartikeln und Reden in den letzten Wo­chen ein solches Unmaß von Lügen und Hetze­reien zusammengeknäuelt, daß man schon ein aus­gesuchtes politisches Pblegma sein muß, wenn man darüber einfach zur Tagesordnung hinweggehen will. Stresemann hat diesen Leuten in seiner Rede nichts geschenkt, sein Vortrag war bewußt ein par­teipolitischer Waffengang mit den Deutschnationa­len, und wenn man ein Zeichen dafür haben will, wer dabei der Erfolgreichere geblieben ist, fo dars wohl der ostentative Auszug des deutschnationalen Abg. Quaatz aus dem Saal unter der goldenen Kuppel dafür genommen werden. Er hat das Kampffeld preisgegeben.

Mit bissiger Ironie zerpflückte Stresemann vor allem das Hugenberg'sche Schlagwort: »D u r ch d i e K r i s i s zur Freiheit!" An den Wirkungen des Ruhrkrieges zeigte er, wie ein sol­cher Verzweiflungskampf lediglich von der Masse des Volkes und dem industriellen und gewerblichen Mittelstände getragen würde, und wie die Besitzer der großen Sachwerte daraus ohne besonderen Schaden, vielmehr mit erheblichen Vorteilen her­vorgehen. In solcher Situation ist es natürlich leicht, den nationalen Helden spielen zu wollen. Es ehrt Stresemann sehr, daß er dabei zugab, sich seinerzeit über die wirtschaftspolitischen Wirkun­gen des Ruhrabwehrkrieaes einer argen Täuschung hingeqeben zu haben. Dieses Bekenntnis gestattet uns heute die Schlußfolgerung, daß Stresemann selbst damals die Zustimmung zu einem Verzweif­lungskampf aus nationalem Iedealismus gegeben hat. Diesen Idealismus gab es aber bestimmt nicht bei allen denen, die nach dem Abblaten des passi­ven Widerstandes bei der Reichskasse um Hun­derttausende und Millionen Reichsmark betteln gingen und von den Führern der Deiatzungsarmee verlangten, daß sie den deutschen Arbeitern nun­mehr die elf und zwölfstündige Arbeitszeit auf­erlegten. Die Leute um Hugenberg möchten das große Inslationsqefchäft vom Sommer 1923 noch einmal wiederholen und darum wünschen sie den Dawesplan zurück in der Hoffnung auf eine Trans­ferkrise, darum haben sie das Scklaqwort geprägt: „Durch die Krisis zur Freiheit!" Daß das ein Schlagwort zur Täuschung der auf einfachen Lohn und einfaches Gebalt angewiesenen Mitläufer Hil­genbergs >st. zur Täuschung auch der großen Zahl derjenigen, die zum industriellen und gewerblichen Mittelstand gehören, das hat Stresemann am Mon­tag mit einem bei ihm seltenen Mute aufgedeckt.

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aus, hält Deutschland fest.

In diesem Zusammenhang ist auf die englischen Pläne in Ostafrika verwiesen worden, die mit dem Mandatscharakter nicht vereinbar sind. Wir wer­den gegen solche Pläne die uns verfügbaren Mittel anwenden und hoffen dabei die Unterstützung der­jenigen Staaten zu finden, die an dem Mandats­system festhalten wollen. Die Beschwerden über zu kostspielige Repräsentationen unseres Auslands­dienstes gehen an der Tatsache vorbei, daß viel­fach der Zwang zur Repräsentation aus dem Pflichtgefühl entsteht und aus dem Bedürfnis, ge­sellschaftliche Beziehungen zu denjenigen Schich­ten zu gewinnen, die in dem betreffenden Lande die politische Macht repräsentieren.

Die Saarfrage gehört zur Liqui-

Zu der ersten Rede des Reichsaußenministers, über die wir bereits gestern ausführlich berichten konnten, ist noch ergänzend zu berichten:

Zu der Frage der anläßlich der 10. Wieder­kehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktats (am 28. Juni) geplanten Kund­gebungen, bemerkte Dr. Stresemann,daß die bedeutsamste Kundgebung wohl die des Herrn Reichspräsidenten und des Reichskabinetts ist, und daß beide hierbei Veranlassung nehmen werden, in einer Weise, über die sich der Reichspräsident schon einmal in bezug auf diese Frage geäußert hat, zu der Frage Stellung zu nehmen. Ich habe niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ich es als eine rein für politische Zwecke zurechtgemachte Fassung des Frie­densvertrages gehalten habe, wenn man davon gesprochen hat, daß auf Deutschland die Schuld fiele für alles das, was der Krieg mit sich gebracht hat. Niemals wird irgend jemand in Deuffchland anerkennen, daß auf Deutschland die Schuld der alleinigen Herbeiführung des Krieges irgendwie liege.

Der Widerhall in der Berliner Presse.

Die meisten Montagabend-Blätter der Berliner Zeitungen würdigten die Reichstagsrede des Reicksministers des Auswärtigen Dr. Strese­mann vorerst nur in wenigen Sätzen und brach­ten erst in ihren Morgenausgaben am Dienstag längere Darlegungen und Kommentare. Zu den­jenigen Blattern, die bereits am Montag abend mit einem Leitartikel zur Stresemann-Rede auf« warteten, gehört das „B. T.", das die Darlegung des Reichsministers des Auswärtigen als eine glänzende Kundgebung der realpoli­tischen Vernunft bezeichnet und mit Bezug auf die Form der Rede zu folgendem Urteil ge­langt:

Bei aller Deutlichkeit, mit der der Außenmini­ster gegen Hugenberg und die Deutschnationalen Stellung nahm, hat er, nicht weil er ein geschick­ter Politiker ist, sondern weil er ein Mann ist, dem im Gegensatz zu den Phrasen-Helden der Rechten bei seiner schweren Arbeit das Ziel der deutschen Einigkeit ipid der Befreiung des deutschen Volkes von den Folgen des verlorenen Krieges vorschwebt, einen innerpolitisch versöhnlichen Tön gefunden.

Die wichtigste Stelle im Kommentar der „Ger­mania" lautet: Entscheidend ist nicht, was der Außenminister gestern im Reichstage zur Ab­

Seine Rede ist eine innenpolitische geworden, was allerdings schließlich durch die Tatsache gerechtfer­tigt ist, daß er seinen Etat zu begründen hatte.

Daß Stresemann aus den Erfahrungen des Jahres 1923 gelernt hat, konnte von dem Redner des Zentrums, U l i tz k a, mit Befriedigung un­terstrichen werden. „ Mr das Zenrrum ist es heute eine Genugtuung," so sagte er, „daß der Reichsaußen­minister die Wege der Außenpolitik, die wir vor Jahren bereits gewiesen haben, nunmehr gegen die Angriffe der Rechten verteidigt." Gewiß, auch in diesem Sinne möchten wir die Darlegungen Stresemanns als recht zeitgemäß und erfreulich an­erkennen.

♦

In der außenpolitischen Debatte in der Reichs­tagssitzung am Montag ergriff nach dem sozial­demokratischen Abg. Dr. Breitscheid der Abg. Ulitzka als Sprecher des Zentrums das Wort. Er führte u. a. aus: Die Deutschnationalen haben den Poung-Plan abgelehnt, ehe sie ihn überhauptkannten. Kritik ist berechtigt, aber sie darf nie so weit gehen, daß die Ehrlichkeit derjenigen in Zweifel gezogen wird, die anderer Ansicht sind. Das Ergebnis der Pariser Ver­handlungen ist für uns e?ne schwere Enttäuschung. Angesichts der schweren Belastungen, die auch der Young-Plan uns bringt, kann seine Annahme für uns immer nur eine bedingte Zusage sein, be­dingt durch die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit. Wir müffen die Pariser Verhandlungen beurteilen im Zusammenhang mit der ganzen weltpolitischen Lage. Wenn oer Young-Plan den Anfang darstellt zu einer wirk­lich vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und seinen früheren Kriegsgegnern, dann können wir eine andere Stellung zu ihm einnehmen, als wenn es sich einseitig nur um eine Aenderunq der deutschen Zahlungsbedingun­gen handelte. Wir müssen klaren Bescheid verlangen über die Stellung der Mächte zur Rheinlandräumu ng. Erst wenn diese Klar­heit geschaffen ist, können wir über den Young- Plan entscheiden. Wir Haben schon beim Abschluß des Locarno-Vertrages die Aufhebung der Räu­mung als selbstverständliche Folge unserer Konzes­sionen betrachtet. Diesen Anspruch müssen die Be­satzungsmächte jetzt formell anerkennen, und sie dürfen nicht neue Bedingungen aufstellen wollen.

Wir verlangen die Rheinlandräu­mung gratis und franko und nicht per Nachnahme. Eine neue Kontrollkom­mission unter irgendwelchem Namen kann für uns nicht in Frage kommen. Sie würde zu einer Art Polizeiaufsicht über das Rheinland wer­den und dadurch gerade das Vertrauensverhältnis, das wir erstreben, nicht aufkommen lassen. Wir erhoffen nach der Räumung eine Wiedergesundung der Grenzgebiete des deutschen Westens, bitten aber dann auch, den deutschen Osten nicht zu ver­gessen. Bei der Liquidierung der politischen Kriegs­folgen darf eine beschleunigte Rückgabe des Saargebietes nicht vergessen werden. An der deutschen Gesinnung der Saarbevölkerung wird auch Frankreich kaum noch zweifeln. Das Recht der Minderheiten muß besser als bisher im Völkerbund gewahrt werden. Die Beschwerdender Minderheiten werden jetzt im Völkerbund nach einem wohldurchdachten System von Drahtver­hauen abgedrängt und begraben. Die Minderhei­tenfrage darf nicht mehr von der Tagesordnung des Völkerbundes verschwinden.

Die zweite Rede Stresemanns.

Gegen Ende der außenpolitischen Reichstags­debatte nahm Reichsaußenminister Dr. Strese­mann noch einmal das Wort. Er knüpfte daran an, daß im Laufe der Aussprache von verschiede­nen Rednern auf das Memorandum von 1924 hin gewiesen worden sei, in dem betont wird, daß Deutschland auf den Anspruch auf eigene Kolonien nicht verzichten kann.

„An dem Anspruch auf Rohstoffquel­len in Kolonialgebieten unter eige­ner Verwaltung, so führte der Redner u. a.

dierung der Kriegsfolgen ebenso wie die Rheinlandräumung. Kein Franzose wird sich unklar sein über den Ausgang einer Volksab­stimmung im Saargebiet. Die Bevölkerung war deutsch, ist deutsch und wird deutsch bleiben. Es wird bald die Zeit kommen, wo die deutsche, die französische und andere Wirt­schaften einen Weg suchen müssen, um sich zu er­halten gegenüber einer Konkurrenz, der wir alle unterlegen sind. .

Nachdem noch die Vertreter kleinerer Parteien gesprochen hatten, schloß die Aussprache, Es folg-

Einschätzung wirtschaftlicher Entwickliingsmöglichkeiten, sei es bei der Beurteilung der praktischen Auswirkung seiner technischen Vorschläge ausgegangen ist.

2. Mit die wesentlichsten Bedenken, welche das deut­sche Bankgewerbe vor fünf Jahren gegen die Annahme des Dawesplanes geltend gemacht hat, betrafen die Un­terstellung der wichtigsten Gebiete des deutschen Geld-, Finanz- und Verkehrswesens unter ausländische Kon­trollorgane. Das Bankgewerbe begrüßt deshalb die in Aussicht genommene Beseitigung dieser Organe aufs Lebhafteste." Gleichzeitig aber kann es nicht drin­gend genug betonen, daß mit der Befreiung der Reichs­bank von ausländischem Einfluß keinesfalls eine Beein­trächtigung der Garantien verbunden fein darf, durch welche das geltende Bankgesetz die Unabhängigkeit der Zentralnotenbank gegenüber der Finanz­verwaltung des Reiches sowie gegenüber sonstigen politi­schen Gewalten und wirtschaftlichen Interessen im In- , «“ö"1"““, a-"»--'

land sichergestellt. Nur so kann das unbedingte Ver- | aber noch nicht akut.

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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.