<£t)ct)etnt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt
56.Jat)rg.
'Ttr AAR im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag «FH. liU der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
Mittwoch, 26. Ium 1929
Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne Zustellg.
Das WW Mgewectie jum Mung-Plan
Sitzung des Reichskabinetts
ehört zur Liqui-
trauen zur Sicherheit der deutschen Währung erhalten bleiben, dessen wir unter dem neuen Reparationsplan in noch höherem Maße als unter dem alten bedürfen wer» den.
3. Eine Verantwortung für eine politische Entscheidung auf der Grundlage des vorliegenden Sachverstand'» genberichts kann gegenüber den Geschlechtern, welche durch die darin vorgesehenen Jahresleistungen belastet werden sollen, unter keinen Umständen übernommen werden, wenn dabei nicht der feste Wille obwaltet, im Innern Deutschlands den Geboten einer gesunden Finanzpolitik uneingeschrankte Geltung zu verschaffen namentlich gegenüber wirtschaftlichen Tendenzen in der öffentlichen Ausgaben» gebarung, deren verhängnisvolle Wirkungen alle Glieder des Volksganzen in gleicher Weife berühren. Em einheitliches Zusammenwirken aller Parteien und Wirt» schaftsstände zu diesem Ziele ist im jetzigen Zeitpunkt, der allen Deutschen ohne Unterschied von Stand und Stellung ihre wirtschaftliche Schicksalsgemeinschaft erneut zum Bewußtsein bringt, eine unbedingte Notwendigkeit. Die Angehörigen des Bankgewerbes stehen des- halb auf dem Standpunkt, daß gesetzliche Maßnahmen oder mindestens innerpolitische Bindungen, welche die Erreichung dieses Ziels sichern, mit denfemger gesetzlichen Bestimmungen, welche demnächst der New regelung unserer ausländischen Zahlungsverpflichtungen dienen sollen, ein untrennbares Ganzes bilden muffen.
Das Reichskabinett ist Montag nachmittag 4 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, in deren Mittelpunkt die Beratung der Maßnahmen zur Behebung der Not der Landwirtschaft steht. Wie wir erfahren, behandelt das Kabinett in diesem Zusammenhang die Frage der Aufhebung des Getreidezwischenzolles, dis ja auch trotz des Schwedenvertrages möglich ist, Im übrigen soll sich das Reichskabinett auch mit der Kündigungsformel des deutsch-schwedischen Handelsvertrages befassen, die in Anbetracht der Kürze der Zeit unumgänglich ge- worden ist. Im Verlauf der weiteren Erörterungen wird das Kabinett im Zusammenhang mit den Standardisiernngsplänen des Rsichsernährungs- ministers auch den Futter- und Eierzoll behandeln. Die übrigen Zollfragen sind im gegenwärtigen Augenblick, entgegen verschiedenen Nachrichten,
tert die Abstimmungen. Die Etats des Auswärtigen Amtes, der besetzten Gebiete und der Kriegslasten wurden in zweiter Lesung i) er ab« schiedest.
Vorstand, Ausschuß und Währungsausschuß des Zentralverbandes des deutschenBank- und Bankiergewerbes traten am Montag in B e r l i n zur Entgegennahme und Besprechung eines Berichts des Herrn Dr. Karl Melchior über die Vorschläge des Pariser Sachverständigen' Ausschusses zur vollständigen und endgültigen Regelung des Reparationsproblems zusammen. Hierüber teilt der Verband mit:
Bei der Beratung, die sich auf alle wesentlichen Punkte der neuen Regelung bezog, wurde der Tatsache Rechnung getragen, daß der Sachverständigenausschuß seine Aufgabe nicht nur als eine wirtschaftliche, sondern in gewissem Sinne auch als eine politische angesehen hat. Ungeachtet der Zurückhaltung, welche sich unter diesen Umständen die wirtschaftliche Berufsvertretung des Bankgewerbes bei einer Stellungnahme zu den Ergebnissen des Sachverständigenberichts auferlegen muß. hielt man es doch für geboten, folgendes zu betonen:
1. Die deutschen Sachverständigen haben bie lieber» nähme einer unbedingten Verantwortung für Verpflichtungen abgelehnt, die möglicherweise außerhalb der Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit liegen. Für die Entschlossenheit dieser Weigerung, welcher auch der Sachverständigenausschuß Ehre widerfahren ließ, gebührt ihnen um deswillen Dank, weil Deutschlands künftige Leistungsfähigkeit unberechenbar ist und nach wie vor in entscheidendem Maße von der Erzielbarkeit von Ausfuhrüberschüssen, damit aber von dem wirtschaftlichen Verhalten des Auslandes, insbesondere der Gläubigerländer, abhängig sein wird. Eine Finanzierung von Reparationszahlungen durch Ausländsanleihen — abgesehen von den ersten lieber« gangsjahren — kann ebensowenig im Sinne des Doung- Planes wie in dem des Dawesgutachtens liegen. Es sollte deshalb in den Befugnissen, die dieser Sachoerstän- ständigenbericht Deutschland in Ansehung des g e s chützten Teils der Jahresleistungen einräumt, von vornherein nicht ein Notbehelf erblickt werden, dessen Ausübung mit der Signalisierung einer bedenklichen Wirtschaftslage gleichbedeutend wäre, sondern ein Recht, welches Deutschland namentlich dann in Anspruch zu nehmen haben wird, wenn sich Voraussetzungen und Erwartungen als unzutreffend erweisen sollten, von denen der Sachverständigenausschuß, sei es bei bei*
Die politische Konferenz.
— Berlin. 25. Juni. (Eig. Meld.) Die „B. Z/ am Mittag meldet auf Grund einer Londoner In- formatton, daß die englische Regierung in Berlin und Paris habe mitteilen lassen, sie lege entscheidendes Gewicht darauf, die große politische Konferenz über die Liquidierung des Krieges auf der Grundlage des Pariser Sachverständigen-Planes nach London einzuberufen. Das Blatt nimmt an, daß die Konferenz im Juli zusammentreten kann.
wehr oppositioneller Angriffe gesagt hat, sondern wie er in nächster Zeit handeln wird. Sollte wirklich schon in wenigen Wochen die große Konferenz der Ministerpräsidenten, Außenminister und Finanzminister zusammentreten, so wird bis dahin der deutschen Diplomatie noch eine sehr schwierige und umfangreiche Vorbereitungsarbeit zufallen. Ohne diese Vorbereitung würde die Konferenz für Deutschland ähnliche Ueberra- schungen bringen können wie die letzte Septembertagung des Völkerbundes und ähnliche Enttäuschungen wie die Verhandlung der Minderheitenfrage im März. Es muß in aller Form feftgeslellt werden, daß wir erwarten, daß die Räumungsverhandlungen einen integrierenden Bestandteil dieser Konferenz bilden, und daß die Deutsche Regierung für die Liauidierung der S a a r f r a ge die Vorschläge der Gegenseite erwartet.
Die „Voss. Zig." schließt ihre Betrachtungen am Dienstagmorgen mit folgenden Worten: Dir außenpolitische Debatte im Reichstag hat wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Strese- mann, körperlich ein geschwächter Mann, hat die Macht des Geistes und die Macht der Idee sieg, reich erprobt. Er hat vor der deutschen Nation die Sache der Erneuerung schlagfertig, erfolgreich von innerer Ueberzeugung getragen, durchgefochten, und, wenn er auch nicht durch den Rundfunk zu den Ohren der Millionen hat dringen können, so wird doch das Echo an die Herzen rühren, man darf hoffen, nicht nur innerhalb der schwarzrotgoldenen Grenzpfähle, sondern weit darüber hinaus. Das Europa von gestern, dessen letztes Wort der Vertrag von Versailles war, ist tot. Das neue Europa beginnt zu leben.
Die „Berliner Morgenpost" sagt:
Stresemanns Rede war vom Anfang bis zun Ende eine wirkungsvolle Entzauberung des deutschnationalen Phrasenschatzes und eine Abrechnung mit chem Katastrophenpolitiker Hugenberg, wie sie vom Regierungstisch noch nie vernommen worden ist. J .
Hugenbergs Leibblatt, der Berliner Lokalanzeiger, Füchte sich für die scharfe Abfuhr, die fick der deutschnationale Sprecher von Stresemann gefallen lassen mußte, durch folgende Bemerkung zu revanchieren: Herrn Stresemanns „großer Tag/ ist vorbei. Er hat nicht eine Richtssagenheit weniger geäußert als erwartet: er hat nicht ein ernstes Argument mehr für den Young-Plan beigebracht, als bisher vorlagen, nämlich gar keine. Er Hw nichts widerlegt unb hat damit alles bestätig/, was von nationalen, von wirtschaftlichen, von politischen, von sachlichen und von sittlichen Gesichtspunkten dagegen vorgebracht wurde, daß wir uns anschicken, freiwillig drückendere Bedingungen zr
Nach her autzeapolitischen ReichStagshebatte.
Das Echo der Ltresemann-Rede. — Die Stellungnahme des Zentrums zum Houngplan. — Entschiedene Ablehnung der Zeststellungskommission. Eine zweite Rede des Außenministers. — Die Saarfrage.
Die Rede, welche der Außenminister Dr. Stresemann am Montag im Reichstage gehalten hat, sollte eine Rede über die au 6 enp o» liti fche Lage und insbesondere über „Paris" sein. Man erwartete gewisse Mitteilungen oder wenigstens Andeutungen über das, was Stresemann in Madrid und Paris mit den Führern der französischen Außenpolitik verhandelt hatte. Aber Stresemann sagte zu diesem Punkte nichts anderes, als daß er dazu nichts sagen könne und machte höchstens eine Andeutung über die Grenze des deutschen Entgegenkommens in der Sicherheitsfrage, die er mit den im Locarnovertrag gemachten Vereinbarungen festlegte. Diejenigen, die gerne politische Rätsel raten, haben jetzt Gelegenheit, Kombinationen zu veranstalten, indem sie das, was an Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollbestimmungen im Locarnovertrag vorgesehen ist, auf eine Linie bringen mit der von Briand noch gewünschten „Feststellungs- und Versöhnungskommission", die mögliche Rolle des Völkerbundrates dabei ventilieren und das Jahr 1935 als zeitlichen Grenzpunkt im Auge behalten. Vielleicht gibt es in diesem Rahmen mit den hier genannten Komponenten verschiedene Variationen. Unser Außenminister läßt alle Möglichkeiten offen, sie gegeneinander einzutauschen und nach Belieben auszuwählen. Die Hoffnung, Authentisches über dis außenpolitische Situation zu erfahren, ist also nicht erfüllt worden. Stresemann selbst sagte, daß er nicht dazu in der Lage sei, vor Beginn der großen Konferenz nähere Mitetilungen zu machen, wenigstens nicht vor dem Reichstagsplenum, da sonst das Ende der Konferenz schön da sei. Wir müssen ihm schon das Recht zu einer solchen Bemerkung zubilligen und uns in Geduld fassen. Je weniger unser Außen- v Minister über das aktuelle außenpolitische Thema | selbst sprach, um so mehr beleuchtete er die i n n e n- »politische, d. h. die parteipolitiiche Seite des M ganzer Problems. Er hat Dabei manches mutige und erfrischende Wort gefunden. Den Anlaß hatte ibm der von dem deutschnationalen Parteiführer Hugenberg vorgeschickte Graf W e st a r p gegeben, der völlig voraüsfetzungslos und unbeirrt von allen deutschnationalen Sünden und Sündenbekenntnissen >n der Vergangenheit einmal wieder den Poung Plan von dem „echt nationalen" Standpunkte aus betrachtete und ablehnte. Hugenberg selbst, der diese Opposition gewollt hatte, war nicht anwesend, um so mehr hatte er seinen Schildknappen O u a a tz instruiert, demagogische Zwischenrufe zu machen. Man war wahrscheinlich nicht darauf vorbereitet, Stresemann parteipolitisch so kampfeslvstig zu sehen. Vielleicht hat ihn die Skrupellosigkeit der Deutschnationalen gereizt, die frei von aller Logik und Konsequenz und offenbar auch wider besseres Wissen heute den Dawesplan in einer Weise gegen den Young-Plan auszuspielen suchen, daß man in der Tat sehr starke Nerven haben muß, wenn man über solche volksbetrügerische Demagogie mit verächtlichem Achselzucken nur hinwegsehen will. Der Krers Hugenberg hat in Zeitungsartikeln und Reden in den letzten Wochen ein solches Unmaß von Lügen und Hetzereien zusammengeknäuelt, daß man schon ein ausgesuchtes politisches Pblegma sein muß, wenn man darüber einfach zur Tagesordnung hinweggehen will. Stresemann hat diesen Leuten in seiner Rede nichts geschenkt, sein Vortrag war bewußt ein parteipolitischer Waffengang mit den Deutschnationalen, und wenn man ein Zeichen dafür haben will, wer dabei der Erfolgreichere geblieben ist, fo dars wohl der ostentative Auszug des deutschnationalen Abg. Quaatz aus dem Saal unter der goldenen Kuppel dafür genommen werden. Er hat das Kampffeld preisgegeben.
Mit bissiger Ironie zerpflückte Stresemann vor allem das Hugenberg'sche Schlagwort: »D u r ch d i e K r i s i s zur Freiheit!" An den Wirkungen des Ruhrkrieges zeigte er, wie ein solcher Verzweiflungskampf lediglich von der Masse des Volkes und dem industriellen und gewerblichen Mittelstände getragen würde, und wie die Besitzer der großen Sachwerte daraus ohne besonderen Schaden, vielmehr mit erheblichen Vorteilen hervorgehen. In solcher Situation ist es natürlich leicht, den nationalen Helden spielen zu wollen. Es ehrt Stresemann sehr, daß er dabei zugab, sich seinerzeit über die wirtschaftspolitischen Wirkungen des Ruhrabwehrkrieaes einer argen Täuschung hingeqeben zu haben. Dieses Bekenntnis gestattet uns heute die Schlußfolgerung, daß Stresemann selbst damals die Zustimmung zu einem Verzweiflungskampf aus nationalem Iedealismus gegeben hat. Diesen Idealismus gab es aber bestimmt nicht bei allen denen, die nach dem Abblaten des passiven Widerstandes bei der Reichskasse um Hunderttausende und Millionen Reichsmark betteln gingen und von den Führern der Deiatzungsarmee verlangten, daß sie den deutschen Arbeitern nunmehr die elf und zwölfstündige Arbeitszeit auferlegten. Die Leute um Hugenberg möchten das große Inslationsqefchäft vom Sommer 1923 noch einmal wiederholen und darum wünschen sie den Dawesplan zurück in der Hoffnung auf eine Transferkrise, darum haben sie das Scklaqwort geprägt: „Durch die Krisis zur Freiheit!" Daß das ein Schlagwort zur Täuschung der auf einfachen Lohn und einfaches Gebalt angewiesenen Mitläufer Hilgenbergs >st. zur Täuschung auch der großen Zahl derjenigen, die zum industriellen und gewerblichen Mittelstand gehören, das hat Stresemann am Montag mit einem bei ihm seltenen Mute aufgedeckt.
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aus, hält Deutschland fest.
In diesem Zusammenhang ist auf die englischen Pläne in Ostafrika verwiesen worden, die mit dem Mandatscharakter nicht vereinbar sind. Wir werden gegen solche Pläne die uns verfügbaren Mittel anwenden und hoffen dabei die Unterstützung derjenigen Staaten zu finden, die an dem Mandatssystem festhalten wollen. Die Beschwerden über zu kostspielige Repräsentationen unseres Auslandsdienstes gehen an der Tatsache vorbei, daß vielfach der Zwang zur Repräsentation aus dem Pflichtgefühl entsteht und aus dem Bedürfnis, gesellschaftliche Beziehungen zu denjenigen Schichten zu gewinnen, die in dem betreffenden Lande die politische Macht repräsentieren.
Die Saarfrage gehört zur Liqui-
Zu der ersten Rede des Reichsaußenministers, über die wir bereits gestern ausführlich berichten konnten, ist noch ergänzend zu berichten:
Zu der Frage der anläßlich der 10. Wiederkehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktats (am 28. Juni) geplanten Kundgebungen, bemerkte Dr. Stresemann,daß die bedeutsamste Kundgebung wohl die des Herrn Reichspräsidenten und des Reichskabinetts ist, und daß beide hierbei Veranlassung nehmen werden, in einer Weise, über die sich der Reichspräsident schon einmal in bezug auf diese Frage geäußert hat, zu der Frage Stellung zu nehmen. Ich habe niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ich es als eine rein für politische Zwecke zurechtgemachte Fassung des Friedensvertrages gehalten habe, wenn man davon gesprochen hat, daß auf Deutschland die Schuld fiele für alles das, was der Krieg mit sich gebracht hat. Niemals wird irgend jemand in Deuffchland anerkennen, daß auf Deutschland die Schuld der alleinigen Herbeiführung des Krieges irgendwie liege.
Der Widerhall in der Berliner Presse.
Die meisten Montagabend-Blätter der Berliner Zeitungen würdigten die Reichstagsrede des Reicksministers des Auswärtigen Dr. Stresemann vorerst nur in wenigen Sätzen und brachten erst in ihren Morgenausgaben am Dienstag längere Darlegungen und Kommentare. Zu denjenigen Blattern, die bereits am Montag abend mit einem Leitartikel zur Stresemann-Rede auf« warteten, gehört das „B. T.", das die Darlegung des Reichsministers des Auswärtigen als eine glänzende Kundgebung der realpolitischen Vernunft bezeichnet und mit Bezug auf die Form der Rede zu folgendem Urteil gelangt:
Bei aller Deutlichkeit, mit der der Außenminister gegen Hugenberg und die Deutschnationalen Stellung nahm, hat er, nicht weil er ein geschickter Politiker ist, sondern weil er ein Mann ist, dem im Gegensatz zu den Phrasen-Helden der Rechten bei seiner schweren Arbeit das Ziel der deutschen Einigkeit ipid der Befreiung des deutschen Volkes von den Folgen des verlorenen Krieges vorschwebt, einen innerpolitisch versöhnlichen Tön gefunden.
Die wichtigste Stelle im Kommentar der „Germania" lautet: Entscheidend ist nicht, was der Außenminister gestern im Reichstage zur Ab
Seine Rede ist eine innenpolitische geworden, was allerdings schließlich durch die Tatsache gerechtfertigt ist, daß er seinen Etat zu begründen hatte.
Daß Stresemann aus den Erfahrungen des Jahres 1923 gelernt hat, konnte von dem Redner des Zentrums, U l i tz k a, mit Befriedigung unterstrichen werden. „ Mr das Zenrrum ist es heute eine Genugtuung," so sagte er, „daß der Reichsaußenminister die Wege der Außenpolitik, die wir vor Jahren bereits gewiesen haben, nunmehr gegen die Angriffe der Rechten verteidigt." Gewiß, auch in diesem Sinne möchten wir die Darlegungen Stresemanns als recht zeitgemäß und erfreulich anerkennen.
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In der außenpolitischen Debatte in der Reichstagssitzung am Montag ergriff nach dem sozialdemokratischen Abg. Dr. Breitscheid der Abg. Ulitzka als Sprecher des Zentrums das Wort. Er führte u. a. aus: Die Deutschnationalen haben den Poung-Plan abgelehnt, ehe sie ihn überhauptkannten. Kritik ist berechtigt, aber sie darf nie so weit gehen, daß die Ehrlichkeit derjenigen in Zweifel gezogen wird, die anderer Ansicht sind. Das Ergebnis der Pariser Verhandlungen ist für uns e?ne schwere Enttäuschung. Angesichts der schweren Belastungen, die auch der Young-Plan uns bringt, kann seine Annahme für uns immer nur eine bedingte Zusage sein, bedingt durch die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit. Wir müffen die Pariser Verhandlungen beurteilen im Zusammenhang mit der ganzen weltpolitischen Lage. Wenn oer Young-Plan den Anfang darstellt zu einer wirklich vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und seinen früheren Kriegsgegnern, dann können wir eine andere Stellung zu ihm einnehmen, als wenn es sich einseitig nur um eine Aenderunq der deutschen Zahlungsbedingungen handelte. Wir müssen klaren Bescheid verlangen über die Stellung der Mächte zur Rheinlandräumu ng. Erst wenn diese Klarheit geschaffen ist, können wir über den Young- Plan entscheiden. Wir Haben schon beim Abschluß des Locarno-Vertrages die Aufhebung der Räumung als selbstverständliche Folge unserer Konzessionen betrachtet. Diesen Anspruch müssen die Besatzungsmächte jetzt formell anerkennen, und sie dürfen nicht neue Bedingungen aufstellen wollen.
Wir verlangen die Rheinlandräumung gratis und franko und nicht per Nachnahme. Eine neue Kontrollkommission unter irgendwelchem Namen kann für uns nicht in Frage kommen. Sie würde zu einer Art Polizeiaufsicht über das Rheinland werden und dadurch gerade das Vertrauensverhältnis, das wir erstreben, nicht aufkommen lassen. Wir erhoffen nach der Räumung eine Wiedergesundung der Grenzgebiete des deutschen Westens, bitten aber dann auch, den deutschen Osten nicht zu vergessen. Bei der Liquidierung der politischen Kriegsfolgen darf eine beschleunigte Rückgabe des Saargebietes nicht vergessen werden. An der deutschen Gesinnung der Saarbevölkerung wird auch Frankreich kaum noch zweifeln. Das Recht der Minderheiten muß besser als bisher im Völkerbund gewahrt werden. Die Beschwerdender Minderheiten werden jetzt im Völkerbund nach einem wohldurchdachten System von Drahtverhauen abgedrängt und begraben. Die Minderheitenfrage darf nicht mehr von der Tagesordnung des Völkerbundes verschwinden.
Die zweite Rede Stresemanns.
Gegen Ende der außenpolitischen Reichstagsdebatte nahm Reichsaußenminister Dr. Stresemann noch einmal das Wort. Er knüpfte daran an, daß im Laufe der Aussprache von verschiedenen Rednern auf das Memorandum von 1924 hin gewiesen worden sei, in dem betont wird, daß Deutschland auf den Anspruch auf eigene Kolonien nicht verzichten kann.
„An dem Anspruch auf Rohstoffquellen in Kolonialgebieten unter eigener Verwaltung, so führte der Redner u. a.
dierung der Kriegsfolgen ebenso wie die Rheinlandräumung. Kein Franzose wird sich unklar sein über den Ausgang einer Volksabstimmung im Saargebiet. Die Bevölkerung war deutsch, ist deutsch und wird deutsch bleiben. Es wird bald die Zeit kommen, wo die deutsche, die französische und andere Wirtschaften einen Weg suchen müssen, um sich zu erhalten gegenüber einer Konkurrenz, der wir alle unterlegen sind. .
Nachdem noch die Vertreter kleinerer Parteien gesprochen hatten, schloß die Aussprache, Es folg-
Einschätzung wirtschaftlicher Entwickliingsmöglichkeiten, sei es bei der Beurteilung der praktischen Auswirkung seiner technischen Vorschläge ausgegangen ist.
2. Mit die wesentlichsten Bedenken, welche das deutsche Bankgewerbe vor fünf Jahren gegen die Annahme des Dawesplanes geltend gemacht hat, betrafen die Unterstellung der wichtigsten Gebiete des deutschen Geld-, Finanz- und Verkehrswesens unter ausländische Kontrollorgane. Das Bankgewerbe begrüßt deshalb die in Aussicht genommene Beseitigung dieser Organe aufs Lebhafteste." Gleichzeitig aber kann es nicht dringend genug betonen, daß mit der Befreiung der Reichsbank von ausländischem Einfluß keinesfalls eine Beeinträchtigung der Garantien verbunden fein darf, durch welche das geltende Bankgesetz die Unabhängigkeit der Zentralnotenbank gegenüber der Finanzverwaltung des Reiches sowie gegenüber sonstigen politischen Gewalten und wirtschaftlichen Interessen im In- , «“ö"1"““, a-"»--'
land sichergestellt. Nur so kann das unbedingte Ver- | aber noch nicht akut.
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Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.