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©er Abenteurer.

Von D. Whitelow.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deutsche» Rechte bei Grete von Urbamdlv, Wien.

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Erst als das Morgengrau in meine Stube zu dringen begann, verfiel ich in wirklichen Schlaf und erwachte erst gegen Mittag. Ich sprang aus dem Bett, öffnete das Fenster und blickte hinunter in die Rue Jacob und hin- weg über die Dächer der Abtei, bis dorthin, wo die Zwil­lingstürme von Saint Sulpice sich wie grimme Schild­wachen gegen den fleckenlos blauen Himmel erhoben. Noch immer schien mir über allem jener tödliche Druck zu lasten, jenes Vorgefühl des Unheils, das ich am Abend zuvor so deutlich gehabt hatte, als ich durch die Straßen der Stadt irrte, und dann, als ich schlaflos in meinem Bette lag. Die Leute, die unter mir auf der Straße hin und her gingen, schienen etwas Verstohlenes an sich zu haben . . . von irgendwo in der Nähe kam es wie das Murren einer großen Volksmenge ... Ich sagte mir, daß das ungewohnte Treiben der großen Stadt meine Nerven zerstörte, daß die Muße des Fischens und das ge­ruhsame Leben, umgeben von den sonnigen Matten Lan- chons, eine schlechte Vorübung für ein Unternehmen wie das meine war.

Nachdem ich in meinem Gasthof gefrühstückt hatte, machte ich mich sofort auf den Weg in der Richtung nach der Rue de Francs. Vielleicht hegte ich in meinem Innern den noch ungeformten Gedanken, daß ich keine Zeit zu verlieren habe, wenn ich mit meinem Beistand zurecht kommen wolle. Ich sah das Mädchen inmitten einer schwelenden Brutstäte des Grauens, einen zarten kleinen Schmetterling, in den Maschen eines Netzes tie- rischer Leidenschaften gefangen. Paris hatte wahrhaftig meine Nerven zerstört.

Es war am Ende der Rue des Cordeliers, wo meine schlimmen Ahnungen zuerst eine Bestätigung erfuhren, wo ich zum ersten Male einen Einblick in das Grauen der Schreckensherrschaft gewann. Ich war zur Seite getreten, um eine kleine Gesellschaft — ich dachte zuerst.

es sei ein Hochzeitszug — an mir vorbei zu lassen. Von dem Torweg, wohin ich mich zurückgezogen, sah ich, daß der Zug aus sechs Kutschen bestand, die von einer Schar Bewaffneter eskortiert wurden.

Die Bewaffneten waren, wir mir einer der Zuschauer sagte, Föderierte aus Marseille, und ihnen hatte sich eine Menge Vorstadtpöbel angeschlossen, der gegen die Insassen der Kutschen augenscheinlich alles eher denn freundliche Gesinnung hegte. An einem der Kutschen­schläge bemerkte ich das bleiche Gesicht und das schwarze Barett eines Priesters. Mein Gewährsmann sagte mir, daß es Geistliche wären, die den Eid auf die Verfassung verweigert hätten, und daß sie aus dem Hotel de Ville, wo sie die Nacht zugebracht hatten, nach der Abtei über­führt wurden. Als der Zug vorüber war, folgte ich nach, einem unbestimmten Drange nachgebend.

Die Menge, die schon in der Rue des Eordeliers groß gewesen war, schwoll, während sich die Kutschen durch die engen Gassen hindurch bis in den Hof der Abtei wanden, immer mehr an. Auf diese Art wurde ich Zeuge des ersten Ausbruches jenes abscheulichen Gemetzels, das seither unter dem Namen Septembermorde bekannt ge­worden ist.

Ich habe nie zu denen gehört, die einen Hang zum Grauenhaften ober Bizarren verspüren: mein Wesen hat nichts krankhaftes an sich. Und doch war ich während der ersten fünf Minuten in einem seltsamen Banne; bann überkam mich ein Gefühl des physischen Ekels, bas ich nie im Leben vergessen werbe. Nur noch ein­mal nachher hatte ich ein ähnliches Gefühl, bamals, als ich Zeuge bes Ertränkens in ben eisigen Wassern der Loire wurde . . . doch darüber zu seiner Zeit. Viel Was­ser sollte noch unter dem Pont Neus fliehen, ehe jener Schreckenstag anbrach.

Hier, in Gottes friedvollem Lande Devon, wo her Duft der Gärten und das Summen der Bienen mich erquickt, brauche ich nur die Augen zu schließen, um von neuem das unaussprechliche Grauenvolle vor mir zu sehen, dessen Zeuge ich an jenem Sommernachmittag in Paris wurde, ich höre von neuem das Gejohle des trunkenen Pöbels, der die Diener des Höchsten aus ihren Wagen riß und zerfleischte, in meiner Nase ist von neuem der Geruch frisch vergossenen Blutes. Ich will deine Seele nicht mit der Schilderung der Ereignisse quälen,

gOl.nla jn 1029. Ü N ~

Da? Fest des hl.Johannes desTäufers

Von Goerge.

Die Gestalt Johannes des Tästfers trat in der hl. Schrift den ersten Christen greifbar und pla­stisch vor die Augen. Er wird ausdrücklich bezeich­net als die bedeutendste Person des Alten Testa­mentes. Schon bei seiner Geburt war, er durch die Sehergabe seines Vaters Zacharias als Pro­phet und Vorläufer des Messias bezeichnet worden, aus dem Munde des Herrn hatte er die Anerken­nung höchster Heiligkeit erhalten. Nichts an Weltseligkeit und Paktieren ging durch seinen Cha­rakter, das Ganzanderssein als tue Welt kennzeich­net ihn, er ist kein Schilfrohr, kem Weichling. Cha­rakterstärke, Ausharren und ganze Entschlußfestig­keit ist sein Merkmal, vom Heiland selbst bestätigt. Daher war es ganz von selbst gegeben, daß seine Verehrung und sein Fest schon ftnh in der Kirche begangen wurde. Seine Gestalt sollte immer wie­der Hinweis sein auf den Heiland und Erlöser, seine Tugenden Anfeuerung zur Nachahmung wer­den.

Als Tag der Festfeier wählte man den 24. Juni. Der Anlaß zu diesem Datum war aber nicht die Gewißheit über den Geburtstag, sondern nach Ein­führung des Weihnachtsfestes im 4. Jahrhundert war der Tag von selbst gegeben, da der Evangelist Lukas zwischen der Geburt des Herrn und der des Täufers 6 Monate verfließen läßt. Der hl. Augu­stinus führt auch gleich als mystischen Grund an, die Geburt des Johannes fiele in die Sommersonnen­wende, wo die Sonne ihren höchsten Punkt über­schritten und sich weiter wieder entfernt, weil der letzte der Propheten geboren sei.

Es fällt nun gleich auf, daß außer dem Ge­burtstag des Herrn und seiner Mutter nur noch bei Johannes dem Täufer der Tag des Eintritts in die Welt gefeiert wird, sonst wird nur bei den Hei­ligen der Tag ihres Todes, des Eintrittes in die ewige Heiligkeit, festlich begangen. Die innige Be­ziehung unseres Heiligen zum Heiland hat dies be­wirkt, der erhabene, alles überragende Augenblick des Eintritts Christi in die Welt soll aufs Neue der Seele vorschweben und ihr immer wieder ent­gegenrufen, daß mt Christi Geburt eine neue Aera für die Welt angebrochen ist.

In den ältesten uns erhaltenen Kirchenkalendern ist das Fest Johannes des Täüfers noch nicht er­wähnt, aber in dem ältesten Kalendarium der afri­kanischen Kirche ist es bemerkt, wird von der Sy­node zu Agde schon 506 zu den christlichen Fest­tagen gezählt, an welchen alle Gläubigen dem Gottesdienst in ihren Pfarrkirchen beizuwohncn hatten. Vom hl. Augustinus besitzen wir 7 Predig­ten auf dieses Fest, und er bezeugt ausdrücklich, daß es durch die Tradition der Vorfahren geheiligt fei. In der römischen Kirche hat es schon im Leo- nischen Sakramenten eine Vigilseier, die mit Vigilfesten verbunden war. Es wurde sogar wie Weihnachten mit drei Meßformularen ausgezeich­net, was allerdings später wieder wegfiel.

Im ganzen Mittelalter und auch setzt ist der hl. Johannes wegen seiner sündelosen Geburt, seiner . unentweihten Jungfräulichkeit, seiner wunderbaren Demut und seiner heldenmütigen Selbstverleug­nung ein Gegenstand allgemeiner und ungemesse­ner Verehrung geblieben. Es zeigt sich schon daran, daß kein Taufname so häufig ist als der Johannes des Täufers. Bei den germanischen Völkem wurde er besonders beliebt. Mit Zähigkeit hielt das Volk an den liebgewordenen heidnischen Gebräu­chen und Festfeiern lest. Die christlichen Missionäre rotteten nun die Gebräuche nicht mit Stumpf und Stiel aus. Sie wußten, wie in den Festfeiern ein hoher erzieherischer Wert steckt, daß das bloße Da­

sein christlicher Feste schon eine Glaubensfchule ist. Der Mensch, wie er ist, ist der nicht-religiösen Viel­geschäftigkeit und der Macht der Ablenkung ausge­liefert, er ist in Gefahr, allmählich sein Glaubens­bewußtsein zu verlieren, gleichwie ein Licht ohne Nahrung erlischt. Die Feiertage führen dem Glau­ben wieder Nahrung zu. Die Hast des Alltags macht weiter der Ruhe und Besinnlichkeit Platz, die Zeit steht gleichsam still und läßt das Ewige leichter zum Durchbruch kommen. Endlich sollte an diesen Feiertagen edle Freude aufkommen, so waren sie ausgefüllt mit gottesdienstlichen Hand­lungen fröhlicher Art. Die christlichen Missionäre bogen nun das Heidnische ins Christliche um. Um die Sommersonnenwende wurde nun in den ger­manischen Ländern der Kultur des nordischen Licht­gottes Baldus gefeiert; da flammten auf den Ber­gen die Feuer auf, die Lichtgestalt des Gottes wurde gefeiert, der den Menschen dem Verderben entreißt. Das Christentum wählte die erhobene Ge­stalt Johannes des Täufers, um Baldur zu ver­drängen. Und wenn auch in den Neubekehrten dann noch eine Zeitlang der Gedanke an Baldur

fortlebte, so war doch die Ergriffenheit im christ- I liehen Gottesdienst allmählich so stark geworden, daß Johannes der Täufer immer mehr das Be­wußtsein ausMlte und christlich gestaltete. Für das Johannesfest haben sich so eine Menge von feierlichen Gebräuchen erhalten, welche ursprüng­lich heidnischen Charakter trugen, und die der deutsche Geist bereitwillig auf den hochverehrten Täufer übertrug. So flammen an verschiedenen Punkten Iohannesfeuer auf oder auch in verschie­denen Gegenden werden die Brunnen geschmückt. Ihren Grund haben diese Gebräuche in der Son­nenwendfeier, aber niemand sieht etwas Heid­nisches darin

Die bildende Kunst hat mit hoher Begeisterung Johannes den Täufer immer zu verherrlichen ge­sucht. Namentlich erscheint seit dem frühesten Mit­telalter bei der Darstellung des verherrlichten Hei- landes der hl. Johannes regelmäßig neben der hl. Jungfrau als Zeuge und Teilhaber der Glorie Christi. Bekannt find ebenso die wunderbaren Bilder, in denen Jesus und Johannes als Kinder

I zu Füßen der Gottesmutter erscheinen.

Rund um die Woche.

Die stetige Natur. — Völkerbund und Stierkampf, Kino und Kunst. — Lebensweisheit. Das Such einer Dreizehnjährigen.

Kaum sechs Wochen sind es her, da war es I noch hundekalt. Und heute beginnt der Roggen | schon weiß zu werden. Die Kerzen auf den Ka­stanienbäumen sind verlöscht, und was eben noch wundervolle Blüte war, setzt nun Stacheln an, wahrscheinlich um sich den Menschen mehr anzupas­sen. Aus dem Markt kann man schon Kirschen kau­fen, und die Sonne tut ihren Dienst, obwohl manche Gelehrte sagen, sie werde nächstens in sich zusammenfallen, und die Stürme brausen, und die Hagelwetter klatschen auf die Dächer, und die Wolkenbrüche gehen nieder. Das ist die Natur, die blüht und welkt, die immer groß ist und lieb und furchtbar, heute mehr als früher ein Gegensatz zum Menschen und dem Schachbrett seiner Organi­sationen und Parteien, in die er das Leben verlegt hat.

Und doch kann man das nicht. Auch im Men­schen bleibt ein Stück Natur lebendig, und es sorgt schon dafür, daß wir nicht zu Nippsachen erstarren oder daß die Krankenkassen nicht nächstens von Staats wegen alle ihre Mitglieder in Watte ver­packen oder daß der Völkerbund jede Minderheit in ein Puppenwägelchen legt und sie von eigens dazu ausgebildeten Gouvernanten spazieren führen läßt. O ja, der Völkerbund! Endlich hat er den Ort ge­funden, an dem er eigentlich ständig tagen sollte, nämlich die Arena der Stierkämpfe. Oder sind sie nicht vertrauensvoll nach Madrid gekommen, all die Unterdrückten, die man mit Versprechungen ge­füttert hat, wie Ochsen, die man schlachten wird? Und bann sind sie in die Arena einmarschiert — et, wie so ein Bulle brüllt vor Daseinsfreude in der Witterung der großen Freiheit. Und dann kommen die Torreros von Diplomaten. Und das ist der gefeierte Mütador, der sie am besten ab­sticht. Bravo, Herr Briand! Ganz famos! Ein Stich, und der riesige Bullen wälzt sich in seinem Blut. Natürlich sind wir Deutschen die Leidtra­genden. Unsere Minderheiten werden da erledigt. Aber hütet euch, daß ihr nicht gerade dadurch Deutschland eine Chance gebt. Geschlagene Hunde rotten sich gern zusammen, und schließlich smd ihrer viele ... Schon beginnt die Völkerwanderung der Getretenen nach Berlin. Erst kam Aman Allah,

und nun König Fuad, und sie werden alle kom­men, alle, auf die ihr den Fuß des Welteroberers gefetzt habt. Was ihr da immer an eurem Rats­tisch, den ihr mitschleppt, wie die Israeliten die Bundeslade (sind leider nicht die zehn Gebote darin) — ausheckt, Rechenexmpel sind das alles zu­sammen. Und ein Rechenexempel ist die Repara­tionsbank, und ein Rechenexempel eure ganze Weltherrschaft. Habt ihr in den Kalkül auch die Erdbeben eingesetzt, die Wolkenbrüche, die Hagel­schauer, den ungebrochenen Rest der Natur, die eines Tages aus euch pfeifen wird, wie jener Kaiser Heinrich auf die Ungarn gepfiffen hat, als er ihnen statt des Tributes einen räudigen Hund schickte? Die Welt wäre zum Frieden reif, aber ihr täuscht euch, wenn ihr glaubt, sie werde auf die Dauer einen Frieden ertragen, der die Schwachen und Minderen an die Galeere fesselt . . .

Es kehrt alles zu seinem natürlichen Ursprung zurück. Da haben wir nun das Kino, das in drei­ßig Jahren aus einer ßaterna Magica zu einem Riesenschauspiel geworden ist. Man trieb es im­mer weiter, immer weiter vom Menschen weg in die Technik hinein. Man glaubte schließlich, es könne an die Stelle des Theaters treten, und zuletzt ist man so weit gekommen, daß die Figuren nicht nur erscheinen, daß sie auch sprechen und tönen und die Menschenähnlichkeit so wett darstellen, daß man wieder anfängt, sich nach wirklichen Menschen zu sehnen. Dann wird das Theater wieder in Schwung kommen, das Kino aber die Rolle über­nehmen, die ihm in Wirklichkeit zusteht. Stelle die besten Grammophone auf und laß die feinste Blechmusik spielen. Es kommt nicht heran an das Lied, das eine Volksmasse, die für ihre Ideale be­geistert ist, durch den abendländlichen Frühling er­schallen läßt. Die bleibt Blech. Was aber natür­lich nicht hindern soll, daß wir aus Blechmusik und Kino und Radio so viel machen, als immer möglich ist. Bleibt das alles mit dem lebendigen Menschen verbunden, dann erfüllt es seinen Zweck. Aber als Menschenersatz taugt es nichts. Es hat so viele Seele, als eben das Zeitalter Seele hat. Sie aber wohnt ewig in des Menschen Brust, und

es würde keinem ernst Liebenden etnsallen, da. Flimmerbild auf der Leinwand zu umarmen, aua wenn es der verlockendste Star ist.

Jeder Mensch kommt einmal in die Versuchung an Gespenster zu glauben oder Spiritist zu wer­den oder Anthroposophie zu studieren. Ich frage diese Angehörigen hysterischer Sekten immer nur ob sie noch gut schlafen können. Solange das der Fall ist, kann man sich und sie beruhigen. Braucht s aber Schlafvulver, Mensch, dann gib Acht. Kommt s von der Philosophie, dann taugt diese Philosophie nicht. Kommt's von den Steuern, dann sind die Steuern zu hoch. Kommt's von Gespenstern, dann bleib vom Kirchhof weg. Kommt s vom ?°kuttts- mus, dann gib dem Medium eine Ohrfeige. Nur wenn's von Verliebtheit kommt, dann weiß ich kei­nen Rat, es fei denn der, daß du dos Schlafpulver mit kalten Duschen vertauschst. Die leisten da viel mehr, als die süßeste Nachtigall. d,e endlos seufzt. Ich bin für jede Mystik zu haben, nur will ich da- bei mit beiden Füßen auf der Erde stehen. Ach, daß die Mens-sten doch aufhören wollten, den Tew fei und ich weiß nicht was, da zu fehen, wo einfach nur die Verdauung in Frage kommt. Tu auch me etwas in Ueberreiztheit. Warte, bist du wieder vernünftig bist, und dann zeichne meinetwegen Reichsanleihe oder vollführ sonst irgendeinen Streich. Einmal muß man sich die Gespenster vorn Halle schaffen, und dann sieht man em, mit welch einfachen Mitteln Politik gemacht wird. Auch Vaterland will ich nur mit gesunden Sinnen sagen, ohne jede Hysterie und mit ruhigem Wissen darum, daß sowohl in Oberschlesien wie auch im Saar- aebiet für allerlei Menschen da das Vaterland ist, wo ihre Aktien liegen. Na ja, das hat einer der Redner auf der großen Tagung der Saarvereme in Münster deutlich genug ausgesprochen.

Ein interessantes Buch hat da eine Dreizehn­jährige geschrieben, natürlich eine Amerikanerin, und es soll wahr sein, daß sie es geschrieben, das nun übersetzte Buch: „Zwischen Siebzehn und Zwanzig". Da ist gewiß manches Kindliche dann, aber doch auch sehr viel urgesunde Natur: „Vor allem anbern", so beginnt es, „ein wichtiges Wart: Die Jugend bleibt sich immer gleich, ob sie von gestern, von vorgestern oder vor einer Million von Jahren ist. Das junge Mädchen der Vorzeit, das sich mit seinem tapferen Kriegsmonn abends am Dinosaurierteich verabredete, war, in den Augen seiner Eltern, auch eine Ausgestoßene, ein Pana, genau wie ein modernes Mädel, das sich mit einem jungen Freund im Gasthaus trifft und um 4 Uhr morgens nach Hause kommt — etwas muhe vom Tanz und von zwei Whisky-Sodas, die vor den bewundernd anhörenden Freundinnen zu fünf und sechs aufgebauscht wurden." Das Buch läßt Ab­gründe fehen, gewiß, aber es kündet auch von den unvergänglichen Kräften der Natur. Und ist diese Generation rebellisch, wie die Dreizehnjährige meint, nun, so wird die nächste wieder rebellisch gegen die Rebellen sein, und alles ist wieder gut ... Nein, die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Hoffst du nichts mehr von den Jungen, so warte auf die Jüngsten: „Diese Jüngsten werden, wie ich glaube, das beste und ruhigste aller jungen Ge- schlechter bilden... Sie find die zweite Genera­tion seit Beginn planmäßiger Säuglingshygiene . . Augen, Zähne, Füße, Lungen, Haut, Gewicht, Rachen werden von Kinderärzten regelmäßig un­tersucht und in bester Verfassung gehalten . . . Also, Hilserding, verzweifle nicht! Warte, bis du Großvater bist, und die die Söhne verschmähten, deine Enkel werden die Reichsanleib- ae^ik zeich. nen . . . Ich dann auch . . .

Der Mann im Monde.

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Wer Euch sagt, daß Ihr anders reich werden könnt, als durch Arbeit und Sparsamkeit, der betrügt Euch, der ist ein Schurke.

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die sich an jenem zweiten September im Hofe der Abtei in Paris zutrugen. Es gibt Bücher genug, in denen du, sofern du Lust dazu hast, die Geschichte jener Zeit nachlesen kannst. Die Historiographen pflegen die Emp­findungen ihrer Leser nicht zu schonen, und ihre Fe­dern sind geschickter als die meine. ... Außerdem war es nur ein Augenblick, der mich dort festhielt; dann kam mir das Bewußtsein, daß ich keine Zeit zu verlieren habe, und ich eilte sofort nach der Rue des Francs.

Das Haus des Bürgers Berkays, in dem Marie wohnte, lag am Ende eines Hofes, fern von dem Strome des Verkehrs, der zu jeder Stunde des Tages in der geschäftigen engen Rue des Francs flutete. Es war ein hübsches Häuschen und in Gabriel Berkays lernte ich einen ehrenwerten Mann kennen, der bei allem Glau­ben an die Dogmen der Revolutton deren nicht oer- geflen hatte, denen er in früheren Zeiten Achtung ent­gegengebracht hatte. Dem Bürger Berkays hatten wir es, wie ich hörte, zu verdanken, daß Lacroix die Be­förderung des Briefes übernahm, jenes Briefes an Gaspard, der mich zu meinem eiligen Aufbruch nach Pa­ris bestimmt hatte.

Von diesem Manne hörte ich auch einiges über di» Tragödie, die über die unglückliche Familie Tabouret hereingebrochen war. Eines Morgens erschienen ganz plötzlich die Schergen des Ausschusses und führten Ma­riens Onkel fort, ohne daß er seinen Angehörigen auch nur ein Abschiedswort sagen durfte und ohne zu wis­sen, welches Verbrechens man ihn bezichtigte. Mariens Vater befand sich damals auf seinem Schlosse in der Bre­tagne und war vorderhand in Sicherheit. Direkte Be­weise schienen gegen den Verhafteten nicht vorzuliegen: doch Berlays zuckte die Achseln.

„Was wollen Sie, Bürger Vernier," sagte er, „ist es nicht genug, daß der Herzog von Braunschweig vor Pa- ris liegt? Es ist keine Zeit zu verlieren."

„Und Mademoiselle Marie?"

„Die Bürgerin Marie wollte ihrem Oheim ins Ge­fängnis folgen. Sie bat sehr, daß man es ihr erlaube: aber Johanna, meine Schwester, und Mariens alte Amme brachten sie hierher." Der Biedermann hielt inne und sah sich verstohlen im Zimmer um, mehr aus Gewohn­heit, wie es schien, denn aus wirklicher Furcht. „Man

ist nicht sicher, Bürger ... in den Gefängmssen vor Paris."

In der Art, wie Berlays diese Worte hervorbrachte lag eine furchtbare Bedeutung. Ich mußte an di« Szene im Hofe der Abtei denken, deren Zeuge ich vor kurzem gewesen.

„Was meinen Sie damit?" fragte ich.

Einen Augenblick zögerte der Mann mit der Ant­wort. Ich konnte fehen, daß er in feinem Inneren er­wog, wieviel er von dem, was er wußte, einem Fremde» anvertrauen durste.

„Werden Sie Mademoiselle sofort von hier wegbrin- gen, Bürger?"

„Aus Paris?"

Er nickte.

„Aus Frankreich, Bürger. Hier ist ihres Bleiben, nicht, weder in der Stadt noch auf dem Lande. Nehme« Sie das Fräulein mit nach Lanchon, Monsieur Armand, und hernach, wenn sich die Sage nicht ändert, nach Eng­land."

Ich lachte mit einiger Bitterkeit. Ein sauberer Be­schützer, Maurice Mannering, für ein Mädchen wie Ma­rie Tabouret, in ^England. Was wohl mein Onkel Gott­fried dazu sagen würde, wenn ich in Meadow Eros: auftauchte, mit diesem zarten Kind Frankreichs am Arm' Wie er wohl meine Geschichte aufnehmen würde? Ir Lanchon hingegen konnte ich mir die Sache eher vorstellen Die Rosengärten und die stillen Wasser des Schloß­grabens würden nur um so schöner sein durch ihre Ge­genwart. Ich sah im Geiste ihre anmutige Gestalt durch die Laubengänge wandeln, sich über die Blumenbeete neigen, den Pfau auf der Südmauer necken . . . gewiß eine erfreulichere Gesellschaft für mich beim Abend taffee als der Notar David Gautier.

„Das ist leichter gesagt als getan," antwortete ich endlich.

„Und doch, es gibt Wege."

„Für diejenigen, die mit den Machthabern gui Freund sind," antwortete ich bitter. „Ich höre, daß di« Barrieren gesperrt sind und daß sogar der Fluß vor Polizeibooten bewacht wird."

„Man kann trachten, von der Bezirksbehörde eine» Paß zu bekommen!"

(Fortsetzung folgt.)