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Nr. 143.

Zulvaer Zeitung (Amtliches Ureisblatt).

Samstag, -en 22. Iuni 1929.

das das

we- aus

Wichtiger ist aber der

Gebietszuwachs,

den unsere seither sehr kleine Diözese erhält: Kommissariat Heiligen st adt und Dekanat Erfurt.

Das Kommissariat Heiligenstadt umfaßt im sentlichen das Obereichsfeld und besteht 9 Dekanaten, 75 Pfarreien und 12 Kuratien.

Der Eesamtzuwachs an Gläubigen beträgt dem­nach 120 780: anderen Diözesanenverwaltungen werden 22 975 Katholiken zugeteilt, sodaß sich die Zahl der Diözesanangehörigen um 97 809 von 224175 auf 321 984 — also um mehr ein Drittel — vermehrt. Die Diözese Fulda wird durch diese Ver­änderung. die v i e r t k l e i n st e Diözese, hinter Eichstädt, Hildesheim, Meißen; bisher war sie die drittkleinste.

An männlichen Ordensniederlassungen bestehen in den neuen Gebieten je ein Franziskanerkloster in D i n g e l st e d t und am Hülfensberg, so­wie eine Niederlassung der Schulbrüder in Erfurt.

Bei der Uebernahme der neuen Gebiete wird den dort tätigen Geistlichen eine Frist gestellt wer­den, ob sie mit ihren Seelsorgbezirken zur Diözese Fulda übertreten wollen oder in ihren alten Diö­zesen bleiben wollen. Die Franziskanerniederlas­sungen im Eichsfeld, die der Sächsische n Or - densprooinz angehören, dürften wohl, da alle Niederlassungen der Diözese Fulda zur Thüringi­schen Ordensprovinz gehören, ebenfalls dieser Pro­vinz zugeteilt werden.

Sehr wahrscheinlich werden der Diözese noch größere Diasporagebiete zugeteilt werden. Man rechnet damit, daß später ganz Thürin­gen zu Fulda kommt. Hildesheim und Mei­ßen wollen ihre Bezirke abtreten: nur Würz­burg möchte Sachsen-Meiningen weiter betreuen. Cs wäre aber zweckmäßig, wenn Thüringen einer einheitlichen Verwaltung unterstellt würde.

Da Waldeck jetzt staatsrechtlich zur Provinz Hessen-Nassau gehört, glaubt man, daß auch die kirchliche Verwaltung, die jetzt der Diözese P a-

Der Abenteurer.

Bon D. Whitelow.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

illle deutschen Rechts bei Stete von Urbanitzkv Wien.

13s ----------

"Ich bin hier, um Ihnen Antwort auf Ihren Brief zu bringen, Bürgerin, auf Ihren Brief nach Lanchon."

Ihre Antwort glich einem Flüstern.

„Auf meinen Brief nach Lanchon?" Und als ich nickte, fuhr sie fort: „Aber warum ist Gaspard nicht selbst ge­kommen? Meine Angelegenheit ist nicht von der Art, daß man sie einem Zweiten anvertrauen kann."

Ich schritt ihr zur Seite.

„Vielleicht werden Sie mir doch vertrauen, Made- mosielte. Ich kann im Gehen zu Ihnen sprechen; es ist nicht klug, hier stehenzubleiben, wo ganz Paris uns sieht. Gaspard Vervier ist seit vielen Monaten tot. Ich wun­dere mich, daß Lie das nicht wußten. Ihr Onkel? . . ."

Ueber ihr Gesicht flog ein leises Erröten.

„Mein Onkel hat Gaspard nicht gekannt . . . Wollen Sie mir nicht sagen, wie er starb?"

Ich war daran, irgendeine Lüge zu schmieden, sagte mir aber in mciixm Herzen, daß dies keine leichte Sache war. Einem stumpssinnigen Trinker wie David Gau­tier etwas vorzulngen, war keine Kunst; wie anders aber, wenn ein unschuldiges kleines Gesichtchen, wenn zwei große, braune Augen, der Urquell aller Wahrheit selbst, öu einem aufblicken und jedes Wort, das man spricht' gläubig einsaugen. Aber der Zeitpunkt war für Gestand' niste nicht geeignet, und es blieb mir nichts anderes übrig, als meine Geschichte zu erzählen.

Und lch habe sie, wie ich glaube, gut erzählt. Wenig- stens bemerkte ich keine Anzeichen von Mißtrauen in Ma­riens Gesicht. Ich erzählte ihr, wie mich die Nachricht von Gaspards Tod in den Wäldern Kanadas erreicht und wie ich mich nach lleberroinbung zahlreicher Verzögerungen »ach England einschifste, um mein Erbe anzutreten. Kum- wer über meines Vetters Tod heuchelte ich nicht. Ich

. _____________,,_____ ___________ In

dem Bezirk sind 117 Geistliche tätig. Die Zahl der Katholiken beträgt 102 300; es ist aber ein Irrtum, wenn man annimmt, daß das Kommissa­riat ein geschlossenes katholisches Land umfaßt. Auf dem Gebiete wohnen 172 000 Protestanten. Dom Dekanat Erfurt kommen vorläufig nur die preußischen Gebiete zur Diözese Fulda, da das Konkordat nur mit Preußen abgeschlossen ist. Ueber die thüringischen Gebiete wird wahrschein, sich ein Sondervertrag mit dem Lande Thüringen geschlossen werden. In den zu unferer Diözese kommenden Gebieten bestehen 12 Pfarreien, da­von allein 8 in Erfurt. Unter 18 424 Katholiken wirken 18 Geistliche. Andersgläubige wohnen in dem Gebiete 264 000.

Fulda, den 21. Juni 1929

Sulöa UN- öas Konkordat.

Professor Dr. Scheller berichkel -er Männergesell­schaft M. N. über die Veränderungen, die das Konkordat für die Diözese Fulda bringt.

Die gestrige Zusammenkunf: der Fuldaer Män­nergesellschaft M. N. erhielt dadurch besondere Bedeutung, daß Prof. Dr. Scheller in -einem überaus übersichtlichen und mit großem Beifall aufgenommenen Referate über sie Veränderungen sprach, die das preußische Konkordat für die Diö- zese Fulda bringt.

Nach einem kurzen Ueberblick über die ge­schichtliche Entwicklung unserer Diözese zeigte der Referent die bedeutenden

Gebietsveränderungen.

durch die die Diözese Fulda in beträchtlichem Um­fang vergrößert wird. Wie schon an dieser Stelle mitgeteilt, verliert Fulda vor allem das Deka­nat Bockenheim, das aus sieben Seelsorgsbezirken besteht, an die Diözese Limburg. In dem abge­tretenen Frankfurter Gebiet wohnen 22 160 Katho­liken. Die Neuregelung ist zu begrüßen, da es für die Frankfurter Bevölkerung besser ist, unter einer einheitlichen kirchlichen Verwaltung zu stehen.

Weiterhin tritt Fulda den Kreis Rinteln, die kurhessische Enklave, die bei der staatlichen Verwal­tungsreform sicher an die Provinz Hannover fällt, an die Diözese Hildesheim ab. Es han­delt sich um ausgesprochenes Diasporagebiet, in deml Pfarrei und 2 Kuratien mit etwa 700 Katho­liken bestehen. Insgesamt verliert Fulda 22 975 Katholiken an die Diözesen Limburg und Hildes­heim.

berborn obliegt, Fulda übertragen wird. In Waldeck bestehen vier Pfarreien.

Wichtig ist auch die Neuregelung hinsichtlich der Kirchenprovinzen. Nach dem Konkor­dat sollen preußische Diözesen nur preußischen Kir- chenvrovinzen angehören. Fulda scheidet deshalb aus der-Erzdiözese ■■ n (Oberrheinische Kir­chenprovinz aus und bildet mit Paberborn unb Hilbesheim bie neue Erzbiözese P a- berborn Die Frage, warum Fulda nicht zur Erzbiözese erhoben worben ist, be­antwortete Prof Dr. Scheller dahin, daß Pader­born das größere Anrecht zustehe. Die Diözese Pa­derborn ist schon unter Karl dem Großen errichtet worden, während Fulda erst 1752 Bistum wurde. Auch ist das Bistum Paderborn viel größer.

Das Fuldaer Domkapitel, das bisher 1 Dignität (Domdechant) und 4 Canonikate um­faßte, wird um 1 Canonikat verstärkt. Leider er­hält die Diözese Hildesheim dafür ein Canonikat weniger. Außer den refibierenben Domherren gibt es in den alten preußischen Diözesen noch „nichtresidierende Domberren", bie volle Rechte haben. In der Diözese Fulda kann der Bischof wohl Ehrendomherren ernennen — Dr Weber in Marburg ist Fuldaer Ehrendomherr —. die aber rechtlich nicht die Stellung der Dom­kapitulare haben.

Dr. Scheller besprach bann noch die Neurege­lung der Bischofswahlen und verschiedene kleinere Neuerungen, die das Konkordat oorsieht. Wir wer­den darauf noch einmal zurückkommen.

vom Fremdenverkehrsvereiu Fulda.

Wie ber Fremdenverkehrsverein uns mitteilt, hat er im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder eine äußerst rege Tätigkeit entfaltet. Das beweist der ständig wachsende Fremdenverkehr in unserer Stadt. Es dürste wohl jedem bekannt sein, wie wichtig der Fremdenverkehr für das Ge­schäftsleben einer Stadt ist und daß alle Städte die größten Anstrengungen machen, den Fremden­verkehr zu heben. Die A u s k u n f t s st e l l e n des Vereins werden von Fremden unb auch von Einheimischen stark in Anspruch genommen. In ber Geschäftsstelle werden Werbeschriften von an« bereu Städten, Ländern, Gebirgen, Babeorten ko­stenlos abgegeben. Außerdem verschickt der Ver­ein dauernd nach auswärts Werbeschriften über Fulda und Umgebung. Durch illustrierte Aufsätze in viel gelesenen Zeitungen und Zeitschristen macht er fortgesetzt auf die Schönheiten und Sehenswür­digkeiten Fuldas aufmerksam. Bei Abhaltung von Versammlungen und größeren Festlichkeiten in unserer Stadt, zu denen viele Fremde geladen wer­den, ist als Festgabe unsere schön ausgestattete Werbeschrift sehr begehrt. Um seine Tätigkeit er­folgreich weiter durchführen zu können, bedarf der Fremdenverkehrsverein dringend der Unterstützung der Bürger Fuldas, der Firmen und Geschäfts­leute. Leider müssen wir aber festsi eilen, daß viele Einwohner bie Tätigkeit des Vereins nicht W würdigen wissen. Dieselbe kann ja in Fulda selbst weniger in Erscheinung treten, desto reger arbeitet der Verein selbst nach außen. In den nächsten Ta­gen kommen die Sammellisten wieder in ber Stadt in Umlauf und der Vorstand richtet bie bringenbe Bitte an alle Einwohner, Firmen unb Gewerbetreibende, den Verein durch Zeichnung an­gemessener Beiträge zu unterstützen.

Post unb Reichsbahn wollen sich einigen.

Wie wir erfahren, schweben augenblicklich Ver- hanblungen zwischen Vertretern der Reichspost und der Reichsbahn, die zur Z u s a m m e nf a s - s u n g aller von beiden Teilen betriebenen Kraft, omnibuslinien führen sollen. Anlaß zu die­sem zweisellos sehr zu begrüßenden Vorhaben sind die vielen Unerquicklichkeiten, die sich im Rahmen des Konkurrenzkampfes zwischen beiden Betrieben zwangsläufig ergeben haben. Behörden und Pri­vatunternehmer errichteten Linien unb zogen sie wieber ein. Aus ber Vorteilswirtschaft bes Ein­zelnen ergab sich bie Nachteilswirtschaft für bie Publikumsgesamtheit. Jede Stabt vermag bavon ein Lied zu fingen. — Nun will man sich zu einer „Großtat" aufschwingen. Die Reichspost ist die­sem Vorhaben ja bekanntlich schon lange sehr ge­neigt. Nur bie Reichsbahn hat bisher nicht recht etwas bavon wissen wollen, in der nicht für alle Fälle zutreffenden Ansicht, daß Konkurrenz ge­sunde Luft schaffe. Man scheint es jetzt aber ein­zusehen, daß es so wie seither nicht mehr weiter gehen kann. Der Wettlauf um den Besitz von Kraftlinien fängt an, beiden Mit wirkenden den Atem zu verschlagen. Man hofft, die Vereinheit­lichung praktisch in kürzester Frist durchgeführt zu Haden. Zu fragen bliebe zunächst noch, was mit den privaten Kraftlinien-Unterneh- m e r ii nach der Durchführung dieser Einigung hatte Gaspard zu seinen Lebzeiten kaum gekannt und hatte wenig Ursache, ihm dankbar zu sein. Die Ueber- fahrt von Kanada nach England und meinen kurzen Auf­enthalt in London berührte ich nur flüchtig, wurde aber umso ausführlicher, je mehr ich mich der Heimat näherte, und die Beschreibung der Szene, wie ich den Brief er­hielt, war ein Muster wahrheitsgetreuer Darstellung. Ich schloß mit dem Ausdrucke der inbrünstigen Hoffnung, daß sie mir erlauben werde, ihr zu dienen, denn da ich Gaspards Gut und Land geerbt, betrachte ich es als mein Vorrecht, alle seine Verpflichtungen auf mich zu nehmen.

„Aber ich habe kein Anrecht auf Ihre Hilfe, Monsier, kein Recht, mich an Sie zu wenden."

„Mademoiselle haben das Recht, das jede Frau hat. . . . Ich bitte Sie, weisen Sie meinen Beistand nicht zu­rück."

Wir hatten den Uferdamm verlassen und gingen die Rue de la Harpe hinunter. Ich dachte daran, ob wohl mein Onkel, wenn er zufällig aus einem jener düsteren Fenster sah, seinen abenteuerlichen Neffen erkennen würde. Aber die Fenster waren alle grimmio verhangen, und ich wußte, daß ich für den Augenblick nichts zu be- sorgen hatte.

Obwohl ich jetzt die Empfindung hatte, daß Marie mir vertraue, erfuhr ich über chre Geschichte doch nur wenig, während wir gegen die Rue des Francs schritten, wo sie seit dem Tage der Verhaftung ihres Onkels durch die Schergen des Konvents mit einer alten Amme wohnte. An der Ecke, wo die schmale Rue des Francs in die breitere Rue de (a Harpe mündet, trennten wir uns, und ich drängte meine schöne Begleiterin nicht, über die An­gelegenheit, die sie zu dem Briefe an Gaspard veranlaßt hatte, zu mir zu sprechen. Ohne Zweifel, so dachte ich, kennt das Mädchen den Geist der Zeit und will die Nacht vergehen lassen, ehe sie sich entschließt, wie weit sie in, ihrem Vertrauen zu Armand Vervier gehen darf. Außer­dem merkte ich wohl, daß sie die Nachricht von Gaspards Tod erschüttert hatte. Ich hätte gerne gewußt, in wel­chem Verhältnis die beiden zueinander gestanden hatten.

Ich konnte es dem Mädchen natürlich nicht übel neh­men, daß sie mit ihrem Vertrauen zögerte. Es war da­mals »ine Zeit der Verschwörungen uns Gegenverschwö-

zwischen Post unb Reichsbahn werben soll. In einigen Oberpostbezirken hat bie Post bie von Pri­vatpersonen betriebenen Linien bereits in eigene Regie genommen. Für unser Gebiet haben biese Fragen geringere Bebeutung, ba ja bie Pajtkraft- verkehr fast ausschließlich burch bie Post burchge- führt wirb.

Das erwartete Gewitter

versuchte sich gestern abenb nach 9 Uhr über unse­rer Stabt zu entladen. Die Atmosphäre war ja auch spürbar mit Elektrizität geloben. Prachtvolle Blitze beleuchteten den Horizont. Bei dem einen mächtigen Donnerschlag hat es sogar in Fulda e i n« geschlagen, unb zwar im Priestersemi- n a r. Der Blitz lief bie Wasserleitung entlang unb betäubte in einem Zimmer den dort sich auf» haltenden Alumnus. Mit ärzlicher Hilfe erlangte er jedoch bald wieder die Besinnung, da er glück­licherweise nicht verletzt worden war.

Straßensperrung.

Die Straße H ü n h a n—B urghaun wird ab Donnerstag, den 20. Juni 1929, für etwa acht Tage für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Gruben 21/58.

nrasipost nach Kohlhaus.

Während der heißen Sommertage werden vom 21. Juni ab täglich folgende Fahr­ten ber Stabtkrastpost nach Kohlhaus burckgefiihrt: ab Postamt 14.53, 17.53, 18.53; ab Kohlhaus 15.10, 18.10, 19.10 Uhr.

3m Dienst verunglückt.

Wie erst jetzt bekannt wird, wurde am Don­nerstag vormittag am hiesigen Bahnhos ber Bahn­arbeiter Adolf Ritter von hier, der aushilfsweise im Rangierdienst beschäftigt war, beim Zusammen­kuppeln zweier Wagen von einem Wagen ersaßt unb nicht unerheblich verletzt. Ritter wurde nach dem Landeskrankenhaus verbracht.

Neuer Aerienzug nach Basel.

Mit Rücksicht barauf, daß der Feriensonderzug am 14. Juli, ber von Frankfurt nach Basel

über Konstanz fährt, ausverkauft ist unb eint ganze Anzahl Bestellungen auf Fahrkarten nicht erlebigt werben konnte, soll am 16. Juli ein wei terer Zug nach Basel unb Konstanz gefahren wer den. Bestellungen für diesen Zug können bei bei Fahrkartenausgabe Frankfurt Hbf. aufgegeben. werben.

Hunde auf der Eisenbahn. — Neve Richtlinien.

Die Deutsche Reichsbahn-Gesellfchast Hal new Richtlinien für bie Mitsuhrung von Hunden in Sonderabteilen ber Eil- und Personenzüge ausge­geben. Bei sämtlichen über den eigenen Bezirk hinaus verkehrenden Eil- und Personenzugen ist im allgemeinen ständig ein Raucherabteil in den Abteilwagen der Holzklasse für Reisende mit Hunden einzurichten; bei stärkerem Verkehr soll dieses Abteil im Bedarfsfälle durch ein weiteres ergänzt werben. Nur bei den Zügen, bei denen erfahrungsgemäß zur Mitsührung eines Abteiles für Reisende mit Hunden kein Bedürfnis vorliegt kann von ber Einrichtung abgesehen werden, so­weit bas Sonderabteil für Reifende mit Hunden nicht vorhanden ist, kann erforderlichenfalls das Dienstabteil benutzt werden. Die Reichsbahn hat vorgesehen, daß während ber Hauptiagdzeit die ent­sprechende Anzahl von Sonderabteilen für Reisende mit Hunden eingerichtet wird. Die Sonderabteile sind durch eine Beschilderung mit der Aufschrift „Abteil für Reisende mit Hunden" kenntlich ge- macht. Der Reisende muß für f ein en Hund einen sicheren Maulkorb mit sich führen, der anzulegen ist, wenn Mitreisende gefährdet oder belästigt wer­den können. In den D-, FE- und FFD-Zügen sowie in den Polsterwagen aller Züge und in den Triebwagen werden keine Abteile für Rei­sende mit Hunden geführt In diesen Zügen müs­sen Hunde im Hundeabteil bes Gepäckwagens beförbert werden, falls es sich nicht um kleine Hunde handelt, die auf dem Schoß getragen wer­den können. Die Mitnahme dieser Schoßhunde ist gestattet, wenn keine Polizeioorschriften entge» genstehen und bie Mitreisenden nicht widerspre­chen

Der deutsche Bauer in Not.

Zu der geplanten Generalversammlung der rrmhessischen Bauernvereins.

Die in dem kurhessischen Bauernverein orga­nisierten Landwirte waren zu einer Generalver­sammlung auf Donnerstag nachmittag 12 Uhr in das katholische Gesellenhaus nach Fulda geloben. Es hatten aber nur wenige bem Rufe Folge ge­leistet, ba bie Einbringung bes frischen Heues vor bem brohenden Gewitter notwendiger erschien. Man verschob beshalb die offizielle Generalver­sammlung auf den Herbst, unb die erschienenen Gäste und Mitglieder ber Kurhessischen Bauernver­eine blieben zu einer kurzen Aussprache mit bem Referenten, Dr. Kayser-Berlin unter Lei­tung bes Vorsitzenden Sondergelb-Hofbie- b e r zusammen. Einleitenb schilderte Dr. Kay­ser durchaus sachlich und anschaulich die schlechte wirtschaftliche Lage bes beutschen Bauernstandes und zeigte bie Maßnahmen, bie getroffen werben müssen, um bie Landwirtschaft vor dem entgültigen Untergang zu bewahren.

Immer noch sind die Schäden der Isolierung der deutschen Wirtschaft im Wellkriege nicht behoben. Wir sind in der Landwirtschaft in der notwendigen Ratio­nalisierung um 10 Jahre hinter den anderen Län­dern zurück. Ihre Durchführung wird auch durch den katastrophalen Geldmangel in Deutschland sehr er­schwert, wenn nicht fast ganz verhindert.

Sehr gut war das, was Dr. (Tapfer über die Mot­iv e n d i g ke i t der internationalen Ver - flechtuna der Wirtschaft sagte. Die Bau­ernvereine hätten sie stets anerkannt. Leider feien aber die Handelsverträge meist einseitig zu Gunsten der Industrie geschlossen worden. Ein weiterer Nachteil für die Landwirtschaft ist der Umstand, daß sie im Gegensatz zur Industrie, sich nicht zu internationa­len Kartellen zusammenschlleßen könne.

Dr. Kayser wies dann auf die Verhältnisse im Innern Deutschlands hin. Zunächst wies er auf die verhältnis­mäßig günstige Lage der Landwirtschaft vor dem Kriege hin. In der Landwirtschaft war ein Kapital von 68 Milliarden Rm. investiert, die eine Verzinsung von 1.8—2 Milliarden abwarfen. Schwer litt die Landwirt­schaft durch den Raubbau im Krieg, das Geldkapital wurde durch die Inflation vernichtet, erst spät entschloß man sich nach dem Kriege zur Einführung viel zu nied­riger Zölle.

Infolge dieser Umstände wuchs die

Verschuldung der Landwirtschaft

in unheimlichem Tempo Am 30. Juni 1924 hatte die deutsche Landwirtschaft eine Schuld von 1,9 Milliarden zu verzinsen. Diese wuchs schnell — jedes Jahr fast um VA Milliarden — auf 8,9 Milliarden am 31. Dezember

1928. Das Erschreckende dabei ist, daß davon nur etwa 1,5—2 Milliarden für produktive Zwecke aufgenommer worden sind. Dem gegenüber steht ein geringes Spar- kapital von 500 Millionen, das aber durch die große Substanzwerschlechterung völlig kompensiert wird. Als Tatsache bleibt also eine Neuverschul­dung der Landwirtschaft für nicht pro­duktive Zwecke von 7 Milliarden. Wenn man von bestimmter Seite darauf hinweist, daß der Großbetrieb stärker verschuldet sei als der Kleinbetrieb, so müsse man aber auch den Grund dieser Ungleichheit hinzufügen, der einmal darin liegt, daß die kleinsten und kleinen Betrieben nicht so leicht in der Sage sind, Schulden zu machen, und daß außerdem der Bauer derjenige ist, der mit seinen Familienmitgliedern un­unterbrochen arbeitet.

Den Grund für die schnelle eVrschuldung der Land­wirtschaft, sieht Dr. Kayser vor allem in der N i e d r i g <

Jugend Fuldas!!

Morgen, Samstag abend 9 Uhr

Gonnenwendfeier

hinter dem Kalvarienberg. Näh.

Programm morgen unter Heimat!

Fuhrmann / Taubel.

feit ber Preise für Agrarprodukte. Während der Index für Kleider z. B. im Durchschnitt der Jahre 1924 und 1928 16 9 betrug, war ber I v - bex für Agrarprobukfe nur 13 0. Der Lohn- Inbex in biefer Zeit war 145. Die Steuern unb öffent­lichen Lasten betrugen bas Dreieinhalbfache ber Vor­kriegszeit.

Dr. Kayser wies auch auf bie bevölkerungspolitischen Schüben ber Not bes Bauerntums hin. Immer stärker strömt bie Bevölkerung in die Stadt, sodaß oft bii Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande Arbeits­losigkeit unb Wohnungsnot in ber Stabt herrscht In­teressant ist ber geführte Nachweis, baß bie Landwirt­schaft, in ber nur ein Drittel ber werktätigen deutschen Bevölkerung tätig ist, heute fast die Hälfte der

rungen, ber Spione unb Gegenspione, eine Zeit, wo ber beste Freunb über Nacht zum Verräter werben konnte, unb wo Höflichkeit nur zu oft der Deckmantel für An­geberei war. Unb so schieden wir mit der Verabredung, daß ich am nächsten Morgen bei ihr in der Rue bes Francs vorsprechen würbe. Ich war schon zufrieben, baß mir Mabernoiselle Marie ben Ort ihres Aufenthaltes an- vertraut hatte.

In jener Nacht irrte ich noch viele Stunden lang in den Straßen von Paris umher, und Mitternacht war längst vorüber, als ich mich wieder in meiner Dachstube in bem Gasthofe ber Rue Jacob nieberlegte. Unb auch bann fanb ich noch keinen Schlaf, benn ich lag lange unb buchte und dachte. Mein Gehirn war wohl zu sehr über­reizt, um Ruhe zu finden.

Hauptsächlich drehten sich meine Gedanken um das Mädchen, das mir das Schicksal in den Schoß geworfen hatte unb bas ich am Morgen wiebersehen sollte. Ich glaube, es war bemale, daß mir zuerst ber (Bebaute, ober vielmehr die Hoffnung aufdämmerte, ich sei bei die­sem Abenteuer bloß das Werkzeug einer höheren Macht unb bie Schuld, burch bie ich mich in ben Besitz von Lan- chen gesetzt hatte, sei nur ein Teil eines großen Planes unb dazu bestimmt, Marie Tabouret und mir selbst zum Heile zu gereichen. Ich sagte mir bereits, daß ich in ber Tat besser als Gaspard imstande war, bie Rolle bes Beschützers zu spielen, auf alle Fälle weit besser, als ber kleine Armanb Verviers von ber Dooerstraße. Ich be­gann mich als Figur auf bem Schachbrett eines großen Spielers zu fühlen unb faßte den Vorsatz, jetzt, ba mein Betrug soweit Früchte getragen hatte, bie Täuschung bei ber nächsten Gelegenheit fallen zu lassen unb wieder Maurice Mannering zu werben. Ich würbe mich Maria auf Gnade unb Ungnabe ergeben. ... bis bahin hoffte ich ihr solche Dienste zu leisten, baß ihre Verzeihung mein Lohn fein sollte. Unb ich fürchte sehr, daß in jenem Bilde des Schachspieles die Figur, der ich bib Vertretung mei­nes eigenen bescheibenen Selbst zugewiesen hatte, einen recht großen Raum einnahm, während ich bie Läufer unb - Rössel unb Türme, gegen bie mein Scharfsinn anzukiimp- j fen hatte, allzu gering einschätzte. Einen um so größeren «

Raum nahm in meinen Gebauten bie Königin bes Spie­les ein, ein braunäugiges Mädchen vom Pont Neuf.

Wohin ich in bem monberhellten Zimmer blickte, überall sah ich Mariens große, fummervolle Augen unb bas sanfte Oval ihres Gesichtes. Ich stellte mir sie in aller Art Gefahren vor, gehetzt unb verfolgt; unb ich wußte, daß jetzt für mich bie Welt einen neuen, größeren Inhalt hatte, daß ich endlich Anteil nehmen tonnte an den ewigen Plänen unb bie Bühne betreten durfte, auf ber bas furchtbare Trauerspiel ber Stadt Paris gespielt wurde. Und als ich mit meinem Denken zu Ende war, ba war es nur, um aus ben wachen Gebauten in bie Ge­danken des Schlafes überzugehen, zu tollen Träumen der Liebe und großer Taten.

Nie, nicht einmal die Zeit, als bie Revolutionstribu­nale in voller Blüte ftanben unb die Heuterstarren in unabsehbarem Zuge aus der Cour be Mai rollten, sollte Paris eine Nacht erleben, wie bie, welche dem schwarzen Sonntag, dem zweiten September bes Jahres 1792, vor­aufging. Es war eine Nacht, die böse Träume brütete. Diee Luft selbst lastete schwer unb schwül auf ben Sinnen ber Menschen unb erfüllte die Gehirne mit Grauen unb Vorahnungen unbekannter Schrecken. Die Nachricht von der Beschießung unb Kapitulation von Longwy begann von den Bewohnern der Hauptstadt in ihrer richtigen Bedeutung gewürdigt zu werden, unb von allen Seiten hörte man raunen, baß nun ber Feind bald einbringen unb ber Revolution ein Ende bereiten werde. In ber Nationalversammlung und im Hotel be Ville schwärmte cs wie in einem aufgeftörten Bienenstock. Hausdurch suchungen mürben durchgeführt, bie reiche Ernten für die Gefängnisse unb für bie Conciergerie ergaben Das Bern Harbinerkloster unb bie Kerkerzellen von Viscetre waren überfüllt mit Leuten, bie royalistischer Sympathien ver bächttg waren. Paris lag im Fieder, aber in einem Fie ber, bas nur berjenige erkennen tonnte, ber unter bie Oberfläche bes siebenden Lebens drang; wohin die öffent­liche Meinung trieb merkte man aus ben Aeußerungen ber Menge, bie Danton als ihren Retter pries. Dieser Deputierte mit der gewaltigen Stimme war in jenen To gen zum Halbgott geworden.

(Fortsetzung folgt.)