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Fuldaer Leitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

145.

Samstag, den 22. Juni 1929.

Sie Bauernvereine zur gegenwärtigen Steuerpolitik.

Der Steuerausschuß der Vereinigung der Deut­schen Bauernvereine befaßte sich in diesen Tagen unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten Dr. Horlacher mit der gegenwärtigen Besteuerung der deutschen Landwirtschaft.

Nach eingehenden Beratungen kam der Aus­schuß zu dem Ergebnis, daß dis gegenwär­tige Besteuerung der Landwirtschaft den Forderungen der Gerechtigkeit nicht entspricht. Die Erlaise, die der Reichs­minister der Finanzen zum Zwecke der Steuerer­leichterung für die Landwirtschaft verschiedentlich herausgegeben hat, sind geeignet, in der Oeffent- lichkeit den Eindruck zu erwecken, als ob für die Landwirtschaft alles getan würde, um die drin­gend erforderliche Erleichterung in der Besteuerung zu gewährleisten?

Demgegenüber stellt der Steuerausschuß der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine fest, daß die Erlasse in der Praxis sich gar- nicht oder nur unvollkommen aus­gewirkt haben. Das gilt insbesondere von dem Erlaß vom 13. 9. 1928 betr. Richtlinien für den Erlaß von Rentenbankzinsen und von dem Erlaß vom 22. 5.1929 betr. Billigkeitsmaßnahmen auf dem Gebiete der Vermögenssteuer und Ein­heitsbewertung 1928. Die Voraussetzm^en, die für die Erreichung der Billigkeitsmaßnahmen im letzteren Erlaß vorgesehen wurden, sind derartig vielgestaltig und verwickelt, daß es dem Durch- fchnittslandwirt nicht möglich ist, die geforderten Nachweise zu erbringen. Nicht berücksichtigt wer­den durch diesen Erlaß diejenigen Landwirte, die bei der ersten Veranlagung zu hoch bewertet wur­den und 1928 nachweislich eine richtige Bewertung erfahren haben.

Angesichts der dauernd steigenden Unrentabili­tät der Landwirtschaft hält es der Steuerausschuß der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine für unbedingt erforderlich, daß eine allgemeine Milderung der Vermögens st euer und der Rentenbankzinsen erfolgt.

Bezüglich der Grundstücksbewertung wird die Forderung aufgestellt, daß ein Grundstück, solange es landwirtschaftlich genutzt wird und zu einem landwirtschaftlichen Betriebe gehört, nach

dem nachhaltig erzielbaren Reinertrag bewertet wird.

Bei dieser Gelegenheit wird erneut die For­derung gestellt, daß die Rentenbankbela­stung beseitigt wird.

Bezüglich der in Aussicht genommenen Rege­lung des V e r l u st v o r t r a g e s in der Einkom­mensteuer fordern die Bauernvereine, daß kein Unterschied konstruiert wird zwischen buchführen­den und nichtbuchführenden Landwirten. Auch für die nichtbuchführenden Landwirte muß auf g e s e tz- lichem Wege bestimmt werden, daß eine Ver­rechnung entstandener Verluste zulässig ist. Der Ausschuß glaubt, einer Regelung nicht zustimmen zu können, bei der auf der anderen Seite die buch­führenden Landwirte stehen mit der gesetzt, gegebenen Möglichkeit von Erleichterungen und auf der an­deren Seite die nichtbuchführenden, bei denen Er­leichterungen nur im Villigkeitswege durch Ver­waltungsmaßnahmen erreicht werden können.

Festgestellt wird ferner, daß der Erlaß vom 27. 6. 1928 betr. Einkommenbefteuerung der nichtbuchführenden Landwirte nach Durch- schnittssäitzen sehr ungleichmäßig von den Landesfinanzämtern angewandt wird. Es muß eine einheitliche Durchführung im ganzen Reichs­gebiet gewährleistet werden. Namentlich ist zu fordern:

1. die kleinen landwirtschaftlichen Vertrauens­ausschüsse haben an der Ermittlung der Richtsätze mitzuwirken, und zwar im ganzen Verfahren bis zur Ermittlung der Hektarsätze,

2. die Finanzierung der Mitwirkung hat aus­schließlich durch die Finanzverwaliung zu erfolgen,

3. von der Mitgliedschaft dürfen Vertreter der wirtschaftspolitischen Organisation nicht ausgeschlos­sen sein. r ...

Zur Frage der Cinheitssteuer für die Landwirtschaft nimmt der Steuerausschuß der Ver­einigung der Deutschen Bauernvereine keine ab­schließende Stellung. Er ist der Ansicht, daß diese Frage nodi einer gründlichen Prüfung bedarf.

Die Mitgliederversammlung der Vereinigung der Deutschen Bauernvereine stimmte diesen Ent­schließungen zu.

Kine Kundgebung des ZungbeuWen-Lrbens.

Tagung der Großbauer Westdeutschland in Dortmund. — 15000 Teil­nehmer. — „vom vürgerstaat zum Volksstaat". — Jungdo und Reichs­banner. — (Eine gemeinsame Ronferenz der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Am Sonntag, den 16. Juni fand in Dortmund die große Tagung der Großballei Westdeutschland des Jungdeutschen Ordens statt. Der äußere Ein­druck der Tagung war sehr gut. Nach dem Kirch­gang erfolgte der Vorbeimarsch von 15000 jungdeu sicher Brüder vordem Hochmeister M a h r a u n.

Dann erfolgte die große Volksnationale K u nd- gebung in der Westfalenhalle. In der Mite das Ordenskreuz, link und rechts dis schwarz-weiß-roten und schwarz-rot- goldenen Fahnen: Das Bekenntnis des Jung­deutschen Ordens zur Volksgemeinschaft. Der Großkomtur der Großballei Westdeutschland, Bru­der Dr. Scholz sprach die einleitenden Worte. Artur Mahraun, der Hochmeister des Ordens, von rauschendem Beifall begrüßt, nimmt dann das Wort zu dem Thema: „Vom Bürger st aat z u m V o l k s st a a t."

Mahraun zeichnet die ungeheure Not des deutschen Volkes und charakterisiert die Kräfte, die allein zur Ueberwindung dieser Not und zur Abwehr der beiden großen Gefahren des 20. Jahrhunderts, des Bolsche­wismus und der Weltplutokratie, mobilisiert werden können. Er ruft auf zur Bildung der neuen Front, vermittels derer die deutsche Republik zum wah­ren Volksstaat weiter entwickelt werden soll. Diese Aus­führungen Mahrauns klingen aus in einen starken

Appell, die volkstrennende Flaggenhetze zu ächten und sich von den Phrasen jener Kreise frel- zumachen, die der Revolution von 1918 nur den Streik der eigenen geistigen Weiterentwicklung haben entgegen­setzen können. Mahraun untersteicht die Friedensliebe des Ordens, betont aber, daß uns die Freiheit höher steht als der Friede. Dann wendet er sich scharf degen den Mißbrauch, der heute mit dem Hohen Worte „na­tional" von Kreisen getrieben wird, die in Stunden der schwersten Gefahr ihre nationale Gesinnung unter den Scheffel gestellt haben.

Im Hinblick auf die Behauptung, der Orden habe mitdemReichsbannereinBündnis geschlof­fen, erklärt Mahraun, daß das nicht der Fall ist. Dem Reichsbanner Schwarz-rot-gold ruft Mah­raun zu, daß es mit seiner Forderung die Deusiche Republik zu schützen, einen Schützengraben besetzt halte, der von niemandem angegriffen werde, daß aber andere Schützengräben, die notwendigerweise gegen Welt- bolfchewismus und Weltplutokratie besetzt werden müßten, dem Ansturm dieser Feinde schutzlos preisgegeben seien. Mit den staatsbejahenden, das deusiche Volk liebenden und positiv eingestellten Krei­sen des Reichsbanners werde der Orden wie mit allen anderen echt deutschen Kresien, sich gern zusammensetzen, um über das große Ziel der Schaffung des deusichen Volksstaates zu diskutieren.

Dann wandte sich der Hochmeister mit einem bered­ten und nachhaltigen Appell an die jungdeusichen Brü­der und Schwestern. Er betonte dabei, daß der Orden

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Das Gesicht des Kurortes.

' Von August F i s ch e r, B. Reichenhall.

Ich meine den Kurort, der nicht schon Großstadt ist: jedoch auch den nicht, der nur Sommerfrische ist. Ich meine den, dessen Wesen so schwer zu definieren ist, wenn man sich nicht in der Plattheit des Stils von Dutzend- Prospekten ausdrücken will. Ich meine den, der ist wie ein guter Roman: unterhaltend, natürlich, stärkend und rein. Ich meine den Begriff, der Gegensatz zu „Stadt" bedeutet; letztere verstanden als Arbeitsplatz auf dem alles Tempo ist; auf dem nur das Recht der Stunde re­giert, wo alles Plus- und Minuszeichen hat. Dies alles weggetan, ergibt erst die Voraussetzung für den Begriff Kurort. Rehel Varnhagen schrieb 1830: „Kurorte sind Stationen, wo sich's auf Beförderung warten läßt".

Ist es nicht etwas Besonderes um den Klang des Wortes „Kurort"? Liegt nicht Freude oder mindest Hoffnung darin? Erwacht in unserer Borstellung nicht etwas Typisches bei dem Gedanken an den Kurort schlechtweg: ein kleiner Kosmos eigener fein erhellter Art; ein besonderes Stilgefühl des Lebens. — Ein freundliches Gesicht steht vor unserem Auge: Himmel, grünes Wachsen, frisch knisternder Kies unter den Soh­len; die Menschen seltsam zusammengetragen. Sie ha­ben etwas Gemeinsames. Sie grüßen sich, weil sie sich vom Sehen kennen. Sie haben das Beglücktsein dieses schönen, feingestimmten Bodens gemeinsam; ein Beglückt­sein, das, in einander sonst fremden Menschen, so was wie denkbare Zusammengehörigkeitsgesinnung auslöst.

In diesem Rahmen steht das Besondere! Was sind das für Bauten? Ich sah sie sonst noch irgends; Lange

Arkaden. Blumen auf den Gesimsen und in den Ni­schen. Domartige, langgebaute Hallen mit viel hellen und nicht bemalten Fenstern. Wandelhalle steht im Pro­spekt. Im Mittelpunkt des Ortes herrscht ein Haus. Sel­ten ist es hoch gebaut. Breit ist sein Grundriß, große und kleine Säle umfassend. Abends strahlt es von hel- len Kronleuchtern aus allen Fenstern. Autos und Men­schen drängen zu seiner Treppe und Pforte: Kurhaus steht im Prospekt. Irgendwo, nicht weit weg, steht ein kleines Tempelchen. Edles Material ist daran verwendet. Das ist der Mutterschoh ,aus dem der Kurort wurde. Kupfer und Messing, feiner Marmor liegen im Grunde des Schachtes. Im Prospekt steht: „Die Römer hatten die Stelle schon gekannt". Eine alte Legende oder ein heiliger Name knüpft sich an das moderne Tempelchen. Unten im Schacht aus dem Ring von Kupfer oder Mes­sing kommt ein saueres oder bitteres, kaltes oder heißes Wasser. Im Prospekt steht weiter, Max-, Koch-, Karl- quelle oder sonst wie. Wer denkt nicht noch an ein Kur­mittelhaus oder an das selsiame Gradierhaus.

Diese Häuser lieben sich und hire Natur und chre Menschen. Breit, bequem, vor langen Promenaden in­mitten einer Mischung von Garten und Park führen sie ihr föderalistisches Dasein. Ihr Stil verrät den Zweck des ganzen Ortes: Stille und Rastsamkeit. Keine auf- gesteilten, säulenwuchtigen Mauern, dafür starke Beto­nung des Horizontalen. Wenig Ornamente, dafür ruhige Flächen. Keine Reichstagsfrontennachahmungen, dafür antikes Gleichmaß. — Ich glaube das Kissinger Kurhaus ist immer noch das Muster und der Nachahmung wert. — Die Baumkronen rühren an die Dachränder und schauen in die Personalstuben. Das Haus mit Balkon und Terrasse langt in das webende Glastgrün der Park- lüft. Die Melodie des Springbrunnens singt zu den Blu-

lieber arm bleiben als in die A b h ä n g i g k e i t kapitalistischer Gruppen geraten wolle.

Nach Mahraun sprachen die Gäste. Als Vertreter der christlichen Gewerkschaften entbietet Bal- trusch (Berlin) den Gruß Hunderttausender christlicher Arbeitnehmer, die Grüße und Wünsche des Ministers Stegerwald und untesitreicht seine grundsätz­liche Uebereinstimmung mit den jungdeusichen Idealen. Im Auftrage Dr. Strefemanns überbrachte Fregatten­kapitän H i n tz m a n n die Grüße des deutschen Außen­ministers Stresemann. Danach sprach Minister a. D. Koch- Weser und Reichstagsabgeordneter Schnei­der, im Namen des G. D. A.

Im Auftrage der christl. sozialen Reichs­oereinigung, die hauptsächlich die evangelischen Ar­beitervereine umfaßt, spricht Dudey, für die Hirsch- Dunkerschen Gewerkschaften sprach Abg. Lem- mer. Er bekannte sich zu den Farben schwarz-rot- gold, aber er fügte im gleichen Satze hinzu, daß er und seine Freunde auch die Farben der deusichen Ver­gangenheit achten und respektieren! Herr Baudach wünschte im Namen des D. H. V. dem Jungdeusichen Orden Glück und Segen in seinem Kampfe um das hohe Staatsideal.

Nach Freiherr v. Rheinbaben, der im Auftrage der „Front 1929" Grüße überbringt, spricht die Hochmei­sterin der Oickiensgemeinschaft Iungdeutscher Schwesternschaften, Schwester Hanna Kloster­müller. Sie spricht von der geschichtlichen Stunde, die angebrochen sei, der Stunde, in der die deusichen Menschen sich die Hände zum gemeinsamen Dienste reichen. Wahres Frauentum bedeute nicht Kraftlosigkeit und Verzicht, sondern im Gegenteil wahre Kraftentfal­tung.

Großkomtur Dr. Scholz hat das Schlußwort. Er nannte die Worte von Lemmer ein Stück volks­nationale Aktion. Kampf würde immer bleiben. Er müsse aber verständig geführt werden und dahinter dürften keine materiellen Inte­ressen stehen. Der Jungdeusiche Orden kenne nur eine Tradition: Deutschland. Die Kundgebung schloß mit dem Deutschlandlied.

*

Als Auftakt zur Westdeutschen Tagung der Großballei Westdeutschland des Jungdeutschen Or­dens, fand am Samstag, den 15. Juni eine

Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Konferenz statt, die von vielen Mitgliedern des Verbandes volksnationaler Industrieller und von zahlreichen Vertretern der Christlichen und Hirschdunkerschen Gewerkschaften, des D. H. V. und des G. D. A. besucht war. Fabrikbesitzer Menzel-Dresden, sprach über die heutige Lage der Wirtschaft und ihre vom Jungdeutschen Orden geforderte Neuordnung.

Der Jungdeusiche Orden betone, daß die deusiche Wirsichaft, um sich vor lleberfremdung durch die Welt- wirsichaft zu bewahren, zur Selbsthilfe greifen müsse. Sinn und Zweck jeder Wirsichaft sei das Gemeinwohl. Die Arbeitgeber müßten im Sinne der Volksgemein­schaft die starken, eigengewachsenen Organisationen, die Gewerkschaften, anerkennen und sie dürften sich nicht dazu hergeben, der Bildung von Werksgemein­schaften, die künstliche Organisationen seien, die Hand zu bieten. Es müsse, wie es bereits im jungdeutschen Manifest gefordert sei, eine Wirtschaftskammer als berufene Vertretung der Selbstverwaltungskörper der Wirsichaft geschaffen werden. Alle Gegensätzlichkei­ten der Wirsichaft könnten überbrückt werden, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Geiste der Volksge­meinschaft zur gemeinsamen Arbeit im Dienste der Na­tion zusammenfänden.

Darauf sprach Arbeitersekretär Dietrich über die Gründe, aus denen heraus der Orden schon im Jahre 1920 die Gewerkschaften bejaht und die Werksgemein­schaften abgelehnt hat.

Artur Mahraun sprach dann vom Sinn und Ziel der Dortmunder Tagung.

Er entwickelte wieder sein Lieblingsthema des Volksnationalen Staates, der allein den gro­ßen Gefahren des 20. Jahrhunderts, d?r Weltplutokra­tie und dem Bolschewismus entgegentreten könne. Die wirsichaftspolitische Erneuerung unseres Volkes sei letz­ten Endes eine staatspolitische Frage, weil sie von dem Vorhandensein und den Auswirkungen der nationalen Kraft abhänge. Höher als die Jntereffenbindung müsse die ideale Bindung der deusichen Menschen stehen und im jungdeutschen Volksstaate werde ein von den Inte­ressen gereinigtes Parlament arbeiten. Wenn der Jung­deusiche Orden die Trennung von Staat und Wirsichaft fordere, so sei darunter nicht eine Entrechtung der Wirt­schaft zu verstehen, wohl aber eine klare Trennung der Kompetenzen. Bejahe man die Notwendigkeit der Tren­nung von Staat und Wirsichaft, dann müßten Arbeit­geber und Arbeitnehmer an die Beantwortung der Frage

Herangehen, wie die Wirtschastskammer zustande kom­men solle und welche Rechte sie haben müsse.

An die Referate schloß sich eine lebhafte Aus­sprache, in der Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das Wort ergriffen.

*

Aus dem Verlauf dieser Tagung des Jungdo werden, so schreibt die „EssenerVoiksztg. , alle erse­hen, daß der Jungdo eine guteMenge Wasser in seinen Wein geschüttet hat. Indes, auch setzt ist es mit dem Gären noch nicht ganz vorbei. Noch man­cherlei Unklarheiten und U n b e st im m t- heilen weisen seine Kundgebungen und Ausrufe auf, und von einer klaren Zielsetzung mit greift baren Mitteln, ist er noch sehr weit entfernt. Doch will uns scheinen, daß auch das Zentrum gut dar­an täte, den Jungdo nicht mehr mit einem Achsel­zucken abzutun. Ein Sichvertiefen in die Ziele des Jungdo könnte auch uns im Zentrum nicht schaden. m

Sogar die „Rhein-Mainische Vollszeitung fin­det trotz ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft aner­kennende Worte, in dem sie feststellt, daß der Jungdeutsche Orden in der gesamtpolltsichen Ent­wicklung des neuen Deutschland als positive Große bewertet werden darf. Er habe wertvolle Kräfte von der Bindung an die Reaktion gerettet und der Idee des Volksstaates in Kreisen Anerkennung verschafft, denen die Versuchung zur Ausbildung einer faschistischen Ideologie besonders naheuegt.

Arthur Mahraun hat freilich in seinem Kampf gegen die Parteien, aus denen er die jüngeren Kräfte zur gemeinsamen Arbeit in der „V o l k s na­tionalen Aktion" herausholen wollte, nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Der Angriff Mah­rauns auf die Parteien ist gescheitert. Zwar weiß die junge Generation, daß vieles faul ist, aber sie ist klug genug, das Instrument, das die Partei darstellt, nicht aus der Hand zu lassen, der aller Achtung und Sympathie vor und für den volklichen Gedanken Arthur Mahrauns.

Weil die jungdeutsche Bewegung politisch so unklar ist, wird sie schwer Freunde finden können, die mit ihr politisch arbeiten. Wir ver­missen beim Jungdeutschen Orden eine klare poli­tische Linie. Wir vermissen eindeutige Antworten auf eindeutige Fragen. Es geht nicht an, einfach zu sagen, diese oder jene Frage sei unwesentlich.

Eine Frage mag unsere kurzen Betrachtungen beschließen: Wie kommt es, daß Herr Mahraun, der den Kampf gegen die liberalistischen Ei n b r ü ch e in den Volksstaat mit allen christlich- konservativen Kräften aufnehmen will, dazu sich ausgerechnet'aus den Kreisen Tuchfühlung holt, die Exponenten st aat s- und wirt­schaftsliberaler Grundsätze sind?

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Danzig.

Der neue Oberkommissar Der zurückirelende Gras Manfred Granina. Oberkommissar Dr. v. Hamel.

Anstelle Dr. v. Hamels, des zurückgetretenen Oberkommissars für die Freie Stadt Danzig hat der neue Oberkommissar Graf Manfred Gra- vina die Führung der Geschäfte übernommen. Graf Gravina ist aus der italienischen Diplomatie her­vorgegangen und war sechs Jahre lang Delegierter in der Reparationskommission.

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men. Palmen atmen von der Sonne. Ich denke an den Kurpark von Bad Reichenhall und Bad Pyrmont. Frei­lich der Stadtpark in Stuttgart ist als Kunstpark in seiner reichen Fülle schwelgender Farben unübertrefflich. Der Hofgarten in Düsseldorf könnte für sich Kurgarten sein. Der Hofgarten in München ist wegen seiner Umrahmung unbezahlbar. Aber kann eine Stunde Rast in diesen soviel der Seele schenken, wie eine Promenade im Park von Pyrmont, Reichenhall oder sonst wo? Woran liegt das? Technik, Wissenschaft und Kunst leihen ihre musi­schen Akzente zum Zusammenspiel. Die Quellen um­hegt die Architektur und Gartenkunst; Technik und Wis­senschaft leiten sie. Die Sorgfalt des Gärtners steigert Wiesengründe und Bergesnähe zum großen Parkbild zu dem er die Landschaft formt.

Ein Kurort ist wie der Wein. Man kann auf künst­liche Art Wein Herstellen und er wird chemisch aufs Tippelchen die gleichen Bestandteile besitzen wie echter Naturwein. Aber er wird keine „Blume" haben. — Würde man die schönsten Parks unserer Großstädte zu­sammentragen und dazu die herrlichsten Monumental­bauten stellen. Cs würde kein Kurort werden. Es würde die Blume fehlen; jenes undefinierbare Element. Ich glaube es hat mit Seele etwas zu tun, was dem Ge­sicht des Kurortes einen eigenen Stil gibt. Geschloffener, geistiger Charakter offenbart sich. Der Stil ist kein Kleid das man aus- und anzieht. Es ist ein Stück vom Bo­den der Lebenskunst, die hier ihre Schule hat. Nicht letzte Welsitadtatraktionen, nicht Weltstadtrevüen, nicht Masienscenen, nicht letzte Wertheimer- und Kurfürsten­dammneuheiten gehören zum Wesen und Ehrgeiz des Kurortes. Der Ruhm des Weltkurortes wird von seiner Eigenheit gemacht. Die Gediegenheit der Aufmachung, die Sauberkeit sind seine höchsten Wertgrade. Es sind

| vor allem die Straßen, an denen das deutlich wird. Wenn 1 sie doppelt so breit sind, als der Verkehr sie nötig hat, können sie der Stolz des Ortes fein. In Bad Nauheim die Straße von der Bahn zum Brunnenhof zu gehen, bedeutet für den Ankömmling schon Erholung. Diese Straße und die anderen verscheuchen die Arbeitsenge, in der das Herz des Großstadtmenschen steckt. Deshalb sind breite Straßen in einem Kurort ein Faktor seiner Heil­kraft. Wie blickt immer wieder der Himmel in breitem Fluß in alle Ecken einer solchen Stobt mit breiten Straßen. Jeder Telephon- und Lichtmast, jeder Rand­stein, der sauber und gut gesetzt, verkündet etwas von der Aufgeräumtheit, die in der Stadt und in der Seele der Menschen ist, welche in ihr Wohnung genommen haben, lieber Baden-Baden glänzt dieser Charm in allen Niian- zen. Darum der Ehrenname: Salon Europas. Jeder deutsche Kurort hat diesen Ausdruck im Gesicht. In be­sonderer Dosierung und Tönung treffen wir ihn im klei- neu Badeort und in der Weltkurstadt. Das ist deutsche Individualität. Der Ausdruck des Kurortes ist vielfältig, voll weiblichen Einschlages, voll ungreifbarer Charm, voll stiller Vornehmheit. Die Art wie die Frauen sich geben, in welchen Farben sie sich tragen, spiegeln bi« Kurorte wieder. Travemünde, elegant in Kurhaus uni Strand, eine deutsche Fürstin. Westerland, steil aufge^ baut an der unendlichen Horizontalen des Meeres, ftarl wie eine deutsche Patrizierin.

Aehnlich sind sie alle unsere deutschen See- und Bin nenbäber. So wie bie Frauen von Natur pflegende We fen sind, sind die Kurorte Pflegeorte von Natur.

Darum schließe ich manchmal die Augen _unb seh« in das Gesicht des deutschen Kurortes: bie Seele bes deutschen Gretchens und die Weltgewandtheit der engst

, scheu Lady schauen mich daraus an!