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Der Abenteurer.

Don D. White! aw.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deutschen Rechte bei Grete von UrbamtzIV, Wien.

Hl ------

Meiner Einladung zum Abendbrot hatte der Notar bereitwillig Folge geleistet, und wir saßen nach der Mahlzeit bei Wein und Pfeife auf der Terrasse und freuten uns der Kühle des Abends. Dort fand uns der der alte Jakob, als er mit der Neuigkeit kam, daß ein Mann unten wartete, der mit Gaspard Servier — mit dem Bürger Gaspard Servier, wie Jakob sagte — in Geschäften zu sprechen wünsche. Ich sah den Alten fra­gend an.

„Bürger. . ?"

Der alte Jakob verbeugte sich.

„Ja, Monsieur ... der Mann ist, wie ich glaube, -us Paris."

Ich sah über den Tisch nach David Gautier. Des Notars Augen schweiften über die Gärten, während er den Stengel seines Weinglases zwischen den Fingern drehte.

„Du hast ihm wohl gesagt, daß Monsieur — Ser- zeihung — der Bürger Gaspard schon gestorben ist?"

Der Alte nickte mit dem Kopf. ~

„Das habe ich ihm gesagt, ja — und daß nun Mon­sieur Armand Servier den Besitz übernommen hat.

„Recht so, Jakob. Bitte den rterrn, zu uns herauf­zukommen."

Erst als Jakob gegangen war, blickte ich wieder nach dem 'Jiotar. Ich hatte ihn halb und halb in Serdacht, daß er versuchen würde, mich von dem Entschluß abzu­bringen, einen Fremden zu empfangen, der nach einem bereits seit einem Jahr Verstorbenen fragte. Doch es war nie meine Art gewesen, vor einem drohenden Un­heil die Augen zu schließen. Besser gleich erfahren, was daran ist, und die Sache wohl oder übel zu Ende brin­gen. Bei einem Spiele, wie ich es spielte, würde es noch manchen Augenblick wie diesen geben; viele Ge­fahren, die, wenn man sie aufschieben wollte, nur die

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3uni 1929

Donnerstag, den

Sulöaer Zeitung (amtliches Kreisblatt).

Nr. I4T

Telephon: Maingau 73041 und 73042.

Tel.-Adr.: Motor Frankfurt a. M.

„Und seid, wie ich annehme, der gesetzliche Empfänger alles dessen, was dem Serstorbenen gehört . . ."

David Gautier zog die Augenbrauen hoch. Der No- tar regte sich in ihm bei den Worten dieses sonderbaren Fremdlings aus Paris. Er hatte kein Wort von dem Gespräch verloren.

„Innerhalb bestimmter Grenzen," warf er ein. „Zah­lungsverpflichtungen, zum Beispiel, würden nicht . . ."

hatte er es eilig, an die Küste und nach England zu kommen. Wir gaben ihm bis in den Hof das Geleite und sahen zu, wie er sein Pferd bestieg und durch das Tor hinausritt. Ich habe den Mann nie wiedergesehen.

David Gautier ging mit mir zum Wein zurück. Mei­ner Aufforderung folgend, füllte er die Gläser von neuem. Er sah über den Rand des (einigen zu mir herüber. Offenbar gefiel es ihm nicht, daß irgend etwas

Rechnung des Schicksals ins Ungemessene anwachsen lie- ßen. Besser solche Sachen erledigen, gleich wenn sie auftauchen; ihnen wenn möglich vorbeugen oder sie nie­dertreten. Und so erwartete ich mit großer Gelassen­heit den Mann aus Paris.

Schon nach wenigen Minuten hörte ich Schritte auf dem Kiesweg, und als ich mich umdrehte, sah ich den Boten in Begleitung des alten Jakob herankommen. So-

BÜSSING

....."FÜHREND

BÜSSING*

LASTKRAFTWAGEN • MOTOR-OMNIBUSSE

DREI

MARKSTEINE

IN DER GESCHICHTE UNSERES WERKES, DREI UMWÄLZUNGEN IM BAU VON LASTWAGEN UND OMNIBUSSEN

cor NOM di- Sirrte Äu"™b.?. Radfahrer zusammen. Da der Motorrao ler eine große Geschwindigkeit fuhr, stürzten betbe Wahrer heftig auf die Landstraße. Der aus dem Soziussitz des Motorrades mitfahrende i-chwteger- oater des Führers trug bei dem «turz j ch w e r e Knntnsrletzunaen davon und mutzte tn ve finnungslosem Zustande dem Krankenhaus in Schotten zugeführt werden. Der Radsahrer, der au- LautLach stammt, erlitt Verhetzungen am Kopfe und an den Beinen und mußte mit einem Auto nach seiner Wohnung überführt werden Der Motorradler kam mit geringeren Verletzungen da von, jedoch wurde seine Maschine schwer bescha« digt.

Das Motorrad brennt.

Gestern nachmittag geriet in der Marktstrahe ein auswärtiges Motorrad in Brand. Das Feuer konnte gelöscht werden.

von einem Lastwagen angefahren.

An der Ecke Pauluspromenade-Kastanienallet wurde heute morgen gegen 8^ Uhr ein Radfahrer von einem Lastwagen angefahren. Das Rad wurde beschädigt. Verletzt ist zum Gluck niemand.

Die Hausfrau soll für die Einhaltung des Haus- gehilfengefetzes verantwortlich gemacht werden.

Ter Entwurf eines Hausgehilfengefetzes das seit 1921 grundlegende Veränderungen und Heber- arbeitungen erfahren hat, ist nunmehr als Aende- rungsantrag zum letzten Entwurf vom ^ahre 19-8

Der Etadtjtigendpfleger bittet die Führer der Fuldaer Iugendoereine, zu einer wichtigen Bespre­chung auf Donnerstag, abend 81» Uhr zusam- men zu kommen. Treffpunkt mittlerer Hof des Ctadtschlosses. Es ist die Veranstaltung eines g e- meins amen Sonnenwendfeuers der Fuldaer Jugend gevlant. Vorher soll das Heldon- fpiel „Glum" gespielt werden.

Automobilwerke H Büssing Aktiengesellschaft, Braunschweig

Motorongen-Verkanfstesellschaft hlb.il, Frankfurt

Mainzerlandstraße 341.

der Wehre.

Sonderfahrt nach Marburg.

Wie uns das Verkehrsbüro der Stadt Fulda mitteilt, veranstaltet der Verkehrsverein Gers­feld am Sonntag, den 23. Juni, eine Son­derfahrt zu den Festspielen nach Marburg. Die Abfahrt des Sonderzuaes in Hersfeld ist so ge­legt. daß der fahrplanmäßige Zug von Fulda, der um 7.33 Uhr in Hersfeld eintrifft, noch Anschluß an den Sonderzug hat. Da die Verbindung von Fulda nach Marburg sehr schlecht ist. werden die Fuldaer Festspielbesucher zweckmäßig den Hersfel­der Sonderzug benutzen, zumal es in Fulda nach Hersfeld Sonntagsfahrkarten gibt. Die Sonder­zug-Fahrkarte ist 33% Prozent billiger als die ge­wöhnliche Fahrkarte. Der Sonderzug trifft abends wieder rechtzeitig in Hersfeld ein, sodaß die Ful­daer Teilnehmer noch bequem den fahrplanmäßigen Zug, der um 23.22 Uhr nach Fulda abgeht, errei­chen. Anmeldungen müssen bis Donnerstag abend an den Verkehrsverein Hersfeld (Geschäfts­stelle Georg Bolz, Klausstr. 24, Fernruf 76) erfolgen.

Keine Tariferhöhung bei der Reichsbahn.

Wie die Deutsche Beamtenbund-Korrespondenz erfährt, wird sich die Reichsregierung nt nächster Zeit mit dem Antrag der Reichsbahn auf Tarif­erhöhung befassen. Die Entscheidung der Regie­rung in dieser Frage wird wesentlich bestimmt werden durch die finanzielle Entlastung, die das Reich durch den Poungplan erfährt, wie auch durch die in diesem enthaltenen neuen Bestimmungen über die Reichsbahn. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß der Antrag auf Tarif­erhöhung durch eine entsprechende Berücksich - tigung der Reichsbahn bei der Verteilung der künftigen Reparationsersparnisse seine Erledigung finden wird und infolgedessen eine Tariferhöhung nicht in Frage kommt.

Gesperrte Straße.

Im Straßenzug Hünfeld-Hersfeld ist die Straße von Meisenbach (Kr. Hünfeld) bis zur Kreis­grenze bis zum 29. Juni für alle Fahrzeuge ge­sperrt. Die Umfahrt erfolgt über Eiterfeld-Sieglos. Fernsprechverkehr nach 19 Uhr.

Es scheint noch immer viel zu wenig bekannt zu sein, daß die Gebühren für Ferngespräche nach 7 Uhr abends um ein Drittel ermäßigt sind. Von dieser verbilligten Sprechgelegenheit wird nach Mitteilung von zuständiger Stelle trotz der erheblichen Vorteile nur wenig Gebrauch ge­macht. Zudem sind die Fernsprechleitungen in den Abendstunden nur mäßig belastet, sodaß Gespräche verhältnismäßig rasch ausgeführt werden können. Trinkgeldablösung bei Schlafwagenbenuhung.

Vom 1. Juli dieses Jahres wird für die Be­nutzung der Mitropa-Schlafwagen außer den bis­herigen Gebühren als Trinkgeldablösung ein festes Bedienungsgeld eingeführt, welches für Bettkarten I 1. Klaffe 2 Mark, 2. Klasse 1 Mark und 3. Klasse

Zulva. den 19. Juni 1929.

82. Geburtstag. "rr,~

Morgen begeht Frau Mathilde Kämpf, Hora- serweg 13 bei bester Gesundheit ihren 82. Geburts­tag. Die Hochbetagte besucht nach glücklich über­standener Krankheit wieder jeden Morgen die hl. Messe.

Lisenbahn-Personennachrlchten.

Der Stations-Aspirant Gustav Seibert in Fulda bestand die Prüfung zum Reichsbahn- Assistenten und wurde zum außerplanmäßigen Reichsbahn-Assistenten ernannt. — Der ehemalige Weichenwärter Augustin Hohmann in Eiter­feld wurde zum Reichsbahn-Betriebsassistenten ernannt. — Versetzt wurde der techn. Reichsbahn- Obersekretär Wegener von Hersfeld nach Fulda. WMr

Generalversammlung des Karitasverbandes.

Gestern hielt der Karitasverband der Diözese Fulda in der Harmonie seine Generalversammlung ob, die statutengemäß nur alle 3 Jahre stattfindet. Auf der Tagesordnung stand neben der Neuwahl des Vorstandes vor allem die Verhandlungen über die Uebernahme der Sterbevorsorge und die Fra­gen der Jugendpflege und Kinderfürsorge. Nach­dem Karitasdirektor Beier den Geschäftsbericht über die vergangenen drei Jahre erstattet hatte, wurde der Voranschlag für die nächsten drei Jahre in Höhe von 10 000 Mark genehmigt. Cs folgte die Neuwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende des Karitas-Verbandes und der Karitasdirektor wur­den vom Hochw. Herrn Bischof ernannt. Vorsitzen­der ist Domkapitular Pros. Dr. Thielemann, Karitasdirektor Kaplan Beier; zum stellvertre­tenden Vorsitzenden wurde Bankvorstand Enders gewählt. Weiter wurden in den Vorstand ge­wählt Frau Dr. Antoni, Vankdirektor Goe­bel, Stadtpfarrer Gramm, Pfarrer Kirche r- Petersberg, Konrektor Peter Schmitt, Frl. Fanny Schmitt und Hauptlehrer Vogel- Künzell. Die anschließenden Beratungen der Vormittagssitzung drehten sich um die durch die Versicherung s- zentrale der katholischen Wohl­fahrtspflege geschaffene Sterbevor­sorge. Der Antrag, daß auch in der Diözese Fulda der Diözesan-Karitas-Verband die Sterbe- vorsorge übernehmen solle, wurde mit Stimmenmehrheit angenommen. Die Verhandlun­gen bei der Ueberleitung führt eine Kommission, der außer Karitasdirektor Beier Bankvorstand Enders, Pfarrer Kircher- Petersberg, Kon­rektor Schmitt und Rechnunqsdirektor Wohl­gemut angehören. Am Nachmittag stand die SorgefürdieKinderim Vordergrund. Zu­nächst sprach Lehrer Becker- Fulda, der Vertre­ter der Diözesanleitung der katholischen Schulorga­nisation über die Gefahren, die ihr drohen. Die Versammlung sprach den Wunsch aus, daß in der Stadt Fulda möglichst bald eine größere Anzahl von Kindergärten errichtet werden möchten. Bedauert wurde die Tatsache, daß es in der Jugendpflege an begei­sterten Jugendführern aus den Laienkreifen fehle. Das zweite Referat hatte Stadtjugendpfle­ger Lehrer Taube! übernommen. Er sprach Über die oft behandelte und sehr verschieden beant­wortete Frage der Unterbringung pflege­bedürftiger Stadtkinder auf dem Lande. Vom volkswirtschaftlichen, ärztlichen und pädagogischen Standpunkte wurden Vorteile und Nachteile des Ferien- und Sommeraufent­haltes in unseren Dörfern beleuchtet. Gerade an dieses Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache darüber, wie die ausgetretenen Mißstände und Schwierigkeiten behoben werden können. Nach­mittags gegen 6 Uhr konnte der Vorsitzende die Generalversammlung schließen.

Aus dem Kloster Frauenberg.

Gestern traf im Kloster Frauenberg zu kurzem Besuch der neu ernannte Missionsbischof, Apostol. Vikar von Tsinanfu (Nordschan- tung, China) Pater CyrillusIarreO. F. M ein. Der hohe Gast befindet sich auf der Reise nach Köln, wo voraussichtlich im Laufe des Monats Juli feine feierliche Konsekration zum Bischof er­folgen wird. Monsignore Pater Jarre ist Mit­glied der alten sächsischen Franziskanerprovinz und war bereits 20 Jahre in der genannten chinesischen Mission, die den norddeutschen Franziskanern an- vertraut ist, tätig. In den letzten fünf Jahren

wirkte er als Lehrer der jungen Misiionskandidaten f 25 Mennig beträgt. die

im internationalen Studienkolleg der Franziskaner zum ersten Male Lei BEplatzbestellungen für die San Antonio zu Rom, von wo ihn das Vertrauen | Nacht vom 1. zum 2. Juli zu erheben.

des Hl. Vaters jetzt auf den Posten eines Missions­bischofs wieder in sein altes Missionsgebiet berief.

warum hatten wir kein Licht?

Nach Einbruch der Dämmerung setzte gestern warum verschwindet der Aal in der Fulda? I abend für kurze Zeit plötzlich das elektrische^ Licht

Im Mündener Taaeblatt" veröffentlicht K o n- I aus Wie uns das Ueberlandwerk mitteilt, ist die r i di - Hannover einen Aufsatz der sich mit dem I Stromunterbrechung dadurch verursacht worden, drohende?^VerschwiN'en des Aales in daß bei der Postkabelverlegung ein Arbeiter da­unseren Gewässern beschäftiat. Nach seinen Dar- H ochs pa n"ru?onnte de?B?- legungen haben die Hauptschuld die F l u ß w e h- Abtrennen der fehlerhaften «treckekonnte der -öe

ren bei Bremen und Dörverden, die mit trieb nach etwa 8 Minutenwieder voll aus-

vollständig unzureichenden Fischpassen versehen genommen werden .De^^beterdermtt einer seien. Nach sachverständigen Berechnungen wird Kreuzhacke müdem KabeBerührung ram, die Aalbrut vor einem solchen Wehr auf 82 kann von Gluck sprechen, daß er nicht ernstlich ver- Millionen Stück berechnet, die zum großen Teil zu I letzt wurde. '■ •'

Grunde geht, weil sie nicht in den Oberlauf der I Wichtige Besprechung der Jugendleiter. Flüsse gelangen kann, wo sie.ihre Entwicklung Der Stadtjugendpfleger bittet die ~ ' durchmacht. Man sucht erne kleine Abhilfe, indem man am Dörverdener Wehr die Brut mit (Timern hinüberschöpft. Daß man damit aber nur einen kleinen Teil rettet, ist auch dem Laien klar. Die sonst so reiche Fischzucht der Weser hat durch Bin­nenschiffahrt und Anlage von Elektrizitätswerken stark gelitten, der W e s e r l a ch s ist ganz ver­schwunden, und dem Aal scheint ein gleiches Schick- , ... .....

sal zu drohen. Man setzt zwar in die Oberlaufe I Im Vogelsberg mit dem Motorrad verunglückt, der Flüsse von England bezogene Aalbrut ein — I Am Sonntag abend stieß, wie erst jetzt bekannt wir erinnern daran, daß in diesem Frühjahr auch wird, auf der Landstraße zwischen S ch o 11 e n und 10 000 Jungaale in der R o s e n au eingesetzt I Ulrichstein ein Motorradfahrer aus Bronnzell wurden — erreicht aber das lange nicht, was auf I beim Ueberholen eines Lastfuhrwerks mit einem natürlichem Wege möglich wäre. Der jährliche I Schaden für das Volksvermögen wird allein durch I das Bremer Wehr auf 400 000 Mark berechnet. I Mit Recht verlangt man deshalb die Umänderung I

bald ich ihn erblickte, wußte ich, daß er einer jener sonderbaren Menschen war, die in Paris das Unterste zu oberst kehrten; jene neue Art Menschen, die, durch­drungen von den Lehren Rousseaus, die Welt nach ihren eigenen Plänen neu zu gestalten versuchten. Ich erhob mich und grüßte.

Der Ankömmling war ein Mann meines Alters, mit einem hübschen kühnen Gesicht und Augen, in denen eine Welt von Sorgen, ein wenig Wildheit und viel Ent-

Der Fremde lachte.

„Der Bürger braucht keine Angst zu haben."

Er griff nach seinem Hut und nestelte eine Weile an dem zerrissenen Futter herum. Dann hiell er mir den Brief, denselben Brief, meine teure Cöleste, den ich hier­her gesetzt habe und der deine Großmutter in meine Geschichte einführt.

Obwohl die Anforderungen meiner schwierigen Rolle mich gelehrt hatten, meine Gemütsbewegungen zu mei-

bas schöne Leben in Lanchon stören sollte.

„Paris ist schwerlich ein wünschenswertes Pflaster gerade jetzt," bermertte er.

In meinem Inneren waren eigenartige Empfindun­gen am Werk. Ich antwortete:

„Besonders für eine Frau."

Er lachte kurz, doch merkte ich deutlich, daß ihn der Tadel getroffen hatte.

lchlofsenheit lag. Seine Kleider, die wohl nie von den allerbesten gewesen sein mochten .waren stark abgetra­gen. Er riß seinen mit einer Kokarde geschmückten Hut vom Kopfe -md bat, sich setzen zu dürfen. Meine Ein­ladung zu einem Glase Wein nahm er mit der Miene eines Mannes an, der lieber nein sagen würde; und der verächtliche Blick, den er auf den wappengeschmückten Präsentierteller warf — das Wappen der Familie Vervier war von wunderbarer dekorativer Wirkung — entging mir nicht. Er leerte das Glas auf einen Zug und begann sofort mit seinem Geschäft.

Er kam, wie er erzählte, von Rouen herübergeritten und war auf dem Wege von Paris nach der Küste, mit Depeschen von Saint Just an die Vertreter des Kon­vents in London. Dann sagte er, er suche den Bürger Gaspard Vervier.

Gautier warf mir bei diesen Worten einen fragen- den Blick zu. Einen Augenblick lang herrschte ein unbe­hagliches Schweigen. Ich trat in die Bresche.

„Mein Vetter Gaspard ist gestorben, Monsieur," sagte ich.

„Wohl ihm, daß er diese abscheuliche Wett hinter sich hat . . . Und Ihr Bürger?"

Ich lächelte und machte eine wegwerfende Hand- beroegung.

„Ich trage unwürdigerweise die Sckude eines To­ten."

ftern, glaube ich doch, daß sich beim Lesen des Briefes Erstaunen auf meinem Gesicht malte. Ich warf das Blatt mit einem leichten Auf lochen auf den Tisch und wandte mich an den Notar, indem ich mit dem Finger auf den Namen am Schluß des Briefes zeigte.

„Wie es scheint, hat mein seliger Vetter doch auch feine Momente der Zärtlichkeit gehabt."

Gautier nahm den Bries und las; dann blickte er nach dem Fremden.

„Vielleicht kann uns der Bürger . .

„Lacroix."

„Vielleicht wird der Bürger Lacroix die Güte haben, uns zu sogen, von wem er dos bat?" Dabei schlug er mit feinem Zeigefinger auf das Papier.

„Ich überbringe den Brief nur aus Gefälligkeit ge­gen einen Freund, einen gutgesinnten Bürger. Namen nennen ist nicht ratsam in einer Zeit wie diese. Meine Willfährigkeit gegen den Freund ist schon eine Pflicht­verletzung. Ich habe den Brief überbracht, und roeiter will ich mit der Sache nichts zu tun haben." Er stand auf. „Ich wünsche den Bürgern einen guten Abend."

Das war alles, was wir aus diesem verschwiegenen Jünger Saint Justs herauskriegen konnten. Nicht ein. mal das Angebot eines Nachtlagers nebst Trank und Speise für ihn und sein Tier konnten den Bürger Lacroix weiter von seiner Pflicht gegen den Konvent abwendig machen. Da seine Botschaft ausgerüstet war.

„Monsieur haben doch nicht die Absicht, sich in eine Sache zu mengen, die Sie in Mißkredit bringen könnte?"

Ich las den Bries noch einmal durch.

„Das ist die Hand einer Dome," sagte ich. Dann fügte ich hinzu: „Mein lieber David, ich habe es bereits satt, im Schloßgraben auf Karpfen zu angeln. Ich fürchte, dieser Monat des Träumens in Arkadien hat die Abenteuerlust in mir nicht erstickt. Ja, Gautier, ich glaube, ich werde nach Paris gehen."

Der Notar zuckte seine schmalen Schultern.

„Monsieur sollten sich warnen lassen .. ." begann er.

Doch ich unterbrach ihn mit einem Schlag auf seine Schulter, der die dürren Knochen in seiner Haut klap­pern mochte.

„3a, alter Unglücksrabe, ich gehe nach Paris. Wenn Sie nicht ein so trockener alter Stock wären, würde ich sagen, Sie sollten mitkommen. Hätten Sie ein Herz im Leibe, so würden Sie hören, was ich höre . . . Horchen Sie doch, Gautier, horchen Sie doch . . . Hö­ren Sie nicht die Stimme des Lebens rufen . . . von fernher über die Londe, von Paris? Wo ist der Bursche» Jakob . . . Jakob . . ."

Der alte Diener kam eilends aus dem Speisesaal auf den Altan herausgelaufen.

(Fortsetzung folgt.)