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auch für hie Grundbesitzer

Die schönste Frau der Welt,

Zweites Kapitel.

Das Lustschloß in der Normandie.

Es wäre zwecklos, alles zu Papier zu bringen, was sich an den folgenden Tagen ereignete, und gern erspare ich mir die Mühe des Erzählens, um so mehr, als ich dabei keine Erleichterung meines Gewissens fände.

Die dreiundsiebzig Guineen ebneten meinen Pfad. Außerdem hatte ich das Glück, im nächsten Postwagen einen Platz zu finden, so daß ich meine Reise nach Dover noch am selben Tage fortsetzen konnte und keine Verzö­gerung erlitt, denn das Schiss, das mich nach Frankreich bringen sollte, hatte infolge des Ausbleibens der Post seine Abfahrt verschoben, und die Zeit, die ich in Temple Ewell verschleuderte, hätte ich auf alle Fälle in Dover zubringen müssen. Der Kanal war glatt wie ein Mühl­teich, und ich landete in Frankreich fröhlich und guter Dinge. So schnell ich konnte, eilte ich nach Rouen, wo ich mich einige Tage aufzuhalten gedachte. Ich wohnte dort recht vornehm im Gasthof zur Post und verbrachte meine Zeit mit der Durchmusterung der normannischen Familienarchive. Meine Bemühungen waren von Er­folg gekrönt. Mein bis dahin spärliches Wissen über die edle Familie derer von Vervier erfuhr eine beträchtliche Ergänzung und Vermehrung.

Und während ich jene Urkunden vergangener Größe durchstöberte, überkam mich ein ganz eigenartiges Ge- sühl des Stolzes, beinahe als ob ich in Wirklichkeit jenem edlen Geschlecht, das seinen Namen auf die ruhmreichen Blätter der Geschichte geschrieben, angehörte. So sehr hatte ich mich in meine Rolle eingelebt. Ich las von längst verstorbenen Verviers, die in den Kriegen mit Sa­voyen im sechzehnten Jahrhundert Heldentaten getan, von einem Vervier, der zusammen mit Richelieu gespon­nen, und von einem anderen, der Finanzminister Hein­richs des Vierten gewesen war. Das Geschlecht der Ver­niers hatte, wie ich sehen konnte, mst der Zeit an Be­deutung verloren, denn seit dem Tode des Grand Mo- narque im Jahre 1715 sanden sich keine Aufzeichnungen mehr über tüchtige Taten seiner Mitglieder. Der Zweig der Familie, der in Lanchon begütert war, schien ein ent­fernter Sprößling des Hauptstammes zu fein und hatte sich weder durch WLffentcüen noch auch in den Wissen-

Volkes die wirtschaftlichen Folgen dieses verhäng­nisvollen Weltkrieges tragen.

Dieser Gedanke ist in der Tat unfaßbar; aber es ist kaum anzunehmen, daß es so kommt. Die Geschichte hat ihre eigene Logik und geht chre eige­nen Wege. .

Aber auch abgesehen davon hat in dem neuen Plan Deutschland eine Reihe von Möglichkeiten, um eine Erleichterung seiner Lage zu fordern. Es hat die Möglichkeit eines Transferaufschubs, aber auch eines Zahlungsaufschubs. Allerdings ist em solcher Aufschub nur möglich für die über einen Betrag von 660 Millionen Reichsmark bin aus­gehende Summe. Denn diese 660 Millionen Reichsmark sind ein fester und unaufschiebbarer Bestandteil der jeweiligen Jahreszohlung. Haben Transfer- und Zahlungsaufschub keine Wirkung, dann kann Deutschland die Revision bean­tragen. Es erhält nämlich das Recht, zu er­klären, daß seine Währung und Wirtschaft ernst­lich gefährdet würden, wenn der nicht der Bindung unterliegend« Test der Reparationssumme, der also über 660 Mllionen Reichsmark hinausgeht, teil­weise oder ganz bezahlt werden müßte, lieber den Revisionsantrag selbst entscheidet ein eigener, I hei der zu gründenden internationalen Bank ernzu-

Lisl Goldarbeiter in Wien, die Schönheitskönigin von Oesterreich, ist von den Schiedsrichtern der großen internationalen Schon- heitskonkurrenz in Galoeston (Texas, U. S. 2t.) zur „Miß Universum" erwählt worden.

JV» 157.

Samstag, den 15. Juni 1929.

Reparationszahlungen der Zukunft. ]

Vergleich zwischen dem Dawes- und dem Young-Plan.

Von einem unserer Berliner Mitarbeiter:

Seither war das Reichshaushaltsjahr verschieden I vom Reparationsjahr. Während die Reichshaus- I Haltsrechnung vom 1. April eines Jahres bis zum I 81 März eines nächsten Jahres lief, hat das Re- I parationsjahr den Zeitraum vom 1. September I eines Jahres bis zum 31. August des folgenden I Jahres umfaßt.

Nach dem Poungplan soll nun eine Ueberem- stimmung zwischen Haushalts- und Annuitätenjahr herbeigeführt werden dadurch, daß auch die Annui­täten künftig vom 1. April eines Jahres bis zum 31. März des nächsten Jahres laufen. Um eine | Uebereinftimmung nun herbeizuführen, wird der Dawesplan am 31. August ds. Js. außer Kraft gesetzt und die erste Annuität läuft nur auf ein halbes Jahr, nämlich vom 1. September 1929 bis 31. März 1930. Vom 1. April 1930 ab beginnen dann die Normalzahlungsjahre, die also sich vom 1. April eines Jahres bis zum 31. März des näch­sten Jahres jeweils erstrecken.

Bis zum 1. September 1929 sind an Repara- tionsverpflichtungen auf Grund des Dawesplanes 863,1 Millionen Reichsmark zu bezahlen; die Halb­jahrs-Annuität vom 1. September 1929 bis 31. März 1930 ist mit 742,8 Millionen Reichsmark be­ziffert, sodaß insgesamt für das laufende Reichs­haushaltsjahr, das mit dem 31. Mörz 1930 ab- fchlietzt, an Reparationszahlungen 1605,9 Millionen Reichsmark bezahlt werden müssen. Das ist eine sehr wesentliche Erleichterung selbst unter Berück­sichtigung des Umstandes, daß das „Normal"-Da­wesjahr, das mit dem 31. August 1930 ab gelaufen wäre, einen Betrag von 2500 Millionen Mark er­fordert hätte.

setzender Ausschuß. Dieser Ausschuß muß unter Umständen auch eine nachdrückliche Nachprüfung der wirtschaftlichen Leistungs- und Zahlungsfähig­keit Deutschlands vornehmen.

Neben den Barzahlungen bleiben für die nächsten zehn Jahre auch noch Sach liefe, rungen bestehen. Den gänzlichen und plötzlichen Wegfall glaubte man nicht verantworten zu können, weil damit der Außenhandel Deutschlands in ernste Schwierigkeiten geraten würde. An Sachlieferungen soll Deutschland im ersten neuen Reparatlonsjahr, also im Jahre 1930/1931, zahlen 750 Millionen Mark, im zweiten Jahre 700 Millionen Mark und so weiter absteigend in jedem Jahre um le M Mil- (tonen Mark bis zu einem Betrag von 300 Millio­nen Reichsmark im zehnten Reparationsjahr.

Das Wichtigste aber ist, daß alle Hypotheken, Verpfändungen, Kontrollen, Ueberwachungen und ^dergleichen von der deutschen Wirtschaft und der deutschen Industrie, auch von der Reichsbahn weg- genommen werden, so daß also Deutschland seine absolute finanzielle »elbstandig- keit und Bewegungsfreiheit tmeter er- hält. Das ist im Hinblick auf die Erlangung von Auslandskrediten von ganz besonderer Bedeutung.

uns zuerst über das Wetter und die Ereignisse in Paris, über die Kriegslage und alles Mögliche sonst, bevor es sich schickte, das Gespräch auf Louviers und seine Bewoh­ner zu bringen. Ich erwähnte beiläufig den Namen Gautier. Der Besitzer des Kaffeehauses zum Purpurnen Weinstock richtete seine kleinen blauen Augen aus mich.

„David Gautier?" fragte er.

Ich nickte nachlässig mit dem Kopfe und nahm einen Schluck aus meinem Glase. Mein Wirt sollte nicht den- ken, daß ich allzu großes Interesse an David Gautier habe.

„Ein Notar," sagte ich, „mit dem ich Geschäfte zu erledigen habe." Der Kaffeesieder lachte wie einer, dem es komisch oorkam, daß jemand mit David Gautier Ge- schäfte haben könne.

„Das ist gerade hier gegenüber, Monfteur Gautier war vor einer knappen Stunde hier und saß an diesem selben Tisch. Wenn Monsieur zur Tür kommen wol­len . .

Ich erhob mich und folgte dem Manne zur Tür. Ein seiner Sprühregen ging nieder, durch den hindurch ich eine Zeile kleiner grauer Häuser, aus denen kein emzi- ges Licht schien, ausnehmen konnte. Der Wirt streckte seinen Zeigefinger aus.

„Numero zweiundfiebzig . . ., dort, da- dritte Haus von oben."

„Die Kanzlei bloß, vermutlich?"

.Jawohl, Monfteur. David Gautier besitzt ein kleines Haus an der Landfttaße nach Elboef, wo er seit dem Tode seines Vaters wohnt."

Mein Herz schlug heftig. Ich wandte mich um und sagte, indem ich zu dem Tisch zurückschritt, in gleichgüt- tigern Tone:

„So, ist der alle Herr gestorben? 9t tat mir leid das "zu hören. Und sein Sohn David ist wohl noch * junger Mann?"

Der Wirt vom Purpurnen Weinstock zuckte di, Achseln.

„Etliche Jahre älter als Sie kann et sein."

(Fortsetzung folgt.)

Der Abenteurer.

Von D. Whitelaw.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deutschen Rechte bei Stete von Urbaniblv. Wien.

7] -----------

Ich las meine Aufzeichnungen durch, faltete das Blatt sorgfältig zusammen und freute mich im Vorgenuß mei­nes kommenden Lebens. Die Schreckbilder, die mich seit London verfolgten, waren verblaßt; das düstere Haus meines Onkels in der Rue de la Harpe zerschmolz wie Hauch im Wind, und an seiner Stelle erhob sich ein Feenschloß mit Hof und Garten, Türmchen und Man- sardendach . . .

Vor der Hand, sagte ich zu mir selbst, würde ich mich auf gut Glück vom Winde des Schicksals treiben lassen. Paris, mein gestrenger Onkel und meine langweiligen Vettern mochten warten auf das Vergnügen, Maurice Mannering bei sich zu sehen. Viel angenehmer würde es fein, diese wunderbaren Sommertage zwischen den Wie- fen und Obstgärten der Normandie zu verschlendern. Auch ich würde auf der alten Steinbrücke über dem Schloß­graben sitzen und in seinen stillen Wassern auf Karpfen angeln.

Ich sah nach der Uhr — ein großer, schwer goldener Chronometer, prächtig ziseliert mit Wappen und Wahl­spruch der Verviers. Kein übler Ersatz, dachte ich, für die mittelmäßige Silberuhr, die ich erst Tags zuvor bei einem Juden am Heumarkt für lumpige drethtg Schilling hatte verkaufen müssen. Es war elf Uhr.

Ich erhob mich von meinem Sitz in der Laube und begab mich aus der flimmernden Hitze des Gartens in das kühle Dunkel des Schankraumes. Ich bestellte Bier, gutes, klares, bernsteinhelles Bier, und trank es zum Gedächtnis meines guten, guten Freundes Armand Ver­vier und auf die Gesundheit und das Gedeihen Mau­rice Mannerings, des unwürdigen Gesellen, der im Be­griffe war, die Schuhe, die jenem nichts mehr nützten, anzuziehen. . . . Armand Vervier ist tot, sagte ich, — lang lebe Armand Vervierl

Allgemeinheit" für Wege beschreitet, am der Hau»' befttzerschaft die Grundrente, den Aapitalzins und aufgewenbeten Arbeitslohn zu ersetzen die seit i M Jah„n ganz im Sinne der Bodenreform weggestnier werden. $ Ss empfiehlt sich immer, non bem jewci rjer Ort, dem wir uns moralisch am meist n verpflichtet fühlen muffen, auszugehen, um und Spekulanten" nahe zu kommen Em kleiner Jin- blick in die Fuldaer Hausbesitzerverhaltnisie, insbeson bere der All- und Fachwerkbauten, dürste von '.-dem Spekulantenschreck und jeder Bodenreform. he.ttn. Die Hausbesitzerschaft der Vorkriegszeithat für de All gemeinbeit" tausendmal mehr geleistet, als der Besitz lose, welcher ohne wirtschaftliche Erwägungen an dieses Problem herangeht und der sich meist nur darumi e- müht, die „andern" arbeiten zu lassen, für sich ttdoch die Rente einzustreichen. Idealismus am unrechten Ort hat bald den Anstrich eines krassen Materialismus

Man mutz schon ein halber „Interessent sem , oder sehr nachhaltig wissenschaftlich sich | Problem beschäftigt haben, um auch ^r Bodenreform richtig Stellung zu nehmen, wenn man nur als Besitz lostr interessiert ist, ist Sozialismus im echten Sinne nicht allzu weit entfernt.

Zuletzt noch eine Frage: Wer ersetzt der heutigen schwer leidenden Landwirtschaft die dauernden Sud- ftnntnerlufte die sie feit Jahren erleidet.und tue zur unerträglichen Verschuldung geführt haben? Wenn die Allgemeinheit" die Werffteigerung wegnehmen will I mer steht für die Wertminderung ein?

Dr. Ferdinand Burchard, Fulda.

katholische Welt.

- Heiligsprechung in Rom. Sn der von Gläubiger überfüllten Petersbastlika in Rom fand am Montag die Zeremonie der H e i l i g, p r e ch u n g d e r e h r w u r- d i a e n Teresa Margherita R e d i ans dem Or- den vom Heiligen Herzen Jesu der barMgen Karmelite­rinnen statt. Am Nachmittag begab sich der Papst in Kettung feines Hofei in die Basilika, um d,e neue Heilige zu verehren. Der Zeremonie wohnten das diplo- matische Korps sowie zahlreiche Pilger bei, die stch an. läßlich des Priesterjubiläums Pms XI. in Rom befm- 6en— Deutscher Abt der Venediktiner in Sao Paulo. Zum neuen Abt des Benediktinerklosters wurde der bisherige P. D. Domingos Schellhorn berufen, der am 8. April 1881 in Amberg (Bayern) geboren wurde, als junger Mann von 19 Jahren nach Brasilien tarn und am 19. Juni 1903 das Ordensgelubde ablegte. Am 2. Juni 1903 wurde er in Sao Paulo zum Priester geweiht und hat im Pauliftaner Kloster bereits das Amt als Rektor, Prior und Professor der Mathematik an der Klosterschule innegehabt.

Sulöücr Leitung -------

Die eigentliche Annuitätenrechnung beginnt also, I wie gesagt, am 1. April 1930. Für das Abrech- I nungsjahr bis zum 31. März 1931 sind dann zu I zahlen 1707,9 Millionen Reichsmark, also immer- I hin 800 Millionen weniger, als der Dawesplan er- I fvrdet hätte. In dem zweiten Annuitätenjahr, vom 1. April 1931 bis zum 31. März 1932, beläuft sich I die Ziffer auf 1685 Mllionen, steigt dann iim hahre 1933 auf 1738,2 Millionen, 1934 auf 1804,3, I W35 auf 1866,9 Mllionen und so weiter in lang- I .imer Folge bis zum Höchstjahresbetrag, der im I zahre 1966 mit 2427,5 Millionen fällig ist. Also I iuch diese Höchstziffer liegt noch etwa 100 Millionen I unter dem Normalzahlungsbetrag des Dawes- I planes, den wir schon im laufenden Jahre hätten I bezahlen müssen.

Schon daraus ergibt sich die wesenttiche Er- I leichterung der jetzigen Regelung, ganz abgesehen I davon, daß ja auch in dem Dawesplan noch der I sogenannte „W ohlstands ind ex" enthalten I wär, nach dem bei steigender Leistungsfähigkeit I Deutschlands bestimmte Summen, die nach Lage I der Dinge wieder mehrere hundert Millionen Mark I ausgemacht haben würden, hätten entrichtet werden I müssen. Das kommt nun in Wegfall. Dafür hat I man der von der Gegenseite angenommenen stei- I genden Prosperität in den von 1931 bis 1966 von I 1700 Millionen auf 2400 Mllionen ansteigenden 1 Schuldsummen Rechnung getragen.

Sehr wichtig ist diese feste Begrenzung ohne I Inanspruchnahme der Früchte der steigenden deut­schen Psrodukttonskwst deshalb, weil danW titel Schaffensfreudigkeit und der Unternehmungsgeist )er deutschen Wirtschaft keine Beeinträchtigung mehr erfährt und dem Ausdehnungs- und Be- iätigungsdrang der deutschen Industrie keine Gren- 1 ,en mehr gesetzt sind. Das fällt vor allem auch j sehr ins Gewicht hinsichtlich der Kreditwür- d i g k e i t Deutschlands, die unter den gekennzeich­neten Beschränkungen empfindlich leiden mußte.

Was nun die weiteren Zahlungen angeht, so erstrecken sie sich nach der Höchstziffer im Jahre 1966 mit 2427,5 Millionen Reichsmark noch auf weitere 20 Jahre bis zum Jahre 1987. In diesem Schlußjahr sind noch 897,9 Mllionen Reichsmark zu begleichen. Von 1966 bis 1967 fällt allein schon die Jähreszahlung um rund 800 Millionen, näm­lich von 2427,5 auf 1607,6 Mllionen Reichsmark. • Dann freilich gibt es wieder weiteren Anstieg bis auf 1700 Millionen, um dann auf die oben er­wähnte Ziffer im Jahre 1987 zurückzufallen. Mit den 5 'iahrcn, die wir schon hinter uns haben, müssen also zwei ganze Generationen des deutschen

Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, daß wir, nachdem wir die Freunde der Bodenre­form zu Worte kommen ließen, auch der an­deren Seite unsere Spalten öffnen. Wir müs­sen in Deutschland wieder dahin kommen, den Kampf der Meinungen offen und fachlich aus­zutragen. Deshalb bringen wir auch diese Zu­schrift .ohne uns mit den darin geäußerten Ideen irgendwie identifizieren zu wollen. Auch wir erkennen zwar die Unmöglichkeit, die Grundrente richtig zu erfassen, können uns aber nicht dazu verstehen, die Bodenreformer einfach zu Feinden des Grundbesitzes zu stem­peln. Auch müssen wir die Verdienste Da­maschkes um die Wiedereinführung des Erb- baurechtes u. a. voll anerkennen. Vor Heber- treibungen werden wir freilich immer warnen.

Man kann nur zustimmen, wenn Bestrebungen im Gange fein sollen — und sie sind im Gange — „der Spekulation mit dem deutschen Boden ein Ende zu ma- chen", — so weit überhaupt spekuliert oder zum Nach­teil der Allgemeinheit mit Grund und Boden spekuliert wird. Vorerst muß heute festgestellt werden, daß sich augenblicklich am Grund und Boden sehr wenig zu be­reichern ist.

Es ist der falsche Weg, das mit großem Ernst ge­schriebene Buch von Pesl über „Kirche und Bodenre- form", ohne dasselbe auch nur gelesen zu haben, in Grund und Boden zu verdammen. Was Damaschke denkt und vorhat, weiß so recht niemand, da seine gesamten Darstellungen an absoluter Unklarheit leiden. Es dürfte ein Kunststück (ein, den Ertrag, den der Boden ohne alle Beteiligung von Kapital und Arbeit abwerfen kamt, „zu erfaßen". Seit Jahrzehnten zerbricht man sich den Kopf darüber, wie das geschehen fall, der Stein des Weisen ist noch zu finden. Man macht sich die Sache zu ein­fach, wenn man die Bodemvertsteigerungen der Allge- meinheit und in keiner Hinsicht auch dem Inhaber des Grund- und Bodens zusprechen will. Wenn zur Boden­preissteigerung in Berlin das ganze Deutsche Volk dei- getragen haben soll, so haben zur Bodenpreissteigerung in Fulda auch Berliner beigetragen. Umgekehrt, da Berlin sich heute und seit langem bevölkerungspolitisch dadurch erhält, daß es den Geburtenüberschuß der en­geren und weiteren Umgebung aufsaugt, müßte man Berlin die Schuld dafür geben, daß die Landflucht im Osten Deutschlands seit Jahrzehnten eine beängstigende Größe angenommen hat. Daß die Landflucht zur Ent­wertung des landwirtschaftlichen Bodens wesentlich mit beiträgt, liegt auf der Hand. Also mühte Berlin für die Entwertung größerer landwirtschaftlicher Flächen finan­ziell verantwortlich gemacht werden.

Wohin kommen wir mit einer solchen Betrachtungs­weise? Es ist sehr liebenswürdig von dem Einsender, wenn er vorgeblich nur den Terraingesellschaften und Spekulanten an den Kragen will. Das Gesetz — vor dem und Gott bewahren möge — wird nicht weniger den klei­nen und mittleren Hausbesitz betreffen. Die Bodenre­formbewegung ist so lange nicht aktuell, als wir heute in der Wohnungswirtschaft weit über die Bodenreform hinaus find und von dem Sozialismus echter Prägung uns nur dem Namen nach unterscheiden.

Wir brauchen nicht nach Sidney zu gehen, um uns „die Tat der Bodenreform" anzusehen, in der Tschecho­slowakei hat man für den Deutschen den Boden so lange „reformiert", bis bei ihm nichts mehr zu reformieren

war. In Oesterreich reformiert man seit Jahr und Tag: I die Ungerechtigkeit über diesen Raub am Eigentum, der I dort in Szene gesetzt wird, ist nicht mehr zu überbieten. I Man sollte auch weniger auf die „Spekulanten und Bo- I denwucherer" schimpfen, als es in dem Aufsatz geschieht. I Oder will der Einsender behaupten, daß die Stadt Ber- I lin, welche die größte Bodenbesitzerin ist — die Angaben I finden sich in derselben Nummer der Fuldaer Zeitung — I nicht nach rationellen Gesichtspunkten den Boden ver- 1 wertet. In der letzten Zeit sind Fälle durch die Presse gegangen, die einen ausgesprochenen Wucher einzelner I Städte mit Grund und Boden erkennen lassen. Da- rnaschke hat in einem Fall die betreffende Stadt in Schutz I genommen, obwohl nichts zu beschönigen war. Man I sieht: Damaschke kann auch anders.

Die berufenen Theologen haben bis jetzt von einem j unchristlichen Sozialismus bei Damaschke nichts entdeckt, I weil die Grundrentenfrage ein äußerst schwieriges Pro- I blem ist und sie sich mit Recht in wirtschaftlichen Fragen die nötige Reserve auferlegen. Für das unbefangene I Auge erübrigt sich eine Unterscheidung zwischen „ch r i st- kichern" und „unchristlichem" Sozialismus. „So- zialismus" ist bis heute immer noch Sozialismus gewesen I und es hat gar keinen Sinn, sich um die Vermischung I eindeutiger Begriffe zu bemühen. Schulzwang und Ar- I tnenmefen haben mit Sozialismus im landläufigen I Sinn, d. h. in dem Sinne, den ein Unbefangener die- I fern Begriff beilegt und beilegen muß, gar nichts zu tun, I noch viel weniger Familie und Kloster und nur, wenn I man diefem Begriff Gewalt antut, wird „Sozialismus" I harmlos. I

Prälat Kreutz ist erwiefenermaßen kein Anhan- 1 ger der Bodenreform, so lange es um die augenblicklich I bei weitem dringlichere Frage der Bedrohung des Pri- I Miteigentums an Grund und Boden geht. N e l l-B r e u- I ning dürfte selbst nicht wissen, wie er zu den Boden- I reformern gekommen ist. Er sagt selbst, er wolle schlim- I nieres verhüten. Auch die christlichen Gewerkschaften ha- 1 6en sich zu Ende des vorigen Jahrhunderts selbständig I gemacht, als die Führer sahen, daß sie mit ihrem Einfluß I innerhalb der freien Gewerkschaften nicht durchkamen. I Wir hoffen: Nell-Breuning wird sich wieder „felbftän- I big" machen, zumal unter dem Gesichtspunkt, daß gerade I dieser Mann dem heutigen kapitalistischen Wirtschafts. I system zu jeder Zeit die Stange hielt, und an den börsen­kapitalistischen Institutionen nichts zu bemängeln findet, also auch nicht daran, wenn dort mitunter ungeheure arbeitslose Gewinne erreicht werden. Das Genie eines Sonnenscheins läßt sich nicht in bas Damaschkesche Pro­krustesbett zwingen. Zur näheren Orientierung über die grundsätzliche Frage verweise ich auf den Artikel „Katholische Moral und moderne Reformbewegung von Studienrat Dr. W e n z - Fulda in Nr. 20 ber Deutschen Hausbesitzerzeitung. Auch ein wenig Orien­tierter weiß, baß viele Anhänger von Damaschke ihm später bie Gefolgschaft verweigert haben, weil bie Wifi Mschaft und ber Charakter von Damaschke nicht bas gehalten haben, was sie sich im ersten Enthusiasmus versprachen. Des Sängers Höflichkeit schweigt bet dem Gedanken an bie Methode, bie von Damaschke ange­wandt wurde, um den § 155 in die Reichsverfassung hinein zu bringen.

Um die Schwierigkeit ber Sobenreformfrage ins rechte Licht zu setzen, ist die Frage erlaubt: Was bie schäften sonderlich hervorgetan. Und so, nachdem ich mich mit der Vergangenheit vertraut gemacht, richtete ich mein Augenmerk auf die weitaus wichtigere Gegenwart. Hier lag alles günstig für mich. Gaspard Vervier war, wie es schien, ein knauseriger Sonderling gewesen, der allein in dem Schlosse hauste; ein Gelehrter und Stern- gucker, der selten Gäste empfing. Seit seinem im Som­mer 1791 erfolgten Tod stand das Schloß leer und war­tete auf die Rückkehr des einzigen Anverwandten Ga- spards, auf den unglücklichen Mann, den ich an der Do- verstraße hatte tot liegen lassen.

Es war am Abend des dreißigsten Juli, als ber dumpfige und arg zerschlissene Rumpelkasten, der die Rouener Post vorstellte, mich und meinen Mantelsack vor dem Bros d'Or, der kleinen Herberge am Hauptplatz von Louviers, absetzte. Der Abend war trüb; am Nachmit- tag hatte es geregnet, und bie Sonne war hinter schwar­zen Gewitterwolken untergegangen, lieber ber alten, toten Stadt lag ein fahles Zwielicht, das nicht danach an­getan war, meine ohnehin schon abgespannten Nerven zu beruhigen.

Meine Stimmung hob sich jedoch angesichts der Mahl­zeit, die mir der Wirt im Bros d'Or vorsetzte, so daß ich mich eine Stunde später, an Körper und Geist erftischt, auf den Weg machte, um den Schauplatz meines künfti­gen Lebens in Augenschein zu nehmen und den ersten wirklichen Schachzug in dem Spiele, das mir bevorstand, vorzubereiten. Mein erster Weg führte mich nach der Rue du Dome, einer steilen, winkeligen Gasse, wie ich fand, die von der kleinen grauen Kirche Samte Chapelle hinunter nach dem Flusse Eure führte. Die Kanzlei des Notars David Gautier befand sich im Erdgeschoß eines kleinen Hauses im mittleren Teile der Straße. Ein bumpfer, grauer Ziegelbau mit vorgekragtem Oberge­schoß, bie Fenster waren, wie natürlich zu biefer Stunde, unbeleuchtet. Don der gegenüberliegenden Seite der Straße aber schienen die einladenden Lichter einer Kaffeeschenke, und ich wandte mich dorthin.

t Ob es der drohende Regen war, der an jenem Abend I die guten Bürger von Louviers in ihren Häusern hielt, weiß ich nicht zu sagen. Tatsache ist, daß das Kaffeehaus ! leer war, als ich es betrat, u d der Wirt zeigte sich nur zu geneigt, ein Gespräch einzuknüpsen. Wir unterhielten