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Samstag, ven 8. Juni 19'29.

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

*■*■* Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fuldtik

König Zuad.

Eium Deutschland-Besuche König Fuads im Juni. Bon Dr. Ruuoli IBiügl-Haito.

Seit Aman Ullahs Pechtagen sieht man in Eu- enpa dem Besuche östlicher Könige ein wenig skep­tisch entgegen. Die es tun, haben Unrecht, ziehen Vergleiche, die nicht stimmen, nicht stimmen können und Dinge voraussetzen, die nicht vorhanden sind Wobei sie, nebenbei bemerkt, vergessen, daß es in Europa ebenso wackelige Throne gibt und daß der afghanische Königs-Revolutionär noch lange nicht abgewirtschaftet hat.

König Fuad von Aegypten ist einer der selb­ständigsten und dabei unselbständigsten Herrscher unserer Tage: Ganz selbständig regiert er seit lan­ger Zeit ohne Parlament mit seinem Mnistermm, fast ein Diktator; und doch unselbständig, so lange Englands Macht am Nil nicht gebrochen ist. Und Englands Macht am Nil steht nuf festen Füßen.

Niemand täte dem Könige einen Gefallen da­mit, über Englands Vorherrschaft herzuziehen, und niemand täte sich selbst einen Gefallen, wollte er die Wahrheit verschweigen; und diese Wahrheit lautet: König Fuads Macht gründet sich aus das Vorhandensein Englands, ohne daß er selber — wie es so oft dargestellt wird — eine „Puppe Eng­lands" wäre. England muß den König stützen, und der König muß England stützen; nicht aus ge­genseitiger Liebe, sondern aus Notwendigkeit. Es wäre Heller Wahnsinn, wollte sich ein ägyptischer König heute offen gegen Englands Vormundschaft am Nil auflehnen und sich weigern, die Anwesen­heit der Truppen und Beamten zu erkennen oder anzuerkennen. Dazu ist Englands Macht zu fest verankert, seine fast an Besitz grenzende Stellung im Sudan ist gefestigt und das Truppenausgebot zu groß, das es in ganz Aegypten unterhält. Ein ägyptischer Aufstand wäre in kaum zwei Wochen niedergeworfen und aus dem selbständigen König­reiche eine Kolonie geworden.

Jeder Einsichtige in Aegypten weiß es, begreift die kluge, langsamer Entwicklung zugewandte Poli­tik des Königs, und nur Fanatiker, bedenkenlose Heißsporne schreien gegen ihn als Puppe Englands und Sklaven des Hochkommissars, den England be­kanntlich immer noch an Stelle eines Gesandten in Kairo unterhält. Und andere Heißsporne, die sich gegen den König wenden, sind nicht minder lächer­lich, wenn sie behaupten, dieser König gehöre nicht nach Aegypten, weil er kein Aegyvter sei.

In der Tat ist König Fuad kein „Aegypter", son­dern, da er aus der Khedivenfamilie stammt, türkisch- albanischen Ursprungs. Wer aber ist denn „Aegyp­ter"? Sind es die Menschen, die seit Jahrtausenden am Nil wohnen, als erste fast das Christentum annahmen und in feiner alten Form beibehielten, die Kopten? Oder jene anderen, deren Gesichts­schnitt und Gestalt noch immer so sehr an die Ge­stalten und Gesichter des alten, gewaltigen Aegyp­ten erinnern, die Fellachen, die armseligen Bauern? Wenn „Aegypter" nicht die Zugehörigkeit zu einer Nation sondern zu einem Volke ausdrücken soll, so dürfen wohl nur diese beiden Gruppen Anspruch auf diese Bezeichnung erheben — und doch sind beide nicht in Aegypten ausschlaggebend und ge­hören nicht zu denen, die gegen das Aegyptertum

des Königs lärmend protestieren. Die dies tun, sind selbst ebenso wenig oder ebenso viel Aegypter wie der König: sie stammen aus der Oberschicht, den maßgebenden Kreisen, der islamitisch fühlenden Schicht der Gebildeten und der stumpfen Masse der Ungebildeten : alle sind sie Araber und setzen gar zu gern ihr Arabermm dem Aegyptertum gleich.

König Fuad ist Aegypter, kem Araber; wer am Nil beides identifizieren will, hat das Recht den König einen Fremden zu nennen — nie aber darf er vergessen, daß er selbst im fruchtbaren Nil­tal nur lebt, weil es feinen Vorvätern gelungen ist, das Land zu erobern, wie es später den Tür­ken gelang, es unter ihre Verwaltung zu bekom­men; Araber und Türken sind also mit derselben Berechtigung im Nilland, und wer den Kamps der Khedivenfamilie gegen das Sultanshaus kennt, wer da weiß, wie die Khedioen mit wenigen Ausnah­men immer mehr Selbständigkeit für Aegypten er­reichten, wird ihnen nicht abstreiten können, daß sie ebenso gute Ägypter sind wie die Nachkommen der arabischen Eroberer.

Die Zahl dieser Angreifer spielt für die Sicher­heit des ägyptischen Thrones durchaus keine Rolle. Selbst wenn die Zahl der Königsgegner viel grö­ßer wäre, als sie in Wirklichkeit ist, würden die vernünftigen Elemente sich gegen jeden Umsturzver­such auflehnen; sie wüßten, daß des Königs Vor­handensein eine absolute Notwendigkeit ist und daß sie nicht nur mit des Königs zahlreichen Anhängern zu rechnen hätten, sondern auch mit — England.

So kann der ägyptische König gang ruhig jede Reise antreten. Die Zahl seiner Gegner ist nicht gefährlich, und die Menge steht hinter ihm. Auch ist er kein Reformer, kein Revolutionär, kein An­hänger kemalistischer Ideen wie der Afghanenkönig, sondern Muselman mit allen Attributen des Gläu­bigen und wird sich hüten, gefährlichem Beispiel zu folgen. Selbst wenn er, was recht fraglich ist, überhaupt ein Freund dieser Reformen wäre.

Und well er es wohl nicht ist, weil er als Mu­selman auftritt, werden die Neugierigen sich ver­geblich nach der Königin umschen: auch im Königs- Hause gilt noch die mohammedanische Regel, daß die Frau vor der Oeffentlichkeit zu verschließen und in ihren Frauengemächern zu halten ist. In ihren Frauengemächern, das heißt nichts anderes als im „Harem", den auch Aegyptens moderner König noch anerkannt und dessen Gesetze er durch die Hal- tung von Eunuchen und durch Innehaltung des ganzen Hof-Harem-ZerremonieÜs befolgt. Trotz sei­ner europäischen Erziehung.

Die Sensation des Äfghanenbesuchs, das Drum und Dran beim Besuche eines „modernen Exoten" wird man beim bevorstehenden Besuche des Aegyp- terkönigs vergeblich suchen. Der da kommt, ist ein politisch hochbegabter Mann, in Europa erzo­gen und in der Schule britischer Politik zu der Stellung gelangt, die er heute inne hat. Ihn als Puppe Englands anzusehen, ist sinnlos; noch sinn­loser aber, etwa zu denken, der Besuch in Berlin feine Art Demonstration des Königs gegen feine Londoner Vormünder; kein Mensch in ganz Aegypten hat an dergleichen gedacht und wird je daran denken, auf so kindliche Weise gegen Eng­land protestieren zu wollen. Man soll den Wert des Königsbesuches keinesfalls unterschätzen, er hat

Aus dem Reich des Königs Fuad: Abendstimmung bei Gizeh am Rande der Wüste.

M

Der Abmleuerer.

Von D. Whitelaw.

Aus dem Englischen von Wilhelm Entz.

Alle deuychcn Rechte bei Grete von Utbamb'ti. Wien.

Erstes Buch.

1792.

Der Rechtsanwalt John Bartimus aus Exeter stand an der offenen Haustür und wartete mit sorgsam un­terdrückter Geduld auf sein Kutschierwägelchen aus der Remise hinter dem Haus. Funktionen, wie die, welche er eben hinter sich hatte, waren ihm stets peinlich, ob­wohl Todesfälle für die Firma Bartimus u. Bartimus eben nur Geschäftsfälle waren, genau so wie für den Leichenbestatter oder für den Totengräber. Und dann, wo gäbe es all die köstlichen Verwicklungen, Vermächt­nisse, Uebertragungsurkunden, Regelung von Nachläs­sen und Liquidationen irdischen Besitzes, wie sie der Sensenmann auf seinem Wege durch die Welt für John Bartimus und seinesgleichen zum Auflösen hinterläßt, wenn die Menschen unsterblich wären? Ja, sogar die Amtsstube der Herren Bartimus u. Bartimus am Dom­platze in Exeter hatte etwas Gruftartiges, sozusagen Jenseitiges; jeder der schwarzen Kartons, die sich in staubigen Regalen bis hoch hinauf an den grüngrauen Wänden reihten, umschloß wie ein kleiner Sarg den Lebensroman eines Menschen, der nicht mehr war. Die weißen Lettern auf schwarzem Grunde bedeuteten die Namen von Leuten, die schon längst zu ihren Vätern versammelt waren, deren Taten und Missetaten jedoch die Firma Bartimus u. Bartimus noch immer reichlich in Nahrung setzten.

Jawohl, Todesfälle bedeuteten für John Bartimus nicht mehr als Geburten und Eheschließungen oder ge­legentlich auch Ehescheidungen, Gcschäftsfälle mit einem Wort; jetzt aber, da der besondere Fall, der ihn an die­sem Septembertag nach Grey Tor geführt hatte, zu sei­nem folgerichtigen Schluß gekommen war, drängte es ihn, damit fertig zu werden und heim zu kommen, in feine behagliche Stube, deren Fenster auf die große, graue Kathedrale hinausgingen, und mo

mit dem Essen auf ihn wartete; und dann zu seinem Studium, einem besonders interessanten und verwickel­ten Kapitel des Völkerrechts, mit dessen Problemen er seine Mußestunden auszufüllen pflegte. Maurice Man- nering war nun, nachdem er den ihm zugewiefenen Weg auf Erden zurückgelegt, tot und begraben; die Welt würde weiter gehen wie bisher und der alte Aben­teurer, da er all fein Weh und Ach mit auf den Kirch­hof genommen hatte, würde jetzt dort unter dem klei­nen, grasbewachsenen Hügel wahrscheinlich weit besser schlafen, als so manche Nacht in feinem altväterlichen Himmelbett in der Krankenstube zu Grey Tor.

Mister John Bartimus hiett in seinen Betrachtungen inne, als er hinter sich auf den Steinfliesen des Vor­hauses einen leichten Schritt hörte. Er setzte ein weh­mütiges Lächeln auf und wandte sich nach dem schlanken, in Trauer gekleideten Mädchen um. Er rieb feine schwarzbehandschuhten Hände und besann sich auf die er­lesensten der vielen Gemeinplätze, die er bei Anlässen die­ser Art anzubringen pflegte. Es war jedoch nicht so leicht, Gemeinplätze zu sagen .wenn man als Zuhörerin ein jun­ges Mädchen mit so kühlen, tiefgrauen Augen vor sich hatte, wie Cöleste Mannering. Mr. John Bartimus wünschte, diesmal habe fein Geschäftsteilhaber die Pflicht des Repräsentierens bei dem Begräbnisse auf sich genom­men. Er räusperte sich nervös und nestelte an feiner hohen, schwarzen Krawatte herum.

„Ich hoffe, daß wir Sie recht oft bei uns in Exeter sehen werden, Miß Mannering. Meine Frau würde sich unendlich freuen, wenn Sie ab und zu auf ein Plauder­stündchen zum Tee kämen. Ich fürchte, Sie werden es jetzt recht einsam haben."

„Sehr gütig von Ihnen, Mr. Bartimus. Vielleicht in einer Woche . .

Die Spannung löste sich, als das Geräusch der Räder auf dem Kies der Anfahrt hörbar wurde. Der Rechts­anwalt trat aus die Freitreppe ihnaus, als fein Wägel­chen um die Ecke bog.

, Ein schönes Alter, wenn man bedenkt, Miß Manne­ring, ein sehr schönes Alter I Ihr Herr Großvater hatte ein an Abenteuern reiches Leben hinter sich und war, wie ich vernehme, bis auf die letzten Jahre seines Lebens immer gesund. Wenn ein Mensch in diesem Alter zur

feinen Sinn und Zweck — ihn als „hochpolitisch" zu werten, wäre aber fast lächerlich.

* Das preußenkonkordak gehl an den Staats­rat Nach den Presfemitteilungen wird die parla­mentarische Behandlung des Konkordats sich der­gestalt vollziehen, daß das Staatsminisierium schon am Freitag Stellung nimmt und daß man mit der Unterbreitung der Vorlage an den Staatsrat für den 17. Juni rechne. Es dürfte nunmehr fest- stehen, daß die Vorlage selbst auch noch vor den Sommerferien an die Vollversammlung des Land­tags gelangen wird. Einige Tage vor dem 17. Juni soll auch die Presse über den Inhalt des Konkordats unterrichtet werden. Es ist als sicher anzunehmen, daß sich verschiedene Debatten über das Konkordat entspinnen werden, zumal auch die Landtagsfraktion der Deutschen Volks­

partei am 10. Juni eigens wegen der Konkordats­frage Zusammentritt, ebenso wie die demokrati­sche Landtagsfraktion am 13. Juni. Wenn alle Beteiligten nur vom Rechtsstandpunkt sich leiten lassen, und die Konkordatsfrage nicht parteipoli­tisch behandeln, dürfte es kaum schwer fein, zu ei­ner auch im Staatsinteresfe liegenden friedlichen Lösung und Einigung zu gelangen. .

* Besuch des preußischen Landwirtschafismim- flers in München. Der Preußische Landwirt- schaftsminister Dr. Steiger stattete in den legten Tagen der Bayerischen Staatsregierung einen Be­such ab Gleichzeitig besuchte er in Begleitung des Ministerialdirektors Dr. Arnold die landwirt­schaftliche Wanderausstellung in München. Am Donnerstag war der Minister Gast des Bayeri­schen Ministerpräsidenten Held. Bei dieser Ge- । legenhelt fand eine Aussprache über argrarpotiti» l sche Fragen statt.

6o$ialpolitih in üer Wksnm'IWWMiik.

töte mutz die wahre Zozialpolilik gestaltet sein? — Ein Zukunftsproblem, die „vetriebsdemokratie".

In Genf tagt zur Zeit die Internationale Ar­beitskonferenz. Zum ersten Male ist ein deutscher Vertreter zum Präsidenten gewählt worden in der Person des gerade auf dem Gebiete der Sozial­politik als hervorragenden Führer bekannten und angesehenen früheren Reichsarbeitsministers Dr. Brauns. In feiner Eröffnungsrede behandelte er in richtunggebender, beweiskräftiger Form die so­zialpolitischen Probleme sowohl vom ethischen als auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus. Da die Ausführungen nachhaltiges Echo finden werden, wollen mir sie in den wesentlichsten Punkten hier wiedergeben. Dr. Brauns sagte unter anderem: Der Gedanke der Sozialpolitik ist ja nichts Neues; wo die moderne Industrie sich entwickelt, wo die Menschen in Großstädten und Großbetrieben sich zusammenballen, da wächst aus der allgemeinen Fürsorge für Arme und Elende die besondere Form der Arbeitsschutz- und Arbeitsversorgungspolitik heraus, die uns als Sozialpolitik in engerem Sinne geläufig ist. In dem Ziele der sozialen Bestrebun­gen zeigt sich eine deutliche Wendung in dreifacher Hinsicht. Die Staatsfürforge wendet sich ntijt mehr ausschließlich, ja nicht nicht einmal mehr vor­wiegend den Arbeitsunfähigen, den Kranken, In­validen zu, sondern immer mehr auch den Gesun­den und Arbeitsfähigen. Damit ist folgerichtig verbunden, daß nicht mehr die Veisorgung Schwa­cher, sondern die Vorbeugung gegen die Schwä­chung im Vordergründe steht. Deswegen sehen wir überall eine Entfaltung des Arbeitsschutzes mit dessen wichtigstem Teil, der gesetzlichen Regelung der Beschäftrgungszest für erwachsene männliche Arbeitnehmer. In der Sozialversicherung, die sich nach Umfang und Inhalt bedeutsam entwickelt, tritt neben die Rente als gleichberechtigt das Streben, nach Vermeidung der Rentenbedürftigkeit durch Hebung der Volksgesundheit, Vorbeugen des Heil­verfahrens und vor allem auch durch Mutterschutz. Die Sozial-Medizin ist so zur Sozialhygiene ge­worden. Dabei vergessen wir keineswegs die tiefe Wahrheit, daß der gesunde Körper nur dann vol­len Wert hat, wenn er einen gesunden Geist be­herbergt.

Nicht weniger bedeutsam als diese menschen­ökonomische Seite der Sozialpolitik ist ihre Aus­weitung durch eine systematische Arbeitsmarktpoli­tik. In einer vor dem Kriege kaum gekannten Weise versucht der Staat die Arbeitermasfen vor der schwersten Gefahr der heutigen Wirtschaft, der Arbeitslosigkeit, zu bewahren oder wenigstens die Folgen der Verdienstlofigkest zu mildern. Damit ist ein Schritt von grundsätzlicher u. sozial. Bedeutung getan, denn wennderStaat die Existenzfrage aus dem Leben der in abhängiger Arbeit tätigen Millionen nimmt oder sie wenigstens erkennbar und fühlbar ein- schränkt, so trifft er damit den Kern der sozialen Frage. Die Staatsverfassung beruft die Gesundheit der Bürger zur Selbstbestimmung und Selbstver- antwortüng. Die Mehrheit dieser Staatsbürger steht als Arbeitnehmer im Dienste der anderen Bürger und kann die staatsbürgerlichen Ausgaben nicht erfüllen, wenn nicht das Arbeitsverhältnis ent­sprechend gestaltet wird, wenn nickt neben das Vermögensrecht, das mit dem Eigentum dem Be­sitzenden nicht nur Macht über die Sachen gibt, sondern auch über die Menschen, die ihrer nicht ent- enagen Ruhe abberufen wird .dann sollte man sich nicht allzusehr grämen und nicht über trüben Gedanken brü­ten."

lieber Cöleste Mannerings Gesicht huschte ein trübes Lächeln. „Ich fürchte, mein Kummer ist von der selbst­süchtigen Art, Mr. Bartimus. Aber Großvater ist ja nicht weit von mir," sie deutete mit dem Kopf nach der Richtung, wo sich der viereckige Kirchturm von dem Rot und Gold der untergehenden Sonne abhod. „. . . Ihr Pferd verlangt nach dem Stalle, Mr. Bartimus . . ."

Der Rechtsanwalt ergriff die kleine Hand und beugte sich darüber.

„Leben Sie wohl. Miß Mannering... Sie werden nicht vergessen, zu meiner Frau zu kommen, nicht wahr?"

Cöleste Mannering blieb einige Augenblicke auf der Freitreppe stehen, dem Gefährte des Advokaten nach- blickend, bis es hinter einer Wegbiegung verschwand. Dann schritt sie langsam die buchsbaumgefaßte Anfahrt hinunter und trat auf die Landstraße hinaus, die sie Über­querte, um den Fußpfad zu erreichen, der sich jenseits der Straße hügelan zur Kirche emporwand. Dort ange­langt, fetzte sie sich auf die niedrige, flechtenbewachsene Kirchhofsmauer.

Der Sommerabend senkte sich auf das schöne Land Devon. Hügel, Heide und Moor hüllten sich in das Zau­berdunkel der Nacht, kein Laut drang an das Ohr des Mädchens, nur das Flüstern des Windes in den Laub­kronen der Bäume ihr zu Häupten und das Ding Dong einer Herdenglocke von fernher, dort jenseits des purpur­nen Moorlandes. Drunten im Haufe zeigte sich ihr im rotgelben Licht einer Lampe die weißbeschürzte Martha, die den Tisch zum Abendbrot deckte. Wie sonderbar, daß nun alles feinen ruhigen Gang weitergehen sollte. Ihr Großvater, der liebe Gefährte ihrer verwaisten Kindheit, der dort unter dem Rasen schlief, nur wenige Schritte von der Mauer, wo sie saß, würde nie mehr um sie sor­gen, und auch er bedurfte der Sorge nicht mehr. Die Sonne würde aufgehen und sich wieder senken, dort hin­ter den zerklüfteten Felsenhügeln von Grey Tor, und den Himmel in jenen Farben malen, die den alten Mann immer so entzückten, wenn er im Garten sitzend seine Abendpfeife rauchte. Die Sterne würden glühen und ver­blassen, der Schnee würde kommen und vergehen, die

behren können, ein Arbeitsrecht tritt, das bewußte-. Menfchenschutzrecht ist, das also Leben, Gesundheit und Arbeitskraft, die in fremdem Dienste stehen, vor Schädigung durch mißbräuchliche Ausnutzung sichert. Man kann diesen neuen Weg mit einem Worte als Kollektivarbcitsrecht bezeichnen.

Eine wirkliche vertragsmäßige Regelung der Arbeitsbedingungen setzt eine kollektive Willensbil­dung der Arbeitnehmer voraus. Das ist die eine Grundlage des Betriebrätegedankkns, der in Eu­ropa sich weitgehende Anerkennung verschafft hat. Aber die Lösung der Aufgaben nach gleichberech­tigter Mitwirkung der Arbeitnehmer mit dm Ar­beitgebern bei der Festsetzung der Arbeitsbedingun­gen konnte das Betriebsrätegesetz nicht bringen, weil die Vetriebsvertretung ebenso wie der einzelne Arbeitnehmer in der Abhängigkeit des Arbeitsver­hältnisses zu einem bestimmten Betriebe steht und ihm deswegen die Kraft zur Interessenvertretung fehlt. Diese Kraft haben andere Organisationen in langen und schweren Kämpfen gegen die Unter­nehmer und vielfach gegen die Staatsgewalt er­rungen. Es sind die Gewerkschaften. Daß sie heute durch Verfassung und Arbeitsrecht anerkannt und zur Grundlage der Arbeitsregelung gemacht

Die deutsche Uoch-Uönigin.

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Frau Gcißler-Berlin

siegte im Reichswettkoch-Bewerb in Berlin übet 44 Rivalinnen aus ganz Deutschland und gewann den 3000 Mark-Preis. Es gelang ihr, sparsam, schnell und hervorragend schmackhaft eine Mor­gen-, Mittags- und Abendmahlzeit für eine 4köp- fige Familie herzustellen und damit den Titel einer deutschen Kochkönigin zu erringen.

Blumen des Waldes duften und sterben. Sie selbst würde schlafen und essen und ihren Beschäftigungen nachgehen wie sonst . . . und vielleicht einmal, wenn Gott es gibt, wieder glücklich sein.

Das Mädchen wandte die liebevollen Augen dem mil Kränzen überdeckten Grabhügel zu ,der in der Dämme, rung gespensterhast weiß gegen die efeuumsponnene Mauer der alten, grauen Kirche schien. Heber dem Grab wölbte eine riesenhafte Eibe ihren düsteren Baldachin Die Luft war schwer von dem schwülen aHuch der Blu­men und dem herben Geruch der frisch umgegrabener Erde, der Kies d'S Weges, noch überstreut mit Blumen­blättern, wie sie van den Chrysanthemenkränzen herab­gefallen waren, als die sechs kräftigen Dorfburschen ihren Großvater zur letzten Ruhestätte trugen.

„Da ist wohl Post gekommen, Martha?"

„Ja, gnädiges Fräulein. Mr. Bartimus hat das Pa­ket gebracht. Ich muhte den Empfangsschein unterschrei­ben."

„Mr. Bartimus? . . . Während ich fort war?"

„Ja, Fräulein. Sie waren noch keine zehn Minuten fort, als er kam. Er wollte nicht, daß ich Sie holen gehe. Er hatte das Paket unter dem Wagenfitz liegen und hatte ganz darauf vergessen. Es täte ihm riesig leid, sagte er, und ich sollte dem Fräulein seine Entschuldigung ausrichten . . . Soll ich das Essen auftragen?"

Ihre junge Herrin lächelte müde.

„Nein, Martha, ich könnte jetzt nichts essen."

Allein gelassen, trat das junge Mädchen ans Fenster und zog die Gardinen zur Seite. Sie nahm das Paket und trug es unter die Lampe. Es war ein kleines, festes Päckchen, in starkes Papier gehüllt, mit blauem Wachs versiegelt und mit einer Aufschrift versehen, die folgen­dermaßen lautete:

..In Obhut der Herren Bartimus u. Bartimus ge­geben, von Maurice Mannerling aus Grey Tor in der Grafschaft Devon, am zwanzigsten des Monats März im Jahre tausendachthundertunddreiundsünfzig. Von den Herren Bartimus u. Bartimus bis zum Ableben des be­sagten Maurice Mannering aufzubewahren und so­dann an Miß Cöleste Mannering oder deren direkte Er­ben auszufolgen."

(Fortsetzung folgt.)