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Fuldaer Zeitung

Weltgetreidekampf

Zum Gtinnes-pi-ozeß in Berlin

Angeklagter Hirsch

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Köpfe aus dem Gerichtssaal.

Hugo Stinnes Bela Groß

, * Lin zweifelhaftes Todesurteil. Der Stet, t i n e r Generalstaatsanwalt Dr. Mofer hat die Staatsanwaltscbaft in Greifswald angewiesen, an den Berliner Polizeipräsidenten das Ersuchen zu ruhten, Kriminalpolizeirat Gennat mir der krimina­listischen Bearbeitung des Falles der im Jahre 1924 treten Mordes verurteilten Frau Reinke zu be­trauen. Auf Beschluß des Rechtsausschusses des Preußischen Landtages wurde Ende vorigen Jah­res Frau Reinke, die aufgrund eines offenbar recht lückenhaften Indizienbeweises weoen Ermordung der vierzehnjährigen Magd Kalnke in Derdien (Kreis Demmin) von der Greifswalder Strafkam- mer zum Tode verurteilt worden war, aus der Haft entlassen. Sofort nach der Haftentlassung hatte der Verteidiger einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Durch den Schritt des Stettiner Generassstaatsanwattes besteht, wie die ..Voss. Ztg." erklärt, begründete Aussicht, daß dem Antrag des Verteidigers stattgegeben wird.

6uto in einen ttinderfesizug.

Zwei. Todesopfer. — vier Schwerverletzte.

wtb. Offenburg, 28. Mai. (Eig. Meld.) In der Kinzigtalgcmeinde unter Unterhacwersbach fuhr gestern nachmittag ein Personenkraftwagen in einen Kinderfcstzug. Sechs Kinder wurden überfahren, eines war sofort tot, ein zweites ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Die Ver­letzungen der vier anderen Kinder sind gleichfalls schwer. Der Fahrer war auf den Umzug aufmerk- iam gemacht worden, hat aber anscheinend st a t t der Bremse den Gashebel gezogen. Auch soll er angetrunken gewesen sein.

Landgerichtsdirektor Arndt Staatsanwaltschaftsrat Berliner.

für den Kindergarten der sozialdemokratischen Ar- beitermohlfahrt 1500 M, für die Kommunistische Ar-

Zrankfurter Oper.

Donnerstag, 30. Mai, 20 Uhr: Elektra.

Freitag, 31. Mai, 19% Uhr: Pulcinella. Hierauf: Der Jahrmarkt von Sorotschintzi.

3. B'att.

Druck der Fuldaer Actiendruckerei, Fulda.

M I2<.

Donnerstag, ven 30. Mak 1929.

Deuschlin fängt mit einem Arm den Angriff auf und wirft mit einer lässigen Bewegung den kleinen Alten zur Seite.

„Zum Henker! Seid kein Narr und schlagt keinen Lärm!"

SeineStimme klingt ruhig; sie ist während der ganzen Unterredung ruhig geblieben.

„Hört aufmerksam zu! Wir machen halbpart. Das versteht sich. Und Ihr sollt nicht viel Arbeit haben. Ich besorge die Platten, übernehme die Abzüge und Ihr sorgt für den Vertrieb. Das wird Euch leicht werden, so Ihr den Leuten das gleiche Märlein erzählt als mir vorhin, von frommen Gaben für das Stift, oder was Ihr sonst wollt. Die Rothenburger sind dumme Teufel; sie glauben alles. Ihr könnt auch neue Darlehen aufnehmen und zahlt sie mit Losen zurück. So könnt Ihr es auf zweier­lei Art tun. Mir sind beide Wege recht. Will nur, daß Ihr zuvörderst die Senatoren bedenkt und unter den Zünftlern die Vorsteher und Gildenmeister und den Bö- heim und Ochs. Sind meine besonderen Freunde und ich gönne ihnen etwas Gutes. Wird Euch nicht schwer wer­den, Lose zu verkaufen. In Haufen werden sie gelaufen kommen, die braven Rothenburger, die um einen Silber­ling ihren eigenen Bruder verraten. Niemand wird ein Arg gegen Euch haben. Ihr seid ja ein reicher Mann, Doktor Ulpianus."

lllpianus beißt sich auf die Lippen. „Und so ich es nicht tue? So ich an der Malefizsache keinen Anteil ha­ben will? Wenn ich nicht will, daß meine Seele in dis Gewalt des Bösen fällt? Wenn ich keine neue Schuld auf mich ' ndcrn die alte Buße bereue? Einen reuigen Sünder ^at Gott lieb."

Arhdf"

Deuschlin kreuzt die Arme über der Brust und fletscht die Zähne. Jetzt tut die Maus ihren letzten Sprung.

„Dann erfährt noch heute die ganze Stadt vom Reich­tum des Doktors Ulpianus. Meine Frau Eheliebste wird Augen machen. Kommt mit mir! Ihr wollen wir es zuerst erzählen. Kommt mü! Ich will nur den Knecht rufen, damit er die Läden schließt. Dann können wir gehen."

Er greift zur Klingelschnur. Ulpianus hält ihm den Arm. „Der Satan seid Ihr, Herr Deuschlin." Er sagt es mit gebrochener Stimme. Der Wechsler lacht. End­lich nehmt Ihr Vernunft an. Hat lange gedauert." -

Er holt eine Kanne unter dem Tisch hervor. „Da stinkt eins zur Stärkung. Ihr könnt es brauchen. Kasb.eich schaut Ihr aus! Heute legt Ihr keine Ehre ein bei den Rothenburger Frauen. Sie lieben saftige Burschen."

Ulpianus schiebt die Kanne zurück. Noch einmal hebt er an; noch blinkt von ferne eine allerletzte Hoffnung.

„Weshalb wollt Ihr es nicht tun? Könnt den Halb­part sparen."

* Die die Sozialdemokratie Staoksgelder w- "Eek. Die Zentrumsabgeordneten Dr. Dr. Dorsch ^u^D-stersbach, Dr. Peucker, Jaletzky, Volkmer und Dr. Bnlning haben folgende Kleine Anfrage nn Preußischen Landtag eingebracht: „Pressemel- dungen zufolge hat die sozialistische Mehrheit des am 11. Mai 1929 in Waldenburg abgehaltenen Kreistages des Landkreises Waldenburg in Schle­en Verteilung der Ueberschüsse der Kreisspar- • rvnr_r siKgeuder Werse vorgcnvmmen: An die so­zial, stische Kinderrepublik Schmiedeberg 3000 Arbeiterjugend für ihre Fahrt nach Wien 2000 A

Deuschlin schüttelt den Kopf. „Ist besser so. Bin ein Wechsler. Man könnte Verdacht schöpfen, in Nürnberg Auskunft einholen und die Nummern vergleichen lassen. Auf Euch hat niemand ein Arg."

„Aber den Halbscheid, den Ihr sparen könntet. Er ist sehr groß."

Ulpianus klammert sich an den letzten Strohhalm.

Der Wechsler legt ihm die Hand auf die Schulter. „Ihr seid eine gute Haut. Aber ich bin nicht gierig, wonne auch einem armen Schwartenhals etwas."

Noch einmal beginnt Ulpianus. „Und fürchtet Ihr nicht für Eure Seele? Auch Ihr glaubt doch an einen Gott.

Deuschlin lacht. „ Ihr seid ein schnurriger Heiliger. Laßt den Herrgott aus dem Spiel! Prosit, der Gottsei­beiuns soll leben!"

Deuschlin lacht, bis er, kirschrot im Gesicht, in seinen Sessel zurückfällt.

„Ihr seid ein Narr, Ulpianus, ein kompletter Schafs­narr. Hätt' Euch für gescheiter gehalten. Da, wenn Euch das beruhigt."

Er nestelt an seinem Wams und holt ein flaches, gol­denes Kreuz vor das er an einer dünnen Goldkette auf i der Brust trägt 1

,. - - ------- Der verbleibende Rest ist in

Hohe von -000 ck dem Reichsbanner, im übrigen für Schulwanderungen bewilligt worden. — Dem < ^"sien der Vertreter der. bürgerlichen Parteien, gleiche Beträge auch für die chriftlicben Kindergär- ten und Jugend verbände zu bewilligen, ist nicht stattgegeben worden. — Sind dem Staatsininiste- £tHfn diese kaum glaublichen Vorgänge durch die Aufsichtsbehörde des Landkreises Waldenburg be­kanntgegeben worden? Wenn nicht, was gedenkt das Staatsminifterium zu tun. um im Wege der kommunalen Aufsicht zu erreichen, daß die Parität bei der Verteilung der Ueberschüsse der Sparkasse, zu der sämtliche Kreisangehörige des Landkreises Waldenburg beitragen, gewährt wird?"

„Da schaut! Es wird nicht glühend in meiner Hand." Ulpianus blickt auf das Kreuz. „Weshalb tragt Jh, das ^fnbolum des Herrn, wenn Ihr nicht an ihn

Deuschlin steckt das Schmuckstück wieder fort, bevor er antwortet. „Ist stets von Vorteil, solch Signum bei sich zu haben der bösen Zungen wegen. Man kommt leichtlich in üblen Verdacht. Besser das Kreuzlein auf der Brus: als das Rad und die Feuerprobe. Meint Ihr nidy auch?"

Ulpianus antwortet nicht, mehr. Er steht, daß er ret rUn® m°3 *n der Falle gefangen ist, daß er tun muß, was sem Peiniger von ihm verlangt. Vergebens zermartert er fern Hin», um einen Ausweg zu finden. Wenn et Gehen würde? Nicht drei Meilen weit möchte er kom- men. Dann würden ihn die Häscher greifen. Wenn er das ganze Komplott dem Senat angeben würde? Doch der Deuschlin hat seine Schuldscheine. Er hat nur not, sie 3» weisen und die Zeugen zu benennen. Dann dreht N der Spieß um und er wird gerichtet. Denn der Wechsler ist ein reicher Mann, der nicht not hat zu betrü­gen; aber er ist ein armer Pracher.

Noch einmal steigt in seinem müden, zermarterten Kopf ein Gedanke auf. „Weshalb wollt Ihr es tun’" Ihr seid so reich?"

Der Wechsler schaut ihn an und antwortet nicht. . äe>n Steigen gibt Ulpianus neuen Mut. „Wes halb wollt Ihr es tun, Herr Deuschlin? Des (Semirn ftes wegen ist es nicht. Ich tue nicht mit, so Ihr mir de (orunb nicht sagt. Denn des Gewinnstes wegen ist es nich Nein, ganz gewißlich nicht." 1 ’

. Deujchlin steht gelangweilt auf, packt ihn am Arm ur schrebt ihn zur Türe.

. em Ende. Ihr habt es noch nicht begriffer

aß Ihr mein Knecht seid, mit dem ich nach Gutdünke verfahren kann. Tut rote ich Euch heiße! Macht Euc an?te Senatoren und Bürgermeister und verkauft ihnet Lose. Wenn nicht, bann lernt mich kennen." ... ."ip'?"ustritt hinaus auf die Gaffe. Die schwer, Cidyenture fallt schnappend hinter ihm ins Schloß. C hort es nicht. Die Menschen eilen auf Oer Straße arÖ. feenb an ihm vorüber; er sieht sie nich,. Kalte Nebel M, oon ben feuchten lalroiefen aufsteigen, ballen sich in Den nidt*1 @Q 6n' 3m‘^Cn ^n hohen Häusern. Er fühlt sie

Die amerikanische Gefahr.

Von einem besonderen Mitarbeiter wird uns ge­schrieben:

Die alte, weltberühmte Automobilfabrik von Opel, I die größte des Kontinents, ist bekanntlich vor einiger I Zett amerikanisch geworden. Anderen großen deutschen Automobilfabriken droht dasselbe Schicksal, und viele deutsche Werke aller Art sind schon mehr oder wenigen in amerikanischen Händen.

Es aebt nicht nur in Deutschland so; der Krieg, der in Wirklichkeit nicht nur von Deutschland, sondern von ganz Europa „verloren" wurde, hat Amerika mit einem weiten Vorsprung wirtschaftlich an die Spitze aller Industrie- und Handelsstaaten der Welt gebracht.

Nun Ware es für Deutschland weiter nicht so schlimm, wenn wir zusehen könnten, wie sich Amerika und England um den Absatz ihrer Waren ober um die Vorherrschaft ihres Handels in Aftika bei den Schwar­zen oder in Südamerika bei den Indianern oder in China bei den Chinesen ober in Indien bei den Indern streiten. Schlimmer ist es, daß wir setzt erleben müssen, wie die Amerikaner sich mit allem möglichen Zeug zwei­felhaften Wertes auf den deutschen Markt stürzen

Wo man nur hinschaut, da sitzen die Amerikaner im Geschäft. Mit der reichen Erfahrung, die sie in ihrem die Schuldscheine lösen. Ich werd' Euch den Loshandel lassen, so Ihr versprecht, den Mund zu halten."

Wieder zeigt der Wechsler die weißen Raubtierzähne. Ist ein lustiges, unterhaltsames Spiel für die Katze, wenn die Maus immer wieder versucht, sich zu befreien.

„3f)r vergeßt, daß es nicht an Euch ist, Bedingungen zu stellen. Eure letzten Schuldscheine besitze ich. Hier, in der Truhe liegen sie. So ich will, spaziert Ihr itzo noch in ben Turm. Ist ein ander Quartier als im Bä­ren.

Da packt den Doktor die Verzweiflung. Mit einem Schrei stürzt er sich auf den Wechsler.

„Du Hund, du Teufel, du--"

Diese weltwirtschaftlichen Zusammenhänge ha- ben sich auch auf die deutschen Verhältnisse ausge- wirkt. Auch Deutschland gehört zu den Weizenbau­landern, die sich im Jahre 1928 einer sowohl der Menge als der Güte nach günstigen Ernte erfreuten — und auch die deutsche Landwirtschaft ist von dem Preissturz betroffen worden. Das ist um so be­merkenswerter, als die deutsche Bevölkerung sich mehr und mehr vom Roggenkonsum ab- und dem Werzenkonsum zuwendet, sodaß die heimische Scholle selbst bei gutem Ernteaufall den Inlandsbedarf nicht zu decken vermag. Bei der engen Verflechtung Deutschlands m die Weltwirtschaft mußte das lleberangebot auf den internationalen Weizen­markten auch auf die Preisentwicklung im Inland Einfluß ausuben. Allerdings sind die Preisnotie- ,n Deutschland aus bestimmten innerwirt­schaftlichen Gründen nicht in gleichem Maße zu- ruckgegangen wie an den internationalen Börsen ttw7 50 RM.^e V" Preisrückgang auch bei uns

Bischöfliche; Hirtenwort zum Jubelfeste des hl. Bonifatius

Geliebte Diözesanen!

Am kommenden 5. Ium werden 1175 Jahre vol­lendet sein, seitdem unser Glaubensvater, der hl. Bonifatius, durch den Martertod in Dokkum fein apostolisches Werk besiegelt hat. Das Bonifallus- fest wird also in diesem Jahre ein Jubiläum sein. Dieser Tag heiliger Erinnerung soll uns jedoch nicht Anlaß zu äußerer weltlicher Feier geben,.— das würde den gegenwärtigen schwierigen Verhält­nissen nicht entsprechen —: nein, der bevorstehende Gedächtnistag soll uns eine Mahnung sein, in die­sen schweren Zeiten zu unserem Glaubensvater aufzublicken und uns durch sein Beispiel zu stärken.

Darum möchte ich Euch, geliebte Diözesanen, einiges ans Herz legen, das ich für dringend not­wendig und überaus zeitgemäß halte.

1.— Den heiligen Bonifatius zeichnete vor al­lem aus eine treue, kindliche Ergeben­heitgegenden Apostolischen Stuhl in Rom. Von Papst Gregor H. erhielt er seine Sendung nach Deutschland. Von dem Nachfolger des hl. Petrus, dem Stellvertreter Christi, als dem Fundamente der Kirche empfing er seine Weisun­gen, die er gewissenhaft befolgte. Ihm erstattete er öfters mündlichen oder schriftlichen Bericht über seine Tätigkeit und legte ihm seine besonderen An­liegen vor. Fürwahr, zwischen dem Apostolischen Stuhl in Rom und dem hl. Bonifatius bestand wie zwischen Voter und Sohn, ein inniges Verhält­nis, worauf der Segen Gottes ruhte.

Ahmen wir, geliebte Diözesen, dem hl. Boni­fatius nach in dieser feiner treuen Liebe und kind­lichen Ergebenheit gegen den Heiligen Vater in Rom. Einst hat der Heiland zu Petrus gesagt: „Jch habe für dich gebetet, daß deir Glaube nicht wanke; du aber stärke deine Brüder" (Luk. 22, 32). Diese Worte gelten auch den Nachfolgern des hl. Petrus. Im Auftrage Christi und durch feine Gnade gestärkt, geben sie den Gläubigen die den Forderungen der Zeit entsprechenden Mahnungen. Darum ist es aber auch unsere heilige Pflicht, den Weisungen des Statthalters Christi zu folgen. Erfüllen wir diese Pflicht mit verdoppeltem Eifer in der heutigen ent« scheidungsvollen Zeit, wo unser Hl. Vater Pius XI. die treue Hingabe an Christus, den König, als die Quelle sicheren, wahren Friedens bezeichnet, wo er

Auf dem Weltgetreidemarkt beobachten wir be rchoend 750k neuerdings Vorgänge, die sehr bedeutungsvoll sind 1 — äugend /so M. und in ihren Rückwirkungen auch für Deutschland Interesse haben.

Der Weltweizenmarkt — Weizen ist heute das ■ weitaus wichtigste agrarische Welthandelsprodukt — steht unter dem Zeichen verschärften Absatzkamp­fes. Seit Wochen beobachten wir an den interna­tionalen Börsen einen andauernden Rückgang des Weizenpreises von fast krisenhaften Ausmaßen. Ge­genüber dem Vorjahre sind die Preise für Weizen auf dem Weltmarkt um etwa 70 bis 80 RM je Tonne gesunken. Berücksichtigt man allein die Nv- tirung an der Chicagoer Börse vom Mai 1929, so zeigt sich ein Absturz von etwa 33 Proz. gegenüber die Ursache dieses für die Land­wirtschaft der weizenerzeugenden Länder verlustrei­chen Preisabbruchs? Man tappt da viel ach im Dunkel und sieht über die Gründe nicht klar.

Das Gesetz von Angebot und Nachfrage wirkt sich, wie stets im-wirtschaftlichen Verkehr, auch hier aus: das Weizenangebot ist erheblich gestiegen, die Weizennachfrage hat damit jedoch nicht Schritt ge­halten. Eine Rekordernte Kanadas, des größten Weizenausfuhrlandes der Welt, traf zusammen mit einem günstigen Ernteausfall in den Vereinigten Staaten, in Argentinien und den anderen Haupt- rrzeugungsländern der Erde. Kanada erntete im letzten Jahre 14,5 Millionen to gegenüber 11,3 Mil­lionen to int Jahre 1926; die Vereinigten Staaten produzierten 24,60 Millionen to (1926: 22,7 Millio­nen to) und Argentinien 7,5 Mill, to (1926: 6 Mil­lionen to). Im ganzen erbrachte die letzte Welt­ernte 126,8 Mill, to Weizen; das sind verglichen mit den vorjährigen Ernteergebnissen, 11,3 Mill, to wehv als 1927 und sogar 23,9 Mill to mehr als int Durchschnitt der Vorkriegsjahre 1909—1913.

eigenen Lande mit der Zeitungsreklame gemacht haben, führen sie auch hier ihre Waren ein, und der deutsche Kaufmann, der den Wert der Zeitungsreklame noch nicht so ganz erfaßt hat, muß zusehen, wie das Geld ins Ausland wandert. Amerikanische Autos, Zahn­putzmitte!, Korsetts, Seifen, Krems, Parfümerien, Ra- fierklingen, Füllfederhalter und viele Kleinigkeiten, auf die man kaum achtet, werden m Deutschland angepriesen und verkauft. Und mit einem Schlage scheint der Deutsche vergessen zu haben, daß die meisten dieser Sachen in Deutschland schon seit Jahrzehnten vor dem Kriege besser hergestellt wurden als in Amerika; ja, daß Autos, Zahnputzmittel, Korsetts, Seifen, Krems, Parfümerien, Rasierklingen und Füllfederhalter vor .dem Kriege in großen Massen aus Deutschland nach Amerika eingeführt worden sind und von den Ame­rikanern als gute Ware gern gekauft wurden!

Noch niemals hat es in der Weltgeschichte ein Land gegeben, das die ganze Welt mit seinen Waren und seinem Gelbe so beherrscht hat wie Amerika. Die alten Römer, die vor rund 2000 Jahren auch so etwas toio eine „Weltherrschaft" und einen „Welthandel" hatten, sind armselige Waisenkinder gegenüber den Amerikanern; denn ihre Welt erstreckte sich doch nur über einen Teil Europas, über Kleinasien und die Randgebiete Arabiens und Nordafrikas. Und die Engländer, die vor dem Kriege in der ganzen Welt tonangebend waren, waren Stümper im Vergleich zu den modernen Amerikanern; denn ihre Macht gründete sich auf die Beherrschung der mehr oder weniger „unzivilisierten" Länder, wie Aftika, Indien, Australien und schließlich noch China und allen­falls Südamerika. Wie damals die Engländer die ganze unzivilisierte Welt mehr oder weniger zu englischen Kolonien gemacht haben, so ist heute Amerika auf dem besten Wege, die ganze Welt, ob zivilisiert oder unzivilisiert, zu einer amerikanischen Kolonie zu machen.

Wer nicht zu den Gedankenlosen gehört, der soll sich zumindest vor dem Einkauf eines amerikanischen Artikels ftagen, ob et die gleiche Ware nicht ebensogut oder besser von einer deutschen Firma erhalten kann. Wenn er das nicht als seine Pflicht als Deutscher ansehen will, dann soll er es schon aus wirtschaftlichen grtoägungen heraus tun; er braucht nur daran zu denken, daß unß die Amerikaner die Erwerbslosen nicht abnehmen, die durch den Produktionsrückgang deutscher Firmen ent­stehen — im Gegenteil! Die Amerikaner haben in diesem Jahre die Zahl der Einwanderer aus Deutschland zugunsten der Engländer auf die Hälfte vermindert.

Dieser Mehrproduktion entsprach jedoch die Auf­nahmefähigkeit der internationalen Weizenmärkte insbesondere der europäischen Konsumländer, nicht tm entferntesten. Das ist nun nicht etwa so zu ver­stehen, als sei die Welt mit dieser wertvollen Brot­frucht übersättigt — nein, Bedarf an Weizen ist zweifellos genug vorhanden, namentlich im verarm­ten Mittel- und Osteuropa. Und die Annahme, daß dem langsam steigenden Anbau eine stärker stei­gende Bevolkerungsvermehrung in fast allen Län­dern der Erde gegenübersteht. Die wirklichen Ur­sachen für die krisenhaften Erscheinungen gehen viel­mehr im wesentlichen auf die verminderte Kaufkraft hauptsächlich in den europäischen Konsumländern zuruck. Der schwere Preiseinbruch auf dem Welt­weizenmarkt ist, um es auf eine knappe Formel zu , bringen, nicht die Folge einer Ueberproduktion, son- m Lawinengefahr im All-Hu. 2fuf t>em Unterkonsumtion, eines durch denZwang Aege zur Kemptener Hütte ereignete sich ein der Verhältnisse bedingten Minderverbrauchs, na- I Lawinenunglück, das beinahe zwei.Menschenleben mentlich in Mitteleuropa. | gefordert hätte. Als der Hüttenwirt Frei vor der

Kemptener Hütte mit seinem Knecht an der Weg­ausbesserung beschäftigt war. löste sich ein Teil einer alten Erundlawine und stürzte herunter. ' Frei) und der Knecht sprangen zur Seite, wurden aber von der Lawine noch gestreift und ein Stück mitaeris- sen. Während der Hüttenwirt mit leichten Press, lungen an der Brust davon kam, erlitt der Knecht einen Beinbruch. Er wurde in das Krankenhaus nach Oberstdorf gebracht.

ver goldene Mantel.

Roman von Heinz Welten.

30) _________

Ulpianus hockt wieder auf dem Schemel. Er hat die Knie hochgezogen, stützt die Ellenbogen auf unb legt bas W4)t m die Hönbe. Er hat jetzt kaum mehr bie Kroße etnes sechsjährigen Kinbes. Als er bas Gesicht fretgibt, ist es naß. Unb noch immer fließen bie Tränen aus feinen Augen. Nun ist alles zu Ende.

„Geschworen haben sie mir, auf bas Sakrament ha- ben sie geschworen, die Meineidigen," stammelte er mit schwerer Zunge.

Deuschlin lacht. „Ihr seid ein Leichtgläubiger. Da gift der Cid nicht."

Ulpianus faltet die Hände und senkt das Haupt; so müde, so sterbensmüde ist er plötzlich geworden. Eine eiskalte Hand greift ihm ans Herz. Iacobea. Sie ist Vas Weib des Wechslers und dieser hat alles gewußt!

„Alle w'.sien, wie es um mich f: .st; auch Frau Ja- eobea weiß es," wimmert er m-'t tonloser Stimme.

Deuschlin rüttelt ihn an der Schulter. „Seid kein Eauch und rohrt nicht wie ein kleines Kind! Lost zu, was ist Euch zu sagen habe. Noch weiß niemand etwas ouher mir. Auch meine Hausfrau weiß nichts. Und nie­mand wird es erfahren, so Ihr tut, wie ich Euch heiße."

Ulpianus starrt ihn aus trüben, glanzlosen Augen an. 5egt wirft ihm der Versucher die Schlinge um den Kopf, ^sittlich spürt er den Strick am Halse. In wenigenJahren hatte er alles gezahlt, wäre schuldlos gestorben unb hätte tu^ig schlafen können dem jüngsten Tage entgegen. Jetzt lft alles zu Ende. Seine Augen starren ins Leere.

.Alles ist zu Ende, alles. Alles?--In feinen

«liif kommt langsam neues Leben. Wer zwingt ihn, auf das schändliche Gebot des Wechslers einzugehen? Wenn tr nicht will? Wenn — er — nicht — will?

Er richtet sich auf. „Nein, ich mach es nicht mit. Hört 5>br? Ich will nicht. Macht den Schelmenstreich mit toem Ihr wollt. Ich werde Euch den Loshandel lasten, «lll meinem Handwerk nachgehen, will wieder ehrlich «erden. Wenn ich es sparsam treibe, kann ich auch so j

anaeklaaten Publikums begann der Prozeß gegen Hugo Sünnes und seine Mst-

hrinAen9^' W • *“19?£bt>t von Zeugen und Sachverständigen soll Klarheit in die Fragen ringen, ob Sünnes und seine Hefter sich des Anleihebetruges schuldig gemacht haben.

— _________lOrichn^z^chnung aus dem Gerichtssaal von Fr'tz Oehlschlägel.)