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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Jtr 123

Mittwoch, 29. Mai 1929

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ßraWsisihe Heißsporne gegen Sroea Kung

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aerZertun

Dr. Strefemann zur Reparationskonferenz.

Sn Paris gehen die Verhandlungen weiter. Cs handelt sich darum, wie weit die zwischen dem Amerikaner Owen D Young und Dr. Schacht er. zielte Uebereinkunft sich gegen die Anstürme der europäischen Gläubiger Deutschlands behaupten wird. Die n a t i o n a l i st i s ch e französische Presse greift den Amerikaner scharf an

wtb Paris, 28. Mai. (Cig. Meld.) '„Echo de Paris ist unzufrieden mit dem Vorsitzenden der Reparations-Konferenz, Owen D. Young, den es in der schärfsten Weise angreist. Das Matt schreibt Owen D. Young wage nicht, die Gläubiger zu neuen Opfern zu veranlassen Vertrete er doch ein Land, welches mit Bedauern und mit Mühe auf 4 Millionen jährlich verzichtet hab-, nachdem alle seine Vertreter dattir eingetreten seien, es müsse sich edelmütig zeigen. Aber Owen D. Young ma- nöoeriere, nachdem er den Gläubigern erklärt habe, Latz er das Programm annehme so gut es gehe' um den Erfolg seines Programmes zu vereiteln' Owen D Young sei in diesem Fall kein des­interessierter Schiedsrichter. Als vor 4 Jah­ren die Deutschen zum ersten Mal wegen der Auf­legung von Anleihen in New York vorfühlten fei Owen D. Young darüber befragt worden, ob' die Rückzahlung privater Anleihen durch die angebliche Priorität der Reparationszahlunaen behindert •»erbe. Young habe diese Priorität in Ab­rede ge st eilt und die Bankiers ermutigt, deutsche Anleihepapiere an ihre Kundschaft abzu­fetzen. Young sei also moralisch gezwungen, die Reparaftonsverträge unter einem ganz besonderen Gesichtswinkel anzusehen.

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Aus Berlin wird gemeldet:

Der Reichsaußenminister Dr. Stresemann hak Eidlich einmal Gelegenheit genommen, den zahlrei­chen Märchen und Legenden entgegenzutreten, die m der letzten Zeit über seine und des Auswärtigen Amtes Stellung zu den Pariser Sachverständigen­verhandlungen aufgetaucht sind. Er hat energisch aufgeräumt mit all den Behauptungen über eine heimliche Kühlmannsche Mission in Paris, über die Nebenregierung Stresemann- Hilferding-Georg Bernhard; er ist abgerückt von der Prioatdiplomatie, die fierr Rechberg mit Bundnisangeboten cm Frankreich betreibt; und er hat sich ganz besonders scharf gegen jene Behaup­tung gewandt: wonach er auf dunklen Wegen in Paris habe wissen lassen, daß die Reichsregierung zu einem ziffernmäßigen Entgegenkommen bereit­williger sei, als die deutschen Sachverständigen. Er hat diese letzte Behauptung scharf aber zutreffend dadurch gekennzeichnet, daß er ein Verhalten wie Has ihm vorgeworfene einen schmählichen Verrat nationaler Interessen nannte. Nun wird, so sollte man denken, das Gerede über Dr. Stresemanns „dunkle Wege" verstummen müssen.

Aber wird es tatsächlich verstummen? All jene Märchen, die der Reichsaußenminister zerstören mußte, obwohl kein Einsichtiger auf sie hatte her­einfallen können, stammen aus einer Quelle, aus der beutfd)nationalen Presse. Wie sind sie entstanden? Wer hat die Parole ausgegeben zu diesem konzentrischen Angriff mit Verdächtigungen und Verleumdungen? Wer geht dunkle Wege? Die deutsche Oeffentlichkeit hat ein großes und hohes Interesse daran, zu erfahren, wie es damit steht. Wer sind die Leute, die eine ganz offensichtliche au­ßenpolitische Schädigung Deutschlands glauben in Kauf nehmen zu können, wenn sie dem unbeliebten Locarno-Minister innenpolitisch am Zeuge flicken? Denn um etwas anderes als um einen inner­politischen Kampf kann es sich doch nicht handeln. Wo ist auch nur der leiseste Vorteil solcher Falsch-

Es zeugt von einer gewissen Zuversicht der Re­gierung Baldwin hinsichtlich ihres Schicksals, resp. des Schicksals der konservativen Partei in und nach den Wahlen, daß eben jetzt noch zwei Enquete-Kom- mffsionen von der englischen Regierung ernannt worden sind, die den Eintritt der englischen In­dustrie- und Handelspolitik in ein neues Stadium der Aktion und der Expansion vorbereiten sollen. Die eine Kommission steht unter Führung des uns Deutschen ja von seiner Tätigkeit als englischer Bot­schafter in Berlin bekannten Lord d'Abernon und soll — begleitet von industriellen Sachverständigen der Textil-, Maschinen- und Montanindustrie — im Auftrage des englischen Handelsministeriums Bra- ■ silien und Argentinien bereifen, um im weitesten ! Umfange die industriellen Beziehungen dieser süd- amerikanischen Republiken zu England zu studieren und Vorschläge über die Möglichkeit ihrer Weiter- ; entwicklung zu machen. Die andere Kommisson ist vom Vizekönig von Indien angeregt und hat den ; Auftrag, die wirtschaftlichen und sozialen Existenz- j bebingungen ber indischen Arbeiterschaft, sowie die i Arbeitsrechts- und Gewerkschaftsrechtsverhältnisse i in Indien zu prüfen. Vorsitzender dieser Kommis- ! sion ist ein Textilfabrikant Whitley, der während , des Weltkrieges für England das industrielle Schlichtungswesen in Gestalt von Betriebsräten (Whitleyräten) für die einzelnen Industriezweige schuf, Diese Kommission soll vor allen Dingen die Frage untersuchen, wie der unbequemen Konkur­renz der indischen Textil- und Stahlindustrie ge­gen die Produkte des Mutterlandes auf den asiati­schen Märkten begegnet werden kann.

Die beiden Kommissionen und die ihnen zuge- I wiesenen Aufqabenkreise lassen deutlich die Brenn- 1

Meldungen und Legenden zu erblicken, wo auch nur eine Möglichkeit, mit ihnen die Reparations- Verhandlungen mit dem Ausland zu erleichtern? Wo auch nur eine Hoffnung, daß sie nicht dem Ansehen Deutschlands m der Welt auf bas schwerste schaden werben? Nirgends. Die üblen Folgen die­ses geblockten Geraunes liegen auch für ben naiv­sten Politiker und Journalisten auf ber Hanb. So sehr, daß ein verantwortungsvoller Zeitungsmann es unterdrücken würde, selbst wenn er feinen Inhalt für wahr hielte. Aber wer hält ihn für wahr? Niemand. Wer läßt es dennoch wispern mid rau­nen? Irgendjemand! Wer ist dieser Irgendjemand? Das deutick-' Volk hat ein Recht darauf, das zu erfahren. Es will und muß wissen, wer in so un-- verantwoAlicher Weise versucht, seinen politischen Weizen blühen zu lassen. Kann jemand anders in Frage kommen als ein Mann, dessen Macht über die Presse groß genug ist, um solche Parolen zu

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Der Reichsverband der deutschen Industrie sieht sich zu folgenden Feststellungen veranlaßt:

1. Wie der Reichsverband der deutschen Indu­strie bereits zu Beginn der Pariser Sachverftändi- gen-Verhandllmgen in der Presse ausdrücklich fest- gestellt hat. sind die beiden ihm nahestehenden Sachverständigen nicht als Beauftragte seiner Organisation anzufehen, sondern sie sind von der Reichsregierung ausdrücklich als unabhän­gige Sachverständige mit eigener Verantwortung und voller Freiheit in der Entschließung bestellt worden.

2. Seit Beginn der Pariser Verhandlungen ha­ben die Organe des Reicksperbandes der deutschen Industrie keinerlei Versuche gemacht, auf den Gang der Pariser Verhandlungen oder auf die Haltung der einzelnen Sachverständigen irgend einen Ein­fluß auszuüben. Es haben auch keinerlei Ausspra­chen unter Hinzuziehung von behördlichen Vertre­tern stattgefunden, so daß die Annahme einer Teil­nahme des Reichsministers ber Finanzen an solchen Besprechungen im Haufe oder außerhalb des Hau- , ses des Reichsverbandes der deutschen Industrie r nicht zutrifft.

3. Der R-üchsverband dir deutschen Industrie kann und wird zu den Pariser Sachverständigen- Beratungen erst dann Stellung nehmen, wenn das Ergebnis endgülsig festfteht und die für die Be­urteilung erforderlichen Unterlagen bekannt gewor­den find. Diesen Standvunkt hat der Reichsner- band erneut in einem Rundschreiben seinen Mit­gliedern gegenüber vertreten.

4. Der Reichsverband der deutschen Industrie spricht im übrigen fein lebhaftes Bedauern und Befremden darüber aus, daß in der deutschen Oef­fentlichkeit gegen die deutschen Sachverständigen" unsachliche und herabsetzende Angriffe erhoben wur­den.

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Der Sekretär ber französischen Delegation, Quesnay, stattete am Montag der deutschen Dele­gation einen Besuch ab. Hieraus ergibt sich, daß die Verhandlungen über die Lösung d es Zah­lenproblems fortgesetzt werden. Die all­gemeine Ansicht m Konferenzkreisen geht dahin, daß im Laufe dieser Woche eine Entschei­dung fallen muß. Die Konferenz wird, falls eine Einigung zustande kommt, noch etwa acht Tage Zeit gebrauchen, um die Redaktionsarbeiten zum Ab­schluß zu bringen. So müssen noch der Annex für die Sachlieferungen, bas Bankstatut und die An­nexe über das. was durch das zu schaffende neue Abkommen außer Kraft gesetzt werden soll, in ihrer letzten Fassung festgelegt werden.

punkte der für England wirtschaftskritisch gewor­denen Gebiete erkennen. Im ersten Fall handelt es sich ganz offenkundig um die Aufnahme des Konkurrenzkampfes gegen das Dollarkapital in Südamerika. England hat hier während des Welt­krieges höchst schmerzliche Verluste erlitten und hat sie bei weitem noch nicht ausgleichen können. Wäh­rend die Vereinigten Staaten den Wert ihres Ge­samthandels mit Lateinamerika gegen die Vor­kriegszeit um nicht weniger als 135 Prozent stei­gern konnten, weist der großbritannische Handel mit Lateinamerika gegen 1913 eine Steigerung von lediglich 43 Prozent auf. Was Argentinien betrifft, so hat sich die Einfuhr nach dort aus den Vereinig­ten Staaten verzweieinhalbfacht, während die Ein­fuhr nach Argentinien aus Großbritannien noch um mehr als 10 Prozent gegen das letzte Vorkriegsjahr zurückbleibt. Argentiniens Ausfuhr nach den Ver­einigten Staaten hat sich in demfelbenZeitraum ver­dreifacht, während sie nach Großbritannien nur um ca. 50 Proz. gestiegen ist. Was Brasilien betrifft, so hat sich die Einfuhr nach dort aus den U. S, A. gegen 1913 gleichfalls mehr als verdoppelt, wäh­rend die basilianische Einfuhr aus Großbritannien gerade eben knapp den Vorkriegsstand überstiegen hat. Die Ausfuhr Brasiliens nach den II. S. A. bat sich ebenfalls verdoppelt, während Brasiliens Ausfuhr nach Großbritannien auf weniger als die Hälfte der Vorkriegszeit gesunken ist. Aus diesen Verhältnissen ist ohne weiteres zu erklären, wie dringend der Wunsch der englischen Industrie und Wirtschaft fein muß, im Wettbewerb mit den 11. S, A. um die Erschließung des südamerikanischen Kon­tinents stärkere Erfolge zu erringen, als die letzten Jahre beschert haben. Welche Aussichten dafür für .

England vorhanden find, wird allerdings durch eine Enquetekommission kaum geklärt werden können. Hier hätten die Finanzmänner das entscheidende Wort zu sprechen, aber auch sie würden nur kon­statieren können, daß England, in Südamerika we­nigstens, den Weltkrieg hoffnungslos verloren hat. Das Uebergewicht der amerikanischen Kapitalinve­stitionen in Lateinamerika ist unter gar feinen Um­ständen mehr auszugleichen, am wenigsten für einen Schuldner Amerikas.

Einen sich ankündigenden Umschwung kann man in der Zusammensetzung der nach Indien bestimm­ten Kommission erblicken. Man ist sich in englischen Wirtschaftskreisen allmählich offenbar der Richtig­keit der aus Amerika nach Europa importierten Er­kenntnis bewußt geworden, daß es der Wirtschaft eines Landes umso besser geht, je mehr die Konsum­kraft einer Bevölkerung entwickelt wird. Bei der gegenwärtigen sozialen Lage der überwiegenden Mehrheit der indischen Bevölkerung können die ziemlich rasch entwickelten jungen indischen In­dustrien im Lande selbst keinen ausreichenden Ab­satz finden und sind deswegen auf den Konkurrenz­kampf an den übrigen asiatischen Märkten ange­wiesen. So lange aus Indien allmählich immer noch hunderte von Millionen Pfund herausgepreßt und in irgend einer Form den Bedürfnissen des Mutterlandes dienstbar gemacht werden, ist eine Aenderung nicht zu erwarten. Die Tatsache, daß man der indischen Enquetekommission einen libe­ralen Vorsitzenden und verschiedene Gewerkschaftler als Mitglieder gegeben hat, läßt vermuten, daß die englische Regierung nicht allzu unangenehm da­von überrascht sein würde, wenn der Bericht die­ser Kommission zu dem Resultat käme, daß die Ar­beiter in Indien wirtschaftlich, sozialpolitisch und arbeitsrechtlich auf eine weitaus höhere Stufe ge­hoben werden müßten. Die indischen Arbeitgeber, die nur zum kleinsten Teil Inder sind, haben sich allmählich durch ihre Taktik der brutalen Nieder- Haltung der indischen Arbeiter bei der angloindi­schen Regierung ebenso wie bei der Regierung des Mutterlandes unbeliebt gemacht. Jetzt scheint ihnen der indische Vizekönig im Verein mit der Lon­doner Regierung demonstrieren zu wollen, daß sie lange genug ungerechtfertigt hohe Dividenden auf Kosten der indischen Bevölkerung geschluckt haben, die ja schließlich einen integrierenden Bestandteil der Konsumentenschast des (Empire darstellt.

Zollfragen.

Reichs-rnährungsminister Dietrich hat, rote mehrere Blätter Mitteilen, dem Re'chskabineit in zollpolitischer Hinsicht eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, über die innerhalb der Reichsregie- rung noch beraten wird. Entscheidendste Auf­gabe im gegenwärtigen Augenblick ist die H e - b u n g d e r V i e h p r e i s e. Eine Reihe von Maß­nahmen dazu ist in Vorbereitung. So liegt u a. etn Gesetzentwurf über die Seegrenzschlachthöfe vor, die unter einheitliche Verwaltung acstellt werden sollen. Im Hinblick auf das Brotgetreide hat Reichsernährungsminister Dietrich einen Vorschlag für eine Ausgleichsgebühr für Weizen gemacht.

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In Bukarest findet in der Zeit vom 7.—10 Juni der 14. Internationale Landwirtschaftskongreß statt. Die Reichsregierung wird dabei durch den zustän­digen Minister für Ernährung und Landwirtschaft Dietrich vertreten fein. Die deutsche Landwirtschaft entsendet eine ihrer Bedeutung entsprechende Dele- . gation, die aus maßgebenden Vertretern aller be­teiligten Kreise zusammengesetzt ist und unter Füh­rung des Reichsministers a. D. Dr. Hermes steht.

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Die demokratische Reichstag-fraktion hat anstelle des ausgeschiedenen Lode den Abgeordneten Prof. Hellpach in den Strafrechtsausschuß entsandt, weil sie eine stärkere Vertretung der medizinischen und psychologischen Gesichtspunkte int Ausschuß an. siesichts der noch zu behandelnden Gegenstände für erwünscht hält.

Der Reichsminister des Innern hat die Ein- berufung der durch die Länderkonfe­renz eingesetzten Unterausschüsse für die Derfassungs- und Verwaltungsreform für den 5. und 6. Juli 1929 in Aussicht genommen.

(Eingenebelt.

Lufffchutzverfuch eines vstpreutzifchen Kraftwerks.

Auf Veranlassung des Ostpreußischen Städte­tages und in Gegenwart von Vertretern der Be­hörden und interessierten Stellen wurde ein Vor- mm unternommen, durch Anwendung künstlichen Nebels lebenswichtige Anlagen gegen ettoaige JVIiegerangriffe zu schützen. Zum ersten Mal tn Deutschland wurde die industrielle Großanlage einer der lebenswichtigen Betriebe Ost­preußens, das Wasserkraftwerk Friedland, das die Sauptversorgung mit elektrischem Strom für die Provinz Ostpreußen darstellt, völlig eingenebelt. Bei ziemlich ungünstiger Witterung begann kurz nach 14 Uhr, von der Befehlsstelle durch Sig­nale geleitet, die Vernebelung, die in kurzer Zeit das Kraftwerk und seine Umgebung völlig den Blicken der Zuschauer entzog. Während des Ver­suches beobachteten drei Flugzeuge die Wirkung. Nach einer halben Stunde, nachdem etwa 1000 Liter Nebelstoff abgeblasen waren, wurde der Ver­such beendet. Der Nebel verzog sich dann ziemlich schnell.

Wir unterzeichneten aktiven Offiziere ober Offi­ziere a. D. erklären hiermit als unsere einstimmige Auffafsung:

1. Ein neuer europäischer Krieg wird in ent­scheidendem Grade von Suf (Operationen

gegen die vitalen Teile der geinbesläiucr ajaraL terifiert sein, zu dem Zwecke, die Möglichkeiten der Operationen der Streitkräfte und das Leben der Bevölkerungen zu vernichten.

2. Der Kampf um die Herrschaft in der Luft, welcher hieraus erfolgt, schenkt inzwischen nicht mal dem in der Luft Ueberlegenen irgendwelche Garan­tie für den Schutz des eigenen Landes gegen Luft­angriffe, deren lokale Wirkungen gemildert, aber weder durch aktive noch passive Verteidigungsmittel im großen und ganzen abgewendet werden können.

3. Unter solchen Umständen müssen militärische Rüstungen für Luftangriffe auf das Gebiet des Feindes eingerichtet werden. Solche Angriffe müssen eine gegenseitige starke Vernichtung materieller unb moralischer Werte zur Folge haben und bedeuten eine ernste Gefahr für die Kultur.

4. Die Völker müssen darum jetzt zu zwei Alternativen Stellung nehmen: entweder gesteigerte Rüstungen, hauptsächlich auf Luftwaffen basiert, jedoch ohne Garantie für Frieden ober Schutz, ober eine Politik, die mit allen Mitteln den Krieg zu verhindern sucht. Als ein Glied einer solchen Politik ist eine allgemeine, baldige und effektive Rüstungsminderung unvermeidlich.

Generalmajor a. D. von Bresler, Deutschland. Brigadier-General F. P. Crozier, England. Gene­ral b. Jnfant. a. D. Berthold von Deimling, Deuffchland. Vize-Admiral Sidney A. Drury- Lowe, England. Vize-Admiral Merk Kerr, Eng- land. Divisions-General Eugene Kotkowski, Po­len. Generalleutnant a. D. O. von Saint Ange, Deuffchland. Divisionsgeneral G. Säuret, Frank­reich. Generalmajor a. D. Frhr. v. Schönaich, Deutschland und andere mehr.

Die Bluttat in der Zkupschtina.

Aus Belgrad wird gemeldet:

Der Prozeß gegen die Urheber der Bluttat vom 20. Juni 1928 in der Skupschtina, bei der die Abgeordneten Bassaritschek und Paul Raditsch sofort getötet wurden, während Stephan Radiffch, der mit zwei anderen Abgeordneten schwer ver­wundet worden war, später seinen Verletzungen erlag, hat begonnen. Der ehemalige Abgeord­nete Punisa Ratschitsch, der wegen Mordes, und die ehemaligen Abgeordneten Jovanoviffch und Popovitsch, die wegen Beihilfe angeklagt sind, werden von insgesamt 35 Anwälten verteidigt Die Verhandlung begann mit dem Aufruf der als Nebenkläger zugelafsenen Familienangehörigen ber Ermordeten, die aber nicht erschienen waren und auch keinen Vertreter entsandt hatten.

Im Verlaufe ber Prozeßverhandlung wurde der Angeklagte Punisa Ratschitsch vom Gerichts­präsidenten gefragt, auf wen er zuerst geschossen habe. Ratschitsch gab darauf folgende Antwort:

„Ich habe zuerst auf Iwan Pernar gezielt, weil dieser mit Erbitterung Beleidigungen aus­stieß, und weil ich zu der Ueberzeugung gelangt war, daß er unser böswilligster Gegner war. Auf die übrigen habe ich geschossen, weil ich mich im Zustande rechtmäßiger Verteidigung befand."

Der Präsident ließ darauf die Erklärungen verlesen, die der Angeklagte vor dem Untev- suchungsrichter abgegeben hat. In diesen Erklärun­gen hatte Ratschitsch ein Stimmungsbild über die Skupschtinasitzung vom 20. Jun! gegeben. Er be­klagt sich über die von Radiffch und seinen Freun­den gegen ihn vorgebrachten Beleidigungen. Er habe Pernar, der ihn als Plünderer und Dieb behandelt habe, um Entschuldigungen gebeten. Da er aber keine Genugtuung erhalten habe, habe er geschossen. Auf die Frage, ob er das Verbrechen allein oder im Einvernehmen mit anderen verübt habe, erwiderte Ratschitsch, er habe einzig und allein aus eigener Initiative die Schüsse abge­feuert. __

Die Konftoröatsfraae

Ernste Ileberlegungen.

Der Landtagsabgeordnete Dr. Heß (Ztr.) sprach am Sonntag in einer Wählerversammlung in Linz über die Regierungsbildung in Preußen und das Konkordat. Er betonte, von der preußi­schen Zentrumsfraktion sei oft genug zum Ausdruck gebracht worden, daß sie die Wiederher st el- lungdergroßenKoalitioninPreußen im Interesse einer stetigen politischen Linienfüh- rung im größten deutschen Lande als den stärksten Rückhalt für das Reich auch für eine Notwendigkeit halte. Daher habe die Zentrumsfraktion wieder­holt zu verstehen gegeben, daß sie dem W ie d e r- eintritt der Deutschen Volkspartei in die Regierung keineswegs unüberwindliche Schwie­rigkeiten in den Weg legen würde, was auch von den beiden anderen Koalitionsparteien gelte. Wenn die Volkspartei jetzt wieder den Anschluß an die Regierung wünsche, so müsse sie eine Politik auf lange Sicht wollen. Man könne keinen Weg zum Frieden sehen, wenn von vornherein Bedingungen gestellt würden. Der Preußenkoalition liege es aber ern ber Volkspartei eine Lage zuzumuten, die sie als Demütigung empfinden müßte. Die Volkspar­tei müsse jedoch auch ihrerseits Verständnis dafür aufbringen, daß die Dinge sich nicht gleich m ersten Augenblick nach ihrem Wunsche gestalten ließen.

Die preußische Zentrumsfraktion werde sich un­ter keinen Umständen dazu hergeben, den S t a a ts- vertrag zwischen Preußen und dem HeiligenStuhlzumGegenstandeines rg end wie gearteten politischen Han­ls l s erniedrigen zu lassen.

An diesem Staatsvertrag sei der preußische Staat nidjt roeniger interessiert als der Heilige Stuhl. Ministerpräsident Braun habe sich wohl aus Gründen der preußischen Staatsraison für das Konkordat eingesetzt und es auch an einer entfpre-

Englands Kampf um Wirtschaftsranm