Einzelbild herunterladen
 

■

I

M’ W M

Ä "'■- X ' ' '.<:■: SX• . . ■:' ' <<:

'>v

> "AK?.

;O

V-sMKM /;<T

Fuldaer Zeitung

Mittwoch, ven 29. Mai 1929.

3. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda.

H. Büttner, Fulda

Moderne Damen-Wäsche jeder Art. / Jedes Wäsche- Stück auch das einfachste und billigste ist aus gu­ten, soliden Stoffen gear- bei tet u.schön ausgestattet

Von unserem kulturpolitischen Mitarbeiter:

. Wer sich einmal die Mühe macht, die Stati- deutschen Hochschulen zu verfolgen, wird wlt Erschrecken wahrgenvmmen haben, daß ein mächtiger Zudrang von Semester zu Semester sestzustellen ist. Die Zahl der Studierenden wächst ms Unermeßliche, ist so groß, daß z. B. in den Berliner Horsälen oft kein Sitzplatz mehr zu be­kommen ist, in Tübingen schon im April für den Beginn des Semesters alle Zimmer vermietet waren, ein Umstand, der viele Studenten wie­der zur Abreise zwang.

Während vor dem Kriege rund 60000 Studie­renden an den deutschen Universitäten zu verzeich- nen^waren, zählten wir bereits im Jahre 1928 72000. Die Berliner Hochschulen allein beher­bergen nach der neuesten Statistik insgesamt 18 000 Studierende. Rund 18000 Abiturienten zählten wir in diesem Jahre. Soweit die Statistiken die Abiturienten erfassen, widmen sich rund 90 Przt. davon dem Studium.

Das Gepäck wird aus den zusammengeschobenen Wagen geborgen.

nahmen kommen natürlich immer vor. Heute kommt der Akademiker mit 24 Jahren als Neuling in irgendeinen Betrieb, mit theoretischem Wissen voll­gestopft, doch ohne praktische Erfahrung. Er lebt der falschen Ueberzeugung, ein Fachmann zu sein, ist aber genau so ein Lehrling, wie ftüher der Junge mit 16 Jahren. Wenn dann der junge Akademiker nicht gleich seiner Aufgabe und der ungewohnten Last der Verantwortung gewachsen ist, dann rufen die anderen: Zu was brauchen wir den Akademiker, die stehen ja auf verlorenem Po­sten. Aus diesen Zusammenhängen resultieren unse­res Erachtens nicht zuletzt die klaffenden Gegen­sätze zwischen Akademikern und Volk, das Nicht­verstandensein der Akademiker einerseits und ihre Volksftemdheit andererseits.

Eine ernste Gefahr liegt in dem vielseitigen Verlangen nach Universitätsstudium auch darin be­gründet, daß hierdurch die Universitäten allzuleich ihren traditionellen Charakter als Universitas lit- terarum, als Brennpunkt des gesamten wissenschaft­lichen Lebens verlieren und sich den Fach- und Ausbildungsschulen nähern könnten, in denen die jungen Leute für ihren Beruf herangezüchtet wer­den. Man kann täglich die Beobachtung machen, daß von den sehr vielen Abiturienten und oft auch deren Eltern die Universität unter diesem Gesichts­winkel betrachtet wird. Aber der Jurist, der Theo­loge, der Diplomat, der Journalist muß für feinen Beruf geboren sein, einen inneren Drang und Begabung für ihn haben, muß schon vor dem Studium ein kleiner spitzfindiger Jurist, edeh» denkender, aufrichtiger Theologe, schlagfertiger Tak­tiker, stilistisch gewandter Journalist sein und soll durch das akademische Studium nur die wisseni- schaftlichen Grundlagen für den von ihm frei erwählten Beruf empfangen. Ganz recht hat Pro­fessor Dr. Dovisat, der Direktor des Deutschen Instituts für Zeitungskunde, wenn er in seinen Schriften immer wieder betont: Wir wollen keine Journalistenschule fein, die das Journalistenhand- werk lehrt, sondern wir wollen in unserer Arbeits­gemeinschaft lediglich streng wissenschaftlich das Phänomen „Zeitung", so, wie es uns in die Augen tritt, untersuchen. Diese Worte gelten uneinge­schränkt auch für affe anderen akademischen Berufe und Disziplinen.

Daß nach den vorstehenden Ausführungen der Zudrang zum Universitätsstudium unbedingt ein­gedämmt werden muß, steht außerhalb jeden Zwei­fels. Aber wie ist diese Abhilfe zu gestalten? Hat sie überhaupt Aussicht auf Erfolg? Ist die Ueber- füllung der Hochschulen etwa eine Kultur- oder Wirtschaftserscheinung, die man als notwendiges Uebel hinnehmen und bei der man eben warten muß, bis sie sich von selbst im Sande verWust? Das einfachste und durchschlagendste Abhilfsmittel wäre natürlich die Einführung eines numerus clau- süs. Aber dieser würde nicht mit unserer Reichst­verfassung zu vereinbaren fein, die jedem Deutschen ohne Rücksicht auf Geburt und Stand eine möglichst gute und umfassende Ausbildung und die Freiheit der geistigen und wissenschaftlichen Betätigung zu­sichert. Vielen Wert scheinen auch nicht die War­nungen der akademischen Berufsverbände zu haben. Sie entspringen oft einem gewissen Futterneid der alten Akademiker im Beruf. Konkurvenzfurcht diktiert ihre Warnung.

Was wir den jungen Wissensdurstigen ernst­meinend und ihnen gut belehrend tagtäglich sagen müssm, ist, daß bei jedem Berus die Eignung das Vorherrschende ist und nicht die schlechte oder gute Aussicht des Unterkommens. Nur dann hat über­haupt das akademische Studium einen Zweck, wenn so das theoretische Wissen zur praktischen Ver­wertung durch die Eigenpersönlichkeit kommt. Solche Berufsauffassung wird natürlich den jungen Abiturienten trotz schlecht ausgestellter Berufsprog­nose nicht von seinem Studium abbringen lassen. Vielleicht überlegt man sich bei den maßgebenden Organisationen und Behörden einmal, ob ein Er­folg unter Umständen erzielt werden könnte, wenn in bestimmten Berufen, wiederum wie früher, die praktische Eignung ausschlaggebend ist und nicht imrner nach der Reifeprüfung und dem akademischen Studium gefragt wird. Wir denken dabei an eine besondere Propagandaentfaltung für die gewerb­lichen Berufe, die oft ein besseres Fortkommen und Einkommen gewähren, als man nur annehmen will. Vielfach entspricht auch ein solcher gewerblicher Beruf der natürlichen Eignung manches jungen Menschen mehr als ein erzwungener akademischer Beruf. Viele Eltern müssen auch nicht glauben, daß ihr Sohn studieren soll, damit er in andere Kreise gelangt, als die der Eltern es sind. Das ist ein ganz falscher Stolz, der leicht zum Ver­derben des Sohnes führen kann.

Einen Vorteil für die Besserung der akademi- chen Berufsaussichten könnten wir auch darin er­blicken, daß man daran geht, die Zulassungsmög­lichkeiten zur Reifeprüfung und zum Studium ein klein wenig einzuschränken, ohne daß wir dabei den Tüchtigen irgendwelche Wege zubauen wollm. In den letzten Jahren sind ja die fogenannten Ausbau­schulen wie Pilze aus der Erde, geschossen. Unter großen Kosten wurden ferner in vielen kleinen Städten vollklassige Gymnasien, Realgymnasien oder Oberrealschulen errichtet, für die direkte Not­wendigkeit nicht vorlag. Man wollte aber meist hinter den Nachbarstädtm nicht zurückstehen, man versuchte das Ansehen der eigenen Stadt nach außen zu heben. Und wie kam es sehr oft? Dann fehlte es diesen neuen Anstalten in den oDeren Massen vielfach an Schülern, was wiederum bewirkte, daß die Examinas nicht streng durchgeführt wurden, weil man von den wenigen Schülern nicht auch noch welche sitzen lassen konnte. Verderblicher ist dabei aber noch, daß manche Anstalten sehr oft geradezu auf Schülerhamsterei ausgehen, damit sie ihre Schulen erhalten können.

Das alles sind Fragen, die nicht nur die Be­rufsberatungsstellen angehen, sondern in erster Linie Eltern, Abiturienten und auch Behörden be­schäftigen müssen. Wir haben versucht, ein wahr­heitsgetreues Bild über die Lage zu geben. Viel­leicht sind Besserungen möglich, vielleicht können Heilmittel angegeben werden. Wie bei verschiede­nen krankhaften Zuständen der Jetztzeit wird aller­dings das sicherste Heilmittel wohl die Zeit bleiben. Es heißt abwarten, bis ein Umschwung von selbst,

Die Uebersüllmig der Hochschulen

Das geistige Proletariat.

Ernste Fragen für Eltern, Studierende und Behörden.

übrigen? Sie finden entweder im eigenen Heimat­land überhaupt kein Unterkommen, bleiben ar- »ettslos, fallen damit dem Staate oder deröffent- ichen Fürsorge zur Last, vielleicht auch wandern re aus und gehen so der Heimat verloren. Es md nicht die Unbegabtesten und Untüchtigsten, die, rurch die Not getrieben, auswandern. Es sind vielmehr die Wagemutigsten, die alles daran setzen, gche es, wie es will, um ihre Kräfte im Dienst- der Menschheit oder Wissenschaft zu verwerten. Es gibt aber auch solche, die nie eine ihrem Stui- tnum entsprechende Stelle erringen können, die dann Gelegenheitsarbeiter werben, von der Hand m den Mund leben, langsam einer stumpfen Resig­nation anheimfallen und schließlich das Milieu verfluchen, das sie zu einem Wertbosen Studium gezwungen hat. Sie bilden mit all den anderen das geistige Proletariat, sind die akademisch Ein­geengten. Dabei wird die Lage immer noch schlim- Nler. Denn es besteht keine Hoffnung, daß sich in Den nächsten Jahren der Zudrang zu den Uni­versitäten vermindern wird. Soweit man berech­nen kann, wird die Zahl der Abittlrienten in den Jahren 1932-33 in ,Deutschland zirka 30000 betragen. 10000 mindestens nach den heutigen Berechnungen, also ein Drittel, bleiben überzählig. Man bedenke: Zehntausend Ueberzählige in einem Jahr, aus einem einzigen Stande!

Wie rst aber ihr Fortkommen? Nur 331/. Prozent dieser 18 000 Jünger der Alma mater können untergebracht werden. Was wird aus den

Woher kommt aber diese, zum Bevölkerungs­zuwachs in gar keinem Verhältnis stehende Ueber- füllung der höchsten Bildungsstätten Deutschlands? Aus welcher Quelle entspringt dieser Drang zum Hochschulstudium? Man wird finben, daß die Ur­sache in den veränderten Wirtschaftsverhäktnissen Deutschlands liegt. Durch die Inflation und die Reparationslasten werden auf Jahrzehnte hinaus Vie deutschen Produktions- und Absatzmöglichkeiten beeinträchtigt. Trotzdem herrscht ein enormer Zu­drang zu den Fabriken, Banken usw. Die Unter­nehmen haben dadurch eine große Auswahl von Bewerbern und stellen fast durchweg als Mindest- vorbildung die Reifeprüfung. Die Wirtschafts- beihilfen, Barunterstützungen, Darlehnsgewährun- gen zum Abschluß des Studiums, die Mensae-Frei- tische^ die Studentenheime, die Mögllchkeit des Nebenverdienstes während des Semesters und der Ferien durch das akademische Stellenvermittlungs­amt, die Gebührenerlässe, die Studienstistungen, all diese Einrichtungen erleichtern ferner beinahe jedem Abiturienten das Hochschulstudium und sind bei der Frage des finanziell Schwächeren — kann sch studieren? — immer von ausschlaggebender Bedeutung. Neben ber Privatwirtschaft verlangen jetzt aber auch bie öffentlichen Körperschaften bei Staat und Gemeinden schon für den mittleren Beamtendienst Reifeprüfung und für den höheren ein abgeschlossenes akademisches Studium. Weiter ist zu berücksichtigen, daß viele Abiturienten, die nach der Reifeprüfung nicht sofort eine Stellung finden, sich einfach an einer Universität immatriku­lieren lassen ohne besondere Neigung zum Stu­dium. Daß diese Menschen dann selten etwas Wissenschaftliches leisten werden, versteht sich. So beeinträchtigt das Darniederliegen der deutschen Wirtschaft selbst das Bildungswesen und bie Wissenschaft.

Sehr naheftegenb ist bie Frage, ob es überhaupt förberlich ist, wenn für Berufe, für bie früher das Einjährige ober gar nur bie Elementarschule verlangt wurde, heute das Reifezeugnis und aka­demisches Studium gefordert wird. Man wird die Frage insofern bejahen müssen, als das Stu­dium zu einem unbedingt logischm und streng objektiven Denken erzieht, was für die Tätigkeit in allen Berufen von großen: Vorteil sein muß. Verneinen muß man die Frage jedoch in Hinsicht darauf, daß die jungen Leute so spät dazu erzogen werden, Verantwortung zu tragen. Früher kam der junge Mann mit 16 Jahren als Lehrling in inne Bank z. 23., und es wurden ihm dort gleich >on Anfang an bestimmte, wenn auch noch so lebensächliche Arbeiten zugewiesen. Dafür, daß Kefe Arbeiten ordnungsgemäß und richtig ausge- chhrt wurden, trug er allein die Verantwortung. Es war auch sein Stolz, daß man sich auf ihn verlassen konnte. Mit 24 Jahren war er meist schon eine tüchtige Arbeitskraft, welche die schwie­rigsten Angelegenheiten erledigen konnte. Aus-

eintiitt. Bis dahin aber dürfen wir keinen Ver­such unterlassen, das schon jetzt bestehende Elend in den geistigen Berufen zu mildern und dafür zu sorgen, daß durch Selbsterkennen, Selbstprüfung manche jungen Menschen vom Studium zurückgehal­ten werden, die sich für einen anderen Beruf, und wenn er auch nicht gerade akademisch ist, viel besser eignen.

Vank-Vetrüger verhaftet.

Durch gefälschten Auftrag um 8 Millionen Franken geschädigt.

Der Angestellte der Banque de l'Union Pari­sienne A l c o u f f e, seine Schwester und ein Kaufmann, die die genannte Bank durch einen gefälschten Auftrag um ad) t Millio­nen Francs geschädigt haben, wurden ver­haftet. Sie benutzten bei ihrem Betrugsmanöver Briefformulare der Bank.

* Rückkehr der französischen Zeppelingäste. Der stellvertretende Kabinettschef im französischen Luft- fahrtm'misterium Kahn, ferner Kommandant Loysel und Leutnant zur See Pecqueur, die als Gäste Dr.

Eckeners an Bord des Luftschiffes „Graf Zeppelin die Reise nach Friednchshafen mitgemacht hatten, sind Sonntag nachmittag 17.30 Uhr im Flugzeug in Le Bourget eingetroffen. Sie erklärten sich von ihrer Reise nach Deutschland befriedigt und beton­ten, daß sie überall herzliche Ausnahme gefunden haben Sie sind sogar eingeladen worden, eine neue Reise nach Deutschland zu unternehmen, und hoffen, dieser Aufforderung im Verlauf einer längeren Studienreise nachkommen zu können. Der Befehlshaber des Kriegsmarineflughafens Cuers- Pierrefeu H a m o n ist bereits gestern abend im Flugzeug in Paris eingetroffen.

katholische Welt.

= Generaloberenkonferenz in Münster L Wests Auf Einladung des Deutschen Karitasverbandes ist am 22. Mai die Konferenz der Generaloberen und General­oberinnen der katholischen karitativen, reli­giösen Genossenschaften Deutschlands im großen Saale des katholischen Gesellenhauses i W. zusammengetreten. Ueber 100 Mutterhäuser aus allen Teilen Deutschlands sind vertreten. Mehr als 200 Su­perioren, Generaloberen, Generaloberinnen und deren Generalassistenten und -assistentinnen nehmen daran

Bilder zur Llnsallchronik der Vfingstwoche.

Der entgleiste Fern-D-Zug und der notgelandete Freiballon.

Die auf Bahnhof Kerzell ent­gleiste und umgestürzte 103 Tonnen schwere Lokomotive, schwerster Typ der Reichsbahn- lokomotioen.

Der Hilfszug von Fulda ist eingetroffen. Die Ausräumung-- arbeit beginnt.

Der „Klei-Klompe" (Ä. K. Der) birgt den tm Wald niedergegangenen Freiballon „Eule* des Berliner Luftfahrt-Vereins, der an einem Freiballon-Wettbewerb teilgenommen hatte und in der Nähe von Frankenheim in ber hohen Rhön niedergehen mußte.