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Nr 121

56.Zahrg

Sonntag, 26. Mai 1929

Konferenz

i

W soMlSemkralische Wehrprogcmm o^eandert

mit Revolvern und Karabinern bewaffnete litau- ische Bauernburschen, die, wie die polnischen Bläb ter behaupten, wahrscheinlich der Organisation Schalls oder dem Eisernen Wolf angehören.

Lilcheint fechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf.) obne AusteNa

und nimmer angenommen werden kann. Unsere Delegierten sind jetzt auch nicht an den Owen Aoung'schen Zahlungenplan gebunden, dem sie nur unter der Bedingung zugestimmt haben, daß die Gläubiger-Vertreter die von Deutschland gestellten Forderungen annehmen. Das ist ebenfalls nicht geschehen. Sm Gegenteil: Es ist eine Mehrbela­stung Deutschlands gegenüber dem Owen PoUng- Plan festzustellen, ganz gerissen rechnerisch konstru­iert. Damit aber ist die Grenze des Unmöglichen überschritten. Der Bogen ist so gespannt, daß er bei der geringsten weiteren Belastung bricht.

Wohl haben seit Bekanntwerden der Antwort der Gläubiger - Delegationen neue Besprechungen mit den deutschen Behörden stattgefunden. Heber deren Ergebnis und Inhalt ist nichts authentisches mitzuteilenl Man hüllt sich in Paris vorläufig in Schweigen, beobachtet aber mit größter Besorgnis den weiteren Verlauf der Konferenz. Die gleiche Besorgnis herrscht auch in Berlin, in Regierungs-, wie in Wirtschaftskreisen. Am Donnerstag abend ist die Denkschrift der Gläubiger - Vertreter den amtlichen deutschen Stellen in Berlin zugesteAt worden. Wie wir erfahren, wird sich das Reichs­kabinett sofort mit der Prüfung des Schriftstücks beschäftigen und Stellung dazu nehmen. Ob ein deutscker Sachverständiger zu diesen Beratungen nach Berlin kommen wird, ist noch nicht gewiß.

Das eine kann heute schon festgestellt werden: die Auffassung unserer Sachverständigen in Paris deckt sich vollkommen mit der der amtlichen Stel­len sowohl wie der maßgebenden Wirtschaftskreise. .Sollte es nicht gelingen, die Gläubiger-Vertreter zu einer anderen Verhandlungsmethode zu bringen, sollte es nicht möglich werden, in den kommenden Tagen eine rein wirtschaftliche und nicht politische Basis zu schaffen, dann wird die Pariser Repara­tionskonferenz die Krisis nicht überstehen, sondern ergebnislos verlaufen müssen. Dr. Schacht so­wohl wie Geheimrat Kastl haben ist Paris kei­nen Zweifel darüber gelassen, daß sie sich gegen­über jeder in der neuen Denkschrift gestellten For­derung rücksichtslos ablehnend verhalten, daß sie dieselben Konsequenzen ziehen werden, wie der aus der Delegation ausgetretene frühere Sachverstän­dige Dr. Vogler. Es wird jetzt allein die Aust gäbe der Gläubiger-Vertreter fein, die berechtigten deutschen Forderungen anzuerkennen und zu be­weisen, daß es ihnen darauf ankommt, die Repara­tions-Konferenz nicht ohne ein positives Resultat enden zu lassen.

Die Kaffenlage des Keichs.

Die neue Reichsanleihe wird dem Reich, wie WTB-Handelsdienst erfährt, durch das sogenannte Preußen-Konsortium unter Führung der See» Handlung in Höhe von 120 Millionen Reichsmark zum Lombardsatz der Reichsbank, also zu 8% Proz. bevorschußt werden. Hierzu kommt noch eine Provision von ein Achtel Prozent. Die Rückzah­lung erfolgt bis spätestens 25. Juli entsprechend den Eingängen aus den Einziehungsraten der Reichsanleihe. Die Zahlungen werden in Mark geleistet.

Die vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei eingesetzte Wehrprogrammkommission trat am Freitag, dem 24. Mai, in Magdeburg noch­mals zusammen und nahm unter Berücksichtigung von Vorschlägen Otto Bauers (Wien) und unter Anlehnung an Anträge von Hamburg und jöerlin an dem seinerzeit veröffentlichten Entwurf einige Aenderungen vor. Der viel umkämpste Abschnitt III der Richtlinien hat in seinem entscheidenden Teil folgende Fassung erhalten:

„Der wirksamste Schutz der deutschen Republik beruht auf einer deutschen Außenpolitik, die auf die Verständigung der Völker und die Erhaltung des Friedens gerichtet ist. Noch droht aber die Machtpolitik imperalistischer und faschistischer Staa­ten mit konterrevolutionären Interventionen und neuen Kriegen. Deutschland kann als Aufmarsch­gebiet mißbraucht und wider Willen in blutige Verwicklungen hineingerissen werden. Solange diese Gefahren bestehen, braucht die deutsche Republik eine Wehrmacht zum Schutze ihrer Neutralität und

Polen und Litauen.

Neuer Grenzzwischcufall.

wtb. Warschau, 25< Mai. (Eig. Funkm.) Wie „Expreß Poranny" aus Wilna meldet, versuchten gestern nacht im Kreise Braslaw etwa 12 Mann von Litauen aus die polnische Grenze zu über­schreiten. Eine polnische Stveifwache, die rasch Verstärkungen heranholte, konnte die Ueberläufer umzingeln. Es entwickelte sich eine längere Schießerei. Der polnischen Truppenabteilung gelang es schließlich, zehn Mann gefangen zu neh­men. Die Festgenommenen sind litauischsprechende,

Ein zweiter Fall Domela.

Der angebliche Sohn des Exkaisers vor Gericht. — Wegen Betrugs und Unterschlagung zu 13 Ulonaken Gefängnis verurteilt. — Geheimnisvolle Beziehun­gen des Hochstaplers zum haus Doorn.

Vor dem Schöffengericht in Köln begann am Freitag der Prozeß gegen den 29jährigen stellungs­losen Kaufmann Karl Hartung, der unter der Angabe, daß er der „illegitime Sohn der Erkai- , ferin, Hermine und Wilhelm II.* fei, umfangreiche Betrügereien begangen hat. Kaufleute, Handwer- ker, aber auch ein Polizeioberst, ein Rechtsanwalt, Freiherr von Solemacher-Bonn und einPrivatsekre- tär der Prinzessin Helene, Wunderlich. Im Ganzen waren 16 Zeugen erschienen. Die An­klage lautet auf eine große Zahl von kleinen Be­trugsfällen. Zunächst erklärt der Vorsitzende, daß nach den Akten ieststeht, daß Hartung Zuwen­dungen von Doorn bekommen habe. Diese Zuwendungen haben plötzlich, etwa im Juni 1927, aufgehört, nach der Behauptung Hartungs, irstl man ihn an Veröffentlichungen in kommunistischen Blättern über seine Beziehungen zu Haus Doorn für schuldig hielt. Im Verlaufe der Verhandlungen gegen Karl Hartung stellte das Gericht fest, daß der Angeklagte die Behauptung nicht mehr aufrecht erhalte, daß er ein Sohn der Prinzessin Hermine sei, was Hartung aus- • drücklich bestätigte.

Pas Kölner Schöffengericht verurteilte Hartung, wegen fortgesetzten Betruges, Unterschla­gung, und unerlaubten Waffenbesitzes zu i n s g e - samt 13 Monaten Gefängnis. Wegen feiner ehrlosen Gesinnung wurden ihm die Ehren­rechte auf drei Jahre aberkannt. Der Staatsan­walt hatte ein Jahr sieben Monate Gsfan-m!s und drei Jahre Ehnenrechtsverluste beantragt. Im Ver­laufe der Verhandlung erklärte Hartung auf eine Frage, welche Mission er für das Haus Doorn zu erfüllen hatte, er fei als Kurier zwischen der Generalverwaltung des vormals königlichen Hauses urb rechtsstehenden Politi­kern tätig gewesen. Der Vorsitzende bestätigte diese Aussage. Der Angeklagte habe geschloffene Briese bekommen, die er gegen Quittung zu über­geben hatte.

* Bullig unaufgeklärt blieben in der Ver­handlung die Gründe, aus denen heraus Hartung jahrelang von Doorn aus mit fo erheblichen Be­trägen unterstützt wurde, wieso Prinzessin Hermine so häufig mit dem von ihr Unterstützten zusammen- traf und wieso der Sohn kleiner Leute in Biesnitz^ bei Görlitz jahrelang in der Familie des Freiherrn von Türck» aufgezogen wurde Es wurde nicht ein einziges Mal die Fraae aufgeworfen, wo und wieso Hartung die Prinzessin kennengelernt hat und aus welchen Gründen die großzügigen fortlaufenden Unterstützungen erfolgten,-

der politischen ,wirffchastlichen und sozialen Er­rungenschaften der Arbeiterklasse."

Im Abschnitt II, der von der Abrüstung handelt, hat der letzte Absatz eine Ergänzung erhalten, sodaß dieser Abschnitt lautet:

„Eine Verpflichtung der deutschen Republik, die ihr auferlegten Rüstungsbestimmungen ohne Rück­sicht auf ihre politische und militärische Zweck­mäßigkeit auszuschöpfen, erkennt die Sozialdemo­kratische Partei nicht an. Sie fordert den plan­mäßigen Abbau der militärischen Rüstungen Deutsch­lands aus eigenem Willen unter Berücksichsigung der politischen, wirffchaftlichen, sozialen und finan­ziellen Verhältnisse."

Unter den praktischen Forderungen hat lediglich der Satz über das Kontrollrecht des Reichstages eine Abänderung erfahren. Er heißt jetzt:

„Kontrolle des Reichstages über alle Angelegen­heiten der Reichswehr und über alle Verträge und Abmachungen der Heeresverwaltung."

Die Mänderungsbefchlüsse wurden nach ein­gehender Debatte mit großer Mehrheit gefaßt.

* Bootsunfälle auf dem Indus. Ein böiger Winstoß brachte bei Haidarabad mehrere auf dem Indus fahrende Boote zum Kentern. Sechs Personen ertranken, fünf werden vermißt.

* Wirtschaftliche Studienreise einer enalischen Kommission nach SSVamerikm Die von der Re-, gierung ernannte WirffchaMommission, die nadr Argentinien und Brasilien gehen soll, wird von dem vormaligen Botschafter in Berlin, Lord d' Aber non, geführt werden. Außerdem gehören ihr an: Sir William Klare Lees äks Vertreter der Textilindustrie, Rowland als Vertreter der Ma- fchinenbau-Industrie und der vormellge bri1if.be Kommissar in Köln. •

der Eisen, und Stahl-Industrie. „Daily Mail' sicht in dem Beschluß der Regierung einen groß­zügigen Versuch zur Rückeroberung' und Ausdeh­nung der britischen Märkte in •übamerita.

Deutschland mutz zu Unmöglichem Nein sagen. — vor neuen Katastrophenzeiten?

* 300 Disziplinarverfahren gegen deutsche 2Rin- derheitsschullehrer in Oflvberschlesien. Aus K a t to- witz wird gemeldet: Aus Grund von Beschuldi­gungen der „Polska Zachodnia", wonach angeblich sämtliche Minderheitenlehrer Zuschüsse aus deut­scher Quelle beziehen, sollen gegen fast 300 deutsche Midnerheitsschullehrer Disziplinarverfahren einge« leitet worden fein. Der Rektor der deutschen Minderheitsfchule in Kattowitz, Urbanif, gegen den ein gleiches Verfahren schwebte, wurde durch Be­schluß des Disziplinarausschusses ohne jeden Pen» sionsanspruch seines Amtes enthoben.

Aus des Messers Schneide.

Die innerpolitische Nusrichtung im Hinblick aus den Kusgang der pariser

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vom englischen Wahlkampfe.

Durcheilt man die Kandidatenlisten für die englischen Wahlen, dann erkennt man, daß der Parlamentarismus eine Existenzfrage für bestimmte Familien geworden ist. Väter und Söhne, Brü­der und Schwestern, Ehemänner und Ehefrauen bewerben sich um Parlamentssitze. Wenn alle Blu- tenträume der Kandidaten reifen, müßten int näch­sten englischen Parlament allein drei Lloyd Georges und drei Hendersons, um nur bekannteste Namen zu nennen, als Volksvertreter erscheinen. Lloyd George selbst ersttebt feine Wiederwahl in Car­narvon, sein Sohn Gwilym hofft in Pembroke durchzukommm, und seine Tochter Megan" will der Familie ein neues Mandat in Anglesey erstrecken. Arthur Henderson und seine Söhne Arthur und Will sind schon einmal gleichzeitig im Unterhaus gewesen. Interessant verfahren die Ehe­leute Runciman. Die Ehefrau ist bei einer Nach­wahl in St. Jves ins Parlament gelangt und hat jetzt aus diesem für die Familie bereits gesicherten Posten ihren Mann eingesetzt, während sie selbst Neuland in Tavistock anzubohren versucht. Diesem liberalen Ehepaar wollen die sozialistischen Gatten Cynthia und Oswald Mosley, der sein Ziel schon einmal erreicht hatte, int Parlament gegenüber treten. Feindliche Brüder sind die beiden Caines, deren einer die konservative Fahne hochhält, wäh­rend der andere int sozialistischen Lager steht. Das größte Familienpech in parteipolitischer Hinsicht hat der bisherige konservattve Premierminister Bald-

Der Neichsbahn-Lohnkonflikt.

(Ein Schiedsspruch.

Im Lohnstreit bei der Deutschen Reichsbahn- gesellfchaft haben unter dem Vorsitz des vom Reichsarbeitsminister bestellten Schlichters Vor­tragenden Rats Dr. Völcker die Schlichtungsoer­handlungen stattgefunden. Da eine Einigung der Parteien nicht zu erzielen war, wurde eine Schlich­terkammer gebildet, der eine Erhöhung der Grund­löhne im Lohngebiet 1 um vier, in den Lohngebie­ten 2 und 3 um drei Pfennig je Stunde vorsieht. Diese Lohnregelung soll erstmals kündbar fein zum 31. März 1930.

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Wie die B. Z. zu dem Schiedsspruch bei der Reichsbahn mitteilt, bedeutet dieser eine jähr­liche Mehrausgabe an Löhnen für die 400 000 Mann starke Belegschaft der Reichsbahn bei einer durchschnittlichen Erhöhung des Stunden- lohnes um 3,2 Pfg. von 43,2 Millionen Rm. Die Reichsbahn erklärt, daß ihre Finanzlage eine derartige Mehrbelastung nicht zulasse. Sie wolle den Schiedsspruch nicht annehmen, da sie vorläufig keine Möglichkeit für die Deckung die­ser Mehrausgaben sehe. Solste der Schiedsspruch für verbindlich erklärt werden, so werde die Reichsbahn sich wahrscheinlich an das Reichs­bahngericht wenden, das bei dem zustän­digen Senat des Reichsgericht gebildet wird.

Das Reichskabinett beschloß am Freitag in sei­ner unter dem Vorsitz des Reichskanzlers ab­gehaltenen Sitzung die Verlängerung des Gesetzes zum Schutze der Republik auf die Dauer von drei Jahren, Die entsprechende Vorlage wird dem Reichsrat sofort zugehen.

Das Reichskabinett beschloß ferner, den Entwurf eines Gesetzes zur AenderungdesVereins- g e s etzes, der den vorigen Reichstag bereits be- fchäftigt hatte, aber nicht verabschiedet worben war, unverändert wieder einzubringen.

Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichskabinetts stand des weiteren der Entwurf eines Gesetzes über Aenderungen in derArbeit s- losenversicherung. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Zeittmgsmeldungen, die von einer Bei­tragserhöhung sprechen, sind daher unrichtig.

Ferner wurde die Frage eines M! nisterver- forgungsgesetzes eingehend erörtert. Auf der Grundlage dieser Beratunoen werden die er­forderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen in die Wege geleitet.

„Rach Schluß der Kabinettssitzung fand laut „B. T. noch eine Mini st erbe sprechung über die Pariser Verhandlungen statt, die nach einer Pause um 9 Uhr abends fortgesetzt wurde. Es gilt setzt, wie das Blatt bemerkt, wegen der noch un­geklärten Sage in Paris als zweifelhaft, ob die sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder, wie ge­plant war, schon am Samstag zu dem Parteitag nach Magdeburg fahren können.

Das Reichskabinett tritt auch am Samstag nach­mittag zu einer Sitzung zusammen, es wird sich je­doch nicht mit der Reparationsfrage befassen. Auf der Tagesordnung stehen vielmehr laufende Ange­legenheiten, die Arbeitslosenversicherung u. a. Eine Stellungnahme der Regierung zur Reparations­frage ist auch deswegen kaum zu erwarten, weil die Verhandlungen in Paris ja noch in Fluß find. „Die „Deutsche Zeitung" läßt sich von einem Ge- wahrsmann dahin informieren, daß „auf dunklen Joe gen in Paris die Mitteilung gemacht worden fei, daß die Wahlen des Herrn Schacht lIahresrate von 1650 Millionen) auch nach der Auffassung der Berlmer Regierung unter der deutschen Leistüngs- fabig.eit blieben Das Reichskabinett, das sich na- turllch von dieser Frage auch ein Bild gemacht fei„5u höheren Ziffern gelangt als Schacht." Die „Deutsche Zeitung" fordert Aufklärung über ctofen von ihr als „infam" bezeichneten Vorfall.

Dazu kann erklärt werden, daß dieser „infame" Vorfall e in e infame Lüge ist. Ebenso un­wahr ist die Behauptung der „Kreuzeeitung", wo­nach obengenannte Mitteilungen durch die deutsche Botschaft in Paris erfolgt sein sollen.

3m Augenblick nationaler Gefahr fehlt es der nationalistischen Presse nicht an dem trauri­gen Mut, die Reichsregierung zu diskreditieren.

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„Der deutsche Botschafter v. Hoesch hat den fran­zösischen Außenminister Briand ausgesucht

'^5 Zunächst von der glücklichen Heimkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" Mitteilung zu machen und ihm bei dieser Gelegenheit nochmals . seinen rür. die tatkräftige Hilfeleistung der franzö- stzchen zuständigen Stellen zu erneuern. Der Bot- I ■fdjafter hat ferner Außenminister Briand amtlich von dem.Rücktritt des deutschen Delegierten im «achverstandigenkomckees Dr. Bögler und seiner Ersetzung durch Geheimrat Kastl Kenntnis gegeben.

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Havas berichtet über die Freitag-Verhandlungen I ®er Reparationsfachverständigen: Die Sachverstän- digen der Gläubigermächte haben einen Meimmgs- «pstcmsch von Delegation zu Delegation über die Bemerkungen, die Dr. Schacht zu dem Memoran- I Qum der Alliierten gemacht hat, gepflogen. Sie ifuefjen gegenwärtig ihre Ansichten einander anzu- I gleichen, und man kann daher den Tag als eine P-r'öde der Vorbereitung des Abwartens ansehen. Die Punkte, über die eine Einigung am schwersten | 3U erzielen fein wird, beziehen sich vor allem auf I ote Frage der inBelgien ausgegebenen Mark- banfnoten, die Heranziehung der Rachf olge- st a a t e n zur Ausbringung der Zahlungen und auf das Zahlungsmoratorium Dr. «Ähacht batte eine Unterredung mit dem Versitzenden der Reparationskonferenz Owen D. Young. Am Sams­tag werden die Gläubigerdelegierten wahrfchein- I lieh nahezu endgültig ihre Haltuna zu den Vorbe- I halten Dr. Schachts festlegen. Man wird alsdann sthen, ob eine Verständigung über alle strittigen Punkte möglich ist. ober ob eine kleine Anzahl da- | von mangels einer zu findenden Lösung den R e- I gterungengur Behandlung anheimgestellt wer-' muß.

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i Don unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter: I

Sinn und Zweck der Pariser Beratungen sollte lein, ein Abkommen zu treffen, das einem freien Wiklensakt aller Beteiligten gleichkam. Was wurde I ober bis jetzt aus den Pariser Debatten? Doch nichts anderes, als ein Diktat, durch welches Deutschland auf Generationen hinaus eine mittag- I bare Last aufgebürbet werben soll, bie Volk unb I Wirtschaft zum Zusammenbruch bringen sollte. Wenn mir bie Antwort der Gläubiger-Vertreter rein nach der finanziellen Seite hin betrachten, bann müssen mir feftftellen, daß trotz der Verab­redung mit Owen Young bie Gläubiger besten Zahlungsplan aufftssten, der von Deutschland nie

Ztudentenkrawalle in New York

Blutige Zusammenstöße mit der Polizei. —Ein« Straßenschlacht. — Ein Student getötet, 32 ver­wundet.

Ein von den Studenten der Rechtsschule der National-University in Neuyork als Protest ge­gen die monatlichen Prüfungen eingeleiteter Streit hat zu einem schweren Zusammenstoß zwischen den demonstrierenden Studenten und der Polizei ge­führt, der in eine wahre Sttaßenschlacht ausartete und bei dem ein Student getütet unb 32 verwundet wurden. Die Polizei mußte die Feuerwehr zur Hilfe rufen, die mit Schlauchleitun­gen gegen die Studenten vorgrng, während die Po­lizisten von ihren Schußwaffen Gebrauch machte. ’

♦ Ein neuer amerikanischer Staatsstkretiir. Prä- sident Hoover hat Joseph Cotton zum'Unterstaats- settetär im Staatsdepartement ernannt. Cotton ein Neuyorker Rechtsanwalt, war 1918 Verireter des amerikanischen Ernährungsamtes in Europa und Mitglied des interalliierten Finanzbeirates Der bisherige Unterstaatssekretär Clark, ein genaue, Kenner Mexikos, tritt ins Privatleben zurück, da

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Win. Sein Sohn Oliver zieht es vor, sich von den Sozialisten ins Unterhaus wählen zu lasten und seinem Vater im Wahttampf entgegen zu treten,. Ramsay Macdonald, der vielleicht ein zweites Mal die Premierministerschast des englischen Weltteiches übernehmen wirb, sieht sich patteipolisisch von sei- nem Sohn unterstützt.

Das sUkohol-privileg.

Das diplomatische Korps in Washington und die Trockenlegung.

wtb. Washington, 25. Mai. (Eig. Funkm.) Der britische Boffchafter erklärte, er sei für seine Person oereit, auf das Vorrecht des diplomatischen Korps, alloholische Eettänke einzuführen, zu ver­zichten, falls bie Regierung ber Vereinigten Staa­ten wünsche, baß bieses Vorrecht mit Rücksicht auf das in Amerika bestehende Alkoholverbot aufzu­heben, unb er werbe sich gegebenenfalls mit den übrigen Mitgliedern des Diplomatischen Korps m Verbindung setzen. Wie „Washington Post" meldet, wirb Präfibent Hoover auf Grund dieser Erklärung des britischen Boffchafters aufgeforbert werden, sich darüber zu enffcheiden, ob bas diplo­matische Vorrecht hinsichtlich ber alkoholischen Ge­tränke aufgehoben werden soll.