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Nr. 120.

Fuldaer Zeitung (klmtliches Ureisblatt).

Samstag, 25. Mai 1929.

Heimat

Fulda, den 24. Mai 1929

Nom Diözefan-Klerus.

Anweisung erhielten mit Wirkung vom 15. Mai dieses Jahres: Kaplan Joseph Heller in Großen- tJt Äs Kaplan in Batten, Kaplan Aloys Auth in Hattenhof als Kaplan in Großentaft.

Das 1175-3ubilänm des hl. Bonifatius.

Am 5. Juni jährt sich bekanntlich zum 1175 mal ber Todestag des Märtyrers und Glaubensvaters ß A Bonifatius. Aus diesem Anlaß wendet sich -er Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda in einem | besonderen Hirtenwort an die Katholiken der Diö­zese Fulda. Das Hirtenwort wird am Dreifaltig­keitssonntag von den Kanzeln verlesen. Am 2., 3., 4. und 5. Juni sollen in allen Pfarr-, Kuratie- und Klosterkirchen Segens-Andachten abgehalten wer­den. Am 5. Juni ist außerdem ein feierliches Hoch­amt vor ausgesetztem Allerheiligsten zu zelebrieren. Organifafionsänbcrungcn im Elektrozweckverband Mitteldeutschland.

Bon der Verwaltung des Verbandes wird uns folgendes geschrieben: „In letzter Zeit sind ein­zelne Pressenotizen erschienen, die über den der­zeitigen Stand der Vorbereitung gewisser Organi- sationsänderungen des Verbandes zu irrtümlichen Auffassungen führen könnten. Wir teilen deshalb folgendes mit: Verwaltung und Vorstand des Verbandes sind bereits feit längerer Zeit in eine Prüfung der Frage eingetreten, ob und auf welche Weife Organisationsänderungen des Verbände» notwendig erscheinen, um den steigenden Ansprü­chen der Wirtschaft an die Elektrizitätsversorgung gerecht zu werden. Die vorbereitenden Arbeiten sind in vollem Gange, und die Aussichten verschie­dener vorliegender Möglichkeiten sind noch nicht zu übersehen. Nach wie vor wird das erstrebte Ziel nur in einheitlichem Vorgehen aller beteiligten Kommunalverbände und lleberlandwerke unter voller Wahrung des kommunalen Charakters gesehen".

Billiger Sonderzug nach Eisenach.

Ein Sonderzug fährt am Sonntag, den 2. Juni, mit beschleunigter Fahrt von Frankfurt über Fulda nmh Eisenach Der Zug verläßt Frankfurt um 6,03 Uhr, fahrt m Schlüchtern um 6,37 Uhr ab und rn Fulda um 8,22 Uhr. Von Wetzlar und Gießen aus wird auf der Strecke Fulda—Gießen em Flügelzug herangeführt, der um 8,05 Uhr m Fulda eintrifft und sich mit dem Hauptfonderzug vereinigt. Der Hauptzug trifft um 10,19 Uhr in Eisenach em. Die Rückfahrt erfolgt von Eisenach um 18,50 Uhr. In Fulda trifft der Zug um 20,37 Uhr wieder ein. Der Sonderzugsfahrpveis für ym- und Rückfahrt bis Eisenach erfährt gegenüber «n regulären Fahrpreis eine Ermäßigung von FA Prozent. Die Fahrkarte für Hin- und Rück­fahrt von Fulda bis Eisenach kostet 5,20 Mk. Es werden nur soviel Karten ausgegeben, als Sitzplätze vorhanden sind. Kinder im Alter von 4—10 Jahren zahlen den halben Fahrpreis. Fahrtunterbrechung ist nicht gestattet. Schluß des Fahrkarten­verkaufs ist am Samstag, dem 1. Juni, um 19 Uhr. Dkedersehensfeier der Abiturla 1904.

Zu der Wiedersehensfeier der Abiturienten des Jahrgangs 1904 des Gymnasiums Fulda hatten sich 23 von den noch lebenden 31 Abiturienten dieses Jahrgangs eingefunden, nämlich die Herren Stu- 0!enrat Franz Ackermann, Schmalkalden, Pfarrer Ottmar Deck, Vorsch, Fabrikdirektor Eddy Bellin- ger, Fulda, Pfarrer Emil Goldbach, Lütter, prakt. Arzt Dr. Adolf Grünspecht, Nürnberg, Studienrat »arl Hergenröther, Brakel, prakt. Arzt Dr. Franz Hopmann, Neustadt, Kuratus Friedrich Horst, ^^uizell, Pfarrer Joseph Kircher, Petersberg, Tier- "3t Dr Richard Lehmer, Janovice (Polen), P. Fr.

Müller, O. F. M., Kloster Frauenberg, Re­dakteur Dr. Adolf Nebel, Gladbeck, Pfarrer Gre- £* J?ue!L Burghaun, Pfarrer Wilh. Quell, vchleid, Pfarrer Ferdinand Reinhardt, Jena, Pfarrer Hemrich Roßbach, Preungesheim, Pfarrer Amand Schaub, Roßdorf, prakt. Arzt Dr. Siegfried vcyonfeld, Frankfurt, Rechtsanwalt und Notar Ignaz Wankel, Hünfeld, Bibliotheksdirektor Dr. Christoph Weber. Kiel, Prioatqelehrter Dr. Eduard Wefener,, Köln, Pfarrer Nikolaus Witzel, Schwarz- vach und Stabveterinär a. D. Tierarzt Erich Zappe, ^ooß-2luheim. Die Nichterschienenen waren teils durch Krankheit, teils durch dringende Dienftge- jNaste ferngehalten. Am Dienstag abend nahm die Wtedersehensfeier mit einem gemeinsamen Essen Mi Burgerverein seinen Anfang. Als Gäste waren von den früheren Lehrern die Herren Professor •A Guthell und Gymnasiallehrer v. Keitz er- Wienen. Ein großer Teil der ehemaligen Lehrer M bereits verstorben, andere wurden inzwischen «rsetzt. Ferner nahmen an dem Abend eine ^eihe ehemaliger Mitschüler teil. Herr Eddy Bel- Mer, der sich um die Veranstaltung der Feier ^sonders verdient gemacht hatte, hieß in herzli- wen Worten alle willkommen, besonders auch die Gaste. Er gedachte des auf dem Felde der Ehre MÄlenen KonabÄunenten Oberlehrer Konrad Eoer aus Sargenzell, dessen Andenken in der üblichen Weife geehrt wurde, und sprach die Hoff- Mg aus, daß die Feier allen eine angenehme, bleibende Erinnerung sein möge. Im Verlaufe °es Essens nahm auch Herr Prof. Gutheil das Wort. Er dankte für die Einladung und weckte »rmnerungen aus der damaligen Schulzeit. Es ^lgte dann der Festkommers. Die Festrede hielt »r- Eduard Wesener. Es war eine Glanzleistung nach Form und Inhalt, ausgezeichnet durch die -biefe der in ihr zum Ausdruck kommenden Ge- anken. Daß darin auch dmckbar der ehemaligen , sbner gedacht und der herrlichen Darockstadt Fulda "bd ihrer Naturverbundenheit ein Lob gezollt wurde, ist selbstverständlich. Der Mittwoch morgen >bh alle Teilnehmer um 9 Uhr im feierlichen Hoch- «"t in der Klosterkirche am Frauenberg. Pater

Ewald Müller, Abiturient von 1904, zelebrierte ®?5 Hochamt. In der Ansprache, die er nach dem Evangelium an seine Konabiturienten hielt, ge­machte er der Bedeutung des Tages, der zum Dank Wahne an Gott, er gedachte weiter der ehemaligen dbyrer und widmete warme Worte des Gedenkens im Kriege gefallenen Konabiturienten Konrad Tj^ber aus Sargenzell. Die Kleriker des Klosters ?ngen eine mehrstimmige Messe und verschönten

Gottesdienst auch durch weitere Gesänge. Nach !tn Gottesdienst fand eine Besichtigung des Klo- 'rs, besonders der stattlichen Bibliothek statt, dann leerte man zum Gymnasium. Viele alte Erin- ^ungen stiegen auf. Das Mittagessen wurde in T Windmühle eingenommen. Dann gings in

Autos durch die in saftigem, frischen Grün pran­gende Natur zur Wasserkuppe, wo sich Gelegenheit bot, einige Uebungsflüge der Jungslieger zu sehen. Im schön gelegenen Poppenhausen aß man im Gasthof Schönberg zu Abend. Um H9 Uhr wurde die Rückfahrt nach Fulda angetreten. Bei einem Glase Bier wurden Erlebnisse aus der Schulzeit aufgefrischt. Die Veranstaltung, die erste dicsser Art in Fulda, wird allen Teilnehmern in ange­nehmster Erinnerung blechen. Cs waren köstliche Stunden. Die Herzlichkeit, mit der man sich gegen­seitig begrüßte, der harmonische Verlauf der Feier, deren Signatur echter Frohsinn war, bewiesen, daß die Abiturientia 1904 eine Klasse war, die allezeit von echtem Kameradschaftsgeist beseelt war. Be­merkt sei noch, daß unter den 31 Abiturienten des Jahrganges 1904 sich 11 Geistliche, 6 Aerzte, 1 Zahnarzt, 2 Tierärzte, 1 Vibliotheksdirektor, lOber- studienvat, 4 Studienräte, je 1 Staatsanwaltschafts­rat und Notar, Redakteur, Privatgelehrter und Fabrikdivektor befinden, keiner also ist gescheitert, ein Ergebnis, das nicht nur von dem Streben der Abituria 1904, sondern auch von dem Erfolg der Arbeit der unvergeßlichen Lehrer Zeugnis ablegt. Man trennte sich mit dem Versprechen, sich in fünf Jahren wieder in Fulda zu treffen.

Diamanten im Goldkranz.

Ein seltenes Driesterjubiläum in der Rhön.

Das ist richtige Pfingstfeier in heiliger Fest­oktav. Weiße Wolkengardinen überspannen den Maienhimmel und schützen vor lähmender Schwüle. Erfrischende Morgenluft weht von den Bergen im Osten. Blütenbäume drängen von Straßen und Gärten bis mitten ins Dorf hinein. Tannengrün klettert an Masten und Ehrenpforten hoch und stürzt sich wieder im Schwung der Girlanden von der Kirchendecke zu den Seitenschiffen herunter. Sankt Michael hat heute hier in seinem Heiligtum einen großen Tag. Der Hochaltar steht im Pfingst- feuer flammender Kerzen. Der Marienaltar hat seine goldenen Flügel weit ausgespannt und sendet Wellen von Blütenduft durch die festlichen Hallen. Der Werktag der Arbeitswoche scheint wieder arft Pfingstfeier zurückgeschaltet. Alles drängt in Fest­tagskleidern zum Gotteshaus oder bildet Spalier bis zum schmucken Häuslein des ehrwürdigen Priestergreises.

Jetzt rufen ihn alle Glocken zum heiligen Opfer. Eine festliche Prozession zieht ihm entgegen. Die Inschrift an der großen Ehrenpforte leuchtet auf: „Ich will hintreten zum Altäre Gottes, zu Gott, der meine Jugend erfreut." Kinder in weißen Kleidern wehen wie eine lichte Wolke aus der Kir­chentür. Jünglinge mit einem stattlichen Vereins­banner schließen sich ihnen an. In den Reihen der Priester sucht das Auge die ehemaligen Schü­ler und Kapläne, Mitarbeiter und Freunde des Jubilars. Hinter ihren dunklen Talaren leuchtet das Violett eines Domherren auf, der offenbar die Glückwünsche des Diözesanbischofs zu überbringen hat.

Hinter einem mit Geschmack und Liebe gepfleg­ten Vorgarten öffnet sich die Haustür, und der Ju­belpriester tritt heraus. Man hat ihm bereits den goldenen Kranz ins lichte Haar gedrückt. Er neigt sich ergriffen dem herzlichen Willkommgruß des OrtSpfarrers und Dechanten, der ihn zum Kirch­gang einlädt. Musik schmettert durch den Wiesen­grund. Der festliche Choral wird nach kurzen Mi­nuten von der Orgel der Kirche ausgenommen. Der alte Bittgesang zum Hl. Geist braust wie ein Pfingst- sturm durch das Haus des Herrn. Die Festpredigt spricht mit leise verhaltener Stimme von des Prie­sters Erdenleid und Himmelstrost. Gottes Wort an Abraham: „Fürchte dich nicht, ich bin dein Schirmer und dein überreicher Lohn!" wird mit glücklicher Anpassung auf den Jubilar im Patriar­chenalter angewendet.

Das Hochamt beginnt. Kostbare Pfingstgewän- der überfluten mit dem Rot von Samt und Seide den grünen Schmuck des Chores. Es liegt etwas Rührendes in den stützenden Händen der Biatone, die den zitternden Füßen des Greises die Stufen des Altars ersteigen helfen. Man denkt unwill­kürlich an Sankt Benedikt und sein Sacrificium vespertinum auf der Höhe des Monte Casino. Das Gloria des Jubilars klinat mehr wie ein Schluch­zen der Ergriffenheit. Kein Wunder. Es liegen sechzig Jahre zwischen der ersten Weihnacht seines Priestertums und dem heutigen Opfer. In die kurzen Augenblicke der Feierstille, die Brot vom Himmel für hungernde Seelen bringen soll, schwirrt der Flug von Schwalben, die hungrig auf- schreienden Jungen Futter zutragen. Die Stimme des Priesters sammelt neue Kraft zum Dankge­sang der Präfation. Dann heben die Hände des Greises das hl. Sakrament hoch in das LiÄtaeflim- mer der Kerzen. In Simeons Freude nud Simeons Glück. Helle -Kinderstimmen fingen das Lied: „Ein Priesterberz ist Jesu Herz". Die Opferfeier neigt sich zu Ende. In das Tedeum der Priester mischt sich der brausende Lobgesang des frohbeweg- ten Volkes.

Dann tuen die Türen des Heiligtums sich wie­der auf. Aber die Prozession stockt. Ein Maien- regen rauscht draußen nieder über die staubaesät- tigten Straßen und lechzenden Gärten. Bald nimmt das Häuslein des Priesters all die willkom­menen Gäste unter sein schützendes Dach. Altge­wohnte Gasffrenndschaft öffnet Küche und Keller. Zwischen frommen Segenswünschen klingen hei­tere Worte fröhlicher Erinnerung auf. Der Jubi­lar dankt. — Und er bittet um das Gebet seiner Mitbrüder für die nahende Stunde, da es Zeit wird auch mit Simeon zu sprechen: „Herr, nun entlassest du deinen Diener in Frieden!" ng.

Aus dem Gerichkssaal.

Wüste Vorgänge im hiesigen Wartesaal 3. Klasse und im Vorraum des Bahnhofs am 6. Febr. nach­mittags gegen %4 Uhr führten zu einem gericht­lichen Nachspiel. Vor dem Gericht standen der vorbestrafte 21jährige R. B. und der mehrfach vor­bestrafte 3Whrige F. K., beide von hier. An jenem Tage mußten Bahnhofsschaffner von Reisen­den in den Wartesaal gerufen werden, in dem sich die beiden Angeklagten ungebührlich benahmen. Der Aufforderung der Beamten, den Wartesaal zu verlassen, setzten sie Widerstand entgegen. B. griff habet die Beamten auch tätlich an. Im Vorraum schlug B. wiederholt auf die Beamten ein. K. be­drohte einen Beamten mit Totsteckien. Er will von den ganzen Vorfällen nichts wissen,, da er stark betrunken gewesen sei. Wegen Hausfriedensbruch, Beamten-Nötigung und Drohung sowie wegen Wi­derstand wurden bestraft B mit 25 Tagen Ge­fängnis, K. mit 40 Mk. Geldstrafe. — Ohne Ge­werbeschein bot am 23. Febr. der Kaufmann I. H. aus Kassel, ohne festen Wohnsitz, dessen Aufenthalt unbekannt ist, in hiesiger Stadt im Umherziehen

Anzugstoffe feil. Das Urteil lautete auf 40 Mark Geldstrafe oder vier Tage Haft. — Ebenfalls ohne Gewerbeschein verkaufte am 4. März der 27jährige Arbeiter A. L. aus Würzburg, ohne festen Wohn­sitz, dessen Aufenthalt unbekannt ist, in hiesiger Stadt im Umherziehen. Urteil 20 Mark Geldstrafe oder zwei Tage Haft. — Wegen zu schnellen Fah­rens mit seinem Motorrad und Nichteinhaltung der richtigen Straßenseite stand der 26jähr. Schlos- |er E. L. von H. vor Gericht. Angeblich durch sein Verschulden soll an einem Sonntagmittag in der Nähe der Rhön-Möbelwerke am' Horaserweg ein Zusammenstoß mit einem Partiewagen aus Fulda erfolgt sein. Da die Beweisaufnahme in der gestrigen Hauptverhandlung nach Pernehmen von neun Zeugen fein klares Bild von der Schuld des Angeklagten ergab, erfolgte feine Freisprst- chung. — Der Landwirt A. D. von L. hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Da D. zum gestrigen Termin nicht erschienen war, wurde sein Einspruch verworfen und ihm die Kosten des Ter- mines auferlegt.

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50 Iahre Uhenania-Marburg.

Goldenes Stiftungsfest feierte in dieser Psingstwoche die kathol. Studentenverbindung R h e n a n i a - Mar­burg a. d. L Begünstigt von herrlichstem Maienwetter verlief die Feier unter außerordentlicher Beteiligung der Alten Herren sowie der Cartellbrüder aus allen deutschen Gauen. Fast alle C. V.-Berbindungen fjaihn Vertreter entsandt^ aus Wien war der Dorortspräsident erschienen. — Begrüßungsfeier, Requiem für die o'.r» storbensn Bundesbrüder, Festgottesdienst und Famrlien- abend bildeten den Auftakt. Glänzend gestaltete sich der Festkommers in den Stadtsälen: Auf sahnengeschmückter Empore die farbenprächtige Schar der Wichs-Chargier- ten, gruppiert um den Senior der Jubelverbindung: auf den Galerien ein reicher Damenflor: im Saale lange Reihen buntbemützter alter und junger Rhenanen und Cartellbrüder; am Mitteitisch der Rektor der Unioer- sität, Vertreter der Civil- und Militärbehörden, des Studentenausschusses und der Marburger Korporatio­nen, die herzliche Worte der Begrüßung sanden: non nah und fern waren Glückwunschschreiben und Tele­gramme eingelaufen, besonders herzlich vom Hochw. Herrn Bischof von Fulda. In schönster Harmonie ver-

Schweres ®-3ug-UngIütf bei Fulda.

Der Fernschnellzug Basel-Berlin auf der (Station Kerzell entgleist. — Lokomotive, Vackwagen und drei Versonenwagen umgestürzt. — Die Personenwagen ineinander geschoben und zertrümmert. — Glücklicherweise keine Todesopfer- — Sine Schwerverletzte und 12 Leichtverletzte.

Wie bereits gestern abend durch E r t r a b l a 11 der Fuldaer Zeitung bekannt gegeben wurde, ereignete sich am Donnerstag nachmittag auf der Station Kerzell ein schweres Eisen­bahnunglück. Der um 16.15 die Station pas­sierende Fern-D-Zug Bafel-Heidelberg- Berlin F. D. 5 kam in voller Fahrt bei der Durchfahrt durch ein Ueberholungsgleis zur Enl- gleifung. Lokomotive, Packwagen und 3 Personen­wagen stürzten um. Die Personenwagen wurden vollständig ineinander geschoben und zertrümmert. Der Speisewagen und die zwei Hinteren Personen­wagen blieben auf dem Gleis stehen.

Bei dem Unglück ist glücklicherweise kein T o- desopfer zu beklagen. Verletzt wurde eine Dame schwer und 9 weitere Reisende leicht. Ferner erlitten der Führer und der Heizer des Schnellzuges sowie der Zugführer leichtere Ver­letzungen.

.. Sofort nach dem Unfall wurde die Sani­tätsmannschaft der Station Fulda alar­miert, zu gleicher Zeit auch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Fulda. Mit dem um 4,50 abgegangenen Hilfszug begaben sich auch der Kolonnenarzt Dr. Sebald und Mannschaften der Freiwilligen Sanitätsfolonne zur Unfallstelle. Kurz darauf folgte das Kranken­auto mit weiteren Sanitätskolonnenmitgliedern, dem Sauerstoffapparat und dem großen Ver­bandskasten. Die restlichen 20 Mitglieder folgten auf Autos und auf Rädern mit Tragbahren und sonstigen Behelfsmitteln. Etwa eine Stunde nach Alarmierung waren die Schwer- und leichtverletz­ten int hiesigen Landeskrankenhaus geborgen. Die Freiwillige Sanitätskolonne Fulda bewies durch ihr rasches Eingreifen ihre Schlagfertigkeit.

Die Schwerverletzte ist eine etwa 25- jährige junge Dame namens Sufi Maria Rothe aus Berlin-Dahlem. Sie wusch sich im Augenblick der Katastrophe auf der Toilette ge­rade die Hände. Ihr wurde der rechte Fuß ober­halb des Knöchels abgequetfcht. Ein im Zug mit­reifender Arzt aus Danzig namens Dätsche leistete die erste Hilfe und legte nach Amputation des Fußes einen Notverband an. Die Schwer­verletzte wurde dann mit dem inzwischen einge- troffenen Fuldaer Sanitätsauto in das Landes- krankenhaus überführt. Die junge Dame befand sich mit ihrem Onkel auf der Rückkehr von einer Frankreichreife.

Von den leichter Verletzten wurden ins Fuldaer Landeskrankenhaus eing-lie- Lokomotivführer Seifert aus Erfurt (Gehirn­erschütterung und Verletzungen an Kopf und Hand), Lokomotivheizer Eckhard- Erfurt (Ner­venschock und Lippenverletzung), Zugführer H ü - g e l - Frankfurt a. M. (Fleischwunden), Postinspek- tor Braun- Berlin (Rippenquetschung), Saf- f r a n - Frankfurt a. M.-Schwanheim (Gehirn­erschütterung und leichte Kopfverletzung).

. Die Namen der anderen Leichtverletzten, die nach ärztlicher Behandlung ihre Fahrt fort­setzen konnten, sind: Direktor des Leipziger Schau­spielhauses Dr. Kronacher, welcher bekanntlich als Schauspielintendant nach Frankfurt berufen wurde; ferner Frau Dr. E l s a s - Berlin, Herr Bruno Knapp-Berlin, Herrn Ernst Trvmm- ler-Zwönitz, Dr. jur. Hans Brose-Berlin, Herr Eduard F a b o r - Erfurt und Herr Alex F r e g e» Leipzig.

Der Lokomotivführer wurde unter einem Hau­fen von Kohlen hinter seinem Führerstand heraus- geschaufelt. Der Heizer war schon vorher abge* sprungen und lag mit einem Nervenschock neben dem Gleis. Nur dem Umstand, daß der Zug, der nur erste und zweite Klaffe führt, sehr schwach besetzt war, ist es zu verdanken, daß das Un­glück keine größeren Ausmaße annahm. Außer den Aerzten der Sanitätskolonne waren auch eine Reihe anderer Aerzte aus der Nachbarschaft sofort zur Hilfeleistung zur Stelle. Zum Glück brauchten sie nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Auch einige Geistliche erschienen sofort auf der Unglücksstätte, um erforderlichenfalls Sterbenden letzten Beistand zu leisten.

Die Unglücksstätte, die den ganzen Nachmittag von Tausenden von Neugierigen umlagert wurde, die auf Fahrrädern und Motorrädern sowie mit Kraftwagen herbeigeeilt waren, bildete ein wüstes Trümmerfeld. Die drei entgleisten Personenwagen waren mit aller Wucht ineinandergeschoben und tagen zersplittert und aufgerissen zu beiden Seiten der Gleise. Der Packwagen war ebenfalls um« gestürzt, aber wohl dank seiner stabilen Konstruk­tion unversehrt geblieben. Die auf dem Gleis stehen gebliebenen drei unbeschädigten hinteren Wa­gen des Schnellzuges wurden nach Eintreffen einer Ersatzlokomotioe nach Fulda weitergefahren. Von dort setzte der Zug um 18.51 seine Reise nach Eise­nach fort, wo die Reisenden in einen inzwischen zu- fammengefteltten neuen Schnellzug umfteigen muß­ten. Die Züge in der Richtuna Fulda-Frankfurt konnten trotz des Unfalls ohne Störung verkehren. Der Verkehr in Richtung Frankfurt-Fulda mußte bis zur Beendigung der Aufräumungsarbeiten zwi­schen Neuhof und Fulda eingleisig geführt wer­den. Am Freitag vormittag um 2 40 Uhr waren die Aufräumungsarbeiten so weit gediehen, daß der regelmäßige Verkehr wieder ausgenommen werden konnte.

Die Ursache des Unglück?.

Die amtliche Darstellung.

Die Reichsbahndirektion.Frankfurt a. M teilt mit: Im Bahnhof Kerzell bei Fulda wird di« Fliedebrücke zur Zeit umgebaut. Infolge diese; Arbeiten müssen die Züge der Richtung Frankfurt a. M.-Fulda im Bahnhof Kerzell durch das lieber holungsgleis geleitet werden, das mit einer Ge­schwindigkeit von 45 Kilomtr. durchfahren werden soll. Die Ursache der Entgleisung ist wahr­scheinlich darin zu suchen, daß der verunglückst Schnellzug mit unvermindert er Geschwin­digkeit das Ueberholungsgleis durchfuhr.

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Nach Empfang der Nachricht von dem Eisen­bahnunglück in Kerzell hat sich eine Gerichts« kommission des Amtsgerichts Fulde an die Unfallstelle begeben und Ermittlungen an- gestellt. Der Oberstaatsanwalt aus Hanau war ebenfalls anwesend. Die genaue Ursache des Unglücks ist noch nicht festgestellt. Whrfcheinlich wird ein zu schnelles Fahren durch das Ueberho- lungsgleis die Ursache sein.

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Aufnahmen, die Herr Photograph Diel auf der Unglücksstelle machte, sind in unseren De- peschen-Kästen an der „Harmonie" ausgestellt.

Ausere Farben-DmckauöstelVuug.

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