Einzelbild herunterladen
 

xF-L G 1

FuldaerZertung

A Anzeiger für die Stadk Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Sö.Zahrg

Ilr 120

Samstag, 25. 2Hai 1929

Owen Poung und Sir Josiah Siamp Besprechun­gen über andere Fragen geführt werden.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.) ohne Zustellg.

Im Staatsdepartement in Washington wurde nunmehr amtlich bestätigt, daß mit der fran­zösischen Regierung Verhandlungen über das Mel- lon-Bsrenger-Abkommen ausgenommen worden

Hauses unterbrochen, als er die Behauptung auf- stellte, daß selbst dann, wenn das Konkordat auf­hören würde zu existieren, der Aussöhnungsvertrag nicht mehr rückgängig gemacht werden könnte. Wie verlautet, soll im weiteren Verlauf der Debatte namens der Opposition der bekannte Phi­losoph Benedetto Croce eine Erklärung verlesen.

Vertagung der Pariser Anserenj auf Mer?

Teile der alliierten Denkschrift sind unannehmbar. — Vogler durch Nastl ersetzt. — Vie Nolle der deutschen Schwerindustrie.

Anzeigen-Preise Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUl auswärts 0,20 JLM' Reklamezeile: lokal 0,60 Ml auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. :< Postscheckkonto Frankiurt a. M. Nr 4051

wtb. London, 24. Mai. (Eig. Meld.) lieber den Stand der Pariser Verhandlungen äußert sich der diplomatische Korrespondent des „Daily He­rold" wie folgt:

Die Lage ist derartig ernst geworden, daß so­gar der Rücktritt Dr. Vöglers zu einem unwesentlichen Zwischenfall geworden ist. Der wichtige Faktor ist, daß die deutsche Dele­gation wesentliche Teile der alliierten Denkschrift als völlig unannehmbar betrachtet. Rach vier Monaten scheinen die Sachverständigen, wenn nicht ganz so weit wie ursprünglich, so dach immer noch in beängstigendem Abstand vom Ziel zu sein. Die Aussicht auf eine baldige Vereinbarung, die vor einigen Tagen gut schien, ist völlig geschwunden.

Dem Pariser Korrespondenten der „Daily News" zufolge, herrschte gestern abend in französischen Kreisen eine düstere Stimmung.

Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet: Dr. Schacht deutete gestern nachmittag öffentlich an, daß vom deutschen Standpunkt aus die Lage lächerlich ist. Zweifellos ist in deutschen Kreisen durch die neuen Vorschläge viel Erbitterung ent­standen und deutsche Beobachter, die bisher drin­gend für Versöhnung eintraten, sprechen heute in einem anderen Ton. Die Annahme, daß Dr. Bög­ler von einer Gruppe deutscher Industrieller zum Rücktritt gezwungen wurde, erscheint ganz unge­rechtfertigt.

Dem Pariser Korrespondenten der „Financial Times" zufolge ist von offizieller Seite gestern abend den britischen Pressevertretern angedeutet, worden, daß die Konferenz vor Ende der Woche schließen werde. Es sei sogar möglich, daß im Falle | des Nichtzustandekommens einer Vereinbarung die britische Delegation eine besondere Den k - schrist versassen werde, in der die Gründe des Fehlschlages erläutert werden sollen. Die Stim­mung sei gestern nachmittag pessimistisch gewesen, obwohl es schwer falle zu glauben, daß die deutsche Delegation, nachdem sie einmal so weit gegangen T-. zulassen werde, daß die Konferenz ergebnislos endet. Es werde berichtet, daß Dr. Schachts letzte Zuflucht darin bestehen werde, eine Vertagung b is gum Oktober dieses Jahres zu beantragen.

*

wtb. Paris, 24. Mai. ((Eig. Meld.) Trotz der etwas beunruhigten Nachrichten der Berliner Korre­spondenten der französischen Presse nimmt man hier den Rücktritt Dr. Vöglers verhältnismäßig ruhig auf. Dem „Petit Parisien" zufolge ist Dr. Vögler zurückgetreten, weil die Stimmung in den ihm nahestehenden Kreisen der rheinisch-west- fälischen Schwerindustrie eine Unterzeich­nung des Berichts weder aus wirtschaftlichen noch aus innerpolitischen Gründen geraten erscheinen lasse. Hinsichtlich der Reparationsverhandlungen bezeichnet die französische Presse als die zwei hauptsächlichsten Streitpunkte 1. die Frage der von Belgien geforderten Entschädigung für die Marknotenbeträge und 2. die Frage des Inkraft­tretens des neuen Zahlungsplanes. Zu dieser letzten Frage bemerkt u. a. das „Journal", die Deutschen wünschten natürlich, daß das neue System so bald wie möglich in Kraft trete. Nach dem Vorschlag Poungs war der Zeitpunkt auf den 1. April 1929 festgesetzt. Demnach würden die Deutschen also vom 1. April 1929 bis zum 31. März 1930 nur etwa 1700 Millionen Reichsmark zu zahlen haben. Die Gläubiger dagegen müßten die neue Zah­lungsmethode am 1. Januar 1930 beginnen lassen, dann würden die Deutschen vom 1. April 1929 bis 31. März 1930 9 Monatszahlungen auf Grund des Dawesplans leisten, also ungefähr 1900 Millionen. Dazu kämen die 442 Millionen Reichsmark für die Uebergangsveriobe zwischen dem 1. Januar und dem 31. März. Die vom Journal errechnete Differenz von rund 46 Millionen RM. würden bei - Annahme des Vorschlags der Gläubigerstaaten so­fort in die Kasse der Gläubiger fließen und ent­sprächen nach ihrem heutigen Werte etwa 37 Annui­täten von mehr als 40 Millionen RM. Aus diese

Weise könnten die Gläubiger einige ihrer über die Jahreszahlung von 2050 Millionen hinausgehen­den Ansprüche befriedigen.

1 .

V.

v-

1:

Geheimrat Dr. kastl

ist nach dem Rücktritt Dr. Vöglers nunmehr deut­scher Hauptdelegierter bei der Pariser Sachverstän­digenkonferenz. Geheimrat Kastl ist geschäftsfüh­rendes Vorstandsmitglied des Reichsverbands der deutschen Industrie und nahm bisher als stellver­tretender Delegierter an den Verhandlungen teil.

Abreise Parker Gilberts von Paris nach Berlin.

wtb. Paris, 24. Mai. (Eig. Meld.) Nach dem „New Pork Herald" ist Generalagent fiir Repa­rationszahlungen Parker Gilbert gestern nach Ber­lin abgereift.

Die Gläubigerdenkschrift.

Dio Denkschrift der Gläubigervertreter ist durch Kurier in Berlin e i n g e t r c f i e n. Es han­delt sich um ein Schriftstück von 65 Seiten Umsang, das laut „Voss. Ztg." noch eingehender Prüfung auch durch die amtlichen deutschen Stellen unter­zogen werden wird.

Eine Stellungnahme dazu kommt nach der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" zunächst nicht in Frage, da die Sachverständigen in Paris selbst zuerst Stellung nehmen müssen. Cs haben Bespre­chungen der an den Reparationsfragen interessier­ten Fachminister des Auswärtigen, der Finanzen und der Wirtschaft stattgefunden.

*

In einem Artikel wendet sich die der Schwer­industrie nahestehende „Deutsche Allgemeine Zeitung" gegen die Angabe der „Voss. Ztg.", daß Dr. Vöglers Rücktrittsentschluß durch die Ein­wirkung schwerindustrieller Zirkel gefordert worden sei. Das Blatt behauptet, an der Besprechung in der Villa Hügel habe Kirdorfs überhaupt nicht teilgenommen, außerdem habe es in der Unter­haltung keinerlei Meinungsverschiedenheit gegeben, es sei auch von keiner Jndustriegruppe der Versuch gemacht worden, die deutsche Delegation zu beein­flussen.

Besprechungen.

Die deutschen Delegierten Dr. Schacht und Kastl haben mit den vier Vertretern der Gläubiger­nationen Addis, Quesnay, Pirelli und Tutt Don­nerstag nachmittag in Anwesenheit amerikanischer Delegationsmitglieder eine eingehende, nahezu drei­stündige Aussprache über die Antwort der Gläubi­gerdelegationen gehabt, ohne daß irgendwelche Be­schlüsse gefaßt worden sind. Die Gläubigervertre­ter werden nunmehr ihre Delegationen über den deutschen Standpunkt unterrichten; erst dann wer­den die Besprechungen hierüber weiteraehen. In­zwischen weüden voraussichtlich zwischen Dr. Schacht

Programm der englischen Liberalen.

Die unter der Leitung der Führer der Liberalen Partei vorbereitete, u. a. von Lloyd Georg, Lord Beauchamp und Sir Herbert Samuel unter­zeichnete Erklärung über die Außenpolitik der Libe­ralen Partei beginnt mit den Worten:

„Das Hauptziel der liberalen Außenpolitik ist, den Krieg als ein Mittel zur Regelung internatio­naler Streitigkeiten aus der Welt zu verbannen." i Die neun Hauptforderungen der Liberalen sind:

1. Anwendung und Ausgestaltung der bestehen­den Verträge zur Verhinderung von Kriegen sowie zur friedlichen Regelung internationaler Streitig­keiten;

2. energisches Eintreten in Genf im Sinne der Förderung aller Bestrebungen politischen und all- gemein humanen Charakters, die der Völkerbund Unterstützt;

3. Eintreten für eine baldige große und allge­meine Rüstungsverminderung;

4. Unterzeichnung der Fakultativllausel mit dem Notwendigen Vorbehalt über Meinungsverschieden­heiten zwischen den Mitgliedern des Britischen Reiches?

5. Annahme und Anwendung des Grundsatzes der friedlichen Regelung von internationalen Streit­fällen jeder Art durch Vergleich, Schiedsgerichtsbar­keit oder Verweisung an den Ständigen Inter­nationalen Gerichtshof;

6. Flottenparität mit den Vereinigten Staaten dem Geiste und dem Buchstaben nach und Prüfung der Frage von Veränderungen der Völkerrechts­bestimmungen über die Rechte neutraler und krieg­führender Mächte zur See;

7. Entwicklung eines Völkerbundsverfahrens zur Beseitigung der Mängel in den Friedensverträgen oder in anderen internationalen Verträgen. Das Verfahren wäre so zu gestalten, daß die Aufwer­fung der Mängelfrage nicht den Eindruck der Un­freundlichkeit erweckt; es soll der Revision der beanstandeten Bestimmungen durch Vereinbarung bienen; . ,,,

8. Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Beziehungen mit Rußland zum ftühestmöglichen Zeitpunkt auf der Grundlage der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Beteiligten;

9. Herabsetzung der Zolltarife und Beschränkung anderer Behinderungen des internationalen Handels auf j>a§ unbedingte Mindestmaß.

sind, und daß man die französische Regierung um eine Erklärung ersucht Habe des Inhalts, daß von französischer Seite dieses Abkommen baldigst rati­fiziert werde. Dieser Schritt sei erfolgt, um sodann im amerikanischen Kongreß einen Gesetzentwurf über die Hinausschiebung des Zahlungstermins für die französische Kriegsmaterialschuld im Betrage von 400 Millionen Dollar einbringen zu können.

Die Lateran-Verträge.

Diskussion im italienischen Senat.

Aus Rom wird gemeldet: Im Senat begann die Diskussion über die Lateranverträge. Der Senat war voll besetzt. Auch zwei Prinzen aus dem königlichen Hause, nämlich die Herzöge von Apulien und Pistoja, hatten ihre Senatorensitze eingenom­men Es sprachen fünf Senatoren, darunter Sena­tor Bevione cher aus dem liberalen Journa­lismus stammt. Seine Rede erregte ein gewisses Aussehen. Er erklärte zunächst, daß die Aussöh­nung zwischen dem Vatikan und dem Quirinal bei den französischen Rechtsparteien große Besorgnis er­regt hätte. Er polemisierte dann gegen die An­sprache des Papstes an die Schüler des Jesuiten- Gymnasiums von Montragone, der gegenüber er die Rechte des Staates bei der Erziehung der Ju­gend unterstrich. Die Rede Beviones wurde von allgemeinem Gemurmel auf der rechten Seite des

Vie „Grüne Internationale".

An dem in Prag eröffneten Kongreß des von dem früheren Ministerpräsidenten Svehla gegrün­deten Internationalen Agrarbüros neh­men außer den beiden lcmdwirffchaftlich en Parteien der Tschechoslowakei Abordnungen des österreichi­schen Landbundes, der Kroatischen Bauernpartei, der serbischen und slowenischen Bauernparteien, der polnischen Bauernpartei Piast, der rumänischen Na­tionalen Bauernpartei sowie verschiedener land­wirtschaftlicher Parteien aus Bulgarien, Lettland, Finnland, Frankreich, Holland, Estland, Litauen und der Schweiz teil. In den Begrüßungsanspra­chen kam vor allem die Idee der internationalen agrarischen Solidarität zum Ausdruck. U. a. er­klärte namens des Bundes der deutschen Land­wirte in der Tschechoslowakei Minister Spina, es sei in der Geschichte der Agrarbewegung das erste Mal, daß die Vertreter politischer Bauern­parteien aus einer großen Reihe europäischer Staaten sich zusammengesunden haben. Auf dem Gebiet der tschechoslowakischen Republik haben sich die Bauernparteien über eine zunächst rein wirt­schaftliche Interessengemeinschaft hinweg zu engerer politischer Zusammenarbeit gefunden, was einen erfreulichen Ausblick für die gedeihliche Zusammen­arbeit aller Bauernparteien Europas barstelle.

Aas Zeppelin wieder in WedriWasen.

Nächtlich Fahrt von Cuers nach dem Bodensee.

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Donners­tagabend um 20,19 Uhr in Cuers zur Rück­fahrt nach Friedrichshafen aufgestiegen.

Die Startmanöver wurden mit der glei­chen Präzision ausgeführt, mit der in der vorigen Woche die Einbringung in die Halle erfolgt war. Die Startmannschaft bestand ans Marine und In­fanterie. Noch in der Halle wurden die Motore angeworfen und wieder abgestoppt. Erst bann wurde das Hallentor geöffnet und von 40 bis 50 Mann Soldaten das Luftschiff anscheinend mühelos herausgezogen. Das Herausholen aus der Halle nahm etwa sieben bis acht Minuten in Anspruch. 200 Meter vor der Halle wurde Befehl erteilt, die Seile loszulassen, und die Startmannschaft, etwa 100 bis 150 Mann, hielt das Luftschiff an der Gondel fest. Korvettenkapitän Hamon, der die Startmanöver von der Erde aus leitete, flieg daraufhin an Bord. Alsdann wurde der Befehl erteilt loszulassen. Sofort erhob sich bas Luft- schiff. Die deutschen Passagiere riefen: „Ans Wie­dersehen! Danke!" Die französischen Offiziere leg­ten grüßend die Hand an die Mütze, und unter den Anwesenden, die. dem Start beiwohnten, begann ein Beifallsklatschen. Es herrschte wirlliche Begei­sterung. Der Zeppelin ging darauf höher. Ballast wurde abgeworfen und das Luftschiff nahm bei Einbruch der Dunkelheit Kurs auf Toulon. In hellem Mondenschein entfernte sich das Luftschiff, so daß die Bevölkerung es noch eine Zeitlang mit dem Auge verfolgen konnte. In der Nacht begann bas Heimströmen ber unzähligen Autos, die die Personen zurückbeförderten, die der Abfahrt bei­gewohnt hatten.

Am Rückflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" nach Friedrichshafen nahmen 57 Personen teil, und zwar die ans 30 Mann bestehende Besatzung, 13 Passagiere der Hinreise, die von Dr. Eckener eingeladenen französischen Marineoffiziere und Ma­rineingenieure und drei Ingenieure aus Friedrichs­hafen.

Die Rückfahrt des Zeppelin ging zunächst dem Rhonetal entlang nach Valence, von dort über Genf, Lausanne nach Friedrichshafen.

Eine Stunde früher, als man errechnet hatte, überflog das Luftschiff „Graf Zeppelin" Freitag­nacht kurz nach 1 Uhr in etwa 200 Meter Höhe Genf. Das nächtliche Schauspiel in der mond­hellen Nacht hatte trotz der vorgeschrittenen Stunde noch zahlreiche Schaulustige auf die Straßen ge­lockt. „Graf Zeppelin" fuhr mit direktem Kurs auf Lausanne weiter, wo er um 1,35 Uhr erschien.

Freitag früh um 5,10 Uhr war „Graf Zeppelin" nach einem 8' »stündigen Fluge auf dem Gelände der Werft in Friedrichshafen glatt gelandet.

Die Landung in Friedrichshafen.

tt&b. Friedrichshafen, 24. Mai. (Eig. Meldg.). Gegen 5 Uhr kehrte der „Graf Zeppelin" von fei­ner Schleifenfahrt über den Bodensee, während er der Funkstation noch zahlreiche Telegramme ab­sandte, wieder zur Flughalle zurück und begann bann von Westen kommend das Landungsmanöver. 5.04 Uhr sielen bereits die ersten Haltetaue zur Erde. Langsam und vorsichtig senkte sich das Schiff weiter, nachdem es noch Wasserballast abgegeben hatte und war, wie bereits gemeldet, um 5.10 Uhr glatt gelandet. Die an Bord befindlichen sechs französischen Fahrgäste beobachteten von den Gon- belfenftem aus mit großem Interesse die Landung sowie das Einbringen des Schiffes in die Halle, was durch das westliche Tor erfolgte. Um 5.30 Uhr bar der „Graf Zeppelin" nach achttägiger Abwe­senheit glücklich wieder untergebracht und wurde sogleich 'festgemacht. An Bord herrschte, wie man während der Landungsmanöver vielfach zu beo­

bachten Gelegenheit hatte, eine ausgezeichnete Stim­mung, was nach der herrlichen Fahrt im Mond­schein über das Schweizer Bergland nicht Wunder nehmen konnte. Die vier Motoren, mit denen das Schiff die Fahrt angetreten hat — die Heckmaschi­nengondel war leer — haben während der Fahrt tadellos gearbeitet und es wurden teilweise Ge­schwindigkeiten bis zu 112 Kilomtr. pro Stunde erzielt Kurz nach dem Eintreffen des Schiffes in der Halle verließen die Passagiere die Gondel. Zur Begrüßung der französischen Fahrt­teilnehmer, die mit Kapitän Lehmann dem Schiff entfliegen, hatten sich neben Mitgliedern der Werft u. a. auch die Vertreter der Behörden ein­gefunden. Im Namen des Neich'wehrministeriums hieß Major ©elfe von der 5. Reichswehrdivision in Stuttgart die französischen Offiziere auf deut­schem Boden herzlich willkommen. Die Willkomm­grüße der württembergischen Regierung überbrachte Polizeidirektor Q u i n t e n z - Friedrichshafen, wo- bei dieser den französischen Behörden gegenüber nochmals den Dank für die gute Aufnahme des Luftschiffes und feiner Besatzung in Cuers zum Ausdruck brachte. Im Namen der französischen Fahrtteilnehmer, die größtenteils in Uniform wa­ren, sprach darauf der stellvertretende Marineches im französischen Luftfahrtministerium, Marine- i Ingenieur Kahn, in herzlichen Worten seinen Dank aus dafür, daß ihnen Dr. Eckener diese präch­tige Fahrt zukommen ließ. Die während die­ser Fahrt gewonnenen Eindrücke würden ihm und seinen Begleitern unvergeßlich bleiben. Am Schluffe seiner kurzen Ansprache bat der französische Redner den deutschen Vertreter schließlich, seinen Dank auch an die deutschen Regierungsstellen weiter zu leiten. Auch die einzwe an Bord befindliche Dame, die Amerikanerin Miß Wart; Pierce kam mit den übrigen Fahrtteilnehmern freudestrahlend und tn glänzender Verfassung über die Schiffstreppe her­unter. Als einer der letzten verließ Dr. Eckener den „Graf Zeppelin" und wurde von feiner Gattin in Empfang genommen. Nach dem kurzen Be- grüßunasakt leerte sich die große Halle rasch Die französischen Fahrtteilnehmer fuhren ebenso wie die meisten anderen Passagiere in Begleitung von Kapitän Lehmann in Kraftwagen ins Kurgarten- hotel, um sich zunächst zur Ruhe zu begeben. Vor den Toren der Werft Hatten sich inzwischen zahl­reiche Zuschauer versammelt, um die Abfahrt na­mentlich der französischen Offiziere zu beobachten.

Dr. Eckeners Dank an die französischen Behörden und Soldaten.

wtb. Paris, 24. Mai. (Eig. Meld.) Havas berichtet aus Toulon, daß ber Präfekt des Devartements Par, Cameau, und der Marinepräfekt von Toulon, Admiral Bindry, vor der Abreise des Graf Zeppelin von Dr. Eckener an Bord empfangen wurden. Dieser bat ihn. dem Luftfahrtminister und dem Marineminister den Dank auszusprechen für das Entgegenkommen, das diese Minister ihm und der Mannschaft des Zeppelins be­wiesen haben. Dr. Eckener bot feinen besten Rheinwein und trank auf die französischen Aeronauten. Weiter wird berichtet, daß Dr Eckener der Marineverwaltuno eine Summe übergeben hat, um denjenigen Truppen, die bei den Landungs- und Startrnanövern geholfen haben, eine Sonderration zu gewähren.

*

Havas meldet aus Toulon, daß Dr. Eckener kurz nacy dem Start folgende Botschaft abwerfen ließ:

„An den Herrn Luftfahrtminister in Paris. In dem Augenblick, in dem das Luftschiff „Graf Zeppelin" die Flugzeugbasis Euers-Pierrefeu verläßt, um nach Fried­richshafen zurückzukehren, lege ich Wert darauf Eurer Exzellenz aufs neue den aufrichtigsten Dank zum Aus­druck zu bringen für die so gastliche Aufnahme die nur in Frankreich gefunden haben, und für den sc wirksamen Beistand, den alle Zivil- und Militärbehör­den uns wahrend unseres Aufenthalts in Euers-Pierre- feu geleistet haben. (tic3J Eckener."