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OHNE STUFEN
Ulpianus reckt die Hand.
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Der Nürnberger setzt sich ihm gegenüber und legt die Ellbogen auf den Tisch. „Mag nichts sehen. Ist hier
HERZ-KEHVEN-UND GELENKUBIMH.LÄHMUliäiN. RHEUMA.
. ISCWAS. FRAUENLEIDEN.
t)-ZUGSSTÄTION:BEPLIN-KOLN/DPESDEN-AM5TERDAM - AUSKUNFT DUPCH DIE BADEVERWALTUNG
.Was habt Ihr für ein
Fuldaer Zeitung
Gottesdienstordnunst
Dar erste Originalbild von -er Giftgaskataftrophe in Llevelan-,
vermag er noch in roter die Worte zu entziffern in der Ecke einen großen Kollegium der Gemeinde-
rer Pfingstferien die im zu beratenden Diätengesetzentwurf enthaltenen Fragen eingehend geprüft, damit eine sachliche Debatte und gesunde Reformbeschlüsse erwarten darf. Gerade die letzten Tage im Preußecnparlament vor den Pfingstferien werden den verantwortungsbewußten, staatserhaltenden Parteien gezeigt haben, daß es so nicht weiter gehen kann, wenn nicht noch der letzte Rest von Ansehen für das Parlament draußen im Lande verloren gehen soll.
Nur inmitten des Zettels Schrift auf schwarzem Felde „hundert Gulden" und unten Stempel „Stadtmagistrat und bevollmächtigten".
will oder nicht. Gewiß denken wir nicht daran, Obstruktion zu machen. Dazu fühlen wir uns zu sehr als staatstreue Partei. Aber auf der anderen Seite ist doch zu bedenken, daß es kulturpolitisch unter Umständen zweckmäßig sein kann, sich ein» solche Waffe nicht ohne weiteres aus der Hand nehmen zu lasten. Man würde im Landtag kaum zu diesem Ausweg greifen, wenn nicht die häufige ob« struktionelle Handhabung dieses Mittels eine berechtigte^ Erregung hervorgerufen hätte! Die heutige Obstruktion hat das an sich berechtigte Mittel durch allzu häufigen Gebrauch schartig gemacht. Trotzdem bedarf der Antrag einer sehr ernsten und weitsichtigen Ueberlegung.
*
Dazu unsererseits folgendes: Was im Reichstag geht, muß auch im Landtag möglich fein. Die Situation jm Reichstag ist für das Zentrum absolut nicht günstiger oder vorteilhafter als im Preu- ßenparlament. Die Durchführungsbestimmungen des demokratischen Gesetzentwurfes können so gestaltet werden, daß sich berechtigte Bedenken ausschalten lassen. Auf alle Fälle steht fest, daß der Wähler draußen solche gesetzlichen Maßnahmen fteudig begrüßt, weil durch sie das Ansehen des Parlaments ebenso wiedergewinnt, wie gleichzeitig das Verantwortungsbewußtsein und das Pflichtgefühl der Gewählten dem ganzen Volke gegenüber gestärkt wird — bis eine große Reform die Neugestaltung des Parlaments überhaupt sichert.
*
Wie wir weiter aus parlamentarischen Kreisen erfahren, wird sich bereits Anfang Juni der Hauptausschuß des Preußischen Landtags mit dem demokratischen Antrag beschäftigen. Hoffentlich haben die Mitglieder dieses Ausschusses während ih
JV» 120.
Samstag, den 25. Mat 1929.
Rus der ZentrumsparM.
— von der Nassauischen Zenkrumspartei. Der San- desvorstand sowie der Landesausschuß der Nassauischen Zentrumspartei sind von dem Vorsitzenden zu einer Sitzung aus Sonntag, den 9. Juni, nach Limburg einberufen worden.
Neues viätengesetz in Preußen?
Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen:
Die Demokraten des Preußischen Landtags haben einen Gesetzentwurf eingebracht, der das bestehende Diätengesetz dahin ändern soll, daß ein Abgeordneter, der an einer namentlichen Abstim- . mung nicht teilnimmt, feiner Diäten für den betreffenden Tag verlustig geht. Diese Gesetzesbestimmung ist übrigens im Reichstag längst üblich. Im Landtage nicht. Die Folge ist klar. Es ist wiederholt vorgekommen, daß die Opposition dadurch die Beschlußunfähigkeit des Hauses herbei- fuhrte, daß sie sich an der Abstimmung nicht beteiligte, obwohl sie anwesend war. So war die bewußt herbeigeführte Beschlußunfähigkeit also zu emem Mittel des politischen Kampfes geworden. Man rechnet damit, daß, wenn die oben genannte Seftimmung eingesetzt wird, jeweils die Beschluß- unfahlgkeit bann nicht herbeigeführt werden kann, wenn das Haus wirklich beschlußfähig ist, weil man annimmt, daß doch der Verzicht auf fcie Tagesdiäten einen entsprechenden Druck ausüben werde.
, Rimmt man die Dinge, wie sie find, so ergibt sich, daß sie aus der Perspektive des Preußischen Landtags gesehen richtig find. Hier ist seit Jahren eine Regierung vorhanden, die über eine nur geringe Mehrheit verfügt, es kann also sehr leicht, wenn die Obstruktion nur einigermaßen ei- mg ist und will, die Beschlußunfähigkeit herbeige-
3. Blatt.
Druck der Fuldaer Ackieudruckerei, Fulda.
BAD OEYNHAUSEN
GEÖFFNET
N. RHEUMA.
Die llnglücksstäkle während der Reltungsarbeilen.
Die furchtbare Giftgaskatastrophe in einem Krankenhaus von Cleveland hat bisher 127 Per- fonen den Tod gekostet. Weitere Opfer ringen vergiftet und mit schweren Brandwunden in den Hospitälern mit dem Tod. Unser Bild zeigt das erste nach Europa gekommene Originalbild von der Katastrophe.
Der Nürnberger hebt an zu erklären: „Das sind Loszettel. Wer das Glück hat, dem tragen sie viel Geld ins Haus. Und dem anderen--"
Lachend unterbricht ihn Ulpianus. „In Welschland kennt man die Zettel schon lange. Manche sind an ihnen reich geworden, doch die meisten wurden arme Schwartenhälse, wenn sie glaubten, das Glück erzwingen zu können."
Der Nürnberger brummt. „Solcher Art sind unsere Lose nicht. Ist ehrliches Geschäft. Jegliches Los bringt feinen Gewinn, hundert Gulden zumindest. Kann keiner an ihnen arm werden."
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, den 26. Mai. Zulda. 8 und 9'/- Uhr Psarrer Hattendorsi. 8 Uhr abends Jungmännerverein im Bibliothekzimmer des Gemeindehauses. Um 8 Ubr abds. Jungmädchenverein im Saale des Kinderaartens Amtswoche Kreispfarrer Weber. — Bab Salzschlirf 10 Uhr Kreispfarrer Weber. Mittwoch, 29. Mai, 5’/« Uhr nadjm. Besprechung lcbenskundlicher Fragen (Bi'belstundc) m der eoangel. Kirche zu Bad-Salzschlirf.
cr»-. Dienstag, 28. Mai. §nlba. Um 8 Uhr abends Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten (B. K) im Pfarrhause.
Mittwoch, 29. Mai. Mda. Um 8 Uhr abends Bibeljtunde ,m im Saale des Kindergartens.
Donnerstag, 30. Mai (julba. 8 Uhr abends Mutterverein. Bon 5-7 Uhr nachm. Jungschar im Schwesternhaus.
Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft, Zniba, Buttlarstr. 17.
Sonntag, 28. Mai. Abends 8 Uhr Evangeli- sationsversammlung. Dienstag abend um 80« Uhr Bibel- und Gebetstunde.
Ihr es mir weisen?"
Der Nürnberger lacht stolz. „Glaub wohl, daß es Euch gefällt. Ist ein Eilein vom Meister Henlein. Ich brauch die Turmuhr nimmer. Ich trag sie im Sack. War auch ein Nürnberger, der sie erfunden hat, der Meister Henlein. Heißen darob auch die Nürnberger Eilein. Alles Gutes kommt von den Nürnbergern."
Während Ulpianus die Uhr betrachtet und sie ans Ohr hält, um dem geheimnisvollen Geräusch zu lauschen, das aus ihrem Innern kommt, holt Vinzenz Neander aus seinem Lederwams ein gebündeltes, gut verschnürtes Paket bunter bedruckter Zettel. Er schneidet den Faden durch und breitet die Zettel auf den Tisch.
Ulpianus schaut ihm verwundert zu. „Was habt Ihr da?"
Neander schmunzelt. „Glaub schon, daß Ihr es nicht kennt. Ist auch eine Nürnberger Erfindung. Alles Gute kommt von den Nürnbergern. Ist just das, was mich hergeführt hat. Ich hab ein fein Geschäft für Euch, Herr Ulpiatius. Ein Geschäft, das Euch mehr tragen wird als unser Handel."
Ulpianus hält einen Zettel in der Hand. „Soll ich solche Zettel verkaufen?"
Der Nürnberger nickt. „Habt es erraten."
Ulpianus betrachtet das Papier von allen Seiten. Es trägt in großen vielfach verschnörkelten Buchstaben die Aufschrift „Nürnberger Anlehensschein" und darunter etliches Kleingedrucktes, das er ohne Augenglas nicht lesen kann.
lkathottschrr GottesblettfL
Sonntag, den 26. Mai. DieKollekte istfür bas Priester.Seminar. Zulda. Dom. 1. Beicht- gelegenherten sind: Samstag morgens von '.'-6 Uhr ab: nachmittags von 2—3 für Kinder; von 0-5—7 Uhr und i,°c »u a6 Erwachsene; Sonntag morgens von
Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: 0-6, 6, */i7 und 7 Uhr HI. Messen mit Geleaenbeit zum Einpfarm der hl Kommunion. In der 6 Uhr-Messe Komm, des Mütier> Vereins und der Frauen der Pfarrei. 8 Uhr Pfarramt mit Predigt und Komm, der diesjähr. Erstkommunikanten V-I0 Kathedralamt mit Predigt. 3/,U Christen!, der Jünglinge. 7«12 letzte hl. Messe mit Predigt. >/-2 Uhr Andacht um gute Priester mit Segen. 2 Christenl. der Jungfrauen. 3/«3 Predigt und Andacht für den Mütter- verein. Um 4 Uhr nachm. Predigt, Andacht und Segen. „ "L ? abends ist die Maiandacht mit Segen "• N^tagsgottesdienste: Jeden Morgen von 7-6—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Kommunion-Austeilung V«8 27'am,flDrrtte3bienft mit bl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte bl. SWeffe mit Austeilung der heiligen Kommunion. Jeden Abend um ’/i8 Uljt Mai-Aridacht mit Segen, -rreitag abend V«8 Uhr feiert. Schluß der Maiandacht. — stadtpsarrkirche. Beichtgelegenheiten: Samstag nachm. v. 8—7, i'A—SV», Sonntag früh 6—7. Sonntagsgottesdienste: 6 HI. Messe. 6’/« HI. Messe und Kommun, der Frauen und Mutter. 8 erster Schulgoitesdienst, Predigt und Kommun, des 4. Jahrgangs. 91/, Pfarramt und Predigt. 11 zweiter Schulgottesdienst und Predigt. 9/« Christenl. der Jünglinge und Jungmänner in der Severikirche. 17, Christenl der Jungfrauen. 27, Andacht zur Erstehung würdiger Priester. 8 Uhr Maiandacht Die hernge Kommunion wird von 6—77, Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 87, und 9'/« Uhr Werktagsgottesdienste: Um 6, 67,, 77« und um 8 Uhr. Jeden abend 8 Uhr wird die Maiandacht gehalten. __
PKintirifte zum hl. Geist. 6—7 Beichtgelegenheit. 7 Uhr
Ansprache. 8 Uhr Hochamt und Predigt.
Kindergottesdienst mit Ansprache. 7,12 Uhr o sTOl^enl Jünglinge. 7,3 Müttervereins-Andacht. 8 Maiandacht. Komm, des Mülterver. u. 4.-5. Schustahr — Sobalitat. Vormittags um 7,10 Uhr Gottesdienst. — »t Sturmius-Pfarrkirche. 7‘j« Komm.-Austlg. 71/, Uhr I Frühmesse mit Predigt. 97- Uhr Hochamt mit Predigt. * Um 7,2 Uhr Segensandacht. - I »vleikirchederBenediktinerinnen. Sonntag-,«6 stille Messe, |
Ulpianus schüttelt verwundert den Kopf. „Jegliches Los bringt einen Gewinn, jegliches Los? Herr Ne- ander. Ich kauf Euch die ganze Lotterie auf einmal ab. Machen wir den Handel bald. Ihr ziehet ab, was die Lose kosten, und Zahlt mir den Mehrgewinn aus."
Der Nürnberger bleibt ernst. „Ihr treibt Spott; aber es ist an dem, was ich sage. Auch wenn es wun- derlich klingt. Die Nürnberger können alles. Sie tonnen auch ein Lottospiel machen, bei dem Jeglicher gewinnt und sie gleichwohl nicht verlieren. Ich will es Euch weisen." Er setzt sich gemächlich in einen Sessel, feuchket die Kehle noch einmal und hebt an. „In Nürnberg sind just hochnotwendige Arbeiten zu verrichten. Das Rathaus ist zu restaurieren. Die Sebalduskirche braucht neuen Aufputz und an der St. Lorenzkirche ist das Dach schadhaft. Die Holzbrücken, die zum Sakra- mentshäusl des Herrn Adam Kraft, Gott geb ihm eine fröhliche Urständ, führt, ist morsch und darf nimmer betreten werden. Auch die Uhr an der Frauenkirche geht nimmer. Und die Kunstfenster an der Sebaldus- k'-rche . . . Doch, was erzähl ich Euch das! Ihr seid kein Nürnberger, wißt nicht, wie uns alles am Herzen hängt, wie uns die Seele blutet, daß es nicht soll gerichtet und restauriert werden können, weil kein Geld im Stadtsäckel ist. Denn das kostet viele tausend Gulden. Herr Hans Schäuflin, unser Finanzdeputatus, hat es ausgerechnet und ist eine Summe herausgekommen, vor der einem das Grausen angehen kann. Aber Herr Schäuflin hat auch einen Pfiff, wie wir es gleichwohl machen können, wie wir viele tausend Gulden in den Stadtsäckel bekommen auf honorige Weis', also daß noch Erkleckliches übrigbleibt für andere Arbeiten, so nottun. Wir leihen das Geld und zahlen es später zurück. Seht, darum geben wir die Loszettel. S' ist ein Nürnberger Pfiff." Er trinkt seinen Becher leer, denn die Kehle ist ihm trocken geworden bei der langen Rede, und lächelt glücklich über das ganze Gesicht Alles Gute kommt von den Nürnbergern.
Ulpianus legt den Zeigefinger an die Stirn und grübelt „Ihr müßt das Geld zurückzahlen und mit hohen Interessen obendrein. Denn Ihr sprecht von einem Gewinn der auf jeglichem Los steht. Ihr habt also das Geld nur im Säckel, bis die Lose gezogen sind, und dann ist es letz."
. 2er Nürnberger zieht den buschigen Bart, an dem einige Wemtropfchen hängen, behaglich.durch die Fin. ger. „Sehr wohl, sehr wohl. Bis die Gewinne gezogen sind. Ihr habt es geraten."
779 Konventamt, 2 Herz-Jesu-Bruderschaftsversammlg. — l)tr$=3efu-9eim. Sonntags um 6 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Predigt und Amt. 2 Uhr An Sacht und Segen. Werktags 6 hl. Messe. Mittwoch abend 87« Andacht und Segen. — 8riedhofrkapelle am 8ranzose«wälbchen. Sonntag: 6‘« bl. Messe mit Ansprache und Kommunion. Austeiluni. Werktags: 7 hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. — Severikirche. 7 bl. Messe. 8 Oberrealschulgottesdienst. — Frauenberg. Ablaßtag und Generalabsolution für die Terzlaren. Hl. Messen von 5 Uhr (mit Maiandacht) bis 7 Ubr. 8 Uhr Bruderschaftsmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. Um 9 Uhr Levitenamt mit Predigt. Um 2 Uhr Kreuzweg-Andacht mit Prediat (auf dem Kalvarienberg). Um 2 Uhr nachmittags Versammlung des St. Franziskus. Männerbundes (Bellevue) — NlicharlsNrche. Nachm. 2 Uhr Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä.
Neuenberg. 7-9 Uhr Amt und Predigt. — Lehrer, 7-10 Uhr Amt und Predigt. - Dieterzhan 8 Uhr Amt und Predigt — wendelinurkaprlle bei Steinhaus. Um 2V« Uhr Missionsfeier.
von den Hochschulen.
— 400 Jahr-Feier der Königsberger Staate- uno Universitätsbibliothek. Die Königsberger Staats- und Universitätsbibliothek leitete am Mittwoch die Feier ihres 400jährigen Bestehens mit einem akademischen Festakt in der neuen Aula der Albertus-Unioersität, ein, an dem der Lehrkörper der Universität, zahlreiche Ehrengäste und Mtiglieder des Vereins Deutscher Bibliothekare teilnahmen. Die Studentenschaft war durch ihre Chargierten in Wichs vertreten. Den Festvortrag hielt der Direktor der Staats- und Universitätsbibliothek Dr. Di e s ch. Er entwarf ein geschichtliches Bild von dem Entstehen und Werdegang der Staatsbibliothek und ihren weiteren Aufgaben. Der preußische Minister hat der Staatsbibliothek anläßlich ihrer Jubelfeier einen besonderen einmaligen Zuschuß von 10 000 Mark überwiesen. Oberpräsident Dr. h. c. Siehr gab den Glückwünschen der preußischen Staatsbehörden und der anwesenden ostpreußischen Behördenvertreter Ausdruck. Sodann überbrachte Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer- Königsberg mit seinen Glückwünschen eine Spende von
B zur Beschlußfähigkeit minde- I muß es sich sehr sorgfältig überlegen, ob es die
m-r li^ Abgeordneten gehört. Und bisherige Freiheit des Landtags in dieser Sache
wer sich die Geschichte des Landtags in den letz- 1 —" - - - ■ - ■
ten Monaten ansieht, der weiß auch, wie oft gerade in den vergangenen Wochen die künstliche Beschlußunfähigkeit sehr leichtsinnig herbeigeführt worden ist. Daß aber dadurch das parlamentarische Leben gefördert worden sei, kann man nicht sagen, auch nicht, daß dadurch das Ansehen des Parlaments wachse. Denn der Unterrichtete, der von der Beschlußunfähigkeit des Hauses hört und liest, denkt natürlich, daß wieder einmal der größere Teil der Abgeordneten gefehlt habe, während tatsächlich das Haus vielleicht nahezu besetzt war!
Aber es sprechen auch eine ganze Reihe von Bedenken gegen den Gesetzentwurf. Daß ein finanzieller Druck die Meinung des Abgeordneten beeinflußt, ist bei Erlaß der Bestimmung klar. Denn man kann die Abstimmungsmöglichkeit des Abgeordneten nicht weit genug fassen und es kann Situationen geben, in denen auch die Nichtabgabe einer Stimme trotz Anwesenheit von politischer Bedeutung fein kann. Um es kurz zu sagen, von een vier vorhandenen Möglichkeiten der Abstimmung, wird ihm eine zum mindesten erschwert.
Es ist weiter zu beachten, daß auch die Opposition, oder man kann sie sogar eine Obstruktion nennen, unter Umständen ganz scharfe Mittel zur Hand haben muß, die, für eine große Sache angewandt, ihre gute parlamentarische und politische Bedeutung haben können. Insbesondere das Zentrum als ausgesprochene Partei einer Minderheit
i'iu/is zu legen. <i|t wie Würzburg, eine Stadt, der die Kunst fehlt. Möchte hier nicht leben."
Ulpianus sucht zu verteidigen. „Ihr habt noch nichts gesehen, Herr Vinzenz Neander. Schaut die Bilder in den Kirchen, die Glasmalereien, die geschnitzten Altäre."
Neander brummt: „Weiß schon. Ist so, wie es alle baben. Aber ist nichts Rechtes. Der Krafft fehlt, und der Vischer und der Adam und der Albrecht Dürer. Gott geb ihnen eine fröhliche Urständ. Alles Gute kommt von den Nürnbergern. Ist nur ein Nürnberg in der Welt. Ihr müßt einmal hinkommen."
Der Bärenwirt steckt seinen dicken Kopf zur Türe hinein. „Hab ichs recht gemacht? Hab gemeint, weil der Herr Geschäftliches zu reden hält, ich laß Euch hier auftragen, wo Ihr allein seid. Die besten Geschäfte machen sich bei der Mahlzeit."
„Bin anderer Meinung," brummt der Nürnberger.
Doch Ulpianus nickt. „Ist just recht so, und war weislich überlegt. Der Herr Neander aus Nürnberg ist mit mir gefreundet. Wir bereden uns hier gewißlich besser als vor fremden Leuten. Laßt uns gut auftragen und eine Flasche vom besten. Hab einen gar lieben Gast."
Das Mahl wird schweigend verzehrt. Vinzenz Neander liebt nicht beim Essen zu sprechen und gibt nur kurze Antworten. Das Essen dient der Stärkung des Leibes, wie das Gebet der Stärkung der Seele. Beide sind in ihrer Art gleich wichtige Handlungen, die ihre Bestimmung in sich tragen. Für beide ist Aufmerksamkeit vonnöten.
Auch Ulpianus wird schweigsam; doch seine Gedanken sind nicht bei der Mahlzeit. Die Unrast, die ihn gepackt hat, als Jmma ihm den Besuch des Fremden kündete, ist gewichen, als er seinen Gast erblickt hat. Jetzt kommt sie wieder. Zwar ist der Besuch nicht so arg, als ein anderer gewesen wäre. Aber auch er kann ihm schaden. Niemand braucht zu wissen, daß die Fingerlinge und Spangen, die er trägt, nur eine Handelsware sind. Es mag gut fein, wenn der Nürnberger bald wieder abfährt. Hat nicht Jmma gesagt, daß er solches beabsichtigt? Als hätte der Fremde seine Gedanken erraten, zieht er jetzt eine dicke silberne Kapsel aus der Tasche und schaut auf sie. „Schon zwei Stunden nach Mittag. Ich werde mich verspäten. Will heute abend wieder in Würzburg sein. Habs meiner Eva versprochen."
Der goldene Mantel.
Roman von Heinz Welten.
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Sils er über die Schwelle ins Herrenstüble tritt, hebt sich von der Ofenbank ein breitschulteriger, gewichtiger Mann mit rotem gesunden Gesicht und einem gewaltigen Schnurr- und Knebelbart unter der großen Hakennase. Die Beine, die im Verhältnis zum Oberkörper ein Erkleckliches zu kurz geraten sind, stecken in gelben Reiter- ftiefeln. Große Stulpenhandschuhe liegen aus dem Tisch. Für einen Reitersmann des kaiserlichen Heeres könnte man den Fremden halten, wenn nicht das Fehlen der Feldbinde und der Mangel jeglicher Waffe auf einen friedlichen Beruf Hinweisen würden. Doktor Ulpianus starrt ihn verwundert an. Der Fremde streckt ihm die Hand entgegen.
»Gott zum Gruß und Frieden ins Haus!"
„Auch soviel," murmelt Ulpianus. „Was will der Fremde; ist das der, von dem die Jmma sprach?"
„Ihr seid der Doktor Ulpianus?"
Ulpianus nickte nur.
„Dacht es mir. So ähnlich stellt ich mir Euch vor "ach der Schilderung des Ohms, der ein gutes Konterfei non Euch gab. Ich bin der Vinzenz Neander aus Nürnberg."
Ulpianus atmet befreit auf und drückte ihm kräftig die Hand. Was für dumme Gedanken er sich gemacht
„Grüß Euch Gott, Herr Neander, und willkommen in Rothenburg! Ihr kommt von Würzburg?"
„Sagt es schon. Hab den Ohm besucht, meine Ehe- Iiebfte ist mit mir gefahren. Jetzt sitzt sie in Würzburg und schaut sich die scheußliche Stadt hat. Hat keine Kunst, das Kräuterstädtlein. Möcht da nicht (eben. Bin darum hierher gefahren. Wollt Euch kennenlernen."
Ulpianus lächelt. .„Deshalb die weite Fahrt! Diel Ehre für mich."
Der Nürnberger schüttelt den Kopf. „Nicht deshalb nur. Noch ein anderes. Doch davon später. Sprech nicht gern von Geschäftlichem vor dem Mahle. Ihr gefallt mir, Herr Ulpianus. Doch Eure Stadt gefällt mir nicht. Möchte nicht in Rothenburg leben."
Ulpianus hat sich gesetzt. „Die Stadt ist so übel nicht. Ihr habt noch nichts gesehen. Die Ausblicke sind schön."