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FuldaerZertung

fc ______Anzeiger für die Stadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

TU. 119.

sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.) ohne ZusteNg

Freitag, 24. Mai 1929.

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Sb.Zahrg

Ir. Mler ass Sodjoerilänöiger ziiröckgetceten.

die Frage der Heranziehung der Nachfolgestaa­ten zur Aufbringung der von den Gläubigern ge­forderten letzten 21 Annuitäten,

Neue kritische Stunden s ' = BerSin, 23. Mai. (Eig. Meld.) Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, hat Dr. Vögler heute vormittag seinen Rücktritt als Sachver­ständiger bei der Pariser Reparationskonferenz erklärt. Es wird angenommen, daß Dr. Kastl lein Nachfolger werden wird.

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Nach vielem Hin und Her hat sich damit der Vertrauensmann der westdeutschen Schwerindustrie von den anderen Mitgliedern der deutschen Dele­gation in Paris getrennt, und zwar in einem Augenblick, in dem die Konferenz selbst wieder an einer sehr kritischen Stelle angekommen ist.

Generaldirektor Dr. Bögler.

Der Rücktritt Böglers ist als ein ernstes Symp­tom für die Entwicklung der Reparctionsverhand- lungen zu werten und insbesondere für den Stand, den sie jetzt erreicht haben. Alle Stellen in Deutsch­land, amtliche wie nichtamtliche, verfolgen die Pa­riser Vorgänge mit immer wachsender Besorgnis, die durch den Inhalt des Gläubigermemorandums weiter erheblich gesteigert wird. Das letzte Wort ist zwar noch nicht gesprochen; in ihrer jetzigen Form aber kann die deutsche Delegckion die Vor­schläge der Gläubiger schwerlich annehmen.

Wie die Agentur Havas mitteilt, sind der von Sir Josiah Stomp ausgearbeitete, für die Regie­rungen bestimmte Bericht und das Memorandum der Gläubigerdelegationen am Mittwoch mittag Reichspräsident Dr. Schacht übergeben worden. Auf der Grundlage dieses Memorandums, das sowohl die alliierten Vorbehalte enthält wie auch die For­meln, die diese Dr. Schacht zwecks Abfassung sei­ner Reserven vorschlagen, so heißt es in der Havas- Auslasfung weiter, erklären sich die Gläubiger­mächte bereit, anzunehmen: 1. die Durchfchnitts- annuität von 2050 Millionen Mark, wie sie Uoung für die Reparationen und für die Schulden wäh­rend der 37 ersten Jahre vorgeschlagen habe, 2. die Bezahlung der Kriegsschulden während der letzten 22 Jahre, 3. außerdem würde den Belgiern hin­sichtlich der während der deutschen Besetzung aus­gegebenen Markbanknoten Genugtuung gewährt werden, 4. schließlich würden unabhängig von der Kapitalbeschaffung zur Errichtung der Bank für internationale Zahlungen diejenigenStaaten, denen bieses Institut Dienste leisten soll, namentlich Deutschland, Einzahlungen machen, und zwar als Beitrag für deren Funktionieren.

Man sehe, so heißt es in der Havasmeldung weiter, daß das von den Alliierten vorgesch'agene -System das gleiche sei, wie das in dem Memo­randum Boungs enthaltene, da es zwar innerhalb des Rahmens einer Durchschuittsanmiität von 2050 Millionen Mark bleibe, aber genau die Schulden decke und einen beständigen Restbetrag für die Re­parationen erübrige. Das Dokument der Gläubi­ger sehe jedoch vor, daß die Annuität nicht in einer regelmäßigen Folge von jährlich 25 Millionen Mk onsteigen wie in dem Boung'schen System vorge­sehen, sondern daß, praktisch gesehen, die eine An­nuität über, die andere unter der Typ-Annuität uegen würde. Die rückständigen Schulden würden dabei nicht in beständiger Weise steigen. RusN wüsse aber der Teil der Annuität, der den zu Mobilisierenden Restbetrag darstelle, ein beständi­ger sein, damit auf diese Weise die Mobilisierung erleichtert werde. Desha'b, also um einen Ausgleich herzustellen, sehe das Memorandum der Gläubiger nor, daß im ersten Jahre (für das die Schulden dereits bezahlt seien) und für das dritte Jahr sowie für die 17 lebten Jahre die Annuitäten niedriger sein würden als die Durchschnittsannuität von 2050 Millionen. Die Annuitäten würden jedoch höher sein in den anderen Jahren. Außerdem sehe das Alliierte Dokument vor, daß der Plan Poungs vom

April 1929 bis zum 31. März 1966 Geltung habe, und zwar hinsichtlich der Reparationen und her Schulden, während hinsichtlich der Schulden al- *®in Deutschland erst nach diesem letztgenannten Zeitpunkte Zahlungen zu leisten haben würde.

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Die „Bossische Zeitung" richtete schon vor dem tatsächlichen Ausscheiden des Herrn Bögler scharfe Angriffe auf die Schwerindustrie, die Bög- »ers Verhalten herbeigeführt hat. Sie schreibt:

Die letzte Reise Voglers und Schachts in das Ruhr- kfbiet hatte den Zweck, mit gewichtigen Vertretern der Schwerindustrie zu konferieren. Nach einem Diner auf > l l a Hügel fand eine mehrere Stunden umfassende

Aussprache statt, bei der nach unserer Kenntnis, außer "ein Hausherrn. dem Gesandten Kruvv von Bohlen

ir die pariser Konferenz.

und Halbach, die Herren Dr. Fritz Thyssen, Siloerberg, Kirdorf, Springorum, Winkhaus, Flick und der Direktor Thiel von den Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswer­ken zugegen waren.

Bei dieser Aussprache kam es zu sehr heftigen Aus­einandersetzungen. Während insbesondere Krupp von Bohlen und Halbach sich bemühte, eine Einigung herbei­zuführen, wurden von feiten Thyssens und Kir­dorfs Ausführungen radikalster Art gemacht. Man nimmt in eingeweihten Kreisen des rheinisch-west­fälischen Bezirkes sogar an, daß die Spannung, die nach dieser Aussprache zwischen Vögler und Thyssen geblie­ben ist, die Stellung Böglers als Generaldirektor des Gelsenkirchen-Konzerns zu gefhrden vermöge.

Wenn nunmehr die Argumente des bedenklichen schwerindustriellen Flügels dazu beitragen sollten. Vög­ler zum endgültigen Rücktritt aus der Delegation zu be­wegen, so wird man sich klarmachen müssen, daß ein solcher Schritt weniger aus der eigensten Ueberlegung dieses ruhigen und verständigen Vorstellungen stets zu­gänglichen Mannes zu erklären ist, als durch einen un- geheuerlichen Druck sozialer und gesellschaft­licher Natur, der auf den abhängigen Generaldirektor von feiten großer Kapitalmagnaten des Ruhrbezirkes ausgeübt worden ist.

Daß die Trennung von der deutschen Delegation in diesem Augenblick eine schmähliche Fahnenflucht vor dem Feinde bedeutet, wird wahrscheinlich nieman­dem klarer als Vögler selbst fein. Cs handelt sich eben hier um ein neuerliches, auf das schärfste zu verurtei­lende Eingreifen derselben Kreise in die deutsche Po- litik, die durch die internationale Verflechtung der Rüstungsinteressen den Weltkrieg heraufbe- schwören halfen, die dann während des Krieges durch ihre Forderung auf Longwy und Briey, sowie auf das belgische Kohlengebiet die Herbeiführung eines vernünf­tigen Friedens verhinderten, die endlich die Hauptnutz- uieher der von ihnen protegierten Inflation waren und die mit unerhörter Leichtfertigkeit den Einfällen in die Ruhr den Franzosen erleichterten und durch ihre Art des Ruhrkampfes den deutschen Mittelstand der letzten Reste ihres Vermögens beraubten. Es sind diejenigen Kreise, die seitdem sich jeder Beruhigung der deutschen Verhältnisse widersetzten, die durch Zuwendung von Mitteln an extrem rechtsradikale Kreise unter dem Vor­geben, gegen die Begehrlichkeit des gewerkschaftlichen Marxismus anzukämpfen, durch immer neue Ver- dächtigung gegen die demokratischen Institutio­nen und die Fähigkeit demokratischer Staatsmänner auf diese Weise zu ihren faschistischen Idealen zu gelangen trachten."

Der Aufsatz der „Bossischen Zeitung" den diese scharfen Ausfälle en hält, schließt: Diese Kreise wissen ganz genau, .aß die Erleichterungen, die durch die Pariser Ab achungen, so schwer sie an sich auch immer für d-1> deutsche Volk tragbar sein mögen, im deutschen Budget eintreten müssen, da­zu benutzt werden sollen, durch eien umfas- sende Steuerreform in Deutschland wie­der geordnete Wirtschaftsverhältinsse herbeizufüh­ren. Wirtschaftsverhältnisse, die vor allem dem gewerblichen Mittelstand und -er verarbei­tenden Industrie zugute kommen werden. Diese Beruhigung unter de- Herrschaft des Kabinetts der Großen Koalition soll mit allen Mitteln ver­hindert werden, und das ist auch der tiefere Grund der neuen Versuche, durch Einwirkung auf Vögler die deutsche Delegation im letzten Au­genblick auseinanderzusprengen in der Hoffnung, daß die Deutsche Regierung nicht den Mut zur Verantwortung haben wird, das in Paris trotz aller ihr bereiteten Hindernisse zu tjiri und durchzusetzen, was ihr im Interesse der deutschen Wirtschaft udn des deutschen Volkes notwendig er­scheint.

Deutsche Erklärung.

Neber den Stand der Frage der deutschen Vor­behalte läßt sich folgendes sagen: Rach der Antwort der Eläubigerdelegationen dürften als angenom­men gelten:

die Sicherheitsklausel mit einer leich­ten redaktionellen Aenderungen,

die sogenannte politische Klausel, die besagt, daß die in Aussicht genommene Regelung der Reparationsfrage nicht nur nach rein wirt­schaftlichen, sondern auch nach politischen Gesichts­punkten erfolgt,

die sogenannte Klausel der gesellschaft­lichen Verantwortung, d«e 'festlegt, daß zur Durchführung des neuen Reparationsplanes das Zusammenwirken sämtlicher beteiligter Länder er- forderlich ist,

eine Bestimmung, daß durch den neuen Plan alle bisher getroffenen Abkommen über deutsche Zahliinasverflicbtungen abgelöst werden, wor­unter nach deutscher Ansicht auch die belgische For­derung auf Rückerstattung der ausgegebenen Mark­banknoten einbegriffen ist,

die Bestimmung, daß sämtliche D i s k r i m i. nierungen deutscher Firmen auf politi­schem, wirtschaftlichem, persönlichem und auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes fortfallen.

Der ungeschützte Teil, der nach dem Plane Poungs mit 750 Millionen Mark jährlich begann und im Laufe von 13 Jahren auf eine Milliarde ansteigen sollte und die von der deutschen Dele­gation auf eine feste Jahreszwhlung von rund 660 Millionen festgelegt worden war, ist in der heute erteilten Antwort der Gläubigerdelegationen sol- gendermaßen skizziert:

Es sollen gezahlt werden 660 Millionen jähr­lich während fünf Jahren, von da ab soll jedes zweite Jahr dieser Betrag um 25 Millionen er­höht werden bis zum Höchstbetrag von 960 Mil­lionen, die im 29. Jahre erreicht werden würden.

Die weiteren der Diskussion außerdem noch un­terliegenden Punkte sind:

die Frage der Gewinne der mternnHnnnr»» Bank, ' . -

die Frage der Zusatzleistungen für die inter­nattonale Bank Recovery Act.

lieber das von den deutschen Sachverständigen geforderte Moratorium der zweiten Aufbringung verlautet in der Antwort nichts, so daß daraus auf eine Ablehnung geschlossen werden muß. Wei­terhin wird ausdrücklich abgelehnt die deutsche Forderung auf völlige Freigabe der Eisenbahnen. Es werden im Gegenteil die Eisenbahnobligationen beibebalten, wenn sie auch auf die zweite Stelle gerückt werden.

„Dr. Schacht hat das Wort".

wtb. Paris, 23. Mai. (Eia. Meld.' Das Siich- mort, das die meisten französischen Blätter heute früh befolgen, lautet: „Dr. Schacht hat das Wort, wir sind an der Grenze der Zugeständnises ange­langt." Sachlich bringt die Morgenpresse nichts Neues über das hinaus, was die Agentur Havas gestern in zwei Auslassungen eorbreitet hat.

Worum es bei den ganzen Verhandlungen ge­gangen ist, darauf geben rückhaltlos nur das „Echo de Paris" u. in etwas versteckter Form der „Petit Parisien" Antwort. „Echo de Paris" erklärt: Offi­ziell geben sich die Gläubiger wohl mit den 37 Annuitäten von je 2050 Millionen zufrieden, aber durch verschiedene Methoden erhöhen sie deren Durchschnitt

auf etwa 2130 Millionen.

Erstens werden die Belgier außer ihrer Annuität als Entschädigung für die 6Milliarden Mark, die die deutschen Besatzungsbehörden in Belgien in Umlauf gesetzt haben, 10 Jahre lang 25 Millionen erhalten; zweitens wird die im Dawesplan vorge­sehene laufende Annuität von 2% Milliarden von Deutschland bis zum 31. Dezember ds. Js. gezahlt werden, während die von den Sachverständigen festgesetzte neue Annuität bereits vom 1. April d. I. an fällig fein soll. Es würde also 9 Monate lang eine Ueberschneidung der beiden Annuitäten statt- sinden. Die Gläubiger würden sich in die neue Annuität in dem von ihnen vereinbarten Verhält­nis teilen und die Dreiviertel der Dawes-Annustät, also 1875 Millionen Mark, könnten dazu benutzt werden, die durch den amerikanisch-deutschen Ent­wurf gerissenen Lücken auszufüllen.

„Petit Parisien" schreibt: Die Frage, wann der neue Plan in Kraft treten soll, ist von höchster Wichtigkeit. Nur dadurch, daß man die höheren Zahlungen des Dawes-Planes noch einige Monate lang laufen läßt, ist es den alliierten Sachverstän­digen gelungen, z. T. die Summen wieder zu er­halten, die sie auf Grund des Poung'schen Memo­randums verlieren sollten. Bei diesem geistreichen System, das auf einen französischen Sachverständi­gen zurückzuführen ist, hat ungefähr 1 Milliarde der ersten Annuität zu der Pauschalsumme hinzu- gefügt werden können.

Die Blätter sind sich klar darüber, daß man mit dem heftigen Widerstand

der deutschen Delegation zu rechnen haben werde. „Motin" faßt dies in folgende Worte: Seien wir nicht pessimistisch, aber die kommenden Tage ver­sprechen uns noch Zwischenfälle und Ueberraschua- gen.

Leon Blum schreibt im „Populaire", die Neu­regelung der Reparation müßte notwendigerweise durch eine Neuregelung der französischen Schulden bei Amerika gekrönt werden.

Aehnlich äußert sich das Gewerkschaftsblatt „Le peuple" und auch die radikale „Ere Nouvelle". Letztere rückt die Frage einer Neuregelung der amerikanischen Schulden in den Vordergrund ihrer Betrachtungen und meint, niemals sei die Stunde für eine französisch-amerikanische Verhandlung günstiger gewesen.

Frankreichs Simerika-Schulden.

Wie der Washingtoner Korrespondent der „Ti­mes" berichtet, hat Schatzamtssekretär Mellon den französischen, Botschafter Claudel ersucht, Poin- care mitzuteilen, daß die amerikanische Regierung so schnell wie möglich über die Aussicht der Rati­fizierung der französischen Schulden-Fundierungs- Verembarung verständigt zu werden wünscht. Es verlaute, daß Mellon dem Botschafter erklärte, wenn binnen angemessener Zeit eine Zusiche- rung wegen der Ratifizierung gegeben werden könnte, dann würde die Regierung bereit fein, ber gegenwärtig im Gange befindlichen Sonder- sefsion des Kongresses die Annahme eines Gesetzes anzuempfehlen, das die für die Rückzahlung von ungefähr 400 Millionen Dollar Kriegsschuld vor- gejehene Frist ausdehnt.

Diese Meldung, wonach die ftanzösische Regie­rung durch die Regierung der Vereinigten Staa­ten aufgefordert worden sein soll, eine Erklärung dahingehend abzugeben, daß sie alles versuchen werde, um die Ratifizierung des Mellon-Berenger- Abkommens über die Tilgung der französischen Schulden durch das französische Parlament zu er­reichen, wurden im Staatsdepartement zwar nicht dementiert, dagegen wurde int Schatzamt zuge­geben, daß der ftanzösische Botschafter Claudel wiederholt mit Schatzsekretär Mellon und Sekre­tär Mills über diese Fragen Unterredungen ge­habt habe, und daß man auf amerikanischer Seite ich bereit erklärt habe, eine Verlängerung der iir den 1. August angesetzten Frist zur Zahlung des Betrages von 400 Millionen Dollar seitens Frank­reichs an Amerika beim amerikanischen Senat durchzusetzen zu versuchen, falls hinreichende Ge­währ dafür -geleistet werde, daß Frankreich das

Mellon-Berenger-Abkommen baldmöglichst ratifi­ziert.

Inzwischen in Washington eingetroffene Pariser Meldungen bestätigen, daß der Quai d'Orsay vom Botschafter Claudel eine Depesche dieses Sinnes erhielt. In diplomatischen Kreisen wird dieser! Schritt des Schatzamts als ein weiteres Entgegen­kommen zur Lösung der Reparattonsftage betrach­tet und dahtn ausgelegt, man habe in Amerika eingesehen, daß Frankreich die Ratifizierung des genannten Abkommens hinauszuschieben wünsche, bis die Pariser Sachverständigenkonferenz beendet sei. Es besteht natürlich Ungewißheit darüber, ob der Senat einer Fristverlängerung zustimmen wird.

von der französischen Innenpolitik.

Daladier über die Politik der radikalen Partei.

wtb. Paris, 23. Mai. (Eig. Meld.) Der Vor­stand der radikalen Partei hat gestern abend eine Vollsitzung abgehalten, in der der Vorsitzende, Abg .Daladier, über die allgemeine Politik Der Partei sprach. Er hob besonders die doktrinären Verschiedenheiten zwischen den Radika­len und den Sozialisten hervor und gab klar zu verstehen, daß die radikale Partei in keiner Weise ihre eigene Doktrin dem Sozialismus zu opfern gedenke. Eine einstimmig angenommene! Tagesordnung bestätigt die vollkommene tatsäch­liche und dokttinäre Autonomie der radikalen Par­tei gegenüber den Nachbarparteien von rechts und von links.

Der kommunistische Abgeordnete Hubert zum Bürgermeister von Straßburg gewählt.

Der neue Munizipalrat der Stadt Straßburg hat die Bürgermeisterwahl vorgenommen. Dr. Roos, der von den Antonomisten und Kommuni. sten für diesen Posten in Vorschlag gebracht war, hatte durch einen aus dem Gefängnis in Besangon gerichteten Brief vom 20. Mai darauf verzichtet. Daraufhin wurde der frühere kommunistische Ab- geordnete Hubert mit 18 Stimmen zum Bürger- meister gewählt. Sieben Stimmen entfielen auf den der Gruppe Marin angehörenden Eeneralsekre- tär der Handelskammer Hang, vier auf den frü» Heren Bürgermeister, den sozialistischen Abgeord- neten Peirotes; unbeschrieben waren drei Stimm­zettel. Zu stellvertretenden Bürgermeistern wurden gewählt der Abgeordnete Michel Walther, der Autonomist Heil, von der Katholischen Volks­partei Koeßler, der autonomistische Rechtsanwalt Klein sowie zwei Kommunisten. Die sozialistischen Stadtratsmitglieder und die Mitglieder der Gruppe Marin gaben dabei unbeschriebene Stimmzettel ab.

* Einführung des polnischen Schiedsrichters Professor Dr. Slelmachowski. Aus Beuthen wird gemeldet: In Gegenwart zahlreicher poeti­scher Persönlichkeiten des Grenzlandes fand die Einführung des polnischen Schiedsrichters beim deutsch-polnischen Schiedsgericht für Oberschlesien, Professor Dr. Stelrnachowski, statt. Stelrnachowski gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß es ihm gelingen werde, als unabhängiger Richter zur Verwirklichung der Aufgaben und Ideen beizutragen, für die das Genfer Abkommen das Schiedsgericht ins Leben gerufen habe.

(Df<e statt Steoerwa’ö.

Nach einer Meldung der „Germania" au« Ellen betraute der Ausschuß des Gesarntverbande? der Christlichen Gewerkschaften den bisherigen Gene­ralsekretär des Verbandes Otto mit dem Vor- s i tz i m Gefarntverband der C h r ' st l. G e w e r k s ch a f t en als Nachfolger Stegerwwds, der 28 Jahre lang an der Svitze der Christ' Ge- werkfchaften gestanden hat. Die Neuregelung der Führung im Deutschen Gewerkschaflsbund wird erst später erfolgen.

Dr. Vrauns' Berufung.

Der erste deutsche Präsident der Internationaler Arbeitskonferenz in Genf.

Präsident der 12. Internationalen Arbeitskon' ferenz, deren Beratungen am 30 Mai in Gen; beginnen, wird laut „Boss. Zig." der frühere lana- jährige Reichsarbeitsminister Dr. Brauns wer, den. Damtt wird zum ersten Male seit Bestehen dieser Einrichtung des Bölkerbundes ein Vertreter Deutschlands diese internationale Tagung leiten

Die Tagung der VLlkerbundsliga.

Sn der Vollsitzung der Jnternottonalen Uninr ber Völkerbundsliga, die in Madrid siattfindet, hiel im, Verlaufe der Besprechung des Berichtes bei juristischen und politischen Kommfision über die Organisierung des Friedens auch der deutsche De­legierte Frhr. v. Rheinbaben eine Rede, in der er ausführte:

, .Was Eurovo nötig hat, ist nicht nur die Orga- nifierung des Friedens, sondern der Friede selbst. Alle Teilnehmer am Weltkriege ringe; um ihren Wiederaufbau, besonders aber die Be­siegten, ohne daß sie wieder zum Wohlstand ge* langen können. Ein Beweis hierfür ist, daß der Völkerbund vor kurzem die 2000. Konvention regi­striert hat. Eine derartige Anzahl von Konven- ttonen zur Abwendima des Krieges ist ein Kenn- 'eichen für den Friedenswillen der Völker denen es aber nicht gelingt, ein wirksames Abkom­men herauszukristallisieren. Im Namen der deut­schen Delegation erklärte sich der Redner bereit alles in seiner Macht Stehende tur Verwirklichung bes Gedankens der obligatorischen Schiedsgerichts, barfett selbst für politische Konflikte zu tun Ei mandte euch gegen den Abschluß von Cinzelver- trägen und Geheimabkommen, da sie eine Geiaht