116.
Zuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt).
Sonntag, 19 Mai 1929.
Fulda, den 18. Mai 1929
Pfingsten.
gibt Menschen genug, die an Pfingsten „orbeikommen können, ohne daß sie auch nur mit einem Gedanken vom Feste des Geistes berührt Arbeit.. 3d) meine nicht bloß die, die die beiden Tage wie losgerissene Kettenhunde in der Natur Lerumrasen, das Jauchzen des neugewonnenen Frühlings einatmen — ach, wie gut versteht man noch diese Menschen, wenn sie im Rausche einer »veitagesftcrheit über den Geist hinwegsehen, der att§ ebenderselben Schöpfung spricht, die sie da S letzen und von der sie selber ein Teil sind.
meine vielmehr jene andern, die gar nicht so selten^ sind, bei denen der Geist in eine Art Miß. krebst gekommen ist, denen Geist geradezu etwas Unheimliches ist, die erst Boden unter den Füßen fühlen, wenn es sich um die Bezirke der Gerissenheit und Raffiniertheit handelt,bei welchem „Ersatz" sie sich viel sicherer und viel mehr daheim fühlen. Das ist der „Geist", mit dem sich so durchgängig das Europa von heute behilft, womit seine Diplomaten in Genf, Locarno und anderswo ihren politischen Kochkessel Heizen, womit die übrigen Berufe und Stände in dem Kampf um ihre „Belange" antreten. Die Folge ist, daß alles beim Alten bleibt und das ersehnte neue Europa nicht kommen will. Als ob die Diplomaten allein etwas könnten und als oo sie einen andern Geist haben könnten, als der ist, den ihre Völker haben! Pfingsten weist darauf hin, welcher Geist allein neu machen kann.
_______ Jodokus.
von der Zentrumspartei.
Die Zentrumswähler des VIII. Bezirks hatten sich gestern abend im Bereinshaus der Dompfarrei, Kronhofstraße, zu einer gutbesuchten Versammlung zusammengefunden. Besonders zahlreich war die Jugend erschienen, ein Zeichen, daß sie politisch durchaus interessiert ist. Bankdirektor Si-rger hieß die Zentrumsleute des 8. Bezirks, der leider nicht sehr organisch zusammengesetzt ist, herzlich willkommen. Dann erstattete Bankvorstand Enders ein knappes, aber überzeugendes Referat über die Aufgaben der Zentrumspartei im Stadtparlament. Rach einer sehr lebhaften Aussprache erfolgte die Wahl des Bezirksvorstandes. Aus ihr gingen hervor: als Vorsitzender: Lehrer Taube! ; stellv. Vorsitzender: Gewerkschaftsekretär P. Steinbeck; Schriftführer: Bankbeamter Oskar Schäfer: Beisitzer: Bankvorstand Fr. Enders, Maurermeister Sturmius Grosch, Schreiner Fridolin Malk- mus. Zum Schluß dankte der Vorsitzende des Fuldaer Windthorstbundes, Lehrer Schmitt, dem Vorsitzenden der Zentrumspartei in Fulda, Bankdirektor Singer, unter dem Beifall der Versammlung für die aufopfernde Tätigkeit im Dienste der Partei. Der Vorsitzende schloß die Zusammenkunft, die b'»-ch die Streichkapelle der Jungmannen verschönt worden war, nach Dankesworten an die Partei- und persönlichen Freunde, die ihm von
Bezirksversammlung zu Bezirksversammlung gefolgt seien, mit einem Hoch auf die Zentrumspartei. — Mit der gestrigen Tagung haben die Bezirksversammlungen, die den Zweck hatten, die Vorstände zu wählen, ihren Abschluß gefunden. In nächster Zeit kann also zur Bildung des Gesamtvorstandes der Zentrumspartei in Fulda geschritten werden.
Gedächtnisgoktesdienst für Karl Sonnenschein.
Wie wir schon mitgeteilt haben, besuchen die Mitglieder der Katholischen Volkshochschule Berlin, die bekannllich von dem verstorbenen Dr. Sonnenschein ins Leben gerufen wurde, in den Pfingsttagen wiederum unsere Heimatstadt. Am Pfingstsonntag wird aus diesem Anlaß in der Bomfatiusgruft um 7 Uhr eine hl. Messe für den Apostel Berlins gelesen, zu der die Freunde und Dereyrer des Verstorbenen eingeladen sind.
Regenarm — Sonnenarm!
So soll sich voraussichtlich das diesjährige Pfingstwetter gestalten. Ohne Gewähr! Deutschland liegt augenblicklich im Bereich kühler nördlicher Luftströme, die auf das Thermometer keinen günstigen Eindruck gemacht haben. Tiefdruck und Hochdruck liegen im Kample. Augenblicklich ist der Sieg noch nicht entschieden. Es regnet zurzeit in Fulda noch. Im Süden toll es auch zunächst noch ziemlich trüb und regnerisch bleiben, während für das nördliche Gebiet Deutschlands langsam Besserung verheißen ist. lieber all aber bleibt es voraussichtlich kühl.
krastposhfahrken nach Eisenach und Kissingen.
Die für den Pfingstsonntag und -Montag geplanten Kraftpostsonderfahrten nach Eisenach und Kissingen können infolge schlechten Wetters nicht ausgeführt werden.
Die forstliche Ausbildung der Gemeindeförsieran- wärker Preußens.
Der Preußische Landwirtschaftsmimster hat über die Regelung der forstlichen Ausbildung der Gemeindeförsteranwärter dem Landtag folgende Mitteilung zugehen lassen: „Auch in Zukunft sollen die Anwärter für den Gemeindeforstbetriebsdienst, soweit der vorhandene Raum auf den staatlichen Forstschulen dazu ausreicht, von der Staats- forstverwaltung ausgebildet werden. Ferner ist beabsichtigt, in allernächster Zeit die Förster-Ausbil- dungs-Bestimmungen der Preußischen Staatsforst- verwaltung vom 1. April 1925 dahin zu ändern, daß vom Jahre 1929 ab die Trennuna der Anwärter für den Staats- und Gemeindeforstbetriebsdienst bereits bei ihrer Annahme als Forftlehrling erfolgt, und daß von den feit 1925 angenommenen Försteranwärtern (das sind Lehrlings-Jahrgänge 1925 bis einschließlich 1928) eine bestimmte Anzahl Anwärter für den Gerneindeforstdienst schon jetzt von mir ausgewählt wird."
Kommt wieder die Balutaklausel?
In den letzten Tagen hat sich eine betrübende Erscheinung bemerkbar gemacht: Von verschiedenen Firmen wird wieder bei Rechnungsstellung die Valutaklausel eingeführt. Es wird wieder Goldmark faktoriert, und damit zu einer Hebung Zuflucht genommen, die uns aus der Inflationszeit in peinlichem Angedenken steht. Es ist bedauerlich,
daß ein so großes Unternehmen, wie die I. G. F a r b e n i n d u st r i e, mit als erste deutsche Firma zur Goldmarkklausel übergegangen ist. Ein solches Verhalten steigert nur noch die Nervosität, die ohnehin durch unverantwortliche Machenschaften in unsere Wirtschaft hineingebracht worden ist. Die berufenen Stellen hätten allen Anlaß, hier nachdrücklich aufzupassen und gegebenenfalls solchen Firmen auf dem Wege der Kreditbeschränkung entgegenzutreten.
Diersteuer und Vergnügungssteuer.
Der Steuerertrag aus der Bier st euer belief sich in Fulda im Rechnungsjahr 1927=28 auf 35 371 Mk. Erwartet waren im Haushaltsplan nur 32 000 Mk. Es ist also in dem warmen Jahr mehr Bier getrunken worden, als , vorgesehen wurde. Auch die Vergnügungssteuer, die mit 25 000 veranschlagt war, hat mehr eingebracht, nämlich 28 215 Mk. Biersteuer und Vergnügungssteuer werden bei Gelegenheiten. fällig, die im allgemeinen von den Betroffenen im Gefühl des Wohlbehagens erlebt werden, eine Erscheinung, die bei allen anderen Steuern nicht zur Beobachtung zu kommen pflegt.
Eine günstige Heidelbeeremte.
Die Heidelbeersträucher in unfern Waldungen tragen einen so reichen Blütenschmuck, daß man für dieses Jahr mit einer Rekord -Heidelbeerenste- rechnen kann, wenn sich der Blütenansatz allgemein in Beeren umsetzt.
Gestohlenes Dynamit.
In der Gemarkung Schweben (Kr. Fulda) wurden in der Nacht vom 14. zum 15. in einem Basaltsteinbruch der Hessischen Basalt-Stein- bruchwerke mittels Einbruchs 20 bis 30 Stück Sprengpatronen und 80 Stück Sprengkapseln gestohlen.
Zusammenstoß zwischen Auio und Motorrad.
Ws gestern vormittag ein auswärtiger Motorradfahrer einen hiesigen Personenkraftwagen, der die Frankfurter Richtung Kohlhaus befuhr, in Höhe des Hanfes Frankfurterstraße Nr. 25 überholen wollte, bog der Führer des Personenkraftwagens, der den Wagen nach einer auf diesem Grundstück befindlichen Reparaturwerkstatt bringen sollte, ohne die Veränderung der Fahrtrichtung anzuzeigen, plötzlich nach links ein. Hierdurch kam es zu einem Zusammenstoß, bei dem sich der M o - torradfahrer erhebliche Verletzungen im Gesicht und am rechten Bein zuzog, so daß er in das hiesige Landeskrankenhaus überführt werden mußte.
Warum
werden die Verkehrsvorschriften nicht beachtet?
Ein weiterer Zusammenstoß ereignete sich in den Abendstunden in der Bahnhofstraße, Ecke Linden st raße. Ein die Bahnhofstraße aufwärts fahrender Personenkraftwagen stieß mit einem anderen Personenkraftwagen, der die Bahnhofstraße abwärts fuhr und nach links in die Lindenstraße einbiegen wollte, zusammen. Beide Fahrer dürften den Verkehrsvorschriften zuwidergehan- delt haben, da an Straßenkreuzungen mit der nötigen Vorsicht unb beim Cinbiegen nach links in weitem Bogen zu fahren ist. Auch das Dorfahrts- recht soll nicht beachtet worden fein. Personen wur
den bei dem Zusammenstoß nicht verletzt. Beide Fahrzeuge wurden beschädigt, konnten ihre Fahrt jedoch fortsetzen.
Wallfahrt nach Marienthal im Rheingau.
In diesem Jahre ist wieder eine Wallfahrt nach Marienthal geplant. Sie beginnt am Samstag den 8. Juni in Fulda. Mit der Wallfahrt kann am Sonntag der Besuch des Festspiels der hl. Hildegard in Elbingen verbunden werden. Die Anmeldungen mögen baldmöglichst an Arnd Borgiasstraße 3, erfolgen.
Die Landwirtschaft in der Rhön.
Die Generalversammlung der kurhefsischwaldecki- schen Landwirtschaft in Gersfeld.
"" Am Donnerstag, den 23. Mai, wird in Gersfeld (Rhön) unter Vorsitz des Präsidenten der für- hessisch-waldeckischen Landwirtschaftskammer, des Rittergutsbesitzers Landrats a. D. vonKe u d e II. Wolfsbrunnen bei Eschwege die neunte Generalversammlung aller der Landwirtschaftskammer in Kassel angefchlossenen landwirtschaftlichen Kreis» vereine, der Kreisbauernschaften und der sonstigen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Bereinigungen in Kurhessen und Waldeck abgehalten. Diese Generalversammlung, die stets abwechselnd in einem anderen Bezirk von Kurhessen und Waldeck abgehalten zu werden pflegt, ist mit einer Kre is» tierschau verbunden. Sie soll einen Heber- blick über den Stand der Viehzucht in Kurhessen und Waldeck ermöglichen; alle kurhessischen und waldeckischen Kreise werden auf dieser Kreistier- schau mit überaus hochwertigem Vieh vertreten fein; besonders die Pferdezuchtgenossenschaften und die Fleckvieh-, Höhenvieh, und Niederungsviehzüchter werden miteinander in einen friedlichen ernsten Wettbewerb treten, sind doch Milchkühe als Ausstellungstiere gemeldet, die eine Jahresleistung von über 10 000 Kg. Milch mit 2,98 Prozent bis 3,19 Proz. Fettgehalt u. 325 Kg. reinem Butter- fett aufzuweisen haben. Mit Rücksicht auf die Bedeutung, die das gelbe Höhenvieh für die Kreise Gersfeld (Rhön), Fulda, Hünfeld, Schlüchtern, Gelnhausen sowie für einen der Kr. Eschwege, Hanau, Schmalkalden und Ziegenhain hat, soll auch das in Gersfeld aufgetriebene gelbe Höhenvieh unter den gleichen Bedingungen prämiiert werden. Der Auftrieb des Ausstellungsviehes ist auf Donnerstag früh 7 Uhr festgesetzt, um 8 Uhr beginnen die Preisrichter mit der Prämiierung, um 12 Uhr wird das prämiierte Vieh den geladenen Gästen vorgeführt.
Der Oberpräsident Dr. Schwander und auch der Regierungspräsident Dr. Friedensburg haben ihr Erscheinen bereits bestimmt zugesaft. Ob der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger, der im vorigen Jahre die Hohe Rhön eingehend bereist hat und sich für die großzügigen Meliorationsarbeiten auf der Hohen Rhön persönlich überaus warm eingesetzt hat und überhaupt für die Kulturen der Rhön gr"’^- Avttilnah re bekundete, kommen wird, steht noch nicht fest. Minister Dr. Steiger hat jedoch fein Erscheinen in Aussicht gestellt, weil ihn die Tagesordnung der Generalversammlung der kurhcs- sifch-waldeckischen Landwirte und auch die Kreis- tierschau sehr lebhaft interessiert; wenn es ihm ir-
BULGARIA
HUSCHER
t Sie sollen uns gar nicht blindlings vertrauen,Sie sollen die Mehrzahl aller Raucher Sachsens, dem Heimatlande der Zigaret- ten-lndustrie, fragen. Die Statistik zeigt, daß 6O°|oaller Raucher in diesem Lande
BULG ARIA-ZIGARETTEN
rauchen.
Dies ist wahrlich ein Volksentscheid, der die überragende Qualität unserer Zigaretten beweist. Wie kann es auch anders sein, wenn man in einer 5 Pfg. Zigarette wie
BULGARIA-KRONE Tabake verarbeitet, die sonst nur für weit teurere Marken Verwendung finden.
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