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Rund um die $

Zoche.

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Pfingstplaudcrei.

Das Innigste des Gemütes und das Inner ste her Seele können wir nicht aussprechen. Es kann sich vielleicht einmal zu einem Liede formen, es kann sich in einer freudigen Stimmung äuhern, e« kann den ganzen Menschen in ein Blühen und Subtileren verwandeln, aber in Worte, in nüch­terne Worte fassen läßt es sich nicht. So ist es auch mit dem innersten Geheimnis der Kirche, mit dem Geiste, der in ihr lebt und in ihr spricht mit unaussprechlichen Seufzern. Als er im Brausen vom Himmel herabkam, und als die feurigen Zungen über den Jüngern erschienen, da war das Eeburtstagsfest der Kirche. Vorher wartete alles auf seine Stunde, wie Knospen an den winterli­chen Bäumen. Sie warten still und verborgen, bis die Frühlingsstürme durch die Lande fahren und bis die Maifonne grüßt.- Dann aber blühen die Gärten, das Wiesental ist ganz bunt von Blau und Gelb und Weiß, und die grauen Bäume schimmern in unerhörter Pracht. Das Leben ist erwacht, das Geheimnis atmet, vor Freude schluch­zend kündet es die Nachtigall.

Zwischen Ostern und Pfingsten muß man die Apostelgeschichte des hl. Lukas lesen. Es ist darin alles verzeichnet, was sich damals begeben hat, als die Kirche ein einziger Lenz war. Es gibt keine einzige Urkunde des Altertums, in dem ein solcher Strom von Leben wäre. Tore springen auf, die ängstlich verschlossen waren. Männer treten her­vor, die noch eben gezittert haben vor Furcht. Ihre Rede ist so voll des innersten Feuers, daß sie die Tausende hinreißt. Aber es ist nicht nur eine ober­flächliche Begeisterung, sondern eine, die das ganze Lehen verwandelt. So viel Menschen aus allen Provinzen des Reiches in Jerusalem zusam­mengekommen waren, so viele tragen nach dem Fest die frohe Botschaft in alle'Welt hinaus. Zahllose sind unter ihnen, die sich so wenig beherr­schen können, wie der Quell der Berge, wenn die Eisrinde springt. Das stürzt und sprudelt hervor. Das kennt keine Hindernisse. Das singt Tag und Nacht im seligen Rauschen. In den ersten Ge­meinden stehen Fromme auf und reden in Zungen. Als wären sie irrsinnig geworden von der Macht der Geheimnisse. Aber man versteht sie doch, weil man selber die feine Empfindung noch hat, was der Geist Gottes ist und was nicht. Aus stiller Andacht bricht oft das Psalmenlied der Gemeinde hervor, wie ein Lerchentriller aus der jungen Saat. Wunder sprießen am Wege. Die Liebe be­ginnt ihren Siegeszug durch die Menschheit.

Noch einmal, man muß die Apostelgeschichte des hl. Lukas jetzt lesen. Sie offenbart uns das wahre Wesen der katholischen Kirche und des Christentums. Gewiß ist da schon eine heilige Ordnung. Es geht in dieser Gemeinschaft nicht zu wie in einer Anarchie. Es sind da die Apostel, es find da die Aeltefteri, es werden Diakone ausge­sucht, und es schreitet eine feine Organisation plan­mäßig fort. Aber die Menschen darin scheinen in ihrer Ordnung zu leben, wie die Töne auf wohl­gestimmten Saiten. Eine katholische Aktion ent­faltet sich, die ganz glüht in dem verzehrenden Feuer ihrer heiligen Idee. Gewiß, es war nicht immer Sonntag. Auch Paulus ist müde geworden auf seinen langen Reisen. Menschlichkeiten schli­chen sich ein, und wo sie das erste Geld zusammen-

Enlfettungs Kuren im Frühling sind besonders Erioln versprechend. Nebnien Sie bei Korpulenz oder Berawarmua zum Starkwerden moraens und abends 2—3 Tol» ba - K - rne, die Sie in Apotheken erhalten, sicher hol-Avotbete zum Schwan, Fnlda.

legten, da geschah sogar eine erste Lüge . . « Das verfluchte Geld! .... In den Grobstadtgemein­den ging es auch nicht ab ohne Skandale. Nein, es war nicht immer Sonntag. Vielleicht saß Pau­lus auch manchmal sinnend an seiner Zeltbahn sein Brot verdienend mit seiner Hände Ar­beit, und hat darüber nachgesonnen, wie die Ernte so groß und wie der Arbeiter so wenige. Aber doch hat man den Eindruck, es war auch wieder Sonntag. Jedenfalls herrschte der Sonntag. Das Christenleben hatte einen eigentümlichen inneren Schwung. Christ sein, das hieß Charakter haben, das hieß ganz aus einer anderen Welt leben, das hieß Auserwählung, das hieß Zugehörigkeit zur Gemeinde der Heiligen.

Viele Jahrhunderte sind seitdem vergangen. Wir denken heute an jene Tage, wie reife Men­schen an ihre Kindheit. Denn das da bei Lukas das ist unsere eigene Geschichte. Wie wir im Leibe Christi untereinander verbunden sind, so auch durch die Geschichte hin mit jenen allen, die vor uns aus der Gnade Gottes gelebt haben. Der Feuerstrom jener Geschlechter flutet auch noch in unfern Adern. Die Begeisterung jener Tausende hallt noch wieder in unfern Kirchen. Ja, es steht bei uns, daß der ewige Alltag sich in den ewigen Sonntag des Gei­stes verwandle. Denn er ist noch da mit feinen sieben Gaben, mit feinen kostbaren Früchten, mit feinem Brausen, mit seinen feurigen Zungen.

Gerade wir verstehen jenes erste Eeburtsfest der Kirche um so besser, weil die Welt wieder in neuen Geburten liegt. Ganz unverkennbar webt ein neuer Gemeinschaftsgedanke durch die Völker der Erde. So groß ist die Sehnsucht nach Friede, nach Versöhnung, nach der Freude des Herzens. An die Stelle des Sonntags ist der ewige Alltag getreten. Millionen von Menschen, die in der Freiheit ihrer Seele ein Gotteslied auf Erden iein sollten, müssen frohnden in harter Sklavenarbeit. Wird denn der Winter niemals enden? Einmal muß doch die neue Sonne kommen. Geduld, Ge­duld. Schon singt der Lenz in den Lüsten. Es ' kommt der Geist "nicht nach den Berechnungen un­serer Fahrpläne. Er kommt, wie die Stürme des Himmels kommen, man weiß nicht, von warmen sie wehen.- Ganz sicher ist doch das Eine, daß heute die Welt mehr als früher wieder auf die Stimme des Geistes harrt. Die alte Kirche beginnt doch ganz von neuem das Interesse auf sich zu ziehen. Unverkennbar ist es, daß man mit größerer Ach­tung von uns spricht, mit größeren Erwartungen uns betrachtet, mit stärkerer Sympathie uns grüßt.

Gewiß, es sind uns viele Hoffnungen zerron­nen, die auf einen neuen Geist warteten. An den Völkerbund haben manche geglaubt, wie an die Heilige Allianz. Sie glaubten sicher, es werde zu einer allgemeinen Abrüstung kommen müssen. Auch für die Vereinigung der Kirchen erhoffte man sich etwas aus den mächtigen Versammlungen, wie sie in Lausanne und in Stoc^olm gehalten wurden. Und es will nicht Frühling werden. Aber das alles zeigt doch nur, daß sich etwas bewegt in den Tiefen der Menschheit. Es beweist, daß unendlich viel guter Wille da ist. Es ist ein Ruf an die Kirche des Heiligen Geistes, sich der Menschheit von heute zu erbarmen. Jetzt muffen die Tore aufflie­gen. Jetzt müssen die Furchtsamen wie Helden hervortreten. Sprechen müssen sie, hingerissen von den feitet* einer anderen Welt. Blühen müssen sie in der reinen Freude der Kindschaft Gottes. Und sie werden fein wie die Menschen der ersten

unter den beiden großen Religionen der Stadt. Man dürfe nicht müde werden, den Gedanken laut auszuspre­chen, daß ein Christ, der treu zu seiner Kirche halte, erst recht Verständnis haben müsse für die Ueberzeugung des anderen. In diesem Sinne dürfe er die Dominikaner- freunde herzlich willkommen heißen und Segen aus ihr Werk herabwünschen. Zum Schluß sprachen die beiden Bischöfe Sebastian von Speyer und Hugo von Mainz. Dem Vorsteher aller deutschen Dominikanerklöster, Pater Prenzel aus Düsseldorf, blieb es vorbehalten, in seinem Schlußwort auszudrücken, daß die Dominikaner sich wahrhaftig nicht beklagen dürften über die Wärme des Empfanges, den sie hier gefunden hätten.

Unter Gesangvorträgen und Orgelklängen ging die Veranstaltung zu Ende

* Die persischen Kronjuwelen. Aus Teheran wird gemeldet: Die mit der Abschätzung der per­sischen Kronjuwelen beauftragten französischen Sach­verständigen haben dem Schah ihren Bericht unter­breitet. Der größte Teil der Juwelen besteht in Diamanten, Brillanten, Perlen und Smaragden. Einige Smaragde sind sehr gro& der Wert des größten wird auf 78 000 Dollar geschätzt. Unter den Brillanten befindet sich der berühmte Da- riainur, dessen Wert wqschätzbar ist.

Geburt der Kirche, und das Wunder der ersten Pfingsten wird sich erneuern.

Friedrich M u ck e r m a n n. S. I.

Katholische wett.

Einweihung der Paulskirche in Worms.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Donnerstag die Weihe der lange Jahrzehnte als Museum dienenden und jetzt wieder zum Gotteshaus hergerichteten Kirche St Pauli in Worms vorgenom­men. Die Bischöfe von Speyer und Mainz vollzogen die feierliche Handlung der Weihe.

Am Abend fand dann im Städtischen Saal die welt­liche Feier statt. In ihrem Mittelpunkt stand die Rede des hessischen Gesandten in Berlin Nuß. Der Redner machte zum Kernpunkt seiner Ausführungen die katholi­sche Aktion. Das neugegründete Dominikaner-Stift und die neu geweihte St. Pauli-Kirche seien Symbole des siegreichen Vorwärtsdrängens des kacholifchen Ge­dankens.

Nach ihm sprack Minister Kirnberger, der feiner zweifachen Freude Ausdruck verlieh: einmal als gläubi­ger Katholik und das andere mal als Diener des Staa­tes müsse er feine Anerkennung über das geschaffene Werk aussprechen. Der Oberbürgermeister der Stadt Worms, Rahn, feierte in seiner oft von stürmischem Bei­fall unterbrochenen Rede den Gedanken der Toleranz

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e l l e r.

Zur Kieler Tagung des Vereins für dar Deutschtum im Kurland.

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Das Rathaus von Kiel

sieht zu Pfingsten die Führer und Vertreter des. Vereins für das Deutschtum im Ausland zu Gast. Dortgeben sich die Kämpfer um deutschen Geist und deutsche Kultur in fremdem Land unter dem Vor­sitz des Gesandten a. D. Frhr. v. d. Bussche-Had- denhausen eine von gleichem Geist getragene Zu- sammenkunst.

*

Anläßlich seiner bevorstehenden Tagung in Kiel richtet der Verein für das Deutschtum im Auslande einen Aufruf an das deutsche Volk, in dem die drohenden Gefahren eindring lich geschildert werden. Die schlimmste Waffe in dem Kriege gegen das deutsche Volkstum, so heißt

es u. a. in dem Aufruf, ist die Vernichtung der deutschen Schulen. Man will der deutschen Ju­gend die deutsche Seele aus der Brust reißen und ihr eine fremde geben. Wenn das den fremden Völkern gelingt, dann ist das Deutschtum in den abgetretenen Gebieten rettungslos verloren. Dann ist auch das Schicksal des ganzen deutschen Volkes besiegelt, denn die Erhaltung oder die Vernichtung jenes Grenzdeutschtums entfcheidet über die Zu­kunft des deutschen Volkes. Der Aufruf fordert zum Schluß alle Deutschen auf, dem Verein für das Deutschtum im Auslande beizutreten, der keine Parteieen und kein Klassenunterschiede kenne. Das Ziel des Vereins sei allein die einige kulturelle deutsche Volksgemeinschaft.

17087

GUTSCHEIN

M. SCHONEBERG.

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Der goldene Mantel.

Roman von Heinz Welten.

22] ---------

Ulpianus sah weder das Schneetreiben auf der Gasse, noch hörte er die Worte des Wittes. Die Rede des Priesters lag ihm im Ohr und riß an seiner Seele. Gutes sollen wir tun und dankbar sollen wir sein. Denn der Herr straft am Tage des Weltgerichts schwerer als alle Sünder den Undankbaren und schwerer als den Un­dankbaren den, der Gutes vergilt mit Bösem. Wie wird er dereinst bestehen vor dem Antlitz des Herrn, er, der das Gute vergilt mit Lug und Trug? Und wenn er auch stets zurückzahlt, was er erhält, zahlt er es nicht dadurch, daß er immer ein neues, größeres Darlehen er­hebt für das alte? Und wenn er auch alle Gläubiger befriedigt, wird er auch den letzten noch zahlen können? Wird das Geschäft, von dem er sich so großen Nutzen erhofft, daß er all seiner Schulden ledig werden kann, kommen, ehe der Tod ihn ereilt? Wie sagte der Prie­ster: Das Ziel, das man zu erreichen hofft, ist nicht immer das Ziel, das man erreicht. Und leichtlich kommt das allerletzte Ziel — — sehr bald. Und weiter hat er gesagt: Wenn auch nur eine einzige Guttat, so dir einer erwiesen, unvergolten bleibt, oder sie gar vergolten wird mit Bösem---

Der Lammwir war neben ihn getreten. „Seid froh, daß Ihr im Haus seid! S' ist Euch ein Wetter, bei dem man keinen Hund auf die Gasse jagen möchte."

Ulpianus drehte sich um; er hatte vergessen, wo er war. „Wie meint Ihr?"

„Ich mein, nicht einen Hund möchte man auf die Gas­sen jagen bei diesem Wetter."

Ulpianus schaute ihn leer an. „Ihr habt recht, nicht einen Hund, aber mich, aber mich."

Er schritt zur Tür und riß seinen Hut vom Nagel.

„Ich geh auf den Nikolausberg in die Wallfahrts- ’iretje zur Frühmesse. Wünsch' geruhsame Nacht!"

Che der Wirt etwas erwidern konnte, war er zur hinaus. Der Lammwirt schüttelte den Kopf. Nicht

einmal den Mantel hatte er mitgenommen. Im Flausch­rock ohne Mantel und ohne Stock den Nikolausberg hin­auf bei solchem Wetter!

♦

Als ein anderer war Ulpianus von Rothenburg fort« gefahren, als ein anderer kehrte er zurück. Wie Schuppen war es ihm von den Augen gefallen. War er blind ge­wesen! Ein Wohltäter hatte er werden wollen! Ein Betrüger, ein Zechpreller war er geworden. Und immer weiter würde er die Menschen betrügen, würde Schuld auf Schuld häufen, bis sie so groß wurde, daß er unter ihr zusammenbrach.

Wie wächst eine Lawine? Ein winziges Steinlein, das vom Hufe des flüchtenden Rehs getroffen wird, rollt über den Abhang talwärts. Schnee backt an, mehr und mehr. 'Schon formt sich eine weiße Kugel, wächst und wächst. Donnernd stürzt die Lawine gen Tal und jpannt ihr Leichentuch über Menschen und Tiere.

Gründlich ging Ulpianus mit sich zu Rate und ließ sich nicht genügen an wohlfeilen Klagen und Wehleidig­keiten.

Wenn er seinen Lebenswandel noch ändern würde! Wenn er ein billiges Quartier nähme und fein Gewerbe ausüben würde gleich anderen Aerzten? Vielleicht, daß er noch feiner Schulden ledig werden und sich das Him­melreich verdienen könnte. Freilich war die Summe seiner Verbindlichkeiten groß, größer, als er sie geglaubt hatte. Als er einen Ueberschlag machte, erschrak er über die Zahl. Aber wenn er sich recht einschränken, wenn er die neue Verbindung mit dem Nürnberger eingehen, die alte dem mit dem Lammwirt aufrechterhatten würde, er hoffen, noch einmal alles begleichen zu können. Der Lammwirt würde ihm jetzt redlich dienen; der machte das Schelmenstücklein kein zweites Mal. Und auch von dem Nürnberger konnte er sich eines guten Gewinnes verhaften. So ihm Gott noch einige Jahre Leben und Gesundheit ließ, würde alles gut ausgehen, also, daß er am Tage des Gerichts nicht schlechter sein würde denn ein anderer.

Doch ein Rad, das auf abschüssiger Bahn ins Rollen kommt, rollt und rollt und spottet der Menschen Hand, i die in die Speichen greift

Vis zum Neujahrstage war alles gut gegangen. Ul­pianus war fernen Vorsätzen treugeblieben, hatte sich eingeschränkt, so gut er vermochte.

Doch als der Neujahrstag tarn und mit ihm das große Ratseffen, an dem er teilnehmen Durfte, als er neben Iacobea zu sitzen kam, die in ihrem Staatskleid so wun­derbar schön aussah, daß er sie immer ansehen mußte, als Trinksprüche auf ihn ausgebracht wurden, ertranken im Wein und in der glückseligen Stimmung, Die ihn er­griffen hatten, alle guten Vorsätze.

Die Sonne ftanD schon hoch am Himmel, als er am nächsten Morgen erwachte. Mählich nur kam ihm Die Erinnerung. Mit Dem Rektor Jckelsheimer hatte es an- gefangen, Der zum Dank für eine namhafte Summe, Die er Der Lateinschule gefpenDet, seine Gesundheit ausge­bracht hatte. Dann war der Präzeptor Textor mit ver­bindlicher Gebärde an ihn getreten und hatte ihn um eine Gabe für die fahrenden Schüler gebeten. Denn er verwaltete eine Kasse, aus der die Fahrenden gespeist und, wenn es not tat, mit einem kleinen Viatikum beehrt wurden. Zehn Gulden hatte er geben wollen. Doch als er die Liste einschaute, in die schon etliche ihren Namen eingetragen hatten, las er, daß viele vierzig und gar fünfzig Gulden geben wollten. Da schrieb er unter den Blicken Jaeobeas, die zugleich die Liste einsah, seinen Na­men und dahinter: Hundert Gulden.

Er entsann sich noch genau, wie es gewesen war, wie er geschwankt und überlegt hatte, wie er gar zweihundert Gulden hatte hinschreiben wollen und wie froh er ge­wesen war, daß er es nicht getan hatte. Hundert ober zweihundert Gulden! Wie gleichgültig war das jetzt, da alles am Ende war. Denn mit der einen Sammlung war es nicht zu Ende gewesen. Noch andere hatten seine Gesundheit ausgebracht und er hatte erwidern müssen. Dann war Der große Humpen des Altbürgermeisters Nusch herumgegangen und alle, Ratsherren sowohl als Gäste, hatten ihn austrinken müssen zu Ehren und stil­lem Gedenken des IKaven Nusch, der die Stadt vor dem Tilly gerettet hatte. Und dann war Herr Winterbach aufgestanden und hatte von dem Kinderspital gesprochen, das die Stadt errichten sollte. Die Iacobea war ihn Darum angegangen, weil sie meinte, Daß bei fotaner Ge­

legenheit die Taler lose in der Tasche sitzen und manch einer gibt, der sonst nichts für andere übrig hat. Sie hatte sich nicht geirrt. Als Herr Dickhauser erwiderte, daß die Stadt wohl das Spital bauen möchte, daß aber solch ein Haus mitsamt der Verwaltung und den sonsti­gen Kosten gut und gern auf zweitausend bis dreitausend Gulden zu stehen komme, und daß der gleiche Betrag da sein müsse, damit aus den Zinsen die Ausgaben ge­deckt würden, soweit sie nicht durch laufende Einnahmen aufgebracht werden könnten, daß aber für alles dieses kein Geld im Stadtsäckel wäre, hatten sofort einige nach Listen gerufen. Und als Herr Winterbach und der Ma­gister Textor geschwind eine Liste zusammenstellten, hatte sich keiner geroeigert und namhafte Summen waren zu- fammen, bis Die Liste an Den Melchior Deuschlin kam. Der als Der Schwieger Des Altbürgermeisters auch gela­den roorben war unb zur anberen Seite Jaeobeas saß. Da hatte Herr Deutschlin auch seinen Namen eingetragen unb zweihunbett Gulben bazu geschrieben. Der Magister Textor hate alles zusammengezähtt unb gesagt: „Jetzt fehlen just noch 1000 Gulben; bann kann ber Bau los­geben.".

Dann hatte Iacobea ihm Die Liste gegeben unb er hatte hineingeschrieben: Dr. Ulpianus, taujenb Gulben. Er hatte gar nicht anbers können, unb wenn es noch einmal so wäre unb wenn gleich hinter ihm ber Tob stünbe, ber ihm bafür bie Kehle zubrücken würbe, er würbe roieber nichts anberes schreiben. Denn bie Iacobea war sofort aufgesprungen unb war ihm am Halse gehan­gen unb hatte ihn geküßt unb sie hatte Tränen in Den Augen gehabt, bie Heller unb klarer waren als bie schön­sten Demanten. Das war wohl wert, baß einer sein Leden Darum geben konnte. Auch bie Senatoren hatten ihm gebankt und Der Bürgermeister hatte ihm gesagt, Daß er noch einmal Ehrenbürger Der StaDt roerDen würde. Es war eine Stunde voll reinster überirdischer Glückseligkeit gewesen, daß einer dafür sterben möchte und hätte sie nicht zu teuer bezahlt.

Doch das war alles gestern gewesen und heute sah er auf feinem Bett unb rechnete unb rechnete und wußte, daß er eintausend unb einhunbert Gulben zahlen sollte, in wenigen Tagen. (Forts, folgt.)