JVp 115.
Samstag, ven 18. Mai 1929.
Fuldaer Zeitung
3. Blatt.
ch-^chi Druck der Fuldaer Acfienvruckerei, Fulda.
Bulgarien feiert
Tausend Jahr-Jubiläum des „Goldenen Zeilalkers. — Fünfzig Iahre freies Bulgarien. — Zehn Jahre
König Boris.
Schon im vergangenen Jahre plante Bulgarien große Feiern anläßlich des tausendjährigen Jubiläums des sogenannten „Goldenen Zeitalters" Bulgariens und der fünfzigjährigen Wiederkehr der Errichtung eines selbständigen Bulgarien. Zugleich wollte man auch dessen gedenken, daß im Oktober 1928 König Boris sein zehnjähriges Regrerungs- jubiläum feierte. Die furchtbaren Erdbebenkatastrophen, die im Frühjahr 1928 fast den ganzen Balkan erschütterten, stürzten auch Bulgarien in tiefe Nationaltrauer und verursachten eine Verschiebung der Feierlichkeiten auf Mitte Mai 1929. Diese Feierlichkeiten haben nun in Bulgarien und überall dort im Ausland, wo bulgarische Staatsangehörige sich zu bulgarischen Kolonien zusammengesunden haben, begonnen und stehen unter dem Zeichen des Wortes eines modernen bulgarischen Dichters: „Bulgarien nicht im Grabe seiner Vergangenheit, sondern in der Wiege seiner Zukunft!"
Die Zukunft erst muß Bulgarien die Verwirklichung dieser Dichterverheißung bringen, denn wenn auch ein Jahrzehnt, das von schweren Kriegserschütterungen verschont blieb, mit dem Regie- »ungsjahrzehnt des Zaren Boris zusammenfällt und also gegen das seiner Regierungszeit vorangegangene Jahrzehnt, das vom Weltkrieg und drei Balkankriegen durchtobt wrirde, eine Erholung bedeutet, so muß sich doch der Blick aus der Gegenwart aufwärts richten, um den Glanz und die
Bilder vom Tage.
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Gesandter Freiherr v. d. Dussche-tzaddenhaufen wird als Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland die Verhandlungen der Festtagung, die am 19. Mai in Mel stattfinden wird, leiten. Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, das Deutschtum im Auslande auf allen kulturellen Gebieten zu stärken und hat sich dabei große Verdienste um die Erhaltung deutscher Art und Sitte fern von der Heimat erworben. Freiherr v. d. Bussche-Haddenhausen, der tatkräftige Vorsitzende, war früher deutscher Gesandter in Buenos Aires.
Macht des goldenen Zeitalters richtig erkennen zu können.
Vor tausend Jahren, unter der Regierung des Zaren Symeon, des größten bulgarischen Herrschers, war Bulgarien die Vormacht am Balkan, geistiger Mittelpunkt der okz.dentalen Welt neben Byzanz, das ihm tributpflichtig wurde. Zar Symeon war der Sohn des ersten christlichen Bulgarenfürsten und betätigte sich nach seiner Thronbesteigung nicht nur als machtvoller Herrscher, sondern vor allen Dingen als Förderer und Mehrer bulgarischer Kultur, die damals die geistige Phy
siognomie aller Gebiete zwischen Schwarzem Meer und Adria, zwischen Saloniki und dem nördlichen Serbien bestimmte. Das Jahr 1928, das Todesjahr des Zaren Symeon, stellte den Gipfelpunkt bulgarischer Größe dar und eben darum hat man das Jahr 1928 ins Auge gefaßt, um Bulgariens vergangenes goldenes Zeitalter zu feiern.
Die Schwäche der Symeon folgenden Herrscher ließ Bulgarien dem mächtigen Byzanz wieder zur Beute werden, und nur ein kurzer Aufschwung unterbrach das Zeitalter des Niedergangs, das schließlich Bulgarien ein Raub der Sultane werden
Gottesdienstordnuncl.
Katholischer Gotterdienst.
S onn ta a,19. Mai. Pfingstfest, fiulba. Dom. I.BeiLt- gelegenheiten sind: Samstag morgens von * 26 Ut;r ab; nachmittags von 2—3 für Kinder; von *45—7 Uhr und von V28 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von *46 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: *46, 6, *47 und 7 Uhr hl. Messen mit Gelegenheit zum Empfang der hl. Kommunion. 7 hl. Messe und Komm, der Junqfrauen- Sodalität in der Marienkapelle. 8 Uhr Pfarramt mit Predint, Aussetzung und Umgang und Komm, des 5. Schuljahres und der christenlehrpflicht. Jungfrauen und aller Jungfrauen der Dompfarrei. *410 Pontifikalamt mit Segen. *412 letzte hl. Messe mit Predigt. *42 Uhr Andacht zum hl. Geist. 843 Andacht der Jungfrauen. 4 Uhr Bischof!. Vesper mit Segen. 7 Uhr Maiandacht. 3. Werktagsgottesdienste: Jeden Morgen von *46—7 Uhr halbstündlich hl. Messen mit Kommunion-Austeilung. *48 Pfarrgottesdienst mit hl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte hl. Meße mit Austeilung der heiligen Kommunion. Jeden Abend um */»8 Uhr Mai-Andacht mit Segen. Mittwoch, Freitag u. Samstag sind Quatembersasttage. — Ltadtpsarrktrche. Beichtgelegenheiten: Samstag nachm. v. 3—7, 7‘A—8'4. Sonntag früh 6—7. Sonntagsgottesdienste: 6 hl. Messe und Komm, der Hausbediensteten. 6’/« hl. Messe und Kommun, der Jungfrauen 8 erster Schulgottesdienst, Predigt und Komm, des 5. und 6. Schuljahres. 91/» Hochamt und Festpredigt. 11 zweiter Schulnottesdienst und Predigt. 2*4 fakram. Pfingstand. 31/« Andacht der Jungfr.-Sodalität. 4 Andacht für die Kongregation des Notburgavereins in der Siverikirche. S Maiandacht. Die hi. Komm, wird von 6—7'/« Uhr jede halbe Stunde gespendet, außerdem um 8'/, u. 9*4 Ubr. — Pfarrkirche ;um hl Geist. 6—7 Beichtgelegenheit. 7 Uhr rühmesfe mit Ansprache. 8 Uhr feiert. Hochamt und Piedigt. ”411 Uhr Kindergottesdienst mit Ansprache. *43 Andacht für die Jungsr.-Kongregotion mit Ansprache. 5—6 Uhr Beichtgele ienheit. Um 8 Uhr Maiandacht. — 5t Sturmius - Pfarrkirche. 7*4 Komm.-Austlg. 71/« Uhr Frühmesse mit Predigt. 9*4 Uhr Hochamt mit Predigt. Darauf Christenlehre. Um *42 Uhr Segensandacht. — kldteikircheder Benediktinerinnen. Sonntag8,«6 stille Messe, */«9 Uhr Konventamt, 3 Uhr nachmittags Vesper — herz-Jesu-heim. Sonntags um 6 Uhr hl. Messe. 8 Uhr Preoigt und Amt. 2 Uhr Andacht und Segen. Werktags 6 bl. Messe. Mittwoch abend 8*4 Andacht und Se^en. — Zriedhofrkapelle cm Zranzosenwäldchen. Sonntag: 6'7 hl. Messe mit Ansprache uns Kommunion-Austeilung. Werktags: 7 hl. Messe mit Kommunion-Austeilung. — Seoerikirch». 7 hl. Messe. 8 Oberrealschulgottesdienst. — Zranenvrrg. Ablatztag wegen des Festes des hl. Ivo, Bek. vom 3. Orden und Generalabsolution für die Terziaren. Hl. Messen von 5 Uhr (mit Maiandacht) bis 7 Uhr. 8 Uhr Singmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. s/<9 feiert. Terz, darauf Levitenamt mit Aussetzung u. Festpredigt nach dem Evan-elium. 2 Uhr Predigt, Andacht und Umgang für die Funf-Wunden-Bruderschaft. (Wählend des Monats Mai wird jeden Morgen tn der 5 Uhr-Meffe eine öffentliche Maiandacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria abgehalten).
Neuenberg. */«9 Uhr Amt und Predigt. — Lehner;. *410 Uhr Amt und Predigt. — Dieterrhan. 8 Uhr Amt und Predigt.
Pfingstmontag, 20. Mai. Hulda. Dom. Sonntag nach der Vesper und Montag früh von */«6 Uhr ab Beichtaelegenheit. Gottesdienste: */«6, 6, *47 und 7 Uhr hl. Messen mit Komm.-Austlg. 8 Pfarramt mit Pred. VilO Kathedralamt mit Pred. *412 letzte HI. Messe mit Pred. V«2 Pfingstandacht mit Segen. 4 Pfingstandacht mit Segen. 7 Uhr abends Maiandacht mit Segen. — §tad*pfarrkirche. Beichte: Sonntag nachm. 41/«—7, 7'/« bis 8'/«, Montag früh 6—7. Festtags - Gottesdienste: 6 hl. Messe. 634 hl. Meffe. 8 erster Schul gotteSdienst und Pred. 9'/« Hochamt und Pred. 11 zweiter Schulgottesdienst und Pred. 2'/, sakram. Pfingstandacht. 8 Uhr Maiandacht. Kommunion-Austlg. wie Sonntags. Werktagsgottesdienste: 6,6*4, 7*4 und 8 Uhr hl. Meffen. Jeden abend um 8 Uhr wird die Maiandacht gehalten. Mittwoch, Freitag, Samstag sind Quatemberfasttage. — Pfarrkirche zum hl. Seist. 6—7 Uhr Beichtgelegenheit. 7 Uhr Frühmesse und Ansprache. 8 Hochamt, Predigt. ’411 Kindergottesdienst, Amprache. 8 Uhr Maiandacht. An Wochentagen 6 Uhr Frühmesse. 7*/« Schulgottesdienst. Beichtgelegenheit jeden Morgen */« Std. vor dem Haupt- gottesdienst, Samstags von 4—6 Uhr nachmittags. In der Hl. - Geistkirche kann am Pfingstmontag wegen des Titularfeftes ein vollk. Ablaß gewonnen werden. — Ndteikirche der Benebittinerinuen. '46 Uhr stille Meffe, um */ 9 Uhr Konoentamt, um 3 Uhr nachm. Vesper. — Sriedho'skapelle am zranzosenwSIdchen. Wie Sonntags — Frauenberg. Ablaßtag we en des Festes des hl. Bernardin von Siena, Bek. vom 1. Orden. Hl. Meffen von 5 Ubr (mit Maiandacht) bis 7 Uhr. 8 Uhr Bruderschaftsmeffe mit liturg. Gebeten. 9 Uhr Levitenamt. *43 Predigt und Andacht für die Terziaren mit Einkleidung und Profetzabnahme.
Neuenberg. *49 Uhr Amt mit Predigt. — Lehner;. 8 Amt Mit Pred. — Dieterrhan. *410 Amt mit Pred.
Pfingstdienstag, 21. Mat. Zrauenberg. Fest des hl. Krisprn, Bek. vom 1. Orden. Ablatztag. Gegen */«7 Uhr Levitenamt mit Aussetzung.
Evangelischer Gottesdienst.
Pfingstsonntag, den 19. Mai. gulba. 8 und 9*4 Uhr 'Heil. Abendmahl) Pfarrer Hattendorff. — Bad Salzschlirf. 10 Kreispfarrer Weber (Hl. Abendmahl).
Pfingstmontag, den 20. Mai. 8 Uhr
Kreispfarrer Weber (zugleich Militärgottesdrenst). 9*/» Kreispfarrer Weber. — Schlatz Bieberstein 9*/« Uhr Pfarrer Hattendorff. — Großenlüder. 1'4 Uhr nachm. Pfarrer Haltendorff. Amtswoche Pfarrer Hattendorff.
ikvangel. landerkirchl. Gemeinschaft, Zulda, Buttlarstr. 17.
Sonntag, 19. Mai. Abends 8 Uhr Evangelisationsversammlung. Dienstag abend um 8*/« Uhr Bibel- und Gebetstunde.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, den 18. Mai. Omer 9.30. — Vor- abends 7.15, morgens 7.30, nachmittags 5.00, Sabbatausgang 9 05.
Wochentags: Morgens 6 20, nachm. 8.45.
ließ. Fast fünf Jahrhunderte dauerte das türkische Joch. In religiösen Beziehungen war Bulgarien dem griechischen Patriarchat m Konstantinopel unterstellt, das sich befleißigte, jede nationale Regung der Bulgaren zu unterdrücken. Trotzdem versuchten bulgarische Patrioten in inehrfachen blutigen Aufständen das verhaßte Joch abzuschütteln und wenn diese Kämpfe auch ihrem Umfang nach nicht ins Auge fallen, so gehören sie doch kraft der grenzenlosen Hingabe, mit der sie . geführt wurden, zu den ehrenvollsten der bulgarischen Geschichte. Erst als Rußland in immer betonteren Gegensatz zur Türkei geriet und seine Forderungen gegen Konstantinopel immer agressiver vertrat, schien sich für Bulgarien die Zukunft zu lichten. Rußland, als Schutzherr des Panslawismus, glaubte sich zum Protektorat über die slawischen Völker des Balkans berufen und vielleicht wäre schon vor hundert Jahren, durch den Frieden von Adrianopel, ein selb- tändiges Bulgarien erstanden, wenn die Kämpfe fegen die Türkei, die durch diesen Frieden abge- chlossen wurden, Rußland nicht bis zum letzten er« chöpft hätten, sodaß es kein Interesse mehr dafür hatte, den Abschluß des Friedens durch allzu nachdrückliches Eintreten für fremde Interessen zu ge- fährden. So mußte Bulgarien auf den Frieden von San Stefano (1878) warten, der den zweiten russisch-türkischen Krieg beendete und nun wirklich einen selbständigen bulgarischen Staat schuf, der nach dem Plan des russischen Zaren alle von Bulgaren bewohnten Gebiete mit Ausnahme der nördlichen Dobrudscha umfassen sollte. Der Einspruch Englands und Oesterreich-Ungarns gegen diesen Plan bewirkte, daß nur ein verstümmeltes Bulgarien anstatt des geplanten Groß-Bulaarien zustande kam. Erbitterte innenpolitische Kämpfe zwischen Russenfreunden und Russenfeinden waren die Folge dieser Entwicklung, zumal der russische Zar Alexander II. ein Recht darauf zu haben glaubte, sich bei allen möglichen Gelegenheiten in die inneren Verhältnisse Bulgariens zu mischen. Die Tragödie des Prinzen von Battenberg ist noch in lebendiger Erinnerung; der Bruch mit Rußland wurde unheilbar, als gegen den Willen Rußlands Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg den Thron bestieg, der sich wohl nur durchsetzen konnte, weil er in seinem Ministerpräsidenten Stambulow den Mann fand, der klug und zugleich brutal genug * war, um die innere Spaltung zu beseitigen. Was Ferdinand so aufbauen konnte, zerfiel im zweiten Balkankrieg und schließlich im Weltkrieg. Bul, Aarten erlebte sein Versailles in Neuilly. König Boris hat noch wenig aufbauen können, er mußte sich damit begnügen, zunächst einmal ein Trümmerfeld zu reinigen. Vielleicht wird das zweite Jahrzehnt seiner Regierung den Beginn des Aufstieges bringen, der dem bulgarischen Volke ehrlich zu gönnen ist. *
Reichspräsident v. Hindenburg hat anläßlich des bulgarischen Unabhängigkeitstages ein Telegramm an den König der Bulgaren gesandt.
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