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LinzerliMlver 10 Vkg. (M Il-vilr. Beilage 15 VM

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Freitag, 17. Mai 1929

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Gras Zeppelia" aus seiner Weiten AmeriKasahrt

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«itKbeinl lechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt tm ®ili>" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckcrei in Fulda. Fernsprecher Nr. ft

Monat!. 1,80 einschl. Postgeb. (30 beov 48 Pf.), obneZuttella

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist Don­nerstagfrüh nm 6 Uhr progrmnmäßig von Friedrichshafen zu seiner zweiten Amerikw- fahrt gestartet.

Die leere Reichskasse.

Zu der Notiz eines Berliner Blattes, daß Verhandlungen über Vorschüsse auf die neue Reichsanleihe im Gange seien, ist zu sagen, daß, da die Anleihe erst in den er st en Tagen des Juni aufgelegt werden kann, die Gehälter aber am Ultimo'gezahlt werden müssen, allerdings die Beschaffung solcher Vorschüsse notwendig ist. Die Verhandlungen mit den Banken sind im Gange und nicht, wie behauptet worden ist, gescheitert.

Die Auflegung der neuen Reichsanleihe.

= Berlin. 16. Mai. «Eta. Meld.). Wie du B. Z. am Mittag erfahren haben will, wird die neue Reichsanleihe, zu der heute noch voraussicht­lich der Reichsrat die Ermächtigung erteilen wird, am 24. Mai aufgelegt, während die Zeichnungs- frist bis zum 31. Mai läuft.

Einkommensteuer für Länder und Gemeinden auf weitere zwei Jahre rechnen müsse. Der einzige bewegliche Faktor in der Finanzgebarung von Ländern und Gemeinden seien die R»al - steuern. Eine Neuregelung des kommunalen Lastenausgleiches vor dem endgültigen sogenann­ten Reichsfinanzausgleich fei möglich und nötig. Die im preußischen M'nisterium des Innern auf- gestellte Denkschrift zeige in dankenswerter Weise den gegenwärtigen Zustand sowie gewisse Wege zur günstigen Neuregelung. Der Estelle Schwerpunkt der kommunalen Ve?

dem Laiche (el infolge {einer (Entnr

Glatter Start des Luftschiffes am vonnerstagfrüh. — Fahrt über Frankreich. Günstige Wetterlage auf der südlichen Route. — voraussichtliche Ankunft in Amerika am Samstagnachmittag.

Ä1 n z g en - P r e l) e Mlcm^eile (Colonel) loten 0,15 X# auswärts 0,20 JUl Re!Ia m eze >1 e: l***' ncn auswärts 0,80 JUl. Bei W>ederbolunqe---------

PoMckieckkonto Frankfurt a. 91t Nr. 4051.

VDZ. Berlin, 16. Mai. (Eig. Meld.) Ohne Aussprache werden am Donnerstag zunächst die Luftverkehrsnbkommen mit Holland und Norwegen sowie der Gesetzentwurf über die weitere Hinaus- schiebung der Bindung der Länder und Gemeinden an die nach dem Reichsbewertungsgesetz festgesetzten Einhsitswerte in allen drei Lesungen angenommen.

Auf der Tagesordnung steht dann der Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über eine ganze Reche von Strafverfoloungsanträgen gegen Abge­ordnete. Der Ausschuß beantragt die Genehmi­gung zur Strafverfolgung der Abgeordneten Bertz (Kommunist) in einem Falle und Strasser (Nat.- Soz.) in zwei Fällen. Kommunisten und National­sozialisten unternahmen für ihre Freunde vergeb­liche Rettungsaktionen. Der Strafverfolgung wird z u g e st i m m t.

Die preußischen Landkreise.

Die Hauptversammlung der preußischen Land­kreise tagte in Berlin unter dem Vorsitz des Land­rates Dr. v. Achenbach. Der Präsident des Preu­ßischen Landkreistages, Dr. v. Stempel, legte in seinen Ausführungen großen Nachdruck auf die Berhältniffe der Gemeindefinanzen. Bei dieser Gelegenheit kam er auch auf die Anleihe­möglichkeit und auf die Anleihenotwendigkeit zu sprechen. Ministerialdirektor Dr. Hog sprach über den Landesfinanzausgleich. Er betonte, daß man mit einer Hinausschiebung des Zuschlagrechtes der

fitzung wird ein Antrag des Abgeordneten Obuch (Kom.) angenommen, einen kommunistischen An­trag mit dem Justiz-Etat zu verbinden, der bei der Reichsregierung ein Gesetz errwrken soll, wo­nach Schnellverfahren, die ohne Anklageschrift er­folgen, nur durchgeführt werden sollen, wenn der Beschuldigte mit dieser Art des Verfahrens einver. standen ist. Dann erledigte der Landtag klein-- Vorlagen.

8ahttgeuoUen.

Ein prominenter Vertreter der Deutschnationa­len Volkspartei, wenn uns unsere E'.innerung nicht täuscht, war es der große Helsferich selber, hat ein­mal mit einem gewissen Stolz seine Partei ein Sammelbecken genannt, in dem alle rechtsgerich­teten nationalen Kraftquellen zusammenflößen, um dann gesammelt von einem klugen und zielbewuß­ten Führer einem großen einheitlichen Ziele dienst­bar gemacht zu werden. Wenn dieser Vertreter heute seine Partei noch einmal kurz charakterisieren sollte, müßte er, sofern er die Wahrheit nicht scheute, zu anderen Vergleichen kommen. Heute ist die Deutschnationale Volkspartei kein großes Kräfte- reservoir mehr. Heute ließe sie sich eher verglei­chen mit einem Kraftomnibus älteren Modells, der von buntscheckiger Gesellschaft überbesetzt ist. Wenn ein derartiges Fuhrwerk über schadhafte Stellen im Straßenpflaster holpert, wenn es ungeschickt gelenkt wird, wenn es hastig stoppt und hastig anfährt, werden die Passagiere durcheinandergeschüttelt. Dann schimpfen sie über den Fahrtgenossen und über den Führer. Heber beide seien hier ein paar Worte gesagt.

Die Gesellschaft im Omnibus ist, wie gesagt, sehr buntscheckig, sehr zusammengewürfelt. Mancher von den Passagieren benutzt das Vehikel übrigens nur ungern, nur deshalb, weil er sich keinen eigenen, kei­nen vornehmeren Wagen leisten kann. Die find gewöhnlich ganz unerträglich. Da sitzen in einer guten Ecke die Alldeutschen neben den Unentwegten um Freytagh und Dr. Bang. Sie bedeuten eigent­lich wenig, aber sie reden viel und vernehmlich. Durch sie kommt öfter Streit in den Wagen und das ist dem Schaffner dann peinlich. Die besten Plätze halten noch immer die Akttonäre der Omni­busgesellschaft inne, die Schwerindustriellen und Großagrariers die wissen, warum sie ihr Geld in das Unternehmen gesteckt haben. Um ganz sicher zu gehen, daß sie von ihren guten Plätzen nicht eines Tages doch noch verdrängt werden, haben sie üb­rigens Handfeste Leute mitgebracht, deren Zweck durch,einen kleinen silbernen Stahlhelm, den sie im Knopfloch tragen, deutlich gekennzeichnet ist. So­dann fahren im deutschnattönalen Omnibus noch eine ganze Menge Leute mit, die nicht wollen, daß die guten Plätze immer nur für ein und dieselbe Klasse von Fahrgästen reserviert bleiben, die da­für kämpfen, daß auch sie einmal fitzen dürfen. Auch durch diesen Anspruch der Christlich-Sozialen um Mumm und der Arbeitnehmer um Lambach ist im deutsch nationalen Omnibus schon manches Ge­dränge entstanden. Die Iungkonservativen, die Leute des „Ring" oder der Preußenbund wollen ebenfalls nicht immer auf der Plattform stehen und wenn man den Hauptverein der Konservativen, die „Traditionskompagnie der Deutschnattönalen", nach dem Gewicht seines Namens oder nach dem „Elan" feiner Kundgebungen beurteilen könnte, dann müßte er unmittelbar vor dem Sturm auf die Fen­sterplätze stehen.

Allerdings beginnt der Hauptverein der Konser- vattven in der letzten Zeit ganz sachte zu schillern. Man braucht nur feine beiden Kundgebungen vom Mai 28 und vom Mai 29 miteinander zu verglei­chen, um das festzustellen. In seiner Botschaft vorn Mai 1928 hat der konservative Hauptverein neben der Wiederherstellung des Bismarckschen Bundes- staates, mithin der preußischen Hegemonie, die „Wiedergutmachung des an unfern angestammten Fürsten begangenen Verbrechens unter Rückkehr zur Monarchie" verlangt. Es hat also die Wieder- aufruhtung aller Throne und Thrönchen gefordert, ®tr vor dem Zusammenbruch in Deutschland a haben. Auch der „Schutz gegen Ausbeutung , tch oas internationale Kapital" stand damals, als der „Geldfürst" Hugenberg noch nicht Partei­führer war, m den programmatischen Richtlinien tt>e-5X°-roa,tDen Hauptvereins. Seine neuesten Richtlinien aber, die vor einigen Tagen veröffent­licht wurden, enthalten vom Kapitalismus kein Wort mehr. Auch bezüglich der zahlreichen deut- schen Vaterlander scheint sich seit Jahresfrist ein ge- miffer Wandel vollzogen zu haben. Es wird näm- li ch nur noch b t e Wiedererrichtung der Hohenzollernmonarchie gefordert. Von ben übrigen „angestammten Fürsten" will man im konservativen Hauptverem heuer nicht mehr viel wissen. Man beschrankt sich jetzt auf eine matte Ab­wehr von „geschichtswidrigen Bestrebungen zur Zentralisierung auf Kosten berechtigter Eigenart" Die nach dem Zusammenbruch der" Monarchie im Jahre 1919 vollzogene Neuerung des Deutschen Reiches soll also nur teilweise, nur in fo weit re­vidiert werden, als man den Thron der Hohen- zollern wieder aufstellen will. Mit den übrigen diesbezüglichen „Errungenschaften der Revolution", mit der Entthronung der anderen Fürsten, sind die' Konservativen dieses Jahr nicht ganz unzufrieden. Wie es scheint, hat man im Prinzip den Kampf gegen die an den „andern angestammten Fürsten begangenen Verbrechen" ebenso aufgegeben, wie den Kampf gegen das internationale Kapital. Man hat sich also in etwa schon angevaßt, gibt sich aber dabei immer noch „altpreußisch", tut immer noch fo, als wäre man etwas, und sieht car nicht ein, daß die Herrschaft der preußischen Konservativen nur auf dem Dreiklassenwahlrecht beruhte und daß, ebenso wenig wie an eine Rückkehr des Dreiklas- lenwahlrechts an eine Wiederausrichtung des jun­kerlichen Regimes in Deutschland zu denken ist.

Bleibt noch ein Wort über den Führer des deutschnationalen Omnibusses. Man ist nicht zufrie­den mit ihm. Täglich mehrt sich in den deutsch-- nationatan Reiben die Zahl derer, die Hugenbergs Ouallfikation nicht mehr für a"sreichend halten. Neulich hat die deutschnationale Reichstagsfraktion hi wichtigen Fragen offiziell eine Haltung einge­nommen, die der des Parteiführers entaeaengefeftt war. Bedeutende Gruppen der deutschnationalen Volkspartei bekämpfen ibn schon seit längerer Zeit. Hugenberg fühlt die wachsende Auflehnung. Er wagt, wie das „Berliner Tageblatt" dieser Tage ganz richtig betonte, nicht mehr »m Reichstag nx

totb. Friedrichshafen, 16. Mai. (Eig. Meldg-1 Sieben Monate nach seiner ersten Amerikafahrt ist es nun so weit, .daß der Graf §»^«llin s-cklw zweite Fahrt nach dem Kontinent jenseits des Atlantik antritt, diesmal mit zahlreichen zahlenden Passagieren und wertvoller Ladung an Bord.

In der Stadt und auf dem Werftgelände wird es schon kurz nach Tagesanbruch lebendig, befon- ders in den Quartieren der Passagiere und der Zeitungsleute geht es aufgeregt zu. Die Straßen und Wege find aufgeweicht, da es die ganze Nacht hindurch geregnet hat. Auch jetzt ist der Himmel mit tiefhängenden regenschweren Wolken über­zogen. Vor dem von den Polizeibeamten streng gehüteten Eingangstor der Werft und um den Platz heranm drängen sich zahlreiche Neugierige und verfolgen gespannt die Abfertigung der reihen­weise eintreffenden Kraftwagen mit Fahrgästen und sonstigen Bevorzugten, die Zutritt haben. Gegen 5.30 Uhr kommt allmählich Leben in die große Halle. Die Passagiere finden sich mit dem kleinen Handgepäck ein. Während der dunkelhäutige Gorilla mit einem Handwagen zum Schiff ttansportiert wird, donnern von Bord schon einzelne Motoren im Probelauf. Als einer der ersten geht Comman­der Clarke an Bord. Dann folgen in kurzen Ab­ständen die übrigen Fahrgäste. Das Schiff ist offensichtlich voAkonrmen klar zum Start, denn schon kurze Zeit, nachdem die Passagiere und die Besatzung größtenteils an Bord find, werden die Sandsäcke abgenommen und die Böcke unter dem Schiffsrumpf entfernt. Das schwer beladene Schiff konnte von wenigen Mann am Boden gehalten werden. Um 5.45 Uhr öffnen sich langsam die schweren Tore der Halle. Ein kühler Luftzug weht um die Flanken des Schiffes. Die einzige Dame an Bord, die schlanke Amerikanerin, deren Namen nicht begannt ist, stellt sich noch in letzter Min. den hin und her hastenden Photographen zur Ver­fügung. Dann geht auch sie in das Schiff. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Die Passagiere im* (erhalten sich lebhaft mit den Umstehenden. Be­sonders Kapitän Wilkens, der aste Pilot macht ein fröhliches Gesicht — dann erscheint Dr. Ecke­ner, gibt die letzten Befehle an die Mannschaft und verschwindet in der Gondel. Um 5.49 Uhr ist alles an Bord und sofort wird das Schiff durch das Westtor in flottem Tempo mit dem Heck voraus in die taunassen Wiesen hinausgebracht. Die Spannung ist auf den Höhepunkt gestiegen, als das Schiff ganz ins Freie gezogen wird, mit der Spitze nach Süden, quer zur Halle gedreht und über einen Graben hinweg gebracht wird, be­gleitet von den Zurückbleibenden. Die Paffagiere stehen mit vergnügten Mienen an den Fenstern. Scherzworte fliegen hin und zurück. Die letzten Photos werden angefertigt. Dr. Eckener verfolgt aufmerksam den Transport des Schiffes und wenige Minuten später gibt er das Kommando zum Aufsteigen. Die Motoren werden angeworfen, die Halternannschasten stoßen den schweren Schiffs­rumpf in die Höhe und langsam löst sich der Zeppe­lin von der heimatlichen Erde. Ein letztes Grüßen und Winken setzt ein, herunter und hinauf, das

von Rohr, der mit verächtlicher Gebärde davon sprach daß die Marxisten und diejenigen Parteien, die mit ihnen regieren, Schuld an der wirtschaftlichen Krise hätten, mußte sich gleich darauf von einem Marxisten nachweisen lassen, daß nach dem Siebenjährigen Krieg unter Fried­rich dem Großen die Landwirtschaft in Preußen eine noch erheblich schwerere Notlage durchmachte als heute, und daß diese Krise eben durch den verlorenen Krieg bedingt sei. Durch unsere Arbeitsgemeinschaft mit den Marxi­sten erweisen wir der ganzen Nation einen wesentlich größeren Dienst, als wenn wir uns dazu hergeben wür­den, mit anderen Leuten gegen die kompakte Masse der Marxisten, die vier Neuntel der gewählten Volksvertre­ter darstellt, bis aufs Messer zu kämpfen. Das wäre der Anfang vom Ende. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und bei den Demokraten.) Ihnen (zu den Deutschnatio­nalen) paßt nur das System an sich nicht, und wenn es Wunder wirken würde, würden Sie dieses System be­kämpfen, weil es eine Verschiebung der politischen Macht­verhältnisse gebracht hat. Wo Sie aber gegen das jetzige System kämpfen, werden Sie die Masse des politisch organisierten Katholizismus gegen sich haben. Die Rede des Abg. von Rohr und ihre Fortsetzung durch den Abg. Steuer sind nur der Ausfluß Ihres Sstyems Hugenberg.

Wir wären in der Sage, schon heute zu sagen, wie das System Hugenberg enden wird. Sie wissen es auch, aber Sie dürfen es nicht sagen.

Den Ausführungen des Redners folgte lebhafter Beifall.

*

VDZ. Berlin, J6. Mai. (Eig. Meld.) Bei Ein­tritt in die Tagesordnung der heutigen Landtags-

Cs kam dabei zu

Lärmszenen wegen verschiedener beleidigender Zurufe, insbe­sondere gegen den Abgeordneten Heilmann (Soz.). Die nationalsozialistischen Abgeordneten Frick, Goebbels und Stöhr wurden aus dem Saale gewiesen.

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag beendete am Mittwoch die allgemeine Aussprache zur dritten Etatsbera­tung. Die Einzelberatung soll am Donnerstag be­ginnen, wo außerdem auch über den kommunisti­schen Mißtranensantraq gegen den Mnisterpräsi- denten und den Innenminister aus Anlaß i>er Mai- unruhen abqeftimmt werden wird.

Für das Zentrum sprach der Abg. Dr. Heß. Er hob hervor, daß die Beamten sich im Dienst voll und ganz der Republik widmen müßten. Wenn die Regierung diesen Standpunkt energischer durchführen würde, würde sie sich darüber wundern, wie groß der erzieherische Ein­fluß auf den Stahlhelm sein könne. In Organisationen, die den Haß gegen den Staat predigen, gehörten Beamte nicht hinein. Es wäre ein Irrtum, daß die volkspartei­lichen Beamten irgendwie benachteiligt würden. Gegen­über den Ausführungen der Abg. Neumann und Sten­del, wonach es so klingen könnte, als ob zwar nicht die Demokraten, wohl aber das Zentrum der Wiederherstel­lung der Großen Koalition Schwierigkeiten gemacht habe, stelle er fest, daß mit diesen beiden Parteien stets absolute Einigkeit geherrscht habe. Bei den Erörterungen über den Einheitsstaat sei die Stellungnahme der beiden größ­ten deutschen Parteien klar nach der Richtung hin festge­legt, daß eine Zerschlagung Preußens nicht in Frage kommen könne. Dies ist im Großen und Ganzen auch die Auffassung seiner Fraktion. Deshalb könne man wohl ohne weiteres endlich einmal die Pläne des stellungslos gewordenen Oberbürgermeisters Dr. Luther in die Ver­senkung legen. Die von Hugenberg gewünschte Unter­minierung des demokratischen Systems könne seine Frak­tion nicht mitmachen. Leider liefen die Ausführungen «rechts im Länderausschuß der Meinung des preußischen Ministerpräsidenten entgegen. Draußen aber nehme jebermann an, daß Ministerialdirektor Brecht für Preu- $etn> Pr2$en .höbe. Der deutschnationale Abgeordnete v. Rohr habe in seiner letzten Etatsrede gesagt: „Es hat keinen Zweck für die Landwirtschaft, solange der Mar­xismus herrscht, zu versuchen, sich durch vermehrte Pro­duktion zu retten!" Die Deutschnationalen werden sich darüber klar sein, daß dies die Aufforderung zum poli­tischen Produktionsstreik ist. Sie (zu den Deutschnatio­nalen), die immer so schnell mit dem Vorwurf des Lan­desverrats zur Hand sind, könnten sich nicht wundern, wenn dieser Vorwurf sich nun gegen Sie selbst richtet. , (Sehr wahr! links und in der Mitte.) Die Bauern fol- aen aber nur nicht dieser verwerflichen Parole. Der Abg. I

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

aber nicht von langer Dauer ist. Denn, sobald du 5 Motoren in Gang kommen, fliegt das Schiss in mäßiger Hohe rasch nach Südosten davon. Kurze Zeit' später ist der Gras Zeppelin nach einer Schleife über der Stadt in westlicher Richtung fliegend hinter Wolkenschleiern verschwunden.

Dr. Eckener rechnet damit, daß die Fahrt etwa 65—70 Stunden dauern und das Luft­schiff amSamstagnachmittagoderabend in Amerika ankommen wird.

Um 10.10 Uhr vormittags passierte das Luft­schiff bereits die ftanzösische Stadt Lyon.

Amerika meldet gutes Flugwetter.

wtb. New York, 16. Mai. (Eig. Meld.) Del Abflug des Luftschiffes „Graf Zeppelin" wurde hier um 12.13 Uhr östlicher amerikanischer Zeit be­kannt. Die Blätter beschäftigen sich schon jetzt leb­haft mit der zweiten transatlantischen Passagier- fahrt des Luftschiffes, der sie umfangreiche mit zahlreichen Bildern geschmückte Betrachtungen mit), men.

Wie der Leiter des Wetterbüros Dr. Kimball qbekannt gab, ist das W e t t e r im nördlichen Teil des Allantischen Ozeans namentlich auf dem mehr südlichen über die Bermudas führenden Kurs als ideal zu bezeichnen.

Schiffshilfsdienfl für „Graf Zeppelin".

wtb. Hamburg, 16. Mai. (Eiq. Meld.) Die Hamburg-Ämerika-Linie hat alle ihre gegenwärtig auf dem Nord-Atlantik schwimmenden Schiffe an­gewiesen, dem „Graf Zeppelin" während seiner Amerika-Fahrt in jeder Beziehung behilflich zu sein. Die jeweils in der Nähe weilenden Hapag- Schiffs werden mit dem Luftschiff in drahtlosen Verkehr treten und ihm bei Ortspeilungen und drahtlosen Mitteilungen jederzeit mit Angaben die. nen. Auch andere Reedereien haben ihren Schif­fen ähnliche Anweisungen erteilt.

Die unvermeidlichen blinden Passagiere.

Am Mittwoch vormittag wurden auf der Werft des Luftschiffbaues in Friedrichshafen wiederum drei junge Leute entdeckt, die sich als blinde Passa­giere an der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin" be­teiligen wollten. Zwei von ihnen hatten am Tage vorher das Luftschiff besichtigt und sich abends in die Halle einschließen lassen. Einer der Festgenom­menen, ein junger Holländer namens G. T. Kuyser, der vor einigen Tagen aus Amsterdam nach Fried­richshafen gekommen war, trug einen Monteur­anzug und wollte sich beim Abflug in dieser Klei­dung an Bord des Luftschiffes schmuggeln. Die beiden anderen sind junge Deutsche, der 20jährige Autoschlosser Richard Karge aus Bremen und ein 26 Jahre alter Gerbereiarbeiter aus Murhardt in Württemberg. Ein weiterer blinder Passagier, ein 17jähriger Hilfsarbeiter aus Freiburg wurde am nachmittag in der Halle entdeckt, als er eben im Begriffe war, von oben durch das Gasschachtventil in das Luftschiff hinabzusteigen. Der junge Mann hatte sich mit einer vollständigen Wildwestaus­rüstung, mehreren Messern, einer Reitpeitsche, Lasso und Signalpfeife versehen. Die vier un­gebetenen Gäste wurden in Hast genommen, da der Luftschiffbau nunmehr, wie bereits anqekün- digt, gegenüber blinden Passagieren von seinem Recht zur Stellung eines Strafantrages Gebrauch machen wird.

reden. Wenn er glaubt, etwas tagen zu müssen, spricht er fern von Berlin vor seinen Getreuen. Sein Stern ist im Sinken. Wenn es so weiter geht, scheint der Tag nicht mehr fern, an dem er aushört, Führer der deutschnationalen Volkspattei zu sein. Das würde auch Professor Martin Spahn, sein treuester Gefolgsmann, nicht zu hindern vermögen. -ran

5lus den Parlamenten.

Reichstag.

Die viel umstrittene 500-Millionen-Anleihe mit Steuerbefreiung ist mit 197 Stimmen der Regie­rungsparteien gegen 173 Stimmen bei elf Stimm­enthaltungen endgültig angenommen worden. Das ist das wichtigste Ergebnis der Reichs­tagssitzung am Mittwoch, die sich über das nor­male Maß hinaus ausdchnte.

In der zweiten Beratung gab es noch hitzige Redekämpfe zwischen dem deutschnationalen Abge­ordneten Dr. Bang, dem völkischen Flügel­mann der Deutschnattönalen, und einigen Rednern der Regierungsparteien. Er richtete heftige An­griffe nicht nur gegen die Vorlage, sondern auch gegen das ganze'Regierungssystem. Alle Redner der Regierungsparteien verurteilten scharf die Rede des Abg. Bang. Reichssinanzminister Dr. Hilfer- ding stellte sie in Gegensatz zu den Ausfiihrungen der deutschnattönalen Redner H e r g t und Graf W e st a r p im Ausschuß, die durchaus sachlich ge­wesen seien. Die heutige Rede des deutschnationa­len Wortführers könne nur den Zweck verfolgen, den deutschen Kredit zu schädigen. Der Mi­nister versicherte nochmals, wie schon im Ausschuß, daß die 500-Millionen-Anleihe mit ihren außer­gewöhnlichen Modalitäten eine einmalige Notmaß­nahme sei, um den Weg für eine gesunde Finanz­reform freizumachen. Gegen die Vorlage erklär­ten sich außer den Deutschnationalen mich die Kommuni st en, und die Wirtschaftspa r- t e i, die Nationalsozialisten und die bei­den Bauerngruppen. Deutschnationale, Wittschafts- Sartei und Bauernpartei würden, falls sie in der Regierung sähen, zweifellos für die Vorlage sein. Nationalsozialisten und Kommunisten Jini) über­haupt keine ernsthaften staatspolitischen Par­teien.

Nach kurzer Aussprache wurde dann auch die Novelle zum Branntweinmonopol nach Ablehnung aller Aenderungsanträge mit 218 gegen 159 Stim­men bei elf Enthaltungen in dritter Lesung end­gültig angenommen.