Fuldaer Zeitung
Grösste
Kilometer
201
(Fortsetzung folgt.)
Osnabrück.
Von Dr. Heinrich Krone.
Wir rüsten nach Osnabrück. Zur achten Reichs- ^iauna der Deutschen Windthorstbunde. Nach Osnabrück, der alten Windthorststadt. Im Jahre ses Unheils 1914 tagten hier ebenfalls die Deutschen Windthorstbunde. Die Windthorstbunde der Vorkriegszeit, deren Nachfolger wir sind. In Essen hat sich ein Alt-Windthorstbund aufgetan, der an- aibt, die Tradition der Vorkriegsbunde wieder auf- -unehmen. Das ist ein Vorwurf gegen uns. Die sieben Reichstagungen seit 1919 und auch Osnabrück werden zeigen, daß im jungen' Zentrum von heute die großen weltanschaulichen Werte lebendig sind, daß es aber darauf ankommt, sie auszumünzen in dieser Zeit, die uns als Schicksal und Ausgabe gestellt ist, sie nicht nur wie ein Fahnentuch zum Fenster herauszuhängen. Wir stehen gegen den Alt-Windthorstbund Essen. Er möge seine Kräfte im Rahmen unseres Verbandes durchsetzen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Osnabrück 1929 mahnt in Erinnerung an Osnabrück 1914 zur Geschlossenheit, zum Kampf gegen Zersplitterung, zum Einsatz der Kraft auf breiter Front.
Osnabrück soll in diesem Jahr die große politische Aussprachetagung der katholischen deutschen Jugend werden. Die Windthorstbunde laden zu ihr ein und mit ihnen der Reichsjugendausschuß der Deutschen Zentrumspartei, in dem sich führende Angehörige der großen katholischen Jugendvev- bände zur Durchsetzung des in der katholischen Jugend lebendigen politischen Willens zusammengesunden haben. So ist der Rahmen weit gespannt. Mit Menschen werden wir dort zusammentreffen, die heute politisch nicht mehr zu uns stehen, dis bei der letzten Wahl einen anderen Weg gegangen sind. Ich sage heute: denn in uns lebt die Zuversicht, daß wir uns wiederfinden werden. Finden zur gemeinsamen Durchsetzung unserer christlichen Auffassung von Volk und Staat, von Mensch und Wirtschaft, von Gerechtigkeit und Völkerfrieden. Wir haben diese Hoffnung und wir arbeiten in dieser Richtung.
Wir werden in Osnabrück zufammenfteffen mit den katholischen Gesellen, mit der Werkjugend, mit den jungen Kaufleuten, mit den katholischen Jungen aus Stadt und Land, wie sie sich im Jungmännerverband zusammengeschlossen haben, mit den katholischen Studenten und der Frauenjugend. In diesen großen Verbänden liegt starker politischer Wille, der nach oben drängt. Wir haben sie alle aufgerufen. Zur Aussprache drei Tage hindurch in einem kleineren Kreis. Zu einem machtvollen Bekenntnis am Dreifaltigkeitssonntag, zur Kundgebung der Tausende.
Die poliftsche Aktion der katholischen deutschen Jugend. Ihre Begründung und ihre Ziele. So der Leitgedanke der ganzen Tagung. Unsere Zeit spürt es immer mehr, daß wahres politisches Handeln letztlich nur aus religiöser Haltung, aus weltanschaulicher Verantwortung fließen kann. Mag fein, daß Politik für den, der in hoher Verantwortung sich zu entscheiden hat, die Kunst des Möglichen ist; diese Kunst des Möglichen wird aber Schwäche, wenn sie nicht getragen ist vom Glauben an das schier Unmögliche. Dann wird sie zur Nachgiebigkeit gegenüber dem, der aus einem stärkeren und lebendigeren Glauben heraus in das politische Kampffeld tritt. Alles deutet auch daraufhin, daß es in unserem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben heute auf einen Endkamps zwischen nur wenigen Weltanschauungen hinausläuft. Liberales Denken stirbt heute aus; in der Jugend findet es keinen Widerhall mehr, und die jungen Kräfte im deutschen Liberalismus rufen, wie die Auseinandersetzungen in den letzten Monaten gezeigt haben, nach einem Liberalismus neuer und gebundener Art. Stark, werbend tritt heute der Sozialismus in die Arena. In der Jugend, in der Kinderfreundebewegung. Er fordert Glauben an sich als an die Menschheit
3. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNendruckerei, Fulda
Ein Zisterziensermönch stand auf der Schwelle, ein Kreis, dem das silberweiße Haar vom unbedeckten Haupt lang auf die Schulter herabfiel. Trotz seines Alters stand ?r hoch aufgerichtet, so daß er beim Eintreten den Kopf ein wenig neigen mußte.
Seine stahlblauen Augen wanderten suchend durch den Raum, bis sie den Pförtner am Fenster erblickten. Dann kreuzte er die Arme über der Brust und senkte das Haupt. „Gelobt sei unser Seligmacher Jesus Christus!"
„In Ewigkeit, Amen." Der Pförtner trat ihm entgegen. „Seid willkommen in meinem bescheidenen Heim, Pater Benedikts! Gott und alle Heiligen! Das ist mir ein Glückstag heute. Zwei liebe seltene Gäste! Ihr kommt vom Kloster?"
„Nein! Ich komme von der Stadt und gehe heimwärts. Wollt Euch nur grüßen auf dem Wege."
Der Pförtner rückte geschäftig einen Sessel an den Tisch.
„Nehmt Platz, ich bitt Euch, Vater Benedikte. Ihr kommt zur guten Stunde. Ich hole Euch einen Becher."
Bevor der Mönch erwidern konnte, war er zur Türe hinaus. Ulpianus trat zögernd näher. „Ihr kennt mich nimmer?"
Der Mönch blickte ihn lange an, bevor er antwortete. -Hch weiß nicht, ob ich Euch noch kenne, Ulpiane, ob ich Euch noch kennen darf."
Ulpianus versuchte zu lächeln, doch das Lachen gefror «uf seinem Gesicht und wurde zur Grimasse unter dem Vlick dieser Augen.
„Weiß nicht, was Ihr meint, Vater Benediktus. Ich habe mich nicht verändert. Nur etwas rundlicher bin ich wohl geworden. Die Luft in Rothenburg bekömmt mir Nicht übel."
Unverwandt lag der Blick des Mönchs auf ihm. „Den Kindern der Welt geht es wohl hienieden. Aber im jenseits müssen sie dafür zahlen."
Ulpianus mühte sich noch einmal, einen harmlosen To» m treffe», »nh ihn Geivräck feftxubalten. ..Auch
Die
Unsere Darstellung zeigt das Sinken der Arbeits- lofenzahl tn den ersten vier Monaten des Jahres 1929. Seit Eintritt der warmen Witterung ging die Arbeitslosigkeit rapide zurück, da die Erwerbslosen nunmehr in der Landwirtschaft und im Baugewerbe wieder Arbeit fanden. Wenn auch der gegenwärtige Stand von 1,2 Millionen noch zu schweren Sorgen Anlaß gibt, so bedeutet doch schon die Verminderung um eine Million eine merkliche Erleichterung auf dem Arbeitsmarkt.
SranMurter Oper.
Freitag, 17. Mai, 19% Uhr: Der Wildschütz.
Ulpianus wandte sich. „Nein, mein Vater. Dann gehe ich mit Euch."
Die Zelle des Paters Benediktus war die geräumigste im Kloster. Ihr Fenster wies nicht nach dem großen Hofe, um den herum die Wirtschaftsgebäude lagen, sondern nach dem Garten, in dem es den ganzen Sommer blühte und duftete und in tausend Farben prangte. Denn die Zisterzienser waren große Gärtner und Ackerbauer und die Bevölkerung des Maintales dankte ihnen die Einfuhr mancher nützlichen Pflanze. Doch von diesen beiden Vorzügen, ihrer Lage und ihrer Größe, abge- sehen, wies die Zelle des Paters Benediktus keinen Unterschied vor anderen Zellen auf; sie war kahl und enthielt nur einen Betstuhl, einen Tisch und zwei hölzerne Schemel, sowie ein langes Wandbrett, auf dem Bücher standen. Einige Decken, tagsüber zuscmnüengerollt in der Ecke, dienten in der Nacht als Lager. Am Tage durften sie nicht benutzt werden. Wohl hätte Pater Benediktus mit Rücksicht auf sein hohes Alter von dieser und anderen schweren Ordensregeln Dispens erlangt, wenn er darum gebeten hätte. Doch er wollte nichts davon wissen. Solange Gott ihm die Gnade erwies, ihn als feinen Diener anzunehmen, würde er ihm auch die Kraft geben, feinen Dienst zu verrichten.
Ulpianus faß ihm gegenüber an dem kleinen hölzernen Tisch, auf dem zwei halb geleerte Becher standen. Pater Küchenmeister hatte dem Gaste als Willkommen eine Kanne gekochten Weines heraufgeschickt. Er hatte sich am meisten über das Wiedersehen gefreut: denn mehr als alle anderen hatte er den Schützling des Klosters geliebt, der ihm ein lebendiges Testimonium feiner Kochkunst gewesen war. Wem war es zu danken, daß der kleine Doktor wieder heil und gesund auf zwei Beinen herumlief? Gewiß, die Latwergen und Tränklein, die Pater Eusebius ihm eingetrichtert hatte, mochten ihren Zweck nicht verfehlt haben, und auch die vielen Messen und Oe* bete, die für den Kranken gelesen wurden, hatten ihre heilsame Wirkung erwiesen. Aber sie alle wären erfolglos geblieben ohne die kräftigen Süppchen und Fleischbreie, die der Pater Küchenmeister dem Kranken bereitet hatte.
möchte ich Euch das Geleite geben, wenn es mir die Zeit oerstattete. Aber mein Wagen steht bereit"
Pater Benediktus hielt seine Hand fest und schaute ihn an, aber er antwortete nichts. Ulpianus fühlte den Vlick.
„Vater Benediktus, ich weiß, Ihr seid mir heute gram. Aber ich bitt Euch, denkt nicht gering von mir. Atzung und Kleidung und Gastlichkeit in überreichem Maße bot mir das Kloster lange Zeit. Viel Kosten hab ich Euch gemacht. Ich weiß es. Aber ich bin kein Undankbarer. Ich hoffe, daß ich noch einmal die Möglichkeit finde, meine Schuld zu tilgen."
Der Vater hielt noch immer feine Hand. „Geldeswert kann man zurückgeben. Doch zahlt man auch für Liebe und Sorge? Manche Nacht wachte Vater Eusebius an Eurem Lager, als das Wundfieber Euch beutelte. Manche Stunde kniete ich im Gebete vor Gott um Eurer Seele willen. Könnt Ihr auch solche Schuld abtragen?"
Ulpianus küßte seine Hand. „Verzeiht, mein Vater. Auch daran denke ich oft. Glaubt mir, ich bin kein Undankbarer."
„Dann geleitet mich itzo ins Kloster! Die Väter und Brüder werden sich freuen, Euch wiederzusehen, Ulpiane. Auch ich macht mich gern bereden mit Euch in meiner stillen Zelle."
Ulpianus schaute nach dem Stande der Sonne. „Verzeiht, mein Vater, doch ein andermal. Ich muh eilen, wenn ich noch heute in Rothenburg sein will."
Pater Benediktus gab ihn frei. „Nicht immer kommt der Mensch an das Ziel, das er sich gesteckt hat. Ihr wollt nach Rothenburg. Doch Eure Pferde können scheuen vor einem Vogel, der am Wege auffliegt. Wegschaden können Euch anfallen. Rothenburg ist Euer Ziel und Ihr wähnt in Bälde es zu erreichen. Doch wenn Euch Euer Weg anders leitet, wenn er jenem letzten Ziele zu- führt, zu dem wir alle streben? Wall Ihr unvorbereitet vor Euren Richter treten, Ulpiane?"
Ulpianus blieb stumm; in den Worten des Paters zitterten Töne von Liebe und Sorge, die ihn erregten.
„Mein Vater!"
„Wenn Ihr nicht die Zeit habt mich zu begleiten, Ulpianus, dann geleite ich Euch. Ein Stündchen werdet Ihr für mich übrig haben."
Ihr seht wohl aus, Vater Benediktus. Feierten wir nicht im Vorjahre Euren 80. Namenstag? Die Gebreste des Greisenalters machten Halt vor Eurer Zelle und sie tun wohl daran." Pater Benediktus hatte sich gesetzt. Er blickte noch immer unverwandt auf Ulpianus; doch das Strenge, Starre wich aus feinen Augen und machte einer stillen Trauer Platz. Sein Beichtkind war Ulpianus gewesen. In das Herz des Weitlings, dem Gott und Glauben nichts waren, hatte er die Lehre verankern sollen. Seine schwerste Aufgabe hatte ihm Gott an feinen Lebensabend gesetzt. Aber ein Vater liebt feine Sorgenkinder am meisten.
„Herr Ulpianus legt wenig Wert auf das Wohlsein feiner Freunde im Kloster. Er hätte sie sonst besucht."
Ulpianus suchte sich zu verteidigen. „Der Weg ist weit von Rothenburg nach Würzburg, mein Vater. Und ich bin auch der Jüngste nicht mehr. Bin nicht so rüstig als Ihr."
Der Pater fftüttelte den Kopf. „Wozu teere Worte? Sie haben keinen Klang. Ihr findet den Weg, wenn Ihr ihn sucht und habt ihn schon oft gefunden, wenn das Gold am Wege stand, um Euch zu leiten. Doch das Gold ist ein schlechter Weisel; es führt in den Sumpf. Habt Ihr das noch nicht erkannt, Ulpiane?"
Der zurückkehrende Pförtner überhob den Arzt der Antwort. Er stellte einen Becher vor den neuen Gast. „Auf Heil und Gedeihen!!"
Der Mönch trank in langem Zuge den Becher leer. Der Weg hatte ihn durstig gemacht. Als der Pförtner zum zweiten Male einschenken wollte, drehte er den Becher um.
»Dank für die Gabe. Ein Becher Weines ist genug für den Durst. Was darüber ist, ist von Uebel."
Gr stand auf und griff nach feinem Stab, den er in die Türecke gestellt hatte. „Die Sonne steht schon schräg. Ich will vor Abend im Kloster fein. Gottes Segen mit Euch!"
Gr reichte dem Pförtner die Hand, der sie griff und an die Sippen führte. Auch Ulpianus wollte aufbrechen. Sein Wagen hielt fahrtbereit. Gr mußte sich eilen, damit er in Rothenburg mar, bevor die Nacht hereinbrach. Neben dem Mönch schritt er aus der Tür, um sich draußen von ihm zu verabschieden. „Lebt wohl, mein Vater! Und bestellt ein»» fflrtifc heg Vätern und Brüdern. Gern
Partei aufbringen kann, im Reichstag einzusetzen. Hier liegen unsere Erwartungen.
Es geht eine kritische Haltung zum Wirtschaftsleben durch die Jugend. Steht wirklich der Mensch mit Leib und Seele im Mittelpunkt des heutigen Wirtschaftslebens? — — Wir glauben an kein letztes, ewig gültiges und bedingtes Wirtschaftssystem, wie es der Sozialismus den Massen als Glaubenssatz hinwirft. In uns lebt ein Unglaube an das nur Oekonomifche. Reform der Dinge und der Zustände, aber auch Reform des Menschen und feine persönliche Heiligung. So gehen wir an alles, was Wirtschaft heißt heran. Professor Dessauer wird in Osnabrück zu uns sprechen. Wir warten gespannt auf das, was er zu geben hat. Stärkung der Familie, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, Schutz aller Selbständigkeit, Schutz des Bauerntums, Mehrung des Eigentums, Reform unseres Bodenrechtes, Ansiedlung von Jungbauern und die große Frage der Rückwanderung und Wiederfeßhaftmachung von Stadi- menfchen auf dem LaUde, das sind Fragen, um deren Lösung heute junge Menschen ringen, wo sie Antwort erwarten von denen, die politische Verantwortung tragen.
Das sei ein Aufriß für Osnabrück, eine Skizze, ein Aufrollen von schwerwiegenden Fragen. Keine Lösung. In diesen Bahnen aber läuft ein starker politischer SBiUe, der Wille derjenigen, die heute zum großen Teil noch fern der politischen Verantwortung stehen, die sich aber in ernster Arbeit rüsten, daß sie einstmals der Verantwortung auch gerecht werden. Der letzte Satz sei ein Wunsch. Die Tore von Osnabrück stehen offen und erwarten Menschen, die aus Verantwortung vor der Sache die Fahrt antreten. Möge gegenseitiges Sichfinden, der Wille zu kraftvoller nach vorwärts gerichteter Geschlossenheit das Ergebnis der Tagung sein. An die junge Generation von heute geht der Ruf zur Verantwortung für das Morgen.
erlösende Religion. Wir wissen es und spüren es alle Tage mehr, daß er das nicht ist und niemals fein kann, was er fein will. Er sieht nur den Menschen hier auf der Erde, will ihn nur so sehen. Wir wissen, daß alle Wege zur Besserung und zur Reform des menschlichen Zusammenlebens, die ohne Gott ihren Weg gehen, Irrwege sind. Wir lassen uns auch keinen neuen Begriff von Sozialismus aufdrängen, wie es Vitus Heller in der Christlich-Sozialen Reichspartei und Heinrich Mertens mit feinem „Roten Blatt katholischer Sozialisten" es wollen. Es kommt nicht auf einen neuen Begriff an und auf eine neue Formel. Wir muffen die Tatsachen nehmen, wie sie liegen. Und da ist Sozialismus und Sozialdemokratie ein und dasselbe. Hier liegt die Trennung.
Dies klar zu erkennen, genügt aber nicht. Wir müssen die Konsequenzen aus unserer katholischen Ueberzeugung ziehen. In all den Fragen, die uns heute brennend tn die Seele geschrieben sind, im Wirtschaftsleben, im Zusammenleben der Völker untereinander, in den großen Fragen einer lebendigen, nie rastenden christlichen Kulturpolitik. Unsere Ueberzeugung ist kein Ruhebett, und schöne Worte und Rede in Volksversammlungen genügen nicht. Uns erwarten Aufgaben, die gelöst sein wollen.
So stehen wir vor unserem Volke. Sagen wir es offen heraus: Liberalistifches nur auf dem persönlichen Ich aufgebautes Denken hat uns in einen Zustand sittlicher und volklicher Auflösung gebracht. Gegen dieses Denken, dessen sichtbarster Ausdruck das Großstadtleben mit seinen „Kultur"» Errungenschaften ist, gilt es heute Front zu machen. Front auch gegen eine liberalistische „Kulturpolitik", die der Zersetzung und Auflösung im Grunde nur Vorschub und Vorspanndienste leistet. Auch der So'ialismus geht die Wege liberaler Kulturpolitik. Drum heißt es in der Einladung zu unserer Osnabrücker Tagung „Sie wird einen entschiedenen Versuch darstellen, vom Quellgobiet katholischen Denkens aus über die Schwankungen, Störungen und Zusammenhanglosigkeit hinauszukommen, zu klaren und entschiedensten Vorstellungen, Zielen und Wegen. Wendung und Heil kann nur aus einem neuen ordnung-gebundenen Denken Herkommen."
Osnabrück wird zu den Fragen Stellung nehmen, die die junge Generation heute für das Zusammenleben der Völker aufwirst. Wir wissen um den Kampf zwischen Gut und Böse in -jedes Menschen Brust, daß auch Völker Individualitäten sind, wachsen und vergehen, unter Spannungen leiden, daß auch unter ihnen der Kampf Zwischen Gut und Bös ausgefochten werden muß. Wir sind keine Humanitären Pazifisten; aber wir wollen den Frieden und stellen uns darum in die Front derjenigen, die das Gute, das Recht und die Gerechtigkeit auf Erden, soweit es uns Menscben nur möglich ist, durchsetzen wollen. Ich weiß, die Schwierigkeit beginnt hier, wenn es sich um politische Einzelfragen handelt. Wir werden ihnen in Osnabrück nicht ausweichen.
Durch unser Land geht eine Skepsis, eine wachsende Skepsis gegenüber dem neuen demokratischen System. Nicht zttletzt durch diejenigen, die sich in klarem Bewußtsein und aus voller Verantwortung für den neuen Staat eingesetzt haben. Unser Glatzer Bekenntnis zum neuen Staat und zu seinen Symbolen besteht auch heute noch für uns. Wir haben keine Gemeinschaft mit denen, die nach Faschismus und Diktatur rufen. Der in Freiheit und Selbstverantwortung dienende Men'ch ist uns in der politischen Gegenwart das Ideal, dem wir zustreben. So fassen wir Demokratie auf. Und darum unsere Wünsche und Forderungen, daß dieses System auch lebendig werde und funktioniere. Wir werden uns mit diesem Wahlrecht nicht abfinden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Parteien hat sich das Zentrum zu unferer Freude zu einer Wahlrcchtsform bekannt. Jetzt gilt es, die stärkste Kraft, die untere
Der goldene Mantel
Roman von Heinz Welten.
Aus aller Welt.
* Neuaufrollnng des Jakubowski-Prozesses. Wie die „Landeszeitung für beide Mecklenburg meldet, wird am 28. Mai vor dem Neustrelitzer Schwurgericht der Prozeß gegen die Gebru- der Nogens und Gen. beginnen, die beschuldigt werden, gemeinsam mit dem zum Tode verurteilten und Hingerichteten russischen Kriegsge- fangenen Jakubowski den kleinen Ewald Rogens umgebracht ober die Tat begünstigt zu haben. Bei diesem Prozeß wird auch der Fall Jakubowski wieder aufgerollt werden.
♦ Haftbefehl gegen den flüchtigen Berliner Rechtsanwalt Dr. Cohn. Wie die „Voff. Ztg. meldet, haben die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Sachen des Rechtsanwaltes Dr. Carl Cohn, der, wie bereits gemeldet, unter Hinterlassung hoher Schulden geflüchtet ist, den ein. heutigen Beweis dafür geliefert, daß er in mindestens zwei Fällen ihm an vertraute Man- hautenge Iber unterschlagen hat. Gegen den flüchtigen Anwalt ist Haftbefehl erlassen worden.
* Ein Wachtposten an der Zitadelle von Verdun erschossen. Haras meldet aus Verdun, daß dort abends ein Wachtposten am Haupttor der Zitadelle erschossen worden ist. Der Posten gab, bevor er starb, die Erklärung ab, daß er von zwei Zivilpersonen überfallen worden fei, die ihm zugerufen hätten, sie seien Offiziere und ihm bann ben Karabiner aus ber Hanb gerissen hätten. Rach Abgabe bes tödlichen Schusses seien die beiden ins Innere der Zitadelle geflüchtet.
* Todessprung von der Rewyorker Freiheils- stalue. Ein Unbekannter beging im Hafen von Rewyork durch einen Sprung vom Kopf der 300 Fuß hohen Freiheitsstatue Selbstmord. Die Leiche wurde zerschmettert am Sockel der Statue aufgefunden.
Besserung auf dem Krbeitsmarkt.
M 114.
Freitag, ven 17. Mak 1929. -----
Katholische Welt
Aus Mainz wird uns geschrieben:
In der Pfarrkirche St. Joseph in Mainz wird am Mittwoch in der Pfingstwoche, den 22. Mai, das St. Ritafest feierlich begangen. Wir laden freundlichst dazu ein. Arn Vorabend und morgens ist Beichtgelegenheit, die Kommunionrnessen sind um 6, 6.45 und 8 Uhr. Um 9.30 Uhr ist das feierliche Hochamt, nachmittags 3 Uhr Festandacht, jedesmal mit Predigt und Weihe der St. Ritarojen und anderer Gegenstände. Für auswärtige Teilnehmer steht der Bibliotheksaal bei der Kirche zur Verfügung, ebenso der Saal des St. Bil- hildisheims. Mägen recht viele aus nah und fern zum Feste sich einfinden, um die „Helferin in verzweifelten Fällen" zu verehren.
Aus der Zenirumsvarlei.
— Parteiarbeit im Lande. Am Samstag, den 11. Mai, tagte in Krefeld die Delegiertenversammlung des linksrheinischen Teiles des Wahlkreises Düsseldorf- West. Der Abgeordnete des Wahlkreises, Reichsminister a. D. Dr. Bel l, sprach über Fragen der Außen- und Innenpolitik, wobei er hauptsächlich einging auf die Pariser und Genfer Konferenzen sowie die Minderheits- Schutzkonferenz in London. Bei der Innenpolitik berührte er die Fragen der innenpolitischen Aufgaben des Kabinetts und sprach vor allem über Finanz- und Steuerpolitik, die Agrarkrise, Sozial-, Rechts- und Kulturpolitik. Die Beteiligung der Delegierten an der Versammlung war lebhaft. An den Vortrag des Abgeordneten und Reichsministers a. D. Dr. Bell schloß sich eine anregende Diskussion. Eine weitere große Tagung, in der ebenfalls Dr. Bell referierte, fand in Duisburg statt. Die Aussprache war überaus ersprießlich. In den Versammlungen ergab sich eine freudige Tatbereitschaft unserer Anhänger, die mit starkem Interesse den politischen Vorgängen folgen und die ein sehr gesundes Urteil über die Gesamtlage, wie auch eine verständnisvolle Würdigung der Haltung der Zentrumsfraktion an den Tag legen.
Sicherheit
-n
■ 1000
.2200
ZWO
2OOO
IWO
1200
1600
1600
fo.
600 .700
Arbeitslosigkeit von Januar bis April 1929.
7929
5 'S
St SS
7928
Die Kurve der Arbeitslosigkeit
Tausend
--------T — T riTT 2500