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30 U2.

Mittwoch, oeu 14. Mai 1919

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

Hoovers neue w rtschastspolilik. Die amerikanische Zolltarif-Novelle. Wo bleibk die europäische Wirtschaftseinheit?

Es ist noch sehr fraglich, ob die vom Vorsitzen­den des amerikanischen Buügetausschusses nunmehr dem Repräsentantenhaus vorgelegte Zolltarif- Novelle ein einigermaßen zutreffender Ausdruck der Pläne Hövers ist. Zwar har Hoover während der Wahlkampagne mit Versprechungen bezüglich Erhöhungen des Zollschutzes insbesondere für die amerikanischen Farmer nicht gespcir^ und natür­licherweise gilt der nun vorliegende Entwurf als der erste Schritt zur Einlösung dieser Versprech­ungen. Allein, wenn man den umfangreichen Be­richt näher prüft, so gelangt man zu der lieber« zeugung, daß Hoover sich entgegen seinem ur­sprünglichen Programm gewissen Einflüssen und Mächten hat beugen müssen, die eben die wichtig­sten Faktoren des Apparates darstellen, dem Hoo­ver seine Wahl zum Präsidenten verdankt.

Diese Zolltarif-Novelle wird von dem Vorsitzen­den des Budgetausschusses nicht als eine Revision des bisherigen Tarifgesetzes, sondern als eine bloße Readjustierung, als eine notwendig a ewordene An­passung an die veränderten Verhältnisse bezeichnet. In der Tat ist sie auch nicht das, was man als Re­vision zu bezeichnen pflegt, denn ihre Neuerungen bewegen sich durchaus auf der bisher von den U.S.Ä. eingehaltenen Linie. Die zahllosen Aen- derungen an den Zollsätzen sind zum westaus größten Teil im Sinne einer Verschiebung nach oben vorgenommen; wo solch eine Verschiebung nicht stattgefunden hat, darf man annehmen, daß die bisher gültigen hohen Zollsätze bereits einen genügenden Schutz für den einheimischen Produ­zenten bewirkten. Die ganze Last der hauptsäch­lichsten Erhöhungen fällt auf Amerikas größten Kunden, Kanada und Argentinien. Auch Cuba dürfte ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen werden, doch werde sich die amerikanischen Wirt- scha-stspolitikec darüber keine Gedanken machen, da

3um Wellpostkongretz in London.

(Erinnerungsbriefmarte zur Londoner Tagung des Weltpostvereins.

Zur Erinnerung an die erste Londoner Tagung des Weltpostvereins hat England eine Serie von Erinnerungsmarken herausgegeben. Es sind dies die ersten neuen Briefmarken Englands feit dem Jahre 1910. Der Weltpostverein ist 1878 ge­gründet worden, nachdem schon 1874 der erste Weltpostkongreß in Bern einen Allgemeinen Post­vereinsvertrag geschaffen hatte. Seine Aufgabe; ist die Vereinheitlichung des internationalen Post­verkehrs.

Cubas Möglichkeiten zu irgend welchen wirtschaft­lichen Repressalien unzulänglich sind. Dagegen haben die Wirtschaftler der U.S.A. von einem pro­minenten Vertreter Kanadas bereits erfahren müssen, daß Kanada ganz unzweifelhaft Zug um Zug die bevorstehende amerikanische Zollerhöhung erwid ern werde. Da im Jahre 1928 Kanada von den Vereinigten Staaten für ca. 800 Millionen Dollar landwirtschaftliche Geräte und Maschinen bezogen hat, dürften gewisse industrielle Kreise der U.S.A. es sich noch sehr überlegen, ob sie die Zoll­tarif - Novelle in der gegenwärtigen Form zum Gesetz erheben

Was den Handel der europäischen Staaten mit den U.S.A. betrifft, so läßt sich ohne statistische Unterlagen die Positionsänderungen, die b'e No­velle vorfchlägt, gewinnen. Sehr wesentlich und sehr bedenklich ist jedoch die ganz offen zutage liegende Tendene der Novelle, die Reichweite der Flexibilität gewisser Komplere von Zollpositionen zu erweitern. Hierher fallen vor allen Dingen diejenigen Waren, die sog. Diskriminationszöllen unterliegen, d. h. Waren, die aus Ländern stam­men, wo die Produktionsbedingungen ganz beson­ders stark von denen der U.S.A oder sonstiger Konkurrenten abweichen, üsdaß „diskriminierende", d. h. besonders nachdrücklich „unterscheidende" Zollsätze angebracht erscheinen. Die Grundsätze und Methoden siir Errechnung solcher Diskriminations- zölle werden nun in der Zolltarif-Novelle auf eine sehr unbestimmte und dehnbare Basis gestellt, sodaß in der Praxis in allen denjenigen Fällen Diskriminationszölle erhoben werden können, in denen überhaupt eine ausländische Ware auf dem amerikanischen Markte erfolgreich mit einer ein­heimischen Ware konkurrieren könnte.

Es ist sehr angebracht, in diesem Zusammen­hänge an die gegenwärtig stattfindenden Bera­tungen des Wirtschaftrats des Völkerbundes zu erinnern, die leider unter dem beherrschenden Ein­druck stehen, daß alle in Gens bisher auch auf wirtschaftlichem Gebiete erfaßten Beschlüsse auf dem Papier stehen geblieben find. Man muß gerade an­gesichts dieser neuen Wendung der amerikanischen Zollpolitik Loucheur recht geben, der den wirt­schaftspolitischen Gegensatz zwischen Gesamteuropa und Amerika zu Grundlage seiner wirtschaftspoli­tischen Auseinandersetzungen machte und eine plan­mäßige Organisation der Industrien und der Agrarwirtschaft möglichst aller europäischen Staaten als einziges Mittel bezeichnete, das Eu­ropa dazu helfen könne, den Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten aufzunehmen. Niemand wird Utopist genug fein, um auf eine allzu baldige Ver­wirklichung dieser Idee einer winschaftlichen Or­ganisation Europas zu hoffen. Erst die Not wird die Vertreter der einzelnen Industrien und Wirt­schaftszweige zu vernünftigen Produktionsrege- lunqen erziehen und Sache der Regierungen wird es fein, darüber zu wachen, daß solche Regelungen nicht auf Kosten der Konsumenten geschehen.

Es ist notwendig, auf das Wesen und die mög­lichen Wirkungen der neuen amerikanischen Zoll­politik rechtzeitig hinzuweisen. Ob und inwieweit die jetzt vorgelegte Zolltarif-Novelle Gesetz wird, steht noch dahin, denn auch in den U.S.A. find weite Kreise nicht mit der neuen Regelung ein­verstanden. Am allerwenigsten die am stiefsten notleidende landwirtschaftliche Bevölkerung, die offenbar mit einer Erhöhung der Maiszölle um 10 Punkte geblendet werden sollte, da man sich nicht zu einer Erhöhung der Zölle für Hafer, Weizen, Roggen und Mehl entschließen konnte. Dabei be­trägt die gesamte Maiseinfuhr der U.S.A. nicht mehr als 0,25 Prozent der einheimischen Mais­produktion; der neue Zollschutz für Mais bleibt also praktisch illusorisch. Die einzelnen Industrien beklagen sich größtenteils naturgemäß über mangel» hafte Wahrung gerade ihrer speziellen Interessen

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und die ganze oppositionelle Presse läuft verständ­licherweife Sturm gegen die „imm er unverschämter werdenden Forderungen" der republikanischen Hochschutzzöllner.

Uommunalpolilisches.

= Hauptversammlung des Preußischen Landkreis- tages. Am Mittwoch, den 155. Mai findet in Berlin die diesjährige Hauptversammlung des Preußi­schen Landkreistages statt. Ueber die Frage des Landesfinanzausgleichs werden Ministerialdirektor Dr. Hog aus dem Preußischen Finanzministerium und Landrat Dr. Bohne-Belzig sprechen.

Landwirtschaftliches.

— Schweinezwischenzählung am 1. Juni 1929. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat wieder eine Sommerzählung der Schweine am 1. Juni angeordnet, deren Umfang der gleiche wie am 1. Juni 1928 sein wird. Die Landwirtschaftskammern weisen darauf hin, daß die von den landwirtschaftlichen Berufsverbänden gewünschte Zählung nur im Intereste der Absatz- und 'Marktgestaltung durchgeführt wird, und daß es deshalb im Interesse aller landwirtschaftli­chen Kreise liegt, diese statistische Mitarbeit zu fördern.

Kunft und Literatur.

— Professor Heinrich Zille schwer erkrankt. Wie Ver­tin am Morgen mitteilt, ist der bekannte Berliner Mi­lieu-Maler Professor Heinrich Zille, nach dem Schlag­anfall, den er kürzlich erlitten hat, so schwer erkrankt, daß das Schlimmste befürchtet werden muß. Er hat die Sprache verloren und ist völlig apathisch geworden.

Lader und Kurorte.

— Einweihung des Medizinischen Instituts in Bad Rauheim. Im Weltbad für erkrankte Herzen wurde Samstag als Abschluß der Gcbäudegruppen des Ouel- lenhofes das neue Medizinische Institut eingeweiht. Das architektonisch ansprechende Haus ist nach den Entwürfen von Regierungsbaumeister Metzger-Friedberg hergestellt. Alle Raume find mit den modernsten Instrumenten ausgestattet. Sie gestatten die rasche Untersuchung der Kranken so gründlich und so umfassend, wie es wohl bis­her nirgends der Fall ist. Für jeden einzelnen Fall wer­den dann die Bäder zusammengesetzt. Das neue Institut darf mit feinen gediegenen, praktischen und bequemen Einrichtungen als mustergültig bezeichnet werden. — An den Einweihungsfeierlichkeiten beteiligten sich neben den hessischen Ministern mit ihrem Präsidenten Adelung an der Spitze, zahlreiche hessische Landtagsabgeordnete, Ver­treter der Staatsbehörden, der deutschen Aerzteschaft, der Industrie, der Landesuniversität usw. In einer Reihe von Ansprachen wurde die Bedeutung des Instituts für Nauheim gebührend gewürdigt. Das Institut wurde zum Universitäts-Institut von Gießen erho­ben, der verdiente leitende Arzt Dr. Weber erhielt Rang und Würde eines außerordentlichen Professors, und den um das neue Haus verdienten Ministerialdirektor Schä­fer-Darmstadt ernannte die Gießener Universität zu ihrem Ehrendoktor.

Technik und verkehr.

— Der Sommerflugplan der Lufthansa. In Ber­lin tagten die regionalen Luftverkehrsgesellschaften, um der Lufthansa auf Grund der durch die Kürzung des Etats entstandenen veränderten Lage die endgültige Auf­stellung des diesjährigen Sommerflugplanes zu ermög­lichen. Da die beteiligten Kommunen und Länder dis notwendigen Mittel schon bereit gestellt hatten, bevor die Reichstagsverhandlungen zum Abschluß gekommen waren, ist für dieses Jahr noch keine wesentliche Aen- derung im Sommerflugplan eingetreten. Dagegen macht sich als unangenehme Folgeerscheinung der Ver­kürzung des Luftetats in diesem Jahre eine gewisse Ueberfremdung des deutschen Suftoer- kehrs bemerkbar, da die Lufthansa nicht mehr im­stande ist, den bisherigen gemeinsamen Dienst auf

Auslandsstrecken allgemein aufrecht zu erhalten oder sich an neuen über deutsches Gebiet führenden Lu't- strecken ausländischer Gesellschaften zu beteiligen Das gilt für die von den Holländern neu eingenchlete Strecke Rotterdam-Berlin und für die neue belgische Linie Antwerpen-Hamburg.

Wieviel Zeitungen hat Berlin.

Eine umfassende Statistik über das Berliner Zei- tungs- und Zeitschristenwesen hat das Berliner stati­stische Amt zusammengestellt, die von Dr. Roth f e g e l in den „Berliner Wirtschaftsberichten" soeben veröffent­licht wird. Als Quellen für die Ermittlung der Berli­ner Zeitungen und Zeitschriften dienten m der fiaupt- sache die Zeitungskataloge von Ala und Molse. die Post­zeitungsliste, Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs- adreßbuch, sowie tue Karteien des Polizepräsidiums Berlin und der Berliner Polizeiämter. Keine dieser Quellen kann für sich allein Anspruch auf ablolute Voll- ständigkeit erheben, durch ihre Zusammenfassung ergibt sich aber ein gutes Bild des eBrliner Zeitungswesens.

Rach der Zusammenstellung gab es Anfang 1928: 2533 Berliner Blätter, und zwar 147 Zeitungen und 2485 Zeitschriften. Von den 147 Zeitungen erschienen wöchentlich 93 sechsmal und öfter, 18 wöchentlich 2—5 mal, 29 wöchentlich einmal. Nur eine Berliner Zei­tung erschien Anfang 1928 in fremder Sprache. Von den 3241 in Deutschland erscheinenden Zeitungen mach­ten die 147 Berliner nur 4,5 Prozent aus.

Don den 2 486 Zeitschriften erschienen ‘ Anfang 1928 die meisten lnahezu %) weniger als einmal wö­chentlich. Interessant ist die Zusammenstellung auf welche verschiedenen Wissensgebiete sich diese Zeitschrif­ten verteilen. Zahlenmäßig am stärksten sind die wirt­schaftlichen Zeitschriften, von denen 828 erschienen Un­ter ihnen stellen wiederum die, die sich mit Industrie, Handel und Gewerbe befassen, mit 577 den Hauptanteil. Dann folgen die literarischen und unterhaltenden Zeit­schriften mit 400 In weiterem Abstande folgen Ar­beitnehmer-Zeitschriften (222), medizinische (170), tech­nische und theologische (103) Zeitschriften.

In welchem Umfange das Berliner Prefsewesin ge­wachsen ist, zeigt die vorn Postzeitungsamt Berlin ge­führte Postversendungs-Statistik, deren Einsichtnahme dem Statistischen Amt Berlin gestattet würde Im Jahre 1825 waren hiernach 38 Zeitungen und Zeit­schriften, 1850 112, 1875 343 und 1900 980 angemeldet. Im Jahre 1914 war die Zahl bereits auf 1542 gestiegen, um im Jahre 1923, also am Ende der Inflationszeit auf 1265 zu fallen. 1927 waren wieder bereits 1429 Zeitungen angemeldet. Die höchste Zahl wies das Jahr 1919 mit 1834 auf. Interessant ist auch ein Ver­gleich der Stückzahl der durch die Post vertriebenen Zei­tungen. Sie stieg nämlich von 3 Millionen im Jahre 1825 auf 372 Millionen im Jahre 1900 und auf 665 Millionen im Jahre 1914. Bis zum Jahre 1927 war die Zahl auf 460 Millionen zurückgegangen, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß die anderen Bestärde- rungsmöglichkeiten wie Auto und Flugzeug stärker ausgebaut werden. Den größten Geschäftsumfang hatte der Postvertrieb 1918 mit 707 Millionen Exemplaren erreicht. ________________

Wie wir-) das weiter?

Bei Irland liegt ein neuer kräftiger Tiefdruckwirbel, an dessen Vorderseite bei uns zunächst'durch stärkere Son­neneinstrahlung bei nach Süden drehenden Winden zu­nehmende Erwärmung einsetzen wird. Diese Erwärmung wird auch bei uns wieder stärkeren Luftdruckfall Hervor­rufen, der das Vordringen kühlerer westlicher Luftmas­sen begünstigt, fodaß nach anfänglicher Besserung wie­der mit unbeständiger, zu Niederschlägen, teilweise mit Gewittern, neiaender Witterung zu rechnen ist.

Wltterungsaussichten für Mittwoch: Unbeständige Witterung mit einzelnen Niederschlägen, etwas kühler.

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