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Nr. HO.

Fuldaer Zeitung (klmtliches Kreisblatt).

Sonntag, 12. Mai 1929.

FuISa. den 11. Mai 1929

Frühling in der Rhön.

Don Rudolf Happ.

Heute ist ein prächtiger Morgen: fo blau ist der Himmel, so heiter ist die sonnige Flur und so er» frischend die Luft. Wer mag an solchem Feier- toge in der Stadt bleiben! — Drum wandere ich.

Frohgemut schreite ich im Lüttertal dahin, ich höre über den Feldern die Lerchen tirilieren, ich freue mich der Schwalben, die zwitschernd einander jagen, der gelben Gebirgsbachstelzen, die wippern- den Fluges am Bache dahinschwebcn und sehe dem Finken zu, der drunten in der Wasserrinne des Holzweges sein Morgenbaü nimmt.

Badende Vögel am Morgen — das gibt zu den­ken . . wie oft schon kündigten sie einen Wetter­umschlag an. Sollte es wieder Regen geben? — vielleicht heute schon? Und mein Auge wollte sich doch einmal sättigen am frischen Grün der Wiesen, und das Ohr will wieder die Stimmen des Waldes hören nach so langer Winterzeit.

Wer wird auch gleich verzagen. Roch lächeln [a -die Berge so freundlich herab. Ihnen aber gilt heute nicht mein Besuch. Was wissen die da dro­ben im Windeswehen von des Frühlings geheirn- msvollem Treiben im Tale.

Bei der Hohenstegmühle hinter Poppenhausen, wo das Siebloser Wasser ins Tal der Rauscheibach herabfließt, da sind Tausende der goldgelben Him- melsschlüsielchen ins Wiesenqrün gestreut, und die trockenen Raine leuchten im Schleier der Windrös­chen wie frisch gefallener Schnee. Ich biege um den Hang und stehe bewundernd vor dem Gvld- gründchen zum Schwarzen Hauck, dem Märchen­bild im grau-violetten Waldrahmen. Und als ich unter Amselsang und Drosselschlag und der Rot­kehlchen perlenden Liedern bis dorthin komme, wo vom Waldessaum der einsame Mittelberghof herab- fchaut da weiß ich: hier muß die Fee des Tälchens wohnen — denn nur für sie fließt gold-grün der Teppich hinab ins Blütengründchen.

Der Teufelstein hat kein Verständnis für die Pracht zu seinen Füßen. Er hört nicht einmal auf das Plaudern von Fitis und Baumpieper, die füngst in seinen Fichtenwald zurückgekehrt sind. Sein Felsenhang bleibt kalt. Drum klagt die Heidelerche auf der kiefernbestandenen Matte dro­ben ihr schwermütiges Dudl Dudl Dudl ... ins Tal hinab.

Wo auf den Triften am Grabenhöfchen die Kie­fern im Winde verkrüppelten, do blüht keine Blume, wo im Fichtenwalde zum Bubenbaderstein Hunderte der schlanken Stämme geknickt und ge­stürzt sind, da singt heute kein Vogel.

Schwere Wolken sind heraufgezogen, und der Wind sagt sie über die finsteren Steinhalden der Milseburg. Der badende Fink hat Recht behalten: zu schön war der Morgen, zu lieblich der Mittag, um Bestand zu hoben.

Die Schlüsselblumen und Windröschen, die ich km eiligen Hinabsteigen zum Biebertal pflückte und ine nun auf meindrn Tische stehen, sie bringen mir

riums die Schonzeiten in Preußen für das Wild verlängert werden. Nach der neuen allgemeinen Bestimmung, die demnächst erlassen werden soll, darf gejagt werden: Männliches Rot- und Dam­wild 1. August 1929—31. Dezember 1929 (im Januar und Februar 1930 geschützt). Weibliches Rot- und Damwild, Wildkälber 16. Oktober 1929 —31, Dezember 1929 (int Januar 1930 geschützt). Rehböcke 1. Juli 1929—31. Oktober 1929. Weib­liches Rehwild, Rehkälber 1. Dezember 1929— 31. Dezember 1929. Hasen 1. November 1929— 15. Januar 1930. Rebhühner 1. September 1929 —31. Oktober 1929. Wilde Enten 1. August 1929 —31. Dezember 1929 (im Januar und Februar 1930 geschützt). — Inzwischen ist für den Regie» rungsbezirk Kassel schon die Schonzeit für R e h b ö ck e bis zum 29. Mai 1929 einschließlich, Birk- und Fasanenhähne bis zum 29. Sept. 1929 einschließlich verlängert. Wegen der Schonzeit für Haselwild wird auf die Ministerialpolizeiver» ordnung vom 30. Oktober 1928 verwiesen, nach der dem Haselwild bis zum 31. Dezember 1931 nicht nachgestellt werden darf.

Generelle Sonderbeihilfen sürUnrersiühungsempfän ger unzulässig.

Aus Wiesbaden wird berichtet: Die in der letzten Zeit sich wiederholenden Streit­fälle wegen Nichtbeitretens des Magistrats zu den von der Stadtverovdneten-Derfammlung befchlof- fenen generellen Sonderbeihilfen für Unterstützungs­empfänger aus Anlaß der großen Feste (Weihnach­ten, Ostern, Pfingsten) sind jetzt zu einer endgül­tigen Klärung geführt Auf Veranlassung der Stadt- verordneten-Dersammlung hat der Bezirks-Ausschuß zu der Streitfrage Stellung genommen. Er stellt in seinem Urteil fest, daß eine etatrechtliche

Bindung des Magistrats nicht vor­liegt. Die Frage, ob eine Verpflichtung des Magistrats vorliegt, ist zu verneinen. Der Be­zirksausschuß steht auf dem Standpunkt, daß F e ft» beihilfen überhaupt unzui ässig sind. Der Höchstbetrag, der dem Wiesbadener Magistrat etats- mäßig für dis offene Fürsorge zur Verfügung steht, reicht nicht einmal aus, die Notlage der wirtschaftlichen Bedrängten in vollem Maße zu beheben. Für den Magistrat liegt aber die Ver­pflichtung ob, mit den ihm zur Verfügung stehen­den Sätzen haushälterisch umzugeben, damit die Stadt nicht in eine schwierige Lage gerät. Außer­dem muß der Bezirksausschuß jede schema­tische Verteilung als unzulässig ver­zeichnen. — In Fulda wurde bekanntlich s. Zt. eine generelle Ausschüttung von Sonderunrer- stützungen von der Stadtverordneten-Versammlung abgelehnt.

5lus dem Gerichtssaal.

Sühne für die Diebstähle in Eichenzell.

Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde der 40jährige, mehrfach (zuletzt wegen des schweren Einbruchsdiebstahls in Schloß Adolfseck zu vier Jahren Zuchthaus) vorbestrafte Kutscher Fr. Sch. von Eichenzell. Die Anklage legt Sch. zur Last, zu Eichenzell im Oktober 1928 bei dem Bürgermeister einen Einbruchsdiebstahl versucht zu haben, bei dem er aber gestört wurde und uner­kannt verschwand. Ferner soll er einem dortigen Bäckermeister mehrere Säcke Holz gestohlen, auf dem Bahnhof Eichenzell zwei Kisten mit Seife entwendet, im Januar 1929 aus der Scheune des

wieder die lieblichen Bilder von Sonnenglanz und Vorfrühlingspracht in den Rhöntälern.

Jugendtreffen der Bezirke Hulda, Hünfeld, Gersfeld.

Pfingsten in (Elters, Rhön.

Die Eisheiligen

stehen wieder einmal vor der Tür.. So nennt be­kanntlich der Volksmund den 12., 13. und 14. Mai, die Tage, an denen die Kirche das Gedächtnis der Heiligen Pankratius, Servatius und Bonifa­tius feiert. Es ist nämlich eine alte Erfahrungs­tatsache, daß um die Mitte des Wonnemonats regelmäßig ein Kälterückschlag eintritt. Hoffentlich werden wir aber in diesem Jahr der Ausnahmen vor Schnee und Frost im Mai verschont.

Die Bilkwoche geht zu Ende.

Seit Jahrhunderten wallfahrten die beiden gro­ßen Pfarreien (Dom- und Stadtpiarrei) am ersten und letzten Sonntag der Bifiwoche hinauf auf den Frauenberg. Die alten Fuldaer werden sich noch gut an die Zeit vor 50 Jahren, an die sogen. Kulturkampszeit erinnern, wo Kloster und Franzis­kanerkirche leer standen. Auch damals zogen die Katholiken Fuldas in Prozession zum Frauenberg. Vor dem verschlossenen Portal der Kirche wurde die Vittandacht im Freien gehalten. In unserer Stadt sind in letzter Zeit zwei Pfarreien, die Pfarrei zum hl. Geist und die Sturmiuspfarrei, hinzuge- kommen, die im Vorjahre zum er st en Male am letzten Bittsonntage nach dem Frauenberg ge­pilgert sind. Auch in diesem Jahre werden die beiden neuen Pfarreien am morgigen Sonntag nach dem Frauenberg wallfahrten. Die Wall­fahrten der Dom- und Stadtpfarrei, die die Bitt- woche eröffneten, fallen aus.

75. Geburtstag.

Heute begeht Karl Schüßler, Vorfchloffer an der Bahn (i. R.), seinen 75. Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar für seinen Lebensabend viel Glück und Segen.

Bestandenes Examen.

Cand. pharm. Fritz Siebert, Sohn des Apo­thekenbesitzers F. Siebert, Bad Orb, bestand an der Universität München das Staatsexamen mit der Note „Sehr gut".

Aus der Zentrumspartei.

Gestern abend erstattete Stadtverordneter Stahl in der Versammlung des 7. Bezirks im „Karpfen" ein Referat über die Aufgaben der Zentrums­partei in den Parlamenten, vor allem in den städtischen Körperschaften. Nach einer sehr ergie­bigen Aussprache wurde der Vorstand des 7. Bezirks gewählt. Vorsitzender: Kaufmann Peter Schulte; stellv. Vorsitzender: Gastwirt Ferdinand Schmitt; Schriftführer: Stadtsekretär Gutperlet; Beisitzer: Kaufmann Joseph Fröhlich, Schreiner Damian Klug und Bäckermeister Raimund Link. Alle sechs Herren sind zugleich Obmänner.

Gesellenprüfung.

Zu den demnächst stattfindenden Gesellenprü­fungen im Maurer- und Zimmererge­werbe hat die Meldung unter Be'fugung der er­forderlichen Unterlagen bis zum 15. ds. Mts. an den Obermeister der Baimewerksinnung, Maurer­meister H o d e s, zu erfolgen.

Verlängerte Schonzeiten im Jahre 1929.

Wie wir hören, sollen in diesem Jahre nach einem Beschluß des preußischen Landwirtschastsnnniste-

Wir laden hiermit nochmals unsere lieben Freunde ein zu unserem Psingstjugendtresfen in Elters. Rhön, auf Pfingstsonntag und Montag. Es ist folgendes Pro­gram festgesetzt:

1. Pfingstsonntag:

Treffen der I u n g f ü h r e r: Ankunft in Elters spä­testens mit dem Zuge Fulda—Bieberstein ab Fulda 4.31 Uhr. In Elters Einteilung der Quartiere. Kost und Nachtquartier wird den Jungführern kostenlos von den Einwohnern von Elters gestellt.

Yil Uhr: Eröffnungsandacht in der Pfarrkirche zu Elters.

Anschließlich: Jungführertagung unter Leitung des Leiters der „Wacht der Landjugend" Aioys Seyock: „Die Krisis der Landjugend und die Auf­gaben des Jungführers." Als Schluß: Feuer, Feuerrede und Abendgebet.

2. Pfingstmontag: Jugendtreffen.

6 Uhr: Beichtgelegenheit. Wir wünschen, daß alle Jugendführer am Montag an der Generalkommunion teilnehmen.

7 Uhr: Heilige Messe mit Generalkommunion der Jungführer und der Mitglieder des Jugend- und Jung­männervereins Elters.

Uhr: Besprechung der Jungführer mit Aloys Seyock.

9 Uhr: Eintreffen der Jugendlichen und Jungmänner zum Treffen.

Für die Teilnehmer der Bahnstrecke Flieden—Fulda 8 Uhr Zug: Fulda an 8,06 Uhr. (Neuer Fahrplan!) Fulda ab 8,10 Uhr Strecke Fulda—Bieberstein.

10 Uhr: Festgottesdienst in der Pfarrkirche zu Elters.

Anschließend im Freien:

Papflhuldlgung.

%12—1 Uhr: Freizeit. 1 Uhr: Maiandacht.

1.15 Uhr: Gemeinsamer Marsch nach D a nz w i e | * Milseburg.

J43 Uhr: Ansprache des Dichters Ludwig N ü d l i n g und Einführung in das Festspiel.

3 Uhr: Festspiel: „A b r a h a m s O p f e r" von Lud. wig Nüdling.

5 Uhr: Schlußwort des Diözesanpräses. Schlußlied „Wann wir schreiten." Rückmarsch nach Station Milse» bürg. Rückfahrt mit dem 6 Uhr Zug.

Auch bei u ng ü n st i g e r Witterung findet das Tref» fen statt. An Stelle des Marsches auf die Milseburg ist dann am Nachmittag Fest Versammlung in Elters.

Diejenigen Vereine, die sich noch nicht angemeldet haben, bitten wir um sofortige Meldung an Bezirksschrift» führer Kaplan Mozurowski, Neuhof, Kreis Fulda.

Nun auf zum großen frohen Jugendtreffen in Elters.

®. Kind, Diözesanpräses.

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Rationalisierung!

Nämlich die Erspar­nisse, die durch mo­derne Organisation ganz ohne Zweifel er­zielt werden, zur Ver­besserung der Ware zu verwerten. Diesen

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