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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild'' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 <ßf.) ohne Zustella

Samstag, 11. Mai 1929.

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Das Fiasko der Abrüstung.

Kriegsmaterial und ausgebildete Reserven. — Der Reichsautzenminister ZU dem (Ergebnis der Genfer Konferenz. — (Eine französische Antwort,

Sn Genf haben vom 15. April bis zum 6. Mai 150 Delegierte von 28 verschiedenen Staaten zu- sammengesejfen, um darüber zu beraten, wie man am besten die Abrüstung verhindern kann. Nur ganz wenige Delegierte sind bemüht gewesen, Wege zu zeigen, die zu einer wirklichen Abrüstung und damit zur Erfüllung der Verpflichtungen führen, die die Völkerbundstaaten übernommen haben. So hat sich der deutsche Vertreter Graf Bernstorff eben­so eifrig wie ergebnislos bemüht, die Arbeiten des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungskom- mission zu fördern. Seine Anträge sind ausnahms­los unter den Tisch gefallen, man hat sich die Reden des deutschen Delegierten angehört und hat danach beschlossen, was man für gut befand und was stets das Gegenteil der deutschen Anregungen war. Es hat gar keinen Zweck, sich darüber hmwegzu- täufchen, daß hinsichtlich der Landrüstungen die sechste Tagung des Vorbereitenden Abrüstungdaus­schusses mit einem völligen Fiasko endet. Man ist nicht nur nicht um einen Schritt weiter gekom­men, sondern man hat eher noch einen Schritt nach rückwärts getan. Nicht zuletzt ist das auf die Hal- tung des amerikanischen Delegierten Gibson zu- nickzuführen, der zwar in der Frage der ausge­bildeten Reserven grundsätzlich den französischen Standpunkt ablehnte, ihn aber praktisch akzeptierte. Auch die Amerikaner erklärten sich gleich den Eng­ländern damit einverstanden, daß die ausgebildeten Reserven nicht unter die Rüstungsbeschränkungen zu zählen sind. War damit schon dem Gedanken der Abrüstungen ein schwerer Schlag versetzt, so wurde der Mißerfolg noch deutlicher, als sich zeigte, daß man nicht entschlossen war, das lagernde Kriegsmaterial in irgend einer wirkungsvollen Weife zu beschränken, sodaß mithin für die ausge­bildeten Reserven auch stets das erforderliche Ma­terial zur Stelle fein wird. Es wird also im Zei- chen der Abrüstung den Siegermächten auch weiter gestattet fein, Millionen-Heore zu unterhalten, Heere, die vielleicht noch gröfier sind, als die, die zu Beginn des Weltkrieges vorhaiüien waren. .. klein wenig günstiger liegen die Dinge hin­sichtlich der Abrüstung zur See. Hier hat der Vor- Iwtz viel Beachtung gefunden, den der amerika­nische Delegierte Gibson unternahm, als er erklärte, oafj Amerika sich nicht mit einer Beschränkung der' Seerustungen begnügen wüstde, sondern eine fiihl- " bare Herabsetzung fordere. Das Echo, das aus London herüberklang, war nicht unfreundlich. Man begrüßte den Gibfonschen Vorschlag, der Einzelhei­ten noch nicht enthielt, der aber, soweit man die Dmge heute übersehen kann, es doch wohl den Engländern ermöglichen dürfte, eine, größere Zahl kleiner Kreuzer beizubehalten, ohne daß die Ameri­kaner deswegen auf ihre 10 000 To.-Kreuzer zu verzichten brauchten, durchaus sympathisch. Man kann auch woksi ohne weiteres annehmen, daß für diese Aufnahme in England nicht allein die Rück- sicht auf die kommenden Wahlen maßgebend wa- ,!?ndern daß man in London tatsächlich eine ...rimnbtgung mit Washington erstrebt, da man « md)t darüber im unklaren ist, daß bei einer !

b£5 Wettrüstens Amerika den längeren I °-r e3 nun tatsächlich zu einer Ver- siandigung zwischen London und Washington kom-

’ J*06 täßt sich heute freilich noch nicht übersehen, das Tempo der Verständigung dürsie durch den Ausgang der englischen Wahlen n.cyt unwesentlich beeinflußt werden. Un­nötig zu betonen daß die gesamte weltpolitische durch eine solche Verständigung eine wesent- (ufje Veränderung erfahren würde, ist schon heute rI e ss^chen den beiden angel- I

sächsischen Staaten für die Gesamtkorchellation ge- rabezu beherrschend.

Man bat nun vielfach aus der Unterstützung, die die französischen Vorschläge gefunden haben, den Schluß gezogen, daß sich auch eine amerikanisch französische Verständigung anbahne. In Washing­ton hat man aber doch Wert darauf gelegt, von den Erklärungen Gibsons etwas abzurücken' oder man hat sich zum mindesten noch sehr energisch gegen die Auffassung gewehrt, daß diese Borschläg-' einer aktiven Unterstützung der französischen Poli­tik gleichkämen. Das ist immerhin eine sehr be- ! merkenswerte Erklärung. Sie ist weltpolitisch be- deutsam, beweist allerdings für den weiteren Ver­lauf der Abrüstungsve Wandlungen nichts. Offen­bar stehen nämlich die Amerikaner auf dem Stand­punkt, daß ihnen die Frage der Landrüstungen I ziemlich gleichgültig fein kann, sie interessieren sich nur dann dafür, wenn es sich darum handelt, ge­wisse amerikanische Einrichtungen, wie etwa die Nationalgarden zu sichern, sonst aber überlassen sie bas Feld ohne weiteres den Möchten, die tatsäch- I lich an der Laichrüstung interessiert sind, d. h. vor allem also Frankreich. Die Frage ist nur, ob die Rechnung nicht falsch ist, wenn man sich heute in Washington sagt, daß nach einer Bereinigung der Flottenfrage lck-lreßlich auch das Problem der i Landrüstungen erledigt werden kann, denn bisher hat sich immer noch gezeigt, daß einmal gemachte Zligeständnisse später sehr schwer rückgängig ge- I macht werden können. Kein Wunder, daß unter I solchen Umständen auch der deutsche Delegierte Graf Bernstorfs der kommenden Tagung derAbrüstungs- kommission, die nun die letzte Tagung dieses Vor­bereitungsausschusses sein soll, mit größter Skep­sis entgegensieht. Daß auf dieser Tagung, die erst nach der Vollsitzung des Rates, d. h. also keines- wegs vor dem September stattfinden soll, irgend 1

ein Fortschritt in der Abrüstungsfrage erzielt wer­den wird, ist sehr unwahrscheinlich. Leider aber sind auch die Aussichten dafür, daß die endgültige Abrüstungskonferenz, deren Tagungstermin noch immer nicht feststeht, die unmöglichen Beschüsse des Vorbereitungsausschaksies revidieren wird, recht ge­ring. und es wird sich auch für die deutsche Politik die Frage erheben, welche Folgerungen dgxMS zu ziehen sind.

Sfrefemann über das versagen der Mbrüftungs- konferenz.

Sn seiner Rede auf dem Bankett der Berliner ausländischen Presse, über die an anderer Stelle bereits berichtet worden ist, machte Reichsaußen­minister Dr. S t r e s e m a n n zur Frage der Ab- rüftung folgende wenig optimistisch klingenden Ausführungen:

Sch bin der Ansicht, daß es sich auch hier um I eine Frage handelt, die einen Bestandteil der att- I gemeinen Liquidation des Weltkrieges bildet und die darüber hinaus ganz allgemein für die künftige I Gestaltung der internationalen Verhältnisse von I größter Tragweite sein wird. Die Hoffnung, I die ich im vorigen Sabre an dieser Stelle aussprach, I ist- das muß ich in aller Deutlichkeit feststellen, I nicht erfüllt worden. Die Dinge liegen nach I dem Verlauf der letzten Genfer Beratungen so, daß I man äußerlich zwar van einer gewissen Beschleu­nigung des Tempos sprechen kann, daß sich aber I in der sachlichen Behandlung der Probleme eine I Perspektive_eröffnet hat, die in weitgehen- I dem Maße ein Versagen der Grund- libee der allgemeinen Abrüstung be= I fürchten läßt. Mit dem Gedanken einer graduellen und etappenweisen Lösung dieses Problemes ha­ben wir uns in Deutschland immer einverstanden I klärt. Aber auch die auf einer ersten Entwaffnungs­konferenz zu erreichende nächste Etappe muß doch stlbstverständlich darin bestehen, daß eine fühl- I bare Herabsetzung des gegenwärtigen Rüstungs- I standes in allen seinen wesentlichen Faktoren zu I Lande, zur See und in der Lust erfolgt. Werden I dagegen wesentliche Rüstungselemente beifeitege- I lassen, so kann nur eine Scheinlösung Zustandekom­men, da den beteiligten Staaten die Möglichkeit offen bliebe, den Effekt der Verminderung einzel­ner Rüstungsfaktoren durch die beliebige Verstär- I kung anderer Faktoren illusorisch zu machen. Auch derjenige, der sich niemals näher mit den Einzel- I beiten befaßt hat, muß ohne weiteres erkennen, | daß auch nur von dem Beginn einer wirklich ern­sten Abrüstung nicht die Rede fein kann, solange I zwei der wesentlichsten Rüstungssa k- I t o r e n, nämlich die ausgebildeten Reserven und das Kriegsmaterial völlig underück-

I sichtig! bleiben.

Sch kann nur meine völlige Uebereinftimmung I mit dem deutschen Delegierten Graf Bernstorfs erklären, wenn er von den Genfer Beschlüssen west I abgerücki ist und die Verantwortung für ihre Fol- I gen denjenigen Regierungsvertretern zugewiesen I bat, die für die Beschlüsse gestimmt haben. Auch die Regierungen, deren Augenmerk sich infolge bei I besonderen Lage ihrer Länder in erster Linie au! die Marineabrüstung richtet, können nid): übersehen, daß es letzten Endes doch das gemein­same Sntereffe aller Völker verletzen würde, wenn die Landabrüstung mißlänge, und wenn infolge­dessen namentlich in Europa ein Zustand bei Rüstungen aufrecht erhalten bliebe, ber mit einer bauerbaffen Sicherung des Friedens nicht ver­träglich rft. Bei der jetzt durch die Genfer Befckl ist I gefchafenen Sachlage bleibt nur noch eine letzte | Hoffnung: Die Abrüstungskonferenz har nur die | Aufgabe der Vorbereitung und ist nicht die zustän bige Snstanz für die endgültige politische Entschei­dung über das Gesamtproblem. Noch besteht also die Möglichkeit einer Aenderung des Standpunktes, den die Mehrheit der vertenen Regierungen bisher eingenommen hat. Bleibt auch diese Hoss- nung unerfüllt, versagen jene Regierungen dem dringenden Wunsche aller Volker nach Abrüstung auch weiterhin ihr Gehör, so tragen sie die Verant wortung für eine Entwicklung, ber ich meinerseits nur mit ernster Sorge entgegensetzen könnte. Viel­leicht wird der Elan, den ich von einer baldigen Lösung der Reparationsfrage erhoffe, soweit ge­hen, daß er sich auch auf dem Gebiete der Abrü­stung als wirksam erweist. Denn im Grunde sind die Voraussetzungen für einen Fortschritt auf den verschiedenen Gebieten der internationalen Bezie- bungen doch überall die gleichen: Verständnis für bie gegenseitigen Lebensnotwendigkeiten, Aner­kennung der Gleichberechtigung aller Kulturvölker und Erkenntins ber Notwendigkeit, die allgemein gepriesenen Ideale nicht nur in ber Theorie, son- öern auch in der Praxis in Anwendung zu bringen.

<£inc Erwiderung Paul Bcncours.

Der sozialistische französische Abgeordnete Paul I ■öoncour schreibt am Freitag in dem Pariser „Crcelfior zu den Ausführungen Dr. Stresemanns über die Abruftungskonferenz: Man muß vollkom- men bte beiden Punkte, die Frage der Reserven und die Frage bes Kriegsmaterials tren- n e n. Was die Reserven betrifft, bin ich ber An­sicht, daß die deutsche These unzulässig und unan­nehmbar ist . Man muß sich ein für alle Mal darüber Rechenschaft ablegen, daß die europäischen kontinten Nttionen niemals auf bie Re­krutierung und auf bie Gleichheit im mili- .,

tärischen Dienst verzichten werden. Sprechen wir doch offen: Die Beschränkung ber ausgebilde­ten Reserven bedeutet doch die Aufhebung ber Aus­hebungen, bie Beseitigung des obligatorischen für alle gleichen Militärdienstes. Das niemals! Denn für Frankreich bedeutet bie allgemeine Rekrutie­rung eine Armee im Dienste der Nation und die Sicherheit Frankreichs. Nicht, weil Deutschland durch den Friedensvertrag Verpflichtungen hin­sichtlich der Rüstungen (deren Methoden ich übri­gens nicht gebilligt habe) auferlegt worden sind, kann man fordern, daß sie auch die anderen in der gleichen Form, ja sogar gegen ihre politische Ent­wicklung, ertragen. Was dagegen die Beschrän­kung der Kriegsvarräte betrifft, hat De utschland recht, denn es ist klar, daß es keine Befchränkung der Rüstungen in Friedenszei­ten ohne Beschränkung der aufgestapelten Vorräte in Friedenszeiten geben kann. Aber Deutschland muß begreifen — und darum bemühe ich mich seit 4 Jahren und dabei hat es mich so wenig unterstützt, — daß bie Beschränkung des Materials nicht ohne internationale Kontrolle er­folgen kann. Deutschland möge sich uns an- schließen und in diesem Sinne Propaganda in Eu­ropa machen, denn nur an dem Tage, an dem oiefe Kontrolle bestehen wird, wird irgendeine Beschrän­kung möglich fein.

* Die Ernennung des neuen Oberbefehlstzabers der französischen Dcfatzungstruppen. (Eig. Meld.)

Wie Motin ankündigt, wird im Ministerrat, ber am Freitagvormittag ftattfinbet, bie Ernennung des neuen französischen Oberbefehlshabers ben französischen Besatzungstruppen im Rheinland und des neuen Chefs des Generalstabs, die beide in­folge Erreichung der Altersgrenze aus dem Dienst ausscheiden, erfolgen. An Stelle des Generals Euillaumat wird General Jaquemot, bisher Befehlshaber des 14. Armeekorps und Militärgou­verneur von Lyon zum Befehlshaber der franzö­sischen Besatzungstruppen ernannt werden, an Stells des Generals Debeney General Maurin zu» Chef des Generalstabs.

Das Hufmarschverbot in Wien.

wtb. Wien, 10. Mai. (Eig. Meld.) In der Angelegenheit des vom Wiener Bürgermeister als Landeshauptmann erlassenen Aufmarschverbotes für Wien hat der Vizekanzler an den Landeshauptmann ein Schreiben gerichtet, in dem er nach einer ein­leitenden Darstellung verlangt, den Erlaß mit Rück­sicht auf bie Kürze ber zur Verfügung stehendere Zeit dahin abzuändern, daß die bereits ange­meldeten und ursprünglich gestatteten Auszüge von der Geltung des Erlasses ausgenommen werden.

Wie bie Arbeiterzeitung meldet, wird der Lan­deshauptmann und Bürgermeister von Wien im Laufe des heutigen Tages zu der Weisung des Vizekanzlers Stellung nehmen.

Um die Verteilung der Reparationen

Heftigster widerstand (Englands gegen eine Kürzung seines Anteils.

Die Lage innerhalb ber Pariser Reparations­konferenz scheint sich feit Mittwoch nicht geän­dert, zu haben. Die Frage ber Verteilung der Annuitäten unter den Gläubigern steht nach wie vor im Vordergrund der Erörterungen. Diese Diskussion, an ber die deutsche Delegation nicht beteiligt ist, dürfte voraussichtlich noch einige Tage in Anspruch nehmen.

lieber die Verteilung ber Summen, die der vom Vorsitzenden der Reparationskonferenz Owen Äsung ausgearbeitete Kompromißoorschlag vorsieht, will die Havosagentur aufgrund ber ihr gewordenen Auskünfte folgendes berichten können. Es sollen erhalten:

England: Deckung der Schulden gemäß dem in der Balfonrnote auseinandergesetzten Standpunkt, Belgien: Deckung der Schulden plus Reparations­betrag von ungefähr 1150 000 000 Goldmark, Frankreich: Deckung der Schulden plus Repara- llonsbetrag von etwas mehr als 7 Milliarden Goldmark, Stallen: Deckung der Sdjulben plus Re- narationsbetrag, der etwas geringer ist als eine Milliarde Goldmark. Dieser Berechnung ist der gegenwärtige Kapitalwert zu Grunde gelegt.

Sn dem Memorandum der Alliier - *■ e n wird nach Havas folgende Verteilung vorge­schlagen: England: Deckung der Schulden plus einer Milliarde Goldmark, bie für bie Deckung der eng» ifchen Verpflichtungen bei den Dominions bestimmt 'md, Belgien: Deckuna der Schulden plus Repara- ionsbetrag von 2 Milliarden Goldmark, Frank­sch: Deckung der Schulden plus Reparationsbe- rag von 1300 000 000 Goldmark.

Sn beiden Plänen sind dem Havasbericht zu- "olge bie kleinen Mächte mit einem Prozentsatz be­acht, auf den sie berechtigten Anspruch hätten.

Wie Reuter erfährt, haben in London die Nach- öchten, wonach der neue Vorschlag Owen D. Poungs eine Reduzierung der in Spaa England '^gestandenen Prozentsätze mit einbegreift, große lleberraschung heroorgerufen. Es waren ursprüng- ’id) keinerlei Anhaltspunkte dafür vorhanden, daß eine solche Maßregel in Betracht gezogen würde aber baß die Sachverständigenkonferenz Vollmacht besitze, diese Frage einer erneuten Prüfung zu un­terwerfen.

Sm englischen Unterhaus erklärte am Donners­tag Schatzkanzler Churchill, bie Regierung werde unter keinen Umständen bie ange­kündigten Reparationsvorschläge annehmen.

Die Unterhauserklärung Churchills wurde am Freitag von der gesamten Londoner Mor­genpresse an hervorragender Stelle gebracht und nachdrücklich unterstützt.

„Times" slagt in einem Leitartikel: Eine fo Amtliche und unxweid-uttoe Erklärung sollte ba*u

beitragen, den Sachverständigenausschuß zu veran­lassen, diese ziemlich unglückliche Einmischung in eine diplomatische Nebenfrage, für bie er tatsäch­lich nicht zuständig ist, aufzugeben. Aber trotz al­ler noch bestehenden Schwierigkeiten liegt guter Grund zu der Hoffnung vor, daß zum min- besten in ber Hauptfrage der deutschen Annuitätten eine Vereinbarung er­reicht werden kann. Auf jeden Fall ist eine offene und ehrliche Meinungsverschiedenheit einer unbil­ligen Regelung entschieden vorzuzieben.

Der Parffer Korrespondent der Times kommt zu dem Ergebnis, daß unter den gegenwärtigen Um­ständen die einzige Hoffnung in einer Ab­trennung der Frage der Verteilung von der Frage der Bezahlung liege. Sn dieser Richtung arbeiten, so sagt das Blatt, die britischen Delegierten.

Der Pariser Korrespondent ber „Daily Chro- nicle" nennt die Sage hoffnungsvoll und meint, eine Mehrheit gegen die Prozentsätze ?)oung sei wahrscheinlich.

Auch die Pariser Morgenpresse nimmt zu den Erklärungen des englischen Schatzkanzstrs Churchill im Unterhaus ausführlich Stellung. „Matin" kommt zu dem Ergebnis, daß ohne eine neue Bemühung zum allgemeinen Entgegenkom­men der Erfolg der Konferenz, der einen Augenblick lang vorauszusehen war, aufs neue gefährdet fein würde.

„Sournal" faat, zweifellos würden die Ameri­kaner die erften fein, die anerkennen würden, baß sie ein wenig zu west gegangen feien.

. Das „Petit Sournal" schreibt, die Unzufrieden- heit der englischen Delegierten sei gewiß verständ­lich, aber wenn sie der Ansicht seien, daß ber Be­richt Poungs in feiner gegenwärtigen Form un­annehmbar fei, so bedeute das nicht, daß seine Durchführung unüberwindliche Schwierigkeiten her- vorrufe. „Oeuvre" schreibt, wie wäre doch alles einfach, wenn die Vereinigten Staaten — und wir sprechen dabei nicht einmal von den interalliierten Staaten — die Eleganz besitzen würden, frühere Forderungen hinsichtlich der rückständigen Be- fatzungskosten nicht aufrecht zu erhalten!

Eine Unterredung Dr. Schachts mit Owen D. Voung.

Die Agentur Havas berichtet, daß Reichsbam Präsident Dr. Schacht Donnerstagnachmittag eint. Unterredung mit dem Vorsitzenden der Repara- ttonskonferenz, Owen D Aoung, hatte. Die Aa-m. tur nimmt an, daß es sich hierbei um die Bedi-g- ’tngen gehandelt habe, unter denen D-uti'ch'a"d die von dem Plan Poungs vorgesehenen Annuitä­ten würden zahlen können

vom Genfer Wirtschaftsral.

Dr. Hermes über Agrarfragen. — Bildung eines kündigen landwirtschaftlichen Sachverständigenaus­schusses.

Die Aussprache im Genfer Wirffchaftsrat galt am Mittwoch in erhöhtem Maße den Zusam­menhängen zwischen Snbuftrie und Landwirtschaft und den Schwierigkeiten der Angleichung der verschiedenartigen Snteressengegen- sätze in den Zoll- und Preisbildungsfragen. Von den verschiedensten Seiten wurde die Bildung eines ständigen l a n b ro i r t f d) a f 11i rf?en Sa ch- verstänbigenausschusses, dessen Ausgaben ber frühere Minister Hermes näher umriß, verlangt. Er begrüßte als Vertreter ber deutschen Landwirtschaft aufs wärmste die bevorstehende Gründung eines internationa­len landwirtschaftlichen Sachverständigenaus­schusses. Sm allgemeinen ergab sich aus den sehr ins einzelne gehenden Ausführungen des deutschen Vertreters für die Entwicklung ber Welt­wirtschaft folgendes Bild:

Einerseits geht eine Reihe überseeischer und eu­ropäischer Länder in immer steigendem Maße zur Snbuftrieafifierung über und verliert damit den Charakter reiner®qrarftaaten, andererseits kommest europäische Länder mit starker Snbuftrieaiifie- rung zu einer immer ftärferen Entwicklung ihrer heirnisch en Landwirtschaft, sogar zu einer gewissen R ea g r a ri si e r u n g.. Damit vollzieht sich als Ganzes gesehen ein gewisser Aus­gleich. Die starren alten Grenzen zwischen Snbuftrie- und Agrarlänbern fallen, unb wir nähern uns all­mählich einem größeren Eleichaewichtszustanb. Ge­wiß handelt es sich hier um eine Entwicklung auf lange Sicht. Die Agrarkrise hat in den letz­en Jahren eine z'-nelim-ude Verschärfung ersah­en, wenn auch bie Ursachen nich' überall bie aleichen sind, fo weist die Krise in ben einzelnen' Länbern boch ehren gemeinsamen hervorstechender. Zug auf. Das ist bie volkswirtschaftlich anor­male Preisbildung, bie in emem Zurück- bleiben der Agrarvreise hinter den Snbuftriepreifen besteht. Volkswirtschaftlich normal ist diese Preis- bilbung, wenn die Agrarpreise den Snbuftrieprei« fen vorauseilen, wie das auch früher ber Fall