56.Zahrg
Dienstag, 7. Mai 1929.
Nr 106.
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M mniemnnimet 10 vT (mir Züvskk. Beilage 15 W FuldaerZertung ^Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Eine Hilserding-Knleihe.
Das Reichskabmett hat am Freitag nach Entgegennahme eines Berichtes über die Äasfenlage des Reichs aus Vorschlag des Reuhsftnanzmnu- sters beschlossen, den Reichstag um die Ermach- tiauna zur Auflegung emer öffentlichen Reichs- Li?- ’ta SW »«” *0 MME R» XU ersuchen. Der Entwurf des Anleihegesetzes, dem das Reichskabinett bereits seine Zustimmung gegeben hat, ist dem Reichstag zugegangen.
Nun wird also auf die etwas verunglückte Reinhold-Anleihe, deren Stützung das Reich recht viel Geld gekostet hat, eine neue große Ausländsanleihe erfolgen. Die erste seit damals. Nicht der erste Pump — das weiß man ja, daß seit geraumer Zeit die Reichskasse zu jedem Ultimo rn Nöte gekommen ist wie ein Stiident in den letzten 25 Tagen des Monats. Und daß der Reichsfinanzminister schon manches Mal bei Reichsbahn, Reichspost, Preußenkasse, Versicherungsanstalten und zuletzt auch bei privaten Großbanken hat an die Türe klopfen müssen, um für billige gute Worte und teure Zinsen auf ein paar Tage oder Wochen das NötiMe vorgestreckt zu bekommen. Ein unerfreulicher Zustand, der noch dazu seit Ende des Vorjahres allmonatlich schlimmer wurde. Nun, man hat in der deutschen Oesfent- lichkeit von der Kassenlage des Reiches genug ersahren, um all das zu kennen. Der ewige kurzfristige Pump war keineswegs ohne Schattenseiten, und zumal: billig war er nicht. Als vor kurzem das Dreimonats-Kreditabkommen über 170 Millionen Reichsmark mit dem Bankenkonsortium abgeschlossen wurde und man erfuhr, daß die Banken den offiziellen Reichsbanklombardsatz als Zinsfuß und dazu ein Achtel Prozent Provision erhalten sollten, da berechneten Optimisten, daß die Effektivverzinsung für das Reich sich auf 7,625 Prozent stelle, daß also der Vierteljahrskredit insgesamt rund 3,25 Millionen Reichsmark koste. Die Peffi- misten — und diese hatten recht — kamen zu einer wesentlich höheren Belastung. Unmittelbar nach Abschluß des Kredits erhöhte sich der Lombardsatz von 7,5 aus 8,5 Prozent; es stellte sich ferner heraus, daß das Achtel Prozent Provision für den Monat gilt. Der tatsächliche Zins beträgt also 10 Prozent! Und er erhöht sich noch für den Fall, daß die Reichsbank sich demnächst zu einer neuen Heraufsetzung des Diskonts entschließt, was sich noch nicht mit Sicherheit übersehen läßt.
Kein Wunder, daß man unter solchen Umständen int Reichsfinanzministerium auf den Gedanken kam, es anstelle der teuren kurzfristigen Kredite einmal wieder mit einer langfristigen Kapital- aufnahme durch eine Inlandsanleihe zu versuchen. Man hätte diesen Weg gewiß schon früher beschritten, wenn man einmal den Mut zu einem Zinssatz gefunden hätte, der ganz wesentlich höher liegt als der der Reinhold-Anleihe, und wenn man zum anderen den deutschen Markt für hinreichend aufnahmefähig gehalten hätte. Den Zinsmut hat man jetzt aufgebracht. Zwar sind die näheren Bedingungen der neuen 500 Millionen-Anleihe noch nicht bekannt gegeben, doch kann man wohl mit einem Zinssatz von 7 Prozent rechnen. Mit der Tatsache, daß die Befteiung von Vermögens-, Einkommen-, Kapitalertragssteuer und mit gewisser Einschränkung auch von der Erbschaftssteuer ange- kündtgt ist, wird sich aus dem neuen Papier eine recht gute Rente ergeben, die man mit mindestens $ Prozent wird ansetzen dürfen. Sehr wahrscheinlich,, daß man auf solche Art tatsächlich in größerem Efang Kapitalien, die eine gewisse Neigung zur ln S^et 3eit aufgewiesen haben, zur Rückkehr tu deutsche Werte veranlassen wird. Ob freilich sm vorigen die Aufnahmefähigkeit des freien Marktes sich m letzter Zeit gebessert habe - das tlt etne Frage, d.e auch das Reichsfinanzministerium und das Kabmett offenbar nur skeptisch beantworten kamt. Ware es sonst nötig gewesen, ft:r Sparkassen, öffentlich-rechtliche Geldinstsiute und Sozialversicherungsanstalten den Zwang zu schaffen, einen bestimmten Teil ihrer Gelder in festverzinslichen Reichswerten anzulegen?
Es ist nun nicht möglich, ohne alle Bedenken von der beabsichtigten Form der Hilferding-An leihe Notiz zu nehmen. Auch die amtliche -Mitteilung des Reichskabinetts über seine einschlägigen Beschlüsse verschweigt die Bedenken nicht, die besonders in der vollkommenen Steuerfreiheit einer Anleihe liegen müssen. Hier wird in der Tat für Kapital-Fluchtverdächtige so etwas wie eine Belohnung ausgesetzt, di« noch dazu das Reich gar nicht billig zu stehen kom-nt. Man kann wohl den SteuerausfaH, der durch diest Großzügigkeit beim Reiche entsteht, auf rund 10 Millionen Reichsmark jährlich einschätzen, sodaß vom Reiche ans. einen Emissionskurs von 100 Prozent vorausgesetzt, der Effektiv-Zinssatz sehr stark nach 9 Prozent aus- sieht. Aber an'sich wird man gegen die Auflegung einer Anleihe nichts einwenden können. Es wäre gut gewesen, wenn eine ähnliche Maßnahme schon früher hätte ergriffen werden können. Es wäre bann der Zustand vermieden worden, der letzten Endes die Kafsenlage des Reiches am ungünstigsten beeinflußt und die völlige Aufzehrung aller Reserven verursacht hat, daß nämlich d:e Ausgaben des außerordentlichen Haushalts seit langem sinan- ziert werden mußten aus den lausenden Einnahmen des Ordinariums. Man wird zuguterletzt nocy feststellen müssen, daß auch ein Betrag von 500 Millionen, wie er vielleicht bis Ende Juni vei den Reichskassen aus dieser Anleihe eingehen wird, zwar eine wesentliche Erleichterung der Kassenlage zur Folge haben wird, daß aber die regelmäßige Ultimo-Verlegenheit damit keineswegs völlig behoben ist. Der Betrag, den sich das Reich seit einiger Zeit von den Banken hat vorstrecken lassen müsspn, stellt ja nur einen Spitzenbetrag dar. der über Pas hinausgeht, was von Reichsbahn, Reichs
post und öffentlichen Instituten anderer Art vorübergehend geliehen werden konnte., liche Ultimobedarf übersteigt wett eine Milliarde Reichsmark. Man wird annehmen können, daß ein Teil des Anleiheaufkommens vom Retchs-
finanzministerium benutzt werden wird, um, den letzten 170 Millionenkredit bei den Banken wieder loszuwerden, der ja noch teurer als 9 Prozent ist. Es bleiben dann zur tatsächlichen Verfügung nur knappe 330 Millionen. Franz E. Koch.
Zer RMM-Unlpserbuliki roirb achelöft.
(Eine vernünftige Maßnahme der preußischen Regierung.
wtb. Berlin, 6. Mai. (Eig. Meldg.). Don unterrichteter Seite wird die Nachricht bestätigt, daß der preußische Minister des Innern G z r e z i n s k i wegen der Vorgänge der letzten Tage in Berlin den Rot-Front-Kämpfer-Bund für ganzPreußen mit sofortiger Wirkung aufgelost hat.
Wenn die Kommunisten nun auch wieder in den wildesten Tönen wettern werden, so ist doch sicherlich die Mehrheit des deutschen Volkes, zum mindesten außerhalb der Großstädte, der Auffassung, daß schon das Ansehen Deutschlands in der Welt ein solches Verbot erforderlich machte. Wir wollen eine Staats autorität, die politische Ruhestörer auf der rechten und auf der sinken Seite auf das tatkräftigste zur Ordnung zu zwingen verftsht. „Wer nicht hören will, muß fühlen."
Auf Dienstag, den 7. ds. Mts., beruft der Be- zirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei in die KammersAe zu Berlin eine allgemeine Funktionärversammlung ein, in der der Reichstagsabgeordnete Franz Künstler über „Die Blutschuld der Kommunisten am 1. M a i" sprechen wird. Zutritt haben nur die Funktionäre und die Detriebsvertrauensleute der S. P. D.
Die Verfügung des Innenministers.
Der preußische Innenminister hat folgende Verfügung erlassen:
Aufgrund des § 14 in Verbindung mit § 7, Ziff. 4 und 5 des Gesetzes zum Schutze der Republik vom 21. Juki 1922 und vom 2. Juni 1927, des 8 1 des Gesetzes vom 22. Märt 1921 in Verbindung mit der Verordnung zur Ausführung dieses Gesetzes vom 12. Febr. 1926 und aufgrund des 8-2 des Reichsvereinsgefebes vom 19. April 1908 in Verbindung mit § 129 des Reichsstrafgesetzbuches wird für das Gebiet des Freistaates Preutzen mit Zustimmung der Reichsregierung der Rote Frontkämpfer-Bund E. V. einschließlich der Roten Jiingfront und der Roten Marine mit allen seinen Einrichtungen aufgelöst, weil aus seinem Verhalten hervorgeht, daß sein Zweck im Widerspruch ?u den gesetzlichen Bestimmungen sieht. Das Ber- m-öaen der betreffenden Organisation wird aemäß 8 18 des Gesetzes zum Schutze der Republik und 8 3 des Gesetzes vom 22. März 1921 zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen. Die Durchführung der Beschlagnahme und Einziehung obliegt den örtlichen Polizeiverwal- t u n g e n.
Diese Verfügung des Ministers des Innern Gzrezinski ist bereits der Bundesleitung des Roten Front-Kämpforbundes zugeleftet worden.
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— Berlin, 6. Mai. (Eig. Meldg.). Wie in politischen Kreisen verlautet, ist das Verbot des Roter; Frcmtkümpferbundes für Preußen im Ein
vernehmen mit dem zuständigen R e i ch s - Minister erfolgt; es ist jedoch nicht beabsichtigt, das Verbot gleichzeitig auf das ganze Reich auszudehnen.
Nach den Mai-Nrawallen.
In Berlin verurteilte das Schnellgericht im Berliner Polizeipräsidium den Wann, der am 1. Mai den lleberfall auf den Kommandeur.der Schutzpolizei Heimannsberg verübte, zu z we i M o- naten Gefängnis.
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Der Berliner Polizeipräsident erklärte, der Sonntag in den Unruhezentren Neukölln und Wedding fei ruhig verlaufen. Sie Milderungen, die in der Handhabung des polizeilichen Schutzdienstes eingetreten sind, konnten deshalb noch erweitert werden.
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Anstelle der auf drei Wochen verbotenen „Roten Fahne" wird den Abonennten der „Klassenkampf", das kommunistische Organ in Halle-Merseburg geliefert. *
Der „kleine Belagerungszustand" in den bisherigen beiden Unruhezentren Neukölln und Wedding konnte am Montag vormittag auf« gehoben werden.
Hamburg.
wtb. Lüneburg, 6. Mai. (Eig. Meldg.). Bei einer ohne Zwischenfälle verlaufene Demonstration der Kommunisten und des Roten Frontkämvfer- bundes auf dem Rathausptatz kündigte nach einem Bericht des Lüneburger Landespressedienstes ein Vertreter der Hamburger KPD. an, daß sich die Partei um das vom Hamburger Senat erlassene Verbot des internationalen Rot-Frontkämpfer- Tages nicht kümmern werde. Das Treffen solle trotz des „Polizei-Terrors" unter allen Umständen durchgeführt werden.
M.-Glabbach.
Der Polizeipräsident von M-Gladbach-Rhendt hatte aufgrund des allgemeinen Landrechts für Samstag und Sonntag ein Verbot kommunistischer Versammlungen und Umzüge erlassen. Als trotzdem hie Kommunisten am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz in Rhendt in großer Zahl sich versammelten. und der kommunistische Landtagsabgeordnete Fraenken eine Rede hielt, seh b;e Polizei sich veranlaßt, die Ansammlung mst Hilfe des Gummiknüppels zu zerstreuen und den Aba. Fraenken fest.runehmen. Er wurde jedoch nach feiner Vernehmung wieder entlassen.
Dresden.
Im Zirkusgebäude in Dresden sand eine kom- munistische Versammlung statt, die ursprünglich als Eröffnung des inzwischen abgesagten Reichspartei- tages der K. P. D. abgesagt, dann aber als Pro-
Der amerikanische Kompromisworschlaq.
Cin'gung zwischen Schacht und den Amerikanern. — Deutsche Zugeständnisse.
Werden Frankreich und Belgien widersprechen?
Havas berichtet, das Memorandum Owen Youngs, das in feinen Einzelheiten präzisiert worden sei. werde wahrscheinlich Montag vormsttag an die Mitglieder der Konferenz verteilt werden, ebenso wie die deutsche Note, die die Vorbehalte andeute, von denen Dr. Schacht seine Zustimmung zum Vorschlag des amerikanischen Sachverständigen abhängig zu machen gedenke. Die Delegationen würden sofort getrennt mit dem Studium des Memorandums Owen Poungs und der Note Dr. Schachts beginnen, um in der Lage zu fein, beide am Dienstag diskutieren zu können. Nach dem, was man in Konferenzkreisen zu wissen glaube, sei es schwierig, sich eine zutreffende Ansicht über die Bedeutung des Memorandums Owen Poungs zu bilden, da die vorge'ch'agene Verteilung der Reparationen auf die verschiedenen Länder noch nicht bekannt fei.
Diven Aoung hat nach den vorliegenden Informationen die französischen, englischen, belgischen und italienischen Delegierten um sich versammelt und ihnen erklärt, Dr. Schacht nehme unter gewissen Bedingungen feine (Omen Pörings) Zahlen an, also für 37 Jahre eine Durch'chnittsannuität non 2060 Millionen zur Begleichung der eigenb liehen Reparationsansprüche, einschließlich der Rückzahlung der interalliierten Schulden. Was die Deckung der interalliierten Schulden betreffe, so sollten diese nach dem 37. Jahre bis zum 58. Jahre durch den Gewinn der internationalen Bank gesichert werden. Dr. Schockst bade betont, daß dieses Anerbieten sein letztes Wort sei. Owen Young erklärte nach den Meldungen der Morgenpresse weiter, er für feinen Teil sei der Ansicht, daß man hiermit in dos Verhandlungsgebiet gelangt fei und daß die genannten Zahlen dem wirklichen Bedürfnis der Gläubiger entsprechen.
Die Blätter bemchnen, daß es sich bei dem amerikanischen Kompromißvorschlag um Zahlen handele, die etwa 15 0 bis 17 0 Millionen niedriger liegen, als die von den alliierten geforderten Jabresmhlungen. ^■'rhiners besiehe sich dieser Unterschied aussckiließlich und zwar in außerordentlich fühlbarer Weise auf den eigentlichen Reparationsanteil, der von 13 auf 10 Milliarden zurückgehen wurde, wodurch sich Frankreichs eigentlicher Reparationsanteil von 48 auf 36 Milliarden ermäßigen würde. Was die Vorbehalte anbetrifft, die die deutsche Delegation gemocht hat und über die bereits berichtet wurde, so schreibt „Petit Parisien", es verlaute, daß die Vorbehalte ausschließlich wirtschaftlicher Art seien und das System der Kommunalisierung beträfen sowie die Erleichterungen, die Deutschland wünsche um seine künftige Zahlungsfähigkeit zu steigern, namentlich mit Hilfe der künftigen Bank für internationale Zahlungen.
Bei der Berechnung der Annuität des amerikanischen Kompromisses sind übrigens die Zinsen für die Dawesanleihe in Höhe von 70 Millionen Mark einbegriffen, so daß es sich in Wirklichkeit, wie das „Journal" feststellt, nur um eine Durchschniftsannuität von 1990 Millionen Go!d- rnark bandele. Bei der Beurteilung des Kompromißvorschlags Boungs drückt sich mit Ausnahme einiger rechtsstehender Blätter die Presse zuruck- haltend aus. Bemerkenswert ist, daß das „Journal" feine Unzufriedenheit mit den Amerikanern offen ausfvricht. Sowohl dieses Blatt wie auch „Echo de Paris" glaubt bemerken zu können, daß die Amerikaner als Mittler, die r eitere Opfer von den alliierten Gläubigern fordern, nicht gerade geeignet feien, da Amerika seinerseits seinen alliierten Schuldnern keinerlei Nachlaß gewähren wolle.
tesiaktivn gegen die Berliner Vorgänge angesetzt war. Während der Versammlung, an der etwa 4000 Personen teilnahmen, kam es zu keinen Zwischenfällen. Die Polizei sah sich jedoch genötigt, gegen Ansammlungen, die sich vor dem Zirkus und in den angrenzenden Straften und später auch in der Gegend des Neustädter Marktes gebildet hatten, energisch einzuschreiten, teilweise unter Anwendung des Gummiknüppels und Einsetzung berittener Kommandos. Die Demonstranten bewarfen die Polizei mit Steinen. Gegen Mitternacht war die Ruhe wiederhergestellt. Ein Polizeibeamter ist durch Steinwürfe leicht verletzt worden. Zehn Personen wurden festgenommen.
Nürnberg.
Am Samstagabend kam es in Nürnberg zu Kundgebungen der Kommunisten, die aber von der Polizei ohne Gewaltanwendung unterdrückt wurden. Die Kundgebung des kommunistischen Jugendverbandes und eine Veranstaltung des Roten Frontkämpferbundes waren von der Polizei verboten worden.
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In Königsberg hielt der Stahlhelm eine Kundgebung für die Grenzländer ab. In Anschluß an die Veranstaltung kam es zu Zwischenfällen, an denen Stahlhelmleute und andersdenkende jugendliche, radaulustige Personen beteiligt waren. In der Tragheimer Kirchstrafte wurden mehrere Stahlhelmleute überfallen. Dabei erhielt der Eüteragent Knuth aus Neustettin einen Stich in die Leber, der ihn schwer verletzte, während der Landwirt Rohde aus Juchow durch mehrere Mes- serstiche leichter verletzt wurde. Die Täter sind unerkannt entkommen. Eine groftere Schlägerei entwickelte sich in der Kesfelstrafte. Die Polizei hatte umfassende Maßregeln getroffen und säuberte die Straften bei Ansammlungen und Ausschreitungen mit dem Gummiknüppel. Im ganzen wurden zehn Personen festgenommen. In der Neuen Dammgasse geriet nachts ein Vorübergehender mit einem Soldaten der Königsberger Garnison wohl infolge politischer Mei- nungsverschiede nheit-en in Streit. Er erhielt von dem Soldaten einen Stich mit dem Seitengewehr in den Unterleib und wurde schwer verletzt.
Gefahr des Eifenbahneistreiks?
Streikbeschluß des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands.
Der Vorstand und Beirat des „freien" Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands trat in Leipzig zusammen, um zu der durch die Ablehnung der Lohnerhöhung durch die Hauptverwaltung der Reichsbahn geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Nach Berichten über die bisherigen Verhandlungen und nach längerer Diskussion, in der besonders von den Funktionären Mitteldeutschlands ein sofortiger Eintritt in den Streik gefordert wurde, nahmen die Versammelten eine Entschließung an, durch die der Vorstand ermächtigt wird, im Einvernehmen mit den übrigen beteiligten Organisationen den Streik zu proklamieren. Nach dieser Formulierung ist also die letzte Entscheidung in die Hände der V o r st 8 n d e der Eisenbahnergewerkschaften gelegt worden, die, wie verlautet, am Dienstag in Berlin zusammentreten werden, um ihre weiteren Schritte zu beraten. Nach den Richtlinien der Eisenbahner-Organisationen müssen jedoch vor Eintritt in den Streik die Spitzengewerkschaften verständigt werden.
Ein Streik der Eisenbahner oder auch nur die Gefahr eines Eisenbahnerstreikes wird im Augenblick des beginnenden Reiseverkehrs die Reichsbahn erheblich schädigen.
* Telegramm des Bundeskanzlers Skreeruwih an den Reichskanzler Müller. Aus Wien wird gemeldet- Bundeskauzler Streeruwitz rickstete an den Reichskanzler Müller folgende Depesche: Vom Nationalrat zum Bundeskanzler gewählt, entbiete ich Ihnen, Herr Reichskanzler, Zugleich mit meinen aufrichtigsten Grüßen die Versicherung, daß mir die treueste Pflege der brüderlichen Freundschaft zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich stets ganz besonders am H"rz»n liegen wird.
* lifutefeu in Berlin. Der rumänische Minister des Aeußern, Tituleseu, ist, aus Paris kommend, in Berlin eingetroffen.
* Gründung des Bundes für koloniale Erneuerung. In Görlitz wurde auf einer Taoung des Bundes der Kolonialfreunhe die Verschmelzung des Blindes der Kolonialfreunde und der Gesellschaft für kolon'ale Erneuerung zu einem ,.B und für koloniale Erneuerung" beschlossen Zum Vorsitzenden des neuen Bunl^s wurde Reichs- minister a. D. Külz aeroäMf. zum stellvertretenden Vorsitzenden Cohen-Ruß, Mitglied des Reickswirt- fchaftsrates. und Wilhelm Mickausch, der bisherige Bund^svorsitzonde.
* Der neue Landesvorsitzende bet Bayerischen Vokksparlei. An die Stelle des zurückgetretenen Parteivorfitzenden Präsident a D. Speck wurde Landtagsabgeordneter Ober-egierimgsrat Schäf - f er zum Landesvorsitzenden der Bayerischen Volkspartei gewählt.
* Munizipalwahlen in Frankreich. Am Sonn tag erfolgten in Frankreich die Gemeindewahlen, In einer ganzen Reihe von Gemeinden werdet. Stichwahlen notwendig sein. Der „Matin" glaubt, daß der bisherige Stand im großen und ganzer erhalten geblieben ist. In einer Reihe von Stadtparlamenten haben die Radikalen die Mehrheit be- hauptet. In Lyon scheint Herriot sich behauptet zu haben. In Paris haben die K o m m u n i st e n aus