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MaerZertung

Anzeiger für die Stadl Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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sir|d)cin1 sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen I „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Dctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postaeb. (50 bezw 48<|3f.) ohne Zustellm

Samstag, 4. Mai 1929.

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Sö.Zahrg.

Die Lehren -er Mai-Schlacht.

Berlin hat die blutigste Maifeier gehabt. Irre­geleitete Massen, besonders zahlreich junges halb­wüchsiges Volk, haben, verbrecherischen Parolen fol­gend, den sinnlosen Versuch unternommen, die Mai­feier zu revolutionär aufgeputschten Demonstratio­nen zu mißbrauchen. Die „Weltreoolution", an die sie glauben, sollte wieder einmal ein Stück weiter- gebracht werden. Die Draht,zieher der ganzen Ak­tion saßen natürlich sicher und geborgen im Hin­tergründe. Der blinden verhetzten Menge hatte man es überlassen, Blut und Leben für einen Zu­kunftstraum zu riskieren, dessen Verwirklichung, wie das russische Beispiel zeigt, die Lage der pro­letarischen Schichten alles andere, als verbessern würde.

Die Berliner Maidemonstrationen sind ganz und gar das Produkt der wochenlangen Hetze der kom- munistischen Presse. Was sich die „Rote Fahne" und die „Well am Abend" in dieser Beziehung ge­leistet hat, übersteigt alles bisher Dagswesene. Nicht einmal das unmündige Kind hat man mit dem Gift aufreizender Demagogie verschont. Die Agitation für diese Maifeier, die eine bewußte Auflehnung gegen Staatsordnung und Autorität war, wurde durch Flugblätter bis in dis Schulen getragen. Hätte man die kommunistische Presse nicht so hem­mungslos wühlen und agitieren lassen, dann hät­ten die Berliner Exzesse sicherlich bei weitem nicht dieses Ausmaß annehmeig können. Die maßgeben­den Stellen in Preußen und in der Reichshaupt- stadt wären wohl in der Lage gewesen, den Kom­munistenblättern, die Ruhe, Sicherheit und Ord­nung des Staates in schwerster Weise gefährdeten, ihr Handwerk rechtzeitig zu legen. Wenn sie es nicht getan haben, so mögen daran parteipolitische Hemmungen nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Wir denken dabei daran, daß die deutsche Sozial­demokratie den Kommunisten gegenüber eine Schwäche an den Tag legt, die ihr einmal ebenso verhängnisvoll weiden kann, wie ihren vom Bol­schewismus fast ausgerotteten russischen Genossen. Die Sozialdemokrasische Partei Deutschlands hat sich, trotz ihrer maßgebenden Regierungsbetelligung, nicht dazu verstehen können, dem Radikalismus in ihren eigenen Reihen Einhalt zu tun. Sie hat sich im Gegenteil, besonders unter dem Druck ihres sächsischen Flügels, oft zu radikalen Forderun­gen hinreißen lassen, die mitunter von kom­munistischen Forderungen kaum zu unterschei­den waren. Darin zeigt sich dieselbe Entwicklung, die den russischen Sozialdemokraten so verderblich geworden ist. Aus wahltaktischen Gründen lieb­äugelt man mit dem Radikalismus der Massen und aus realpolitischen Gründen ist man dann nachher, als Regierender, nicht imstande, die ins Volk ge­worfenen radikalen Forderungen der Wahlzeit auch nur in etwa zu verwirklichen. Die deutsche Sozial­demokratie sollte sich endlich einmal klarmachen, daß es für sie nur zwei Wege gibt. Endweder sie läßt dem Radikalismus freien Laut und erlebt es, wie eme kleine fanatische kommunistische Minder­heit ihr nach russischem Vorbild die „reif" qewor- bauen Massen abnimmt, oder sie rasst sich aus. eine deutliche Trennungslinie zum kommunistischen Radikalismus hin zu ziehen. Das würde zwar den Verzicht aiff billige demagogische Augenblicks­erfolg? bedeuten, dafür aber der Partei diszipli­nierte und durchgebildets Wählermassen schaffen.

Die Furcht dsr Sozialdemokratie vor der deut­schen kommunistischen Parteiorganisation steht im umgekehrten Verhältnis zur wirklichen Stärke die­ses Parteigebildes. Es dürfte wohl keine Partei in Deutschland geben, dis in sich so uneinig und in o?r.^ühnmg so zerfahren wäre, wie die Kommu- sk'^ische Partei. Die Zahl der organisatorisch er­faßten Mitglieder ist gegenüber den sozialdemokra- tlschen Ziffern lächerlich genug. Der „Rote Front- fdmpcerburro ist überhaupt keine stabilisierte für den Ernstfall z"reichende Kampftruppc, sondern nur eine in d-n Mitgliederzahlen und den Mitglieder­kreisen ständig fluktuierende Masse unreifer Fana­tiker Die deutsche kommunistische Partei-entrale ist ein Tummelvlatz der Moskauer Günstlingswirr- schäft Di" kommunistischen Wablerfolge beweisen nicht die Stärke d-r kommunistischen Ideologie, sondern die ungeheure Notlage der breiten deut­schen Volksschichten.

Der deutsche Kommunismus bietet also wirklich kein imponierendes Bild. I? sicherer und euerem scher die deutsch" Sozialdemokratie ibm entcieg-n- treten würde, desto schneller müßte die kommuni- ssische Front ins Wanken geraten. Di" große Auf­gabe der Sozialdemokratie fft die Verhinheruna der Bolschewlsieruna des deutschen Voltes Dieser Auf­gabe wird sie nicht gerecht, wenn sie dauernd ver- o-bl!ch versucht, den inferioren kommunistischen Mädchen den Rang abmlauffn. Gesicherte Wirt- schaftsverbältnisse und die Realisierung, einer ge­funden VlVksordnuna auch hinsichtlich seiner Bil- dungsqrundlaqsn sind die beste Voraussetzungen, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Dis, Sozial­demokratie sitzt am Angelpunkt der Regisrungs- gewalt. Sie hat es nicht nötig, durch „revolutio­näre" und im übrigen auch völlig antiquierte Mai­feierideologien die Machtergreifung erst vorzube­reiten.

Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt treffend:

Der glorr-iche W e l t f e i e r t a g ist in Berlin nicht obne Blutvergießen oorübergegangen. Es scheint, daß einige Unbeteiligte die Opfer des Ver­brechens geworden sind, das die Kommunisten da­durch beaanaen haben, daß sie rum Widerstand ge­gen die Staatsgewalt am 1. Mai aufriefen. , Di? Berliner Polizei hat tückstig durchgegriffen, und dcffür must sie gelohnt werden. Hinter der kommunisffschen Demonstration stand nichts anderes als der Wille, blutige Unruhen zu entfesseln und an der allgemeinen Verwir­rung die Suvpe zu kochen.

Im Berliner Norden kam es zu einer Schie­ßerei. Die Leute, die da von den Dächern schossen.

haben durch ihre Schüsse nicht für eine politische Gesinnung demonstriert, sondern sind die Reprä­sentanten jenes Gesindels, das bei ähnlichen Ge­legenheiten auf Plündern und Räubern ausgeht. Von einer politisä-en Idee kann hier keine Rede mehr sein.

An solchen Tagen wie dem 1. Mai steht die Frage der Staatsautorität zur Rede. Diese Re­publik wird von Dauer fein, wenn sie die Gesetze, die sie sich selbst gegeben hat, rücksichtslos schützt gegen jeden Angriff — er mag kommen von rechts oder links. Die fortwährenden De­monstrationen auf den Straßen kosten den Staat nicht nur ein sinnloses Geld, sondern sie gehen auch auf Kosten der Nerven unserer wackeren Polizei­beamten. Im übrigen wundert man sich nur dar- über, daß es immer Dummköpfe gibt, die sich von den unsichtbar bleibenden Führern auf die Straße und in den Kugelregen jagen lassen. Man hat aber nun einmal Leute, denen der Kampf gegen die Polizei alles, was Recht und Ordnung heißt, wich­tiger ist als das Leben. Ihnen mutz bedeutet wer­den, daß sie nichts zu sagen haben und daß man nicht daran denkt, ihnen mit Palmwedeln Frieden zu predigen.

Neue Kämpfe.

Ein Toter, 12 Verletzte in Neukölln.

wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meldq.) Wiennn- mehr festzustehen scheint, sind bei Zusammenstößen in dem Berliner Stadtteil Neu-Kölln, des frühe­ren Rixdorf, am gestrigen Abend und in der ver­gangenen Nacht 1 Toter und 12 Verletzte zu be- ttagen. Der Tote, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnte, da er keinerlei Papiere bei sich hatte, befindet sich im Schauhaus. Die Verletzten haben zum größeren Teil im Urban« und im Neuköllner Krankenhaus Aufnahme ge­funden. Die Meldung, wonach bereits drei Tote zu bezeichnen seien, dürften sich nicht bewahrheiten.

Ein Riesenaufgebot von Polizeibeamten hat den Schauplatz der nächtlichen Kämpfe in Neukölln ab­gesperrt. Die Barrikaden sind größtenteils bei­seite geräumt. Haus für Hans wird nach Waffen durchsucht und zahlreiche Schuß- und Hiebwaffen wurden beschlagnahmt. Der Verkehr dürfte erst gegen Mittag ausgenommen werden. Die Bau­arbeiter der Untergrundbahn haben die Arbeit niedergelegt, da sie unter Polizeiaufsicht nicht ar­beiten wollen. Die Volftet will das gante Viertel bis in die kommende Nacht besetzt haften, um eine Wiederholung der Ereignisse zu verhindern.

In der Sitzung der Berliner Stadtver- ordneten-Versammlung brüllten am 2. Mai die Kommunisten so, daß die Sitzung vertagt werden mußte.

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wtb Bersin, 3 Mai. (Eig. Meld.) Der Unter­grundbahn- und Straßenbahnverkehr in den durch die Barrikadenkämpfe betroffenen Straßen von Neukölln ist seit 9 Uhr wieder ausgenom­

men worden. Durch den-Streik der gesamten Bauarbeiter bei Karstadt ist die Inbetriebnahme des Kaufhauses, die bereits auf den 15. Mai ver­schoben worden war, bedeutend weiter verzögert worden.

Zwei weitere Todesopfer.

wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meld) Von den Verletzten, die am 1. Mai ins Krankenhaus Neu­kölln-Buckow eingeliefert wurden, find, wie das städtische Nachrichtenamt mitteilt, inzwischen zwei g e st o r b e n.

Spiel mit Streiks.

Die Berliner Ortsausschüsse des A. D. G. B. der Afa und des A. D. B. haben in einem Aufruf ihre Anhänger aufgefordert, etwaigen Parolen zum Streik keine Folge zu leisten. In gewerk­schaftlichen Kreisen legt man dem Streikaufruf des sogenannten Streikkomitees keine Bedeutung bei.

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wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meld.) Infolge der dauernden Aufforderungen der K. P. D. durch die „Rote Fahne", durch Flugblätter, Hetzreden in den Versammlungen usw. hat heute in zahlre-chen Betrieben die Arbeiterschaft als „Protest gegen das Verhalten der Polizei" teils geschloffen, teils grup­penweise die Arbeit niedergelegt. Im einzelnen sind Betriebe mit 1000 bis 1800 Mann Belegschaft betroffen worden.

In der vergangenen Nacht ist es auch in der Wiesenstraße zu ernsteren Zusammenstößen gekom­men. Die dort zahlreich wohnenden Kommunisten hatten die Gaslaternen ausgedreht und die Schei­ben der Laternen zertrümmert. Als ein lieber» fallkommando erschien wurden die Beamten beschos­sen, die darauf das Feuer erwiderten. Die Ruhe­störer ergriffen dann die Flucht.

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wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meldung.) Die Propaganda der Kommunisten als Protest gegen die Polizeiaktion in den Streik e'-n= zutreten, ist weiter auf fruchtbaren Boden gefallen Im Laufe des heutigen Vormittags haben die 1800 Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigaretten­fabriken Manoli und Iofet'ti die Arbeit niedergelegt. Die Kommunisten scheuen auch nicht davor zurück, die Arbeiter durch Drohungen und Gewaltanwendungen sich gefügig zu machen. So wurden die Arbeiter auf verschiedenen Baustellen durch Drohungen zur Niederlegung der Arbeit gezwungen. Diele Arbeiter haben aber be­reits erklärt, daß sie ihre Tätigkeit so bald wie möglich wieder aufnehmen werden.

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Aus Recklinghausen wird gemeldet: Auf sämtlichen Zechen in Bottrop und Osterfeld ist in den frühen Morgenstunden des Donnerstag versucht worden, die Morgenschicht von der Ein­fahrt abzuhalten. Aus Zeche „Rheinbaben" find 35 Personen nicht eingefahren, auf Zeche „Prosper 2" hat nahezu die Hälfte der Belegschaft gefeiert. Schon in den frühen Morgenstunden wurden in

Die Reparakionsverhandlungen

werden neuerdings vielfach unter politischen Ge- üchtspunkten befrachtet. Das Blatt der Christlichen Gewerkschaften, „Der Deutsche" beispielsweise spricht aus, daß gegen eine Diplomaten-Konferenz nichts einzuwenden wären, wenn man annehmen fönnte, daß die Diplomaten mehr als die Sachver­ständigen in Paris ausrichten. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man den Verhandlungsort Pa­ris mit einem „neutraleren" Ort, vielleicht Lon­don oder Rom wechseln könnte.

In der rechfsrad'kalen „Deutschen Zeitung" werden die Dinge folgendermaßen beurteilt: „Ha­ben wir zwischen. Dawesplan und solchen Vorschlä­gen, wie sie fetzt in Paris gemacht werden zu „wäh- len", so wählen wir den Dawesplan. Und dann erklären wir, daß wir nicht mehr wollen, und daß wir nicht mehr können! Diese letzte Möglichkeit hat uns wenigstens der Dawesplan gelassen. Ge­rade sie will man in Paris jetzt veriperren.

Die gleiche Forderung hez/der Rückkehr zum Dawesplan stellt auch die „Kreuzzeitung", weil sie der Auffassung ist, daß bet etwaigen divlomatifchen Verhandlungen von Regierung zu Regierung auch nichts anderes herauskommt.

keine neuen Vorschläge Dr. Schachts.

Zu der Meldung des „Petit Parisien" und an­derer Blätter, wonach Reichsbankpräsident Dr Schacht mit neuen Vorschlägen nach Paris zun'ick- kehre, wird von unterrichteter Seite mitgeteift, daß dies nicht zutrifft. Es liegt keine Veranlasiuno vor, anzunebmen, daß sich an der bisherigen Lage", wenigstens soweit Zahlen in Befracht kommen, das Geringste geändert bat. Von einer Spannung zwi­schen dem Reichsaußenminisfer Dr. Sttesemann und Dr. Schacht, von der in Pariser Blättern gespro­chen wird, kann keine Rede sein. Es bandelt sich auch hierbei um ein gegenstandsloses Gerücht.

Reichsbankprästdent Dr. Schacht ist wieder in Baris einaetroffen. Di-> drei Delegierten Dr. Vogler, Melchior und Kastl waren ibm bis zur belgischen Grenze entgegengefabren und haben die Rückreise mit ihm gemeinsam unternommen.

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Ueber eine Unterredung, die Reichsbankpräsi- bent Dr. Schacht nach seiner Rückkehr aus Berlin hafte, berichtet Havas: Die Besprechungen Dr. Schachts mit dem Vorsitzenden der Revarations- konferenz Owen Young in Anwesenheit Dr. Vöaler-! dauerten eine S^-nde. Zur Teilnahme an der Besprechung sanden sich der Sekretär der fran­zösischen Delegation, Ouesnav. und der erste engli­sche Delegierte Sir Josiah Stamp ein. Die Be­

sprechung wird fortgesetzt. Dr. Schacht dürste nicht nur eine neue Unterredung mit Owen Poung, son­dern wahrscheinlich auch mit den Mitgliedern der übrigen Delegationen haben. Da jedoch der erste japanische Delegierte Mori gegenwärtig in London weilt und da der Gouverneur der Bank von Frank reich, Moreau, in seiner Eigenschaft als Bürger­meister einer Ortschaft des Departements Haute Vienne sich wegen der Gemeinderafswahlen in die Provinz begeben muß, wird kein definitiver Be­schluß vor ihrer Rückkehr gefaßt werden können In einigen Tagen jedoch, wahrscheinlich am M on- t a g, wenn sämtliche Delegierte anwesend sind, wird es möglich sein, zu sehen, ob die Erverten in der Lage sind, einen einstimmigen Bericht abzufassen oder nicht. Gemäß den in Konferenz­kreisen eingeholten Auskünften soll die deutsche Delegation keine eigentlichen Vorschläge gemacht, je­doch Anregungen gegeben haben. Diese An­regungen werden Gegenstand des demnächst-gen Meinungsaustausches bilden.

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wtb Paris, 3. Mai. (Eig. Meld.) Zu den ge­stern wieder aufgenommenen Privatbesprechungen der Delegierten der Reparationskonferenz berichtet Marin, man scheine nach der Richtung hin zu arbei­ten, im Rahmen des Möglichen die Mobilisierung von 13 Milliarden Mark, die den eigentlichen Repa rationsreftbetrag bildeten, zu gewährleisten. Dies würde auf etwa 37 Jahre die Zahlung einer An­nuität von 1 Milliarde bedeuten, die die künftigen Anleihen garantieren würde. Hinsichtlich der Rück­erstattung der interalliierten Kriegsschulden in Höhe von 26 Milliarden Kapitalwert würde man sich damit begnügen, von den Deutschen die Ver­pflichtung zu verlangen, daß sie sämtliche dafür not­wendigen Zahlungen deckten. Man würde jedoch die entsprechenden Annuitäten nur für einen Zeitraum von 10—12 Jahren ziffernmäßig festlegen. Nach 10—12 Jahren könne dann der Fall eintreten, daß entweder Amerika einen Schuldennachlaß gewähre oder daß die internationale Bank einen Gewinn abroerfe, der zur Deckung der interalliierten Schul­den dienen könne. In beiden Fällen solle Deutsch­land in weitgehendem Maße von diesem Gewinn Nutzen ziehen. Es wären noch die Annuitäten sest- zusetzen und zwar sowohl für die 37 Reparations- lahre als auch für die 10—12 Jahre in denen Repa­rationen und Schulden zusammenfielen und ledig­lich an dieser Zahlenfrage könne ein System schei­tern, dessen Grundsätze rationell und für alle zu­friedenstellend erschienen.

Bottrop und Oesterfeld Flugblätter verteile, die zum Generalstreik aufforderten als Pro:.st gegen die in Berlin aus Anlaß der Mai-Fe ern notwendigerweise getroffenen Sicherheitsmaßnah­men der Polizei. Zur Mittagsfchicht find auf Zeche ■ „Prosper 3" 330 und auf Zeche „Arenberg-Fort- setzung" 225 Arbeiter nicht eingefahren. Vor den Toren der Zeche „Jakobi" hatten sich in den Mit­tagsstunden etwa 350 Personen versammelt, und es wurde die Absicht laut, Maßnahmen zu treff-m, um das Werk stillzulegen. Ein rasch eingreifendes Polizeiaufgebot erstickte jedoch jede derartige Ab­sicht. Auf einer auf einem freien Platz abgehalte­nen Versammlung wurde beschlossen, die Einfahrt der Belegschaft am 3. Mai zu verhindern. Auf „Prosper 2" mußte in den Mittagsstunden eben­falls Polizei eingesetzt werden; einige Arbeitswil­lige waren hier von hetzerischen Elementen verprü­gelt worden. Auf Zeche „Prosper 3" waren Sa­botageakte beabsichtigt. Die Polizei war jedoch auch hier auf dem Posten und verhinderte deren Ausführung. Me M-brzabl der Arbeiter ist veson. neu und lehnt eine Teilnahme an dem vom Zaun gebrochenen Prot-st-Streik ab. In Buer-Scho'-m wurde in einer V-rfamml-'-o N? in einer W'rt- schaff stattfand und von zirka 200 Zechenarbeftern besucht war, der Beschluß gefaßt, am Freitag nicht einzufahren.

Sozialdemokratischer Aufruf.

Der Vorstand der S. P. D. und der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ver­öffentlichen einen Aufruf, in dem es heißt: Die Toten und Verletzten Berlins sind für die Kom­munisten Agitationsmaterial und nichts anderes. Diese Opfer sind auf Befehl der kom­munistischen Zentrale gefallen! Das ist die Wahr­heit! Arbeiter, laßt euch von der bankerotten kommunistischen Partei und ihren Mos­kauer Drahtziehern nicht zu Handlungen mißbrau­chen, die letzten Endes nur den geschworenen Fein­den der Republik und des Proletariats zugute kom­men!

Gründliche Säuberung

wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meld.) Um eine Wiederholung der Vorgänge der letzten Tage zr verhindern, hat die Polizei heute nprmittag eine große Aktion unternommen. Sämtliche Häuser der in Betracht kommenden Stadtteile W e dd i n g und in Neukölln wurden einer gründlicher Durchsuchung nach Waffen und verdächtigen Per­sonen unterzogen.

Dabei wurden an Stadtteil Wedding zwe' Personen sistiert, und zwar ein Mann mit dem Revolver in der Hand und ein Jugendlicher, bei dem man eine Menge gestohlener S a - chen aus einem ausgeplünderfen Stahlwarengeschaft fand. In Neukölln nahm man drei Personen fest, darunter einen Russen.

Zahlreiche Waffen aller Art und Totschläger wurden im Stadtteil Wedding gesunden und be- schlagnahmt. Ferner sind noch 47 Sistierungen vom 1. Mai zu melden und 38 Festnahmen aus der vergangenen Nacht.

Ausschreitungen in Hamburg

wtb. Hamburg, 3. Mai. (Eig. Meldg.) In bett gestrigen späten Abendstunden kam es auf dem Großneumarkt und in den in ihn mündenden Stra­ßen wiederholt zu Ansammlungen radaulusti- ger Elemente, so daß ein starkes Polizeiaufge­bot einschreiten mußte. Im Hafengebiete ereig­neten sich vereinzelt Ausschreitungen, wobei Ar­beitswillige von Streikenden angegriffen und durch Steinwürfe verletzt wurden.

3n Leipzig.

Die Kommunisten veranstalteten am 2. Ma: De. monstrationszüge aus Anlaß der Vorgänge in Ber­lin, die — abgesehen von einer Prügelei mit Nationalsozialisten — ruhig verliefen.

Gegen die Hetzer.

verbot der „Roten Fahne" und des „Volksecho' für drei Wochen.

wtb. Berlin, 3. Mai. (Eig. Meld.) Der Poli­zeipräsident hat die Zeitungen „Die Rote Fahne" und das „Dolksecho" aufgrund der § 7, Ziffer 4, und 21 des Gesetzes zum Schutz der Republik auf die Dauer von drei Wochen bis einschließlich 23. Mai verboten, weil diese Zeitungen durch ihre Schreibweise die Bestrebungen der kommunifrischen Partei Deutschlands, die verfassungsmäßig festge­setzte Staatsform des Reiches zu untergraben durch die Tat unterstützt haben.

Der illustrierte Beobachter auf 2 Wochen verbotet!

wtb München, 3 Mai. (Eig. Meld.) Die Po lizeidirektion München hat die n a t i on al s ozi o listische Druckschrift „Illustrierter Beobachter" wegen einiger in der Nr. 12 dieser Druckschrift vom 23. März enthaltenen Ausführungen über den Heu tigen Staat auf die Dauer von zwei Wochen ver boten. _____________

5lus dem Reichstag.

Die blutigen Revolten in den Berliner Stta ßen haben dem Agitationsbedürfnis der Komrnu nistischen Partei offenbar noch nicht Genüge gr- tan, sie wollte als Parallel-Akrion am Donnerstag auch einen Krach im Reichstag herbeisiihren Beim Beginn der Sitzung beantragte der fommit« nistische Abgeordnete Pieck die sofortige Beratung eines Anttages auf Aufhebung des Demonstra­tionsverbots. Die Begründung seines Antrages benutzte er zu maßlosen Beschimpfungen des Ber­liner Polizeipräsidenten und der sozialdemokratischen