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SamSta,, ocn 4. Mai 195».

Fuldaer Zeitung

3. Blatt.

4*-*+ Dtutf 6et Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

GotteSdienstordnuna

Bad Nauheim erhalt da; mod r ste balueolsgijche ) lstitai

Bitt.

9 Uhr Hoch-

des Kreuz.

7«8

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Evangelischer Gottesdienst.

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übrigen Tagen in der Oktav ist von Um 8 Uhr Hochamt.

in Schwarzdruck und einfarbigem Buntdruck, sowie in Mehrfarbendruck liefert schnell und billig

* Die Verhaftungen in der Straßburger Spio­nage-Affäre. Bei der gemeldeten Aufdeckung ei­ner Spionageangelegenheit in Straßburg soll es sich angeblich um die Beschaffung .d e s Modells eines neuen leichten Maschi­nengewehrs handeln, das die französische Armee erhalten habe. Verhaftet wurde ein 23jähri- ger Mechaniker namens Friedrich Lorenz, der in Straßburg wohnt und der sich das bewußte Modell bei einem Waffenhändler in Hagenau habe be-

liche, heiß ersehnte Glück niemals zugefallen, wenn nicht die Bärenwirtin gewesen wäre, die es ihm schuf am nämlichen Abend, da er in seiner Kammer saß und auf die Weinkanne schaute, aus der wie bunt schillernde Sei­fenblasen ihm liebliche farbenfrohe Bilder aufstiegen. Es war schon spät in der Nacht, als er sich zur Ruhe nieder­legte, doch tat er es nicht, ohne zuvor den Ring aus seinem Felleisen zu holen und ihn sorgfältig in das Futter seines Mantels einzunähen. Denn die Edelsteine des Ringes waren das einzige Erschloß, das den golde­nen Mantel noch auf seinen Schultern zusammenhielt. Verlor er dieses, dann fiel der Mantel an ihm nieder und er stand in kläglicher Nacktheit vor dem kalten Hohne der Menschen, an dem er erfrieren mutzte.

Aengstlich zog er Faden um Faden durch das dicke Tuch und überzeugte sich immer wieder, ob der Ring auch wirklich so fest eingenäht war, daß er ihn nimmer verlieren konnte. Er wußte noch nicht, daß dank der Phantasie und der Geschwätzigkeit eines alten Weibes sein Ruf als reicher Mann schon so fest gegründet war, daß der Besitz eines kostbaren Ringes ihn nicht mehren, dessen Verlust ihn nicht zu mindern vermocht hätte.

Am nächsten Morgen war kein Kind in Rothen­burg, das nicht die Anzahl seiner güldenen Ketten und Geschmeide und all die Edelsteine hätte aufzählen kön­nen, die an den Fingerlingen saßen, und alle insgesamt die kleinen Rothenburger, die auf der Gasse mit Stein­murmeln spielten und die großen Rothenburger, die vor ihren Werkstuben und Kaufhallen standen, grüßten den Doktor durch Zuruf, rissen die Kappen vom Kopf und machten einen tiefen Kratzfuß, als er in der schweren holprigen Berlin? an ihnen vorüberfuhr. Tiefer als vor dem Herrn Bürgermeister beugten sie vor ihm die Rücken und die Augen sahen ihm nach mit Hochachtung und mit soviel Ehrerbietung, wie sie nicht einmal für den kaiserlichen Rat, Herrn Ernst Wilmersdörsfer, auf­gebracht hatten, der vor zwei Jahren mit einem kaiser­lichen Handschreiben von Wien gekommen war und der nach der Verfügung des hohen Rats genau so hatte ästimiert werden müssen, als ob er die kaiserliche Ma­jestät selbst gewesen wäre.

Ulpianus saß im Reisewagen, tief zurückgelehnt in die Kissen und sah die Reverenzen nicht, die ihm gemacht wurden und hörte nicht die Grüße, die ihm zuflogen.

Athen bestanden habe." Dann hieß es: „Will man die politische Gleichheit, insbesondere die Gleichheit bei der Besetzung staatlicher Stellen Demokratie nennen, so war das alte Preußen gewiß das demo­kratischste Land der Welt."

Also im alten Preußen hat es nie Bürger zwei­ter Klasse gegeben, nie einen Kulturkampf, nie und nirgends eine bevorzugte Stellung des Korps- ftudententums oder irgendwelche Privilegien des Adels oder des Besitzes. Das Dreiklassenwahlrecht beispielsweise oder das sehr exklusive Herrenhaus haben nie eristiert und der Weg zu den höchsten Stellen in Verwaltung, Heer und Marine war dem Sozialdemokraten ebenso offen, wie dem Kon­servativen ostelbischcr Prägung.

Es muß wirklich nicht gut um die Anhänger des alten Staates bestellt fein, wenn sie genötigt find, ihren politischen Glauben mit solchen Argu­menten zu stützen._______________

Dienstag, 7. Mai. $M'.b«. Um 8 Uhr abends Bibelkreis der Schüler höherer Lehranstalten (B. St.) im Pfarrhause

Mrttwoch, 8. Mai. $u!ba. Um 8*Uhr abendS Probe des Kirchenchores »m Evanget. Lyceum.

Lvangel. landeskirchl. Gemeinschaft, Hulda, vntilarslr. 17.

Sonntag, 5. Mai. AbendS 8 Uhr Evangeli. sationsveriammmng. Dienstag abend um 8'/« Uhl Bibel, und Gebetstunde.

Der Wiederau bau der „Europa".

Ablieferung des Dcmpfers lm nächsten Frühjahr.

Wie aus Hamburg gemeldet wird, ist, nachdem die Vorarbeiten für das Cindocken der „Europa" zur Beseitigung der Schäden des Brandes am 26. März in kurzer Zeit hatte beendet werden können das Schiff ins Dock genommen worden. Un­ter w a s s e r s ch ä d e n sind nicht vorhan­den. Nach genauer Besichtigung, die unter maß­gebender Mitwirkung des Germanischen Lloyds stattgefunden hat, wurde sofort mit dem Abbau aller beschädigten Teile des Schiffskörpers begon­nen. Das Schiff wird solange im Dock belasten werden, bis es in allen seinen Verbänden wieder hergcstellt ist. d. h bis der Eisenschiffbau das un­gefähre Bauftadium des Stapellaufes wieder er­reicht hat. Die Methode des Wiederaufbaues im Dock ermöglicht es, die Wiederherstellungsarbeiten

am Schiffskörper in der gleichen Arbeitsweise und Arbeitsfolge vorzunehmen, wie es beim normalen Aufbau des Schiffes auf der Helling geschieht. Da­durch ist die völlige Neubauwertigkeit des Schiffs­körpers nach Verlassen des Docks gewährleistet. Es wird mit dem Ausdocken in den legten Juli-Tagen gerechnet. Der weitere Ausbau des Schiffes, dessen Maschinen und Kesselanlagen erfreulicherweise vom Feuer nicht berührt wurden und nur einer Konser­vierungsarbeit bedürfen, wird nach dem Ausdocken so gefördert werd'n, daß die „Europa" im Frü h- jahrnäch st enJahres zur Ablieferung kommt und in Dienst gestellt werden kann.

Monarchismus auf Mücken.

Demokratie heißt Führerauslese auf Grund all­gemein gleichen Srartvedingungen In ihr sollen nicht mehr privilegierte Geburt'oder Reichtum den Ausschlag geben, sondern persönl'che Tüchtigkeit, persönlicher Wert den Führer bestimmen. Deshalb ist es auch so, daß die Völker, die im Laufe der Entwicklung ein gewisses Maß von geistiger und moralischer Reise, einen gewissen Seibslnndigkeits- grad erreicht haben, das demokratische Ideal auf den Schild erheben und steigend bemüht bleiben, ihren aktiven Anteil an kwr Bestimmung ihrer Geschicke zu gewinnen und zu vergrößern. Freilich ist der Zustand der idealen Demokratie noch) nir­gends erreichst aber die Ueberzeugung, daß er er­strebenswert ist, ist bereits so allgemein, daß ihr nicht einmal ganz rechts gerichtete Kce'se vollständig widerstehen können. Dadurch kommen diese Kreise dann manchmal in em merkwürdiges Dilemma. Sie sehen ihren angestammten Monarchismus ge­fährdet durch die werbende Kraft des demokratifchen Gedankens und'sie versuchen deshalb angestrengt, den Monarchismus dadurch zu retten daß sie sich und ihren Anhängern einrcden, die Vorzüge der Demokratie habe auch schon der Monarchismus be­sessen. Da es aber dabei nicht immer ohne eine sehr eigenwillige Geschichtsbetrachtung abgeht, ist ja wohl selbstverständlich. So hat vor einigen Tagen ein Herr Dr. B. Ascher in einer rechtsge­richteten Zeitschrift einen Aussatz über die preußische Demokratie veröffentlicht, dessen markanteste Stel­len die „Deutsche Zeitung" zustimmend abgedruckt hat. Dieser Aufsatz ging nach der Deutschen Zei­tung von der „Tatsache" aus „daß das alte könig­liche Preußen stets ein Beamtenstaat gewesen sei, in dem durch die Gleichheit der Aufstiegmöglich­keiten, der Machtbefugnisse der Vorbildung und der Auswahl der Beamten eine Stufe der Gleichheit erreicht worden ist, wie sie einst im klassischen

katholischer ©oitesbienft.

Sonntag, den 5. Mai. Kollekte für die kathol. Schulorganisation. Hillda. vom. t.Betckt- geleyenheiten sind: Samstaa morgens von 18ß Uhr ab; nadjmittanS von 2—3 für Kinder; von l/;5—7 Uhr und von 7-8 Uhr ab für Erwachsene; Sonntag morgens von 126 Uhr ab. 2. Sonntagsgottesdienste: 7,6, 6, lhi und 7 Ubr bl. Messen mit Gele enbeit zum Emviann der bl. Kommunion. 8 Ubr Pfarramt mit Predi t. Komm, des Mönnerapoftolates und des 8. Schuljahres. ’/jlO Ubr Kathedralamt mit Predigt. Um ’/«tl Christenlehre der Jün lm e. 7,12 letzte bl. Meße mit Predigt. 4 Uhr Biitwallfahrt nachdem Fronender i.7Mniandacht m.Seeen 3. Werktaasgottesdienste: Jeden Morren von Vi6—7 Uhr halbstündlich hl. Meßen mit Kommunion-Austeilung. 7,8 Pfarwottesdienst mit bl. Kommunion. Um 9 Uhr letzte Hst Messe mit Austeilung der heiligen Kommunion. Jeden Abend um '/i8 Uhr Maiandacht mit Segen. — StabtpfarrltrdfC. Beichte ist: Samstag nachmittag von 3—7, 77«—8 /-, Sonntag früh 6—7. Sonnta s.-ottes- bienfte- 8 bl. Meise. 67« hl. Messe und Kommun, des Männerapostolates. 8 erster Schul--oltesdienit, Pred'gt und Komm, des 8 Schuljahres. VilO Pfarramt und Predigt. 11 zweiter Schul ottescienft und Predigt. 911 Ubr Cbristenl. der Jünglinge m der Severikircke. 17i ' ittwall abrt nach dem Frauenberg. 8 Maiandacht. . Die bi. Kommunion wird von 6—7 h Ubr jede halbe »tunde gespendet, außerdem um 87, und 97« Ubr. Werktagsgottesdienfte: 6, 67i, 71/« und 8 Ubr norm. Im Mai-Monat jeden Abend um 8 Uhr Maiandacht. — Pfarrkirche zum hl Geist. 7 Frühmesse und Ansprache und Komm des Männerapostolates. 8 Uhr Hochamt und Piedigt, Komm, des 8. Schuljahres. 7« 11 Ubr Kindergottesdienit und Ansprache. 7,12 Christen! der Jünelmge. 8 Maiandacht, desgl. wählend der Woche — St Sturmius - Pfarrkirche. 7h« Komm.-Austlg. 77- Uhr Frühmesse mit Prediat. 9'/- Uhr vormittags Hochamt mit Predigt, darauf Christenl 7,2 Se ensandacht. — klbteikirched.venediktinerinnen. Sonntag' «6Kooventamt, 3 Pes per Werktags '/«6 Messe,'/ 9Konnentamt, 3 Vesper — kerz-Zesu-kseim. Sonntags um 6 Ubr hl. Messe. 8 Uhr Preoi n und Amt. 2 Uhr An.'acht und Segen. Werktags 6 hl. Messe Mittwoch ahenh 87« Andacht und Se en. — jiriebfiofsfapcHe am Hranzofeitwäldchrn. Sonntag: 61'« bl'. Messe mit Aniprache und Kommunion»Austeilung. Werktags: 7 hl. Messe mit Kommumon-Austerlung. — Severikirche. 7 hl. Messe. 8 Oberrealschulgoitesdrenst. — Frauenberg. Hl. Messen von 5 Uhr (mit Maiandacht) vis 7 Uhr. 8 Uhr Stngmesse mit Predigt und liturg. Gebeten. 9 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr Andacht für die Bittwallfahrt der Stadtpsarrei. 7-5 . Andacht für die B'ttwallfahrt der Dompfarret. Die Kloster - I kirche wird für die Teilnehmer der Bittwallfahrt, reserviert.

Das neue Medizinische Institut in Bad Nauheim.

Das berühmte deutsche Herzhcilbad Bad Nauheim hat ein mit allen Errungenschaften der medi­zinischen Wissenschaft ausgestattetes Institut erhalten, das am 11. Mai eingeweiht werden soll. Den Feierlichkeiten werden Vertreter der hessischen Regierung und bedeutende Dalneologen bei» wohnen.

Reliquie. Von 7 Uhr an Beichte.

Am Sonntag in der Oktav, 5. Mai, ist um »,10 Uhr Hochamt mit Predigt. Danach Auflegung der Kreuz-Reliquie. Don 7 Uhr an Beichte

Donnerstag, 9. Mai, Christi Himmelfahrt. 7,10 Hochamt und Predigt. Danach Auflegung der Kreuz. Reliquie.

amt und Predigt. Danach Auflegung

(Während des Monats Mai wird jeden Morgen in bei f> Uhr-Meste eine öffentliche Maiandacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria abzehalten).

Nenenberq. 7,9 Uhr Amt und Predigt. — Leh erz. 7,10 Uhr Amt und Predigt. — vieterrhan. 8 Uhr Amt und Predigt.

Montag, 6. Mai. Bittwoche. $rat*enbtrg. Gegen 7-7 Uhr Vittprozession, 7 Uhr Bittamt

Dienstag, 7. Mai Bittwoche, «freuenb:rg. Bitt. Prozession und Bittamt wie pelle in. 8 Uhr hl. Miss« zu Ehren des hl. Antonius mit Aussetzung des Aller, heiligsten.

Ehristenmenschen das Geschäft verdorben hatten. Nun tarn das Gewerbe, das nicht besser und nicht schlechter war als ein anderes, wieder in die Hände ehrlicher Christen und der Lammwirt war gern damit einver­standen, daß der kleine Doktor mit ihm in Kumpanei gehen wollte. Denn niemand verstand so gut als der Doktor Ulpianus, an einem Pelz oder einem Seiden­gewand, das er gern haben mochte, Fehler zu finden, es zu schmälern und im Werte herabzufetzen, so daß der Verkäufer gar nicht mehr wagte, den Preis zu for­dern, für den er es loszuschlagen gehofft hatte, sondern froh war, wenn es ihm vom Halse kam und er einige Stüber dafür einstrich.

In wenigen Tagen war alles beendet und Ulpianus konnte nach Rothenburg zurückkehren. Auch hier waren alle Dinge gut gegangen. Seine Hellen Augen sahen sofort die Wandlung, die während seiner Abwesenheit vorgegangen war. Die Ehrerbietung, mit der die Bür­ger ihm den Gruß boten, kaum, daß er sie erblickt hatte, die Diensteifrigkeit des Bärenwirts, der den be­scheidenen Gast vordem oft übersehen hatte und jetzt seines Winkes stets gewärtig war, die Hochachtung, mit der männiglid) an der Mittagstafel ihm entgegentrat, das Interesse, das sogar die hohen Ratsverwandten itzo seinen Trinkabenden im Bären entgegenbrachten, weil sie dort am leichtesten seine Bekanntschaft machen konn­ten —, dieses alles war so auffällig und sichtbar, daß auch ein anderer, der auf die Eitelkeiten der Welt we­niger Wert legte, es bemerkt haben würde, um wieviel mehr er, der sein ganzes Leben lang danach gelechzt und gehungert hatte. Als eine Fata morgana war ihm auf der langen Wanderung durch die Wüste seines Le­bens dieses Bild vor Augen gestanden und hatte ihn mit frischen Kräften erfüllt, wenn er zu erliegen drohte. Run war das Zauberbild zur Wahrheit geworden!I

Er kannte nicht die geheimen Kräfte, die das Wunder gewirkt hatten. Er mühte sich auch nicht, sie zu er­forschen. Eine absonderliche Mischung von Gottver­trauen und Fatalismus, auf der feine Weltanschauung sich gründete, hatte ihn dazu gebracht, die Gaben des Schicksals zu nehmen, die guten wie die schlechten, ohne den Ursachen nachzufragen. Er war lange genug in die Schule des Lebens gegangen, um zu wissen, daß man auf die wichtigsten Fragen keine Antwort erhält,

Mittwoch, 8. Mai. Bitiwoche. Frauenberg Prozession und Bittamt wie am Montag. Nachm. 7,5 feierl. Vesper mit sakram. Se en.

Sonntag, den 5. Mai. Zulda. 8 und 97, Pfarrer Hattendorfs. 11 Uhr Kinderaottesülemt. 8 abends Jungmännerverein im Schwesternhaus. — Salzschlirf, lu Ubr vorm. Kreispfarrer Weber. Amts. Woche Pfarrer Hattendorfs.

schaffen wollen. Als Komplize wurde ein deutscher Staatsbürger namens Wilhelm Neuhardt verhaftet, der hart än der pfälzischen Grenze ein Wirtshaus Er fei im Besitz der Grenziibergangs- foll regelmäßig nach dem Elsaß gekom-

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Am Fest Kreuz-Auffindung 3. Mai ist um 7S8 Uqr Frühmesse und Komm.-A astig.

Noch saß ihm die Sorge im Nacken und hielt ihm die Brille mit den grauen Gläsern vor die Augen, so daß die ganze Welt grau in grau vor ihm lag und sein Herz in bangen Schlägen zuckte. Vom Weine beschwingt, war ihm gestern das Blut schneller durch die Adern gerollt; heute, da die Weingeister ihn verlassen hatten, zweifelte er daran, daß das Geschäft mit dem Lammwirt sich würde so abwickeln lassen, wie er es sich zurechtgelegt hatte.

Sich hierüber Gewißheit zu schaffen, war das erste, was er tun mußte. Erst, wenn er dieser quälenden Un­gewißheit ledig war, konnte er weiter denken. Er war so eingesponnen in seine Befürchtungen, im Ausmalen schwarzer Zukunftsbilder, deren eines immer kläglicher wurde als das andere, daß es keinen anderen Gedanken mehr zu fassen vermochte als den einen, so schnell als möglich nach Würzburg zu kommen und das Geschäft mit dem Lammwirt richtig zu machen. Nicht einmal die Postkutsche wartete er mehr ab, die ihn für fünfzig Kreuzer nach Würzburg gebracht hätte, sondern er ließ die Berline des Bärenwirts anspannen, sür die er zwei Gulden zahlen mußte.

Als der Wagen durch Schwabsrot rollte, schlug die Turmuhr die elfte Stunde. Jetzt hätte er int Garten des Herrn Deufchlin sitzen, sich bet Frau Jacoben wegen feines gestrigen Fernbleibens entschuldigen müßen. Und nun fuhr er hier die Landstraße hinunter und hatte nicht einmal einen Abschiedsgruß bestellen lassen. Was würde Frau Jacobea von ihm denken? Mußte sie nicht annehmen, daß er jeglicher Lebensart bar sei, er, der soviel von den Grafen und Patriziern erzählt hatte, die seine besten Freunde gewesen waren drunten in Ve­nedig?

Er biß sich auf die Lippen. Er hatte nicht warten können. Erst mußte er den Handel mit dem Lammwirt auf gleich bringen; alles andere würde sich finden.

Und es fand sich. Der Lammwirt und der Rem und der Teidinger besaßen ein gutes Gedächtnis und hatten den Doktor Ulpianus noch nicht vergessen, der ihnen allweil die besten Geschäfte vor der Nase weggeschnappt hatte, weil er die welschen Pfiffe kannte, auf die sie in ihrer deutschen Biederkeit niemals verfallen wären. Auch traf sich gut, daß der hochweise Rat von Würzburg vor kurzem die Juden aus der Stadt getrieben hatte, die bislang gefeilscht und geschachert und einem ehrlichen

Frankfurter Oper.

Samstag, 4 Mai, 19 30 Uhr: Der Wildschütz.

Sonntag. 5. Mai, 19.30 Uhr: Der Zigeunerbaron.

10] ---------

Jeder Mensch ist feines Glückes Schmied. Ist ein altes und wahres Sprichwort. Schon die alten Römer haben es gekannt und die Schulbuben müssen den Spruch auf Lateinisch beim Magister Tetor in der La­teinschule lernen. Er läßt sie auf Erbsen knien, wenn sie ihn vergessen. Doch die schönsten Sprüche sind wie gol­dene Nüsse am Weihnachtsbaum. Sie glänzen und gleißen, aber sie sind hohl und leer.

Ein Mensch ist noch nie der Schmied feines Glückes gewesen. Nur der Handlanger des Schmiedes kann er fein und mehr nimmer. Mag einer noch so prahlerisch daherreden von eigener Tüchtigkeit, von seiner Bravheit und seinem Fleiß, die allein ihn in die Höhe gebracht haben! Er lügt doch in seinen Hals hinein und weiß, daß er es tut. Ist er allein im Kämmerlein, dann wird er bescheidener reden und auch der „befonberen Umstände" gedenken, die ihm zu feinem Glück geholfen haben, ohne die er zeitlebens ein armer Schlucker ge­blieben wäre trotz all seiner Tüchtigkeit.

Doktor Ulpianus hätte sich bie reblichste Mühe ge­ben können, in ben Augen ber Rothenburger für einen reichen Mann zu gelten, er hätte bas Gelb mit vollen Hänben herauswerfen mögen und würde fein Ziel doch niemals erreicht haben. Denn bie Rothenburger hatten ihre eigenen ©ebantengänge, in benen sich ein anberer nicht zurechtfanb und ein Mann ,der viel Geld ausgab, war ihnen deshalb kein reicher Mann. Im Gegenteil! Sie folgerten, daß einer, der das Geld ausgab, statt es zusammenzuhalten, bald ein armer Schlucker fein würde und daß vornehmlich ein Alter, der trotz seiner eisgrauen Haare den Wert des Geldes nich: kannte, noch einmal an ben Bettelstab kommen mußte, also, baß man gut tat, sich beizeiten von ihm zurückzuziehen, bevor er den Versuch machte, die Bekanntschaft in bare Münze um­zufetzen. Denn man würde das Geld, bas er entlieh, nicht wieberfehen, es fei benn am Nimmermehrstage.

Also buchten bie Rothenburger, und weil sie so dach­ten, darum wäre dem Doktor Ulpianus das wunder­

IDie wird fräs Wetter?

Ein zur Zeit über Frankreich liegendes Tiefdruck­gebiet wird ostwärts wandern und dabei auch uns wie­der Verschlechterung der Witterung bringen. Die Tem­peraturen werden zunächst noch anfteigen, später aber bei westlichen und nördlichen Winden wieder zurückge­hen. Wesentliche Niederschlagstätigkeit ist jedoch nicht wahrscheinlich.

Witterungsaussichten für Samstag: Bei kühleren westlichen bis- nördlichen Winden vereinzelt Nieder- schlagsfchauer____________________________________________

Schriftleiter: Dr. phil Johannes Kramer,

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