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Sö.Zahrg

Donnerstag, 2. Tilai 1929

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Jer ReiGkanzler beim «MWenten

von

Deutscher Reichstag

noch

und

in Mchen.

Vie Forderung -es Zaargebietes.

In dem großen Betrieben der Metall des Baugewerbes wird gefeiert.

deutschen Volke zu finden. Wir wollen durchaus nicht in München stehen bleiben, sondern über München zum gesamten deutschen Volke und über Bayern zum großen deutschen Vaterlande gelan­gen, das hat mit einer separatistischen Bestrebung nicht das Geringste zu tun. Ich bitte, daran zu denken, daß das Ausland darauf aufpaßt, was in Deutschland gesprochen wird. Wir dürfen nicht ver­gessen, in welch schwieriger Zeit das deutsche Volk heute lebt. Jeder Umstand, der die Repara­tionsverhandlungen in Paris ungünstig zu beeinflussen geeignet ist, ist geradezu ein At­tentat auf das deut sch e Volk. Das deut­sche Volk kann die riesigen Reparationsleistungen nur aus den Ueberschüssen des Exportes leisten. Die deutsche Leistungsfähigkeit hängt aber von der Aufnahmefähigkeit des Auslandes für deutsche Waren ab.

Unter lebhaftem Beifall schloß der Bundes­minister mit einer Aufforderung zur Einigung der vier auf christlicher Grundlage stehenden Parteien: der Bayerischen Volkspatei, des Zentrums, der Christlich-Sozialen in der Tschechoslowakei und in Oesterreich. Denn die letzte Entscheidung liege heute bei den politischen Parteien, die die eigentlichen Herren der Geschicke ihrer Länder seien.

Bei der Kundgebung der Bäuerischen Volks­partei für dm großdeutschen Gedanken ergriff nach Dr. Mataja der Landesratsprüsident L-cheuer- St. Ingbert das Wort. Er betonte, daß rechtlich und historsich der Charakter von Land u. Volk an der Saar unbestritten deutsch ist und daß das Saargebie't deutsch war, deutsch ist und endlich deutsch bleiben will. Es handele sich beim Saar­gebiet, wie der frühere Präsident der Regierungs- kommission, der Kanadier Stephens, im Jahre 1927 feierlich festgestellt habe, um 7.50 000 Deutsche im Herzen des zivilisierten Europa, um eine Be­völkerung, von der er feftstellen müsse, daß sie ein Ordnung liebendes und im höchsten Grade patrio­tisches Volk sei. Dieses Volk verlange nun nach zehnjähriger Bevormundung und Ausschaltung aus seiner Verwaltung endiich (ein Jiedjt, das Recht seiner Rückkehr zum deutschen Vaterlande.

gramm an den Ministerpräsidenten Switalski nach Warschau abgesandt:

Bei der gleichartigen Veranstaltung des vo'ni- fchen Westmarkenvereins (er kopiert im Namen den lecher auf deutscher Seite vor dem Krieg tätigen „Ostmarken-Verein") in Thorn wurde einer der rwlnifchen Hetzredner vom Schlage getrof­fen und st a r b auf der Rednerbühne.

*

Wir haben unserer gestrigen scharfen Verurtei­lung der nationalistischen Ausschreitungen gegen d'-e polnischen Schauspieler nichts hinzuzufügen. Ebenso scharf muß es gebrandmarkt werden, wenn polnische Heißsvorne jetzt alles mögliche versuchen, um durch die Vorgänge ihrer Hetze neuen Auftrieb zu geben. *

Professor Dr. Julius Wolf hat namens dxs deutsch-polnischen Komitees das folgende Tele-

Das Echo von GpMn.

wtb. katkowitz, 1. Mai. (Eig. Meld.) An der gestrigen Protestoersammlung des Westmarken- Vermns im Zusammenhang mit den Oppelner Vor­gängen nahmen etwa 5000 Personen teil. Die Vor­sitzenden des Westmarken-Vereins und der polni­schen Theatergemeinde sowie der Chefredakteur der Polska Zachodnid hielten Ansprachen. In einer Entschließung wurde gefordert, daß die polnische Regierung die Oppelner Vorgänge vor das F o - r u m des Völkerbundes bringe, weiter, daß die Regierung die deutsche Minderheit in Polen ebenso behandele wie die Deutschen die polnische Minderheit in Deutsch-Oberschlssien behandelten, aber unter Ablehnung der „barbarischen Metho­den wie sie in Oppeln gebandhabt worden seien". Von deutschen Tb"ateraufführungen in Ostober- schlesien könne in Zukunft nur dann die Rede sein, wenn in Deutschland polnische Ausführungen mög­lich seien und wenn diese dort ebenso subventioniert würden, wie das bei den deutschen Theatern m Polnisch-Oberschleften der Fall sei. Von deutschen Aufführungen im Kattowitzer Stadttbeater jedoch könne keine Rede mehr fein. Die Entschließung wendet sich lodann gegen die deutschen Filme und oegen die Geschäftsleute, die die deutsche Presse unterstützten. Diese sollten in der polnischen Presse namentlich genannt werden. Die Demonstranten ^ogen dann vor die Wohnung des Woiwoden, der die Demonstranten aufwrderte, weiterhin für d'e polnische Sache zu kämpfen.

Zu der Meldung einer Augsburger Zeitung, .'n der mitgeteilt wird, daß Herr o. Kühlmann nach Paris entsandt worden sei, um über ein Provi­sorium zu verhandeln, wird sestgestellt, daß dies nicht zutrifft. Herr v. Kühlmann hält sich pri­vatim in Paris auf.

Der 1. Mai in Berlin.

wtb. Berlin, 1. Mai. (Eig. Meld.) Um 10 Uhr vormittags begannen in den großen Lokalen die Maifeiern', zu denen die Gewerkschaften aufge­rufen hatten. Im allgemeinen scheint sich der Auf­marsch verhältnismäßig ruhig vollzogen zu haben. Jedenfalls liegen beim Polizeipräsidium bisher nur zwei Meldungen über Störungen vor, und zwar wurde am Bahnhof Großgörschen-Straße eine De­monstrationsversammlung durch die Polizei zer­streut, wobei 32 Personen festgenommen wurden, ferner mußten 3 Personen bei der Auflösung eines Demonstrationszuges in der Lichtenbergerstraße »wangsge stellt werden.

Aeußerlich hat sich das Straßenbild eigentlich nur insofern geändern, als man zahlreiche feiernde Arbeiter sieht, die den Versammlungslokalen Zu­strömen und ein starkes Polizeiaufgebot, nament­lich an den Hauptverkehrspunkten Die Straßen­ecken der inneren Stadt sind mit dreifachen Posten besetzt. Am Potsdamer Platz, am Alexanderplatz, am Bülow-Bogen in der Nähe des Sportpalastes, stehen besonders erhebliche Polizeikräfte. In den Seitenstraßen bemerkt man hier und da Bereit- ichaftsautos.

Der Verkehr bietet dasselbe Bich wie an an­deren Tagen, Straßenbahn, Autobusse, Hoch- und Untergrundbahn sind voll im Betrieb. Bei der Hochbahn haben sich erheblich weniger Leute zur Maifeier beurlauben lassen als im vorigen Jabr. Bei den Gas- und Elektrizitäts-Werken wird voll gearbeitet. Nur die Außenkolonnen fallen hier aus. Dafür find andere Leute in Bereitschaft ge­stellt, um bei Versorgungsstörungen eingesetzt zu werden. In der Metallindustrie sind im allgemei­nen nur wenig Leute zur Arbeit erschienen, beson­ders be> den großen Werken, während die Klein­betriebe verhältnismäßig stark arbeiten. Aehnlich lauten die Berichte aus den anderen Industriezwei­gen, z. B. aus der Holzindustrie. Als eine Aus­nahme in der Metallindustrie werden die Siemens- Werke bezeichnet, wo die Belegschaft zum größten Teil zur Arbeit erschienen ist.

Wasserstrahlen statt Gummiknüppeln.

wtb. Berlin, 1. Mai. (Eig. Meld.) Nach den um 11 Uhr beim Polizeipräsidium vorliegenden Meldungen ist es nun an verschiedenen Stellen bei der Auslösung von Zügen zu Zusammenstö­ßen gekommen, wobei im ganzen bisher etwa 100 Personen festgenommen werden mußten. Der

verlangt.

Bei 6er dann folgenden Besprechung des Ka­pitels „Wohnungs- und Siedlungswefens" mar­schierten besonders viele auf. Einig waren alle in der Forderung, daß die Siedlungsarbeit werter gefördert werde. Beim Wohnungswesen gab es den alten Streit darüber, ob ein mehr oder weni­ger schneller Abbau 6er Wohnungszwangswirt­schaft zu rechtfertigen sei. Minister Wissel! er- klärte, bei dem gegenwärtigen Stand des Woh­nungsmarktes und der Wirtschaftslage denke die Regierung nicht an einen Abbau.

Um %18 Uhr vertagte sich das Haus auf den 2. Mai 14 Uhr.

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„Das deutsch-polnische Komitee bedauert schmerz­lich die Ausschreitungen verhetzter Nationalisten in Oppeln gegen polnische Künstler. Das Komitee be­trachtet es als seine Pflicht, dahin zu wirken, daß alles geschieht, eine Wiederholung solcher Vor­kommnisse zu yerhüten. Es gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Austausch künstlerischer Darbie­tungen beider Nationen einen Kulturfaktor hohem Wert darstellt."

wtb. Berlin, 1. Mai. (Eig. Meld.) Reichsprä­sident von Hindenburg hatte heute eine länge^Be­sprechung mit dem Reichskanzler Hermann Muller über die politische Lage.

3m englischen Licht.

Die „Fortnightly Review" veröffentlicht in ih­rem Maiheft einen Artikel des Majors Poston Newman über „Deutschland unter Präsident Hin­denburg". Darin führt der Verfasser u. a. aus:

Hindenburg hat Deutschland ruhig durch eine äußerst schwierige Zeit seines politischen Lebens geführt und hat dadurch einen unschätzbaren Bei­trag zur allgemeinen Stabilisierung Europas ge­leistet. Hindenburgs Persönlichkeit und Prestige find ein starker Pfeiler des neuen Deutschland. Sein Einfluß auf die neue deutsche Republik und seine aufopfernde Hingabe an seine Pflicht haben das Land aus vielen gefährlichen Lagen gerettet.

Polson Newman betont weiter den Mut des Reichsaußenminister Dr. Strefemann, auf dessen Schultern im hohen Maße die Schwierigkeit des Ausaleiches von Parteiinteressen bei der heiklen Aufgabe der Führung der deutschen Außenpolitik lastet, und sagt dann:

Deutschland zeigt heute eine seltsame Mischung politischer und wirtschaftlicher Kräfte, die in einer Atmosphäre der Ungewißheit wirken. Es ist wie ein sturmgepeitschtes Schiff in schwerer See unter dem Befehl eines alten, aber erfahrenen Kapitäns. Newman schließt: Hindenburg wird in der Ge­schichte als einer der größten Männer weiteckeben. Er dient den wahren Interessen Deutschlands, in­dem er alle persönlichen Gefühle außeracht läßt und das Vaterland über alle Erwägungen setzt.

Die Reparationsverhandiungen.

wtb. Baris, 1. Mai. (Eig. Meld.) Die fran­zösische Morgenprefse und auch die Agentur Havas wollen Anzeichen dafür entdeckt haben, daß sich bie Stimmung innerhalb der Reparationskonferenz gebessert habe. Havas hebt hervor, daß man zu hoffen scheine, daß die deutschen Sachverständi­gen nach der Rückkehr des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht doch der endgültigen Lösung zustim­men werden, die der Sachverständigenausschuß den verantwortlichen Regierungen empfehlen zu müs­sen glaube. Selbst in dem Falte, daß die deutsche Gruppe sich nicht ohne Vorbehalte dem Plane Owen D. Poung anschließen zu können glaube, lasse sich annehmen, daß der von den Sachverstän­digen aufgestellte Plan als Diskussionsgrundlage für die späteren Beschlüsse der Regierungen Ver­wendung finden werde.

Baldwins Wahlprogramm.

Von Dr. Marquardt-Hrmburg.

Da in England trotz mancher Verfallserscheinungen das parlamentarische System immer noch mit einem hohen Maß non Weisheit und Einsicht angewandt wird, verdienen die englischen Neuwahlen größere Beachtung als die anderen Nationen, und nadjibem durch Baldwins große Rede im Drurylane-Theater und durch Churchills Budgetrede auch die korger- vatioe Partei ihre Wahlziele enthüllt hat, ist ein Gesamtüberblick über die Wahlschlacht möglich.

Unvorsichtigerweise hat die Arbeiterpartei schon vor drewiertel Jahren ihr langatmiges Wahlbuch herausgegeben, in dem alles enthalten ist, was etroa zehn aufeinanderfolgende Labourkabmetten durch­zuführen nicht imstande wären. Die Gegner fanden dadurch reichlich Zeit und Angriffspunkte, diese Mischung von Sozialismus und Dokirinarismus zu zerpflücken, insbesondere aber die englische Wirt­schaft mit den darin angedrohten neuen Sozial- steuern von rund 1,2 bis 4 Milliarden Mark zu schrecken. Die Liberalen stießen in einem von Lloyd George geleiteten Spurt plötzlich vor, und tatsächlich gelang es ihnen, eine Zeitlang mit Hute des bindenden Versprechens, die englische Arbeits­losigkeit mit Stumpf und Stil binnen eines Lahres ohne einen Penny neuer Lasten auszurotten, die guten Briten zu bluffen und die konservativen Wahlaussichten sehr zu verschlechtern. Da erschien gegen Ostern Winston Churchill und präsentierte den unerwartet hohen Budgetüberschuß von rund 360 Millionen Mark, dem man freilich nicht zu genau nach Ursprung und Wirkung nachpruteN durfte, der aber tatsächlich da war und die Phanta­sien der englischen Wähler in den angenehmsten Erwartungen von Steuerermäßigung, billigerem Tee und Zucker oder Benzin usw. iid) ergehen ließ.

Damit kam wieder Wind in die Torysegel, unb mit dem fünften Budget, das Churchill zwei Wochen darauf vorlegte, befestigte er den konservativen Ge- ländegewinn aufs nachdrücklichste. Denn er be« suchte' damit jeden Briten beim Morgemmbiy und legte ihm die ewige Befreiung von der Teesteuer auf den sonst so reich besteuerten Fruhstuckstisch. Mit sofortiger Wirkung bekommt die englische Hausfrau ihren Tee um 3,75 bis 4 Pence je Pfund billiger und erinnert sich' dabei hoffentlich dankbar der Partei, die diese, seit dem Tage der „old goo» Queen Betz", 6er Königin Elisabeth erhoben« Steuer auf bas Nationalgetränk abgeschafft hat. Die Landwirtschaft erhält sofort bie Befreiung von sämtlichen Lokalsteuern anstatt erst am 1. Oktober, dazu höhere Staatszuschüsse für die Straßenerha!- mng, der Wochenenbfabrer Befreiung der leichten Motorräder von der Fahrzeugsteuer, die kleinen Spirituosenausschänke niedrige Lizenzgebühren, vor allem das britische Volk eine runde Saiten lang Befreiung von jeder Wettsteuer. Da das Budget ohne neue Steuern auch noch mit einem Ueberschutz abschließt, wenigstens auf dem Panier, so mar für Baldwins Wahlprogramm der Weg aufs beste vorbereitet. , ... .

Zuhörer, die eine überraschende und begeisternde Rede erwartet hatten, tarnen freilich nidit auf ihre Kosten. Dagegen wußte Baldwin dem durch Wirt- schgftsschläge und Schwierigkeiten bedrückten Eng­länder ein starkes Gefühl des, Vertrauens zu der korrfervasiven Staatsführung einzuflößen, was ihn

Im Reichstag wurde man am Dienstag nicht mit der Beratung des Haushalts des Reichs- arbeitsministeriums fertig. Die vom Präsidenten Löbe so eifrig betriebene Rede-Rationalisierung wird in diesem Falle nicht durchgeführt. Der Rede­fluß plätschert reichlich bei jedem einzelnen Kapi­tel, er plätschert aus bisher unbekannten Quellen, man gibt hier den bisher noch unbekannten Mit­gliedern der einzelnen Fraktionen Gelegenheit zu Jungfernreden. Tatsächlich wird das Arbeitstempo des Reichstages gegenwärtig dadurch bestimmt, wie die Etatsberatung im Haushaltsausschuß gefordert wird. Erledigt wurde das Kapitel Arbeitslosenver­sicherung und Arbeitsvermittlung. Angenommen wurde ein Antrag, der bie balbige Vorlegung eines Berufsausbildungsgesetzes

Der Kreisverband München der Bayerischen Volkspartei veranstaltete am Dienstagabend im Saale des Bürgerbräukellers eine stark besuchte großdeutsche Kundgebung, zu der der österreichi­sche Bundesminister a. D. Nationalrat Dr. Ma­taja als Vertreter des deutschen Ostens, unb ber Präsibent bes Saarlänb. Lanbesrates Scheuer­st. Ingbert als Repräsentant bes bebrohten beut« fchen Westens erschienen waren.

Dr. Mataja führte in seiner Rebe u. a. aus, er erblicke darin, daß heute Präsident Scheuer vom Saargebiet und er zusammen hier in einer vater­ländischen Kundgebung der Bayerischen Volkspar- tei sprächen, eine ganz besonders bedeutsame Fü­gung. Präsident Scheuer komme aus dem fernen Westen und er aus dem Ostland des geschlossenen deutschen Sprachgebietes. Dadurch werde der gan­zen Welt gezeigt, daß die deutschen Stämme eine unauflösliche und untrennbare Einheit bildeten.

Tritt jeder einzelne von uns für die Interessen unseres Volksstammes ein, dann dienen wir auch am besten ber Volksgesamtheit. Wir sind keine Separatisten, wir haben keine Sonberwünsche. Wir alle miteinander sind gute Deutsche. Ich 'benutze diese Gelegenheit, um dem Saargebiet die herzlichsten und innigsten Grüße der Stadt Wien zu entbieten. Wir Oesterreicher bewundern den Mut und die Treue, mit dem bas Saarland an seinem Vaterlande festhält, und nsid überzeugt, daß diese Treue auch ihre Belohnung in ber Ge­schichte finben wirb.

Wir sinb nachgerade gewohnt, daß ein Oester- reicher, 'wenn er nach Bayern kommt, Mißdeutun­gen ausgesetzt wird, die geradezu unbegreiflich zu werden 'anfangen. Ich möchte neuerdings hier feststellen, daß ich das höchste Verständnis für die österreichische Art immer noch in Bayern gefun­den habe.

Seit Jahrzehnten verkehre ich mit vielen baye­rischen Politikern und Nichtpolitikern. Bei allen diesen Vespred)ungen ist noch von keiner Seite bie Reichstreue Bayerns auch nur mit einem Wort angezweifelt worden. Wir haben die Hoffnung, über München den Weg zum gesamten

Gummiknüppel brauchte nur in wenigen Fällen zur Anwendung zu gelangen.

Bei der Ansammlung größerer Msnschenmassen wird die Schutzpolizei ein neues Mittel benutzen. Es sind nämtid) 33 Schnellpatrouillenwagen mit SpritzschläuchM ausgerüstet worben. Mehrere Wa­gen dieser Art sinb am Alexanberplatz und am Potsdamer Platz postiert. Die Schläuche sind mit Hydranten verbunden, um im gegebenen Moment gleich in Tätigkeit treten zu können.

Weitere Zufammenstöhe.

wtb. Berlin, 1. Mai. (Eig. Meld.). Im Laufe des Vormittags mußten weiter zahlreiche Demon­strationszüge aufgelöst und Ansammlungen zer­streut werden. So hatten sich auf dem Reuter- Platz etwa 1200 Personen versammelt, die gegen die vorgehenden Beamten eine drohende Haltung annahmen und sie mit Steinen bewarfen. Ein Polizist wurde durch einen Steinwurf im Ge­sicht verletzt. Die Demonstranten wurden in die Seitenstraßen abgebrängt 4 Personen würben zwangsgestellt. Auf bem Antonplatz in Weißenses sammelten sich ungefähr 500—600 Personen an. Die Polizei mar genötigt, vom Gummiknüppel Ge­brauch zu machen. Der Anführer würbe zwangs- gestellt. Weitere Demonstrationszüge wurden auf­gelöst in der Wickingstrahe, der Rostocker Strafte, ber Oldenburger Straße, ber Chausseestraße in Marienbors, der Danziger unb Waldenburger­straße unb auf dem Straußberger Platz. Dabei mußte ebenfalls mehrfach ber Gummiknüppel in Tätigkeit treten unb eine Anzahl «i-Hwen testze- nommen werden. Die Züge waren etwa 100 bis 300 Personen stark.

In Frankfurt a. 21t.

wtb. Frankfurt a. BL, 1. Mai. (Eig. Meld.) Die Maifeier verlief in der üblichen Weise. Die Kommunisten veranstalteten einen großen Umzug, während bie Gewerkschaften unb bie sozialdemokra­tische Pl-rtei ihre Maifeier im Schumann-Theater abhielten. Das Straßenbild zeigt nur geringe Ver­änderung, die Straßenbahnen und sonstigen Ver- kehrsmSttel verkehren normal. Mit Rücksicht auf bie große Erregung unter der Arbei­terschaft wegen der blutigen Vorgänge in Oer Nacht zum Sonntag hat die Polizei alle Maß­nahmen getroffen, um Zwischenfälle z u verhindern.

3it München.

wtb. München, 1. Mai. (Eig. Melbg.) Die Mai­feier in München verlief bisher ohne Störung. Zum ersten Male veranstalteten bie Sozialdemokra­ten unb-Kommunisten getrennte Kundgebungen. Die Sozialdemokraten sammelten sich beim Deut- scheist Museum unb zogen mit Musik unb Fahnen auf bie Theresienwiese. Die Beteiligung war stark. ßanbtogSabgeorbneter Kupfer hielt eine Ansprache. Die Kommunisten zogen zum Waley-Platz, wo Reichstagsabgeorbneter Buchmann sprach. Der Ab­marsch erfolgte in großen Zügen. Die Kommu- nisten-Demonstration hatte runb 2000 Teilnehmer.

sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen' „Die Alelt tm Bild" und Buchenblätler". Rotationsdruck und Vertag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einfchl. Vostaeb. <80 berw 48 W ohne 3uftelte.

FutdaerZeitung

ffir die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

Die Zlottenvereinbarung.

Aus N e w y o r k wird gemeldet: Der Genfer Berichterstatter der Tribuna meldet, daß England und Frankreich ihren letztjährigen Pakt wieder auf­leben ließen und diesmal Amerika mit einbezogen hätten. Es werde nämlich in Genf behauptet, daß Frankreich im Austausch für Englands Nachgeben in der Frage der Landesreserven eine Verminde­rung der Zahl feiner Unterseeboote zugesagt habe. Dies ermöglichte wieder England, die Zahl seiner Zerstörer zu vermindern und die eingesparte Ton­nage auf den Bau von kleinen Kreuzern anzuwen­den und so dem amerikanischen Wunsche auf Ver­minderung der Gefamttonnage. entgegenzukom­men. ————

♦ Reichsmlnisker a. D. Koch-Weser zum BUk- glied des Haager Schiedsgerichts ernannt. Wie wir erfahren, hat das Kabinett beschlossen, anstelle des verstorbenen Reichsjustizministers a. D. Dr. Heinze den Reichsjustizminister a. D. Koch-Weser zum Mitglied des Ständigen Schiedsgerichts im Haag zu ernennen.