Einzelbild herunterladen
 

Der Mai-Spuk.

Kommunistische Klebe-Kolonnen festgenommen.

wtb. Berlin, 30. April. (Eig. Meldg.) In der vergangenen Nacht wurden an verschiedenen Stellen der Stadt kommunistische Klebe-Kolonnen, dir Zettel und Transparente an Häusern und Zäunen anzubringen versuchten, von Polizeibeamten sestge- nommen. Im ganzen wurden etwa 20 Personen verhaftet.

Wie der kommunistische „Berlin am Morgen" mitteilt, ist von der Staatsanwaltschaft gegen drei Redakteure der Berliner „RotenFahne" ein Verfahren wegen Aufforderung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt eingeleitet worden.

*

Der Polizeipräsident von Berlin hat für den 1. Mai bereits von den frühesten Morgenstunden ab die höchste Alarmbeereitschaft für die Schutz­polizei angeordnet. Der Streifen- und der Posten­dienst werden ganz erheblich verstärkt, ebenso der Stratzenaufsichtsdienst durch den Einsatz zahlreicher Krastwagenstreifen zu den Ueberfallkommandos. Mit Rücksicht auf die wiederholt von den kommu­nistischen Demonstranten an einzelnen Schutzpoli­zisten verübten Tätlichkeiten werden am 1. Mai alle Streifen so stark sein, daß sie sich überall durchsetzen können. Fliegende Wachen und son­stige Reserven an den Brennpunkten des Verkehrs haben die Aufgabe, an wesentlichen Plätzen und dergl. jede Demonstration zu unterbinden. Ihr besonderes Augenmerk haben die Schutzpolizeibe- amten auch darauf zu richten, daß die öffent­lichen Verkehrsmittel nicht behindert werden. ——————

Nationalisten-Unfug.

Es gibt immer wieder und leider bei allen Völkern Leute, bei denen das gesunde nationale Ge­fühl zu einer hysterischen nationalistischen Fieber­krankheit ausgeartet ist. Solche Fieberzustände er­zeugen dann Zwischenfälle und die Zwischenfälle geben zu neuen Fieberepidemien Anlaß, die sich bei dem Zusammentreffen unglücklicher Umstände in Kriegen äußern. Von Glück kann die Mensch­heit reden, wenn es nur zu Theater- oder Zirkus- Skandalen kommt. Wir haben zurzeit national!« stische Theater- und Zirkusskandale, den Theater­skandal leider auf d e u t s ch e m, den Zirkusskandal auf belgischem Boden.

Zwischenfälle in Oppeln.

In Oppeln ist es am Sonntag abend zu Aus­schreitungen gegen Mitglieder einer im dortigen Stadttheater gastierenden polnischen Theater­gruppe gekommen. Obgleich von der Schutzpolizei alle Vorsorge getroffen war, wurden während der Aufführung Störungsoersuche gemacht. Seitens der Oppelner Polizei ist sofort alles in die Wege geleitet worden, um die Haupträdelsführer festzunehmen und dem Richter zuzuführen; einige Verhaftungen find bereits vorgenommen worden. Der bedauerliche Vorgang muß, wie die Blätter bemerken, umso schärfer verurteilt werden, als d e u t s ch e Theater­truppen in dem polnischen Teil Oberschlesiens, so vor allem im Kattowitzer Stadttheater seit Jahr und Tag deutsche Stücke in deutscher Sprache spielen.

Die Ausschreitungen während und nach dem sonntäglichen Gastspiel der polnischen Kattowitzer Oper in Oppeln haben für die deutsche Minderheit in Polnisch-Oberschlesien empfindliche Fol­gen gehabt. Vor dem Kattowitzer Stadttheater sammelten sich, nach Blättermeldungen, am Montag gegen Abend große Massen demonstrierender Po­len, die energische Vergeltungsmaßnah­men forderten. Der-Vorstand der deutschen Thea-

Wzelminmer io M (nilk Mslr. Beilage 15

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

■

■

M, UM

M

Wl k

W

V

Jlr 101.

«zrldjemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilogen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Vostaeb. (80 bezw 48 W obne Zustella

Mittwoch, 1. Mai 1929.

einzelnen-Prelle Kleinzeile (Colonel» lotai U,15 JLH auswärts 0,20 JUt Reklamezeile: lokal 0,60 JUt auswärts 0,80 Bei W iederbol unqen Rabatt.

Postscheckkonto Frankturt a. M Rr 4051•

Sö.Zahrg.

Dr. Schachts Berliner Besprechungen.

Die Anwesenheit des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in Berlin hat zunächst zu einer Besprechung »es führenden deutschen Sachverständigen mit dem Reichskanzler und den drei Ressortministern, dem Reichsaußenminister, dem Reichsfinanzmini­ster und dem Reichswirtschaftsminister, geführt. Eine veränderte Haltung der deutschen Sachverstän­digen wird sich daraus gutem Vernehmen nach nicht ergeben. Die deutschen Sachverständigen haben von vornherein ihre Aufgabe den Vereinbarungen ent­sprechend so ernst genommen, daß eine Abänderung ihres Standpunktes mit dieser Aufgabe nicht ver­einbar erscheint. Es ist aber auch verfrüht, von ei­ner Diplomatenkonserenz oder irgend­welchen anderen Bemühungen zu reden, die anstelle der Sachverständigenarbeit treten könnten, wenn diese abgeschlossen sein wird. Einstweilen ist der Bericht über den Verlauf der Konferenz noch in sei­nem Endergebnis nicht zu übersehen; es ist aber durchaus denkbar, daß zwei oder drei voneinander abweichende Ansichten niedergelegt werden. Der in offenkundig polemischer Absicht gegen die deutsche Delegation erhobene Vorwurf, sie habe mit ihrem Vorschlag Politik getrieben, ist inzwischen selbst von französischen Zeitungen zurückgenommen bzw. in die Feststellung abgeändert worden, daß die betreffenden Fragen sehr wohl Gegenstand künftiger Arbeiten der geplanten Reparationsbank werden könnten.

*

Sn einer Zentrumsdelegierten- Ver­sammlung des Wahlkreises Magdeburg - Anhalt sprach Reichskanzler a. D. Dr. Marx auch über die Reparationsverhandlungen in Paris. Rach sei­ner Meinung wäre das deutsche Angebot von 1650 Millionen Jahresleistungen, und zwar auf die Dauer von 37 Jahren so doch, daß es an die Kreuze des MLalicken beranaehe. Trotzdem sei

das Schicksal der Konferenz selbst angesichts dieses deutschen Angebots durchaus unsicher geworden. Ein Abbruch der Verhandlungen wäre außeror­dentlich zu bedauern, denn dann hätte die auf jeden Fall kommende Regierungskoalition keine feste wirtschaftliche Grundlage. Er fürchte, in einem sol­chen Falle würden die politischen Gegensätze so scharf aufeinanderstoßen, daß man zu einem er­sprießlichen Ergebnis überhaupt nicht gelangen könnte. Aber trotz der schweren Tage der letzten Woche nehme er an, daß man doch vielleicht noch zu einer Einigung kommt, oder wenigstens zweinem Minderheits- oder einem Mehrheitsgutachten, so daß dann wenigstens für die kommenden Regie- rungsberatungen eine verhältnismäßig sichere wirt­schaftliche Grundlage geschaffen werde.

*

Der zweite englische Delegierte auf der Repara­tionskonferenz Sir Addis ist, wie Havas berich­tet, nach Berlin abgereist, um an den Sitzungen des Zentralrates der Reichsbank teil- z u n e h m e n.

Vie umkämpften Reservisten

wtb. Washington, 30. April. (Eig. Meld.) Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Re- präsentantenhauses Britten veröffentlichte eine Erklärung, in der er die Vorschläge des amerikanischen Delegierten bei der Genfer Abrüstun gskommission, Gib- son, hinsichtlich der Reserven an greift. Er sagt, es sei das zweite Mal, das Gibfon der bri­tischen und der französischen Diplomatie Vorschub leiste und meint, es sei gar nicht wahrscheinlich, daß Gibsons Vorschläge über die Land- und See­rüstungen angenommen werden.

tergemeinde in Kattowitz wollte dem Direktor des polnischen Theaters in Kattowitz sein Bedauern über die Oppelner Vorgänge aussprechen, wurde aber von den erregten Schauspielern zum sofortigen Verlassen des Theaters aufgefordert, und bis auf weiteres ist den Organisatoren der deutschen Thea­terabende das Betreten des Theatergebäudes unter­sagt worden. Das Büro und die Kaffenräume der deutschen Theatergemeinde wurden geschlossen, die deutschen Schilder überstrichen, die deutschen An­schlagszettel an den Säulen und in den Straßenbah­nen unkenntlich gemacht. Die deutschen Parteien und Verbände in Polnisch-Oberschlesien haben in offiziellen Erklärungen energisch gegen die Oppelner Vorgänge Stellung genommen.

Der polnische Generalkonsul in Beuchen, Mal- Homme, ist dienstlich nach Warschauberufen worden. Man nimmt an, daß die Reise des Gene- ralkoniuls mit den Zwischenfällen bei dem Gastspiel des Kattowitzer Ensembles im Oppelner Stadtthea­ter in Zusammenhang steht.

Als Täter bei den Angriffen gegen die polnischen Schauspieler, die teilweise auch körperlich mißhan­delt wurden, sind jugendlicheRationalso- z i a l i st e n festgestellt worden. Der Oberpräsident hat dem polnischen Generalkonsulat in Beuthen sein Bedauern über die Vorfälle ausgedrückt und er­klärt, daß alles geschehe, um die Täter zu ermitteln und der notwendigen Sühne zuzuführen.

Der angeblich deutsche Zirkus.

Die Bevölkerung in Charleroi in Belgien veran­staltete gegen einen Zirkus, der sich angeblich in deutschen Händen befinden soll, Kundgebungen, ob­wohl die Verwaltung des Zirkus gegen diese An­nahme protestierte. Es demonstrierten einige hun­dert Personen nach Beendigung der Vorstellung, wurden aber von einem starken Polizeiaufgebot in Schach gehalten. Nichtsdestoweniger kam es zu Be­lästigungen einiger Mitglieder des Zirkuspersonals, und es wurden Steine gegen das Eingangsportal des Zirkus geschleudert. Infolge dieser Vorkomm­nisse sollen sich Mitglieder des Personals, die ver­schiedenen Nationalitäten angehören, bei den Kon­suln ihrer Länder beschwert haben. Die Vorfälle werden auch im Gemeinderat zur Sprache kommen. Der Zirkus wird seine Vorstellungen abbrechen und sich nach Namur begeben.

Libre Belgique veröffentlicht folgende Einzelhei­ten über die Kundgebungen gegen den deutschen Wanderzirkus: Als die Kapelle anfing, auf der äußeren Trilüne zu fnielen, ertönten Pfiff- und Schreie, worauf die Menge die Marseillaise an» stimmte. 2000 Personen hatten l h in dieftm Augen­blick vor dem Zirkus anqesammelt. Die Kapelle spielte nun ebenfalls die Marseillaise, was aber von der Menge als Herausforderung empfunden wurde. Es wurden Steine gegen die Musiker geschleudert, die infolgedessen die Tribüne räumen mußten. Durch weitere Steinwürfe wurden die elektrischen Lampen und Teile der Tribüne zerstört. Die Kund­gebung dauerte bis Mitternacht. Es heißt, daß die Leitung des Wanderzirkus einen Prozeß anzuftren- gen beabsichtigt, um eine Vergütung für den ange­richteten Schaden und für die Einnahmen einzutta- gen, die ihr an zwei Abenden entgangen sind.

* Arkeil im Beleidigungsprozeß Dr. Zarrcs- Biegel. Aus Duisburg wird gemeldet: In dem Beleidigungsprozeß, den Oberbürgermeister Dr. Jarres gegen den verantwortlichen Redakteur des kommunistischen „Ruhr-Echo" in Essen, Willi Rie­gel, angestrengt hatte, wurde heute Riegel wegen übler Nachrede zu sechs Wochen Gefängnis verur­teilt. Riegel hatte am 28. März 1928 durch die „Niederrheinische Arbeiterzeitung" in Duisburg einen Artikel verbreiten lassen, in dem Dr Jar­res der Vorwurf gemacht wurde, daß er im Jahre 1923 das Rheinland in verräterischer Absicht an

Frankreich habe abtreten wollen, und in dem Dr. Jarres als Versackungspolitiker bezeichnet wurde. In der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben, daß Dr. Jarres seine Politik in edelster Absicht ge­trieben habe; es müsse wohl $u gegeben werden, daß der von dem Nebenkläger vorgeschlagene W-g ein gefährlicher gewesen fei, doch gab dies dem An­geklagten nicht das Recht, gegen Dr. Jarres den Vorwurf des Landesverrates zu erheben. Von Landes- oder Hochverrat könne keine Rede sein, wenn Dr. Jarres auf legalem Wege mit einigen feiner Ministerkollegen eine Aktion habe einleiten wollen. Riegel habe die Verbreitung dieses Arti­kels angeftrebt, um den Nebenkläger in der Oef- fsntlichkeit unmöglich zu machen.

Um Lohn und SchUchtunysordnuna. Gemeinsame Besprechung des Reichskabinetts und des preußischen Slaatsministeriums über die Lohn, bcwegung.

Dem „B. T." zufolge fand eine gemeinsame Be­sprechung des Reichskabinetts und des preußischen Staatsministeriums im Reichstage statt. Auf der Tagesordnung der gemeinsamen Kabinettssitzung stand vor allem die Regelung der Lohn­frage für die Eisenbahn- und Postarbeiter sowie für die Reichs- und Staatsarbeiter. Auch Vertre­ter der Reichsbahn waren anwesend. Das Ziel der Besprechung mar trotz der überaus schlechten Fi­nanzlage sowohl der Reichsbahn wie des Reiches und der Länder eine gemeinsame Basis für eine befriedigende Lösung des Lohnkonfliktes zu finden und gleichzeitig durch eine langfristige Fest- I e g ü n g der Arbeitsbedingungen eine Störung des Wirtschaftsfriedens in absehbarer Zukunft hintan- zuhalten. *

Die Reformvorschläge der Vereinigung der deut­schen Arbeitgeberverbände zur Schlichtungsverord­nung wenden sich gegen die bisherige Re­gelung des Schlichtungsverfahrens, das nach Ansicht der Arbeitgeber durch Einschrän­kung der eigenen Verantwortung der Vertragspar­teien, bei diesen bei schwerwiegenden Entscheidun­gen die Fähigkeit zu verantwortungsbewußtem Handeln schwächt, und ferner durch das „Hinein­tragen wechselpolitischer Einflüsse, den ohnehin schwierigen sachlichen Ausgleich der sozialen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten und die gesunde Aufwärtsentwickelung der deutschen Wirtschaft ge­fährdet".

Dementsprechend wird gefordert, daß die f r e i e Vereinbarung stärker als bisher in den Vor­dergrund gestellt werden soll, und dem staatlichen Schlichter nur eine engbegrenzte Tätigkeit zugewie­sen wird. In der Regel sollen zu vereinkmrende freiwillige Schlich tun,gs stellen in Tä­tigkeit treten; nur im Falle eines Fehlens dieser ^stichtungsstellen sollen die staatlichen Schlichter eingreifen. Die staatliche Schlichtungskammer soll versuchen, in erster Linie eine Einigung der Par­teien herbeizuführen. Falls diese nicht zustande kommt, soll die Schlichterkammer das Recht erhal­ten, einen Schiedsspruch abzugeben. Für das Zu­standekommen des Schiedsspruchs soll eine einfache Stimmenmehrheit erforderlich sein. Die 23 e r = bindlichkeitserklärung von Schiedssprü­chen soll nur bei Gefarntstreiti gleiten in „lebens­wichtigen Betrieben" zulässig sein, sowie bei „Ge­samtstreitigkeiten, die die deutsche Volkswirtschaft so stark treffen, daß die Lebensmöglichkeit der Ge­samtbevölkerung gefährdet ist."

* Der frühere Kronprinz Rupprecht von Bay­ern lehnt das Protektorat des Stahlhelmtages ab. Nach einer Meldung der „Bayerischen Staatszei­tung" hat Graf Arco in einer Versammlung des Bayerischen Heimat- und Königsbundes mitgeteilt, daß der frühere Kronprinz Rupprecht die lieber« nähme des Protektorates des Stahlhelmtages in den letzten Tagen endgültig abgelehnt habe, weil die gestellten bayerischen 23orbe» halte nicht erfüllt wurden. Der Redner forderte dazu auf, sich gegenüber dem Stahlhelm absolut ab l e h n e n d zu verhalten.

* Amnestie für Dr. Herbert Eulenburg. In der Revisionsinstanz vor dem 4. Strafsenat des Kammergerichts wurde unter dem Vorsitze des Kammergerichtsrates Professor Dr. Klee in der Beleidigungsklage des Herrn v. Oldenburg-Ianu- schau gegen den Schriftsteller Dr. Herbert G1,r?n- burg die Entickieiduna bahm geföw, daß dos Vor­fahren auf Grund der Amnestie eingestellt wird. __________________

Die Dinant-Frage.

Ein vernünftiger Vorschlag des Ministers a. D. Dr. Bell.

Ein Mitglied der Redaktion der „Germania" hat den früheren Reichsminister Dr. Bell über die Broschüre „Das Märchen von den Frank­tireurs von Dinant" interviewt. Jene Bro­schüre soll eine Antwort fein auf das Gutachten des Prof. Meurer in dem Werke „Völkerrecht im Welt­kriege", das der parlamentarische Untersuchungs­ausschuß des Deutschen Reichstages herausgegeben hat. Dr. 23ell wurde um feine Meinung befragt, weil er als Vorsitzender des dritten Unterausschus­ses des parlamentarischen Untersuchungsausschusses als besonders maßgebend gilt, da der dritte Unter­ausschuß über die Völkerrechtsverletzungen während des Krieges eingehende Untersuchungen angestellt und deren Ergebnis in dem oben genannten Werke niedergelegt hat. In seinen Mitteilungen an die Direktion der „Germania" ragt Dr. Bell, in ter Dinantbroschüre werde versucht, das Gutachten des bekannten Dölkerrechtslehrers Meurer über den belgischen Volkskrieg zu entkräften und den Nach­

weis zu führen, die deutschen Truppen hätten im August 1914 gegen die Bewohner von Dinant ohne eben Anlaß Grausamkeiten begangen.

Diese These sei schon während des Krieges aus­gestellt worden, sie sei aber nach wie vor eine einseitige Behauptung. Der parlamentarische Un­tersuchungsausschuß habe die Fragen des belgischen Volkskrieges genau untersucht und seine von der belgischen These abweichende Auffassung bekannt- gegeben. Wir hätten zu wiederholten Malen zum Ausdruck gebracht, daß nach deutscher Auffassung nur eine internationale Untersuchung des ganzen Fragenkomplexes endgültige Klarheit schaffen könnte, und wir wären zu einer solchen Untersuchung jederzeit bereit gewesen. Im Jun 1927 habe die belgische Regierung erklärt, daß auch sie zu einer solchen internationalen Unter­suchung bereit sei, aber diese Bereitwilligkeit sei lei­der auf dem Papier stehen geblieben, da die belgische Regierung sich schließlich geweigert habe, ihr Einverständnis aufrecht zu erhalten. Wenn jetzt von belgischer Seite die alten Anklagen gegen Deutschland von neuem erhoben würden, so appel­lierten wir von neuem an eine internationale Untersuchung. Der endgültige Spruch einer inter­nationalen Kommission müsse durch feine hohe Au­torität nicht nur in der neutralen Welt, fonöern auch in Belgien und Deutschland klärend und beru­higend wirken. Diesen Standpunkt habe er, Dr. Bell, bereits im Februar 1928 in der Zeitschrift „Nord und Süd" bargelegt, unb diesen Ausfüh­rungen habe er heute nichts hinzuzusetzen. Durch Anfrage bei amtlichen deutschen Stellen habe er sich davon überzeugt, daß diese seinen Standpunkt teilten, und daß dieser Standpunkt insbesondere vom Auswärtigen Amt gegenüber der belgischen Regierung vertreten worden sei.

Deutscher Reichstag.

Im Reichstag wurden bei der Einzelberatung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums die Kapitel ^Sozialversicherung" und „Arbeitsvertrags, recht" in zweiter Lesung erledigt. Bei der Aus­sprache über die Sozialversicherung kam es zu einer lebhaften Auseinadersetzung zwischen der Wirt­schaftspartei einerseits und Sozialdemokraten und Demokraten andererseits über die Jnnungskranken- kafsen. Angenommen wurde ein sozialdemokratischer Antrag, der die baldige Vorlegung einer See- mannsordnung, eines Hausgehilfen-, Tarifver-

Berlins neuer Bischof.

— Berlin, 30. April. ((Eig. Meld.) Zum neuen Weihbischof von Berlin ist der Domprobst Stein­mann aus Stettin ernannt worden. Probst Stein­mann steht Im 58. Lebensjahre unb stammt aus der Diözese Hildesheim. Er war früher einige Zeit als Kaplan an der St. Hedwigskirche in Berlin tätig.

trags- und Arbeitsvertraggesetzes verlangt, ebenso ein demokratischer Antrag, der eine Denkschrift über die mit der Durchführung des Betriebsräte­gesetzes gemachten Erfahrungen fordert. Ein deutsch- nationaler Antrag auf Zulassung von Rechtsan­wälten bei den Arbeitsgerichten wurde abgelehnt. Verschiedene andere Anträge wurden den zustän­digen Ausschüssen überwiesen.

In der Dienstagsitzung, die um 2 Uhr beginnt, wird voraussichtlich der Rest des Haushalts des Reichsarbeitsmini st eriums erledigt wer­den. Auf der Tagesordnung steht auch der Haus- Hüft des Reichsernährungsministeriums.

Amerika und (Einwanderung.

wtb. Washington, 30. April. (Eig. Meld.) Ohne einen sogenannten Kalendertag abzuwarten, an dem die einfache Mehrheit entscheidet, unter­nahm Senator Nye heute im Einwanderungsaus- fchuß des Bunbesfenats den Versuch, die Entschei­dung über die Aufschiebung der neuen auf Grund her Urfprungsflaufel berechneten Einwan- berungsquoten durch einen entsprechenden Antrag der Jurisdiktion des Einwanderungsauslchusses zu bestimmen. Zur Annahme des Antrags wäre E i n- stiminigkeit erforderlich gewesen. Senator Reed opponierte jedoch und behauptete, die Pro­paganda gegen die neuen Quoten würde lediglich von den „B i n d e st r i ch-A m e r i t a n e r n" und den Schiffahrtsgesellschaften betrieben. Senator Johnson, der Vorsitzende des Ausschusses, machte Reed darauf aufmerksam, daß auch Präsi­dent Hoover Gegner der neuen Quoten sei. Reed erwiderte wenn Hoover die Bevölkerungsprobleme so genau studiert hätte wie die Wirtschafts- und Agrarfragen, würde er auch für die Einführung der Ursprungsklausel eintreten.

Senator Black-Alabahma kündigte an, daß er eine Resolution einbringen werde, alle Ein­wanderung für d ie Dauer von 10Jah» ren aufzuheben.

* Einführung eines neuen japanischen Geschüt­zes. Die Agentur Jndo-Pacifique berichtet „aus Tokio, daß die japanische Armee gegenwärtig Versuche mit einem neuen Geschütz anstellt, bas eine Tragweite von 53 Kilometer, ein Gewicht von 150 Tonnen besitzt und auf Panzerwagen aufmon­tiert ist.

* Zensur für die ausländUche Presse in Peking. Wie Havas aus Peking berichtet, ist in Nanking eine Zenfurfonderkommission eingesetzt worden, die die in Peking vertretene ausländische Presse und die Telegramme der Nachrichtenbüros zu kontrol­lieren hat.