für Menschenrechte. Die Hauptredner, pol- nischerseits Prof. Adam Praper und deutscherseits Generalmajor Freiherr von Schönaich, konnten aber kaum zu Worte kommen, da die Versammlung durch Zurufe und Gelänge gestö rtwurde. Die Polizei griff ein und nahm 25 Personen in Schutzhast. __________________________
• Eine sozialdemokratische Regierung in Dänemark. Der dänische König beauftragte den sozialdemokratischen Führer Stauning mit der Kabinettsbildung. Das neue Kabinett setzt sich aus Sozialisten und Demokraten zusammen.
* Ermordung dreier amerikanischer Missionare in China. Der Prokurator der amerikanischen Passionisten-Mission teilt mit, daß am Mittwoch bei Tschenki in Westhunan drei amerikanische katholische Priester ermordet worden sind.
Deutscher Reichstag.
Im Reichstag wandte sich am Samstag beiBeginn der Sitzung der Äbg Dr. Mittelmann von der Deut- schon Volkspartei in einer Erklärung scharf gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten St r a ss e r, der in einem offenen Brief Dr. Mittelmann beleidigt hat. Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Frick erhielt einen Ordnungsruf, weil er sich durch einen Zwischenruf Strassers Beleidigungen zu eigen gemacht hatte.
Bei der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wurde die allgemeine Aussprache zu Ende geführt. Bon allen Rednern wurde eine Reform der Arbeitslosenversicherung gefordert, aber die Vertreter aller großen Fraktionen sprachen sich für die Beibehaltung der Arbeitslosenversicherung und der Sozialversicherung im allgemeinen aus, auch der zweite Redner der Deutschnat'onalen. der Gewerkschaftsvertreter Hülser. Die sozialdemokratische Anregung einer Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung wurde von allen Rednern abgelehnt.
Nach der allgemeinen Aussprache wurde mit der Einzelberatung des Kapitels „Sozialversicherung" begonnen. Sie soll am Montag um 3 Uhr fortgesetzt werden.
* Auffindung eines Gewehrmunikionslagers. Nach einer Mitteilung des Polizeipräsidiumen in Chemnitz hat die Chemnitzer Polizei im Hauptgebäude des Konsumvereins im benachbarten Limbach ein größeres Lager von Gewehrmunition entdeckt und beschlagnahmt. Die Munition hat anscheinend schon längere Zeit an der Fundstelle gelagert. Die Untersuchung über die Herkunft der Munition ist eingeleitet.
Zre ballonwettfahrt.
Auf dem Flugplatz des französischen Aeroklubs fit St. Cloud starteten am Samstagnachmittag 5 Uhr acht französische und ein belgischer Freiballon, die sich an einem Wettbewerb um den A. Leblanc-Preis für Weitflug beteiligen. Infolge des Westwindes haben die Ballons, die in Abständen von fünf Minuten starteten, Richtung ^ach Deutschland genommen.
Bilöer vom Tage.
Nationalrat Streeruwih
wurde nach den mißlungenen Kadidaturen Mittelberger, Ender und Rintelen mit der Bildung des neuen österreichischen Kabinetts betraut. Er gehört der christlich-sozialen Partei an, wird aber auch von den Großdeutschen gestützt. Streeruwitz ist Großindustrieller und steht an der Spitze einer der größten Textilfirmen in Oesterreich.
Der Fähnrich.
Erinnerugen aus einem Kriegstagebuch.
Es war in den blutgedränkten Gräben der flandrischen Kampffront. Da begegnete ich ihm, dem bluijun- gen Fähnrich, aus einem alten Adel, einer zahlreichen Familie. Ich glaube, neun Kinder waren es, daheim und im Felde. Sein älterer Bruder war Leutnant und Kompagnieführer in unserem Regiment. Als wir uns grüßten, ging er vorbei, ohne ein Wort zu sagen und ohne zu lächeln; nur seine großen Kinderaugen schm-i-rn mich seltsam an. Es war der Fähnrich, der immer noch nicht Leutnant geworden war; ich hatte davon gehört. „Er ist zum Leutnant zu dumm", sagten die Leute, „und hat mehr Läuse am Kragen als Haar« auf dem Kopf". Auch die Offiziere nahmen ihn im rauhen Leben des Kampfes nicht gar für voll. Aber feige war er beileibe nicht.
Als die Engländer bei N. N. durchbrachen, führte er beim Gegenstoß einen Zug. Mann an Mann lagen die Leute in dem nächtlich ausgehobenen Sturmgrabsn, der nur wenig Deckung bot. Flagg, da landete so ein ganz dicker Blindgänger, dort, wo der Fähnrich stand, und legte sich der Länge nach hin, so ein richtiger „Rollwagen" aus einem Ferngeschütz. Alles floh zur Seite, nur der Fähnrich blieb, blieb allein mit der brütenden Bestie dort, wo man ihn hingestellt hatte; er hielt seinen Zugabschnitt, wie er es für seine Pflicht hielt Auch das erzählten sich die Leute von ihm. Ich traf ihn wieder in der Krankenstube unseres Bataillons, als wir den Engländern zum Frühstück unsere Zentnerminen hin-, übergesandt hatten und sie uns zum Dank dafür des Nachmittags unseren vorderen Graben kurz und klein schossen. Er. ein Feldwebel, ein Unteroffizier und ich wir lagen zusammen. Es war ganz vergnüglich. Acht bis zehn Kilometer von der eisenhaltigen Luft entfernt und doch nur ungefährlich verletzt. Wir waren recht übermütig und schauten säst uninteressiert zu, wenn die Engländer nach dem Divisionsschloß, das 150 Meter neben uns lag, ..dicke Brocken" funkten. Aber der Fähnrich war ganz still und für sich; er beteiligte sich nicht an unseren Gesprächen und schien nur zuzuhören.
Wenn wir gemeinsam frühstückten und nachmittags Kaffee tranken, boten wir ihm aus unseren Butter- und
Begebenheiten aus aller Welt.
Gpfer des Verkehrs.
Zusammenstoß zwischen Lokomoiive und Lastaulo.
Auf der Strecke Bingen-Koblenz fuhr Sonntag früh an dem Bahnübergang bei Ober- wesel eine Lokomotive bei nicht geschlossener Schranke auf ein Lastauto mit Anhänger, das polnische Konfulatsakten transportierte. Der schwere 5-Tonnen-Lastwagen wurde mit Anhänger von der Lokomotive etwa 200 Meter weit mitge chleift und vollständig zertrümmert. Der Wagenführer wurde auf der Stelle getötet, ein Mitfahrer schwer und die anderen leicht verletzt. Während der Aufräumungsarbeiten, wobei es sich im wesentlichen um die Bergung der weithin verstreuten Konfulatsakten handelte, war die Landstraße St. Goar-Oberwesel mehrere Stunden hindurch gesperrt.
Schwerer Lastkrafkwagenunfall.
Am Sonntagnachmittag kam ein Lastkraftwagen, in dem sich Leipziger Teilnehmer am nationalsozialischen Parteitag in Zeitz befanden, an einer Straßenecke plötzlich ins Rutschen, wobei der Anhänger gegen die Bordschwelle schlug und umstürzte. Sämtliche 38 Insassen stürzten auf die Straße. 12 wurden verletzt, darunter 2 schwer. Rach Anlegen von Verbänden konnten die Leichtverletzten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.
Todcsfahrt mik dem Motorrad.
wtb. Magdeburg, 29. April. (Eig. Meld.) Am Sonntagabend ereignete sich in Niederdodeleben (Kreis Wolmirstedt) ein schwerer Motorradunfall. Der Fleischer Thieß aus Hohendodeleben fuhr mit seinem Motorrad in voller Fahrt gegen eine Gartenmauer. Sein Soziusfahrer, der Musiker Wille, war sofort tot, während der Führer kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag.
Zwei Tote bei einem Rennen für Kraftfahrzeuge.
Bei dem S t e n d a l e r Kilometerprüfungsren- ncn für Motorräder und Automobile kam es am Sonntag zu einem schweren Unglück, das 2 Menschenleben gefordert hat. Der Rennfahrer Baron von Wentzel-Mosau, der die schnellste Zeit des Tages gefahren hat, hatte mit seinem Mercedes- Kompressor-Wagen das Ziel bereits passiert, als etwa 700 Meter hinter dem Ziel vor dem Wagen ein Radfahrer auftauchte. Bei dem Versuch auszuweichen schlug der Wagen um, explodierte und verbrannte vollständig. Baron von Wentzel-Mosau wurde schwer verletzt. Sein Mitfahrer und ein an der Strecke stehender Zuschauer wurden getötet. Verschiedene andere Zuschauer wurden verletzt. Beim Bekanntwerden des Unglücks wurde das Rennen sofort abgebrochen.
Riesige Unfallziffern im amerikanischen Auko- verkehr.
wtb. Newyork, 29. April. (Eig. Meld.). Bei Autounfällen sind hier am gestrigen Sonntag im ganzen 11 Personen getötet und etwa 20 Personen verletzt worden. — Bei Newhampton- newy wurde ein Automobil von einem Eisenbahnzug erfaßt und völlig zertrümmert. Hierbei wurden 9 Personen, darunter 7 Kinder getötet. Bei einem gleichen Unfall in Indiana wurden 9 Personen getötet. Bei verschiedenen Autounfällcn in der Umgebung Newyorks sind 9 Personen umgekommen.
* Ein 11. Todesopfer der Nürnberger Explosionskatastrophe. (Eig. Meldg.) Als 11. Todesopfer der Nürnberger Explosionskatastrophe verschied am Sonntag die 21 Jahre alte Arbeiterin Wilhelmine Bernauer im städtischen Krankenhaus. — Bei der Beerdigung eines der Opfer in Eibach wurde ein in den 50 er Jahren stehender Mann vom Schlage getroffen.
* Dresdener Juwelier vergiftet sich, weil er 200 000 Mark Verbindlichkeiten nicht decken kann. In einer Konditorei in Dresden-Laubegast hat sich der Anfang der 50 er Jahre stehende Goldschmied und Juwelier Hans Gustav Schmidt mit Zyankali vergiftet. Er war in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und versuchte, sich mit Wechseln sowie durch Verpfändung der ihm kommissionsweise zum Verkauf überlassenen Goldwaren über Wasser zu halten, geriet dadurch aber in immer schwieriger Verhältnisse. Die Verbindlichkeiten beliefen sich zum Schluß auf rund 200000 Mark. Bevor Schmidt dden Vcrzweiflungsschritt beging, hatte er alle feine Gläubiger zur Besprechung der
Marmeladedosen an, denn er bekam nicht sehr viel von Hause geschickt. Er nahm, sagte aber weder „bitte" noch „danke". Auch wenn er nicht aufgefordert wurde, nahm er wohl aus der Honigdose, die einer von uns hatte; er mochte wohl recht gern Honig; aber auch dann sagte er weder „bitte" noch „danke"; er sagte nichts.
Damals hatten die Engländer ihren großen Angriff auf die Dardanellen eröffnet. Wir lasen sehr eifrig in den Zeitungen davon und sprachen viel darüber. Und non der Westfront drang wieder einmal das Todesröcheln der Lorettohöhe bis in unser Quartier. Als der Fähnrich nach draußen ging, sagte einer von uns: „Ob der wohl weiß, wo die Dardanellen liegen und die Lo- retoohöhe?" Wir beschlossen, ihn auf die Probe zu stellen. Als wir uns abends zu Bett gelegt hatten, fragte einer verabredungsgemäß: „Wo liegen eigentlich die Dardanellen?" Alles schwieg; auch der Fähnrich schwieg. Dann sagte einer: „Ich glaube, die Dardanellen liegen auf der Lorettohöhe." Alles schwieg, auch der Fähnrich. Da fragte der Dritte direkt: „Glauben Sie nicht auch?" Der Fähnrich antwortete: „Ich glaube, die Dardanellen liegen auf der Lorettohöhe." Dann schwieg er.
Eines Tages beschlossen wir, abends zu feiern. Als der Fähnrich das Härte, sagte er, er wolle von feinem Bruder, der im Nachbarorte fein Quartier hatte, aüch zwei Flaschen holen. Wir waren freudig erstaunt und wünschten ihm guten Erfolg bei seinem Raubzug. Als es dunkel geworden war, kam er mit feiner Beute an; unter feinem Waffenrock hatte er rechts und links eine Sektflasche, die er von außen mit den Händen festhielt. Er sah ganz aufaevluftert aus, wie eine Glucke. O:s Abends wurde fröhlich gezecht! Der Herr Ctatsmäßige, der fein Büro unter unserer Stube hatte, kam auch so ganz zufällig herauf, trank unseren Wein und ging dann wieder. Dann holten wir die Sektflaschen hervor, die wir bis dahin wohlweislich, beiseite gestellt hatten. Dann zechten wir weiter und waren unbändig lustig. Wir hielten einer nach dem anderen eine Rede, und da sagte der Fähnrich, er wolle auch eine Rede halten. Trotz unseres fortgeschrittenen Zustandes wurde es ganz still. Dann sprach der sonst stumme Fähnrich. Er sprach fließend schön und begeistert. Der Sekt hatte feine Erstarrung gelöst. Ans feinen Augen war das stille, innerliche Weinen geschwunden, das sonst immer .
Lage in die erwähnte Konditorei bestellt. Während diese auf ihn warteten, beendete er freiwillig sein Leben. _____________
* Fernlenkschiff „Zähringen" wieder in See gegangen. Das frühere Linienschiff „Zähringen", das im August vorigen Jahres bei seiner ersten Probefahrt als lernlenkbares Zielschiff Aufsehen erregte, ist mit dem Fernlenkboot „Blitz" von Wilhelmsha ven aus nach Kiel in See gegangen, um zunächst in der Ostsee weitere Probefahrten im Fernlenkverfahren auszuführen. Im Anschluß an diese Fahrten werden vom 6. bis 8. Mai Schießübungen der Schiffsartillerieschule in Kiel stattfinden, denen sich die vorgesehenen Schießübungen der Flotte nach ihrer Rückkehr von ihrer Spanienreise anschließen werden.
* Auf der Landstraße ermordet aufgefunden. (Eig. Meldg.) In einem Graben an der Chaussee Lauban-Schreibersdorf wurde am Sonn- tagmorgen in einer Blutlache liegend die gräßlich verstümmelte Leiche eines etwa 30 Jahre alten Mannes gefunden, der zweifellos einem Raubmord zum Opfer gefallen ist. Der Tote wies mehrere Kopfschüsse und Messerstiche auf. Papiere und Geld wurden bei ihm nicht gefunden. Der Mann war anscheinend als Sozius auf einem Motorrade mitgefahren. Die Leiche wurde in die Leichenhalle nach Lauban geschafft.
Drei Bauernhöfe verbrannt.
Zwei Personen in den Flammen umgekommen.
In einem Oekonomiegebäude der bei S ch ö n a u tm Wiefental gelegenen Schwarzwaldgemeinde Kastel brach in der Nacht zum Sonntag aus bisher noch nicht geklärter Ursache ein Feuer aus, das außerordentlich schnell um sich griff imfc in kürzester Zeit drei landwirtschaftliche Anwesen mit sämtlichen Nebengebäuden ein - äscherte. Zwec Personen kamen in den Flammen um Mehrere Stück Großvieh wurden verbrannt. Fünf Familien retteten nur das nackte Leben. Der Schaden ist sehr hoch.
Berühmtes belgisches Kloster in Flammen.
Die berühmte aus dem 12. Jahrhundert stammende Abtei in Tongerloo, einer Ortschaft Flanderns, wurde am Sonntag von einer Feuersbrunst, die vermutlich durch Kurzschluß entstanden ist, heimgefucht. Die ersten Versuche, den Brand zu bekämpfen, scheiterten an der Unzulänglichkeit der Löschmittel. Man hofft jedoch mit Hilfe der aus Antwerpen und Mecheln herbeigerufenen Wehren einen Teil des Klosters retten zu können. Zahlreiche wichtige Dokumente und wertvolle Kunstwerke konnten bereits in Sicherheit gebracht werden.
diesige Feuersbrunst in Rotterdam.
Nachts brach in einer Möbelschreinerei auf der Kipstraat in R o t t e r d a m em Brand aus. Als die Feruerwehr eintraf, stand bereits das ganze Gebäude in Flammen, die an den aufgestapelten Möbelvorräten reiche Nahrung fanden. Infolge der ungeheuren Glut konnte die Feuerwehr nicht verhindern, daß der Brand auf den ganzen Häuserblock, der ungefähr 15 Gebäude um- faßt, Übergriff. Zahlreiche Personen konnten sich nur im letzten Augenblick über die Dächer retten. Verschiedene der Geretteten hatten bereits das Bewußtsein verloren und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand schließlich mit fünfzig Schlauchleitungen. Der Feuerschein war bis nach Delft sichtbar. Erst in den heutigen Morgenstunden konnte das Feuer, das als das größte gilt, das sich fei150 Jahren ereignete, als bezwungen angesehen werden Der Sackschaden beläuft sich auf ungefähr 700000 Gulden.
Folgenschwere Schiffs-Explosion.
17 Personen vermißt.
wtb. Manila, 29. April. (Eig. Meldg.) Der Dampfer „Viking", der dem Verkehr zwischen den Inseln des Philippinen-Archipels diente, geriet in der Visayan-See auf halbem Wege zwischen den Inseln Masbate und Cebu in Brand, wodurch eine Ladung Benzin zur Explosion gebracht wurde. 17 MannderBesatzungwerdenvermißt und man befürchtet, daß sie bei der Explosion u m- gekommen sind.
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in ihnen schimmerte. Er sprach von seiner Mutter, seiner lieben Mutter, wie er sagte, die heute Geburtstag habe und der er versprochen, ein tapferer Soldat zu werden. Dieses Versprechen wolle er halten. Er sprach auch dankbar von seinem Kompagnieführer, dem Oberleutnant v. N. N., zu dem seine Mutter gesagt habe: „Machen Sie aus meinem Sohn einen guten Offizier." Nur einmal, nur dieses Mal habe ich ihn sprechen hören, und was er sagte, war edel und klug.
Es war Monate später In den flandrischen Wassergräben stiegen wie allabendlich die Leuchtkugeln hoch, weiße, grüne, rote. Die Front war ruhig. Nur wie zum Zeitvertreib schickten die Engländer Minen herüber, dort, wo sie glaubten, daß unsere Gräben »s besonders gut vertragen könnten. Sie blendeten mit zwei weißen Leuchtkugeln ihre Minen immer schön ab. so daß man nicht -sehen konnte wo diese schwarze Todesengel in aller Gemütsruhe heranflatterten. In den Sanitäts- unterftand. der etwa 400 Meter hinter den Kampfgra- den lag, trug man einen hinein, der auch von den Leuchtkugeln geblendet war, als so ein schwarzer Satan sich neben ihm hinfetzte und Feuer und Eisen spie. Ein Bein war ihm durchschlagen; aber er stöhnte kaum, das glühende Sprengstück mochte die Nerven der Wunde betäubt haben. Als er im Unterstand lag, sprach er kein Wort, nur mit seinen großen Augen schaute er um sich. Es war der Fähnrich. Da er viel Blut verloren hatte, svrach er bald mit sich selbst, wie im Fiebertraum. „Jetzt endlich sollte ich Leutnant werden, das Patent ,st unterwegs, und jetzt muß ich sterben. So viele haben es mir nicht gegönnt, jetzt würde ich Leutnant geworden fein und gerade jetzt muß ich sterben". Immer nur dies eine sagte er und wiederholte es immer und immer wieder, und dazwischen klang es wie unterdrücktes Schluchzen. Dann trat fein Bruder herein, der mit feiner Kompagnie auch gerade vorne lag Man harte ihn antelephoniert. Der Fähnrich sah ihn mit seinen großen Augen an, er sagte kein Wort. Dann kam das Auto; ganz bis nach vorne. Es war'ja heute abend auch abkolut aar nichts los an der Front; da ging das schon mal. Unterwegs stieg noch der Oberleutnant 01. N. ins Auto; man hatte auch ihn benachrichtigt Der Fähnrich erkannte ihn. Er sprach aber kein Wort; er wimmerte und stöhnte schon heftig. Dann gng die Fahrt weiter auf den zerschossenen Schlammstraßen, auf
Die Volksdeutsche Bewegung.
Man schreibt uns:
Alljährlich, um die Pfingsttage versammeln sich die Führer des Grenz- und Auslandsdeutschtums mit den Männern und Frauen der Deutschtumsarbeit im Reich, in Oesterreich und denen Grenzlanden, um im Erfahrungsaustausch Rückschau zu halten, Ziele zu setzen und neue Aufgaben zu verteilen. Diese Tagungen wiesen in den letzten Jahren eine gewaltig anschmellende Beteiligung auf. Darin kommt zum Ausdruck, daß das Gemem- fchaftsbewußtfein der in den verschiedensten Staaten lebenden und oft starkem Druck ausgesetzten deutschen Volksgenossen im Wachsen begriffen ist. Andererseits zeigen sie erfreuliche Anzeichen eines Ringens um die Vertiefung der Volksgemeinschaft innerhalb der staatsdeutschen Grenzen.
Wenn der spezifisch katholische Anteil an der Deutschtumsarbeit bisher, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, nicht hinreichend in Erscheinung getreten ist, so ist das sehr zu bedauern. Die überragende Bedeutung der Aufgaben, die zu lösen das Endziel des volksdeutschen Arbeit ist, auch allein schon die Tatsache, daß die Katholiken mit zwei Dritteln der rund 40 Millionen die Mehrheit aller Grenz- und Ausländsdeutschen biLen, erhält die Notwendigkeit einer regeren Anteilnahme auch nach außen hin. Es wäre dringend zu wünschen, daß die katholische Oessentlichkeit das notwendige Interessen für die volksdeutsche Bewegung erwecken und berufene Katholiken in größerer Zahl als bisher sich um den uns gebührenden Einfluß bewerben würden.
Im Mittelpunkt der volksdeutschen Arbeit stand in den letzten Jahren als entscheidende Voraussetzung die Frage der kulturellen Selbstverwaltung des im fremden Staatsverbande lebenden Volksgruppen. Dadurch unterscheidet sich die Volksdeutsche Arbeit grundsätzlich von dem Assimilationsprinzip der Siegerstaaten, daß sie nämlich die Freiheit der Deutschen nicht auf die Vergewaltigung fremden Volkstums aufbaut, daß sie das eigene Recht im Sinne einer höheren Rechtsordnung Europas sucht und nicht nur ein deutsches, sondern ein allgemein gültiges Minderheitenrecht fordert. Daneben gehören der bevölkerungspolitischen Frage besondere Aufmerksamkeit: die verhängnisvolle Abwanderung vom flachen Land in die Großstädte und die dann vielfach zwangsläufige Ersetzung durch fremdes Volkstum. Ebenso wichtig erschien die wirtschaftliche Verbindung zwischen den Grenz- und Ausländsdeutschen und der reichsdeulschen Wirtschaft und nicht zuletzt die Förderung des Anschlusses Deutsch-Oesterreich an das Reich.
Angesichts der äußeren Machtlosigkeit, zu der sich das deutsche Volk nach Kriegsschluß verurteilt sah, kam es in erster Linie daraus an ,den Selbstbehauptungswillen zu stärken, den grohdeutschen Gedanken innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft so fest zu verwurzeln, daß jede politüche kulturelle und wirtschaftliche Belastung ausgehalten werden konnte. Unter dem Eindruck der Fiie- densverträge, deren Einzelheiten um jene Zeit bekannt wurden, schlossen die Vertreter von elf Verbänden im Mai 1919 ein Kartell zum Schutz des Grenz- und Auslandsdsutschtums: der deutsche Schutzbund. Heute vereinigt er 120 Verbünde. Einer seiner Mitbegründer, der Präsident des Caritas- verbandes und damaliger Leiter des Reichsverban- des für die katholischen Ausländsdeutschen, Präsident Kreutz, entwickelte auf der Eründungsver- sammlung in kurzen Worten das Programm, wie es sich als Hauptoegenstand der Satzungen erhalten hat: Pflege des Gemeinschaftsgefühls zwilchen allen Deutschen und Schutz der Volksgenossen ohne Unterschied der Religion und unter Zurückstellung aller parteipolitischen und Klassengegensätze.
Die erste Aufgabe, die dem Schutzbund gestellt wurde, war die Durchführung der in den Friedens- diktaten vorgesehenen Volksabstimmungen in Ost- und Westpreußen, in Oberfchlesien und Kärnten. Aus den Erlebnissen der Abstiminungszeit holte die volksdeutsche Bewegung ihre stärksten Impulse. Als die Durchführung der Volksabstimmungen beendet war, grenzte sich die Tätigkeit des Schutz- bundes nach der öffentlichen Seite hin ab. Nur einmal im Jahre wendet er sich unmittelbar an die Oeffentlichkeit: durch seine Pfingsttagung, die meist in einem Grenzgebiet stattfindet und am besonderen Beispiel das Allgemeingültige jucht. Diese Tagungen sind für die Willensbildung des gesamtdeutschen Volkes vong roher Bedeutung geworden, boten sie doch anfangs die einzige Möglichkeit des Sichkennenlernens, durch die die Grundlagen zu gemeinsamer Arbeit geschaffen wurden. Hier traf der Südtiroler den Wolgadeutschen, der Deutsch- Österreicher den Nordschleswiger, der Siebendürger- denen der Chauffeur kein Loch erkennen konnte. Die Betäubung der Wunde war zurückgetreten und die Stöße des Wagens trafen das zerfetzte Bein. Da schrie der Fähnrich auf und schrie immer wieder vor Schmerz. Die beiden Offiziere bemühten sich um den Verwundeten und sprachen ihm Trost zu; aber der Fähnrich jchri» und schrie immer wieder und immer weiter.
Da begegnete dem Auto eine Infanterieabteikung, die nach vorn mußte; die fangen gerade: „Denn wer fein Weib und Kind verläßt, ja der steht auch im Kampfe fest" Als das Auto vorbeikam. hielten sie mit dem Gesänge inne; so laut schrie der Fähnr:ch. Die Leute sahen, daß Offiziere im Wagen waren. Da ermahnte der Oberleutnant N. N., nicht der Bruder, den Fähnrich, sich zu beherrschen und appelierte an feine Offiziersehre.
Aber der Fähnrich schrie, er hörte nicht mehr auf das. was sein einstiger Kompagnieführer ihm sagte. Dafür erlitt er zuviel und hatte er zuviel gelitten. Damals, als er ganz allein vor dem großen „Rollwagen" lag und ihn unverwandt anstierte, wann der nun ins» fahren würde; damals, als die Engländer „die Dicksten" immer gerade dort hinfetzten, wo er war und er sprachlos und stumm wurde und „bitte" und „danke' verlernte und seine Läuse einfach laufen ließ; damals, als es ihm gleichgültig wurde, wo die Dardanellen lügen, da feine Stellung unterminiert war und er auf Dynamit schlafen mußte Ja, damals hatte nur fern Auge geklagt und fein Mund geschwiegen, jetzt, wo fein Auge brach, schrie sein Kindermund, schrie die Qual vergangener Tage.
Der Bruder des Fähnrichs gab dem Chauffeur Befehl, im schnellsten Tempo zu fahren. Der Chauffeur wußte, was er riskierte bei den oft metertiefen Löchern. Aber er gehorchte dem Befehl, und der Wagen raste durch die dunkle Nacht und warf in kurzer Zeit den verblutenden Fähnrich auf den Operationstisch, an bemj£f$ Aerzie schon bereitstanden Als man ihm das Chloroform aufs Gesicht drückte, schrie der gähnrcy nicht mehr; dann wurde er amputiert — dann ffiti'üer
Irgendwo um Lille herum, ich weiß 'nicht wo liegt er begraben und schlummert nun schor^ 14 Jahre ilnb ruht aus von einer Bürde und Last, feine zarten Schultern nicht tragen konnten . . .