Nr 100/
srichemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen-. „Die Well im Bild" und „Buchenbiälter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einschl. Postaeb. (30 berw 48 Pf.) ohne Zustella.
Dienstag, 30. April 1929.
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Sö.Zahrg.
Behauptung steht gegen Behauptung.
Britischer Nugenblick der pariser Konferenz. — vor einem neuen Angebot Schachts? — Englische Zeugnisse für die Sicherheit der Mark.
wtb. Paris, 29. April. (Ctg. Meld.) Gestern abend wandte sich der „Temps" gegen den Gedanken, nach einem Scheitern der Reparationskonseren z die Lösung des Reparationsproblems den Regierungen zu unterbreiten. Das Blatt sagt, wenn die Technikerber Finanz nicht hätten regeln können, wurden die verantwortlichen Politiker dies auch nicht erreichen, ohne zu einem Kompromiß politischer Art zu gelangen, das außerordentlich gefährlich sei.
Aehnlich spricht sich „Echo de Paris" aus und sagt, wenn der englische Arbeiterführer Macdonald und seine Freunde die englische Regierung übernähmen oder selbst wenn sie zahlreicher in das Parlament einziehen würden, dann würden die englischen Vertreter auf einer politischen Konferenz, in der über Rheinlandräumung und Reparationen verhandelt werden würde, sich mcht leicht mit einem Mißerfolg abfinden, der den Bankrott der Abkommen von Locarno bedeuten würde.
„Chicago Tribüne" behauptet, daß Dr. Schacht kn Berlin die Reichsregierung dafür gewinnen wolle, sein neues Angebot, das gutunterrichteten Kreisen zufolge tatsächlich gemacht worden sein soll, zu billigen. Dieses neue deutsche Angebot sei, so glaubt man, für die Alliierten annehmbar, zum wenigsten für die ersten 15 Annuitäten. Das Schema sehe eine Klausel vor, auf gründ deren die Zahlungen später herabgesetzt würden, oder wenn die Wirtschaftslage es erfordere, aufgehoben werden könnten. Grundlage des ganzen Prosektes sei: Osfenlassung der Lösung nach 1945, weil man glaube, daß die Vereinigten Staaten dann in eine Revision der Kriegsschulden einwilligen könnten (es handelt sich offenbar um einen von dem gleichen Blatt bereits genannten Annuitätenbetrag von 1750 Millionen Goldmark.)
In der „Volonte heißt es, bisher habe keine Prüfung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands stattgefunden. Die alliierten Sachverständigen hätten willkürliche Forderungen gestellt und die Deutschen hätten auch Zahlen genannt, über die sie nicht hinausgehen können. Behauptung stehe also gegen Behauptung. Ein wirkliches Urteil hätte daher nur von Neutralen gefällt werden können.
Die deutsche Währung.
Londoner Stimmen über die Siabililäk der Mark.
wtb. London, 29. April. (Eig. Meld.) Financial Times berichtet aus Amsterdam, die allgemeine Ansicht unter den dortigen Bankiers gehen dahin, daß die gegenwärtige Lags leicht überwunden werden wird, da die gesamte Welt jetzt an Deutschlands Finanzlage mehr interessiert sei als an der jedes anderen Landes. Keine Währung sei tatsächlich besser geschützt als die deutsche Mark.
Morning Post berichtet aus Berlin: Cs besteht in Finanzkreisen bezüglich der Stabilität der Mark nicht die geringste Besorgnis.
Daili» Chronicle meldet aus Berlin: Ein Angriff auf die deutsche Mark ist fehlgeschlagen, hauptsäch
lich wegen des Vertrauens der führenden deutschen Banken in die Politik der Reichsbank und ihres Präsidenten Dr. Schacht sowie infolge der Ueberzeugung der Finanzkrcise, daß die deutsche Währung vollkommen "gesund sei.
Auch Times betont in einem Berliner Bericht die „unbegründeten Befürchtungen" wegen der Reichsmark. Dem Korrespondenten des Blattes zufolge werden in Berlin dis Aussichten des Sachverständigenausschusses in Paris für g ü n st i g angesehen.
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wtb. London, 29. April. (Eig. Meld.) Die heute erschienenen Finanzblätter befassen sich mit den Vorgängen, die gegen Ende der vergangenen Woche zu einer zeitweiligen Schwächung der Reichsmark auf den Auslandsbörsen geführt hatten. Financial News schreiben: Die Schwäche der Reichsmark, die weiterhin einigen Grund zur Besorgnis gibt, wubde zum großen Teil durch vollkommen grundlose Gerüchte und Befürchtungen hervorgerufen. Es bestehen nicht die geringsten Beweise dafür, daß die kürzlichen schweren Eoldverluste Deutschlands die Folge vorsätzlicher Pläne der deutschen Behörden sind. Diese Behauptung wird auch von den maßgebenden Bankkreisen in London zurückgewiesen. Es liegt sicherlich im französischen Interesse, daß der deutsche Kredit geschwächt wird. Das Blatt betont, daß die Schwäche der Mark nicht auf dunkle Beweggründe zurückzuführen war und beantwortet die Frage, ob Deutschland wirklich so viel angeboten habe, wie es zahlen könne, mit der Feststellung: es muß gesagt werden, daß die bestunterrichtete Ansicht in Londoner Bankkreisen dahin geht, daß dies der Fall ist
Schacht in Berlin.
Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist zu der Sitzung des Reichsbankgeneralrates, dessen Vorsitzender er ist, nach Berlin zurückgekehrt. Daß Dr. Schacht diese Gelegenheit benutzen wird, um die । Regierung über die Pariser Verhandlungen zu informieren, ist als selbstverständlich anzunehmen.
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Zwischen dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, der am Sonntag vormittag in Berlin angekommen ist, und der Regierung haben bisher noch keine Verhandlungen stattgefunden. Dr. Schacht wird frühestens am Mittwoch abend Berlin wieder verlassen, da er noch am Mittwoch an den Verhandlung des Generalrats der Reichsbank teilnimmt. Von den Beratungen der Reichsbank sind offizielle Erklärungen über die Festigkeit der deutschen Währung und gegen die von Frankreich betriebenen Machenschaften gegen die deutsche Mark zu erwarten.
Neue Gegner E)ugenberg’s.
Die deutschnationalen Landwirte.
Die besonderen und lange währenden Schwierigkeiten der letzten Regierungsbildung haben für die Deukschnationale Volkspartei den Vorteil gehabt, daß die übrigen Deutschen ihr politisches Interesse fast vollständig auf die Kabinettsfrage konzentrierten und fortdauernden Auseinandersetzungen innerhalb der Deutschnationalen Partei, dos wachsende Mißvergnügen einflußreicher deutschnationaler Gruppen mit Hugenbergs selbstherrlichem Regiment fast ganz außer Acht ließen. Wer jedoch befürchtet hat, die Blößen, die sich die parlamentarische Regierungsreform in den letzten Wochen und Monaten goöeben hat, würden zur Konsolidierung der onti-republikanischen Parteien beitragen, hat sich erfreulicherweise grundlos gefürchtet. Die krassen Geaenfätze, die in der stärksten antirepublikanischen Gruppe 'm der Deutschnationalen Voltsparlei, schon vor chugenbergs Führerberufung offenbar wurden, sind nicht schwächer, sondern stärker geworden. Zu chugenbergs parteizenössischen Gegnern gehören jetzt nicht nur die christlich-sozialen Arbeitnehmerkreise, nicht nur die Mitglieder des sogen. Lam- bachflügels, sondern neuerdings auch die sicherlich „linker" Neigungen ganz unverdächtigen deutsch- nationalen Landwirte. Diese neue Gegnerschaft wurde der Allgemeinheit durch zwei bedeutsame Tatsachen besonders kenntlich gemacht: einmal durch den unzweideutig gegen chugenbergs parteipolitischen Absichten gerichteten Artikel des deutschnatio- nälen Abg. Schlange-Schöningen in der „Berliner Börsenzeitung" und dann durch die Hilfsstellung, die diesem Artikel die großagrarische „Deutsche Tageszeitung" unmittelbar nach seinem Erscheinen geleistet hat. Der Angelpunkt der Angrifte Schlange-Schöningens ist die Frage: „Block oder Brei", die ja auch bei den früheren Auseinandersetzungen eine sehr wichtige Rolle gespielt hat. Während Hugenberg für den von ihm gewünschten und erwarteten Augenblick des „chaotischen Zusammenbruchs eine zwar kleine, aber vis in die Einzelheiten geschlossene und dem Führer gegenüber willenlose Kampfgruppe bereitstellen will, erstreben seine Gegner eine politische Rechte die „nicht engherzig" ist, die nicht „auf der Grundlage von einem halben Hundert Jdealizielen sich einschachteln" läßt,
die nicht die Menschen abstößt, „um ja bis, in die letzte Frage der Hauszinssteuer oder des Finanz- aüsgleichs ein einiger Block zu sein, etwa ähnlich so, wie der selig entschlafene völkische Block, in dem einer den anderen beargwöhnte und schließlich keiner dem anderen radikal genug war". Nach Schlange's Meinung muß die politische Rechte „ihre Tore so weit wie möglich aufreißen, um groß-zügig allen Menschenmassen der Wirtschaft, der Intelligenz und der Arbeiterschaft bei sich emströmen zu lassen, welche heute tausendfach zersplittert herum- laufen, und muß sie sammeln unter der einen einzigen Parole: „Gegen die volksvernichtende Sozialdemokratie: alles andere wird sich nachher ganz von selber finden." Schlange-Schöningen glaubt nicht daran, daß „das weitere Abgleiten Deutschlands eines Tages in einer Art von Chaos enden würde, aus dem dann in höchster Angst der Schrei nach dem rettenden starken Mann hervorgehen würde und daß zugleich in solchem Augenblick eine vielleicht auch kleine, so doch in sich geschlossene Rechtsgruppe als fester Block kraft feiner Willensstärke die größte Anziehungskraft beweisen mürbe." Herr Schlange sieht statt des chaotischen Augenblicks ein „langsames unbewußtes Sterben", das, wie er meint, nur aufgehalten werden kann, wenn die Rechte den Charakter annimmt, den Herr Schlange für richtig hält.
Die Gedanken Schlange-Schöningen's find im wesentlichen nicht originell. Man kennt sie bereits aus den Zeiten der Lambach-Krise. Neu aber ist, daß sie von einem agrarischen Führer vertreten werden der sich ausdrücklich „als Mann des rechten Flügels der Deutschnationalen Dolkspartei" bezeichnet. Wir sind nicht mit ihm einer Meinung. Wir wollen noch weniger als überhaupt ein Zwei- parteiensnstem die Zerreißung des Volkes in Burger und Sozialisten. Wir pflichten dem Iungdeut- schen Orden bei, wenn er diese Parole verwirft, „weil sie den Bruderkampf im deutschen Volk weiter fortführt".
Hugenberg's Gegnerschaft wächst. Er ist nicht der starke Mann, der große Politiker, der er fein will. Die „Deutsche Tages,zeitung" erinnert die Deutschnationale Partei sehr deutlich daran, daß sie, die größte Partei der Rechten, sich die Erfüllung ihrer Ausgaben nicht verdunkeln lassen dürfe" durch eine Jagd nach Phantomen, die gewiß sehr ideal
fein mögen, die aber von der Verbindung mit den Realitäten losgelöst sind". Hugenberg muß sich von großen Teilen der von ihm angeblich so fest und sicher geführten Partei Vorwürfe machen lassen, wie sie kein anderer Parteichef von feinen Parteimitgliedern bisher noch gehört hat. Wie wird er den neuen Schlag, dessen Bedeutung er nicht verkennen kann, aufnehmen? Seine Presse ist ratlos Der Hugenberg'sche „Tag" brachte am Freitag einen Artikel, dessen Verfasser die Ausführungen Schlange- Schöningens zweifellos gelesen hat, der es aber nicht wagte, den Namen Schlange-Schöningen auch nur zu nennen. Es sollte eine Abwehr sein und war nur eine umständliche Sammlung verlegener Ausreden. Hugenberg selber ist, einer Zeitungsnotiz nach, „infolge seiner Arbeit innerhalb der Partei erkrankt". Er weilt fern von Berlin in Lu- gano. —»EE-————
nieberträd)figes verfahren.
Von Dr. Mar x, M. d. R.
In welch feiger und hinterlistiger Weise gewisse Kreise gegen das Zentrum Stimmung zu machen suchen, ersieht man aus einem anonymen Schreiben, das angeblich von Geistlichen versaßt, an eine größere Anzahl der deutschen Bischöfe, wahrscheinlich an alle, versandt worden ist.
Es wird in dem Schreiben auf den Niedergang von Sitte und Kultur hingewiesen, wie er ja von der katholischen Presse des öfteren schon beklagt worden ist. Es wird auf die große Zahl der Kirchenaustritte sowohl in Deutschland wie in Oesterreich hingewiesen, auf den Niedergang der Zahlen von Frauen und Männern, die noch der österlichen Pflicht genügen, es wird hingewiesen auf anstößige Stellen der sozialdemokratischen Presse, aus Darbietungen namentlich in Berliner Theatern und Kabaretts, auf die Zunahme der Ehescheidungen und der Selbstmorde, auf Vorkommnisse in Versammlungen der Pazifisten, auf das Scheitern des Schulgesetzes, auf den Sturz des Ministers v. Keu- dell, alles dies in ganz ungeordneter und rein zufälliger Zusammenstellung, aber alles als Beweis dafür, daß das Zentrum an all diesen Vorkommnissen und Mißständen durch seine Politik, die es „seit der glorreichen Novemberrevolution" durchgeführt habe, die Schuld trage. Als Ursache aller der auch von der Zentrumspresse so oft beklagten Tatsachen und Ereignisse auf sittlichem und religiösem Gebiete wird das Zusammengehen des Zentrums mit Sozialdemokraten, Demokraten und sogar Kommunisten dahingestellt.
Es ist kaum anzunehmen, daß Geistliche sich dazu verstehen sollten, ein so ungereimtes Zeug, wie in der Zuschrift an die Hochwürdigsten Herren Bischöfe, zu schreiben, wird doch zvrn Beispiel auch die Kirchenaustrittsbewegung in Wien dem Zentrum zur Last gelegt! Aus einem unbedachten Satze ergibt sich aber, daß die Verfasser der Zuschrift sich in Berlin befinden! Es ist also der Verdacht nicht ungerechtfertigt, sie in öeft Kreisen rechtsgerichteter ober integraler Katholiken zu suchen.
Es muß außerordentlich schlecht um eine Richtung gestellt sein, die für ihre Bestrebungen durch so verwerfliche, zugleich aber auch ungemein törichte Ausführungen Anerkennung und Verbreitung zu gewinnen sucht!
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Vernünftige Leute sind sich klar darüber, daß nur das im katholischen Volke verankerte Bollwerk des Zentrums noch zerstört werden muß, um das Chaos im öffentlichen Leben Deutschlands herbeizuführen.
Der 1. Mai.
Kommunistische Propaganda. — Zörgiebels Gegenmaßnahmen.
Der Berliner Polizeipräsident Zörgiebel, bekanntlich ein Sozialdemokrat, richtet an die Bevölkerung Berlins einen Mahnruf, in dem er im Hinblick auf die an die Anhänger der Kommunistischen Aufforderung dieser Partei, sich am 1. Mai an das Demonstrationsverbot nicht zu kehren und die Straßen zu e r k ä m vfe n,mit allem Nachdruck darauf hinweist, daß für Berlin ein Verbot von Demonstrationen und Umzügen unter freiem Himmel, nicht zuletzt dank der schweren Mitschuld der Kommunisten, bestehe. Wer trotzdem am 1. Mai die Straßen zum Tummelplatz seiner politischen Leidenschaften zu machen versuche, beschwöre für sich und andere eines chwereGefahr herauf. Die Staatsautorität in Berlin werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchgesetzt werden.
Au die friedliebende Bevölkerung Berlins, insbesondere die. Frauen und Kinder, richtet der Polizeipräsident die dringende Bitte, am 1. Mai allen folchen Versuchen fern zu bleiben, sich nicht unnötig auf den Straßen aufzuhalten und die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu unterstützen.
Im Laufe des Sonntags versuchten in Berlin die Kommunisten, an verschiedenen Stellen der Stadt zu demonstrieren sowie Haus- und Hofagitation abzuhalten. Dabei mußte die Polizei in zahlreichen Fällen einschreiten. Zu ernstlichen Zwischenfällen ist es jedoch nichtgekommen.
Um 8 Uhr früh passierte ein geschlossener Zug von S t a h l h e l m I e u t e n auf Fahrrädern den Bülow-Platz, desgleichen gegen 9 Uhr Angehörige der Nationalsozialistischen T» e ” * f n Arbeiterpartei die Ecke Katser-Wilhelm- und Rosenstraße. Sämtliche Teilnehmer wurden zwangsgestellt und der Abteilung 1 a zu geführt.
In den Morgenstunden des Montag sind die Sockel der Denkmäler Kaiser Friedricks auf dem Luisenplatz in Charlottenbnrg und Kaiser Wilhelms i. auf dem Trianon-Platz in Weißensee von unbekannten Tätern mit der Aufschrift in roter
Farbe „Straße frei für den l.Mai" bemalt worden Bis in die Abendstunden wurden insgesamt 86 Personen zwangsgestellt und der Abtei« lung 1 a zugeführt.
Vorbereitungen in Paris.
Für den 1. Mai wurden in Paris vom Innenministerium folgende polizeilichen Anordnungen getroffen:
Umzüge auf offener Straße sind verboten« Jede Kundgebung, jeder Sabotageakt, jede Arbeitsbehinderung und jede Gewalttätigkeit sollen mit größter Strenge unterbunden werden. Ausländer, die an einer Kundgebung teilnehmen, werden verhaftet und sofort ausgewiesen. Die Polizei wird verstärkt durch die republikanische Garde. Außerdem werden die Truppen eines Teiles der Garnison von Paris sowie weitere zur Verstärkung herangezogene Truppenoerbände den ganzen Tag über in den Kasernen zur Verfügung der Polizei stehen.
Bef der Verteilung der kommunistischen Wochenschrift „La Avantgarde" sind in Paris zehn Kommunisten verhaftet worden. Das Blatt soll besonders heftige Angriffe gegen das Militär gerichtet und die Soldaten zur Gehorsams^ Verweigerung aufgefordert haben.
Tiroler Landtagswahl.
wtb. Innsbruck, 22. April. (Eig. Meld.) Nach dem vorläufigen Ergebnis der Tiroler Landiags- wahl erhält die Katholische Volkspartei 26 (bisher 28) Mandate, also fast eine Zweidrittelmehrheit, die sozialdemokratische Partei 9 (8), Ständebund 3 (0), Großdeutsche 2 (4). Die Splitterparteien, die fast durchweg den n i ch t sozialistischen Parteien Stimmen entzogen, und zwar die „Nationalsozialisten" die „Nationalsozialisten Hitler'scher Richtung", die „Angestellten-Partei", der „Wirtschaftsbund" der „Landbund" und die „Kommunisten" erhalten kein Mandat. Die katholische Volkspartei setzt sich zusammen aus dem katholischen Tiroler Bauernbund, dem katholischen Tiroler Volksverein und dem christlichen Tiroler Arbeiterbund.
Die Splitterparteien sind auch in Tirol wie überall die Schrittmacher der Sozialisten.' „
„Safclo des weißen Ndlers".
Aus Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, wird gemeldet: Die der Regierung nahestehenden Blätter sind bestrebt, den unernsten llharakter der Bewegung zur Ausrufung der Diktatur, von der „Adeverul" zu berichten wußte, hervorzurufen. Es handele sich um eine faschistische Organisation, die den Namen „Fascio des Weißen Adlers" führte und von dem früheren Ministerpräsidenten General Vaitojanu gegründet worden fei. Politische Kreise vertreten die Auffassung, daß die Regierung Maßnahmen treffen wird, um die Tätigkeit dieser Organisation zu unterbinden, damit eine Störung der öffentlichen Ordnung vermieden werde. Man weist darauf hin, daß sowohl der Kabinettschef als auch der Minister des Innern gegenwärtig in der Provinz weilen, was auf die Bedeutungslosigkeit dieser Bewegung Hinweisen soll.
* General Heye zurück von der Südamerikareise. Mit dem Hamburg - Süd - Schnelldampfer „Cap Polonio" ist der Chef der deutschen Heeresleitung General Heye im Hamburger Hasen eingetroffen. Er wurde an Bord des Schiffes vom Konteradmiral Gayer, dem Leiter der Marinedienststelle Hamburg, und dem militärischen Referenten Major Heins empfangen. General Heye, der sich sehr befriedigt über seine Eindrücke in Argentmiev äußerte, setzte die Weiterreise nach Berlin fort.
Ein Grenzzwischenfall.
2 Tote an der österreichisch-südslawischen Grenze
Wie aus Graz gemeldet wird, ereignete sich an der jugoslawischen Grenze anderthalb' Stunden von Leutschach (Bezirk Leibnitz) entfernt ein aufsehenerregender Zwischenfall. Von einer jugoslawischen Gendarmerieeskorte wurden ein Professor und ein Hochschüler, beide jugoslawischer Nationalität, in dem Augenblick, als sie nach Oesterreich flüchten wollten, erschossen. Hierüber erfuhr der österreichische Eendarmerie- posten in Leutschach folgendes: In einem Cafe in Agram wurde das Gespräch mehrerer Gäste belauscht, aus welchem hervorging, daß sie Druckschriften umstürzlerischen Inhalts verbreiten wollten. Die Behörden verhafteten zwei Personen, den Prof, und den Hochschüler. Sie wurden unter Bedeckung an die österreichische Grenze bei Leut- schach gebracht, um dort zu ermitteln, wo dies« Druckschriften, die von Oesterreich eingeschmuggelt werden solllen, versteckt sind. Während der Suche nach den Druckschriften unternahmen die beiden Verhafteten, jugosiawische Staatsangehörige, einen Fluchtversuch nach Oesterreich, wobei sie von den jugoslawischen Gendarmen in dem Augenblick erschossen wurden, als sie die Grenze erreicht fjatten; so daß die Füße der beiden auf österreichischem Boden und die Oberkörper auf jugoslawischem Boden zu liegen kamen.
* Lärmszenen bei einer politischen DeAammlnn- in Breslau. Aus Breslau wird gemeldet: Der deutsch-polnischen Verständigungspolitik galt eine Massenkundgebung, die unter ber Devise ,protzt der Krieg zwischen Deutschland und Polen?" hr Viktoria-Theater stattfand. Veranstalter, fc-eier Versammlung waren die deutsche und volnische Liga