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uldaerZertung

Anzeiger für die Siadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Samstag, 27. April 1929

Nr 98

<st|a;einl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einichl. Postaeb. (30 bestn 48 Pf.y ebne Justella.

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Zer abgeschlagene sranzösilche EinschLichterungsoerluch.

Die Angriffe gegen NeichsbanKpräsident Schacht müssen von der fran­zösischen presse rückgängig gemacht werden.

Aus Berlin wird gemeldet:

Die (hier schon besprochene) Sitzung des Trans­ferkomitees hat der Havasagentur'Anlaß zu Kom­binationen und Schlußfolgerungen gegeben, die nicht anders gewertet werden können als eine b e - absichtigte Untergrabung des deut­schen Kredites im Auslande. Sie be­hauptet, daß gewisse ausländische Banken es für klüger erachtet haben, ihre Depots aus Deutsch­land zurückzuziehen. Bisher ist von einer solchen Zurückziehun ausländischer Kredite aus Deutschland noch nichts zu spüren gewesen. Wenn diese ver­steckte Aufforderung der Havasagentur aber zu sol­chen Zurückziehungen führen sollte, dann wird man wissen, von welcher Seite zuerst das Signal dazu itfib ?u. den sich daraus etwa ergebenden Transfer- fa-^uertgkeiten gegeben worden ist.

Offenbar haben die Mitglieder des Transfer­komitees das Unverantwortliche und Gefährliche einer solchen Stimmungsmache in der Presse er­kannt. und die Reparationskommission hat folgendes Kommunique herausgegeben:

„Der Transferausschuß hat seine übliche Mo- natssitzung abgehalten. Entgegen den in der Presse erschienenen Nachrichten haben weder der Ausschuß selbst noch der Vorsitzende irgendeine Mtteilung an den Reichsbantpräsi^enten hinsicht­lich des Diskontsatzes der Reichsbank gemacht. Der Ausschuß hat wie allmonatlich die üblichen Trans­ferierungen auf Reparationskonto genehmigt."

Tatsächlich bat die Reichsbank den Devisen- und Eoldabsluß in der letzten Zeit mit steigender Sorge verfolgt und war bereits vor der Sitzung des Transferkomitees zu einer Erhöhung des Diskan­tes entschlossen. Sie hat nur den Wochenausweis vom 23. Avril noch abgewartet, um sich einen vol­len Ueberblick über den Gesamtstatus der Reichs- bank zu verschaffen, um das Ausmaß der notwen­digen Diskonterhöhung beurteilen zu können. Sie hat, sobald dieser Ausweis vorlag, die sich daraus ergebende Konsequenz gezogen.

*

wtb. Paris, 23. April. (Gig. Meld.) Unsere Pariser Vertretung meldet uns: Nachdem gestern die meisten Blätter, wie gemeldet, sich in Angriffen auf die Politik der Neichsbank und Reichsbankvrä- fident Dr. Schacht gefallen haben, versuchen heitte die meisten, sich eine Rückzugslinie dadurch zu schaffen, daß sie das Verhalten der deutschen Delegation bei der Reparationskonferenz triHfie­ren. Am bezeichnendsten ist, daß das „Echo de Pari-" den Generalagenten für die Reparations­zahlungen, Parker Gilbert, angreist, weil er — den Tatsachen ent; .rechend — feststellte, daß das Transferkomitee sich nie in die Diskontpolitik der Reichsbank eingemischt habe. Es ist nur zu beda"-rn, daß nicht alle Blätter, die die Finanz­politik der Reichsbank kritisiert haben, nun auch die offenherzige Erklärung, worauf der Abgang der Devisen in den lebten Monaten zurückzusiihren ist, der öffentlichen Meinung in Frankreich unterbrei­ten. Da das tatsächlich nur einige wenige Blätter

AlldeuWe Phantasien.

Das deutsch« Volk befindet sich angesichts der rrnsten Schwierigkeiten, die der Pariser Repara­tionskonferenz erwachsen sind, auch seelisch in einer peinlichen und gefährlichen Situation. Wenn auch die j)Öffnungen, die man bezgl. des Ergebnisses die­ser Zusammenkunft gehegt hat, von vornherein nickt allzu groß gewesen sind, so hat man innerlich zweifellos doch mehr erwartet, als setzt tatsächlich herauszukommen scheint. Das Elend, die Rot und die Enge, die der unglückliche Kriegsausgang mit allen feinen Folgen über die große Masse der Deutschen ausgebreitet bat, sind ja so unerträglich geworden, daß auch die Enttäuschung anfänglich schwächerer Hoffnungen tief und schmerzlich emp­funden wird.

Wir wollen hier nicht die einzelnen Phasen der Pariser Verhandlungen rekonstruieren, wir wollen auch nicht umerfueben, wer oder was die Krise, die Abbruchsgefahr dieser Konferenz heraufbeschworen hat. Das mag später, wenn die Dinge klarer zu übersehen sind,' der Geschichtsschreiber tun. Uns kommt es jetzt nur darauf an, unsere reparations­politische Situation klar und deutlich zu zeichnen und auf diese Weise daran mitzuarbeiten, daß d>e Enttäuschung, die im deutschen Volke um sich greift, nicht von Konjunkturpolitikern ausgenutzt wird, die entweder nur aus Unkenntnis der Dinge oder da­neben auch aus ichsüchtigen Absichten heraus das Volk zu Kundgebungen eines falschen und letzten Endes verderblichen Willens verleiten möchten.

Die Reparationsfrage kann nur gelöst werden, wenn sie aus der Sphäre des Politischen vollstän­dig hinübergeleitet wird in das Gebiet des wirt­schaftlich Möglichen. Wenn das deutsche Volk Re­parationszahlungen leisten soll, kann es sie nur aus den Ueberjchüssen seiner Wirtschaft leisten. Tiefe Eingriffe in die Vermögenssubstanz oder enorme Zahlungen aus Mitteln, die erst aus kost­spieligen Ausländsanleihen gezogen werden müssen, untergraben schließlich die Existenz und damit na­türlich auch die Reparationsfähigkeit unseres Vol­kes. Das ist zwar eine Selbstverständlichkeit, aber trotzdem hat es lange gedauert, bis die Anerken­nung dieser, von Zentrümsseite zuerst und immer wieder verkündeten Selbstverständlichkeit in einigen, verantwortlichen Köpfen der Gegenseite ausdäm.

tun, ist wohl die Annahme nicht unberechtigt, daß die letzten Angriffe zu einer Einschüch- terung der deutschen Delegierten fuh­ren sollten.

wtb. London, 26. April. (Eig. Meld.) Der Pa­riser Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Einige Pariser Blätter beschuldigen Dr. Schacht, er suche vorsätzlich die finanzielle Lage Deutsch- lands so zu gestalten, daß der Transfer deutscher Dawes-Zahlungen an die Eläubigerlünder un­möglich werde. Zuständige alliierte Kreise aber schenken der Behauptung, daß der Reichsbankpräsi­dent absichtlich einen so gefährlichen Weg einschlagen sollte, keinen Glauben. Von den alliierten Sachverständigen wird die alarmistische Auffassung der Pariser Presse über die deutsche Finanzlage nicht geteilt; doch wird zugegeben, daß die deutsche Finanzlage so ist, wie es für den Fall eines Mißerfolges der Konferenz erwartet wurde. Von zuständiger Seite wird der Ansicht Ausdruck verliehen, daß es gegenwärtig äußerst schwierig sein würde, eine deutsche Anleihe in London oder Reuyork aufzulegen. Denn eben wie eine Regelung den deutschen Kredit ungeheuer gesteigert haben würde, so sei er durch die Gefahr des Scheiterns der Verhandlungen beeinträchtigt worden. Die Aussichten für ein glattes Funktio­nieren des Dawesplanes, das von allseitig gutem Willen abhänge, werden ganz offen als weniger günstig als vor Sufamm en tritt der Konferenz bezeichnet.

Sie wollen auch haben!

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Die griechische, die ru­mänische und die südslawische Regierung haben kürzlich dem Reparationssachverständig''n- ausschuß in Paris Schriften zugestellt, in denen ihre Standpunkte in der Reparationsfrage aussin- cnberrre'ebt wurden. Jede der Regieniuw'n hat eine Erhöhung ihres prozentualen Anteils an den deutschen Reparationen gefordert mH der Begründung, daß die österreichischen, ungarischen und bulgarischen Reparationszahlungen au-ge- blieben seien.

Borat) bn tjoouer.

wtb. Reuyork, 26. April. (Eig. Meld.) Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Se­nats, Senator Borah, ist gestern, wie die „Neuyork Times" aus Washington meldet, ins Weiße Haus gebeten worden und hatte mit Präsi­dent Hoover eine Unterredung über bie Frage der Reparationen, des Weltgerichts­hofes und den von Botschafter Eidson vorgebrach­ten Vorschlag einer Einschränkung der Marine- Streitkräfte. Senator Borah hat nach der Unterredung Pressevertretern gegenüber es zwar abgelehnt, sich über Einzelheiten der Besprechung zu äußern, gab aber zu, daß die genannten Fragen ihr Thema gebildet hätten.

Rach ihm stattete der Unterschatzsekretär Ogdrn Mills einen Besuch im Weißen Haus ab.

merte. Wir sagen ausdrücklich, mir in einigen Köp­fen der Gegenseite. Denn daß sie drüben noch lange nicht Allgemeingut ist, daß man in maßgeben­den Krefien unserer Verhandlungsgegner immer noch das zu fordern geneigt ist, was Deutschland zahlen soll und nicht das, was Deutschland zahlen kann, hat ja der bisherige Verlauf der Sachver­ständigenkonferenz in Paris sehr deutlich gezeigt. Aber selbst, wenn die Pariser Beratungen völlig ergebnislos ausgehsn würden, wäre es falsch und verderblich, sich einem schrankenlosen Pessimismus hinzugeben und dem bisherigen außenpolitisck-en Prinzip zu entsagen. Es gibt ja in Deutschland Leute, die unserem Volke eine derartige „Umkehr" anraten, die von der deutschen Regierung verlan­gen, jegliche Verhandlungen endgültig abzubrechen, „die Leistungen aus den Dawes-Verträgen einzu­stellen und bei den feindlichen Mächten die deut­schen Gegenforderungen geltend zu machen". Das sind RaMsiäge, die nicht der nüchternen Erkenntnis unserer tatsächlichen Lage, sondern dem Geltungs­bedürfnis kurzsichtiger und erregter Agitatoren entspringen. Mit berartigen Resolutionen läßt fick der Druck nicht entfernen, der auf uns lastet. Im Gegenteil. Wollten wir nach den Rezepten des Alldeutschen Verbandes verfahren, würde uns bald ein zweites, ein schlimmeres Versailles völlig ver­nichten. Wir sind, nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich absolut nicht in der Lage, den Repres­salien standzubalten, die die Desperado-Politik des A^rrn Elaß heraufbeschwören müßte. Das läßt sich durch noch so jdjöne nationalistische Redens- arten nicht ändern. Wir müssen die Dinge real- politisch sehen und unser Verhalten, ob wir wollen °.^er. bisher so auch in Zukunft danach

emnchtsn., Wir besitzen wahrlich keinen Repara- twns.anattsmns, aber wir sind auch keine Repara- tlonsdruckeberger. Wir wollen uns, wie Prälat Kaas in Essen gesagt hat, den finanziellen Konse­quenzen des Krieges zum Nachteil anderer Natio­nen nicht entziehen, aber wir wollen uns dabei nur dem Gesetz wirffchaftlicher Vernunft und nicht ei­nem politischen Diktat unterwerfen. Auch wir Deutsche haben das Recht, zu leben und deshalb bleiben wir dabei, zu fordern, daß das Maß un­serer Belastung bas Maß unserer Leistungsfähig­keit nicht überfteigen darf Auch wenn die Repa­rationskonferenz in Paris an unerfüllbaren Forde­rungen der Gegenseite scheitert, werden wir un­

ermüdlich fortfahren, für diesen obersten einzig ver­tretbaren Grundsatz der Reparationspolifik zu kämpfen. ————————

BaRwtn und die Abrüstung.

Vor einer Versammlung von ungefähr 40 000 Menschen in Bristol hielt der englische Ministerprä­sident und konservative Führer Baldwin eine Rede, in der er über die Erklärungen des amerikanischen Vertreters in Genf, Gibsons, vor der vorbereiten­den Kommission der Abrüstungskonferenz sprach. Die britische Regierung, sagte er, wünscht wie die amerikanische Regierung nicht nur die Begrenzung, sondern auch die Herabsetzung der Seerüftungen bei allen Klassen von Kriegsschiffen. Wir arbeiten gern mit den Verei­nigten Staaten zusammen, um dieses Ziel zu er­reichen. Wir nehmen gern die nützlichen und ermu­tigenden Erklärungen Gibsons entgegen. Vor al­lem schätzen wir den aufgeklärten Geist, mit wel­cher Hoover an dieses schwierige Problem ging, und wir hoffen, mit Hilfe der Vereinigten Staa­ten eine Grundlage für eine praktische Lösung zu finden. Diese Erklärungen Baldwins wurden mit Begeisterung ausgenommen.

Baldwin fteht im lchweren Wahl kämpf. Da

muß er manches versprechen.

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In Fortsetzung der Aussprache über das Kapi­tel der ßuftrüftimgen hat der Vorbereitungsaus­schuß für die Abrüstungskonferenz einen neuen deutschen Antrag behandelt, dessen Annahme die Berücksichtigung der bekannten deutschen Forde­rung nach Einbeziehung des gelagerten Kriegsmaterials zunächst für die Luft- streitkräfte bedeutet hätte. Der Abkommen­entwurf von 1927 sieht nur die zahlenmäßige Be­schränkung der im aktiven Dienst eingestellten Flug­zeuge und Luftschiffe vor, während Deutschland be­reits damals in einem Vorbehalt die Forderung aufgestellt hatte, daß das gesamte Kriegsmaterial der Luftstreitkräfte, also auch das Reserve- und das gelagerte Heeresmaterial, in die Abrüstungs­konvention mit einbezogen werden muß. Der deutsche Antrag war in dieser Richtung gehalten Er wurde von Frankreich, Sndslawien und Japan abgelehnt und fand nur die Unterstützung Litwi­nows. Nachdem bie von der deufill en Delegation verlangte Ueberweisung an einen Erperten-Aiis- schuß abgelehnt war, zog Grai Bernstorsf den An­trag, der vorwiegend rechmschen Charakter trug und später der Abrüstungskonferenz zugehen sollte, zurück. Die Aussprache über die Frage der Ein­beziehung des Kriegsmaterials wurde auf ameri­kanischen Vorschlag bis zur Behandlung des Kapi­tels über ßuftftreitträfte und deren Rüstungen vertagt.

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In Paris wurde die Hinterlegung der deut­schen Ratifikationsurkunden zu dem am 17 Juni 1925 in Genf unterzeichneten Protokoll über das Verbot der Verwendung von erstickenden, gifti­gen ober ähnlichen Galen sowie von bakteriolo­gischen Mitteln im Kriege vorgenommen. Da die­ses Protokoll durch Frankreich bereits ratifiziert ist, tritt es zwischen Deutschland und Frankreich so­fort in Kraft.

5lus den Parlamenten.

Reichstag.

Im Reichstag gab am Donnerstag die zweite Beratung ber von den Regierungsparteien einge- brachlen Vorlage auf Ausdehnung der Anleiheer­mächtigung um 200 Millionen dem Reichsfinanz­minister Dr. H i l f e r d i n g Gelegenheit zu einer kurzen Darstellung unserer Finanzlage. Der Mnister machte kein Hehl daraus, daß diese Lage im Augenblick recht kritisch sei. Das Kassendefizit, das die Ursache der Vorlage der Re­gierungsparteien bildet, und das auch schon zur Kreditinanspruchnahme bei Privatbanken geführt bat, sei durch die starken Anforderungen der Arbeitslosenversicherung hervorgeru­fen, die ihrerseits wieder durch die mit dem ab­norm langen und katten Winter verbundene Stei­gerung der Arbeitslosigkeit in Schwierigkeiten ge­raten sei Die Gnmdursache der jetzt so ungün­stigen Finanzlage liege aber in der Ausgabenpoli­tik, die der Reichstag in den Jahren 1926 und 1927 getrieben habe, wo man nicht an die nötige Deckung und nicht an das kommende Notjahr 1929 gedacht habe. Dr. Hilferdina erklärte, die Regie­rung bereite einen Entwurf zur Reform der Arbeitslosenversicherung vor. Sie seit bemüht, eine ordnungsmäßige Etatswirtschaft zu sichern, aber sie müsse auch vor Uebertreibungen warnen und den Versuch zurück weifen, durch das falsche Gerede von Reichsbankerott und drohender Inflation die Wirtschaft und das Reich zu schädigen. Die Vorlage wurde nach kurzer Aussprache in zwei- ter Lesung angenommen. Die dritte Lesung soll am Freitag ftattfinben. Die zweite Lesung des Etats wurde bann mit dem Haushalt des Reichs­arbeitsministeriums fortgesetzt.

Die Weiterberatung wurde auf Freitag 15 Uhr vertagt.

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag führte am Donnerstag die erste Lesung jenes demokratischen Initiativge- sttzes durch, das unter Anpassung der Vorschriften für die ßanbtagsabgeorbneten an die im Reichs­tag bereits bestehenden Befttrnmungen festsetzen will, daß Abgeordnete, die sich an namentlichen Abstimmungen nicht beteiligen, für den betreffen­den Sitzungstag keine Diäten erhalten. Der Sinn dieses Antrages geht dahin, die Obstruktion der Kommunisten und der Rechtsparteien zu er­schweren. Die Deutschnationalen holten zu einem Gegenschlage aus und beantragten zu bestimmen.

daß auch die Abgeordneten ein Dreißigstel ihrer Monatsabzüge jeweils verlieren, die an Aus­schußsitzungen nicht teilnehmen und auch keine Vertreter stellen. Das Gesetz ging an den Ausschuß.

Vorher wurde noch debattenlos das Haushalts­gesetz, der Etatsmantel, verabschiedet, womit bis auf einige Abstimmungen die gesamte zweite Lesung des preußischen Haushaltsplanes erledigt ist. Das zur ersten Beratung vorgelegte Volksschullehrer- besoldungsgesetz wurde dem Hauptausschuß über­wiesen. Weiter wurde noch die zweite Lesung der allgemeinen Finanzverwaltung beendet und vor allem die Regierungsvorlage in erster Lesung er­ledigt, die rurtö 14 Millionen neue Kreditmittel zur Gewährung von Beihilfen und Darlehen ' ii r Meliorationen Vorsicht. Das Gesetz ging gleichfalls an den Ausschuß. Schließlich er­teilte das Haus noch die Genehmigung zur Straf­verfolgung des Abg. Kauffmann (Nat.-Soz.) we­gen Beleidigung des Bochumer Oberbürgermeisters und lehnte mit 204 gegen 116 Stimmen das kom­munistische Mißtrauensvotum gegen den Innen­minister wegen 'ber Demonstrationsverbote ab.

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Ein Vorfall, ber, wie das Berk. Tagebl. er­klärt, die Notwendigkeit einer vernünftigen Parla­mentsreform drastisch beleuchtet, ereignete sich im Preußischen Landtag. Der kommunistische Abg. Becker hielt seine Rede, aber nicht ein einzi­ger feiner Parteifreunde war im Saal. Was den Kommunisten recht ist, ist natürlich den übrigen Parteien billig. Herr Becker blieb allein mit ’bem ßanbttgspräfibenten und den Schrift­führern im Saal, und es bauerte erst geraume Zeit, bis vier Kommunisten sich bereit' fanden, ihrem Eejinnungsgenossen ein williges Ohr zu leihen.

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VDZ. Berlin, 26. April. (Eig. Meld.) Der Preußische ßanbtag beschäftigte sich heute zunächst mit der ersten Beratung des Gesetzes über die Neugliederung des rheinisch-westfälischen Indu­striegebietes und des Einführungsgesetzes dazu. Innenminister Grzesinsky begründete in längeren Ausführungen diese Vorlage.

$ür eine Re'chswahlreform.

Die Demokratische Reichstagsfraktion hat den Fraktionsvorstand beauftragt, aufgrund des von den Abgeordneten Dr. Külz und Nuschke vor- gelegten Entwurfes zur Wahlreform die Angele­genheit im interfraktionellen Ausschuß des Reichs­tags zu gegebener Zeit zur Sprache zu bringen.

Bekanntlich hat der Vorstand der Deutschen Zentrumspartei vor einigen Tagen einen gleichgerichteten Beschluß gefaßt. Hoffentlich geig* sich bald ein praktischer Erfolg.

* Maßnahmen des Ncichswehrministers gegen einen Offiziersverein. Wie die „Voff. Ztg." be- richtet, hat Reichswehrminister Groener den Ver- ein der Offiziere des ehemaligen königlichen 1. Thüringischen Infanterieregimentes 72 für einen politischen Verein erklärt, so daß die Reichswehroffiziere, die dem Verein bisher angehört haben, ausscheiden müssen. Das Blatt glaubt, daß die Maßnahme des Reichswehrmini­sters darauf zurückzuführen ist, daß in dem Nach­ri ch t e n b 1 a 11 des Vereins in letzter Zeit pole« mis che Art ikel gegen bie Republik und die republikanischen Parteien gebracht wurden.

Großfürst Michael gestorben.

wtb. London, 26. April. (Eig. Meld.) Groß- fürst Michael von Rußland ist heute morgen hier gestorben.

Großfürst Michael galt als Prätendent der rus­sischen Emigranten.

* Der 1. 2Nai und das Berliner Sfabfparla- ment. Im Mittelpunkt der letzten Stadtverord­netensitzung stand die Feier des 1. Mai. Wie zu erwarten war, gerieten die Gemüter heftig anein­ander. Wortführer der Kommunisten war der Stadtverordnete Roth, dessen Rede in den Worten gipfelte: „Wir rufen zur Demonstration auf. Wir haben uns vor einem Jagow nicht gefürchtet und werden uns auch vor einem Zörgiebel und seinen Trabanten nicht fürchten." Die Anträge der Kom­munisten, die die Aufhebung des Demonstrations­verbotes, Schließung der Schulen, Arbeitsruhe In den städtischen Büros und Gesellschaften, Beflag­gung der. städtischen Gebäude mit roten Fahnen wollten, wurden abgelehnt.

Bas Opfer

Deportation der Schwester Loncepkion.

wtb London, 26. April. (Eig Melbg.). Wie aus Mexiko gemeldet wird, wird die unter der Anklage der Teilnahme an der Ermordung des Präsidenten Obregon zu 20 Jahren verurteilte Ordensschwester Eonception nach der Strafkolonie Las Tres Marias deportiert werden, die als das mexikanische Gegen st ück der Teufels­insel bezeichnet zu werden pflegt.

♦ Der Wirrwarr bei den Dcutschnattonalen. Vor kurzem hat der deutschnationale Abgeordnete Schlange-Schöningen, weil er in Differenz mit Hu- genberg über dessen politischen und wirtschaftlichen Kurs geraten war, sein Amt als Landesvorsitzen­der für Pommern niedergelegt. Run veröffentlicht Schlange in einer Berliner Zeitung einen Arti- fel, in welchem er sich scharf, gegen das Ziel Hu- genbergs ausspricht, der aus der Deutschnationaler Volkspartei eine schroffe Rechtsoppositions-