Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

Nr 97.

<£t|d)emt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblättett'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl.1.80 einschl. Postqeb. (30 be,w. 48 Pf., ohne Zustella.

Jreitag, 26. April 1929.

Anzeigen.Preise Kleinzeile (Colonel, lokai o,lö JLM auswärts 0,20 JUt Rellamezerle: lokal 0,60 JUt Kß Tfihrfi auswärts 0,80 ^41. Bei Wiederholungen Rabatt. ’-'V.JUlJl.ye >: Posticheckkonto Frankiurt a. M. Nr 4051

Der Reichsbank-Diskont erhöht.

Die Zusammenhänge der Erhöhung mit der pariser Konferenz.

Die Reichsbank hat mit sofortiger Wirkung den Wechseldiskont von 6% Prozent auf 7% Prozent und den Lombardzinssah von 7% auf 81/» Prozent erhöht.

*

Sn der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank am Donnerstag vormittag be g r ü n- dete der Vorsitzende die vom Reichsbankdirekto­rium beschlossene Erhöhung des Diskontsatzes wie folgt:,

Mit der Diskontermäßigung vom 11. Januar dieses Jahres hatte die Reichsbank geglaubt, der verminderten Aktivität der deutschen Wirtschaft entgegenkommen zu sollen. Es konnte dabei in Kauf genommen werden, wenn die Verringerung des Zinsgefälles gegenüber dem Auslande ange­sichts der hohen lang- und kurzfristigen Auslands­verschuldung zu einem verminderten Zustrom oder zu einem Abfließen kurzfristigen Auslandskapitals und damit zu einer Senkung des Gold- und De­visenbestandes der Reichsbank führen würde. Die Gold- und Devisen-Entziehungen ha­ben indessen die Erwartungen weit über­troffen, wozu nicht nur die Anspannung an den wichtigen internationalen Geldmärkten, die fort­bestehende Passivität des deutschen Außenhandels, die geringfügige Neuaufnahme lang- und kurz­fristiger Anleihen beitrugen, sondern vor allem auch die Devisen-Abschlüsse zwangsläufiger Natur, der Zins- und Tilgungsbedarf für die große Aus­landsverschuldung und nicht zuletzt die Devisen­zahlungen für Reparationszwecke, die mit der Steigerung der Dawes-Annuität auf 2'A Milliar­den Reichsmark natürlich steigenden Devisenbedarf hervorrief (vom 1. Sept. 1928 bis 31. März 1929 733 Mill. RM. gegenüber 442 Mill. RM. im ent­sprechenden Zeitraum vorher). Es ist selbstver­ständlich, daß die Reichsbank versuchen muß, auch einer solchen Entwicklung gegenüber ohne Diskont­erhöhung auszukommen, solange der Geld- und Kreditbedarf der privaten Wirtschaft ein gewisses Maß nicht übersteigt; es ist aber bekannt, daß die gelegentlichen Spannungen des Geldmarktes wäh­rend der lebten Wochen ihre Ursache außer in wirtschaftspolitischen Erscheinungen größtenteils in derbedauerlichenKassenlagedesRei- ch e s hatte.

Wenn das Reichsbankkuratorium sich nunmehr dennoch ungewöhnlicherweise in emcr Zeit noch fortdauernder Wirtschaftsdepresiic • -ozwungen sieht, den Diskontsatz von 6'/- auf 7' ' ozsnt und »en Lombardsatz von 7% auf 8% Prozent zu er­höhen, so lie-tt der Grund dafür allein in der bezeichneten Verschlechterung der Gold- ind Devisen-Reserve. Es zeigt sich wieder tinmal deutlich, welchem unnatürlichen Zwange die Oiskontnolit'k der Reichsbank durch die Notwen­digkeit der Verwendung ausländischen Kapitals in der deutschen Wirtschaft und durch die steigenden Devisen-Erkordernisse für Reparationszwecke un­terworfen ift. Die Reichsbank wird genötigt, der deutschen Wirtschaft neue Zinsbelastun­gen in einer Zeit aufzuerlegen, in der die Wirt- chaft zu ihrer Belebung Zinsermäßigung brauchte.

Vas Transfer-Problem.

m wtb. Paris, 25. April. (Eig. Meld.) Unsere Pariser Vertretung meldet uns: Die gesamte Presse, einmütig informiert sogar über den angeblichen Verlauf einer Sitzung des Transferaus- schu sses, d:e seltsamer Weise in Paris und ohne Teilnahme Deutschlands abgehalten wurde, greift die Politik der Reichsbank an, obwohl bereits für heute vormittag eine Sitzung der Reichs­bank anberaumt worden ist, in der die Erhöhung des Diskonts beschlossen werden soll. Das war den führenden Männern der großen Emissions­banken natürlich bereits bekannt. Es wird be­hauptet, daß die Reichsbank absichtlich eine Devisen- abgabe vorgenommen habe, um das gesetzlich vor- geschriebene Minimum der Golddeckung von 2400 Millionen Eoldmark zu erreichen, und zwar des­halb, um das wahr zu machen, was in dem deut-

Jn parlamentarischen Kreisen verlautet, daß der , Entwurf zur Reform des Arbeitslossnversiche- I rungsgesetzes noch während der laufenden Som- ! mertagung des Reichstages eingebracht und ver- | »bschiedet werden soll.

Rus den Parlamenten.

Reichstag.

Im Reichstag wurde am Mittwoch die zweite Beratung des Haushalts der Dersvrgungs- und Ruhegehälter mit der Annahme in der Ausschuß­fassung abgeschlossen. Angenommen wurde auch die Ausschußentschließung, die die schleunige Vorlegung eines Pensionsgesetzes für politisc.)e Beamten fordert.

Ohne wesentliche Debatte wurden dann der E^at des Rechnungshofs, der Rsichsschulden und des Reichssparkommissars nach den Ausschußvorschlägen bewilligt

Der sozialpolitische Ausschuß legte einen Gesetz­entwurf vor, der die W o ch e n h i l f e in der Weise erweitert, daß für Arbeiterinnen das Wochengeld für die 4 Wachen vor der Entbindung auf drei Vier­tel des Grundlohnes erhöht und daß das Wochen-

fchen Memorandum, das der Reparationskonferenz überreicht wurde, vorgesehen sei, nämlich, daß es nur eine Frage der Zeit sei, daß man die Transfer- Schutzmaßnahmen des Dawesplanes in Kraft treten lassen müsse. Am 12. Januar 1929, so wird gleichmäßig behauptet, habe Dr. Schacht den Dis­kontsatz von 7 auf 61/2 Prozent herabgesetzt und seitdem habe er, obwohl der Diskontsatz von den meisten großen Emissionsbanken, besonders denen von Neuyork, London und Amsterdam heraufgesetzt worden sei, trotz der Nervosität, die auf den Finanzmärften die Arbeiten dex Reparationskon­ferenz begleiten mußte, seinen Diskontsatz auf 6V1 Prozent belassen und so die Verarmung Deutsch, lands an Gold und Devisen hervorgerufen. Seit dem 11. Februar, dem Zeitpunkt des Zusammen­tritts der Reparationskonferenz, habe die Reichs- bank auf diese Weise 1150 Millionen Reichsmark an Gold oder Devisen verloren, also 7 Milliarden Francs, davon 2 Milliarden allein während der letzten 10 Tage.

Diese Mitteilungen sind der Vorwand zu per- sönlichen und heftigen Angriffen ge­gen D r. Schacht, als deren Beginn man den Angriff des „Petit Parisien" bezeichnen kann. Er lautet: Obwohl man noch nicht genau weiß, waS gestern im Transfer-Ausschuß vor sich gegangen ist, ist doch stark anzunehmen, daß Parker Gilbert und die übrigen Mitglieder des Ausschusses Dr. Schacht dringend ersucht haben, diesen Zustand abzustellen, der sowohl den Interessen der Gläu­biger wie den Reichsfinanzen selbst abträglich sei. Wenn es Dr. Schacht gefällt, mit dem Feuer zu spielen, d. h. die finanzielle Zukunft seines Landes zu gefährden zu dem Zweck, seine These von der geringen Zahlungsfähigkeit Deutschlands zu be­kräftigen und die Gläubiger in Verlegenheit zu bringen, dann haben diese, die zu Wächtern des Dawesplanes bestimmt sind, andererseits die Macht und die Pflicht, zu fordern, daß derartige Ma­növer schnellstens aufhören.

Ein Rompromitz-pr'jetzt?

wtb. Paris, 25. Avril. (Eig. Meldg.) Der „Newyork Herald" will von einem neuen Zah­lungsplan, über den die Delegierten untereinander verhandeln, erfahren haben. Ans der etwas un- klaren Fassung muß man herauslesen, daß auf der Reparationskonferenz nur eine provisorische Lösung gefunden werden soll, und zwar auf die Dauer von 10 oder 15 Jahren. Die Annuitäten für diese Perioden würden nicht über die von Dr. Schacht in seinem Memorandum vorgesehenen Zif­fern von 1650 Millionen hinausgehen. Die übrige Regelung würde, nachdem die deutschen Delegier­ten für die oben genannte Zeitspanne eine Ver­pflichtung eingegannen sein würden, den sväteren Verhandlungen der Regierungen überlassen bleiben. Das Blatt erklärt schließlich, es wisse noch nicht, wie weit die Verhandlungen gediehen sind.

*

wtb. New Rork, 25. April. (Eig. Meldg.). Herald und Tribüne erklärt, Owen D. Poung sei beschäftigt, den Plan eines Kompromisses zu entwarfen, um einem Scheitern der S a ch- verständigen-Konferenz vorzubeu­gen. Die amerikanischen Sachverständigen hätten Verhandlungen eingeleit mit dem Ziel, eine Eini­gung über den Betrag für die nächsten Jahres­zahlungen Deutschlands zu erreichen.

Times, die auf die Uebsrraschung hinweist, die das drohende Scheitern der Sachverständigenkon- ferenz in der ganzen Welt ausgelöst habe, berichtet aus Paris, über Bemühungen der Sachverständi­gen, wenigstens ein Teilabkommen zustande zu bringen, und erklärt, offenbar handele es sich um einen sehr ernst und ehrlich gemeinten Ver­such, obwohl er noch nicht fehr aussichtsreich er­scheine.

Skresemann beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 25. April. (Eig. Meldg.). Reichs­präsident von Hindenburg empfing heute den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strefemann zum Vortrag.

gelb sechs Wochen nach der Entbindung gezahlt werden soll. Die Ausschußvorlage wurde in allen drei Lesungen angenommen.

Die von den Regierungsparteien eingebrachte Vorlage durch die die Anleiheerrnächti- g u n g der Regierung um rund 200 Millionen er­weitert werden soll,' wurde dem Haushaltsaus- schuß überwiesen Die zweite Beratung steht auf her Tagesordnung der Donnerstagssitzung, die um 3 Uhr beginnt. Außerdem soll' am Donnerstag eie zweite Beratung des Haushalts des Reichs- arbeitsminifteriums beginnen.

*

Ser mehrfach erörterte Gedanke, im Herbst einen Nachtragsetat zum Reichshaus­halt 1929 ein^tbringen und hierbei auf die ver­tagten Steuervorfchläge, vyr allem auf die Bier- steuer, zurückzukommen, hat laut „Berl. Tagebl." bisher keine feste Gestalt angenommen. Da­gegen erhält sich die Strömung, die eine neue Sparaktion bevorzugt. Dabei ist u. a. an eine gründliche Aenderung der Methoden bei der Invalidenversicherung gedacht. Ferner erwägt man eine Aenderung des Rentenbankgesetzes mit dem Ziel, die Rückzahlung, der Reickskredite an die­

ses Institut auf einen längeren Zeitraum zu ver­teilen.

preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag verabschiedete am Mitt­woch zunächst die Anttäge des sog. „Köpfungs- crusschusses" zu umstrittenen Positionen bei der zweiten Lesung verschiedener Etats. Beim Han­delsministerium wurde die Zahl der Gewerbekon­trolleure von 80 auf 98 erhöht, beim Innenmini­sterium gegen deutschnationalen Protest ein neuer Senat für Disziplinarsachen beim Oberverwaltungs­gericht beschlossen. Die Anträge auf Schaffung be­sonderer Grenzfonds gingen nochmals an den Hauptausschuß. Beim Wohlfahrtsetat wurden neu 20 000 Mark Beihilfe für die Krüppelfürsorge be­willigt und die Mittel für die Kinderfpeisung um 100 000 auf 600 000 Mark erhöht. Landwirtschafts-, Domänen- und Gestütsetat passierten ohne erheb­liche Aenderungen, so daß diese Haushalte nunmehr in zweiter Lesung erledigt sind. Weiter wurden noch die Abstimmungen über die angefochtenen Ti­tel des Kultusetats zur zweiten Beratung durchge­führt.

Weiter gelang es dem Landtag, endlich

die neue Gewerbesteuerv orla ge mit den vom Ausschuß aufgrund von Anträgen der Regierungsparteien beschlossenen Milderungen in zweiter Lesung zu erledigen. Obwohl die Deutsch- nationalen wiederum keine Karten abgaben, war das Haus doch beschlußfähig. Die entscheidenden Bestimmungen wurden daher mit 210 gegen 96 Stimmen angenommen.

Das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Finanzminister wurde, wie erwartet, mit großer Mehrheit, nämlich mit 207 Stimmen der Regierungsparteien gegen 70 Stimmen der Kommunisten und kleiner Gruppen bei 15 Ent-

Gens, im April.

Die Sonne scheint über Gerechte und Ungerechte, und also scheint sie auch über die Abrüstung und jenes unwürdige Schauspiel, das die Delegierten von achtundzwanzig kleinen und großen Staaten nun schon seit vielen Tagen im Genfer Ratssaal geben. Die ganze Welt sieht zu, wie sie hier um Dinge, die man heftig versprochen hat, betrogen wird. Sie wartet seit zehn Jahren darauf, daß man abrüfte, so wie es oft und feierlich geschrieben sieht. Aber niemand denkt daran. Am wenigsten die Leute, die sich in Genf durchschnittlich jedes Jahr ein oder zweimal versammeln und sich den langen und nicht leicht zu behaltenden Namen „Kommission zur Vorbereitung einer Abrüstungs­konferenz" beigelegt haben. Das einzige, was sie tun, ist allerdings, in ihren Versammlungen mög­lichst komplizierte Methoden erfinden, um die wirk­liche Abrüstung, so lange es eben geht, hinauszu­schieben.

Da sitzen sie also in langer Reihe an dem gro­ßen Konferenztisch, der in der Form eines Huf­eisens ausgestellt ist, jeden Tag, feit Wochen, und lassen sich von der warmen, frühlingskräftigen Gen­fer, Sonne bescheinen, und dennoch gedeiht darum in ihren Köpfen kein besserer Abrüstungsplan. Diese Köpfe selber sind jedoch nicht die schlechtesten. Wohl­weislich haben die Regierungen, die gegen den aus­drücklichen Willen ihrer Völker immer noch große Heere unterhalten wollen, recht geschickte Debat- ter nach Genf gesandt, die mit immer neuen Um­schreibungen und Thesen verhüten sollen, daß etwas Wirkliches geschehe. Ein Kabinett von klugen Schauspielern, von großartigen Verstellungskünst­lern sitzt da zusammen, Jongleure mit dem Glück der Völker.

Loudon präsidiert, ein Holländer, mit dem breitstirnigen Gesicht seines Volkes. Ein guter Kopf, ein eleganter Parleur, dabei aber merkwür­digerweise in der Sache oft sehr ungeschickt. Er ist alles andere als ein Präsident, denn er hat nichts Bestimmendes und Bestimmtes, und läßt sich von einem energischen Redner leicht die Zügel aus der Hand nehmen. Sein großer Gegner ist diesmal Litwinow, der englisch redende Russe, unter­setzt, überlegen, stiernackig und eigensinnig. Er hat den guten Loudon oft und oft in Verlegenheit ge­bracht, bis der sich schließlich einmal wehrte und ihm das Wort entzog. Zwei französische Journa­listen erzählen sich — hinter mir — daß Litwinow früher in London Apotheker war. Jetzt ist er rus­sischer Außenkommissar. „Nun", sagt der eine, „wenn er auch früher schon solche Pillen gedreht hat wie heute, auf dieser Konferenz . . ." Auch das scharfprofilige Gesicht des russischen Kultus­ministers Lunatscharski wird neben Litwi­now sichtbar. Wenn Litwinow, was öfter vor­kommt, den Anfang einer Sitzung verspätet, erhebt sich sein Kollege meist und sagt in Französisch, mit freundlichem und fast ein wenig verlegenem Lä­cheln, man möge doch inzwischen einem anderen Redner das Wort geben, Herr Litwinow komme bald . . .

Ea^nicht west von den Russen sitzen ihre beson­deren Freunde, die Engländer. Sie führt die rie­sige, herrisch respektgebietende Gestalt des bärbei­ßigen Cushendun an, den man nicht besser charakterisieren kann, als das ein witziger Karika­turist getan hat, der ihn in der „Bavaria" als gro­ßen, breitfehuttrigen englischen Schuhmann porträ­tiert hat. Wenn er aussteht, verbreitet er eine un­verkennbare Atmosphäre von Gemüt.ichkeit um sich. Alles ist mäuschenstill, wenn er zu reden beginnt. Man weih, es kommt ein Witr. Man lächelt schon

Haltungen der Wirtschaftspartei und Nichtbeteili­gung der übrigen Abgeordneten, abgelehnt.

Am Donnerstag steht der Rest der Finanzver­waltung und das Haushaltsgesetz sowie die Ab- ftimmung über den kommunistischen Mißtrauens- antrag gegen den Innenminister auf der Tages­ordnung.

VdZ. Berlin, 25. April. (Eig. Meld.) Der preußische Landtag erledigt in seiner heutigen Sitzung zunächst debattelos in zweiter Lesung das Haushaltsgesetz für 1929. Es folgt die erste Be­ratung des Volksschullehrerbesoldungs- g e s e tz e s, das anstatt bisher 15 Prozent nun 20 Prozent vom Gesamtbeträge des staatlichen Be­schulungsgeldes für Ergänzungszuschüsse zurück­stellen will. ____________________________

Die Saaranleifye genehmigt.

wtb. Saarbrücken, 25. April. (Eig. Meld.) Wie verlautet, hat die Regierungskommissirn nunmehr den saarländischen Wünschen nach einer Sammelanleihe, mit der die dringendsten Aufga­ben für öffentliche Arbeiten bestritten werden lol- len, z u g e ft i m m t. Die Hohe des Anleihebetra­ges soll allerdings von 250 auf 187 Millionen Franken ermäßigt werden. Die Zustimmung ist grundsätzlicher Natur. Ein genauer Vorfcklag über die Unterbringung der Anleihe, über ihre Modalitäten usw., liegt noch nicht vor.

* Ratifizierung des Kellogg-Pakles durch die Niederlande. Aus dem Haag wird gemeldet: Dis Erste Kammer hat den Gesetzentwurf über den Beitritt der Niederlande zum Kellogg-Pakt ratifi­ziert. Das Gesetz tritt mit der Veröffentlichung im „Staatsanzeiger" in Kraft.

im voraus. Und wirklich, er fängt keine Rede ohne Bosheit -md Ironie an. Sein Kneifer sitzt vorn auf der Nasenspitze, und sein Gesicht erhält dadurch etwas Wohlwollendes, wie ein guter alter Papa sieht er aus. Aber wenn man genauer hinsieht, entdeckt man den Schalk, ins Politische erhoben und darum gefährlich.

Gegenüber Cushendun, dem größten Mann der Konferenz, hüpft bas Stehaufmännchen Lazarus Mark 0 vitch, der Serbe. Er ist der kleinste Mann am Tisch, noch kleiner als der Japaner Sato. Früher war er Advokat. Wurde Abgeordneter, zu­gleich Pro-'essor der Juristik in Belgrad, und war nach dem Krieg sogar Justizminister. Später ver­schwand er eine Zeitlang aus dem politischen Le­ben, da man von seinem Reichtum und seiner Tä­tigkeit als Seguesterverwalter nicht gerade Erfreu­liches munkelte. Aber nun ist er wieder an fast, sitzt in der Abrüstungskommission und redet viel und eindringlich mit einem schleimigen, hartnäckigen Or­gan, und steht immer bann auf, wenn man ihn am wmigsten erwartet. Meist bemerkt man ihn erst, wenn er schon einige Sätze gesprochen hat, aber das stört ihn garnicht: Er ist eben ein richtiges Steh­aufmännchen, nicht nur bei dieser Konferenz . . .

Der zweitkleinste Mann »ft, wie gesagt, Sato. Japaner. Schmales Gesicht, einen ironischen Mund, der, man weiß nicht, ob verbindlich ober höhnisch lächelt. Ein kluger Kopf, aber auch verschlagen. Er hat beim Reden die komische Feierlichkeit, diesen Brustton der pathetischen Ueberzeugung, der alle Japaner auszeichnet. Man glaubt ihnen zwar nicht, aber es wirkt sehr ansprechend, auch ein bißchen rührend, weil sie so zierlich sind und zarte Hande haben. Nur, wie bemerkt, man glaubt es ihnen nicht. Herr Sato gehört neben dem Pariser Bot­schafter Adatschi zu den geschicktesten. Er spielt ver­schiedene Instrumente, das harmlose, das ironische, das überlegene, aber immer mit dem Brustton wirklich heiliger Ueberzeugung, fast ein wenig an- klagend, daß man feinen im Grunde guten und für alle heilsamen Absichten gar nicht glauben wolle. Oui s'excuse . . . denkst du.

Der andere Vertreter der gelben Rasse, der breitschultrige Chinese Tziang Tzo Ping, ist aus gröberem Holz Ein General, mit alter Revo­lutionstradition, ist bas, — ein Kerl, ber mit mäch­tiger Stimme einen Dolkshausen begeistern kann, und ber aus dem alten Herrscher- und (Eroberer- geschlecht der Mandschu stammt. Er spricht mand­schurisch (die meisten Journalisten halten es für chi- nesisch, obschon es von dieser Sprache noch ziem- sich verschieden ist) in seltsamen, uns Europäern ganz ungewöhnlichen Lauten, ernst, würdig, offen, und setzt sich für eine Abschaffung ber allgemeinen Wehrpflicht ein. Ja, er hat ein eigenes Projekt ausgearbeitet, und manche gutunterrichteten Leute glauben, daß er die Anregungen dazu nicht weit von hier empfangen habe Er ift nämlich im ge, wohnlichen Leben chinesischer Gesandter in Ber lin.

Auch der türkische Vertreter, der Außenministel Tewfik Ruchdi Bey, der einige Tage in Gens war, ist eine sympathische, energische und geschickte Persönlichkeit. Schade, daß er sobald wieder weg ging, denn die Abrüstung hatte an ihm einen wirk- sichen Freund, und solche Freunde sind auf dieser Konferenz selten. Graf Sernftorff gehört auch zu ihnen, aber roas vermag er gegen die überroie- genbe Mehrheit? Er scheint schon halb zu resig­nieren, — sonst wäre sein Lächeln nicht so süß­sauer. seine Ironie nicht so leger. Man versteht wohl, daß er resigniert, aber vielleicht sollte er es weniger zeigen. Wenn man von vornherein seinen

DicResormderArbeitslosenversichernnfi.

Abrüster unter sich.

Momentaufnahmen aus dem Genfer Ratssaal.

Bon unserem ständigen Genfer Mitarbeiter.