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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Sö.Zahrg

Donnerstag, 25. April 1929.

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mehrfach beschimpft haben. Der Präsident der Dampfergesellschaft, der „Tad Jones" t '. '. erklärt, er werde in Washington Protest einlegen.

Vie flenöerunq der Lex Brüning.

Dem Reichstag ist jetzt der von den Etatssach- [ verständigen ausaearbeitete Gesetzentwurf über die Aenderung der sogenannten Lex Brüning Mpe- gangen. Das Gesetz bestimmt, daß wenn das Auf­kommen aus der Lohnsteuer im Rechnungsjahr 1929 oder in einem darauf folgenden Rechnungs­jahre, zum letzten Male im Rechnungsjahre 1934, den Betrag von Rm. 1 300 000 000 übersteigt, von dem Ueberschuß der Betrag bis zu 75 Millionen Rm. zur Erleichterung der knappschaftlichen Pen­sionsversicherung und zur Erhaltung ihrer Lei­stungsfähigkeit und den Rest für den Ausbau und die Erhaltung der finanz. Leistungsfähigkeit der Jnv.-Dersichr. dem Haushalt des Reichsarbeitsmini' steriums überwiesen wird, lieber die Perwendung und Verteilung des der Knappschaftsvensionsver- sicherung zukommenden Anteils bestimmt der Reichsarbeitsminister das Nähere. Uebersteigt in einem der genannten Rechnungsjabre das Aufkom­men aus der Lohnsteuer auf den Monat umgerech­net den Betrag von 108 3 Millionen Rm., so wer­den aus dem Mehraufkommen vorbehaltlich der endgültigen Abrechnung Abschlagsbeträge auf die für die knappschaftliche Pensionsversicherung zu verwendenden 75 Millionen Rm. ausgezahlt, die auf den Monat umgerechnet 6,25 Millionen Rm. nicht übersteigen.______________________

* Ein amerikanisches küflenwochfchiff beschießt einen Kohlendampfer. Rach einer Mitteilung des Kapitäns des Koh'endampfers „Tad Jones" gab dts Küstenwachschiff „Seneca", das den Dampfer für ein Alkoholschmuggelschisi hielt, als „Tad Jo­nes" 50 Meilen von der Küste von New I e r - f e y entfernt war, Sirenensignale und beschoß dar­auf das Vorderschiff des Kohlendampfers. Zwei Offiziere des Küstenwachschiffes stiegen dann an I Bord des Dampfers und sollen dessen Deckoffiziere

sterpräsidenten beendet. Die außenpolitischen Dar­legungen des Ministerpräsidenten fanden, abge- sehen von den Kommuni st en, die Bil­ligung aller übrigen Fraktionen. Im Verlaufe kam es zu stürmischen Protesten der Sozialdemokraten, als Abg. Könnecke (Deutfchnationals wieder mit dem Vorwurf des Landesverrats hervortrat. Di; Vorwürfe des Abg. Kube bezüglich des Schiedsge­richts beim Konflikt zwischen Volksbühne und Kroll- Oper wies Abg. Heilmann (S.) u.- a. mit dem Hinweis darauf zurück, daß Bernhard und er auf einen namhaften Teil ihres gesetzlich bestimmten Schiedsrichterhonorars zugunsten der Volksbühne verzichtet haben. Damit toar die zweite Lesung beendet. Bis in die späten Abendstunden wurde noch an der zweiten Lesung der. Gewerbe­steuer gearbeitet. Schließlich machte jedoch die Rechte durch Obstruktion das Haus be- schlußunfähig. Diese Mater'e wird Mittwoch weiter beraten, außerdem u. a. über den kommuni­stischen Mißtrauensantrag gegen den Innenminister abgestimmt. _____________

Ueberbaupt hat es mit der „europäischen Wirt­schaftseinheit" in der französischen Beariffsum- schmelzung seine eigene Bewandtnis. Wie weit hier Wort und Sache auseinanderfallen, erhellt z. B. daraus, daß der He'»stall des Saarlandes an das Reich als für beide T lle verhänanisvoll erach­tet wird. Deutschland, ;t> behauptet die Pariser Presse, werde die Saarwirtschaft doch nicht ver- i t i °EN können. Erstens: weil es seine eigene Wirt­gehort, hat I schäft bis zum Grade der Sättigung wieder auf- t »in »n»n. j gebaut hat. zweitens: weil es nur Teuerung und

Zranzöpsche Saarpoülik.

Don Dr. W. O l a g - Paris.

Im Saargebiet hat Frankreich feine politische Rechnung ohne den Wirt gemacht, d. h. ohne die kernhaft deutschfühlende Bevölkerung. Die von französischen Kulturwerbern gebrachten Opfer an Geld, Zeit und Kraft sind vergeblich gewesen. Die ansässige Bevölkerung hat die Verwelschungsver- suche einmütig abgelehnt. Die französifchen Schu­len, die unter der Spitzmarke „Nebenanlagen der Gruben" ins Kohlenrevier eingeschmuggelt wurden, stünden leer, wenn sie sich nicht des Zuspruchs der eingewanderten französischen Familien erfreuten, die ihre Kinder dorthin schicken.

Die Logik der Verhältnisse hat die Pariser Machthaber etwas bescheidener gestimmt. Die „friedlichen" Duvchdringungspläne wurden Pflock für Pilock zurückgestreckt. Die Wege haben gewech seit, aber das Ziel ist geblieben. Die Wiederein gliederung des Saarlandes in die deutsche Reichs Verwaltung soll verhindert oder wenigstens.er> schwort werden. Von den drei zur Volksabstim­mung im Jahre 1935 gestellten Wahlmöglichkeiten: Anschluß an Frankreich, Rückfall ans Reich, Fort­setzung der Mandatsverwaltung, wird die zuletzt genannte Lösung von Paris aus eifrig befürwortet. Denn sie ebnet den Weg zu einem „autonomen" Saarstaat nach dem Muster der „Freien" Stadt I Danzig, wie der Senator Moritz O r d i n a i r e im Fachblatt „Capital" hoffnungssreudig ausführt Im gleichen Sinne bearbeitet der „Matin", d.'m Poincare nahe steht, die harmlosen Gemüter inner­halb und außerhalb des Saarbeckens. Dabei hat er es namentlich auf die an Lothringen unmittelbar angrenzenden Saargemeinden abgesehen. Denn die Abstimmung und Stimmverwertung im Jahre 1935 erfolgt gemeindeweise.

War das welsche Liebeswerben um die Seele des Saardeutschen früher mehr kulturell gerichtet, so ist es jetzt fast ausschließlich wirtschaftlich gefärbt. Denn der Saararbeiter ist nicht nur klam- merfest mit deutscher Artung, Sprache und Ge­sittung verwachsen, sondern außerdem auch ein un­bestechlich urteilender Wirtschaftsrealist. (Meistens handelt es sich um katholische Arbeiter-Vereinler und christliche Gewerkschaftler. Die Schriftltg.) K >mmt mir eben recht! denkt darauf der „Matin", I und flugs trägt er unter der ködernden Artikelüber» I schrift „Das kleine Saargebiet, ein wichtiger inter­nationaler Bindestrich" eine Handvoll wirtschaft­licher Scheingründe zusammen, welche die auß"n- I politisch stets versöhnungswillige Denkungsart des I deutschen Arbeiters beeinflussen sollen, in Wirklich- I feit aber recht handgreifliche Versuche darstellen, I das Problem zu verwirren und französischem Aus- dehnungsbestreben Hilfstruppen zuzuführen.

I Lassen wir zunächst die „intemational" einge­stellten Gewährsmänner vom „Matin" und „Ca­pital" selbst sprechen! Das kleine, aber dichtbevöl-

I ferte Sa ar decken (1881 Quadratkilometer mit rund 800 000 Einwohnern) erzeugt jährlich etwa 14

I Millionen Tonnen Kohle, über 1,8 Millionen I Tonnen Eisen und fast 2 Millionen Tonnen Stahl. I Bon der Kohle aeben 4 Millionen Tonnen, also nicht einmal ein Drittel, nach Frankreich. Natürlich zollfrei und zu Abnahmepreisen, welche die fron» zösische Grubenverwa'tung ziemlich selbsthe'-'-Hch festsetzen kann. „D'e Saarkohle", schreibt der „Ma­tin" „füllt eine klaffende Lücke im französischen Kohlenhaushalt aus. Dem französischen Verbrau­cher wird dadurch ein erklecklicher Betrag englischer Pfunde ober deutscher Reichsmark erspart." Denn im Saarland ist die Frankenwährung eingeführt, ! ein vorzüglicher Uebergewinnvermittler für den französischen Kohlengroßhandel. Folgerung: „Da- Aufhören der Zollunion mit dem Saaroebiet wäre ein empfindlicher Schlag für die französische Wirt­schaft, der unmittelbar oder mittelbar den Geld­beutel jedes einzelnen von uns (Franzosen) treffen würde" („Matin").

Es erübrigt sich, näher auszufübren, bis zu welchem Grade die anderen Gewerbezweige des Saarbeckens, Stahl- und Eisengießereien, Stein­gut-, Glas- und Zementverarbeitüng, chemische und mechanische Werkstätten, Zigaretten- und Feuer- zeugfabrikation von der staatlichen Kohlengewin­nung als dem Schlüsselgewerbe abhängig sind. Es möge genügen, die überragende Machtstellung »er französischen Staatsgruben mit den Worten des Matin zu umschreiben: „Wirtschaftlich sind wir die unbestrittenen Herren des Landes "

Aber nicht nur als billige Bezugsquelle, sondern auch als kaufkräftiges Absatzgebiet ist dar Saargebiet an neunter Stelle auf der französischen Außenhandelsliste, als Bezieher gar an sechster Stelle vor Spanien und Italien.' Für mehr al« zwei Milliarden französische Waren, hauptsächlich Lebensmittel und Luxusgegenstände, wandern all­jährlich zollfrei über die Saargrenze. Das dawes- plgngeknebelte Deutschland kann den Wettbewerb mit den Frankenpreisen jedoch n-cht aufnehmen, zu. mal es nur für gewisse „zugelassene" Waren Zoll, freiheit genießt. Die Frage des „Freihandels" mit dem Saarland ist also Höch st einseitig im französischen Machtinteresse gelöst. Trotzdem spricht der „Matin" sirenensüß vom Saargebiet als von einem europäischen 2lusnahmegebil.de (sic!), weil „hier zum ersten Male Bresche in die hohen Zoll­mauern gelegt wurde, die der europäischen Wirt­schaftseinheit entgegen stehen."

■ Aus den Parlamenten.

Reichstag.

Der Reichstag überwies am Dienstag den Ge- I setzentwurf zur Regelung älterer staat­licher Renten dem Rechtsausschuß. Hinter die­sem offiziellen Titel verbirgt sich die Vorlage, mit der die aus uralten Zeiten stammenden Renten der depossedierten Fürsten und Standesherren a b - gelöst werden sollen. Rach dem Gesetz sollen diejenigen Renten entschädigungslos wegfallen, die als Ausgleich für die Ausgabe ober den Verlust I standesherrlicher oder landesherrlicher Rechte, ver­lorene Leibeigenschaftsrechte und ähnliche Vorrechte begründet sind. Im übrigen sollen die Renten grundsätzlich auf 8 Prozent ihres Goldmarkbetrages festgesetzt werden, in besonderen Fällen bis auf 25 Prozent.

Ohne Aussprache wurden das deutsch-ru- mänische Zivilprozeßabkommen, der Weltfunkvertrag und das internationale Uebereinfommen über die Festsetzung von Min­destlöhnen in dritter Beratung angenommen.

Tann begann die zweite Beratung des Etats für 1929 mit dem Haushalt des Reichspräsidenten. Dieser Haushalt wurde bewilligt, ebenso ohne Aus­sprache der Haushalt des Reichstages. Beim Haus- I halt des Reichskanzlers kam es zu einer lebhaften I Debatte.

Für bie Deutschnationalen kündigte Graf W e st a r p schärfste Opposition und geschlossenen Widerstand an. Die Linke quittierte mit ironischem I Beifall und der Kanzler erklärte, daß er dank- I bar sei für diese Ankündigung!

Merkwürdig ist das Verhalten der Deutschnatio- I nalen gegenüber dieser Regierung. Graf Westarp I erklärte, daß er den brennenden Wunsch habe, daß diese Regierung zugrunde gehe und daß der K o n- I flikt möglich st bald komme. Ganz deutlich wies er auf den immer noch zwischen den Parteien I liegenden Stein der Hindernisse, die Panzerkreu- I ^erfrage, hin. Die Deutschnationalen wollen aber I nun doch in diesem Augenblick kein Mißtrauens­votum gegen die Reicksregierug einbringen. Sie I begnügen sich zunächst mit der Ablehnung des Haushalts für den Reichskanzler. Westarp machte I dabei das interessante Geständnis, daß sie ein Miß- trauensDotum nur bann einbringen, wenn sie glau­ben, ba6 es Aussicht auf Erfolg hat. Sonst würde

I ja diese Waffe stumpf!

Graf Westarp kam auf die Pariser Reparations­oerhandlungen zu sprechen, wobei er sehr stark auf die Seite von Dr. Schacht trat. Der Kanz­ler nahm diese Erörterung zum Anlaß, um darauf hinzu weisen, daß die Reichsregierung in allen Sta­dien der ganzen Verhandlungen daran festgehalten hat, daß die Sachverständigen unter allen Umstön- den und absolut unabhängig sein sollten. Zu den Pariser Revarationsverhandlungen selbst sich zu äußern, lehnte der Reichskanzler im gegenwär­tigen Stadium der Dinge mit Recht ab.

Abg. Westarp hatte einen Vergleich zwischen der gegenwärtigen und der früheren Regierung ange­stellt,, in welcher die Deutschnationalen gesessen und vrakfisch gearbeitet hätten. Darauf erwiderte der Reichskanzler, daß Westarp doch besser täte, an diese Dinne nicht zu erinnern, denn es sei doch da­mals zur Auflösung des Reichstags gekommen, weil | diese Regierung eben nicht habe arbeiten können. I

Der Kanzler gab bann eine Darstellung dessen, I | was die gegenwärtige Regierung, trotzdem sie durch schwierige Umstände an der Entfaltung ihre Kräfte I gehindert war, schon alles geleistet hätte. So er­innerte er an die Vorbereitung des Arbeitsschutz­gesetzes und des Dergarbeiterschutzgesetzes, an den I Fortgang der Arbeiten bezüglich der Strafrechts- I reform, an d-e- Ottnreußenhilfe, das Steuerverein- I heitlichungsgesetz ufw.

Als man den Kanzler immer wieder von rechts I her Vorhaltungen wegen des parlamentarischen Snstems machte, rief der Kanzler aus: „Sagen Sie mir dcxh endlich einmal, welches andere System Sie I an die Stelle desjenigen Systems setzen wollen, das I doch selbst durch den früheren Kaiser Wilhelm II. im Oktober 1918 eingeführt worden ist?"

Als die weitere Aufgabe der Regierung bezeich- I net der Kanzler die Steuerreform, die aber aller- I hinge nach Art und Ausmaß abhängig fei von dem Ausgang der Pariser Reparationsverhandlungen. I Der Haushalt wurde schließlich in der Ausschuß - sassung bewilligt.

Der bann folgende Haushalt für VersorgungS- I und Ruhegehälter brachte gleichfalls eine ausführ- I liche Debatte. Von allen Rednern wurde eine bes­sere Unterbringung der Zivilversorgungsberechtigten verlangt.

Am Mittwoch um 15 Uhr soll die Aussprache weitergehen. Auf der Tagesordnung steht auch ein von den Regierungsparteien neu eingebrachter An- trag, der die Anleiheermächtigung für die Regierung um 200 Millionen erweitern will, um ba3 Kassenmanko des Reiches zu decken.

Preußischer Landtag.

preußischen Landtag wurde am Dienstag zunächst unter den Ausschußanträgen aufgeräumt. Annahme sanden u. a. Anträge, die unter Bezug- nagme auf die Fabrikbrände und Explosionen der letzten Zeit eine Nachprüfung der Bestimmungen über die Lagerung leicht entzündbarer Stoffe und über die Beseittgung der Rußbelästigung wünschen. In weiteren angenommenen Anträgen wird das Staatsmlnisterium ersucht, die Berufsschulpflicht auch auf solche Jugendliche auszudehnen, die vor Vollendung des 18. Lebensjahres eine mittlere ober höhere Schule verlaßen und sich einem praktischen Beruf zuwenden. Der Staat selbst soll bie Hälfte ber Berufsschullasten übernehmen.

Dann würbe bie große politische Aussprache zum Haushalt des Staatsministeriums unb des Wmi- ।

Die p rijer Konferenz.

Die Aufgaben des neuen Unterausschusses.

Der neu eingesetzte Unterausschuß ber Repara- fionskonferenz hat bereits am Dienstag seine erste Sitzung abgehalten. Er setzt sich wie folgt zusam­men: für Deutschland Dr. Schacht, für Frank- rei Moreau, für England Sir Josiah Stamp für Amerika OwenD Y o u n g, für Italien P i- relli, für Belgien Franc! und für Japan M o r i.

Der „Temps" glaubt die Aufgaben des Unter­ausschusses wie folgt charakterisieren zu können: Cs handele sich zunächst um bas Statut der Ban' für die Reparation s za hl ungen, die be­auftragt fein wird, die deutschen Zahlungen auf Reparationskonto entgegenzunehmen, sie zu trans­ferieren und unter die Gläubiger zu verteilen, des weiteren die Kommerzialisierungsan­leihe aufzulegen und ihren Zinsendienst sicher­zustellen. Diese Bank wird außerdem den Län­dern Kredite eröffnen, in sämtlichen Ländern ein­schließlich Deutschland Gelder anlegen, die Entwick­lung des Handels, der Industrie und der Landwirt­schaft fördern und infolgedessen die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern. Es handele sich auch um bie Unterteilung öder deutschen Annui- täten in zwei Teile, von denen der eine unge­schützt kommerzialisiert werden könne, während der andere eine Transfer- oder Moratoriumsklausel weiterhin genießen würde.

Der Unterausschuß hat in seiner ersten Sitzung das Arbeitsprogramm festgelegt. Es ist beschlossen worden, die nächste Sitzung am Freitag nachmit­tag abzuhalten und in,zwiscl)en den Entwurf eines Exposes fertig zu stellen, der als Unter­lage für die weitere Diskussion dienen soll. • Die Blätter erklären, daß die Abfassung des Berichts jedenfalls zehn Tage in Anspruch nehmen werde Und daß man die Entscheidung über das Schicksal ^er Konferenz zwischen dem 10. und 16. Mai er­warten könne. - r

Aus der französischen preffe.

Die französische Presse ist mit dem Versuch, die Konferenz durch den Beschluß von Dienstag wieder neu zu beleben, durchweg einverstanden.

Der „Matin" schreibt: Wenn Dr. Schacht auch, falls ihm an einem Erfolg liegt, sehr weitgehen­des Entgegenkommen zeigen muß, so können die anderen ihm doch dabei helfen und es wird im­mer wahrscheinlicher, daß sie das nur können, wenn sie die Mittel suchen, um die Hilfsquellen Deutschlands mit Hilfe der Tätigkeit der in­ternationalen Dank zu m e h r en und wenn sie in Zweiter Linie, wenn sie auch die Mobilisierung von 13 Milliarden Mark für die Reparationen fordern müssen, zu jeder Regelung des Annuitätenteils, der für die Schulden in Frage kommt, bereit sein müs­sen, unter ber emsigen Bedingung, daß die Zah­lungen an Amerika nicht ihr eigenes Budget be­lasten.

„Oeuvre" erklärt: Die Konferenz wird also fort« geführt, nicht ohne eine allerdings schwache Hoff­nung auf eine Annäherung zwischen ber deutschen These und der der Alliierten.

Leon Blum schreibt im „Povulaire": Selbst wenn in 14 Tagen keine Verständigung erzielt werden sollte, selbst wenn die Konferenz auseinan- dergeht, ohne ihre Aufgabe erfüllt zu haben, würde niemand bas Recht haben, zu verzweifeln. Die Initiative würbe alsdann von den Sachverständi­gen auf die Regierungen und besonders auf ote amerikanische Regierung übergehen. Nie­mand, der unterrichtet ist und klar denkt, hat sich embitfcen können, daß die Arbeiten der Konferenz ohne gleichzeitige Konzession der Deut­schen, der A liierten und Vereinigten Staaten Erso'g haben würden. An dem Tage an dem die direkte Verständigung zwischen Deursch- land und den Alliierten sich als unmöglich erweist, I muß man hoffen, daß die Vereinigten Staaten die Pflicht begreifen, die ihnen ihre wirtschaflliche Sou­veränität und die europäischen Notwendigkesten auferlegen.

• Die ostpreußische Mrlschafisdelegakion ver- lößk Moskau. Die ostpreußische Wirtschaftsdelega- tion ist nach zehntägiger Reise durch den Süden der Sowjetunion wieder in Moskau eingetragen und trat die Rückreise nach Königsberg an.

* Französische Bevölkerungsstatistik. Das fran- I zösische Arbeitsministerium gibt eine Bevölkerungs­statistik für das Jahr 1928 heraus, wonach sich die französische Bevölkerungsziffer im Jahre 1928 auf 41020 000 Einwohner (1927 40920000), die Zahl der Lebendgeburten auf 745 315 (741 7081 unb die der Todesfälle 675 110 (676 666) belief.

* Die Bundeskanzlerstage in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Nach einer Meldung der Christlich-Sozialen Nachrichtenzentrale setzte ter Klub der Christlich-Sozialen die Beratungen fort. Es wird die Ankunft des Vorarlberger Abgeord­neten Dr. Mittelberger abgewartet, der end­gültige Erklärungen Dr. Enders abgeben wird. I Sollte Dr. Ender wegen der schweren Erkrankung I feiner Frau gegenwärtig die Regierung nickt über- I nehmen können, so wird Dr. Mittelberger mit den I Regierungsparteien wegen Uebernahme der Kauz- I lerschaft in Unterhandlungen treten. Dr. Mittel- berger war früher Obmann der christlich-sozialen I Parteiorgatzisation in Vorarlberg und gehörte von I 1919 der Vorarlberger Landesregierung an.

* Auflösung antifaschistischer Komitees in Oester- I "eich. Die „Reichspost" in Wien meldet: Da sich «n letzter Zeit in mehreren Onbuffneorten sowie in sinzanen größeren Betrieben kommunistische Ber- ntr!x?rUrFen S11 antifaschistischen Komitees zusammen- I beschloss», haben, ohne daß die erforderliche An­meldung trfoigt war, wurde ihre Auflösung verfügt I and gegen die Mitglieder Strafanzeige we- I gen Geheimbr-idelei erstattet.

Giftgas und Bomben.

wtb. Genf, 24. April. (Eig. Meld.) Der Vor­bereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz hat heute vormittag das Kapitel über den chemi­schen Krieg abgeschlossen und bei Behandlung des nächsten Kapitels über die Luftrüstungen zu dem deutschen Anträge eines allgemeinen Verbotes des Bombenabwurfes Stellung genom- Aus dem Verlauf der bisherigen Aussprache er­gibt sich bereits, daß dieser Antrag eine Mehr­heit im Ausschuß nicht finden wird.

lieber das Ergebnis der beiden nichtöffentlichen Sitzungen zur Frage des chemischm Krieges verlas Präsident Loudon eine zusammenfassende Darstel­lung, der ohne weitere Aussprache zugestimmt wurde. Danach wird das Verbot der Anwendung von Giftgasen und ähnlichen chemischen Kampf­mitteln von der G e g e n f e i t i g t e i t s 11 a u • s e l abhängig gemacht und dementsprechend auf die Staaten beschränkt, die eine solche Verpflichtung eingehen. Generell verboten wird dagegen der bakteriologische Krieg. Alle anderen Vor­schläge, so der sowjetrussische auf Erweiterung des Genfer Eiftgasprotokolls von 1925 und der rumä« nisch-südflavische für Sanktionsmaßnahmen mit chemischen Kampfmitteln wurden zurückgezogen oder sollen an die Abrüstungskonferenz zur Kennt­nisnahme weitergeleitet werden.

Den deutschen Antrag eines allgemeinen Ver­botes des Bombenabwurfs aus jeder Art von Flugzeugen begründete Graf Bernstorf, indem er vor allem darauf hinwies, daß der Bombenab­wurf für die Zivilbevölkerung eine unmittel­bare Gefahr darstelle. Die furchtbaren und verheerenden Wirkungen des Bombenabwurfes auf wehrlose Städte und ihre Bevölkerung sei in ei­ner früheren Tagung von dem belgischen Delegier­ten in eindrucksvollster Weise geschildert worden.

*

Wie verlautet, haben die Vorschläge des ameri­kanischen Delegierten auf der Genfer Konferenz in maßgebenden Londoner Kreisen Befriedi­gung hervorgerufen. Sie werden von der Regie­rung und ihren Sachverständigen eingehend ge­prüft werden. Man ist der Auffassung, daß die Rede Gibsons einen neuen Ausgangspunkt bar« stellt und der SachederFlottenabrüstunq frische Kraft gibt. Es wird erwartet, daß zwischen den interessierten Delegationen in Genf ein weiterer wichtiger Meinungsaustausch statt­findet.