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Fuldaer Zeitung

Das doppelte Gesicht des Sozialismus

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Fulda: Jos. Zahner, Karistraße 11.

die diejenigen Genossen vereinigt, welche sich von der Religion losgerissen haben, und das geistige Bedürfnis dieser Genossen, sich statt der verlorenen religiösen Welt­anschauung ein modernes, auf wissenschaftliche Erkennt­nis gegründetes Weltbild zu gestalten, befriedigt. Diese engere Gemeinschaft ist die Freidenkerorganisation."

fiter entpuppt sich die wahre Auffassung Otto Bauers über Religion und Kirche. fiter sehen wir, daß die Sozialdemokratie sich nicht nur mit der Regelung der ökonomischen Verhältnisse be­gnügt, sondern als letztes Ziel den zwar klassenlo­sen, aber auch religionslosen Zukunftsstaat hin- stellt. Die „katholischen Sozialisten" mögen, fi* diese Programmschrift eines anerkannten soziali­stischen Führers einmal etwas näher ansetzen.

aber auch in anderen Ländern eine R u n d f u n k- Verdrossenheit gibt, die sich wie eme Seuche verbreitet, und daß die aus Hilflosigkeit und Man­gel an gutem Willen versagenden Rundsunkgesell- schaften ihr täglich und stündlich neuen Vorschub leisten. . n.

Wie verärgernd wirkt nicht diese groteske Aus- dehmmg des Nachrichtenteiles. Der Hörer billigt zwar gelegentlich einige wichtige Nachrichten aber er will nicht mit lächerlichem Kleinkram totgefuttert werden, der aus tendenziösen, zuweilen parteipoli­tischen, ebenso oft aber privaten persönlichen In­teressen des zufällig am Mikrophon erscheinenden Nachrichtenredakteurs in die Ohren der armen Hö­rer gepfeffert wird. Der Gipfel des groben Unfugs in mißbräuchlicher Benutzung des Senders roaro durch die sogenannten unparteiischen Presseauszuge erklommen. Es ist leicht, durch Verzerrungen und Auslassungen, die eine Zeitung als Quelle aller Weisheit, die andere als idiotisch erscheinen zu las­sen. Der Berliner Sender macht das ganz beson­ders durchsichtig, weil er von sich „Chefredakteur nennenden, recht unbekannten und ebenso unbeschei­denen Herren bedient wird, die sich als Halbgötter vorkommen. Wer in aller Welt soll auch die Un­masse der Sportnachrichten verdauen?!

Im Rundfunk von heute wird infolge solch är­gerlicher Zustände sehr selten zu einer Millionen­zahl von Hörern gesprochen. Diese Millionen sind in Wirklichkeit oft nur ein Häuflein vertrauensselt. ger oder vereinsamter Menschen, für die das Ho­ren das geringere liebet gegenüber der Lange­weile ist, aber doch ein liebet bleibt. Zwei Millio­nen Hörer tn Deutschland, das bedeutet für den Rundfunkbetrieb eine Einnahme von 24 Millionen Mark monatlich, von nahezu 300 Millionen Mk. jährlich. Wenn man diese Summe mit der „Lei- stung vergleicht, dann gelangt man zwangsläufig zu der Ueberzeugung, daß die Rundfunkgesetlschaf- ten mit ihren gewaltigen Geldmitteln nicht die rich­tige Programmpolitik treiben. Anderenfalls wäre es nicht zu erklären, daß der Auffchwtmg zu MMo- nenziffern der Hörerschaft so frühzeitig zum Stehen gekommen ist und daß es in ganz Deutschland kei­nen Rundfunkhörer gibt, der aufrichtig erklären könnte: Ich bin zufrieden!

Fulda: Josef Zahner, Karlstraße 11.

In Hünfeld: Joseph Lebtner, Hauptstraße 50. In Gersfeld: Andreas Schüßler, Fuldastr. 13. In Schlüchtern: Moritz Wolf, Grabenstr. 11.

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Um den Damen das zu beweisen, habe Ich mich entschlossen, von heute bisl.MallO Bubiköpfe, die noch nicht dauergewellt waren, zu dem

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zu wellen.

Hoffriseur Oskar Hartmann, Friedrichstraße 11. •- Telephon 95.

der Unterdrückten".

staates in den Zustand der Religionslosigkeit über die Etappen des Aberglaubens im Zeitalter des Urkommunismus und der historischen Massenreli- gionen in der kapitalistischen Gegenwart. Otto Bauer glaubt, daß die historischen Massenreligionen mit dem Kapitalismus absterben. Er schreibt: „So­lange die Menschen abhängig sind von dem blinden Spiel auf dem kapitalistischen Markt, das als all­mächtiges Schicksal über den ohnmächtigen Indi­viduen waltet, personifizieren sie dieses Schicksal in ihrer Gottheit und suchen sie es zu erweichen durch ihr Gebet. Daher können, solange die kapitalistische Gesellschaftsordnung besteht, die historischen Mas­senreligionen nicht überwunden werden."

Taktisch ist es natürlich für Otto Bauer schwie­rig, auf der einen Seite der marxistischen Lehre vom Absterben der Religionen Rechnung zu tra­gen und trotzdem unter den gläubigen Arbeitern für den Sozialismus zu werben und auf der an­deren Seite das wegen der scheinbaren Nachsicht den Gläubigen gegenüber nervös gewordene Frei- denkertum zu beruhen, fiter führt Bauer einen wirklich ergötzlichen Eiertanz auf. Den gläubigen Arbeitern ruft er zu: der Sozialismus wird Euch Euren Glauben nicht rauben, — was allerdings Eure Enkel über Gott und die Kirche denken, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Er ist über­zeugt, daß die künftigen Generationen über Gott und die Welt anders denken werden, wenn die So­zialdemokratie „ihnen erst eine höhere Lebenshal­tung, eine gesicherte Existenz, eine bessere Schul­bildung erkämpft haben" würde. Otto Bauer hat ja außerdem als Rückversicherung die Gewißheit der marxistischen Lehre, daß die Religionen zu­gleich mit dem Kapitalismus untergehen. Dem Freidenkertum bezugt Otto Bauer, daß es die gei­stig regsamste und fortgeschrittenste Schicht des Proletariats darftelle, und daß es innerhalb der sozialistischen Partei eine wichtige Funktion zu er­füllen habe. Wie er sich diese Funktion vorstellt, geht aus folgenden Sätzen hervor, in denen er das Bekenntnis zu einer Religion zu den „Lastern der Unterdrückten" rechnet und auf eine Stufe mit dem Alkoholismus stellt.

Otto Bauer meint:

„Der Alkoholismus ist eines der allerschlimmsten und allerschädlichsten „Laster der Unterdrückten". Aber die Partei muß das ganze Proletariat umfassen. Sie kann die hunderttausende Parteigenossen, die dem Alko­hol nicht entsagen wollen, weder aus ihren Reihen aus­schließen noch zu Parteigenossen minderen Wertes und minderen Rechtes erklären. Wohl aber muß es inner­halb der Partei eine engere Gemeinschaft geben, die für eine von den Rauschgiften befreite Kultur wirbt. Diese engere Gemeinschaft ist unser Arbeiterabstinen­tenbund."

Nachdem Otto Bauer dann in ähnlicher Weise die Funktion der Kinderfreunde-Organisation er­klärt hatte, fuhr er fort:

„Solange die kapitalistische Gesellschaft bestehen wird, werden zehntausende Proletarier in der Stadt, hunderttausende auf dem Lande, an der überlieferten Religion hangen. Die Partei, die nur siegen kann, wenn sie das ganze Proletariat in ihren Armeekorps vereinigt, muß auch diese Proletarier zu gewinnen su­chen. Deshalb muß sich Innerhalb der Partei der gläubige Arbeiter ebenso heimisch fühlen können, wie der ungläubige. Deshalb darf die Partei niemand sei­nes Glaubens wegen von sich stoßen oder als minder­wertigen Genossen behandeln. Wohl aber muß es in­nerhalb der Partei eine engere Gemeinschaft geben.

Ueberschätzrmg des Rundfunks?

Don Richard Vollmöller.

Wenn hier von einer lleberschätzung des Rund­funks gesprochen werden soll, so scheidet babei.ber rein technische Fortschritt des Funkwesens völlig aus. Seine ungeheure Gegenwartsbedeutung und seine überragenden Zunkunftsaussichten stehen au­ßerhalb jedes Zweifels. Etwas anderes ist es mit dem Rundfunk als einer der vielen Anwendungs- formsn der funktechnischen Neuerungen. So über­zeugend verblüffend, hinreißend die einander über­trumpfenden Ergebnisse der schöpferischen Denk­arbeit der Rabiotechniker auf uns wirken, so unbe­friedigt stehen wir dem Rundfunk gegenüber. Der Rundfunk an und für sich gilt überall als hoff­nungsvolle Einrichtung: die Wirklichkeit läßt aber diese Hoffnungen unerfüllt.

So ist es auch zu erklären, baß der Rundfunk längst nicht die Bedeutung gewonnen hat, die ihm heute schon allgemein zugefprorhen wird. Wie oft müssen mir aus dem Lautsprecher die Wendung hö­ren „Ich spreche zu Millionen Rundfunkhörern.." und Aehnliches. Woher weiß der Sprecher denn, daß ihm Millionen zuhören? Vielleicht schalten sich mit^einem Schlag zehntausend Leute aus, weil sie diese geschraubte Redeweise im Rundfunk nun schon gründlich verachten gelernt haben. Vielleicht haben sich aber überhaupt nur hundert Rundfunkfreunde gerade auf diesen so großspurig vor dem Mikro­phon aufgebauten Vortragenden eingestellt.

In Deutschland haben wir die Zahl von zwei Millionen Runbfunkhörern überschritten. Das sind sieben bis acht Millionen tatsächliche Hörer, wenn wir Kind und Kegel mitrechnen. Aber ist das eine so^überwältigende Ziffer?

Die sprunghafte Anfangsentwicklung der Rund­funkgesellschaften berechtigte zu ganz anderen Er­wartungen. Der Besuch der Theater, der zurückge­gangen war, hat sich wieder gehoben. Der Schall- plattemndustrie, die von der Arbeit der Rundfunk- Fesellschaften eine schwere Einbuße erwartet hatte, war ein beispielloser Aufschwung beschieden, und der Rundfunk ist — widerspruchsvoll, aber wahr — ihr Schrittmacher gewesen Zehntausende haben geschwankt, ob sie sich einer Rundfunkhörerschaft anschließen oder eine Sprechmaschine beschaffen soll­ten. Dabei ist ihnen die Entscheidung für die Sfirechmaschine infolge der unerhörten Zumutun­gen leicht geworden, welche die Rundfunkgesellschaf­ten auf der einen Seite durch geringe Fürsorge für eine wirklich gute Uebertragung, auf der anderen durch abstoßend leere und wertlose Darbietungen an die angeschlossenen Hörer gestellt haben. Die wenigen berufenen Kräfte, die vor dem Mikrophon erscheinen, können doch über die erdrückende Masse des Unwertigen nicht hinwegtäuschen. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß es in Deutschland,

3. Blatt.

Druck der Fuldaer AcNendruckerel, Fulda.

JVs 94.

Dienstag, den 23. April 1929.

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Dienstag, 23. April, 19.30 Uhr: Der Wildschütz.

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Dienstag, den 23. April 1929.

6.30: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 16.35—18.05: Bon Stuttgart: Kon- zert des Rundfunkorchesters. 18.10—18.30: Lesestunde. 18.30—18.50: „Neuzeitliche Technik", Vortrag. 18.50 bis 19.10: Von Kassel: „Neuzeitliche Geflügelzucht", Vortrag. 19.10—19.30: Funkhochschule. 19.30: Dom Frankfurter Opernhaus: „Der Wildschütz" oder „Die Stimme der Na­tur", Komische Oper in 3 Auszügen von G. A. Lortzing.

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Der Brennholz-Verkauf beginnt nachmittags 2 Ahr Adolfseck, den 22. April 1929.

Landgräfl. Hess. Forstverwaltung.

wie wird das Wetter?

Das Tiefdruckgebiet im Nordosten Europas hat sich abgeflacht, sodaß der Einfluß seiner Rückseiten-Ausläufer nnchläßt und die Schauerneigung mehr und mehr ver- schwindet. Die Temperaturen werden sehr wahrschein­lich wieder langsam ansteigen.

Witterungsaussichten für Dienstag: Zunächst keine wesentliche Aenderung.

Entfettungs Kuren im Frühling lind besonders Ertolq versprechend. Nebmen Sie bet Korpulenz oder Beranlazuna tum Starkwerden moraenr und obenbS 2—3 Toluba-K-rne, die Sie in Apotheken erhalten, sicher Sok- und Schirane '-Avotbe'e. Fulda.

Religion, ein „Laster

Wie man weiß, ist es in den leitenden Kreisen der Sozialdemokratie Mode geworden, den religiö­sen Strömungen angeblich mehr entgegenzukom­men und nach außen hin so zu tun, als ob der So- jialtsmus jetzt grundsätzlich bereit fei, die „histori- . ichen Massenreligionen", wie er sie nennt, also auch den Katholizismus als solchen gelten zu lassen. Man braucht sich da nur der vielen Sympathiekund­gebungen zu erinnern, die prominente Sozialdemo­kraten in der ersten Nummer des „Roten Blattes der katholischen Sozialisten" veröffentlicht haben. Wir sind in dieser Beziehung von Anfang an skep­tisch gewesen. Wir haben die neue „Bewegung", mögen auch einige subjektiv ehrlich von ihrer Mög- lichkeit überzeugt sein, von vorneherein für einen taktischen Schachzug der sozialdemokratischen Par­teileitung gehalten, für ein Mittel, auch die noch christlich denkenden Arbeitermassen für die Sozial­demokratie zu gewinnen. In dieser unserer Auf­fassung sind wir besonders auch durch den Verlauf ' der Tagung der religiösen Sozialisten in Oesterreich bestärkt worden, über die der „Menschheitskämp­fer , das Organ dieser Gruppe, int Dezember 1928 berichtet hat. Im Mittelpunkt dieser Tagung stand dte Frage, kann der Katholik Sozialist sein? Sie wurde von dem ersten Redner der Tagung, dem österreichischen Sozialistenführer Otto Bauer, na­türlich bejahrt. Der Beitritt des katholischen Arbei­ters zum Sozialismus sei Glaubenssache, die Kirche habe mit dem Sozialismus gemeinsam ihre kritische Haltung zum Staat und hire Abwehr des Kapita­lismus, der ja auch das katholische Familien- und ■' Eheideal unterminiere. Die Eigentumsfraqe könne kein Hindernis darstellen, nachdem Papst Pius XI. erklärt habe, daß alles vergänglich sei, auch der Eigentumsbegriff in bestimmter Form. Der histo­rische Materialismus sei kein Parteidogma und der Klassenkampf könne doch nur aufgefaßt werden als ein Uebergang zu einer höheren Gesellschaftsform durch leidvolles Selbsterlebnis in der Kampffront zusammen mit den Schicksalsgenossen.

Die Rede des Sozialisten Bauer war sicherlich nicht frei von Angriffen auf das soziale Verhalten der Kirche. Sie erweckte aber trotzdem den Anschein eines möglichen Ausgleiches. Und das sollte sie auch entsprechend den taktischen Zielsetzungen der Tagung. Die wirklichen Tendenzen, die diesen sehr maßgeblichen Führer der Sozialdemokratie in sei­nem Verhältnis zu den religiös gestimmten Arbei­tern leiten, hat er bereits früher offenbart in feinem Teilkommentar zum Linzer Parteiprogramm: „So-

Fahrrad-Faulstich spricht:

Sie haben » Wahl unter mehr als

1OOO Schallplatten.

Mittelst raße 42.

zialdemokratie, Religion und Kirche". In diesem Kommentar unterscheidet Otto Bauer zwischen Kirche und Religion, die, wie Nationalrat Ellen­bogen auf der ermähnten Tagung gleichfalls äußerte, zumeist irrtümlich miteinander identifiziert würden. „Der Papst, die Kardinäle, die Bischöfe die Prälaten" — oder, wie es an einer anderen Stelle heißt, „das in Jahrhunderten kunstvoll auf« getürmte System der dogmatischen Theologie — das ist die Kirche. Die fromme Legende, die die Mutter dem Kinde erzählt, das ist Religion. Dann schildert er nach dem dialektischen Schema des Mar­xismus die Entwicklung des sozialistischen Zukunsts-