Nr.
93.
Fuldaer deifvnq (ttmriiches Kreisbratl).
Sonntag, 21. npru
Fulda, den ~1 April 1929.
Perfournnachrichken.
Unter dem Vorsitz des Oberregierungs- und Schulrates Kellner, Kassel, bestand Herr Lehrer Markus Hofmann an der Anstaltsschule Herz- Iesu-Heim, Fulda seine 2. Lehrerprüfung.
Dandclkonzeri.
Die Reichs wrhrkapelle veranstaltet morgen von VA2 bis VA Uhr im Schloßgarten bei günstiger Witterung ein Wandelkonzert.
(Ein kommunaler Sparsamkeilserlatz.
Dis fortdauernde Unsicherheit der allgemeinen Wirtschaftslage hat den Oberbürgermeister von Köln veranlaßt, in einer Verfügung alle unterstellten Dienststellen zu einer besonders sparsamen und gewissenhaften Wirtschaftsführung anzuhalten. In der Verfügung heißt es u. a.: „Unter keinen Umständen können im Laufe des Rechnungsjahres für Anschaffungen ober Arbeiten Mittel bereitgestellt werden, die im Haushaltsplan nicht vorgesehen sind. Kreditüberschreitungen sind überhaupt zu vermeiden und muffen, wenn sie in ganz besonderen Ausnahmefällen nicht zu umgehen fein sollten, grundsätzlich durch entsprechende Wenigerausgaben bei anderen Positionen ober durch Mehreinnahmen innerhalb desselben Haushaltsplanes ausgeglichen werden. Nachkreditanträge ohne gleichzeitige Angabe von Deckunasmöglichkeiten vorzulegen ist zwecklos." — Ein ähnlicher Erlaß ist. wie wir hören, schon vor einiger Zeit auch vom Oberbürgermeister in F u l d a an die verschiedenen städtischen Dienststellen gerichtet worden.
Zur Beratung des Haushaltsplans 1929
rrirb uns vom Arbeitgeberverband Fulda, vom Arbeitgeberverband für das Baugewerbe und von der Baugewerksinnung Fulda geschrieben:
Die Verhandlungen über den städtischen Etat gehen chrem Ende entgegen. Am Montag wird die Entscheidung fallen, mit welchen Saßen die Stadt Fulda b:e um ihre Existenz kämpfende heimische Wirtschaft belegen wird. Wie aus der Zeitung bekannt, hat die. Fi- nanzkommisston in gewissenhafter Arbeit noch größere Abstriche am Etat vorgenommen. Hierdurch ist es möglich, daß eine allzu starke Anspannung der Gewerbesteuer vermieden wird. Trotzdem bedeuten die bestehenden Absichten eine schwere Gefahr für den Bestand der heimischen Wirtschaft. Man ist aus dem besten Wege, alle diejenigen Betriebe, die auf Grund ihrer Struktur genötigt sind, einer größeren Anzahl von Leuten Nahrung und Brot zu geben, mit einer Sondersteuer zu belasten, die gegenüber dem vergangenen Jahr eine Erhöhung von nicht viel weniger als 20 Prozent bedeutet Man verlangt, daß ein Prozent der Lohn» und Gehaltssumme dem Stadtsäckel zugeführt wird An der Allgemeinheit, denn diese betrifft diese Maßnahme, liegt es, in letzter Stunde sich aufzulehnen gegen diese vollständig unsoziale, die Wirtschaft stark gefährdende Absicht. Hier darf nicht parteipolitische Taktik, sondern wirtschaftliche Vernunft reden. Eine solche Maßnahme würde notwendiger Weise eine weitere Einschränkung an Angestellten und Arbeitern bringen, abgesehen davon, daß auch mit Gehalts-, Lohn- und Akkordkürzungen geregnet werden muß. Diese Maßnahme fällt dann wieder zurück auf die Versorgungsgefchäfte usw. Das Baugewerbe muß die Kosten für den dringend notwendiaen Wohnunasbau weiter erhöhen Alles das ist die Folge der beabsichtigten falschen Steuerpolitik. Durch die aanze Wirtschaft geht die alte Grundforderung daß Steuern nur aus'dem Ertrag gezahlt werden dürfen. Deshalb fort mit der beabsichtigten mittelalterlichen Kopfsteuer der L o h n s u m menst e u e r! Nord ist es Zeit, sich gegen diese Maßnahme zu wehren. Wendet Euch an Euere Parteien und verlangt von den Vertretern im Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. daß sie ablasien von der Fällung non Beschlüssen die untragbar sind für die Allgemeinheit! Fulda bedarf einer starken Wirtschaft. Sie zu fordern muß sich jeder angelegen fein lassen!
Man darf wohl zu den Fuldaer Körperschaften das Zutrauen haben, daß sie auf Grund objektiver Würdigung aller in Betracht kommender Gesichtspunkte eine gerechte Steuerverteilung vornehmen werden. Die Fuldaer Körperschaften find auch im Gegensatz zu fast der Mehrzahl der deur- schen Städte f o zusammengesetzt, daß eine bewußte Schödiguna der Interessen der Wirtschaft ausgeschlossen erscheint.
Dszlrksversammluug der Zenlruwsparlel.
Die 3?ntrumsrartei hatte ihre Mitglieder im neuen Bezi rk 11, der sich aus den Wahlbezirken 21, 22 und 23 zuiammensetzt, nm Freitag abend zu einer Sitzung nach dem „Waldsch'ößchen" einge- laben. Rach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Zentrumspartei in Fulda. Dankdirektor Singer, sprach Stadtrat Karl Schmitt in seiner ruhigen und überzeugenden Art über die Arbeit und die Aufgaben der Zentrumssrak- iion im Stadtparlament und im Magistrat. Manche in weiten Kreisen herrschenben Irrtümer, die zu der üblichen verantwortungslosen Kritik ver- rnlassen, wurden aufgeklärt. An die sehr lebba'le Aussprache, an der sich die Vertreter aller Stände beteiligten, schloß sich die Wahl des Bezirksvorstandes. In den Vorstand wurden aewählt Dr. Joseph Sauer, Bäckermeister Alois Pfeiffer und Oskar Herzog, zu Beisitzern Güterbahnarbeiter Lorenz Sebald. Frau Ofenstein, Geschäftsführer Willi Braun und Eiienbahnassistent Hermann Bernhard.
Vickstil-e Aendervng des Angeslelllen-Versicherungs- gesehes
zugunsten der Inralidenrentenempfanger, die auf Grund Wanderversicherung 60 Beitragsmonate in her Angestellten-Versicherung entrichte! haben, sind getroffen worden Bisher konnte den berufsmäßigen männllchen Versicherten der Anaestellten-Der- sicherung nur das Ruhegeld bewilligt werden, wenn sie im Regelfälle eine Wartezeit von 120 Bi--- tragswonate zurückgelegt batten. Solange Won- derversirherte (bae sind Versicherte, die sowohl Beiträge zur Anaestellten-Dersicherung als auch -nir Invaliden-Dersichenmg entrichtet hatten) diese Be- htngvng nicht erfüllt hatten, konnte ihnen nur die Invalidenrente "E einem Steigerungsbetrage für die an die Angestellten-Dersicherung aeleisteten Beiträge bewilliot werden. Dom 1. März 1929 ab aber haben Wanderversicherte oder deren Hinter- bllebene Anspruch aus das höhere Ruhegeld der Angestellten- Versicherung zuzüglich der Steigerungsbeträge aus der Invalidenversicherung, wenn die nunmehr infolge Aenderung des Angestellten- Dersicherungsgesetzes auf 60 Deitragsmo- nate herabgesetzteWartezeit in der An- gsstellten-Dersicheruna erfüllt ist. Mit der Gewähr- rung des höheren Ruhegeldes aus der Angestellten-
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Sas plant das Stabtbauamt für die Rosenau?
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Versicherung fällt die Invalidenrente fort. Ein besonderer Antrag muß gestellt werden, der zweckmäßig an die Landesoersicherungsanstait zu richten ist. Diese sendet alsdann die vorhandenen Akten an die Reichsoersicherunasanstalt für Angestellte, die bann das Ruhegeld festsetzt. 3. C.
Verlängerung der ürisenfürforge.
Entsprechend den Vereinbarungen, die im Zusammenhang mit dem Etatkompromiß getrosten rourben, haben bis Regierungsparteien zum Etat des Arbeitsministeriums eine Resolution eingebracht, worin die Reicbsregiermig ersucht wird, die Geltungsdauer der Krisenfürsorge über den 4. Mai hinaus bis Ende Juni 1929 allgemein zu verlängern.
Einigung der heimatlichen Sängerschaft.
Man schreibt uns: Arn Sonntag fanden sich dis Delegierten des 6 be r f u Ib a-RH ön g au es und des Rhonsängerbundes zu Verhandlungen über die geplante Einigung im Katholischen Gesel- tcnbaufe ein. Nachdem in den voraufgegangenen Dorstandositzungen und in den Vereinen der beiden Organisationen der Wille zur Einigung klar zum Ausdruck gekommen war, konnte am Sonntag nach kurzer Aussprache die Tat folgen. Beide Organisationen lösten sich auf und fanden sich unter oem Namen Fulda-Nhön-SSngergau zusammen. Dieser ist wie der bisherige Oberfulda-Rhpn- gau dem Mitteldeutschen Sängerbünde. Sitz Kassel, e.ngescblvssen: es sind ihm von der Zentrale des Deutschen Sängerbundes die Kreise Fulda, Hünfeld, Gersfeld und den angrenzenden Gebieten zugewiesen. Die Vorstände beider Organisationen rea^In vorläufig die Geschälte gemeinsam. Der neue Gan wird die geeinten Kräfte, für die künstlerische Pflege des deutschen Liede« nut seinen gemuts- und gemeinschastsbildenden Weisen einsetzen. Mögen alle Sangesfreunde, die dem deutschen Sängerbunds nod) fernstehen, recht bald dem Fnlda-Rbvn-Sängeraau beitreten, damit unser Heimatgebiet, das für die christlich-deutsche Kultur
Baumstämme über den Weg gerollt zum Hindernis für Pafianten. Hoffentlich gelingt es der Polizei, die Täter bald festzustellen und ihrer Bestrafung zuzuführen.
10 000 Jungaale
wurden heute morgen vom F i sch e r e i v e r e, n Fulda an der Rosenau zur Hebung des 6fiWe- Landes in der Fulda ausgefetzt. Sie, $ al brüt ist t om Deutschen Fischereiverein aus Engmnb besorgt worden.
Polizeiliches Verbot össenllicher Ankündigungen Heilkundiger ist zulässig.
Der Preußische Unterrichtsminister hat in, emem Erlaß vorn 28. Juni 1902 tue allgemeine Einsuh- runq der Meldepflicht für nicht approbierte Heilpersonen für angezeigt erklärt und es für angebracht erachtet, der marklschreienlcben öffentlichen Anpreisung der Berufstätigkeit der Kurpfuscher ent- gegenzutreten. Seiner Weisung entsprechend hat der Regierungspräsident in Breslau am 23 September 1902 eine Polizeiverordnung erlassen, die ofient- licke Anzeigen von nicht approbierten Heilkundigen verbietet. Ein Angeklagter hat als „Naturheilkun- biger" in Nr. 94 des „Neuen Tageblatts" vom 2». April in einer Anzeige prahlerische Versprechungen oemacht, so daß auf Grund der genannten Pollze'- verordnung gegen ihn cingeschritten wurde. Dis Strastammer hat die Polizeiverovdnung für gültig e r k l 8 r t. Die Revision macht geltend, das; nach dem Reichspressegesetz und der Reichsvenas- siing die Polizeiverordnung ungültig fei. In einem Urteil vom 14. Januar 1929 — H 1193'28 — hat das Reichsgericht b:e Revision verwor s e n: Nach dem Reichspressegesetz unterliegt die Freiheit der Presse nur denjenigen Beschränkungen, Die durch dieses Gesetz vorgeschrieben sind. Gegen diese Bestimmung verstößt die Polizeiverordnung nicht, wfil sie sich' nickt lediglich gegen die Benutzung der Presse wendet, sondern öffentliche Anzeigen prahlerischen Inhalts allgemein dem Verbot unterstellt. Das in der Reichsveifiassung Art. 118 jedem D-ut.
des Hessenlandes von überragender Bedeutung ist, auch in der deutschen Gesangskultur Vorbildliches leistet.
keine Pockengefahr für Deutschland.
Der Referent der Medizinalabteilung im Reichs- ministerium des Innern, Negierungsrat Dr. Gui- lini, teilt dem „Vorwärts" auf Anfrage über die Sicherungen für das Reich gegen Pockengefahr u.a. mit: Man glaubt nicht an eine Einschleppungsgefahr der Pocken nach Deutschland. Es besteht keinerlei Grund zu Besorgnissen. Die gesamte deutsche Bevölkerung ist nach dem Reick)simpsgesetz m i n= heftens zweimal geimpft und daher auch gegen Pockenerkrankungen ziemlich immun. Somit besteht auch keine Gefahr für eine Ausbreitung der Seuche in Deutschland, wenn sie tatsächlich einge» schleppt werden sollte. Besondere Mißnahmen werden selbstverständlich von den Behörden bei erhöhter Seuchengefahr in den großen Hafenstädten getroffen. So sind besonders die in Hamburg und Bremen einlaufenden Schifie einer genauen ärztlichen Kontrolle unterworfen. Der Hafenarzt und die Hafenpolizei nehmen eine genaue Sichtung der aus den gefährdeten Gebieten ankommenden Reifenden vor. Einen besonderen Schutz an der Landesgrenze gibt es nicht, ba nach Meinung ber wissenschaftlichen Sachverständigen bie Gefahr minimal ist. Zu irgendwelchen Beunruhigungen liegt nach dem Stand ber Dinge kein Grund vor.
Dec sind die Vandalen?
Vor einigen Tagen sind abends in den städtischen Anlagen wieder schwere Berwüstun- g e n vorgekommen. Auf dem Wege nach dem Frauenberg und vor ber Mariensäule ftnb bie schweren Steinbänke umgeworfen unb in ben Anlagen an ber Leipzigerstraße unb am Frauenoerg sind mehrere Holzbänke zertrümmert worben. Auch zwei Treppentritte sind herausgerissen und verschleppt worden. An den Trockenmauern in ben Anlagen finb große Bafaltsteine herausgebrochen worben. Außerbem waren noch bie bortliegenden
Oie projektierten Bade- und Sportanlagen.
Unterst henb geben wir ben aus bem November bes vergangenen Jahres ftammenben, kürzlich burch ben Magistrat ber sfabtverorbnefenDer- Sammlung rorgeleatcn Plan wieber, ben das stäbt. Bauamt entworfen hat, um mit ber Zeit in ber Rosenau ideale Bode- und sportan-agen zu schassen. Der Plan ist im großen aufgestelst worden, um bie fommenben Möglichkeiten von vornherein zu berücksichtigen. Von ber gesamten Anlage sollen zunächst nur das Freibad (Strandbad) errichtet werben. Diese Arbeiten sotten wieberum m bcei Bauabschnitten ausgefuhrt werben, und zwar Bauabschnitt I umfaßt ben in ber Skizze mit einem Kreis umstrichelten ©ebäubeteil für Ankleibehatten unb Zellen, Garberobe, Sanitäranlagen, bie Bademe.sterwohnung unb bie Umzäunung. Die Kosten betragen ca. 50 000 ' Mark. Als Bauabschnitt I mürben bie beiden seitlichen Flügelbauten ber Babehatte mit einer Kostensumme von 34 000 Mark folgen. Ms Bauabschnitt HI kam« das Decken mit Waiserzn- unb Ableitung in Frage. Die Kosten für letzteres würben sich auf ca. 116 000 Mark belaufen.
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planetflärung zu ber oöenskehenden Zeichnung:
Es bedeuten:
1. Autohcttteplätze
2. Reparaturwsrkstätte, Garage, FahrraLunter.- stetthatte usw.
3 Jugendherberge mit dem dazu gehörigen Spielplatz
4. Turnhalle mir Ausgang nach den Aufmarschfeldern (Spiel- und Festwiese)
5. H-upteingang mit Hauptkasse (Därterwoh- nung, vorgelagerte Parkanlage)
6. Empfangs-, Lerwastungs- und Dersamm- lungsgebäude; Haupteingang znm Kampsfelb usw.
7. Tennisplätze mit Umkleibehalle, Aufenthalts-, Stlubräumen mit Tribüne
8. Kinderspielplätze
9. Innenhof, von wo aus nach Durchgang von 5 lHauptkafsc) der Zugang zu den einzelnen Sportplätzen und Gebäulichkeiten erfolgt
10. Skranbbabehalle mit Därlerwohnung
10 a. Männrrdadeslrand
10 b. Frauenbadestrand
10 c. ICO Meter langes und 20 Meter breites Schwimmbecken, in der Milke afcgeteilt, je zur Hälfte für Männer und Frauen mit je einem Schwimmer- und Plchtfchwimmerobteil
10 d Abgrenzung des Strandbades
11. Spielplatz für Hockey, Schlag-, Faust- und Schleuderballjpiel mit Umtleibdjalle
12. Aufmarfchwiefen, Fest- unb Spielplätze usw.
13. Musikpavillon inmitten ber Anlagen
14. Weiher, welcher im Winter als Eisbahn Dr- Nutzung finden soll.
15. Schutzhallen zu 14
16. Kampffeld
17. Trtbünenhaus
18. Erfrifchungshollcn
19. Hallenbad
20. Spielplätze
21. Vorgesehene Schlachthoferweiteiung
22. Nebenemgänge
23. Wasserzuleitung zur Speisung ber Schwimm, decken vom Wehr an der Hornungsmühle
24. Wasserableitung, das übrige sind Anlagen, Wege, neuprojektierte Straßen usw.