Sö.Zahrg
Mittwoch, 17. April 1929
Nr. 89
als FriedeOhinherms
Ißon William E. Borah, Vorstand des Senats komitees für auswärtige Angelegenheiten derU.S-A.
Europa.
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sition, namentlich Lloyd George, unterzogen trotzdem einer scharfen Kritik.
Religion und Rußland.
Aus Moskau wird gemeldet:
Die Regierung Innerrußlands hat Gesetz erlassen, das die rechtliche Lage der in
erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatl. 1,80 einsckl. Postgeb. (30 bezw. 48 Pf.), ohne ZusteNg.
punkt des Friedens, daß diese Last, dieses Ueber- bleibsel eines Krieges, beseitigt wird.
Ich wüßte nichts, was in Amerika einen günstigeren Eindruck Hervorrufen würde als die Losung dieses Problems. In Europa findet man ost Aeußerungen des Unwillens und der Enttäuschung darüber, daß die Vereinigten Staaten nicht bereitwilliger Vertrauen zur Lage Europas zeigen und daß man in Amerika nicht so unbedingt im Vertrauen auf die Stärke Europas mehr Hilfe gewahren will. Ohne darauf eingehen zu wollen, was Amerika bereits in dieser Beziehung getan hat oder was es tun sollte — eine Räum u n g des Rheinlandes würde wesentlich das Vertrauen stärken und größeren Glauben an den Frieden und Wohlstand Europas bringen. Die Wirkung wäre in vieler Hinsicht spürbar und für alle von Nutzen.
Der Pariser Friedenspakt ist von Amerika ratifiziert worden, und man darf wohl annehmen, daß jede Nation der Welt sich dem Pakt anschließen wird. Geschieht dies, fo kann man daraus auf die tiefe Sehnsucht der gesamten, Mensch- beit nach Frieden schließen. Dieser Pakt ist lediglich der Ausdruck des Völkerwillens zum Frieden, und die Führer und leitenden Persönlichkeiten würden gut tun, sich in diesem Sinne in ihren Beschlüssen bestimmen zu lassen. Der beste Weg ist aber, so weit wie möglich in der Beseitigung störender Momente zu gehen, die ständig unfreundliche Stimmung und Spannung Hervorrufen und ein ganzes Volk nur verbittern. Wenn man daher für die Räumung des Rheinlandes ein- tritt,- fo spricht man wohl im Sinne aller daran interessierten Nationen — ja, wohl für ganz
Die Pressemeldung, daß das vom Reich bei einer Banken-Gruppe aufgenommene Darlehen von 150 Millionen Reichsmark bei Fälligkeit nicht zurückgezahlt werden würde, entbehrt jeder Begründung. Das Darlehen ist am 16. April fällig und wird an diesem Tage abgedeckt.
Der Vormarsch 5lman U'lahs.
Daily Telegraph berichtet aus Allahabad, daß die Truppen Becha i Sakaos einen Rückschlag erhalten hätten. Abdul Abad Khan Kader habe mit Aman Ullahs Vorhut Ghuzni erreicht und Becha i Sakaos Truppen zurückgetrieben. Die Bewegung zugunsten Aman Ullahs soll rasch an Kraft gewonnen haben, es sei jedoch zweifelhaft, ob er in der Lage sein werde, die wachsenden Streitkräfte mit seinen augenblicklichen Mitteln, die recht spärlich sind, zu unterhalten. Wie das Blatt weiter meldet, habe sich Sir Norman Bolton, der Hauptkommissar der nordwestlichen Grenzprovinz, der im Mai einen viermal tigen Urlaub nach England antreten wollte, bereit erklärt, seinen Urlaub aufzugeben. Dies sei auf die Lage an der Grenze zurückzuführen.
* Wohnungsbau in Preußen. Im Jahre 1928 sind in Preußen 190 400 neue Wohnungen geschaffen worden. Neugebaut wurden 191 628, umgebaut 11759, verloren gingen durch Abbruch, Brand usw. 12983, sodaß an neuen Wohn- gelegenheiten 190 404 entstanden. Davon wurden 57 Prozent privat, 33 Prozent von gemeinnützigen Gesellschaften und 10 Prozent von öffentlichen Körperschaften und Behörden errichtet. Bemerkenswert fft, daß bei den neuen Wohnungen der Zug nach Vergrößerung des Wohnraumes, der schon im letzten Jahre sich geltend machte, auch jetzt wieder sich forffetzt.
sind in Bochum nach den allgemeinen kirch lichen Regeln behandelt worden.
* Zur Spanienreise ausgelaufen. Zum Antritt der Frühjahrsreise nach Spanien sind die beiden Linienschiffe „Schleswig-Holstein" kowie die neuen Boote der Zweiten Torpedoboots - Halbflotille,
Der Bürgerkrieg in Mexiko-
wtb. London, 16. April. (Gig. Meld.) Wie die Zeitungen melden, haben die Aufftändischen die Stadt San Blas im Staate Sinaloa gestern geräumt. In diesem Staat befindet sich jetzt kein Aufständischer mehr. General Calles erteilte infolgedessen feinem Unterführer General Almazan den Befehl, gegen die Aufständischen des Staates Sonora vorzugehen. Es wird erwartet, daß General Cardenas San Blas heute besetzen wird.
Die Wahl in Südtirol.
Die Wahlen zum italienischen Parlament, die vor kurzem stattgefunden haben, sind auch in Südtirol für den Faschismus nicht ungünstig gewesen. Das hat in Deutschland vielfach Erstaunen erregt. Cs verlohnt sich daher, sich die Gründe für den faschistischen Erfolg klar zu machen.
, Zunächst muß betont werden, daß es sich um keine Wahlen im üblichen Sinne gehandelt hat, sondern um eine Amtshandlung, durch welche die bereits vom faschistischen Großrat ernannten Volksvertreter in ihrem neuen Amt bestätigt werden sollten. Dementsprechend war auch die Wahl obligatorisch. Der Wähler mußte stimmen und zwar mit Ja oder Rein. Don diesem Gesichtspunkte aus müssen auch die Wahlergebnisse in Südtirol beurteilt werden.
Nach der amtlichen Statistik gab es in Südtirol 52 078 Wahlberechtigte; gewählt haben 41129,da
„Wolf", „Albatros", „Greif", „Möve" und „Kondor" von Wilhelmshaven ausgelaufen. Die Schiffe werden sich beim Weserfenerfchiff, das sich bekanntlich in der Jade- und Wesermündung befindet, mit den von Kiel kommenden Linienschiffen „Hessen" und „Elsaß" sowie der Vierten Torpedoboots-Halb- flotille vereinigen und dann die Reife gemeinsam fortsetzen. —
Die pariser Konferenz
Der Brief war nur „ein interessanter Beitrag zum konferenzkhema".
In der Vollsitzung der Reparationskonferenz am Montag wurde über den Charakter und die Bedeutung des am Samstag von den Delegationen der vier hauptreparationsberechtigten Länder der Konferenz übergebenen Memorandum diskutiert. Dabei hcit die Konferenz festgestellt, daß es sich weder um ein Ultimatum, noch um eine Diskussionsgrundlage handelt, sondern nur um einen interessanten Beitrag zum Konferenzthema. Es ist zu erwarten, daß noch weiteres Material zur Lösung des Problems der Konferenz übermittelt wird.
In der Sitzung hat die deutsche Delegation darüber keinen Zweifel gelassen, daß die in dem Memorandum der vier Hauptgläubigerdelegationen aufgeführten Ziffern als solche für sie nicht annehmbar sind. Es sind im Laufe der Sitzimg eine Reihe von Fragen gestellt worden, auf die im Lause des Nachmittags eine schriftliche Antwort ausgearbeitet werden soll, die als Unterlage für die weitere Diskussion in der nächsten Vollsitzung am Dienstag dienen soll. Von dem Plan einer Veröffentlichung des Memorandums ist vorläufig Abstand genommen worden.
Die Finanzlage.
Zwischrnkreditverhandlungen des Reiches.
Der „Voffischm Zeitung" zufolge hat in der Reichsbank unter Vorsitz des Reichsbankvizepräfi- denten Dreyse eine Sitzung stattgefunden, an der die maßgebenden Vertreter der Berliner Großbanken und Privatbankhäuser teilgenommen haben. Es handelte sich darum, eine Aussprache über die künftige Regelung der finanziellen Bedürfnisse des Reiches herbeizuführen. Vor allem will man, wie schon früher, versuchen, bis zum Eingang der Etatsmittel von den Großbanken einen kurzfristigen Kontokorrentkredit zu erhaltm.
Inoien in Unruhe.
Gefährdung des Lisenbahnzuges des Dizekönigs von Indien.
wtb. London, 16. April. (Cig. Meld.) Reuter meldet aus Dehra Dun: Als der Eisenbahnzug des Dizekönigs von Indien, der hierher unterwegs war, sich in der Nähe von Hardwar befand, zeigte es sich, daß eine Eisenbahnschwelle auf einer kleinen Brücke durch Zufall in Brand geraten war. Der Zug mußte eine Stunde halten, bis festgestellt war, daß die Brücke passierbar war. Nach einer Exchange-Meldung aus Delhi wurden im ganzen 18 Eisenbahnschwellen durch das Feuer zerstört. Wie das Feuer an einer fo einsamen und gefährlichen Stelle ausbrechen konnte, sei noch ungeklärt.
Zwischenfall in Granada.
Verhaftung eines
Amerikaners und einer Amerikanerin in Granada.
wtb. Paris, 16. April. (Cig. Meld.) Dem New Dork-Herald wird aus Hendaye gemeldet, daß ein lüjähriger Amerikaner und eine mit einem Spanier verheiratete gebürtige Amerikanerin beim Verlassen eines Kaffees in Granada verhaftet worden sind. Beide sollen sich über das Verhalten Primo de Riveras bei den Studentenunruhen abfä. liq geäußert haben. Die Verhafteten wurden nach Madrid gebracht. Die amerikanische Botschaft und das amerikanische Konsulat bemühen sich bei der spanischen Regierung um die Freilassung der Verhafteten. _____
* Im englischen Unterhaus brachte Churchill das Budget ein, das mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen volkstümlich gehalten ist. Die Oppo-
Polen.
Die neue polnische Regierung nimmt die Geschäfte auf.
wtb. Warschau, 16. April. (Cig. Meld.) Die neue Regierung Switalski hat gestern ihre Tätigkeit ausgenommen. Wie verlautet, soll in den nächsten Tagen eine Reihe von neuen Unterstaatssekretären ernannt werden. Unter anderem gilt die Ernenn- mmg von Oberst Pieracki als Unterstaatssekretär im Innenministerium als gefiebert. Der neue Leiter des Finanzministeriums Oberst Matufzewski wird die Stelle eines polnischen Gesandten in Budapest formell weiter bekleiden. In Budapest wird Polen indessen durch einen Geschäftsträger ad interim, Gesandtschaftsrat von Lafarski, vertreten werden.
R. S. F. S. R. bestehenden religiösen Vereinigungen geregelt. Nach dem neuen Gesetz müssen sämtliche religiösen Vereinigungen angemeldet werden. Religiöse Vereinigungen gelten nicht als juristische Personen. Wirtschaftliche oder kulturelle Arbeit, die über den Rahmen der Kultausübung hinausgeht, ist ihnen untersagt. Räumlichkeiten zur Einrichtung von Bethäusern können von religiösen Vereinigungen gepachtet werden.
* Eine irreführende Mitteilung. Vom WTB. wird folgende Mitteilung verbreitet:
„Hakenkreuzfahnen in der kacholischen Kirche verbaten. Die natianalsazialistische Partei Rheinlands und Westfalens veranstaltete in Bachum ihren Parteitag. Pragrammäßig fällte ein Kirchgang, getrennt nach den Kanfefsianen, den Sonntag einleiten. Mit der Begründung, daß die Mitführung von Hakenkreuzfahnen in einem Gotteshaus nicht statthaft sei, wurde jedoch den katholischen Nationalsozialisten der Eintritt in die Bochumer Propsteikirche verweigert."
Die Verfasser dieser Notiz sind keine Katholiken. Sonst würden sie wissen, daß ins katholische Gotteshaus nur solche Fahnen gebracht werden dürfen, die die kirchliche Weihe erhallen haben. Nicht geweihte Fahnen von Radfahrervereinen dürfen ebenso wenig zur Kirche gebracht werden wie Hakenkreuzfahnen. Die Hakenkreuzler
von für die faschistische Liste 38293, gegen diese Liste 2 809. Ungültig waren 87 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug demnach etwa 80 Prozent. Diese große Wahlbeteiligung findet ihre Erklärung m den derzeitigen Verhältnissen Südtirols. Das Wahlverfahren stand unter einer äußerst strengen Konttolle durch die Faschisten. ‘ Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln haben sie die Bevölkerung eingeschüchtert. Eine Nichtbeteiligung an der Wahl wäre als eine Absage an den Staat ausgelegt worden. Bei aller Betonung chres deutschen Volkstums wollten die ©übtiroler nicht den Verdacht aufkommen lassen, als demonstrierten sie gegen den Staat als solchen.
Ausschlaggebend für die große Wahlbeteiligung war ferner der allenthalben ausgeübte amtliche Druck. Alle von den Behörden m irgend einer Weise abhängigen Personen haben aus Furcht vor den Drohungen abgestimmt. Es darf bei der Beurteilung des Verhaltens der Südtiroler Bevölkerung auch nicht übersehen werden, daß unter den jetzigen Verhältnissen jeder Einzelne dort auf sich gestellt ist, mid daß den deutschen Südtirolern die notwendige Organisation fehlt, die in einem solchen Falle den Wählern den Weg hätte weisen können.
Es wäre grundfalsch, aus diesen Wahlergebnissen nun den Schluß zu ziehen, als ob die Südtiroler Bevölkerung schon völlig dem Italiener tum angepaßt sei oder einen Gesinnungswechsel vollzogen habe. Mit Recht betonen die außerhalb ihrer Heimat lebenden Südtiroler in einer öffentlichen Kundgebung, daß die Südtiroler ttotz der Wahlergebnisse nach wie vor an ihrer deutschen Ei- gehört treu festhalten werden.
* Deutsche Großstädte und Finanzausgleich. Auf mehrfache Anregungen deutscher Stadtverwaltungen hat, laut „Lokal-Anzeiger", Oberbürgermeister Böß die Vertreter derjenigen Städte über 250 000 Einwohner, die durch den preußischen Finanzausgleich besonders schwer geschädigt sind, zu einer Konferenz gemeinschaftlich mit Vertretern der Landtagsfraktionen auf Dienstag in den Festsaal des Berliner Rathauses geladen.
tei, die Demokratische Partei, die Deutsche Volkspartei, der Deuffche Bauernbund, die Volksrechtspartei und die Partei für Handwerk und Gewerbe zu einer Koalition zusammengefunden haben, die mit Ausnahme der Deutschnationalen, der Völkischen und der Kommunisten sämtliche Parteien des Landtages umfaßt. Die sozialdemokratische Fraktion wird den Staatsminister stellen, die übrigen unter der Führung der Dolkspattei und der Demokraten zusannnengeschlossenen Parteien werden dem Minister zwei parlamentarische Ministerialdirektoren be-iordnen.
* Empfang deutscher Pilger durch den Papst. Der Papst empfing eine Gruppe deutscher Pilger aus dem Rheinlande und Vertreter des Zentral- komitees der katholischen Organisationen Deutschlands, die unter Führung des Prinzen Löwe i n ft e i n standen. Der Prinz verlas in feiner Eigenschaft als Leiter der deutschen katholischen Aktion eine Begrüßungsrede in deutscher Sprache, in der er die Glückwünsche zum Priesterjubiläum des Papstes und zur glücklichen Beilegung der römischen Frage aussprach. Der Papst antwortete ebenfalls in deutscher Sprache. Er erllärte, er kenne die Verhältnisse im Rheinland sehr gut und drückte seine Befriedigung über die ihm ausgesprochenen Glückwünsche aus.
* Die Anklage gegen Staatsrat Orlow und Genossen. In der Dokumentenfälscher-Affäre des russischen Staatsrates Wladimir Orlow hat die Berliner Staatsanwaltschaft die Anklage fettig- gestellt. Orlow und Peter Pawlonowski werden an geklagt wegen versuchten Bettuges gegenüb er dem amerikanischen Journalisten Knickerbocker und des vollendeten Bettuges in acht Fällen, die jedoch als einheitliche fortgesetzte Handlung betrachtet werden, in dem Falle der sogenannten Drilesser Dokumente. Als Dritter wird angeklagt Alexander v. Roßmcmn, der Sohn des ftüheren, von den Bolschewisten erschossenen Polizeipräsidenten von Riga, wegen Diebstahls, verübt durch Entwendung von zwei Drilesser Dokumenten und wegen Beihilfe bei dem Verkauf der unechten Drilesser Berichte,
ÄN,eigen-Preise: Klemzeite (Colonel) lotai 0,15 JU auswärts 0,20 JUL Reklamezeile: lokal 0,60 JUL auswärts 0,80 JO. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051. >■.
* 3m preußischen Landtag wird die Beratung über den Kultus-Etat fortgesetzt. Der Kultus- über Erziehungsfragen. Zen- ' die katholischen Aus- ►rnmen auf die Debatte
Die Abrüstungskonferenz tagt.
Die Stellung der Deutschen, der Amerikaner, der Russen.
Am Montag ist die Abrüstungskonferenz in Gens eröffnet worden Präsident Loudon-Belgien entwickelte ihr Programm und warnte vor Optimismus hinsichtlich der Erfolge. Am Dienstagvormittag gingen die Verhandlungen weiter. Ein Telegramm besagt darüber:
wtb. Genf. 16. April. (Eig. Meld.). In der 2. Lesung des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungskonferenz, die den Beginn der allgemeinen Aussprache über die vom Präsidenten Loudon gestern vorgefchlagene Tagesordnung brachte, erhob
Graf Bernstorfs als erster Redner Einspruch gegen diese provisorische Tagesordnung und verlangte eine kategorische und definitive Antwort auf die Frage, ob der Ausschuß den in feiner letzten Tagung gefaßten Beschluß auf Abhaltung der 2. Lesung in der jetzigen Tagung umstoßen wolle. Ein Fallenlassen dieser Beschlüsse würde einen Prestige-Verlust mit sich bringen, an dem auch dadurch nichts geändert werden könne, daß der Ausschuß sein Bedauern über die Unmöglichkeit der 2. Lesung im jetzigen Zeitpunkt ausspräche. Zur Begründung seiner Stellungnahme verlas Graf Bernstorfs den im März vorigen Jahres gefaßten eindeutigen Beschluß zur Abhaltung der 2. Lesung in der gegenwärtigen Tagung, während die vom Präsidenten vorgeschlagene provisorische Tagesordmmg die einfache Fortsetzung der ersten Lesung bedeute. Außerdem sei die Aufgabe des Vorbereitungsausschusses, eine Lösung der A b r ü st u n g s f r a g e zu finden. Von dieser Aufgabe dürfe und könne der Ausschuß nicht zu gunsten irgendwelcher diplomatischen Verhandlungen, deren Notwendigkeit er durchaus verstehe, ab- gehen.
Präsident Soudon erwiderte, daß zweifellos ein Mißverständnis vorliege, da tatsächlich die erste Lesung abgeschlossen und das vorgeschlagene Ar- beitsprogramm tatsächlich auch eine zweite Lesung, wie vorgesehen, darstelle, da ja b:e wichtigsten Punkte auf die Tagesordnung gestellt worden seien, die bisher ungelöst blieben. Es handele sich also nicht um Fortsetzung der ersten Lesung, sondern um den Beginn der zweiten Le- ,UI12>er amerikanische Hauptdelegierte Gib- |bn, Botschafter in Brüssel, teilte in einer kurzen Erklärung die Auffassung des Präsidenten und betonte, daß nach Einigung über die in der provisorischen Tagesordnung enthaltenen noch strittigen Punkte die zweite Lesung nur noch eine Frag» der Redigierung des Abrüstungsentwurfes wäre. Hierauf unterzog der sowjet-russische ffauptdelegierte, stellvertretender Volkskommissar für Aeußeres Ditwinoff, die vorgeschlagenen Arbeitsmethoden und die gesamte bisherige Arbeit des Vorbereitungsausschusses einer eingehenden Kritik und verteidigte das zweite fowjet-ruffsiche Abrüstungsprojekt, mit dessen Hilfe man aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten herauskommen könnte.
Zur den Frieden.
Aus Ottawa wird gemeldet: In Kirchen aller Konfessionen in Kanada wurden zugunsten des Friedensprogramms des Völkerbundes 10 000 P r e- bigten gehalten, in denen die Geistlichen zur LUnterstützung der kanadischen Dölkerbundsvev- emigung auffordetten.
Minister Becker sprach ttumsabg. Dr. Lauscher legte fassunaen dazu dar. Wir kon an anderer Stelle zurück.
* Einigung in Mecklenbnrg-Sttelitz. Die Bemühungen des nach Neu-Sttelitz entsandten Reichs- beauftragten Dr. Häntzschel haben zu dem Ergeb-
Nichts würde mir größere Freude bereiten, ils den Entwurf eines Planes zu erblicken, der üe sofortige Räumung des Rheinlandes vorsahe. Zch sagte dies nicht als Parteipolitiker, noch um w- iend welche Kritik zu üben. Meiner Meinung iacb ist dies die Ansicht aller Friedensfreunde, die ur allgemeine Verständigung eintreten, die An- icht der Freunde Frankreichs und Deutschlands.
Die Räumung des Rheinlandes gehört zu den Schritten, die fiir die Besserung der Lage Euro- ms und zur Verständigimg der Völker unbedingt »ölig sind. Während man zwar nach dem Buchtaben des Versailler Vertrages die Besetzung recht- ettigen kann, scheint sie mir doch unter einem großzügigeren Gesichtspunkt und angesichts der jegebenen Verhältnisse schwerlich berechtigt zu fein.
Deutschland ist Mitglied des Völkerbundes. Es >at den Locarnopakt und den Kelloggpakt zur Aech- ung des Krieges unterschrieben Deutschland hat ibgerüstet, und die Deutschen wollen in Frieden eben. Heute widmen sie ihre ganze Kraft dem Wiederaufbau ihres Landes, und zwar auch mit Rücksicht auf freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarvölkern. Sollte diese Tatsache nicht mehr ns Gewicht fallen, ist sie nicht einleuchtender als lichtsiagende Buchstaben des Vertrages?
Dazu käme auch eine wesentliche Hilfe für die ssösung des Reparationsproblems. Die Kosten der flheinlandbefetzung bedeuten eine neue Belastung
Deutschland und erschweren ihm nur die Erfüllung seiner Verpflichtungen. Von welchem Standpunkt aus man auch immer diese Frage behandelt — es liegt im Interesse aller Nationen, wirtschaftlich rote finanziell und auch vom Stand-
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FuldnerZettung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches" kreisblatt.