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FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar 83.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen i Die Welt >m Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw. 48 Psi) ohne ^ustellq

Mittwoch, 10. April 1929.

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Sö.Zahrg.

Die Einigung.

Man schreibt uns aus Berlin:

Es ist ein erstaunliches Werk, das die Finanz­sachverständigen der Parteien der Sozialdemokra­tie, des Zentrums, der Bayerischen Bolkspar- tei, der Deutschen Volkspartei und der Demokrati­schen Partei zustande gebracht haben. Man muß das, was setzt erreicht worden ist, ja nicht nur als Resultat einer Verständigung über vielerlei finanz­technische und finanzpolitische Einzelheiten betrach­ten, sondern man muß es itn Ganzen, also auch in semen großen politischen Auswirkungen, sehen. Und da bleibt bei allen Einwänden und Be­denken, die im einzelnen vorhanden sein mögen, doch der Eindruck einer imponierenden Tat haften.

Zunächst darüber, daß es gelungen ist, die Par­teien, die gerade in der Beurteilung des neuen Etats hinsichtlich der Ersparnismöglichkeiten einer­seits, andererseits aber auch der Mittel und Wege für die Ueberwindung des Defizits anfänglich doch sehr stark auseinandergingen, auf eine einheitliche Linie zu bringen.

Freilich: Heber die Grundforderung, daß größtmöglichste Sparsamkeit gerade im Hinblick auf das Notjahr, in dem wir uns jetzt befinden, Platz greifen muß, gab es eigentlich über­haupt, keine Meinungsverschiedenheiten. Jede Partei hat es bei den großen Etatdebatten im Reichstag als ihre Spezialforderung ausgesprochen, daß versucht werden müsse, alle irgendwie entbehr- ftchen oder mit den Zeitverhältnissen nicht zu ver­einbarenden Forderungen kurzerhand abzusetzen, so war von vornherein eine Einheitsfront gege­ben gegenüber den Vorschlägen, alles zu streichen, repräsentativen Zwecken zu dienen geeignet erschien, namentlich aber auch größere Neubauvor­haben, die insbesondere vom Reichsfinanzministe­num für den Bau neuer Finanzämter und dergl. in Aussicht genommen waren. Hier wurde schon eine Reihe von Millionen Mark gespart.

Auf der anderen Seite hat man die Ansätze für Einnahmen erhöhen zu können geglaubt und zwar insbesondere bei der Branntweinabgabe, bei der Tabaksteuer und an Ablieferungen der Reichspost, wobei zur Voraussetzung gemacht wurde, daß trotz dieser Mehrablieferung eine Erhöhung der Posttarife nicht stattfinden darf.

Damit konnten die neuen Steuervorschläge auf- gegeben werden. . Es wird also demgemäß die Er- Höhung der Biersteuer, die Erhöhung der Erb- chaftssteuer. ferner der Zuschlag zur Vermögens- «teuer für die Deckung des Defizits dieses Etats wcht mehr in Betracht kommen. Bezüglich der Vermögenssteuer tft lediglich die Nachzahlung, die 40 Millionen bringen soll, in Aussicht genommen.

Mit die empfindlichsten Streichungen sind voll­zogen worden beim Etat des Reichsverkehrs- ministeri ums, bei dem sehr erhebliche Kanal­bauzwecke und dergleichen vorgesehene Summen in Wegfall kommen sollen, weiter aber auch erheb­liche Beträge, die sich auf die Luftfahrt beziehen. Auch beim Reichswehrministerium sind etwa 27 Millionen abgesetzt worden, und daß es sich hier um Ausgaben'handelt, die in einem Not­jahr zurückgestellt werden können, mag schon daraus sich ergeben, daß der Reichswehrminister, wenn sicherlich auch mit schwerem Herzen, dieser Reduzierung zugestimmt hat. An der zweiten Ra t e für das Pa n z e r s ch i f f A wird nichts ge­ändert, sie verbleibt im Etat. Die Sozialdemokra- wn haben sich aber vorbehalten, als Fraktion diese Rate abzulehnen, wobei sie den Ministern, nach­dem der Panzerkreuzer seinerzeit unter Milwir- uHur n r sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder beschlossen worden ist, die Abstimmung, aJo die Zustimmung, freigeben. Allerdings wird man von den Sozialdemokraten verlangen dürfen, daß

diese Frage auf geordnetem parlamentarischen Wege, also durch eine Mehrheitsentscheidung, zur Klärung bringen und daß sie nicht ihrerseits etwa durch dw Stellung eines besonderen Antrages die Streichung dieser Position betreiben

Im Hintergründe der gesamten Regelung nach der finanziellen Seite hin stehtsozusagen ein Wech­sel auf die Zukunft. Für den Fall nämlich, daß die Pariser Reparationsverhandlun­gen einen Abschluß finden, der die deutsche Ge- jamtlast zu erleichtern geeignet wäre, würde die Möglichkeit bestehen, aus den gewonnenen Mit­teln die jetzt unter dem harten Zwang der Dinge durchgeführten Streichungen auch an sehr wichst- gen Positionen rückgängig zu machen oder doch zu verringern. Ob das aber möglich ist, hängt ganz von der mit der Reparationsentscheidung ver­knüpften Entwicklung der Reichsfinanz, wie über­haupt der gesamten deutschen .^^stspoutit zu­sammen.

Nachdem die Einigung über den Etat unerläß­liche Voraussetzung für die Bildung einer festen Koalitionsregierung im Reiche war, ist nunmehr auch nach der politischen Seite hin eine Ent­wicklung im Zuge, die von großer Bedeutung ist. Es eröffnet sich die Aussicht auf ein geordnetes systematisches und organisches Zusammenarbeiten der Parteien mit der Reichsregieiung, hinter der die Parteien nun auch mit voller Verantwortung und vollkommener Bindung an diese Verantwor­tung zu stehen haben.

Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn die in Betracht kommenden Fraktionen den Vorschlägen ihrer Sachverständigen beitreten, dann sich die poli­tischen und parlamentarischen Konsequenzen ohne weiteres ergehen müssen, und zwar nicht nur nach der Seite hin, daß nunmehr der Etat rasch und den Vereinbarungen entsprechend verabschiedet roirb, sondern auch dahingehend, daß alle wichtigen, die Führung der Reichsgeschäfte betreffenden Singe in gemeinschaftlicher, verantwortungsbewußter Zusarü- menarbeit durchgeführt werden. Damit wurde ein

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Der kranke Diktator.

ist offenbar atz, den der

Am Dienstag abend finden entscheidende Ber­nd l u n g e n beim Reichskanzler statt.

wtb. Warschau, 9. April. (Gig. Meldg.). Der von wüsten Beschimpfungen und Anklagen strotzende Artikel Marschalls Piliudskis hat die innerpolitische Lage Polens bedeutend verschärft. Viel beach­tet wurde der Umstand, daß gestern amtlicherseits die Absicht einer Konferenz mit Marschall Pilsudski, dem Staatspräsidenten und Dr. Bartel energisch bestritten wurde. Das regierungsfreundliche Blatt „Surjer Poranny" macht Stimmung für ein Ka­binett Switalski. Dr. Kasimir Switalski gilt als Exponent der parlamentsfeindlichen und halbfaschistischen sogenannten Odersten-Gruppe. „Kurjer Porranny" behauptet sogar, daß Dr. Switalski bereits den Auftrag erhalten habe, eine Regierung zu bilden.

Das Grenzland Vaden.

Don unserem Mitarbeiter in Karlsruhe.

Sn der letzten Zeit ist in der badischen Oeffent- lichkeit, besonders im Landtag, viel über Badens Grenzlandnot verhandelt worden. Nun ist neben den Einzelüenkschriften anderer Länder, die ebenfalls nach Friedensschluß durch neue Grenz­ziehungen wirtschaftlich und kulturell geschädigt würden, dem Reichsminister für die besetzten Ge- biete, Severing, auch die badische Denkschrift über- reicht worden.

Eim zweiten wichtigen Teile dieses landespoli- hch bedeutungsvollen Dokumentes werden den zu- tandigen Reichsstellen Vorschläge und Ziele der ^renzlandhilfe dargestellt und der Gesamtschaden, der Vaden aus der Besetzung und Reichsgrenz- inöerung erwachsen ist, ausführlich aufgezeigt. Ba- •e” tn ^fter Linie seit dem verlorenen Kriege «s?11 tvrenzland geworden, so daß es neben 262 Kim. -"eichsgrenze gegen die Schweiz jetzt noch weitere 182 Kim. Reichsgrenze gegen Frankreich mifzuweisen hat. Die Bevölkerung des Landes be- tr"gt 3,7 v. H. der Bevölkerung des Reiches, wobei die Bevolrerungsziffer des badischen besetzten Ge­bietes 30 418 betragt. Zusammen mit der Ver­minderung der Derdienstmöglichkeit und einer hier­durch beruor gerufen en 8l!b- und Auswanderung macht sich in wirtschaftlichen und industriellen Kreisen der Verlust von Elsaß-Lothrmgen, des Saargebietes und Luxemburgs besonders stark be­merkbar. Einen nicht weniger bedenklichen Ver­lust muß die beutkbe Rheinschiffahrt feststellen, die

Dre Marschall Pilsudski, der sich in Polen dik­tatorische Befugnisse angeeignet ' aus dem Häuschen. In einem __....

Marschall um den Preis von je 700 Zloty 17 rechtsfreundlichen Blättern zur Verfügung gestellt hat, ergeht er sich in Beschimpfungen des Parla­

ments und der Parlamentarier, die alles bisher dagewesene übertreffen.

Die Rücksicht auf das Ohr des deutschen Lesers verbietet eine wörtliche Wiedergabe aller Kraft­ausdrücke desMarschalls, so charakteristisch sie für die politischen Zustände in Warschau wären, da sie sich durchwegs nur aus den unappetitlichsten Aus­drücken von gewöhnlichsten physiologischen Funktio­nen des menschlichen Körpers zusammensetzen. Be­sonders erregt zeigt sich Pilsudski in seinem Arti­kel über die Auslieferung des ehemaligen Finanz- ministers Czechowicz an das Staatstribunal und erklärt in aller Offenheit, daß er selbst als dama­liger Kabinettschef für die verfassungswidrigen Budgetüberschreitungen verantwortlich sei, da er Czechowicz „vergewaltigt" und ihm verboten habe, alle Investitionskredite dem Sejm vorzulegen. In bunter Reihe folgen dann Schmeicheleien an die Adresse des Sejm, wie Niederträchtigkeit, Unerzo- genheit, Ehrlosigkeit, Verräterei, Korruption usw" „Die Abgeordneten erinnern lebhaft an einen Tiergarten voller Affen, die alle ihre Bedürfnisse öffentlich erledigen und sich nicht einmal bemühen, menschenähnlich zu sein." Zu welch gro­tesken Vergleichen sich dabei die Phantasie'des Marschalls versteigt, beweist allein folgender Satz, der noch zu den mäßigsten gehört: „Der'Haupttenor dieser stinkenden Oper (Sejm), ein Liebermann, scheint mir wie ein Fakir, der so schnell herumwir­belt, daß man seine Seine nicht mehr und nur die Schöße des Adookatenfracks flattern sieht über fei­nem Bauch und dem entgegengefetzten Körperteil, wobei er kleine Kügelchen aus der Fresse und an­deren Körperteilen ausstößt und damit jongliert." Der Abg. Wezmcki kommt noch viel schlechter weg. Die sanftesten Prädikate, die chm zugeteilt werden, sind: „widerwärtiger und abscheulicher dummer Junge, berufsmäßiger Idiot, besch... Dummkopf, der dann verlangt, daß ein Minister feine be­schmutzte Wäsche mit der Zunge säubern soll." Der Marschall bedauert lebhaft, zu krank gewesen zu sein, um diese „Banditen" öffentlich auf dem Sejm­hof verprügeln zu können. Am Schluß seines Ar­tikels droht der Marschall offen dem Parlament: „Vielleicht wird der Sejm, wenn man ihm mit ent­sprechend scharfen Instrumenten zu Leibe gehen wird, etwas Scham und Verstand lernen."

Faktor der Unruhe und Unsicherheit, der sich bis­her nicht nur im politischen, sondern auch im wirt­schaftlichen Leben immer wieder lähmend geltend machte, ausgeschaltet, und die Bahn wäre frei für stabile und auf die Erreichung bestimmter Ziele sich einsetzende Arbeit. Mit einer solchen Entwick­lung ist auch allen denen das Handwerk gelegt die gerade in letzter Zeit sich durch Schürung einer unruhigen, ihren besonderen partei- und interes­senpolitischen Zwecken dienenden Stimmung in po­litischen oder wirtschaftlichen Fragen in den Vor­dergrund gedrängt haben.

im wesentlichen den Transport nach und von den zwei Häfen Straßburg und Lauterburg verloren hat.

In der ganzen Denkschrift wird eindringlichst daraus hingewiesen, daß die Wirtschaft und die Kultur in der von Zollgrenzen der Schweiz und Frankreich eingekeilten Äidwestecke des deutschen Reiches einer besonders vorsorgenden und pflegen­den Behandlung baldigst bedarf und daß es sich hierbei niemals um unberechtigte und ungebühr­liche Sonüeransprüche eines deutschen Landes an das Reich handeln könne.

Sodann werden in der badischen Landespolitik, sowie auch in der Denkschrift an das Reich ein­zelne Maßnahmen hervorgehoben, die in der Ei­senbahn- und Verkehrspolitik m der neuesten Zeit bedeutungsvolle Faktoren geworden sind ober als solche erstrebt werden. Insbesondere handelt es sich hier um die äußerste südwestliche Ecke des oberbadischen Wirtschaftsgebietes, sowie um Verkehrsanschlüffe an das Ausland. Zusam­men mit der Frage notwendiger Bahnhofsumbau­ten, welche die Städte Mannheim, Heidelberg», Freiburg und Konstanz berührt, sowie mit dem Problem der Rheinbrücken (Mannheim, Speyer, Maxau), das feit Beginn des Jahres erfreulicher Lösung näher gebracht wurde, steht immer noch die Ergänzung und Elektrifizierung der badischen Bah­nen im Vordergrund unteres Interesses. Fabr- planwünsche, Fremdenverkehrshebung, worin sich Badens große Mitarbeit am baldigen Zustandekom­men der von der Hafraba propagierten Nord- Süd-Autostraße Hansastädte-Basel zeigt, Industrie- sorgen, neue Schiffahrtstarifbedingungen reihen sich neben anderem an den gegenwärtig großen landespolitischen Aufgaben- und Wirkungskreis.

Neben der nicht unwesentlichen Forderung Ba­dens, für die Grenzgebiete besondere Ge­bührensätze für den Po st verkehr ein- zusetzen, verdient ein Gesichtspunkt vollste Beach­tung: die Deutschtumpflege. Gegenüber der aus dem Elsaß im badischen Evenzland stark her­überwirkenden französischen Kulturpropaganda be­darf es einer tief eingreifenden Förderung aller bestehenden deutschkullurellen Einrichtungen und Bildungsmomente, die, in den werktätigen Volks­schichten einsetzend, sich bis zu den kulturpolitischen Aufgaben der drei staatlichen Hochschulen erstrecken möge und die den Ruf nach finanziellem Eingrei­fen des deutschen Gesamfftaates wiederholen wird.

Die badische Denkschrift gibt ein anschauliches Bild von den Nöten des besetzten Gebietes und deren Folgen. ®ir fragen uns, ob diese wunden Punkte, gemachten Vorschläge und erwünschten Ziele trotz der schwierigen Lage der Reichsfinan- zen Linderung erwarten dürfen? —

Die ganzen Bestrebungen, Wünsche und For- berungen des badischen Landes sind aber nicht nur Aeußerungen des Selbsterhaltungstriebes: sie ha­ben vielmehr weit höhere Zielpunkte und finden ihre erste Berechtigung in dem Gedanken: Die deut­schen Randgebiete sollen stets mit starken Klam­mern an das Ganze gebunden sein. A. Schmitt.

* Die Einführung des neuen Oberpräfidenken von Oberfchlesien Dr. Lukafchek und die Verabschie- I düng des zum Kurator der Bonner Universität be= I stellten hiesigen Oberpräsidenten Dr. Proske fand in feierlicher Weise in Oppeln statt. Der preu- I ßische Innenminister nahm die Einführung vor. I Dr. Lukaschek gab in seiner Antrittsrede die Er- I Körung ab, er werde in den Fragen des Volks- tumes und zumal bei Behandlung der Minderhei­ten, wie fein Amtsvorgänger im Sinne des Gen­fer Vertrages und der neuen preußischen Minder- heitenoerordnung tätig sein, deren Geist sich mit feiner persönlichen Auffassung als Zentrumsmann decke. Das deutsche Volkstum werde in Oberschle- fien auf die Dauer nur siegen, wenn seine Jd-en- kraft, sein Kulturwille sich stets ebenso als der stär­kere erweise, wie er sich in der Abstimmungszeit als dr stärkere erwiesen habe.

Das indische Pulverfaß.

Während einer Sitzung der indischen gesetzge­benden Versammlung in Neu-Dehli wurden von der Galerie zwei Bomben geworfen, die im Sitzungssaal explodierten und drei Bänke der Re­gierung vollständig zerstörten. Es enfftand eine Panik unter den Mitgliedern der Versammlung, und mehrere Personen fielen verletzt zu Boden. Unter ihnen befand sich das Finanzmitglied des in­dischen gesetzgebenden Rates Sir George Shuster, der Deputierte des indischen Zentralkomitees Roy und drei prominente Inder. Der Führer der Si­mon-Kommission, Sir George Simon, der der Sitzung auf der Galerie beiwohnte, blieb unver- letzt.

Die Polizei verschloß sofort alle Türen und es gelagn ihr, die Attentäter, zwei Inder, zu ver­haften, die ein Geständnis ablegten. Gleichzeitig mit den Bomben wurde ein kommunistisches Flug­blatt, das die Aufschrift trug „Hindus, sozialistisch- republikanische Armee!" und von deren Führern unterzeichnet war, in die Versammlung hineinge- worfen. Die Sitzungen der gesetzgebenden Ver­sammlung wurden bis auf Donnerstag vertagt.

Wissenschaft und Forschung.

— Geheimrat Edmund Husserl 70 Jahre alt Ge­heimrat Edmudir Husserl, der Begründer der Phänome­nologie, der emerittierte ordentliche Professor der Philo- sophie an der Universität Freiburg, feierte am Mon­tag seinen 70. Geburtstag. Husserl habilitierte sich 1887 in Halle, wurde 1901 außerordentlicher Professor in Göt­tingen und bekam dort 1906 das Philosophieordinariat. 1916 wurde er als Nachfolger Windelbands nach Frei­burg berufen Eine Berufung nach Berlin als.Nachfolger Ernst Tröltfch im Jahre 1923 lehnte er ab. Husserl ist einer der führenden deutschen Philosophen der Gegen­wart. -

Die vier Gläubigerstaaten.

lieber die Reparationssumme.

wtb. Paris, 9. April. (Gig. Meld.) „Petit Po- rifien" schreibt über den Stand der Verhandlungen, die die vier Delegationen der Gläubigerstaaten miteinander führen: Frankreich habe, nachdem es seine Forderungen auf Reparationen im eigentlichen Sinne um die Hälfte ermäßigt habe, gutgläubig angenommen, daß die anderen Gläubiger diesem Beispiel folgen würden. Bis jetzt habe sich diese berechtigte Hoffnung aber nicht er­füllt. Während Frankreich schon 60 Mlliarden ge­fordert habe, seien die Forderungen der anderen Alliierten sozusagen ungeschmälert geblieben. Wenn diese Situation änbauere, bringe sie die Gefahr mit sich, alles in Frage zu stellen.

Einige Blätter greifen den amerikanischen Dele­gierten Owen D. Young an, weil er in seiner Ei­genschaft als Vorsitzender nicht genügend Voraus­sicht gezeigt habe, denn er hätte verhindern müs­sen, daß ein Zustand eintrete, wie er jetzt vorhan­den sei. „Oeuvre" geht sogar noch weiter und er­klärt, die Amerikaner, die keinerlei Nachlässe cn ihren Forderungen bewilligen wollten, seien fiir die Lage verantwortlich.

* General v. Lauter gestorben. In Heidelberg ist der 75 Jahre alte ehemalige General der Ar­tillerie Ludwig v. Lauter, der frühere Inspek­teur der Fußartillerie des deutschen Heeres, gestorben. Er hatte seinen Wohnsitz zu. letzt in Karlsruhe, wo er auch bestattet werden wird.

Um Seipels Nachfolge.

Aus Wien wird gemeldet:

Die Reichsparteileitung der Christlichen Sozia­len Partei, die eine mehrstündige ^Beratung abhielt nahm den Bericht des Berhandlmigskomitees übet die Besprechungen mit den Mehrheitsparteien und mit der Opposition entgegen. Es wurde festgestellt, daß die Verhandlungen mit den Er o ß d e u t sch en und dem Landbünd einen günstigen Ver­lauf nehmen. Ueber die Stellungnahme gegenüber der Opposition konnte eine abschließende Entschei­dung noch nicht erfolgen, da die Verhandlungen noch im Gange sind.

Englische Probleme.

Seine Wahlbündnisse der englischen Liberalen.

Der Vorsitzende der liberalen Parteiorganisa­tion. Sir Herbert Samuel, erklärte in einer Rede in Landon, die Liberale Partei habe auch nid).' einen Augenblick lang ein Einvernehmen, sei es mit der Arbeiterpartei oder den Konser­vativen, in Aussicht genommen. Er stellte ka­tegorisch fest, daß die Liberale Partei keinerlei Pakt mit irgendeinem ihrer Gegner abgeschlossen habe oder abschließen werde. Samuel betont, weiter, die Hauvtstreiifrage bei den Wahlen werd? die Arbeitslosenfrage sein.

Englisch-ägyptische Besprechungen.

Der ägyptische Minister Hafez Afifi Bei, der in London eintraf, wird, wie verlautet, unter Um ständen im Foreign Ofice vorsprechen, umf gewisse Seiten der englisch-ägyptischen Beziehungen zu er­örtern.

Mexiko.

Die mexikanischen Aufständischen auf dem Rückzüge.

wtb. Mexiko, 9. April. (Gig. Meld.). In der letzten Woche des Aufstandes ziehen sich die Insur­genten auf der ganzen Linie in die unwirtlichen Teile des Staates Sonora zurück Ihr Führer, Gscobar, hat Juarez in Richtung auf das westliche Chihuahua mit 6 Truppentransportzügen und zahlreichen requirierten Automobilen verlassen.

Nicaragua.

wtb. London, 6. April. (Gig. Meld.). Wie Reuter aus Tegucigalpa in Honduras meldet, sol­len amerikanische Flugzeuge, die im Auf- standsgebiet von Nicaragua gelegene Stadt Las Amas bombardiert und zum größten Teil zerstört haben Der Fall wird von den Behörden geprüft.

China.

wtb. Newyoack, 9. April. (Eig. Meld.). Wie Associated Preß aus ShangW meldet, ist der Korrespondent 'der New-Yorker Herald-Tribune, Thomas F. Millard von der Nanking-Regierung zum politischen Berater ernannt worden. Millard tritt am 1. Mai im In­teresse der Nanking-Regierung eine halbjährige Reise nach den Vereinigten Staaten und Europa an.

* Einbruch in eine Stationskasse. In der Nacht zum Montag sind in das Stationsgebäude M.-G Iadbach - Erünhofen Einbrecher eingedrungen. Sie haben sich Eingang verschafft, indem sie die Mauer durchbrachen Außer der Geldkassette nahmen sie auch den gesamten Fahrkartenbestand mit. Da sie sich bei der Verwertung dieser Fahrwrten aber selbst verraten hätten, haben sie dieselben wieder fortgeworfen. Die Kassette ist erbrochen und ihres Inhaltes beraubt worden. Es handelt sich offenbar um dieselben Täter, die vor einigen Wochen bie Station Arsbeck der gleichen Eisenbahnstrecke in ähnlicher Weise beraubten. Der Polizei ist es noch nicht aelungen, sie zu ermitteln.