Nr 79
Freitag, 5. April 1929
* ^ANDORRA
**• —-
w
tat
'er
Kellogg- hat zwi-
teils
Aus Wien wird gemeldet: Bundeskanzler Dr. Seipel unterbreitete dem Bundespräsidenten die Demission des Kabinetts. Der Bundespräsident nahm die Demission an und beauftragte das Kabinett zunächst mit der Fortführung der Geschäfte.
Der Demission ging ein Ministerrat vorauf, in dem Bundeskanzler Dr. Seipel ausführte, das Antlitz der Republik Oesterreich habe sich in letzter Zeit sehr vorteilhaft verändert und das Staatsleben befinde sich bereits auf dem Wege normaler Entwicklung. Die Lage sei derart, daß aus ihr ein bedeutsamer Ruck nach vorwärts gemacht werden könne. Hierunter verstehe er die Förderung des Wohnungsbaues, der Mets- rechtsverfahren, der Iustizreform und der Polizeikompetenzfragen. Da aber feine Person für diese Entwicklung als Hemmnis angesehen werde, so gebe er feine Demission.
Auf Antrag des Vizekanzler Hartleb beschloß der Mmisterrat den Rücktritt der Gesamtregierung, da die vom Bundeskanzler anaeführten Gründe für feine Demission in gleicher Weise alle Mitglieder der Regierung betreffen.
Reichsmark zur Verfügung gestellt. Mit der Durchführung ist das Ministerium für Landwirtschaft im Benehmen mit dem Finanzministerium betraut.
«Mcheml sechsmal wöchentlich. Wochenbeilaaen Die M-n un Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Derlaa der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc 9 Monatl. 1,80 etnschl. Poktaeb. (30 bezw 48 Pf.) obm lustella'
Briand und Kellogg.
Aus Anlaß der Ratifizierung des Paktes durch das französische Parlament schen Außenminister Briand und dem
Die pariser lianferenz.
wtb. Paris, 4. April. (Eig. Meld.) Wie der „Exzelsior" berichtet, erwartet man nicht, daß Dr. Schacht im Laufe der heutigen Sitzung der Re- parationskonserenz neue Momente für die Verhandlung Vorbringen werde. In gut unterrichteten Kreisen der Konferenz halte man trotzdem ein ziemlich rasches Doranschreiten der Arbeiten für möglich. ________________________
* Dr. Stresemann, der die Feiertage über in Heidelberg weilte, wird Donnerstagabend in Bersin ankommen.
* Scheinmann in Berlin. Der Präsident der russischen Staatsbank, Scheinmann, ist aus Amerika auf der Durchreise nach Moskau in Berlin einge- ■ troffen, wo er einige Tage verweilen wird. Scheinmann hat in Amerika bekanntlich kredit- und finanzpolitische Verhandlungen geführt. Scheinmann ist in Berlin leicht erkrankt.
Dom Demschen Dolftsbunö.
In Kattowitz fand in den Räumen des Deutschen Volksbundes für den verstorbenen Grafen E d w i n H e n ck e l v. Donnersmarck eine Gedächtnisfeier statt, die vom Derwaltunas. rat des Deutschen Volksbundes veranstaltet mürbe« An der Feier nahmen eine Reihe deutscher Persönlichkeiten teil. Der Vorsitzende des Dermal- tungsrates, Ziegler, feierte den Verstorbenen als einen aufrichtigen Deutschen und einen wahrhaften Führer des Deutschtums. Anschließend daran wurde der nach mehr als sechswöchiger Haft entlassene Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes, Abgeordneter U l i tz, offiziell vom Berwaltungs- rat begrüßt. Ulitz dankte für die ihm bewahrte Treue und versprach, auch weiterhin für das Deutschtum Oberschlesiens zu arbeiten. In der Sitzung des Derwaltungsrats wurde ferner beschlossen, sich nach einem neuen Repräsentanten des Deutschen Dolksbundes in Ostoberschlesien umzusehen.
* Ein Erlaß der Reichsregierung über Hoheits- anordnungen. Im Interesse einer einheitlichen Zusammenarbeit der Reichsverwaltung auf Gebieten, die für alle Reichsbehörden und Reichsstellen von gemeinsamem Interesse sind, hat dis Reichsregierung einen Erlaß über Hoheitsanordnungen und Verhalten der Reichsbehörden bei besonderen Anlässen herausgegeben. Der Erlaß regelt die Weiterleitung allgemeiner Anordnungen der Reichsregierung an die einzelnen Reichsstellen, die repräsentative Vertretung der Reichsbehörden bei Veranstaltungen außerhalb der Reichshaupt- stadt, schließlich die Beflaggung der Reichsdienst, gebäude. Die Reichsdienstgebäude werden im ganzen Reiche am V e r f a sfu n g s t a ge beflaggt. Wann bei anderen Anlässen im ganzen Reich oder in der Reickshauntstadt geflagg* roer*-- ton. orb- net die Reichsregierung an. Soll außerhalb der Reichshauptstadt aus örtlichen, nichtpolitischen Anlässen geflaggt werden, so treffen die Präsidenten der Landesfinanzämter, an Orten außerhalb des Sitzes eines Landesfinanzamtes der höchste leitende Reichsbeamte des Ortes nach Benehmen mit den gleich hohen örtlichen Reichsbehörden sowie mit den örtlichen Landesbehörden die erforderlichen Anordnungen. Soll wegen einer örtlichen Veranstaltung von politischem Gepräge geflaggt werden ober ist zweifelhaft, ob die Beflaggung als Parteinahme in innerpolitischen Fragen gedeutet werden könne, so ist die Entscheidung des Reichsministers des Innern einzuholen. Auch die Reichswehr ist bei diesen Verordnungen einbezogen.
Der Rücktrittsentschluß des Bundeskanzlers Dr Seipel und des Kabinetts hat nicht nur in der breiten Oeffentlichkeit, sondern auch in politischen und diplomatischen Kreisen allergrößte Ueberraschung hervorgerufen, umsomehr, als noch kurz vor Ostern sowohl Dr. Seipel als auch der Vizekanzler die bereits wiederholt aufgetauchten Gerüchte von einer Krise der Regierungskoalition bezw. der Regierung in Abrede gestellt hatten. Es ist nur natürlich, daß an die plötzliche Demission Dr. Seipels sogleich die verschiedensten Vermutungen geknüpft werden, einerseits weil man an andere Gründe als an die vom Bundeskanzler angegebenen zu glauben geneigt ist, andererseits im Hinblick auf die weitere innerpolitische Entwicklung und die Möglichkeiten der Zusammensetzung der neuen Regierung. Dazu wird von unterrichteter Seite bemerkt, daß Dr. Seipel, der seine Ueberlegungen und Entschlüsse ohne jede Beeinflussung von anderer Seite zu fassen gewohnt ist, tatsächlich keinen anderen Beweg- gruna gehabt habe, als sie in seinen Ausführungen mi Ministerrat enthalten sind. Die Unterstellung anderer Beweggründe sei vollkommen abwegig. Alles in allem könne man darin eine Mahnung an alle Parteien erblicken, die parteipolitischen Gegensätze zurückzustellen, mit größerer Sachlichkeit an die Arbeit bei der Lösung der schwebenden Fragen heranzugehen und besonders zu einer gesunden Volkswirtschaft zum Wohle der Gesamtheit zurückzufinden.
Die Großdeulsche Volkspartei.
Die Sitzung des P a r t e i v o r st a n d e s der Großdeutschen Volkspartei beschäftigte sich mit der durch die Demission der Regierung geschaffenen Lage. Der Pgrteivorstand sprach sein Bedauern darüber aus, daß die Opposition der Sozialdemokraten die wirtschaftliche Arbeit des Nationalrats bindere und die Regierungskrise ausgelöst habe. Der Parteivorstand beschloß, die ßänberfonferen,, zur Beratung über bic weitere Stellungnahme der Partei einzuberufen.
Berga
wtb. Wien, 4 April (Eig. Meld.) Bundeskanzler Dr. Seipel hat alle Reden und Dorträge, die er in der nächsten Zeit halten sollte, abgesagt
Das Echo.
wtb. Wien, 4. April. (Gig. Meld.) Zu dem unerwarteten Mcktritt Seipels schreibt die Christlich-soziale Reichspost u. a.:
Die parlamentarische Lage kann nicht so aufgefaßt werden, als ob nun etwa die Zeit für irgendwelche neue Koalition gekommen wäre, wohl aber kann man daran denken, daß die sozialistischen Führer die Situation erfassen und die Opposifion mit den Parteien der Mehrheit zu einer Verständigung gelange. Bei gutem Willen wäre die Vereinbarung eines Arbeitsprogramms möglich, welches für die wichtigsten Staats- und Wirtsckaftsfragen eine positive Erledigung um« schließt
Die Arbeiter-Zeitung erklärt, die Regierung Seipel sei vor allem in dem Kampf um den Mieterschutz gefallen. Dieser entscheidende Grund sei durch andere Gründe verstärkt worden. Seipels Hoffmmaen, endlich die so lange gesuchte Anleihe *u bekommen, seien ergebnislos geblieben. Das Verhältnis der Christlich-Sozialen zu den beiden anderen Koalitionsparteien, besonders zu den Landbündlern, habe sich empfindlich verschlechtert. Christliche Kreise seien beunruhigt durch die Abfall- Bewegung. Die Geistlichkeit klage, daß die Kirche das Regime Seipels mit dem Verlust von Z-hn- faufenben Seelen bezahle. So fei in Seipels Seele selbst die Verstimmung gewachsen. Alles habe zu.
Die Cetjrerb löuna.
Liberalistische Grundsätze des preußischen Kultus- Ministers. — Verstaatlichung des gesamten Schulwesens. — Da- ist nicht unser Ideal.
Der preußische Lehrerverein trat in Dortmund zu seinem 9. Verbandstag zusammen Auf der Ta- gung, sprach der preußische Kultusminister D r. Becker über die Lehrerbildung in Preußen. Wenn sich auch, so führte er u. a. aus, die Wege der Schulverwaltung und die der Lehrerschaft häu- ig trennen und überschneiden, so stehe doch immer am Ende das gleiche Ziel. Die Interessen der Volksschule, der Mittelschule und der höheren Schule seien ebenso verschieden, wie die Interessen der hinter ihnen stehenden Lehrergruppen. Jede empfange ihre Geetze und den Abel'ihrer Wirksam- leit von der Arbeit an der deutschen Jugend.
Wie für die Schüler, so sollten auch für die Lehrer Uebergangsmöglid) feiten von einer zur anderen Sch'i'art geschaffen werden Der Lehrerausbildung und der Angleichung der Lehrer-
* Le Rond Aussichtsratsvorsitzender der Danziger Werft. Die „D. A. Z." meldet aus Danzig, daß der französische General Le Rond mit der Stimmenmehrheit Englands. Frankreichs und Polens znm Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Danziger Werft gewählt wurde. Die Danziger Werft, die frühere Kaiserliche Werft, wurde nach der Abtrennung Danzigs vom Reich internationalisiert und zwar mit französischer und englischer Kapitalbeteiligung von je 40 Prozent. Polen und Danzig beteiligten sich mit je 10 Prozent.
. * Seriendenkmäler für Jod). Wie die „Straßburger Neuesten Nachrichten" melden, planen die patriotischen Verbände des Elsaß die Errichtung eines Reiterstandbildes des Marschalls Foch, „des Retters Frankreichs und des Befreiers des Elsaß" in Straßburg, und zwar an der Stelle, an der früher das Standbild Kaiser Wilhelm I. stand. In der Sitzung des Metzer Munizipalrates stellte der Bürgermeister den Antrag, ein Komitee zu bilden, das in gleicher Weise, wie es in Straßburg geplant ist, die Vorbereitungen für die Errichtung eines Denkmals für Marschall Foch in Metz treffen soll. Der Antrag wurde angenommen,
. _ . ehemali
gen Staatssekretär Kellogg, dex sich an Bord eines Passagierdampfers auf dem Wege nach Frankreich befindet, ein in freundlichem Ton gehaltener Telegrammwechsel ftattgefunben. Kellogg erklärte, er beglückwünsche Briand zur Beendigung feines großen Friedenswerkes. Die Welt wisse, in welchem Maße Frankreich dem Friedensideal ergeben sei.
Bundeskanzler Seipel tritt zurück« Demission des österreichischen Kabinetts.
Bombe über amerikanischem Gebiet abgeworfen. Diese neue Grenzverletzung bei der zwar fein Schaden angerichtet wurde, die aber nur wenige Stunden nach dem bereits gemeldeten Protest der Regierung der Vereinigten Staaten gegen den vorangegangenen Grenzzwischenfall erfolgte, wird, wie Associated-Preß erfährt, voraussichtlich die Erhebung neuer ernstlicher Vorstellungen nach sich ziehen.
wtb. Mexiko, 4. April. (Eig. Meld.) Das Rückzugsgefecht bei La Reforma, wo Truppenzüge der aufständischen Armee von der Regierungskavallerie eingeholt wurden, wird als eines der blutigsten Gefechte der letzten Tage geschildert. Die Verluste der Aufftändischen werden auf mehr als 1000 Man geschätzt.
sammengewirkt, das Regime Seipels zu unterhöhlen. Die Arbeiter-Zeitung erinnert bann an bic Haltung Seipels bei verschiedenen Gelegenheiten per letzten Zeit gegenüber den Sozialisten, so an oie Parole: „Keine Milde" nach dem 15. Juli 1927, an die angeblichen Beziehungen Seipels zur Heimwehrbewegung und an die Aushebung des Waffenlagers im fozialiffischen Parteihaus, um zum Schluß zu erklären: Was Oesterreich brauche, sei eine wesentliche Aenderung der politischen Methoden. Ein wirklich neuer Kurs, ein Kurs der Sicherung und des Ausbaues der Demokratie werde die Sozialisten zur Mitarbeit bereit finden, ein blo- (jer Personenwechsel würde an den inneren Spannungen, an denen Seipel gescheitert ist, nichts ändern.
* Die Mecklenburgisch- Rem-rung hat sich angesichts der Notlage der Domänenpäch- t e r zu einer großzügigen Hilfsaktion entschlossen, über welche die Pressestelle des Staatsmi- nifteriums in Schwerin folgendes mitteilt: Die Landtagsvorlage vom 14. März 1929 betreffrnö Ermächtigung zur Gewährung von Betriebs- und Umfchuldungskrsditen an Domänenpächter hl nicht mehr verabschiedet werden können. De. Zweck der Vorlage, notleidenden Betrieben noch während der Frühsahrsbestellung Hilfe zu bringen, wäre gefährdet, wenn bis zur Verabschiedung durch den Landtag gewartet werden mißte. Das Stoots- minifterium bat daher be'd’loffen die Hilfsaktion sofort durchzuführen und-die nach der Vorlage er- forderlichen Beträge von rund 3,5 Millionen
FuldaerZertung
______Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatl.
Maffenhinrichtungen von Kommunisten in Kanton. I Ist es schon eine Eigenart der Bürgerkriege in aller Welt, daß sie immer sehr blutig und erbittert
I verlaufen, so sind diese Nachrichten über Massen- I Hinrichtungen, tote sie aus Mexiko und vor allem I aus China kommen, für jeden Europäer dennoch I schaudererregend.
I Än Afghanistan soll nach Londoner Meldungen Exkönig Amanullah mit 30 010 Mann die mit russischen Gewehren ausgerüstet sein sollen, im Anmarsch auf die afghanische Hauptstadt Kabul begriffen sein. Es ist fern Zweifel, daß nach wie vor bei den Kämpfen in China und in Afghanistan die Russen ihre Hand im Spiele haben, wöbet der Gegner im ersteren Falle wahrscheinlich Amerika, im letzteren England fft. Die großen Völker, die am Weltkriege teilgenommen haben, halten in Europa Frieden. Aber an der Peripherie der
! Zivilisation vollziehen sich Bürgerkriege, deren letzte Drahtzieher nicht genau sichtbar sind. Aber sehr merkbar ist das sozial-wirtschaftliche Motiv. Wenn man die kommunistische Presse in ihren Kommentaren zu all diesen Kämpfen nachprüft, so sieht sie überall Symptome der von ihr erhofften Welt- revolutron.
China.
„ -^mMsagentur meldet aus Hankau zur militärischen Lage, daß die Truppen der Regierung D°n^ Qn^n® auf dem Nordufer des Vangtse vor- r u.,® e n und gegenwärtig 25 Meilen von Hankau entfernt stehen. Die Führer von Wuhan konzen- trieren ihre Truppen in Panglo, wo eine Schlacht unmittelbar bevorstehen soll.
Wie das Hauptquartier Tschiang Kai-scheks in xiunong bekanntgibt, haben die Ngtionalfften nach öer Schlacht bei Hwangtschau 5000 Hankau-Solda- ten gefangengenommen und 4000 Gewehre und 21 Kanonen erbeutet.
Mexiko.
Von der mexikanischen Regierung wird der ® x 6 f r ? te.5R ebellen in Jiminez als gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch bes jaufftanbes int Norden bezeichnet. Nach einem gleichzeitig ausgegebenen durch General Calles uhermitt-tt-’ Flieg-^-^t über die Kämpfe vi Jiminez sind durch Zerstörung einer Brücke nörd- üü) ber Stadt acht Cisenbahnzüge mit flüchtenden Aufftändischen aufgehalten worden Die Straßen von Jiminez sollen voller Toter und Verwundeter sein.
wtb. Washington. 4. April. (Eig. Meld.) Bei Naco an der mexikanisch-amerikanischen Grenze bat ein Flugzeug der Aufständischen erneut eine
tfn sehr kleiner Landstrich zwischen der spanischen und französischen Grenze, ist eine freie Republik, deren Unabhängigkeit garantiert ist. Hier kommt die Bezeichnung Bürgerkrieg also nicht recht m Frage. Anders liegt es in Lissabon, wo neuer- dwgs wieder eine Verschwörung gegen die Regierung aufgedeckt worden und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden sind.
Wichtiger als diese Erhebungen sind die Bür- gerkriege m Mexiko, in Afghanistan und in ®h'na Es scheint so. als ob die Aufständischen m Mexiko nach emtgen Anfangserfolgen zu Beginn bep Monats Marz jetzt vor der allgemeinen und endgültigen Kapitulation ständen. Die Reqierunas- truppen werden von dem früheren Präsidenten geehrt. Es ist^bisher^nL rech! festgestellt worden, welches die letzten Gründe der ..gewesen sind. In dem Manifest, das Anfang Marz der Gouverneur von Sonore erlaffen hatte, wurden alle antikirchlichen Gesetze dfr Regierung außer Kraft gesetzt und hinzuge- !ügt, daß die „neue Regierung" die Gewissensfrei- heil der Burger nicht einzuschränken gedenke und die Reltgtonsubung gänzlich unbehindert lassm werde. Daraus könnte man schließen, daß die Aufstandsbewegung kirchenpolitische Gründe gehabt hätte. Andererseits wird aber versichert, daß agrar- politische Fragen das Hauptmotiv gebildet hätten Indem die Aufftändischen, hinter denen der Eroß- tzrundbesitz stehe, durch die von der Regierung geplante Parzellierung des Landes in Aufruhr versetzt worden seien. Wahrscheinlich sind beide Arten von Mottven bei dem Ausbruch des Aufstandes bestimmend gewesen, denn der Großgrundbesitz in Mexiko ist größtenteils kirchentreu, wie auch umgekehrt die Kirche in ihrem Kampf um die Freiheit von dem Interesse der Großgrundbesitzer gegen das sozialistische Calles-Regime unterstützt worden kst. Der Aufstand war in breitester Form angelegt. Da die Armee der Bundesregierung unter Calles über die besten Rachschubmögllchkeiten für Proviant und Munition verfügte, und überdies das Wohlwollen der Vereinigten Staaten genoß, konnte ihr endgültiger Sieg nicht zweifelhaft fein. Außerordentlich viel Blut hat die Aufftandsbewegung gekostet. Calles hat gedroht, daß die Ausrottung der „Verräter" in kürzester Frist vollendet sein werde. Man ■ kennt ihn als einen Mann, dem die Charaktereigenschaft der Milde nicht gegeben ist. Er tat diesen Ausspruch nach der Eroberung von Jimenez am 3. April in einem Bericht an I den Präsidenten Portes Eil. Gerade die^Erobe- I rung dieser Stadt geschah erst nach wilden Sttaßen- I kämpfen, wobei es keine Schonung gab. Calles ®irb es sich zum Verdienst anrechnen, wenn keiner der Aufftändischen mit dem Leben davon kommt. I
Sehr grausam scheint auch der Bürgerkrieg zu verlaufen, der neuerdings wieder in China aus- I gebrochen ist. Tschiang Kai-shek, der Direktor der Kuomintang-Partei ist nach dem Abschluß des I Kongresses in Nanking in Gewaltmärschen gegen das oppositionelle Hankau aufgebrochen, das wohl bald in seiner Gewalt sein wird, da sich der nördlich von Hankau stehende General Feng Pu-hsiang I mit ihm solidarisch erklärt hat. Als eine Fern- Wirkung dieses neu ausgebrochenen Bürgerkrieges I lieft man auch wieder von außerordenttichen ‘
Bürgerkriege.
Seitdem die Entwicklung der Technik die Erd- fefie einander genähert hat, und die Vorgänge in den fernsten Ländern in kürzester Frist der ganzen zivilisierten Welt bekannt gemacht werden können, haben wir für die politischen Entwicklungen in den Staaten an der Peripherie der Zivilisation ein sehr aufmerksames Interesse gewonnen. Aber nicht nur deshalb. Wir wissen auch, daß sich im letzten halben Jahrhundert eine so innige Verflechtung der wirtschaftlichen und polittschen Interessen der Großmächte in aller Welt, auch in den Ländern die man noch bis vor kurzem als wirtschaftlich jungfräulich, im kapitalistischen Sinne des Wortes, bezeichnen konnte, angebahnt hat, daß es eine nationale Pflicht geworden ist, jene Aufmerksamkeit anzuwenden. Schließlich stehen wir auch in einer Zeitepoche großer sozialer Umwälzungen, die vor keiner Landesgrenze Halt machen, sodaß gerade Auseinandersetzungen revolutionärer Art, also die sogenannten Bürgerkriege, uns auch dann sehr unmittelbar berühren können, wenn ihre Ausbruchstellen mehrere tausend Kilometer von unserem deuffchen Heimatlande entfernt sind. Es muß geradezu auffallen, wie sich in den letzten Wochen allenthalben die Bürgerkriege häufen. Sie sind nicht afie vom gleichen Charakter und doch wird man ziemlich ausnahmslos ein bedeutsames soziales Motiv feststellen können, ob es nun unmittelbar oder mittelbar wirksam ist. Die neueste kriegerische Erhebung wird aus der Pyrenänenrepublik Andorra berichtet. Hier handelt es sich allerdings, tote es scheint, nur um eine Unabhängigkeitsbewegung gegen militärische liebergriffe des spanischen Diktators Primo de Rivera. Andorra,
Änzeigen-Preise ttleinzeile (Colonel) Iota. u,15 jl* auswärts 0,20 JUL Reklamezeile: total 0,60 AM Cß auswärts 0,80 Bei Wiederholungen Rabatt
Postscheckkonto Frankfurt a. M Rr 4051
•Barniers .pü /—
r K A'’ '''"wwPerp/gnan -----at-
» _ -------LU1-