Fuldaer Leitung
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1460 .
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b) .Die Pinzgauer", Volkslied, etwa 1780 .
1858-1929
Der Vorstand des Mannergesangvereins Winfridia
. W. Rinkens . W. Rinkens
. bearb. b. Humperdinck . bearb. b. R. Kahn
. bearb. b. 6. Thiel
. R. Schumann 1810-1856
. D. Poppert 1845
. V. Keldorftr geb. 1873
b) Ich fahr dahin,
c) Sommerlied, Volksweise bor 1545
. I. S. Vach 1725
. Ehr. W. Gluck 1740-1787
. Valensin
. W.A. Mozart 1791
M =ä
Der Verkauf der Einüittskarten findet bis heute abend im Musikhaus Mollenhaucr und am Ostermontag von bormittags lOVa bis 12V- Uhr im Stadtfaal statt.
9. Cello und Klabier: a) Träumerei b) Tarantella
10. Männerchor: »Deutschland, mein Vaterland!
a) Abendlied (lhdisch) . . .
b) Capriccio (mixolhdisch) . .
6. Chöre: Alte Volkslieder
a) Mädchenpreis, Lochheimer-Liederbuch 1460 .
4. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNeudruckerei, Fulda.
M 76.
Sonntag, von 31. März 1929.
Mannergesangverein Winfridia
Männer- und Frauenchor
Chormeister: Herr Obermusiklehrer I. Zilliken.
Osterplauderer.
Die rechte Stimmung an den Ofkertagen. — Auch als Antwort an den Evangelischen Lund und an unsere anderen „Freunde" gedacht.
870
Schwingungen
Lieferung, Abstimmung, Normalisierung ganzer Orchester unter Garantie für jede Schwingungszahl. J. Mollen«
heuer & Söhne, Fulda, gegründet 1822.
Oster-Konzert
am Ostermontag, den 1. April 1929, abends 8 Uhr im Staötsaale unter Mitwirkung der Herren Kammercellist Alfred Steinmann und Professor Wilh. Rinkens.
neu, zur mittelbaren oder repräsentativen Demo kratie gezwungen sind, soll hier nur von den 3ted> ten und Pflichten die Rede sein, die dem Staatsbürger, in erster Linie natürlich dem mit der Vertretung ber anderen beauftragten Staatsbürger, dem Äbgeordneten in der Repväsentativ-Demokra- tie gegeben sind. Das liegt umso näher, weil sich jetzt ja besonders viele unserer Volksgenossen mit der Frage beschäftigen, wieweit unser konkreter deutscher Regierungsbetrieb mit den Anforderungen der wahren Demokratie in Widerspruch steht und welch« Mittel geeignet sein können, diesen Widerspruch zu mildern. - .
Die ideale Demokratie setzt also in erster Linie voraus, dH jedem mündigen Staatsbürger die gleichen politischen Rechte, der ursprünglich gleich» Teil an der Macht, „welche die Handlungen zum gemeinsamen Ziele ordnet und leitet", eingeräumt ist. Wo die gleichen plstitischen Rechte nicht bestehen, wo eine Person, eine Clique, ein Stand oder eine Klasse die Vorherrschaft hat. kann von
7. Klavier: Aus der »Deutschen Suite für Klavier"
„Tag der Arbeit" W. Rinkens
8. Chöre: a) „Die Königskinder", altdeutsche Volksweih \ bearb. v. Siegst. Ochs
kannst. Vielleicht hast du ein rechtes Ostergeschenk für deine Seele erhalten, die nun wieder frei aufatmet im Frieden Gottes. Wenn du das erfahren hast, so brauche ich beinahe von nichts anderem mehr zu sprechen. Denn diese Freude ist in^Wirklichkeit unaussprechlich, und wie wirkt sie sich bei manchen aus in Tränen und überströmendem Glücksgefühl. Ist das nicht eine wundervolle Auferstehung? Wenn da auf einmal in die dunkle Nacht der Seele das Osterfeuer hineinflammt? Wenn da Plötzlich aus irgendeinem dunklen, unheimlichen Etwas, wie es das Gewissen belastet, Rosen emporblühen, Rosen der Andacht, derLiebe, der Verzeihung? Das kommt wohl vor, daß sich am Ostertage Gatten wieder finden. Ganz still und glücklich, so wie es einmal war in der ersten Zeit der jungen Liebe ... Im Busch sang die Nachtigall. Weißt du? Und doch auch wieder anders, viel tiefer, aus einem Leben reicher Erfahrungen und tief en Kummers heraus. Der Friede sei mit euch!
Aber davon wollen wir nicht weiter sprechen, das ist so ein heimliches Glück, das man nicht verraten darf. Noch einmal: Ueberleg dir, worüber du dich freuen kannst. Hast du noch Augen, diesen Lenz zu sehen? Danke Gott. Mancher Millionär gäbe oie Hälfte seines Vermögens und vielleicht das Ganze, wenn ein Arzt sie ihm wiederschenken könnte. Hast du also noch zwei gesunde Augen, so bist du zweimal ein mehrfacher Millionär. Gib nur dein Los an die Lotterie zurück, denn du haft ja mehr, als das große Los der Preußenziehung. Es paßt sich so gerade am Ostertag, wo dem Herrn seine fünf Sinne verklärt aufleuchten, gerade daran zu denken. Haft du ein paar Kinder, aus denen dein eigenes Bild dich anschaut? So bist du ja auch in ihnen auferstanden. In etwa bist du dein eigenes Kind, wäre es doch nicht ohne dich. Seine Unschuld, sein Frohsinn, seine Unbesorgtheit, jein Gottvertrauen, fein Spielen mit den Engeln, das gehört noch dir. In deinen Kindern ist es dir erhalten. Wo soll ich nur aufhören, dir zu fchil- dern, worüber du dich noch freuen kannft? Ich müßte ja über Sonne, Mond und Sterne wandern. Tu es für dich allein, dann ist es noch viel schöner.
Und doch sehe ich manchen, auf den das alles keinen Emdruck macht. Das Leben ist halt zu hart gewesen. Es hat eine Eisschicht um die Seele gelegt, die einen Block über den andern schiebt, wie man es jüngst in den Tälern der kleinen Rhein- flüsje beobachten konnte. Da meint man, es werde keine Sommerwärme mehr fortdringen. Da ist eine Krankheit, die nicht weicht, da ein mißratenes Kind, da ein Familienschicksal, da eine alte Feindschaft, da die unerträglichen Steuern, da das schlecht gehende Geschäft, da die Arbeitslosigkeit, da ein verschuldeter Hof, da eine Gemeinheit des Nachbarn, ach Gott, was kann es nicht alles sein! Aber gerade dieses muß umgeschmolzen werden in die wahre Osterfteude. Schon das wirkt beruhigend, daß Christus dem Leben immer ehrlich gegenüberstand und daß er von dem Kreuze sprach, das man ihm nachtragen müsse, Tag für Tag. Dann denke daran, wie so manche Heilige glücklich gewesen sind, und zwar gerade über ihr Leid. Sie haben ihr Kreuz umfaßt, als wäre es das schönste Geschenk des Himmels. Jubelnd sprachen sie mit dem alten Dulder: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt... Sag es in dieser Zeit. Sag es, wenn du verzweifelt bist, den ganzen 2ag, vom Morgen bis zum Abend. Sag es, bis dieses Wort in seiner ganzen Liebesfülle in dir wach geworden ist. Dann wird ein Lenz dir werden, wie ihn kein Dichter je geträumt hat.
Auferstehung! Sei auch nicht bange für unser Volk. Die zehn Gerechten, wegen derer Sodoma geschont worden wäre, gibt es noch unter uns. Und bist du der elfte, so gibt es schon einen mehr. Glaube ist etwas, das bricht Statistiken von heute auf morgen. Es gärt etwas im Lande. Mir will scheinen, daß es nicht nur die Not ist, fonbetn auch der Idealismus, der sich wieder eine Stätte sucht. Und hilft alles nichts, nun, so tu Christus den Gefallen. Vergiß dich einmal über ihm und sag ihm zu Liebe: Alleluja. Noch einmal: Alleluja. Sieh, und nun bist du selbst schon ftoh.
Vortrags-Folge
1. Chor: „Dir, dir, Jehova, will ich singen" . . .
2. Cello und Klavier: a) Andante b) Menuett.......
3. Chöre: a) Ave, verum corpus.......
Aaatrwohl oder Parteiwohl?
Die Pflichten der Parteien im Volksstaat.
Demokratie, soweit man diesen Begriff auf die staatlichen Dinge beschränkt, ist nach wissenschaftlicher Definition „jene Staatsform, in welcher alle mündigen, zur eigenen Verantwortung ihrer Handlungen fähigen und verpflichteten, persönlich freien, im Staatsverband geborenen oder in ihn aufgenommenen Menschen zu gleichem Recht Träger der Staatsgewalt find." Dabei ist es zunächst ganz gleichgültig, ob die Staatsgewalt so, wie es bet« fpielsweise in einigen Schweizer Kantonen geschieht, von den gleichberechtigten Volksgenossen direkt ausgeübt wird, ober ob sie einer vom Volke bestellten Bertretungskörperfchast, einem nach geheimer unb gleicher Wahl gewählten Parlamente übertragen wird. Da eine direkte Demokratie nur in Zwergstaaten möglich ist und alle größere Staaten, das ist weitaus die Mehrzahl aller vorhanbe-
Zunächst macht sich der gläubige Christ am Osterfeste einmal von all seinen Sorgen los, den« einzig an den Herrn, der überwunden hat und auferstanden ist, und ruft ihm mit der Christrn-
• heit der ganzen Welt, mit den feurigen Osterlie-- dern, mit dem Geschmetter der Glocken ein fröhliches Alleluja zu. Und das tut ihm schon selber gut, denn nichts ist erhebender und reinigender für das Gemüt, als wie die sich selbst vergessende Test« nähme an der Freude eines andern.
Dann gibt er von dieser seiner Osterfteude auch allen Menschen mit, die ihm heute begegnen, den Sieben, die um ihn sind, den Freunden, die ihn besuchen, den Fremden, die seine Sttaße kreuzen. Aus einem Aufblühen der Gemeinschaftsfteude heraus gesellt er sich auch gern zu den Kindern, sucht mit ihnen Ostereier und bewundert das Häslern, das man am Ende in Marzipan eingefangen hat. Er — ich meine nicht den Hasen, sondern das Er von Er und Sie — schenkt ihr wohl auch ein Nestlein, und sie gibt ihm dafür einen Kuß der Liebe unb der Treue. Vor allem fällt es ihm nicht ein, sich an solchen Tagen kleinlichen Wortklaubereien entgegenzutreten und sich in Streit über Dinge zu verlieren, die jeder Kenner der Verhältnisie als feststehende Tatsache be- tzachten^nutz.
Gern überläßt man sich auch heute einem gewiss en Frohgefühl, das uns alle Dinge, auch die traurigen, schöner erscheinen läßt. Christus ist doch auferstanden, und Millionen glauben noch fest daran, so fest, wie weiland der heilige Paulus. Das fit doch eine freudige Tatsache, wenn man sich überlegt, wie harte Schicksalsschläge, wie alle möglichen fteigeistigen Bemühungen diesen Glauben rche in unserer Zeit zu erschüttern suchen. Es nichts damit geworden, und tote hohl klingt dieses menschliche Gerede und gescheite Grübeln dem frischen Ton der Osterglocken gegenüber und dem heiligen Lied ttefiter Glaubensüberzeugung. Wo hörte man denn überhaupt noch auf der Welt etwas so Hinreißendes wie etwa den Sang: Das Grab ist leer, der Held erwacht .. . Zumal, wenn eL so aus gewaltiger Männerbrust in die weiten Hallen eines Domes oder gegen die Gewölbe auch deS schlichtesten Kirchleins hinaus- und hinauf- bringt Dagegen kommt doch nichts auf, und wie em schwächlicher Greis, so steht der armselige Zweifler baneben, dem irgendein seelisches Schick- [ fal das Herz gebrochen hat.
Dazu kommt der Frühling, der uns nach der langen und schweren Kälre besonders willkommen ist. Erst in der Freude der Religion sieht man und sühtt man ihn richtig. Er hat die Ruhe noch nicht verloren. Dem Triller der Lerche unb dem Gezwitscher des Buchfinks merkst du es gar nicht an, daß das Dasein so traurig geworden ist. Und alle Spatzen pfeifen geradezu auf Reparationsbank und Staatsbankerott. Das wird schon wieder gut. Wo die Not am größten, da ist Gottes Hilfe am nächsten. Die Sorgen sind die Sorgen von ein paar Monaten oder Jahren. Wie klein werden sie gegenüber dem endlosen Wechsel der Jahreszeiten, die immer wieder nach dem Winter den Lenz über die Berge emporschicken. Die Blumen stehen wieder auf, die Nachtigallen kehren bald heim, der Maulwurf krabbelt sich empor. Das war immer so und wird immer so bleiben. Es ist das Gesetz allen Lebens, und es rechtfertigt die schönen Stunden und die triften Stunden, denn in aller Schönheit ist die leise Mahnung des Sterbens und in allen triften Stunden der leichte Schimmer der Hoffnung. Das Schneeglöckchen weiß davon am besten Bescheid, weil es noch friert, wenn es doch schon blüht, und weil es den Lenz sieht, obwohl der Winter es noch in seinen weihen Händen hält.
Ueberleg dir heute einmal, wieviel es in deiner Not noch gibt, worüber du dich auftichtig freuen
b) Motette: Jerusalem, Freude ward dir verheißen ...... . F. Commer 1813-1887
bearb. b. E. Thiel
10 Minuten Pause.
4. Chöre: a) Frühlingsahnung F. Mendelssohn 1839 bj Der Schmied . - - . R. Schumann 1849
5. Cello und Klabier. Aus der „SMe iT asieüTbnarten"
Der Jockei.
(Eine Novelle von Hans Roselieb.
Als die Pferde, die starten sollten, an uns vorübergeritten wurden, fiel mir die Stute Berta auf. Nicht, weil ich etwas Besonderes von Pferden und Rennen verstand. Sie fiel mir. auf als Tier, das heute im Dienste menschlicher Spiel- und Sportleidenschaften feine beste Kraft ausgeben sollte. Die Augen glänzten so —
Die Stute schritt sonderbar schwankend an mir vorbei. Mein Begleiter flüsterte mir zu, ohne deswegen seine Augen von den vorbeischrettenden Tieren wegzuwenden. daß man viele, viele Male geglaubt habe, der jetzt so berühmte Jockei Bob gösse vor dem Rennen eine Flasche Sekt ins Maul seines Gauls oder gebe ihm eine Kampfereinspritzung. Nie habe man ihm etwas Unrechtes nachweisen können, denn jedes Tier tue, sobald dieser Jockei darauf säße, als wäre es dabei, Sekt in seinem Magen zu verarbeiten.
Mein Begleiter schimpfte. Ueberall, wo dieser Jockei startete, gewann er todsicher. Aus seinem Konto stehen: zweimal der große Preis von Berlin, einmal der Preis von St. Leger, dann der große Hanfa-Preis, der große Preis von Baden, Austriapreis, das letzte Oppenheim- Rennen. Er reitet nur Stuten, die er selbst pflegt.
Dennoch setzte mein Begleiter auf das zweite Tier, einen mattgelben, hochgebauten Debütanten aus dem Stall Falkenhagen, den ein Herrenreiter ritt. Ich fragte, wieso er so gegen fein Tip-Urteil setzen könnte. Er lächelte von oben herab. „Stellen Sie sich vor, es versage einmal der Nieoersagende. Einmal muß es doch so kommen. Dann bin ich der, der gewinnt. Und wie! Fabelhaft!"
Dies Verhalten paßte mir nur für gewichste Turf- leute. Deshalb wollte ich es nicht nachahmen. Ich mochte mir mein Gefühl auch nicht beirren lassen und sprach nicht weiter darüber, sondern ließ mich lieber von meinem seltsam gespannten Gefühl beraten. Ich ging mit dem großen Haufen, indem ich eine kleine Summe auf das Pferd des Jockeis Bob fetzte.
Als der Start losging, bockte das große Pferd Su- keika, worauf mein Begleiter gesetzt hatte, nervös. Die
! Startleine fiel nicht. Die Tiere mußten nochmals beginnen. Mein Begleiter, schon ganz im Sport, flüsterte halblaut bewundernde Ausdrücke, doch nicht über seine Suleita, sondern über die Berta Bobs. Er stieß mich in die linke Seite, sehr heftig und sagte: „Jetzt seh ichs wieder."
Etwas hastig fragte ich: „Was, was", denn auch ich wurde erregt, da der Start begann und jemand schrie: „Berta", vorwärts!" Sogleich hinterher stieß ich einen Laut des Entzückens aus. Durch mein Fernglas sahen meine kurzsichtigen Augen Bertas herrlich gestreckten Beine und den schönen Leib und daraus zwei Hälse und zwei Köpfe, die einen schwarz, das waren Hals und Kopf der Berta, die anderen blutrot, das waren Bobs rote Bluse und sein rötlich-braunes Rasen-Gesicht mit dem fuchsigen Kopf. Die wahrscheinlich nachlässig aufgestülpte Kappe war ihm.abgeweht. Mein Herz klopfte: ich war glücklich gespannt und wollte mit dem Glas vor den Augen dieses Glück, das da ritt und sich gar nicht anftrengte, verfolgen. Doch schon wurde ich böse, daß die Berta mit dem berühmten Bob nicht von Anfang an spielend, wie ich es für das Schönste hielt, an der Spitze dahinsauste, auf und ab getragen von den Wogen der sonnig glitzernden Luft. Jetzt blieb er schon eine Kopflänge zurück. Die Suteifa und ein Brauner flogen in Front.
Ich setzte das Glas ab und atmete tief. Ich blickte auf meinen Begleiter und sah, daß er die Augen geschlossen hielt. Er mußte meinen Blick spüren und wiederholte, was ich schon vergessen hatte: „Ich hab es wieder gesehen." — „Was, was denn nun", fragte ich etwas gereizt.
Er sagte ruhig: „Vor 11 Jahren, als kein Mensch bas Dasein dieses Menschen Bob kannte, schrieb ich die Rennsportberichte für eine Berliner Sportzeitung. Ich war häufig Besucher des Tattersalls. Ab und zu holte ich mir da ein Pferd zum Ausreiten. Eines Tages, gegen Mittag, fand ich das Personal aufgeregt wegen einem neuen Reitburschen. Die Leute redeten heftig auf ihn ein. Der Bursche lachte nur so wie einer, der lachen muß und gleich mit dem ganzen Gesicht, mit den Armen, dem Bauch, den Beinen. Beim Ausritt der zwei Holsteiner des Majors Gugenheim sollte dieser
Bursche den schwarzen Vasall des Majors reiten. Der Major konnte wegen einer Grippe nicht aus dem Bett. Der Bursche hatte bisher den richtigen Pferdeverstand bewiesen. Der Ritt ging ganz gut von Lauf. Bis beim Strahenkreuz . . ."
„Sehen Sie", rief ich, „die Pferderücken sausen durch die Kurve. Uff! Die Berta ist wohl an zwei Kopflängen . . ."
,Hören Sie mir doch zu," flüsterte mein Begleiter. „Beim Bahnhof Zoo sauste unerwarteterweise eine solche Zahl Autos, daß der Schwarze bockte. Es war vor 11 Jahren. Der Schwarze ging durch, mitten zwischen die fahrenden Autos. ’ Der erste Stallknecht, der den Fuchs ritt, schrie und hielt sich die Augen zu. Ein Polizist pfiff, pfiff. Ein Geheul, Geknatter. Was war geschehen? Der erste Stallknecht, dessen Fuchs so zitterte wie er selber, sah den Burschen auf dem Schwarzen, wie er sich zwischen den Autos einen Weg suchte. Nein, nicht ganz so war es. Der Bursche nahm die Hindernisse wie in einer Zirkusvorstellung, ganz so elegant. Die Autos standen still: viele Ehausseure lachten. Der vordem so widerspenstige Schwarze war wie dressiert — in weniger als drei Minuten. Eine besondere Leistung des Burschen? Der Stallmeister war anderer Meinung. Der Stallmeister kotzte ihn an, daß solche Teufeleien nicht in seinen ehrenreichen Stall gehörten. Er entließ ihn. Darüber kam ich, ließ mir erzählen, sah den Burschen wie er lachte, mit dem ganzen Körper lachte. Aber sprechen konnte er nicht. War seine Stimme durch das Abenteuer stumm geworden? In diesem Augenblick brach der Schwarze aus dem Stall, wo er mit Spiritus eingerieben werden sollte. Er wieherte seltsam, als er seinen Bändiger erblickte und lief zu ihm hin. Der Bursche ließ sofort das Lachen. Die Stute wußte nicht, was sie alles anstellen sollte, aus Freude, aus Verliebtsein, weiß der Teufel. Der Bursche wollte auf sie einreden. Es kam aber nur ein heiseres Pfeifen aus feinem Mund Da umschlang er ihren Hals, da küßte er sie an der Schnute, befahl ihr mit Gebärden, dem Stallknecht zu gehorchen. Das Tier gab nach und tat, was dieser Bursche wollte. Ein Ostpreutze, 17 Jahre alt. Der Trainer Davids war auch dabei. Er hatte still alles beobachtet. Jetzt sagte er, er wolle den Burschen zum
Jockei ausbilden. Der Bursche strich sich über den rot' haarigen Kopf, mehrmals, als müsse er sich besinnen. Der Trainer wiederholte sein Angebot. Da war es, al- erwache der Bursche. Er konnte auch wieder sprechen. Allerdings nur wie gehaucht. So wurde aus dem Stallburschen der Jockei, der heute die Berta reitet -r- und immer gewinnt."
„Immer?" rief ich „Sehen Sie, jetzt ist er an drei Kopflängen hinter der Suleita zurück." Ich sah auch durch mein Glas, daß Bob seltsam mit dem Kops wackelte. „Ist er heute nicht in Form?" fragte ich meinen Gewährsmann. Ich wunderte mich über mich selbst, über die Angst, die ich plötzlich empfand.
Neben mir hörte ich die Stimme ruhiger als vorhin sprechen: „In Form? Der? Er ist doch stets eins mit feinem Tier."
Nach einer Weile nahm ich das Glas ab. Der berühmte Jockei sieht wie ein Blödsinniger aus", sagte ich „Oder nicht?" fragte ich mit einer sonderbaren Hoffnung, daß mein Begleiter meine Ansicht widerlegen möge. Aber er widerlegte sie nicht. Mein Begleiter verfolgte auf einmal mit einem ganz neuen Interesse das Rennen. Aber nicht nur er. Ich hörte unruhige Rufe, aus dem Publikum: „Nanu, was ist mit ihm los? Ist er toll? Ist er verrückt. Er ist ja fast schlapp. Er fliegt ja wie ein Ball auf dem Tier". Neben mir sprach mein Begleiter aufgeregt: „Fast 12 Jahre hielt er es aus. Immer der Erste, wo er mitmachte. Wenn and) oft nur um Kopfeslänge. Aber stets er und feine Stute ober feine Stufe und er. Nicht voneinander zu trieger nachher Wie verkrampft! Er der Kopf und sie der Leih. 12 Jahre hielt er es aus. Unb heute im 13. Jahr? Wird er alt?"
Hinter uns, neben uns schrien unb srflllten Stimmen: „Feste! Achtung! Du führst ja nicht Eine ganze Länge ist die Suleita voraus!"
Auch ich wurde aufgeregt. Ich spürte, daß meine Hoffnung, mit diesem rätselhaften Jockei zu gewinnen sich verlor. „Meine Aussicht ste:gi". tpflttelte neben mir mein Begleiter. „Ich wollte :hm wieder meine 2‘.) Mark opfern; wie so oft. Soli ich heute damit einen Riesengewinn machen? Soll ich wirklich'"
„Behalten Sie das doch für sich. Noch, noch ist es nicht zu Ende", flüsterte ich erbost. Er lachte unb zf-