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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.

Hr 76.

-srfdjetnt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblütter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 Monatl. 1,80 einschl. Postgeb. (30 bezw 48 Pf.) ohne Zustellg

Sonntag, 31. Marz 1929.

Änzeigen-Preise Kleinzeile (Colonel) lotai 0,15 JU auswärts 0,20 JUL Reklamezeile: lokal 0,60 JUt auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederholungen Rabatt. :»: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr 4051.

Sö.Zahrg.

Gftern und park.

Der Stand der Reporationsverhandlungen. Erörte­rungsgrundlage gewonnen.

wtb. London, 30. März. (Eig. Meld.) Dimes berichtet aus Paris: Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm an der (Erörterung am Don­nerstag einen hervorragend konstruktiven An­teil. Der Korrespondent erwartet, daß am näch­sten Donnerstag zum 1. Male dieFrage der Zahlungsbeträge behandelt werden wird. Die Aussichten für einen befriedigenden Fortschritt in dieser Richtung hatten sich sehr gebessert. Ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen dem Standpunkt Deutschlands und dem der Gläubiger­länder sei bei diesen (Erörterungen nicht zur Sprache gebracht worden. Wie man annehmen könne, bildeten sie vielmehr eine für beide Seiten annehmbare Berhandlungsgrundlage.

..Morningpost" belichtet aus Paris: Die am Donnerstag vom Vorsitzenden und von verschiede­nen Delegierten gemachten Vorschläge sind von den Deutschen als Erörterungsgrundlagen angenommen worden. Dies deutet auf eine gün­stige Atmosphäre hin. Der Pessimismus, der zu Beginn der Woche geherrscht hatte, ist einem Opti­mismus gewichen.

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wtb. Paris, 30. März ((Eig. Meld.) lieber die Stellungnahme des Vorsitzenden der Reparations- sachverstänbigenkonferenz Owen D. Poung in der Schlußsitzung vor den Osterferien schreibt „Echo be Paris", Owen D Poung habe es zwar abge­lehnt, in der Debatte endgültig Stellung zu neh­men und sich wie eine Art Schiedsrichter feine Handlungsfreiheit Vorbehalten. Aber er habe es sich doch angelegen sein lassen, einige Ziffern zu nennen, bie den merklichen Abstand zwischen dem interalliierten Höchstbetrag und einem amerikani­schen Mindestbetrag, unter den man bei den Ver­handlungen nicht werde heruntergehen dürfen, zeigen. Das sei ein recht wenig geeignetes Ver­fahren, um die Börse des Schuldners zu öffnen. (Es sei klar, daß Dr. Schechf sich anschicken werde, mit dem amerikanischen Betrag zu manöverieren und daß er firh mit dem interalliierten Geldbetraae nicht mehr als mit dem.blauen Him­mel beschäftigen werde. Man müsse jedoch fest, stellen, daß eine Verständigung nur erzielt werden könne, wenn die Deutschen über das Minimum Owen D. Pouna hinausgehen. Owen D. Young habe nicht verfehlt, ihnen das mitzuteilen.

5lbg. Loenartz f.

In den Rochmittagsstunden des Karfreitags ist das Mitglied des Preußischen Landtags, Landrat a. D. Loenartz, an den Folgen einer tückischen Krankheit verschieden.

Mit Abg. Friedrich Loenartz ist einer der kennt­nisreichsten, tüchtigsten und hoffnungsvollsten Par­lamentarier der Zentrumsfraktion des Preuß. Landtages aus unserer Mitte ge­schieden. Er war geboren am 6. Februar 1887'in Koblenz. Nach Besuch der Universitäten Heidel­berg, Berlin, Nancy und Bonn wandte er sich der juristischen Laufbahn zu. Von 1917—1919 war er Referent beim preußischen Staatskommissar für Volksernährung.

Er widmete sich dann der Verwaltungslans- bahn. ' Seinen ersten Poften bekleidete er beim Landratsamt in Trier zur Einarbeitung. Am 28 August 1919 erfolgte seine (Ernennung zum Land­rat von Bitburg. (Er teilte das Schicksal fast sämt­licher feiner Amtskollegen aus dem besetzten rhei­nischen Gebiet, indem auch er in dem kritischen Jahre des Rhein- und Rubrkamvfes im Jahre 1923 von den Franzosen den Ausweisungsbefehl erhielt und in den letzten Tagen des Februar 1923 von den Franzosen verhaktet und nach Trier geschokkt wurde. Auch seine Familie mußte das beseßte Ge­biet verlassen. Nach Rückkehr in den Kreis Bit­burg entfaltete er auf fast allen Gebieten eine äußerst ersvrießliche Tätigkeit, insbesondere wandte er fein Interesse den wasserwirtschaftlichen Plänen des Kreises zu.

Seine ausgezeichneten Kenntnisse auf diesem Gebiete neranlaßten ibn, im Jahre 1927 aus dem Staatsdienste auszufcheiden, um einen leitenden Pasten bei den RWE. zu übernehmen. Sein kluges und entschiedenes (Eintreten für die Forderungen des landwirtschaftlichen Berufsstandes trugen ihm das Vertrauen der rheinischen Landbevölkerung in besonderem Maße ein, sodaß die Organisationen der Landwirtschaft ihn der Zentrumsvartei als ae- cioneten Kandidaten für den Preußischen Landtag präsentierten.

Er hat das Vertrauen feiner Wähler in hohem Maße gerechtfertigt. Unermüdlich weilte er auf Versammlungen in den Kreien her Landbevölke­rung. (Ein außerordentliches Verdienst um die Lanhwirtschaft bat er sich erworben durch die Aus­arbeitung eines großzüaiaen Bodenrekormu'-o- ararnms. welches unter Berücksichtigung her Be­lange der Landwirtschaft auch den Interessen der übrigen Stände gerecht zu werden peinlich bemüht ist. Diese ausgezeichnete Arbeit des Verblichenen ist auf dem lebten Reichsvarteitane in Köln von dem landwirtfchastlichen Beirat einstimmig angenom­men mnrben. Seit dem Jahre 1921 gehörte er hem Preußischen Landtag für den Wahlkreis Köln- Aachen an Der Heimgegangene mar ein Mann van festem Willen, verbindlichen Formen, zähem Arbeitseifer und ständiger Hilfsbereitschaft. Die Zentrumspartei verliert in ihm eine hervorragende Kraft.

«

Für Dr. Loenartz tritt der Syndikus des Mittel­standhauses in Düren. Dr. Stahlhof er, in die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags I

Im Jahre dei

Ostergebankm von Al

In der Osterzell werden deutsche Pilger nach Rom ziehen. Andere werden ihnen im Laufe dieses Jahres folgen. Nicht annähernd in so großer Zahl wie vor vier Jahren, als das Anno santo die katholische Welt gegen Rom zu in Bewegung setzte und die deutschen Katholiken nächst den italienischen die meisten Pilger stellten. Das erlaubt unsere fortschreitende Verarmung nicht. Darum hat auch das Zentralkomitee der Katholiken Deutschlands diesmal von jeder Werbung für Romfahrten abge­sehen. Aber es werden doch viele hingehen. Denn die Sehnsucht, die nun einmal jeden Deutschen nach Italien zieht, erhält für den Katholiken in diesem Jahre besonders starke Impulse.

Papst Pius XI. begeht im Laufe dieses Jahres den 50. Gedenktag seiner Priesterweihe. Das ist ein großes Familienfest für feine Kinder. Um denen, die ihn besuchen wosten, ein kostbares Ge­schenk zu machen, hat der Heilige Vater einen Jubiläumsablaß ausgeschrieben und das Jahr 1929 zu einem heiligen „extra ordinem" erklärt.

Und nun ist zu all dem der Friede von Rom gekommen! VieUeicht werden die Pilger nach außen hin nicht mehr zu sehen und zu staunen finden als ihre Vorfahren in den letzten 59 Jahren. Aber als erste werden sie einen freien Papst sehen! Wer lebt denn noch, der vor dem Verbrechen von 1870 in Rom gewesen ist? Vielleicht werden sie den Papst in den gewohnten Gemächern des Vatikans sehen, der ihm und seinen vier letzten Vorgängern das Gefängnis war. Aber darum zu wissen, daß er als ein Befreiter vor ihnen steht, daß er hinaus­schreiten konnte, segnend und gesegnet in die Mitte seiner Kinder auf der ganzen Erde, das wird unfern Pilgern Freudentränen entlocken.

Und sie werden ein Volk sehen, das seinen Frieden mit dem Papste, seinen Frieden mit der Kirche, seinen Frieden mit Gott wiedergewonnen hat. Gewiß, der Heilige Vater hat es den Ita­lienern so leicht gemacht, wie nur je ein milder Beichtvater dem reumütigen Sünder. Die Buße, die er ihnen auferlegte, will manchem von uns, der — ein bißchen selbstgefällig — außerhalb des Beichtstuhles stand, allzu gnädig erscheinen. Aber

Trotzki über die Weltlage.

wtb. Paris, 30. März. (Eig. Meld.) Ein Mit- arbeiter der Wochenschrift „Pax" hatte in Kon- stantinopel dieser Tage eine Unterredung mit Trotzki. Trotzki erklärte ihm u. a.: Ich bin über das Schicksal Rußlands nicht eigentlich beunruhigt, da­gegen bin ich durchaus pessimistisch im Hinblick auf die internationale Lage. Ich sehe einen baldigen Krieg zwischen England und den Ver- einigtenStaaten von Nordamerika wegen der erbitterten Konkurrenz, die sich diese beiden Mächte auf internationalem Gebiet machen, als unver­meidlich an. Ich setze keinen Zeitpunkt dafür an, aber man kann versichert fein, daß der Anta­gonismus zwischen diesen beiden Mächten die Welt ein Vierteljahrhundert lang beherrschen wird. Nach meiner Meinung ist der Kelloggvakt die moralische Vorbereitung auf einen neuen Krieg, während der Völkerbund nur geschaffen wurde, um den künftigen Krieg zum Besten der Interessen Frank­reichs und Englands vorzubereiten. Die großen Mächte haben den Krieg sozusagen zu ihrem Nutzen monopolisiert. Die kleinen Staa'en sind absolut unfähig, ohne die Zustimmung der Großmächte Krieg zu führen.

Grdensgesellschasten und Frankreich.

Die französische Kammer hat den letzten der Gesetzentwürfe zur Wiederzulasfung von neun reli­giösen Orbensgesellfchaften, nachdem die Regierung die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 331 gegen 258 Stimmen angenommen. Jrn Verlaufe der Sitzung entwickelte der Abgeordnete Francois-Al­bert einen Gegenentwurf, der u. a. die Verpflich­tung enthalten sollte, daß die religiöfen Ordens- gesellschasten aus den ihnen zurückzuerstattenden 22 Millionen für die Unterhaltung der kirchlichen Gebäude zu sorgen haben. Minister Tardieu er­klärte, daß diese Verpflichtung zum größten Teil bereits bestehe und stellte gegen den Entwurf Francois-Albert die Verttauensfrage. Die Kam­mer lehnte den Gegenentwurf mit 315 gegen 255 Stimmen ab. In der Kammer ist die Frage der religiösen Ordensgesellfchaften damit geregelt.

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Der französische Senat hat den Kel- l o g g p a k t angenommen.

Abreise Dr. Strefemanns von San Remo. Rerchsaußenminister Dr. Stresemann ist von San Remo nach Deutschland abgereift.

* Waffenfunde bei Kommunisten. Be- einer Haussuchung bei Mitgliedern der kommunistischen Jugend in Bochum entdeckte die Polizei 225 Schuß Infanteriemunition, fünf Dum-Dum-Gescbofse, 13 Handgranaten, von denen die Stiele abgefägt wa­ren, und eine Anzahl Karabiner.

* Die Lohnbewegung der Eisenbahner. Der Vorstand des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands bat sich mit der schwebenden Lohnb-- roegung beschäftigt und den Beschluß gefaßt, den Beirat der Organisation anzurufen und den Ver­tretern der Mitgliedschaft Gelegenheit zur Stel­lungnahme zu geben, um von ihnen die notwen­digen Vollmachten zur Durchführung weiterer Maßnahmen zu erhalten. Ferner hat der Vorstand beschlossen, die Ortsgruppen des Verbandes durch

i Heiles 1929.

s Sürst zu Löwenstein.

dies richttg zu bemessen, ist Sache des Beichtvaters. Ist Sache des Vaters der Christenheit, die Bedin­gungen ,u bestimmen, unter denen er ein Christen­volk wieder an sein Vaterherz nehmen will.

Italien, das leuchtet uns aus den Artikeln des lateranensischen Dettrages klar entgegen, hat sich ehrlich und rückhaltlos von der Carbonaripolitik seiner früheren Staatsmänner und Könige abge­wendet, die der nationalen Einigung den kostbarsten Schatz geopfert haben, den diests Land zu bergen die unvergleichliche Ehre hat; hat sich losgesagt von der Loge, in deren Fesseln das Land lag und ver­kümmerte; hat die Grundsätze des revolutionären Liberalismus kühn über Bord geworfen; hat ka­tholischen Glauben und katholisches Sittengesetz zur Richtschnur seines staatlichen Lebens erkoren. In der Kulturgeschichte der Christenheit vielleicht das an Zukunstsmöglichkeiten bedeutendste Ereignis seit der Reformation.

Das Alles werden die deutschen Pilger sehen, wenn sie nach Rom kommen. Was werden sie von dort zurückbringen? Nur ein Herz voll schöner Erinnerungen? Oder auch die Erkenntnis, daß es bei ihnen daheim nicht nur wirtschaftlich — das wäre das geringste — sondem auch religiös traurig aussieht, daß es zu beffem gibt, daß das „Germa­nia docet" schon lange nicht mehr wahr ist? Auch den Entschluß, von jetzt ab als ganzer Katholik zu leben und, jeder auf seinem Platze, als ganzer Katholik zu wirken? Den Wlllen, zielbewußt darauf hin^uarbeiten, daß Deutschland ein christlicher Staat

„Im Jahre des Heiles" — das bedeutet an sich nur eine Zeitbestimmung: im so- und sovielten Jahre nachdem der Wett durch die Geburt Christi das Heil ward. Aber, wie es in dieser christlichen Zeitrechnung unheilvolle Jahre gegeben hat, so auch Jahre des Heiles in dem Sinne, daß sie der Menschheit Glück brachten.

Für das Papsttum, für die Kirche, für Italien ist i929 wahrhaft ein Jahr des Heiles geworden. Mögen die deutschen Rompilger dazu beitragen, daß es auch für ihr armes Vaterland den Beginn des Heiles, der Heilung, bringe!

ein besonderes Rundschreiben zu ermahnen, alle Eingriffe sogenannter Kampfleitungen ober ähnlicher radikaler Gebilde entschieden zurückzuweisen.

* Lubenborffs Berufung gegen bie Verurtei­lung zu 800 Mark Geldstrafe. 'In bem Beleibt« gungsprozeß bes Photographen Sparr, in welchem ßubenborff vom Amtsgericht in Euxhavcn zu einer Geldstrafe von 800 Mark verurteilt worben ist, hat ßubenborff Berufung eingelegt. Die Sache wirb nunmehr in zweier Instanz vor bem Landgericht Hamburg verhandelt werben.

* Kommunisten überfallen Polizeibeamke. Das kommunistische Mitglied der Hamburger Bür­gerschaft D i t t m a n n, geriet, als es sich in Beglei­tung mehrerer Personen auf bem Heimweg von einer kommunistischen Veranstaltung befand, in einen Wortwechsel mit einem in Zivil befindlichen Polizeibeamten, dem Dittmann oorwarf, kürzlich eine Anzeige gegen Kommunisten erstattet zu ha­ben. Als der Beamte sich weigerte, seinen Namen zu nennen, wurde er durch wuclftige Schläge auf den Kops niedergeschlagen und von den Be- alciteri Diltmanns ober Leuten, bie inzwischen bin» zu gekommen traten, mit Füßen getreten Ein zwei­ter in Zivil besinblicler Beamter, der hinmgekom- men trer. wurde gleichfalls schwer mißhandelt und von der Menschenmenge, die sich mittlerweile an« gesammelt hatte, hart bedrängt. Uniformierte Po­lizeibeamte eilten schließlich herbei und befreiten ihre Kollegen. Dittmantt wurde festgenommen und bem Gericht ,zugeführt.

* Tumulte in einer Versammlung der Trie- bensgesellschaft. Eine stark besuchte Versammlung der Deutschen Friedensgelellschaft in Görlitz wurde während eines Vorttages des Mitgliedes der Friedensgesellschaft, Vietbücher, durch Na- tionalsoziali st en gestört. Es kam zu einem großen Tumult, bei dem die Gegner mit Stühlen, Stöcken und Biergläsern auseinander einschlugen. Eine Frau erlitt schwere Kopfverletzungen durch einen Wurf mit einem Bierglas. Zwei andere Ver­sammlungsteilnehmer wurden durch Schläge mit Stuhlbeinen erheblich verletzt. Ein Naftonalsozia- list mußte sich auf der Polizeiwache verbinden las­sen. Dem herbeigerufenen Ueberfallkommando der Schutzpolizei gelang es erst nach längerer Zeit, die Ruhe soweit herzustellen, daß der Redner feinen Vortrag fortsetzen konnte. Im weiteren Verlauf des Abends riefen anwesende Stahlhelmmit- giied er eine neue Störung hervor. Die Polizei griff infolgedessen mit Gummiknüppeln ein und die Stahlhelmer verließen geschlossen den Saal. Der Vortrag konnte dann ungestört zu Ende geführt werden. Nach bem Vortrag kam es noch einmal zu^Iebhaften Auseinandersetzungen, biesmal zwischen Lozialdemokraten und Kommu­nist en

China.

Ein Erfolg der Nankingtruppen

wtb. London, 30. März. ((Eig. Meld.) Times berichtet aus Shanghai: Einem Amtlichen Com- muniaue zufolge schlugen bie Regierungstruppen die Streitkräfte Wuhans an der Grenze von Kwangsi und Hupeh 25 Meilen oberhalb Kiukiang, machten Gefangene und erbeuteten Munition.

Bries aus Ostpreußen.

Ostpreußenhllfe nnb katholischer vollste» in Oft preußen. — Der Dank bes ostpreußifchen provin ziallanbtags. — Die Machtstellung der Rechten in der ostpreußifchen Lanbesverwaltung ernstlich ge­schwächt. — .Gespräche beim Grog" und ihre Folgen.

C. S. Allenstein, Ende März.

Die Vorbereitungen des Ostparteitages des Zen­trums hat naturgemäß die ostpreußische Zentrums­partei veranlaßt, ihrs Stellung zu ben Problemen, bie durch bie befonbere Lage Ostpreußens aufge­worfen worben sind, einer eingehenden Nachprü­fung zu unterziehen. Dabei drängt sich mit aller Eindringlichkeit die Festellung auf, daß die Be­hauptung von einer „katastrophalen Vernachlässi­gung" bes brutschen Ostens, insbesonbere Ostpreu­ßens, durch Reich und Staat nichts anderes als eine leere Phrase ist. Natürlich sind noch viele Wünsche offen. Auch der katholische Volks- teil Ostpreußens wartet noch immer darauf, baß bie letzten Reste alter boruffischer Poli- t i k verschwinden und man anfängt, einmal ganz embeutig unb ohne ängstliche Seitenblicke die Schä- bigungen, bie uns das alte Regime zugefügt hat, gutzumachen. Wenn tatsächlich, wie es heißt, in den letzten Jahren verhältnismäßig höhere Staats­mittel zur Unterstützung kultlicher, kultureller unb karitativer Einrichtungen in katholische Gegenden Ostpreußens geflossen sind als in evangelische, so betrachten wir das als einen, vielleicht unbeabsich­tigten, jedenfalls aber bescheidenen Anfang einer solchen Wiedergutmachung. Andererfeits kann man aber an eine völlige Objektivität ober gar an ein besonders Wohlwollen der zentralen Stellen für uns solange nicht recht glauben, als noch Fälle unterschiedlicher Behandlung zwischen katholischen unb evangelischen Bezirken der Provinz festzustel- len sind. Einer von diesen Fällen ist z. B. der­jenige des Volkshochfchulheims für das E r m l a n b. Ein kirchlich-evangelisches Volkshoch, fchulheim bestand schon längere Zeit vor dem! Kriege in Rasterburg. Desungeachtet richtete man für die besonderen nationalpolitischen Zwecke bes masurischen Teiles bes Abstimmungsgebietes vor nunmehr zwei Jahren ein Volkshochschulheim in Jablonken ein, bas sich außerordentlich günstig bewährt. Damals bei der Einrichtung Jablonkens wurde uns (Ermlänbern von allen maßgeben- den Faktoren versichert, der masurischen Volkshoch­schule werbe die Ermländische Volkshochschule bald folgen. Wir zweifelten um so weniger an dieser Zusage, als im südlichen Ermlavd unb in WOst­preußen die nationalpolitische Frage unbestritten weit brennenber ist als in Masuren. Trotzdem hört man heute nichts mehr von der Ermlän-dischcn Volkshochschule. Als im Spätherbst 1927 in einer Denkschrift des Zentrumsabgeordneten Dr. Heß un­ter zahlreichen anderen ermländifchen Fragen auch diese angeschnitten unb dringlicher Erledigung empfohlen wurde, antwortete der preußische Mini- stervräsident im Juli 1928, baß die Ermländische Volkshochschule Gegenstand grundsätzlicher Erwä­gungen sei. die noch nicht abgeschlossen wären. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob diese Erwägun­gen immer noch schweben ober ob man heute aus irgendwelchen anderen Gründen die Angelegenheit nicht weiter verfolgt.

Abgesehen von diesen Beafiftanbungen im ein­zelnen wirb man doch zugeben müssen, daß bie Ostpreußenpolitik von Reich unb Staat in den bei­den letzten Jahren aktiv, konseouent und erfolg­versprechend gewesen ist. Ihre Fortsetzung durch ben kürzlich im Reichskabinett verabschiedeten Ge­setzentwurf läßt auch die Zuversicht offen, daß in absehbarer Zeit ein Wandel zum Besseren in un­serer wirtschaftlichen Laoe eintrit. Die detaillier­ten Ziffern, die Oberpräsident Siehr in der letz­ten Session bes ostpreußischen Prooinziallanbtages über die Ostpreußenhilfe vorlegte, verfehlten nicht einmal ihren Eindruck auf bie Rechtsmehrheit bie« fes Hauses, sodaß eine Anregung. Reich unb Staat für ihre Hilfe ben wärmsten Dank auszusore- d)en, im ganzen Provinziallcmbtsg mit Ausnahme der Kommunisten einhellige Billigung sand. Diese Resolution bes Prooinziallanbtages barf man je­denfalls in Berlin als starkes Aktivum buchen. Die deutschnationale Agitation im Lande hat gelegent­lich zwar noch eine andere Version über diese Dinge notwendig, aber schließlich dürfte doch auch einmal im letzten masurischen Dorf die Wahrheit bekannt werden. Selbst wenn der für die Hilfs­aktion der Zukunft vorgesehene Kommissar nicht ein Mann der dentschnat'onalen Agrar-Aristokratie, etwa Herr von Batocki-Bledau, sein sollte, dürf­ten die alten agitatorischen Ladenhüter nicht mehr allzulange vorhalten

In der vorher erwähnten Session bes ostpreu­ßischen Provinziallanbtages hat bie Rechte zum ersten Mal eine ernstliche Bieberlage erlitten. Unter 87 Abgeorbneien verfügen Deutsch- nationale, Deutsche Volkspartei und Völkische über 44 Stimmen. Mit dieser einen Stimme Mehrheit hat bie Rechte in dem fetzigen Provinz'allanbtag eine rücksichtslose unb unbeschränkte Herrschaft aus- geübt. Außer einem Zentrumsmann waren sämt­liche höheren Stellen der Land-sverwaltimg mit Rechtsleuten besetzt. In diese ..Diktatur des Gra­fen (Eulenburg" ist nunmehr eine Bresche geschla­gen. Zwar gelang noch bie Wahl des deutschnatio­nalen Landesrats Dr. Bezzenberger zum ersten Landesrat anstelle des jetzigen Landeshauptmanns Dr. Blunck. Als bie Rechte sich aber anschickte, in die Leitung der Landesbank neben ben Eeneral- bireftor Huck einen der Ihren als zweiten koordi­nierten Generaldirektor für die Geschäfte der Stabt, -haft zu fetzen, gab es eine kleine Revolte. Ein